Archive for August, 2015

I baba amro ileto retintscha

August 31st, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV

Radio Roma samRoma sam
Radijo Burgenland:
31.8.2015 | (on demand)

Siegfried Heilig bei einem Zeitzeugenvortrag vor Schülern 2014 (Foto: evbg.de)Valami 6 milijoni dschidovtscha taj dschi use 500.000 Sinti taj Roma le nacijen­dar bibas­tale tradim taj opfer­tscha len­gere siste­ma­tischi planime flogos­kere murda­ri­pes­tar ule. Ada bri­gaschno terdschi­jipe le dschi­dov­tschen la flogos­kera grupna­ha le Romen­dar khetan phandel.

O Siegfried Heilig 1934 ande jek Sinti-fa­mi­lija ande Magdeburg upro them alo. O dad schau­schte­leri taj marijo­ne­ten­gero khe­la­schi sina. O terno Sinto imar agun i diskri­mi­na­cija gejng leskeri flogos­keri grupn esbe iste lija. Andi ischkola ando lejcti redo lo beschar­do ulo taj erscht paloda upre pelo, hot ov adaj kiva­nim nan. Ando ratschas­kere ori le 1ti mer­cistar 1943 o Sinti taj o Roma ande Mag­de­burg khe­tan tradim taj ando loge­ri Auschwitz ledschim ule. Les­kera babake Anna Heilig, savi opferi le flogos­kere mur­da­ri­pes­tar gejng o Sinti taj Roma uli pali­kerdo schaj ol, kaj o 1943 upro them alo Siegfried Heilig o ledschipe ando mu­lipe, prik dschiv­tscha. Bute­der pedar schunen tumen hetvin andi sen­dung „Roma sam“ upro Ra­di­jo Bur­gen­land.

(volksgruppen.orf.at)

Großmutter hat uns das Leben gerettet

August 30th, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV

Radio Roma samRoma sam
Radio Burgenland:
31.8.2015 | Live: 20:50 Uhr (on demand)

Siegfried Heilig bei einem Treffen mit Schülern in Nürnberg, 2013 (Foto: www.nuernberg.deSiegfried Heilig wurde 1934 in einer Sinti-Fa­mi­lie in Magdeburg ge­bo­ren. Der Vater war Schau­steller und Mario­net­ten­spieler. Der junge Sinto musste schon früh die Diskri­mi­nie­run­gen ge­gen seine Volks­gruppe erfah­ren. In der Schule wur­de er in die letzte Reihe ge­setzt und er­kannte erst spä­ter, dass er eigent­lich un­er­wünscht war. In den Mor­gen­stun­den des 1. März 1943 wurden Sinti und Roma in Magde­burg ver­haf­tet und in das Ver­nich­tungs­la­ger Auschwitz depor­tiert. Dank seiner Groß­mutter Anna Heilig, die dem Völker­mord an den Sinti und Roma zum Opfer fiel, ent­ging der 1934 ge­bo­rene Sieg­fried Heilig der Depor­ta­tion und dem siche­ren Tod. Mehr darüber hören Sie am Mon­tag in der Sen­dung „Roma sam“ auf Ra­dio Bur­gen­land.

(volksgruppen.orf.at)

Facts & Figures (119)

August 28th, 2015  |  Published in Facts & Figures

68% der asylsu­chen­den Ro­ma aus Un­garn wur­den in Ka­na­da im 1. Halb­jahr 2015 als Flücht­lin­ge an­er­kannt (2013: 20%, 2014: 35%).

(Quelle)

Ein Dirigent und sein Traum

August 27th, 2015  |  Published in Musik, Radio, Podcast & TV

Riccardo Sahiti und sein Orchester (Foto: Programmankündigung rbb)Die Roma-und-Sinti-Philharmoniker

Ein Film von Margarete Kreuzer

Do., 27.8.2015 | 23:30 Uhr
RBB | NachtKultur/NachtMusik (Erstsendung: 25.1.2015/ARTE)

Es ist ein besonderes Symphonieorchester: Alle Mit­glie­der sind Sinti oder Roma, und alle sind Profis – klassisch aus­gebil­dete Musiker, die in Berufs­orches­tern in ganz Europa spie­len. So oft wie mög­lich finden sie zusam­men, um als Bot­schafter ihres Volkes ge­gen Klischees, Vertrei­bung und Ver­gessen anzu­spie­len. Ein Porträt eines un­gewöhn­li­chen Orchesters und sei­ner Mit­glieder.

