Archive for Juni, 2015

Fernsehpreis für „Dui Rroma“

Juni 30th, 2015  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV

Adrian Gaspar, Hugo Höllenreiner und Iovanca Gaspar (Foto: volksgruppen.orf.at)Dokumentarfilm „Dui Rroma“ ausgezeichnet

Am 17. Juni wurden im Wappensaal des Wiener Rathauseszum 47. Mal die Fernsehpreise der Erwachsenenbildung übergeben. In der Sparte Dokumentation wurde der auf Okto TV gesendete Dokumentarfilm „Dui Rroma“ ausgezeichnet. Den Preis erhielt die aus Rumänien stammende Iovanca Gaspar. Gaspar arbeitet seit 2005 in der Magistratsabteilung für Integration und Diversität im Schwerpunkt „Roma und Sinti“. Der Preis wurde von Alice Fleischer vom WIFI Österreich überreicht.

„Dui Rroma“ berichtet über die Begegnung zwischen dem Münchner Sinto und Holocaust-Überlebenden Hugo Höllenreiner und dem jungen Wiener Komponisten und Rom Adrian Gaspar. Hugo Höllenreiner verstarb am 10. Juni 2015 in Ingolstadt.

>>„Dui Rroma“ | Okto | 23.05.2015

ZDF: Hass in Halle

Juni 29th, 2015  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Halle (Foto: Hallespektrum)Hass in Halle – Eine Region im Griff der Rechten

ZDF: Frontal 21 (Mediathek)
Di., 30. Juni 2015, 21.00 Uhr
(verschoben auf 7.7.)

Weitere Sendungen:
ZDFinfo | Mi, 1.7.2015, 10:45
ZDFinfo | Mi, 8.7.2015, 7:30
ZDFinfo | Mi, 15.7.2015, 7:45

In der Region um Halle an der Saale sind seit mehre­ren Mona­ten gewalt­bereite Neonazi-Gruppen aktiv. Sie nen­nen sich „Brigade Bitterfeld“ und „Brigade Halle“. Im Stadt­teil Halle-Silberhöhe ma­chen sie gezielt Jagd auf dort ansäs­sige Roma-Fa­mi­lien. „Sie haben mei­nen Kinderwagen angezün­det“, er­zählt eine Frau. „Dann haben zehn Nazis die Fenster­scheiben ein­ge­worfen, auf der Straße haben sie Böller nach mir gewor­fen.“ Mehrere Opfer berich­ten, dass die Brigade­mit­glie­der ihre Wohnun­gen belagert und sie auf der Straße mit Messern und Elektroschock-Geräten be­droht hät­ten. „Seit­dem gehen wir abends nicht mehr raus“, sagt ein An­wohner, der aus Rumänien stammt. Mehr­fach gelang es den Rechts­extre­men, im Stadtteil Silberhöhe Aufmärsche gegen Roma und an­dere Ausländer zu orga­ni­sieren. Read the rest of this entry »

Neues Projekt „Dikhen amen – Seht uns!“

Juni 29th, 2015  |  Published in Einrichtungen, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Projektteam Dikhen AmenDeutschland: Dikhen Amen – Seht uns, ein Pro­jekt von Amaro Drom e.V.

Im April diesen Jahres startete das Projekt „Dikhen amen! Seht uns! – Empowerment und Sensibilisierung für Antiziganismus aus Sicht junger Roma und Sinti“. Das Haupt­ziel des Projek­tes ist Empower­ment junger Roma und Sinti. Darun­ter ver­stehen wir, Raum zu schaf­fen für Selbst­bewusst­sein, Selbst­behaup­tung und den Kampf um Anerken­nung als gleich­berech­tig­ter Teil der Gesell­schaft. Ein weite­rer zentraler Bestand­teil des Projektes ist die Sensi­bi­li­sie­rung junger Nicht-Roma bzw. Nicht-Sinti für den spezi­fi­schen Rassismus und seine Fol­gen. 
Im Mittel­punkt des Projektes stehen die Erfahrungen und Lebens­realitäten junger Roma und Sinti. Basie­rend auf dem Erfahrungs­wissen der Jugend­lichen werden Metho­den für Jugend­bildungs­arbeit ent­wickelt. 
Im Laufe des Pro­jek­tes wer­den jugend­liche Sinti und Roma zu Multipli­kator_innen aus­ge­bil­det, um selbst Empower­ment- und Sensi­bi­li­sie­rungs-Work­shops durch­führen zu kön­nen. Die Workshops rich­ten sich an junge Men­schen in Jugend­clubs, Jugend­selbst­organi­sa­tio­nen und Ver­bänden sowie Bildungs­ein­rich­tun­gen.

