WZ: Kochen gegen Vorurteile

Juni 21st, 2015  |  Published in Brauchtum & Tradition, Einrichtungen

Integration geht über den Magen: In Budapest flo­riert ein Restaurant, in dem Roma-Frauen typi­sche Gerichte kochen.

Silviu Mihai/WZ: (…) Tante Malvin ist nicht nur eine sehr aktive und nette ältere Dame, sie ist auch Rom[ni] – und das Herz eines beson­de­ren Buda­pes­ter Restau­rants, das seit drei Jahren immer mehr Ein­hei­mische und sogar aus­län­di­sche Besucher an­zieht. Mindes­tens zwei­mal im Monat gehen die Türen der kleinen Wohnung im neunten Bezirk auf, die defti­gen Gerichte landen bald auf den Tellern, und die Gäste wer­den neu­gierig. „Jede Speise hat für uns ihre Ge­schichte und ihre Wur­zeln in unserer Familien­tradition“, erzählt die Rent­ne­rin. „Hier kochen wir aus­schließ­lich nach tradi­tio­nel­len Roma-Rezepten (…).“

Romani Platni basiert auf einer einfachen Idee: Es ist über­haupt das erste Roma-Restaurant in Bu­da­pest, und es hat vor al­lem das Ziel, die Mehr­heits­bevöl­ke­rung mit einer ande­ren Geschmacks­welt ver­traut zu machen. (…) In der Tat geht es in der Erd­geschoß­woh­nung nicht nur um Kulinarik, son­dern um soziales Unter­nehmer­tum. In Ungarn sieht der Alltag der Roma näm­lich düs­ter aus. (…) Zudem ist unter Viktor Orbáns rechts­popu­lis­ti­scher Regie­rung mit keiner staat­li­chen Unter­stützung für unab­hän­gige Roma-NGOs mehr zu rechnen.

Doch diese kleine, originelle Initiative gibt jetzt älteren Roma-Frauen (…) die Mög­lich­keit, ihre Kochkunst zu zeigen, einen wich­tigen Teil der Roma-Kultur be­kannt zu machen und damit gegen Diskri­mi­nie­rung und Stereo­typen zu kämpfen. Das Pro­jekt wurde 2012 ins Leben ge­rufen: Ferencvárosi Tanoda, ein Verein aus der Nach­bar­schaft, der sich bis dato haupt­säch­lich auf die Ver­bes­se­rung der Schul­leistung von Roma-Kindern kon­zentriert hatte, be­schloss damals, seine Program­me zu erweitern. (…) „Weil viele ältere Roma-Frauen (…) keiner­lei Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat­ten, ha­ben wir uns die Frage gestellt: Was können die denn machen? (…) Also haben wir ihnen vorgeschlagen, ein Restaurant zu eröffnen.“ (…) Das vom ungarischstämmigen Milliardär George Soros gegründete Budapester Institut für eine Offene Gesellschaft (OSI) fand die Idee ebenfalls sehr gut – und stellte dafür gleich rund 10.000 Euro zur Verfügung. „Davon konnten wir eine kleine Wohnung im Erd­geschoß ent­spre­chend ein­richten und eine günstige Werbe­kampagne orga­ni­sieren (…)“, erzählt Projekt­managerin Nagy. (…)

Über die sozialen Netzwerke werden seit­dem fast immer sämt­liche ver­füg­bare Plätze manch­mal meh­rere Wochen im Voraus reser­viert. (…) „Den Köchin­nen konn­ten wir am Anfang nur eine symbo­lische Auf­wands­ent­schä­digung zahlen“, erklärt Initia­torin Krisztina Nagy. „Doch das war sozu­sagen Teil des Deals. Unser Ziel ist nicht, sel­ber Arbeitsplätze zu schaf­fen, son­dern den Men­schen eine Chance zu geben, später ihr eigenes Klein­unter­nehmen zu gründen.“ (…) Romani Platni hat sich als eine kleine Insti­tu­tion der unga­ri­schen Zivil­gesell­schaft etabliert, die Köchinnen be­kommen ständig Ein­ladun­gen und überlegen jetzt, das Geschäft zu erwei­tern, indem sie parallel zum gemein­schaft­lichen Projekt ihren eigenen Laden öffnen. (…)

Lesen Sie bitte den hier nur in Auszügen wieder­gege­be­nen Arti­kel in vol­ler Län­ge auf wienerzeitung.at.

romaniplatni.blogspot.com
1094 Budapest, Tűzoltó utca 33

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