Die Dokumentation begleitet das Orchester wäh­rend der Vorberei­tun­gen zu einem Konzert und ver­lässt mit einzel­nen Musikern immer wieder den musika­li­schen Kosmos, um einen Einblick ihr priva­tes Leben zu gewinnen. Im Mittel­punkt des Films steht der Dirigent Riccardo Sahiti, Gründer des Orches­ters und sein leiden­schaft­li­cher Spiritus Rector.

Sein Traum: Er möchte die „Roma und Sinti Philharmoniker“ zu einer festen Institution machen, um nicht länger um ihre Existenz ban­gen zu müssen. Ob Aus­wärtiges Amt, Zentral­rat deutscher Sinti und Roma oder Euro­päi­sches Parlament – Riccardo Sahiti, un­frei­willig auch Manager des Orches­ters, spricht überall vor. Der Film beglei­tet ihn aber auch auf einer sehr emotiona­len Reise in seine Heimat, den Kosovo, wo er Krieg und Vertreibung er­lebt hat; bei den Über­resten seines Geburts­hau­ses und am Grab seiner Mutter er­zählt Sahiti die Geschich­te seiner Familie, die für viele Kosovo-Roma steht. So entsteht das Porträt eines un­gewöhn­li­chen Orches­ters, das sich zu­gleich aus un­gewöhn­li­cher Perspek­tive einem ernsten Thema nähert. Dank der sympathi­schen und leiden­schaft­li­chen Prota­gonis­ten gelingt dies mit über­ra­schen­der Leich­tig­keit.

(Text: rbb-online.de)

Mit Blut, Stift und Nadel

August 25th, 2015  |  Published in Kunst & Fotografie

Robert Gabris (Foto: Galerie Kai Dikhas)Ein slowakisch-stämmiger Roma-Künstler, der aufgrund von Diskri­mi­nie­rung und man­geln­den Mög­lich­kei­ten der Selbst­ver­wirk­li­chung ge­flüch­tet ist, gibt in Wien für die Kunst des Zeich­nens alles. Sogar sein eige­nes Blut.

Momcilo Nikolic über Robert Gabris

Wiener Zeitung: Wien. Vor ihm steht eine weiße Leinwand. In seinem Arm steckt ein Schlauch, in dem sich sein Blut befindet. Es sind nur wenige Milli­liter, die aus ihm strö­men, um zu einem Kunst­werk zu werden, wenn er den Pinsel schwingt: Robert Gabris’ „Blutbilder“ sind ein kleiner Ausdruck seines In­nersten, das er der Öffent­lich­keit zeigt; zugleich aber auch ein in­niger Weg, die direk­teste Ver­bin­dung zwi­schen Kunst­werk und Künstler zu suchen, wie er der „Wiener Zeitung“ erzählt.

Während Gabris sein Blut auf das Weiß pinselt, erstrahlt das Ge­zeich­nete in leuch­ten­dem Rot. Nach einiger Zeit ver­blasst es, oder wie Gabris sagt, „bräunt es nach“. Das Bild ver­ändert sich. „Damit habe ich auch die Fragen der Existenz gestellt. Wie lange dauert ein Leben? Wie lange exis­tie­ren diese meine Bilder über­haupt?“

Da Leben, Tod und das Unbewusste – nicht allein in der Kunst – schwer zu fassen sind, sind es beson­ders die kleinen und feinen Metaphern, mit denen Gabris seine blu­ti­gen Werke ver­ziert und mit „Herz-fres­senden Fliegen“ oder Augen, in ihrer Gesamt­heit ein „heraus­geris­se­nes Stück aus seiner Person“, auf das Papier proji­ziert. Es geht Gabris um die Ver­bin­dung zum Werk und um den Dialog zwischen Bild und Betrach­ter. „Des­wegen habe ich Blut, das aus mir heraus­strömt, gewählt. Es ist eine Selbst­spiege­lung mei­ner Körper­lich­keit.“ Read the rest of this entry »

