Bulgarien: Polizei verhindert Pogrome
Juni 18th, 2015 | Published in Rassismus & Menschenrechte | 1 Comment
Gruppe wollte Roma-Siedlung stürmen. Ort seit drei Wochen von Polizei abgeriegelt. Eskalation durch angereiste Fußballhooligans. Mehrere Roma in Sofia verprügelt.
In der Nacht auf Dienstag versuchten 50 bis 60 Personen, eine Roma-Siedlung in der Nähe der südwestbulgarischen Gemeinde Garmen (der Großteil der dortigen Häuser soll ohne Genehmigung errichtet worden sein) zu stürmen. Laut Polizeiangaben gelang es den Beamten, die Angreifer in den frühen Morgenstunden aufzuhalten. Die Siedlung wird zum Schutz der Roma bereits seit rund drei Wochen von der Polizei abgeschirmt. Schon Ende Mai war die Situation eskaliert, als ein Streit zwischen Dorfbewohnern und einer Roma-Familie in einer Massenschlägerei endete, bei der zahlreiche Personen verletzt wurden. Seitdem steht der Ort bzw. die Siedlung unter Polizeischutz, um weitere Gewaltakte zu verhindern. Rechtsextreme Fußballhooligans reisten in das Dorf, um sich an den Demonstrationen gegen die vermeintliche Kleinkriminalität unter den Roma zu beteiligen. (Auch die APA schreibt unreflektiert von „Kundgebungen der Dorfbewohner gegen die Kriminalität unter den Roma“. Tatsächlich wurden in Garmen seit Jahresbeginn nur vier Diebstähle verzeichnet.)
Auch in der Hauptstadt Sofia kommt es seit einigen Tagen zu Protesten gegen angeblich „asoziale“ Bewohner des Roma-Viertels Orlandovtsi. Am Montagabend kam es schließlich zu Ausschreitungen durch gewaltbereite Fußballhooligans, die sich den Anti-Roma-Protesten anschlossen. Mehrere Roma wurden verletzt. Zwanzig Personen wurden festgenommen. Novinite berichtet:
On several occasions, the protesters attempted to breach the police cordon in order to reach the Roma houses. Failing that, the protesters dispersed into small groups and took to the streets in search for people of Roma origin. A lot of football fans jointed the protest, some of them carrying bats, while Roma had gathered in the neighbourhood armed with whatever was at their disposal.
Im Vorfeld der im Herbst stattfindenden Kommunalwahlen versuchen nun auch rechte Politiker der bulgarischen Regierungskoalition (die von der rechtsextremen Patriotischen Front gestützt wird), die Anti-Roma-Proteste im Wahlkampf für sich zu nützen. Der „Standard“ schreibt:
Konservative Politiker der Regierungskoalition in Sofia werfen der liberalen Minderheitspartei DPS Stimmenkauf in den Roma-Gettos vor. So behauptet der Vorsitzende des mitregierenden konservativen Reformblocks Radan Kanew, die illegalen Roma-Gettos in Bulgarien werden absichtlich geduldet. „Die asoziale Lebensweise der Roma-Gemeinschaft wird politisch unterstützt, denn nur ungebildete und sozial genötigte Menschen neigen leicht dazu, ihre Stimmen bei Wahlen zu verkaufen“, analysiert Kanew am Vorabend der Kommunalwahlen im Herbst.
(dROMa)
Juli 16th, 2015 at 10:49 (#)
[...] Ausschreitungen und Protesten gegen die Roma-Bevölkerung (wir berichteten hier und hier). Vor allem in der Hauptstadt Sofia und dem Dorf Garmen im Süden des Landes gab es zwei sehr [...]