WZ: Endstation Schwechat

Juni 9th, 2015  |  Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte

Aussortiert beim Chek in: Rassismus-Vorwurf gegen AUA (Foto: Austrian Aviation)Die Ungarin Eva Fatyol durfte nicht mit der AUA von Wien nach Kanada fliegen. Sie ist Angehörige der Roma.

wienerzeitung.at: „Ich gehöre zum Volk der Roma und meine dunkle Hautfarbe macht dies sichtbar“, sagt Eva Fatyol. Sie ist 60 Jahre alt, hat Kommunikation und Theologie studiert. Erst neulich lief in Budapest ein Filmfestival zur Diskriminierung der Roma, das sie organisiert hat. Für den 8. April hatte Fatyol bei den Austrian Airlines (AUA) einen Flug nach Kanada gebucht, weil sie dort Freunde (…) besuchen wollte. Probleme waren nicht in Sicht, zumal ungarische Staatsbürger für Kanada kein Visum brauchen. Doch beim Eincheck-Schalter der AUA in Schwechat war die Reise zu Ende. Ähnliches wie Fatyol erlebte Ende April auch die vierköpfige Roma-Familie Orsos, die mit der AUA zu einer Verwandten nach Toronto fliegen wollte. (…)

Eva Fatyol hatte, wie sie meinte, alles Nötige dabei: das Hin- und Rückflugticket von Wien nach Toronto, Geld und Adressen von kanadischen Freunden, die für sie bürgten. Trotzdem wurde sie von den AUA-Mitarbeitern nicht zum Einstiegsgate geschickt, sondern an Zlatko Nikcevic verwiesen, Mitarbeiter der Sicherheitsfirma G4S, wie sie erzählt. Dieser wollte noch einmal ihre Personaldaten und Reise-Voraussetzungen überprüfen. (…) Anschließend habe der G4S-Mann ihr gesagt, die kanadische Einwanderungsbehörde habe ihre Freunde in Toronto nicht erreichen können. Deswegen werde die Einreise verweigert. (…)

Die Ungarin gab entnervt auf – doch nun erwägt sie eine Klage gegen die AUA. (…) Fatyols kanadische Freunde sollen übrigens von der Einwanderungsbehörde gar nicht angerufen worden sein. War das ganze Manöver also nur ein Trick, um schlichtweg einer dunkelhäutigen Person aus Osteuropa den Weg nach Kanada zu versperren? Und zwar mit Hilfe einer privaten Sicherheitsfirma, die womöglich nach sehr speziellen Kriterien entscheidet? (…) Die kanadische Botschaft erklärte der „Wiener Zeitung“, G4S arbeite nicht in ihrem Auftrag. Hingegen bestätigte die AUA, dass G4S von ihr beauftragt sei, an den Eincheck-Terminals für Flüge in die USA Passagiere zu kontrollieren. (…) Dass dasselbe System auch für die Kanada-Reisenden angewendet werde, konnte die AUA nicht bestätigen. (…) Zu den konkreten Fällen wollte Kanada nicht Stellung nehmen, wies aber den Vorwurf des Rassismus zurück. Der 31-jährige Rom Vendel Orsos, dem es in Schwechat ebenso erging wie Eva Fatyol, ist fassungslos: „Jetzt habe ich erlebt, dass es Rassismus gegen Roma nicht nur in Ungarn gibt.“

Bitte lesen Sie den hier nur in einigen Auszügen wiedergegebenen Artikel von Kathrin Lauer in voller Länge auf wienerzeitung.at.

Was das private Security-Personal am Flughafen Wien-Schwechat sonst so treibt, ist hier nachzulesen.

Comments are closed.