„Aber ich bin doch kein Gauner!“

August 24th, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

So reagieren spanische Kinder, wenn sie im Wörterbuch der König­li­chen Spani­schen Aka­demie (RAE) den Namen ihrer eige­nen ethnischen Gruppe nach­schlagen sol­len – und er­fahren müs­sen, dass das Wort „gitano“ dort u. a. mit dem ver­meint­li­chen Syno­nym „trapacero“ (Gauner, Schwind­ler, Betrüger) erklärt wird (mehr hier).

Im Videobild rechts unten können Sie unter „Einstel­lun­gen“ die engli­schen Unter­titel ak­ti­vie­ren.

#YoNoSoyTrapacero — #YoNoSoyTrapacera — Video der Fundación Secretariado Gitano, 2015.

Spanischer Wörterbuchrassismus

August 24th, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

gitano - Eintrag im DRAE, 23. AusgabeAlle Proteste und Appel­le hal­fen nichts: Das tra­di­ti­ons­reiche spa­ni­sche Stan­dard­wörter­buch DRAE, heraus­ge­ge­ben von der König­li­chen Spa­ni­schen Aka­de­mie (Real Academia Española/RAE), wird auch in der kom­men­den, neu über­arbei­te­ten Auflage unter dem Stichwort „gitano“ an fünfter Stelle die Be­deu­tung „trapacero“ an­füh­ren. Für die RAE ist „gitano“ (die gän­gi­ge Bezeich­nung für die spa­ni­schen Roma) dem­nach ein Syno­nym für „Gauner“ (DRAE: „je­mand der mit Hinter­list, Un­wahr­hei­ten und Lü­gen darauf aus ist, je­man­den in ir­gend­ei­ner An­ge­le­gen­heit zu täuschen“). In einer Aus­sen­dung fordert die „Unión Romaní“ nun den Rück­tritt des Direk­tors der Real Aca­de­mia Española, Darío Villanueva.

Abgesehen davon, dass dieser Ein­trag eine ganze Ethnie herab­wür­digt, er­laubt sich die Real Academia hier tatsächlich einen linguis­ti­schen Fauxpas: Read the rest of this entry »

„Zigeuner logeri“ Auschwitz

August 23rd, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV

Radio Roma samRoma sam
Radijo Burgenland:
17.8.2015 | (on demand)


Auschwitz 2015 (Foto: Stowarzyszenie Romów w Polsce)Uso berscheskero di le upre putrinipestar le afka akarede „Zigeuner lo­ge­ristar“ ande Auschwitz-Bir­kenau, andi cili Euro­pa upro flogos­kero murda­ripe gejng o Sinti taj Roma gondo­lim ulo. Ando 2to august 1944 o lejcti dsche­ne le „Zigeuner loge­ristar“, valami 3.000 manu­scha, mur­darde ule.

O Romani Rose (angle beschto le centrali rotis­tar le nimtschke Sin­ti­jen­dar taj Romen­dar) taj o erscht 20-ber­schen­gero Silas Kropf (dujto angle beschto le faraj­nistar Amaro Drom e.V.) upro gon­do­li­nipes­kero di pedar o bari­ka­nipe la histo­ri­jatar, pedar o dschi­vi­pes­kero them le terne Sintijen­dar taj Romen­dar andi Germanija taj pedar i aktujeli naschi­ge­ja­schen­geri de­bata, vakeren.

Dikhen amen! Seht uns!