Die Ideale von Empowerment, Mobilisierung, Selbst­organi­sa­tion und Parti­zi­pa­tion der jungen Menschen wird durch „Dikhen Amen! Seht uns!“ mit einer noch größe­ren Breiten­wirkung von Amaro Drom gestärkt. Neben der Stär­kung junger Roma und Sinti im Um­gang mit Rassismus in Deutsch­land und der Sichtbar­machung ihrer unter­schied­li­chen Lebens­reali­tä­ten und Identitäts­ent­würfe zielt das Projekt auch auf eine kriti­sche Auseinan­der­setzung mit Rassis­mus gegen Roma und Sinti in der breiten Öffent­lich­keit ab.

Einer der Höhepunkte des Projektes in diesem Jahr wird die Bundesjugendkonferenz vom 19. bis 24. Novem­ber in Hannover sein, an der über 100 Jugend­liche aus dem gesam­ten Bundes­gebiet und darüber hi­naus teil­neh­men werden. Read the rest of this entry »

Pester Lloyd: „Moderne Sklaverei“

Juni 28th, 2015  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

UngarnUnter dem Titel „Moderne Sklaverei: In Ungarn kann man bald Leib­eigene beim Bürger­meis­ter mieten“ infor­miert der „Pester Lloyd“ über die geplante Aus­wei­tung der umstrit­te­nen Kom­mu­na­len Beschäf­tigungs­program­me in Ungarn. Die ver­pflich­ten­den Arbeits­programme für Sozial­hilfe­empfän­ger, die beson­ders viele Roma mit vol­ler Härte tref­fen, sollen nun auch auf Saisonarbeit in pri­vaten Unternehmen aus­ge­dehnt werden. Die Bürger­meister kön­nen dem­nach die ihnen unter­ste­hen­den Arbeits­ver­pflich­te­ten („Közmunkás“) nach Be­lie­ben an private Firmen „ver­leihen“ – für eine Tages­leih­prämie von 1,70 Euro pro Arbeits­kraft, „eine weitere Maß­nahme zur Um­lei­tung öffent­licher Gelder in pri­vate Taschen, auf den Rücken der Ärms­ten der Gesell­schaft“. Der Lohn, den die Betrof­fe­nen (40-Stun­den-Woche, auch bei einer Einsatz­stelle fern ihres Wohn­ortes) monat­lich er­halten, liegt bei 170 Euro netto, gerade ein­mal knapp über der Hälfte des gesetz­li­chen Mindest­lohns. Die abhängigen Billigarbeiter sind weit­gehend der Willkür und den Schikanen der Bürger­meis­ter aus­ge­liefert. Rassismus ist dem „Közmunka“-Sys­tem von vorn­he­rein inhärent. Mancher­orts bestim­men derzeit neo­nazistische Jobbik-Bürger­meister über Roma-Arbeiter.

Die in den staatlichen Billigsarbeits­program­men stecken­den Men­schen können (…) keine saisonalen Jobs anneh­men, da sie da­für aus der Közmunka aus­stei­gen müss­ten und damit eine drei­jährige Sperre sämt­licher Sozial­leis­tun­gen ris­kie­ren. Werden sie im Winter vom privaten Arbeit­geber dann ent­las­sen, stünden sie mit leeren Händen und in kalten Woh­nun­gen da. (…) Nun sollen sie (…) nicht auf eigenes Ver­langen, son­dern auf Anfor­de­rung „kleinerer und mittlerer Betriebe“ Saison­arbeiten nicht nur an­nehmen dür­fen, sondern, wenn der ver­ant­wort­liche Orts­vorsteher, also der Dienst­geber der Kommunal­beschäf­tig­ten es an­weist, anneh­men müs­sen. (…) Wel­chem Unter­nehmen sie für wie lange und zu welchen Kondi­tionen zu­ge­teilt werden, liegt im Ermes­sen der Kom­mune als ver­länger­ter Arm des Innen­ministers. Wider­spruchs­rechte gibt es keine. Quali­fika­tion, Wohnort, familiäre Lebens­situa­tionen spielen keine Rolle. (…) Read the rest of this entry »

