Pester Lloyd: „Moderne Sklaverei“
Juni 28th, 2015 | Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte
Unter dem Titel „Moderne Sklaverei: In Ungarn kann man bald Leibeigene beim Bürgermeister mieten“ informiert der „Pester Lloyd“ über die geplante Ausweitung der umstrittenen Kommunalen Beschäftigungsprogramme in Ungarn. Die verpflichtenden Arbeitsprogramme für Sozialhilfeempfänger, die besonders viele Roma mit voller Härte treffen, sollen nun auch auf Saisonarbeit in privaten Unternehmen ausgedehnt werden. Die Bürgermeister können demnach die ihnen unterstehenden Arbeitsverpflichteten („Közmunkás“) nach Belieben an private Firmen „verleihen“ – für eine Tagesleihprämie von 1,70 Euro pro Arbeitskraft, „eine weitere Maßnahme zur Umleitung öffentlicher Gelder in private Taschen, auf den Rücken der Ärmsten der Gesellschaft“. Der Lohn, den die Betroffenen (40-Stunden-Woche, auch bei einer Einsatzstelle fern ihres Wohnortes) monatlich erhalten, liegt bei 170 Euro netto, gerade einmal knapp über der Hälfte des gesetzlichen Mindestlohns. Die abhängigen Billigarbeiter sind weitgehend der Willkür und den Schikanen der Bürgermeister ausgeliefert. Rassismus ist dem „Közmunka“-System von vornherein inhärent. Mancherorts bestimmen derzeit neonazistische Jobbik-Bürgermeister über Roma-Arbeiter.
Die in den staatlichen Billigsarbeitsprogrammen steckenden Menschen können (…) keine saisonalen Jobs annehmen, da sie dafür aus der Közmunka aussteigen müssten und damit eine dreijährige Sperre sämtlicher Sozialleistungen riskieren. Werden sie im Winter vom privaten Arbeitgeber dann entlassen, stünden sie mit leeren Händen und in kalten Wohnungen da. (…) Nun sollen sie (…) nicht auf eigenes Verlangen, sondern auf Anforderung „kleinerer und mittlerer Betriebe“ Saisonarbeiten nicht nur annehmen dürfen, sondern, wenn der verantwortliche Ortsvorsteher, also der Dienstgeber der Kommunalbeschäftigten es anweist, annehmen müssen. (…) Welchem Unternehmen sie für wie lange und zu welchen Konditionen zugeteilt werden, liegt im Ermessen der Kommune als verlängerter Arm des Innenministers. Widerspruchsrechte gibt es keine. Qualifikation, Wohnort, familiäre Lebenssituationen spielen keine Rolle. (…) Read the rest of this entry »