Afka jek projekto le terne Sintijenge taj Romenge andi Germa­nija butschol. Ada pro­jekto le terne dsche­nen­ge te pomo­schi­nel, kaj on aun­prin­dscha­ripe taj glajchi terdscho­jipe ando nimtschko khe­tanipe te uschtiden. Read the rest of this entry »

„Erzählungen vom Unrecht“

August 22nd, 2015  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Zeitzeuge Cvetko Mirković, Überlebender des KZ Sajmiste (Filmstill aus Video 1)Max Mannheimer Studienzentrum Dachau: Kurzfilme der Jugendbegegnung „Erzählungen vom Unrecht/Stories of Injustice“ online

→Video 1 | →Video 2 | →Video 3 | →Video 4

Unter dem Projekttitel „Erzählungen vom Unrecht / Stories of Injustice“ haben sich 20 Jugend­li­che aus dem Raum Dachau / München und aus Serbien 2012/2013 über neun Mona­te hin­weg inten­siv mit der Ge­schichte und Gegen­wart von Sinti und Roma in Deutschland und Serbien auseinan­der­ge­setzt. Es wur­de dabei die national­sozia­lis­ti­sche Ver­fol­gung von Sinti und Roma ebenso thema­ti­siert wie die bis heute anhal­ten­de Diskri­mi­nie­rung. Die Gruppe beschäf­tigte sich bei­spiels­weise mit dem Kampf der Sinti und Roma um Anerkennung als Opfer des Natio­nal­sozia­lis­mus und mit der Bürger­rechts­bewe­gung ab den 1980er Jahren. Auch die aktuel­le Situa­tion in Deutsch­land und in Ser­bien war Thema.

Im Rahmen des Projektes wurden von den Jugendlichen neun Inter­views mit Über­lebenden der natio­nal­sozia­lis­ti­schen Ver­fol­gung und de­ren Angehö­ri­gen geführt. Diese Inter­views bilde­ten die Grund­lage für vier jetzt auch online ver­füg­bare kurze Filme, in denen die Erfah­run­gen aus beiden Län­dern zu­sam­men­geführt wurden und in denen Sinti und Roma aus Deutsch­land und Ser­bien ein­drucks­voll Zeugnis von der Geschichte seit 1933 ab­legen.

(Text: mmsz-dachau.de)

♫ Gejza Horváth: Kodoj tel e pal o drom

August 19th, 2015  |  Published in Musik

Roma sam: Roma-Wallfahrt nach Mariazell

August 18th, 2015  |  Published in Radio, Podcast & TV, Religion

Radio Roma samRoma sam
Radio Burgenland:
3.8.2015 | (on demand)

MariazellAm Sonntag, 9. August 2015, fand die traditionelle Roma-Wallfahrt nach Mariazell statt. Die Pilger­reise der Roma weist eine jahr­hun­dert­lange Tra­dition auf, die wäh­rend des NS-Regimes unter­bunden und im August 1996 von den öster­rei­chi­schen Roma-Vereinen wieder ins Leben ge­ru­fen wurde.

„Mariazell war schon immer eine Pilgerstätte für die Volks­gruppe der Roma. Einen sehr engen Bezug haben Roma zur Maria Mutter Gottes. Sie nimmt eine wich­tige Rolle in ihrem Leben ein“, sagt Monika Scheweck vom Referat für ethni­sche Gruppen der Diözese Eisen­stadt. „Die katho­li­sche Kirche ist sehr bemüht, dass es ein bes­seres Miteinan­der gibt. Durch die gute, jahre­lange Zusam­men­arbeit hat sich eini­ges zum Positiven gewandt, jedoch gibt es noch einige Hürden, die zu über­winden sind“, sagt die Refe­rats­leite­rin. Mehr über die tra­di­tio­nelle Roma-Wall­fahrt hören Sie in der Sen­dung „Roma sam“ auf Radio Burgenland.

(volksgruppen.orf.at)

Ladipe le Romendar Cejiste

August 17th, 2015  |  Published in Radio, Podcast & TV, Religion

Radio Roma samRoma sam
Radijo Burgenland:
3.8.2015 | (on demand)