Bulgarija: Harengere pogrom pal tschalan

Juni 27th, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Polizei (hier in Sofia) verhindert Pogrome gegen Roma. Mehrere verletzte Roma in Orlandotsti (Foto: Novinite)Andi rat upre keden probalinde 50 dschi 60 dschene, jek Roma-sid­lung pasche i sud­vest­bul­gari­tiki ge­majnde Garmen aun te asta­rel. O haren­gere ham schaj len upre likerde. I sidlung le haren­ge­ren­dar imar trin kurke arakipe usch­tidel. Imar ando maj i situa­cija eska­li­rintscha, kada jek cinko­li­nipe masch­kar jek gaves­kero dscheno taj jeka Roma-fami­lija­tar ar phagla taj use jek baro maripe ar gelo, taj but dschene dukade ule. Odo­tar aun i sid­lung telal harengero ara­kipe terdschol. Rechts­ekstre­mi lob­daschen­gere hooligans ando gav ale te de­monstri­ri­nel taj gejng i krimi­na­li­teta telal o Roma te betajliginel. (Te i APA na reflek­ti­rim pisinel „Upre maschi­ri­nipe le gaven­gere dsche­nen­dar gejng i krimi­na­li­teta telal o Roma“. Ham tscha­tschi­kan tschak schtar tscho­rip­tscha usar ada ber­sches­kero kesdipe dija.)

Te ando foro Sofia sajt poar divesa protestscha gejng „aso­ci­jali“ dschene le Romen­gere-thanes­tar Orlandovtsi del. Het­vi­nate kirati use ma­riptscha lob­dakere hooli­gan­senca, save pumen uso anti-Roma protestscha aun­phandle, alo. Bu­teder Roma duka­de ule. Bisch dsch­ene and tschapim ule pi­si­nel No­vi­nite.

(dROMa)

Turkija: Erschtivar Rom ando parlamento

Juni 26th, 2015  |  Published in Politik

Ankara„Ada jek historischi di le Romenge hi“

La Turkija o erschtivar jeke thanes­kere rot hi, savo Rom hi. Uso völi­nipe scho­fintscha le o Özcan Purçu andar i völi­nipes­keri karika İzmir le tschu­lipes­tar le Romen­dar ando par­lamen­to. Purçu la socijal­demo­kra­tischi-kema­lis­tischi opo­si­ci­jona­kera parta­jake CHP (Republi­ka­nischi Flogos­keri Partaj) aun­tre­tintscha. „Ada jek histo­rischi di le Ro­menge hi“, phentscha o Purcu pal pro latschipe. Vasch leskeri kani­da­tura o völi­nipes­kero falato leskera par­tajatar ando Romen­gere virt­lini trin­var bute­der ulo. Ojs pri buti dikel o Özcan Purçu o sikli­peskere problem­tscha uso Roma.

(dROMa)

Tschechien: Mit Armee gegen Roma?

Juni 26th, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Rechtsextreme Kundgebung gegen Roma 2011 (Foto: Denik)Bezirkswirtschaftskammer Ústí fordert Armee-Einsatz gegen Roma-Bevölkerung

id/Prager Zeitung: Die Bezirkswirtschaftskammer in Ústi nad Labem hat mit ihren Vor­schlägen zu Maß­nahmen gegen die so­genannte „Roma­problema­tik“ Auf­sehen erregt. Laut einem Bericht des Nach­rich­ten­ser­vers „idnes.cz“ be­fasst sich die Kammer in einem öffent­li­chen Aufruf mit dem Bevöl­ke­rungs­rück­gang in Ústí und stellt diesen in direkten Zusam­men­hang mit der dorti­gen Roma-Bevöl­ke­rung. So würden die „anstän­digeren und weniger aggres­siven Ele­mente stets ver­drängt“, heißt es unter ande­rem in dem von „idnes.cz“ zitier­ten Papier. Auch seien die Immobilien­preise we­gen der Roma-Be­völ­ke­rung auf nied­ri­gem Niveau. Die Kammer schlägt deshalb vor, die Anzahl der Roma in Ústí festzustellen, ein Aus­zahlungs­limit bei Sozial­leistun­gen ein­zu­führen und die Armee zur „Siche­rung der Ordnung“ in die Straßen der Stadt zu schicken. „Die Armee kann damit sofort be­ginnen, die Städte wür­den dadurch viel ein­sparen. Wachdienste in den Ghetto-Sied­lun­gen wären dafür eine ideale prak­ti­sche Vor­be­reitung“, heißt es in dem Dokument (…). Die Vor­schläge sind bei Politik, Sozial­experten und auch der Tschechischen Wirtschafts­kammer in Prag auf deutliche Kritik ge­stoßen. (…)

Bitte lesen Sie den hier nur in Auszügen wieder­ge­ge­be­nen Arti­kel in vol­ler Län­ge auf pragerzeitung.cz.

Gutachten zum NS-Genozid an Roma (2009)

Juni 24th, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft

Gutachten zum NS-Völkermord an Roma in der besetzten SowjetunionMartin Holler:
Der nationalsozialistische Völkermord an den Roma in der besetzten Sowjetunion (1941-1944)

Gutachten für das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma (2009)

>>Download (pdf) (6,7 Mb)

Während die Erforschung des NS-Völkermords an den Sinti und Roma im dama­ligen „Groß­deutschen Reich“ große Fort­schritte gemacht hat, steht die historische Auf­arbei­tung der gegen Sinti und Roma gerich­te­ten Ver­nich­tungs­politik in den deutsch besetzten oder mit Hitler-Deutschland verbün­de­ten Staaten noch weit­gehend am Anfang. Dies zeigt nicht zuletzt ein Ver­gleich mit der kaum über­schau­baren Zahl an Einzel­stu­dien über die Ermor­dung der euro­päi­schen Juden. So haben Historiker die Quellen sowjetischer Pro­venienz, die den Genozid an den Roma in der deutsch besetz­ten Sowjet­union doku­men­tieren, fast völlig außer Acht ge­lassen. Das vor­liegende Gut­achten hat sich zum Ziel gesetzt, diese Forschungslücke zumin­dest teil­weise zu schließen.

(Text: sintiundroma.de)

Die Königin der Stille (Trailer)

Juni 23rd, 2015  |  Published in Film & Theater, Musik

Królowa Ciszy | The Queen of Silence
Dokumentarfilm, D/PL 2014 / 52′ & 80′

Buch & Regie: Agnieszka Zwiefka
Kamera: Aleksander Duraj, Armand Urbaniak
Schnitt: Thomas Ernst, Hansjörg Weißbrich

Denisa ist Königin und Außenseiterin zugleich. Die 10-jährige ist taub und kann wunder­schön tanzen. Sie hat nie sprechen gelernt und schlägt sich doch mit einem breiten Lachen durch ihren harten All­tag in einer Roma-Community in Polen. Wenn sie nicht auf der Straße betteln muss, träumt sie sich in die Glitzer­welt der Bollywood-Filme und choreogra­fiert die anderen Kinder des Lagers zu einer bunten Schar Back­ground-Tänzer. Unter­legt mit der Musik von Coco Rosie, rumänischer Manele und Kom­po­si­tio­nen von Jessica de Rooij, zeigt der Film ein Stück Kindheit zwi­schen Armut und Lebens­freude – das karge Roma-Lager ver­wandelt sich strecken­weise in ein schillern­des Boll­ywood-Spek­takel.

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KulturTon: Jovan Nikolić im Gespräch

Juni 22nd, 2015  |  Published in Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV

Radio Freirad, Innsbruck | >>Zum Download (27,40 MB)

Jovan Nikolić, einer der bekanntesten zeitgenössi­schen Roma-Autoren, ist der heu­rige Writer in Residence der Philologisch-Kultur­wissen­schaft­lichen Fakultät der Uni­ver­sität Innsbruck. Ge­mein­sam mit Beate Eder-Jordan, ver­ant­wort­lich für das Programm und die Ein­la­dung, kommt er zu Michael Haupt zum Kul­tur­gespräch.

Nähere Informationen zu Jovan Nikolić

(Text: cba.fro.at)

WZ: Kochen gegen Vorurteile

Juni 21st, 2015  |  Published in Brauchtum & Tradition, Einrichtungen

Integration geht über den Magen: In Budapest flo­riert ein Restaurant, in dem Roma-Frauen typi­sche Gerichte kochen.

Silviu Mihai/WZ: (…) Tante Malvin ist nicht nur eine sehr aktive und nette ältere Dame, sie ist auch Rom[ni] – und das Herz eines beson­de­ren Buda­pes­ter Restau­rants, das seit drei Jahren immer mehr Ein­hei­mische und sogar aus­län­di­sche Besucher an­zieht. Mindes­tens zwei­mal im Monat gehen die Türen der kleinen Wohnung im neunten Bezirk auf, die defti­gen Gerichte landen bald auf den Tellern, und die Gäste wer­den neu­gierig. „Jede Speise hat für uns ihre Ge­schichte und ihre Wur­zeln in unserer Familien­tradition“, erzählt die Rent­ne­rin. „Hier kochen wir aus­schließ­lich nach tradi­tio­nel­len Roma-Rezepten (…).“

Romani Platni basiert auf einer einfachen Idee: Es ist über­haupt das erste Roma-Restaurant in Bu­da­pest, und es hat vor al­lem das Ziel, die Mehr­heits­bevöl­ke­rung mit einer ande­ren Geschmacks­welt ver­traut zu machen. (…) In der Tat geht es in der Erd­geschoß­woh­nung nicht nur um Kulinarik, son­dern um soziales Unter­nehmer­tum. In Ungarn sieht der Alltag der Roma näm­lich düs­ter aus. (…) Zudem ist unter Viktor Orbáns rechts­popu­lis­ti­scher Regie­rung mit keiner staat­li­chen Unter­stützung für unab­hän­gige Roma-NGOs mehr zu rechnen.