Roma-Wallfahrt nach Mariazell (Foto: Romane Thana/Burgenländisches Landesmuseum)O ladipe le Romendar Cejiste jek schelber­schen­geri tradicijona ande len­geri histo­rija upre sikal, savi maschkar o nacijen­gero rajipe na dija taj ando august 1996 le austri­tike Romen­gere farajnen­dar papal upre lim uli. „Cej imar mindig jek ladipes­kero than la flogos­kera grupnake le Romen­dar sina. Jek vusko kheta­nipe hi le Romen usi Maria, le Devleskeri daj. Oj jek bari­kano than ando dschi­vipe le Romen­dar ande lel“, phenel i Monika Scheweck andar o referat le etni­schi grupnen­dar la diöcesa­tar Tikni Martona. „I katolischi khan­geri but kerel, kaj feder kheta­nipe te del. Aja kheta­ni buti, savi imar but berscha del, latschi­pe antscha, ham te meg mindig dombi del, pedar save prik iste gelo ol“, phenel o schero le refe­ratis­tar. Bute­der pedar o tradicijo­neli ladipe le Romen­dar Cejiste, schunen tu­men andi sendung „Roma sam“ upro Radijo Burgenland.

(volksgruppen.orf.at)

Studie: Roma-Berichterstattung in der Schweiz

August 14th, 2015  |  Published in Dokumente & Berichte, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Titelseite der Weltwoche 2012Berichterstattung über Rroma in den Deutschschweizer Medien

Bericht der Rroma Foundation / Rroma Contact Point, September 2014 (54 S.)

>>Download (pdf)

In den letzten Jahren hat sich die Rroma Foundation ein­gehend mit der Bericht­erstat­tung über Rroma aus­einan­der­gesetzt. Einer­seits wur­den europa­weit erschie­nene Artikel ana­ly­siert, anderer­seits unter­suchten wir die in den letzten fünf Jahren ent­stan­de­nen Texte grosser Deutsch­schweizer Zeitun­gen. Die hier präsen­tierte Studie be­handelt den letz­teren Teil.

Die Rroma Foundation hat die Artikel der «Neuen Zürcher Zeitung» (inclusive «NZZ am Sonntag»), der «Wochen­zeitung» (WOZ), des «Tages-Anzeigers», der «Weltwoche», der «SonntagsZeitung», des «Beobachters», der «20 Minuten» und des «Blick» be­rück­sich­tigt. Für den Zeit­raum von 2008 bis 2013 wur­den von diesen Zeitun­gen 297 Artikel selek­tiert, unter­sucht und analy­siert.

Zusammenfassung der wichtigsten Resultate

Als erstes ist zu erwähnen, dass es leider (…) auch in der hier unter­suchten Artikel­samm­lung kaum einen positi­ven Artikel über Rroma gibt. Was an eine posi­tive Bericht­er­stat­tung am ehesten heran­kommt, ist die häufig ver­breitete Dar­stellung der Rroma im Ausland als Opfer staat­licher Gewalt und Diskri­mi­nie­rung. Trotz­dem fehlen jeg­liche positi­ven Bilder im Zusammen­hang mit Rroma. Weite­re, wesent­liche Er­kennt­nisse der Studie sind, dass alle unter­suchten Medien Stereo­type und Falsch­infor­ma­tio­nen über Rroma von­einan­der über­nehmen, trans­for­mieren, in einem anderem Kontext wieder ein­bringen und so zu einer Per­petu­ie­rung nicht fun­dierter Vorurteile, Fehl­infor­ma­tio­nen und Miss­ver­ständ­nisse bei­tragen. Ein weite­res Resultat ist, dass die Deutsch­schweizer Medien im Zusam­men­hang mit im Inland agie­ren­den Rroma fast aus­schliess­lich die Aktio­nen einer klei­nen hier in Erschei­nung treten­den Minderheit der Rroma be­handeln.

In der Auslandberichterstattung da­ge­gen be­schränkt sich der Fokus wie­derum fast aus­schliess­lich und genera­li­sie­rend auf Armut, Bildungs­ferne und soziale Aus­gren­zung, vor allem in Osteuropa. Rroma sind somit in der Schweiz ge­nerell als Täter und im Aus­land als Opfer dar­gestellt. Read the rest of this entry »