Doch diese kleine, originelle Initiative gibt jetzt älteren Roma-Frauen (…) die Mög­lich­keit, ihre Kochkunst zu zeigen, einen wich­tigen Teil der Roma-Kultur be­kannt zu machen und damit gegen Diskri­mi­nie­rung und Stereo­typen zu kämpfen. Das Pro­jekt wurde 2012 ins Leben ge­rufen: Read the rest of this entry »

Bulgarien: Polizei verhindert Pogrome

Juni 18th, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Polizei (hier in Sofia) verhindert Pogrome gegen Roma. Mehrere verletzte Roma in Orlandotsti (Foto: Novinite)Gruppe wollte Roma-Siedlung stürmen. Ort seit drei Wochen von Polizei abge­riegelt. Eskalation durch an­ge­reiste Fußball­hooligans. Mehrere Roma in Sofia verprügelt.

In der Nacht auf Dienstag versuchten 50 bis 60 Personen, eine Roma-Siedlung in der Nähe der südwest­bulga­ri­schen Gemeinde Garmen (der Großteil der dortigen Häuser soll ohne Genehmigung errichtet worden sein) zu stürmen. Laut Polizei­angaben gelang es den Beam­ten, die Angrei­fer in den frühen Morgen­stunden auf­zu­halten. Die Siedlung wird zum Schutz der Roma bereits seit rund drei Wochen von der Polizei ab­geschirmt. Schon Ende Mai war die Situa­tion eskaliert, als ein Streit zwischen Dorf­bewoh­nern und einer Roma-Familie in einer Massen­schlä­ge­rei endete, bei der zahl­reiche Per­sonen ver­letzt wurden. Seitdem steht der Ort bzw. die Sied­lung unter Polizeischutz, um weitere Gewalt­akte zu verhindern. Rechts­extreme Fußball­hooligans reisten in das Dorf, um sich an den De­monstra­tionen gegen die ver­meint­liche Klein­krimi­na­lität unter den Roma zu betei­li­gen. (Auch die APA schreibt unreflektiert von „Kund­gebungen der Dorf­bewohner gegen die Kriminalität unter den Roma“. Tat­säch­lich wurden in Garmen seit Jahres­beginn nur vier Diebstähle ver­zeich­net.)

Auch in der Hauptstadt Sofia kommt es seit einigen Tagen zu Protesten gegen angeb­lich „asoziale“ Bewoh­ner des Roma-Viertels Orlandovtsi. Am Montag­abend kam es schließ­lich zu Aus­schrei­tungen durch gewalt­bereite Fußball­hooli­gans, die sich den Anti-Roma-Pro­testen anschlos­sen. Mehrere Roma wurden verletzt. Zwanzig Per­sonen wurden fest­genommen. Novinite berichtet:

On several occasions, the protesters attempted to breach the police cordon in order to reach the Roma houses. Failing that, the protesters dispersed into small groups and took to the streets in search for people of Roma origin. A lot of football fans jointed the protest, some of them carrying bats, while Roma had gathered in the neighbourhood armed with whatever was at their disposal.

Im Vorfeld der im Herbst stattfindenden Kommunalwahlen versuchen nun auch rechte Politiker der bulga­ri­schen Regierungs­koalition (die von der rechts­extremen Patriotischen Front gestützt wird), die Anti-Roma-Pro­teste im Wahl­kampf für sich zu nützen. Der „Standard“ schreibt: Read the rest of this entry »

Hugo Höllenreiner (1933-2015)

Juni 15th, 2015  |  Published in Ehrungen & Nachrufe

Hugo HöllenreinerAm 10. Juni verstarb Hugo Höllenreiner in seiner Heimatstadt Ingolstadt; er wurde 81 Jahre alt. Hugo Höllenreiner war dem Zentralrat und dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma über viele Jahre eng verbunden. Als Holocaust-Überlebender hat er nicht nur an zahlreichen Veranstaltungen der beiden Institutionen teilgenommen, sondern auch historische Fotos sowie Dokumente seiner Familie für die Ausstellungen des Dokumentationszentrums zur Verfügung gestellt.

Hugo Höllenreiners Leben war geprägt von der furchtbaren Verfolgungserfahrung, die er als Kind in Auschwitz und anderen Konzentrationslagern machen musste. Seine Familie ist seit Generationen in Bayern beheimatet, bevor sie von den Nazis systematisch entrechtet und schließlich in die Vernichtungslager deportiert wurde. Auf einem Familienfoto, aufgenommen wenige Jahre vor der Verschleppung nach Auschwitz, sieht man den damals achtjährigen Hugo mit seiner Mutter Sofie und seinen Geschwistern. Es ist ein berührendes Zeugnis bürgerlicher Normalität und familiärer Geborgenheit, die bald darauf grausam zerstört werden sollte.

Trotz dieser traumatischen Erlebnisse und dem Verlust vieler Angehöriger hat sich Hugo Höllenreiner schon früh als Zeitzeuge engagiert. Dabei stand sein Wirken ganz im Zeichen der Versöhnung. Vor allem durch das 2005 im Hanser Verlag erschienene Buch von Anja Tuckermann „Denk nicht, wir bleiben hier!“ Die Lebensgeschichte des Sinto Hugo Höllenreiner und eine zwei Jahre später entstandene TV-Dokumentation wurde Hugo Höllenreiner als Zeitzeuge weit über die Grenzen Bayerns und Deutschlands hinaus bekannt. Read the rest of this entry »

Vortragsmitschnitt: Wolfgang Benz

Juni 15th, 2015  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Wolfgang Benz (hier bei einem Vortrag in Waiblingen, Foto: ZVW)Vortragsmitschnitt – Wolfgang Benz: „Sinti und Roma. Die unerwünschte Minderheit“

>>Anhören (mp3)

52:42 min, 60 MB, mp3
Radio F.R.E.I., Erfurt, 27.05.2015

Am 22. April 2015 sprach der Berliner Historiker Wolfgang Benz in der Kleinen Synagoge in Erfurt. Eingeladen hatte die Landeszentrale für politische Bildung Thüringen. Radio F.R.E.I. hat die Veranstaltung aufgezeichnet.

Skript:
Die Minderheit der Sinti und Roma erfuhr seit jeher Diskriminierung und Verfolgung. Im „Dritten Reich“ gipfelten sie im Völkermord, den die deutsche Mehrheitsgesellschaft vergessen oder nie wahrgenommen hat. Die Ausgrenzung der Sinti und Roma dauerte auch nach 1945 an: Tradierte Vorurteile sind weiter wirksam und richten sich heute gegen zuwandernde Roma aus Südosteuropa, die als Gefahr für Gesellschaft, Sozialsystem und Arbeitsmarkt empfunden werden. In seinem neuen Buch stellt Wolfgang Benz Ursachen und Wirkungen des medial und politisch instrumentalisierten Problems Antiziganismus dar.

Wolfgang Benz, Sinti und Roma: Die unerwünschte Minderheit. Über das Vorurteil Antiziganismus (Erschienen im Metropol-Verlag)

(Text: freie-radios.net, CC)

Türkei: Erstmals Rom im Parlament

Juni 11th, 2015  |  Published in Politik

Erster Roma-Abgeordneter der TürkeiDie Türkei hat ihren ersten Roma-Abge­ord­ne­ten. Bei den Wahlen am ver­gan­genen Sonntag schaffte es mit Özcan Purçu aus dem Wahlkreis İzmir erst­mals ein Ange­hö­riger der Roma-Minder­heit des Lan­des ins Parla­ment. Purçu trat für die sozial­demokra­tisch-kemalisti­sche Oppositions­partei CHP (Republi­kanische Volks­partei) an. „Dies ist ein histori­scher Moment für die Roma“, meinte Purçu nach seinem Erfolg. Dank seiner Kandi­datur habe sich der Stimmen­anteil seiner Partei in Roma-Vier­teln verdreifacht. Als seine vor­ran­gige Auf­gabe sieht Özcan Purçu die Bildungs­proble­me der Roma-Bevöl­kerung an.

Der Urnengang brachte nicht nur erfreuliche Ergeb­nisse für die Roma: Gleich mit zwei Ver­tre­tern ist nun auch die Minder­heit der Jesiden zum ersten Mal in der tür­ki­schen National­ver­samm­lung in Ankara ver­tre­ten; ebenso die armenische Minderheit, die nach jahr­zehnte­langer Pause wieder in der türki­schen National­versamm­lung reprä­sen­tiert ist. Ins­gesamt errangen vier christliche Abgeord­nete, ein Aramäer und drei Armenier, ein Mandat (erst 2011 war erstmals ein Christ ins tür­ki­sche Parla­ment ge­wählt worden). Eben­falls ein Novum ist die Wahl eines of­fen homosexuellen Ab­geord­ne­ten. 96 der neu ge­wähl­ten Parla­men­ta­rier in Ankara sind Frauen, so vie­le wie noch nie zuvor. Read the rest of this entry »