Salzburg: Anschlag auf Bettler-Schlafplätze

August 10th, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Brandanschlag auf Bettler-Schlafstelle in Salzburg (Foto: Raim Schobesberger/Phurdo)Raim Schobesberger vom Salzbur­ger Roma-Verein Phurdo, der sich u.a. beson­ders um die Bettler der Stadt kümmert, berich­tet von Brand­anschlä­gen in Salz­burg: Ges­tern seien von Unbe­kann­ten zwei Schlaf­plätze von Armuts­reisenden an­gezün­det worden. Verletzt wurde nie­mand, da der An­schlag verübt wurde, wäh­rend die betrof­fe­nen Per­sonen, es handelt sich laut Schobes­berger um Roma aus Rumänien, bet­teln waren. „Es ist unerträg­lich, dass Armuts­reisende in Salz­burg Angst haben müs­sen!“, schreibt er auf seiner Facebook­seite und macht meh­rere Fotos vom Tatort publik. Schobes­berger sieht einen Zusam­men­hang zwi­schen der in Salz­burg beson­ders heftig ge­führ­ten Debatte um ein Bettelverbot und den Gewalt­akten. Be­reits zuvor war es in Salz­burg zu einer Reihe von Angriffen auf Bettler und Roma gekom­men (hier eine Übersicht von 2014).

Der Salzburger Menschenrechtsaktivist Bernhard Jenny gibt die ak­tuelle Meldung wie folgt wieder: Read the rest of this entry »

Kirchstetten vereitelt Roma-Gedenkprojekt

August 9th, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Politik

Gemeindeamt Kirchstetten (Foto: NÖN)Das dunkle Kapitel der Ortsgeschichte: Futschikato – Die ver­schwun­de­nen Roma und Sinti aus Kirch­stet­ten und der „Fall Weinheber“

Die österreichische Künstlerin Marika Schmiedt befasst sich – nicht zuletzt auf­grund ihrer eigenen Familien­ge­schichte – im­mer wieder mit der Ver­folgung der Roma. »Futschikato – Die ver­schwun­de­nen Roma und Sinti aus Kirch­stetten und der „Fall Wein­heber“« heißt ihr jüngs­tes Gedenk­projekt, das den Umgang mit der Ver­gan­gen­heit in der nieder­öster­rei­chi­schen Markt­gemeinde Kirchstetten unter die Lupe nimmt. Ange­kün­digt war die Prä­sen­ta­tion bereits für Septem­ber. Doch der Bürgermeister der klei­nen Ge­meinde legt sich nun quer: „Es wird leider nicht möglich sein, diese Kunst­installation so zu ver­wirk­li­chen“, teilte Paul Horsak (ÖVP) der Künstle­rin am 5. August mit; er werde die Geneh­mi­gung für die Instal­la­tion nicht er­tei­len. Seine Begrün­dung, die die Künst­le­rin auf ihrer Web­site ver­öffent­licht hat, liest sich wie ein Echo aus längst über­wun­den geglaub­ten Jahr­zehnten:

Es sind nun aber doch schon 70 Jahre seit diesen grauen­vollen Jahren ver­gangen und in Kirch­stetten besteht die hier lebende Bevöl­ke­rung zu mehr als 95% aus Folge­genera­tionen. Man soll zwar nie ver­gessen und schon gar nicht völlig ver­drängen, aber die heuti­gen Genera­tio­nen sind sehr wohl der Ansicht, dass die Ver­gangen­heit ruhen soll, da sie ja auch keiner­lei Schuld an diesen unwür­digen Gescheh­nis­sen haben. All­gemei­ner Tenor: Erin­nerung ja, aber es muss auch einmal Schluss sein mit Auf­arbei­tung und Auseinan­der­setzung.

Wenn es nach Bürgermeister Horsak geht, sollen die Deportation und Ermor­dung der 80 bis 100 Roma der Gemeinde, deren Schick­sal Marika Schmiedt recher­chiert hat, also nicht öffent­lich thema­ti­siert werden. Er will nicht wahr­haben, dass auch der ver­schwie­gene Völker­mord an den Roma zur Ver­gangen­heit seines Heimat­ortes gehört. Jeden­falls ver­wahrt sich der Bürger­meister gegen­über der Künstlerin, die Depor­tatio­nen als „dunkles Kapitel der Orts­geschichte“ zu titu­lieren. Dabei war Kirchstetten nicht nur ein zufäl­liger Schau­platz der national­sozia­lis­ti­schen Ver­folgungs­politik, son­dern hatte, wie viele andere Gemein­den auch, durch­aus selbst seinen Anteil am schreck­lichen Gesche­hen. Marika Schmiedt schreibt dazu:

In Kirchstetten begann die Erfas­sungs­aktion von Roma und Sinti schon früh, Zeugnis der Ver­strickung und Komplizen­schaft ist ein vor­lie­gen­der Akt. Read the rest of this entry »

Roma-Mädchen klüger als Hawking

August 8th, 2015  |  Published in Jugend & Bildung

NicoleEin zwölfjähriges Mädchen aus Harlow in der südenglischen Grafschaft Essex hat bei einem IQ-Test 162 Punkte erreicht. Damit erzielte Nicole Barr sogar mehr Punkte als Star-Astro­phy­si­ker Stephen Hawking. Sogar Albert Einsteins IQ kön­ne da nicht mehr mit­hal­ten, liest man in den Medien­be­rich­ten. Das Mäd­chen, das der eng­li­schen Roma-Minderheit angehört („Daily Mirror“ spricht allgemeiner von „Travellers“), reagiert erstaunt: „Als ich erfuhr, dass ich solch einen hohen Wert erreichte, war es so un­er­war­tet. Ich war geschockt“, er­zählt Nicole der Boule­vard-Zei­tung „Daily Mirror“.

Ihr außerordentliches Ergebnis sorgt der­zeit nicht nur für Schlagzeilen in der inter­na­tio­na­len Presse: „Die Geschichte macht ge­ra­de auch die Runde in der Gypsy-Commu­nity, beson­ders auch auf Facebook. Es ist schön, dass wir ein­mal wegen etwas Gutem in den Nach­rich­ten vor­kom­men“, er­klärt Nicoles Vater James.

(dROMa)

Facts & Figures (118)

August 5th, 2015  |  Published in Facts & Figures

1981 fand nach Lon­don (1971) und Genf (1978) der 3. Ro­ma-Welt­kon­gress in Göt­tin­gen statt.

(Quelle (1981))

„Es geht um Self-Empowerment“

August 4th, 2015  |  Published in Interview, Jugend & Bildung

Silas Kropf (Foto: inforadio.de)Am Wochenende wurde – zum Jahrestag der Auf­lösung des „Zigeunerlagers“ in Auschwitz-Birkenau – euro­pa­weit des Völ­ker­mords an Sinti und Roma ge­dacht. Am 2. August 1944 wur­den die letzten In­sassen des „Zigeuner­lagers“, fast 3.000 Per­sonen, ermor­det. Silas Kropf, 20, ist deut­scher Sinto, lebt im Saar­land und absol­viert ein duales Stu­dium, Fach­richtung Wirt­schafts­infor­matik. Seit einem Jahr ist er im Vor­stand der deutschen Jugend­orga­ni­sa­tion Amaro Drom. Für die taz führte Hilke Rusch mit ihm ein Ge­spräch über Stereo­type, Auf­ar­bei­tung und Präsenz:

Herr Kropf, was wissen Sie über den Porrajmos, den NS-Völ­ker­mord an Sinti und Roma?
Eine Menge, in meiner Familie war der Holocaust all­ge­gen­wär­tig. Teile meiner Fa­milie wurden in Konzentra­tions­lager depor­tiert, andere lebten ver­gleichs­weise ge­schützt in einem Dorf. Dort ließ der Orts­vor­ste­her Steri­li­sa­tions­befehle ver­schwin­den, weil meine Ur­groß­mutter eine an­ge­se­he­ne Frau war. In der Fami­lie ha­ben wir viel darüber gespro­chen, und bis heute gibt es Angst vor Ver­fol­gung. Darum bin ich mit einem Tabu auf­ge­wach­sen: Ich durfte nicht zei­gen, wer ich bin.

Sie mussten verstecken, dass Sie Sinto sind?
Ja, es musste geheim bleiben. Durch meinen Groß­vater ist die Fa­milie nach außen sehr auf Ab­stand zu unserer Kultur ge­gan­gen. Das geht so weit, dass in mei­nem Teil der Fami­lie zum Schutz leider kein Romanes mehr gespro­chen wird.