WZ: Endstation Schwechat

Juni 9th, 2015  |  Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte

Aussortiert beim Chek in: Rassismus-Vorwurf gegen AUA (Foto: Austrian Aviation)Die Ungarin Eva Fatyol durfte nicht mit der AUA von Wien nach Kanada fliegen. Sie ist Angehörige der Roma.

wienerzeitung.at: „Ich gehöre zum Volk der Roma und meine dunkle Hautfarbe macht dies sichtbar“, sagt Eva Fatyol. Sie ist 60 Jahre alt, hat Kommunikation und Theologie studiert. Erst neulich lief in Budapest ein Filmfestival zur Diskriminierung der Roma, das sie organisiert hat. Für den 8. April hatte Fatyol bei den Austrian Airlines (AUA) einen Flug nach Kanada gebucht, weil sie dort Freunde (…) besuchen wollte. Probleme waren nicht in Sicht, zumal ungarische Staatsbürger für Kanada kein Visum brauchen. Doch beim Eincheck-Schalter der AUA in Schwechat war die Reise zu Ende. Ähnliches wie Fatyol erlebte Ende April auch die vierköpfige Roma-Familie Orsos, die mit der AUA zu einer Verwandten nach Toronto fliegen wollte. (…)

Eva Fatyol hatte, wie sie meinte, alles Nötige dabei: das Hin- und Rückflugticket von Wien nach Toronto, Geld und Adressen von kanadischen Freunden, die für sie bürgten. Trotzdem wurde sie von den AUA-Mitarbeitern nicht zum Einstiegsgate geschickt, sondern an Zlatko Nikcevic verwiesen, Mitarbeiter der Sicherheitsfirma G4S, wie sie erzählt. Dieser wollte noch einmal ihre Personaldaten und Reise-Voraussetzungen überprüfen. (…) Anschließend habe der G4S-Mann ihr gesagt, die kanadische Einwanderungsbehörde habe ihre Freunde in Toronto nicht erreichen können. Deswegen werde die Einreise verweigert. (…)

Die Ungarin gab entnervt auf – doch nun erwägt sie eine Klage gegen die AUA. (…) Fatyols kanadische Freunde sollen übrigens von der Einwanderungsbehörde gar nicht angerufen worden sein. War das ganze Manöver also nur ein Trick, um schlichtweg einer dunkelhäutigen Person aus Osteuropa den Weg nach Kanada zu versperren? Und zwar mit Hilfe einer privaten Sicherheitsfirma, die womöglich nach sehr speziellen Kriterien entscheidet? (…) Read the rest of this entry »

Facts & Figures (116)

Juni 6th, 2015  |  Published in Facts & Figures

Laut ei­ner UNDP-Stu­die (2012) be­su­chen 43% aller Roma­kin­der in der Slo­wa­kei eth­nisch ge­trenn­te Schul­klas­sen.

(Quelle)

DVD: „Die Österreichischen Roma“

Juni 5th, 2015  |  Published in Film & Theater, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV

Unsere Publikationen dROMa und Mri Historija in der Kurzdoku "Die Österreichischen Roma" (Screenshot)„Die Österreichischen Roma“
Dokumentarfilm, Ö 2014, 25 min

>> abrufbar in der ORF-TVthek

Apropos Roma – prik o Roma
DVD-Präsentation und Diskussion mit dem Pro­du­zenten Helmut Potutschnig
Regie: Kerstin Paulik, Kamera: Christoph Hensel; Filmmusik: Gernot Reininger und Georg Zumann

Offenes Haus Oberwart, Lisztgasse 12, Oberwart, Freitag, 12. Juni 2015, 19:00 Uhr, Eintritt frei!

Der dritte Teil der Dokumentarfilm­reihe über die an­erkann­ten Volks­gruppen in Österreich wid­met sich jener Volksgruppe, die als letzte an­er­kannt wurde – den öster­rei­chi­schen Roma. Die Doku­men­tation behan­delt sowohl die ge­schicht­lichen Wurzeln der Volks­gruppe als auch das gegen­wärtige Volks­gruppen­leben. Im geschicht­lichen Teil wird die Situa­tion der Roma, Sinti und Lovara in der Öster­rei­chisch-Unga­ri­schen Mona­rchie und der ersten Republik dar­gestellt. Ein Schwerpunkt liegt danach auf der Ver­folgung in der NS-Zeit und dem Umgang mit den Ver­folgten nach 1945. Aus­führlich wird der Weg zur Anerken­nung der Volks­gruppe der Roma (als Über­begriff für Burgenland-Roma, Siniti, Lovara, Kalderaš und Arlije) nach­ge­zeichnet. Der Haupt­teil der Dokumen­tation ist der heutigen Situa­tion der öster­rei­chi­schen Roma gewidmet. Das aktuelle Volks­gruppen­leben wird in den Bereichen Kultur, Sprache, Bildung und Verein­leben dar­gestellt. Im Kultur­bereich steht die leben­dige Musik­szene im Mittel­punkt. Bezüg­lich der Sprache der Roma, Sinti und Lovara wird das „Romani-Projekt“ an der Uni­ver­sität Graz prä­sen­tiert, wo Lexika und Gram­matiken zu den in Öster­reich am häufigs­ten gespro­chenen Romani-Varian­ten ent­wickelt werden. Read the rest of this entry »

Leonding: Galerija kipi la Ceija Stojkatar sikal

Juni 4th, 2015  |  Published in Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

"Während des Gehens verloren wir unser Gesicht" Ausstellung mit Werken Ceija StojkasI Leondingeriskeri 44ti Galerija ande pro arto artschijipe la Romengera-kinstlerkijake Ceija Stojka pe vidminel. Telal o anav „maschkar o tra­di­pe amaro muj naschat­scham“ lakero verk, savo pe le geno­cidiha upro Roma taj Sinti andar o di­kipe jeka prik dschiv­da­tar donde bescha­rel, sikal. O artschi­jipe usar o 27to maj 2015 dschi uso 10to juli te dikel hi.

I Ceija Stojka 1933 ojs jek le schov tschavendar jeka Lovara fami­lija­tar ando Schtacko upro them ali. Telal o NS-reschim, na dur angle lakero deschto bersch, kada upro them ali, ando logeri Auschwitz ledschim li uli, akor ando loge­ri Ravensbrück taj palo­da Bergen-Belsen, kaj oj pra daja­ha taj pra phen­jaha retim uli. Ando masch­ka­ripe le 80te berschen­dar i Ceija Stojka khetan pre phra­leha ojs erschti dsche­ne andi Austrija, o na phu­kajipe pedar o tra­dipe le Romen­dar taj Sintijendar ando nacijo­nal­socija­lis­mus taj i diskri­mi­na­cija andi dujti repub­lika, phagle. Oj le ter­dschiv­de kojen­ge alava taj te feschti­ni­pes­kere ardschu­mi­pes­kere koji lakla. I kinstler­kija lakeri bibas­tali cajt, savi oj ter­dschiv­tscha, ande fesch­time kipi fabu­tscha­lintscha, save ham mindig meg o bibas­talo tra­dipe sikan.

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Leondinger Galerie zeigt Ceija Stojka

Juni 4th, 2015  |  Published in Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

Ceija Stojka (Foto: 44er Galerie) Die Leondinger 44er Galerie widmet der Roma-Künstlerin Ceija Stoijka ihre aktu­el­le Aus­stellung. Unter dem Titel „Während des Gehens verloren wir unser Gesicht“ wird ihr Werk, das als eines der weni­gen den Genozid an Roma und Sinti aus der Per­spek­tive einer Über­leben­den behan­delt, gezeigt. Die Schau ist von 27. Mai bis 10. Juli 2015 zu sehen.

Ceija Stojka wurde 1933 als eines von sechs Kindern einer Lovara-Roma-Fami­lie in der Steier­mark gebo­ren. Unter dem NS-Re­gime wurde sie kurz vor ihrem zehnten Geburts­tag nach Auschwitz depor­tiert, dann nach Ravensbrück und schließ­lich nach Bergen-Belsen, wo sie gemein­sam mit ihrer Mutter und Schwester befreit wur­de. Mitte der 80er-Jahre begann Ceija Stojka gemein­sam mit ihrem Bruder als Erste in Öster­reich, das Schwei­gen über die Ver­folgung der Roma und Sinti im National­sozialis­mus und die Dis­krimi­nie­rung in der Zwei­ten Republik zu brechen. Sie fand für das Erlebte Worte und bildne­ri­sche Aus­drucks­mittel. Die Künstlerin ver­arbei­tete ihre Ver­gangen­heit in farben­präch­tigen Dar­stel­lun­gen, die aber trotz­dem das Grauen zeigen.

Stojka vermittelte ihre Erlebnisse stets als warnen­de Erin­nerung: „Ich habe Angst, dass Europa seine Ver­gangen­heit vergisst und Auschwitz nur schläft. Anti­ziganis­tische Bedro­hun­gen, Strate­gien und Aktionen besorgen mich zu­tiefst und machen mich sehr traurig.“ Ihre Werke erreg­ten inter­natio­nal Auf­merk­sam­keit, ihre Bücher wurden in mehrere Sprachen über­setzt. Read the rest of this entry »