Lesen Sie bitten weiter auf taz.de.

The Color of Smoke (Menyhért Lakatos)

August 3rd, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher

The Color of Smoke: An Epic Novel of the Roma
(
Trailer edited by Miklos Solyom (Miklos Films); produced with the support of the Lantos Foundation for Human Rights & Justice)

Füstös képek“, der bekannteste Roman des ungarischen Schriftstellers Menyhért Lakatos (1926–2007) und eines der bedeutendsten Werke der Roma-Literatur, erscheint in wenigen Tagen nun erstmals auch auf Englisch (New Europe Books). Der 1975 in Ungarn publizierte Roman, der auf Deutsch unter dem Titel „Bitterer Rauch“ bereits seit 1978 vorliegt (Verlag Volk und Welt, Ostberlin), spielt in einer ungarischen Romasiedlung während des Zweiten Weltkrieges bis zur deutschen Besatzung 1944. Aus der Sicht eines jugendlichen Protagonisten thematisiert Lakatos’ Roman – als eines der ersten Werke überhaupt – auch die Zeit des heraufdämmernden Roma-Holocausts in Ungarn.

FOR THE FIRST TIME IN ENGLISH (book pub date: Aug. 11, 2015): A timeless tribute to a marginalized people and the gripping tale of one boy’s journey to manhood—by an author who came of age in a Romani (Gypsy) settlement during World War II

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„Es liegt an der Jugend von heute“

August 2nd, 2015  |  Published in Geschichte & Gedenken

Der Zeitzeuge und Sinto Siegfried Heilig bei einer Gedenkveranstaltung in Magdeburg (Foto: uweloos.de)Rede des Holocaustüberleben­den Siegfried Heilig


Ansprache zum 71. Jahrestag der Auf­lö­sung des so­ge­nann­ten „Zigeuner­lagers“ im Ver­nich­tungs­lager Auschwitz-Bir­ke­nau am 2. Au­gust 1944

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Freunde, ich möchte zu­erst die Überlebenden des Kon­zentra­tions­lagers Auschwitz und alle ande­ren Über­leben­den be­grüßen. Nur wenige haben das Grauen der national­sozia­lis­ti­schen Gewalt­herr­schaft über­lebt und kön­nen heute hier sein. Mein Name ist Sieg­fried Heilig. Ich wurde 1934 in Magdeburg ge­bo­ren, wo ich als Kind zusam­men mit meinem älte­ren Bruder die Schule besuchte. Meine Eltern und Groß­eltern waren selbstän­dige Unter­neh­mer und ver­dien­ten unseren Lebena­unte­rhalt unter anderem mit einem Mario­net­ten­theater und einer Schieß­bude. Ich hatte eine glück­liche Kindheit in der Gebor­gen­heit meiner Familie.

Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten und ihrer ras­sis­ti­schen Ideologie änderte sich alles für uns. In der Schule wurden wir immer weiter aus­ge­grenzt. Die Lehrer setzten uns in die letzte Reihe und unsere Mit­schüler be­schimpf­ten uns als „Zigeuner“. Es gab auch körper­liche Übergriffe durch unsere Mit­schüler, vor denen uns unsere Lehrer nicht schützten, da sie uns als „minder­wertig“ betrach­teten.

In den Morgenstunden des 1. März 1943 wurden alle Sinti und Roma Magdeburgs in einer gemein­sa­men Aktion von Gestapo und Polizei ver­haftet und mit Last­wagen zum Mag­de­bur­ger Polizei­prä­si­dium ge­bracht. Viele Sinti und Roma waren zu diesem Zeit­punkt schon im so­ge­nannten „Zigeuner­lager“ am Holzweg inter­niert. Meine Familie lebte damals nicht in dem Lager. Wir stan­den mit unse­ren Wohnwagen in un­serem Winter­quartier in Magde­burg als die Gestapo­beamten mit Hunden in unseren Hof stürmten. Mein Vater, mein Bruder und ich waren zu diesem Zeitpunkt zufällig in einem Packwagen. Dass wir nicht entdeckt wurden, verdankten wir alleine der Geistes­gegen­wart meiner Groß­mutter. Read the rest of this entry »