Roma sam
Radijo Burgenland: 31.8.2015 | (on demand)
Valami 6 milijoni dschidovtscha taj dschi use 500.000 Sinti taj Roma le nacijendar bibastale tradim taj opfertscha lengere sistematischi planime flogoskere murdaripestar ule. Ada brigaschno terdschijipe le dschidovtschen la flogoskera grupnaha le Romendar khetan phandel.
O Siegfried Heilig 1934 ande jek Sinti-familija ande Magdeburg upro them alo. O dad schauschteleri taj marijonetengero khelaschi sina. O terno Sinto imar agun i diskriminacija gejng leskeri flogoskeri grupn esbe iste lija. Andi ischkola ando lejcti redo lo beschardo ulo taj erscht paloda upre pelo, hot ov adaj kivanim nan. Ando ratschaskere ori le 1ti mercistar 1943 o Sinti taj o Roma ande Magdeburg khetan tradim taj ando logeri Auschwitz ledschim ule. Leskera babake Anna Heilig, savi opferi le flogoskere murdaripestar gejng o Sinti taj Roma uli palikerdo schaj ol, kaj o 1943 upro them alo Siegfried Heilig o ledschipe ando mulipe, prik dschivtscha. Buteder pedar schunen tumen hetvin andi sendung „Roma sam“ upro Radijo Burgenland.
Siegfried Heilig wurde 1934 in einer Sinti-Familie in Magdeburg geboren. Der Vater war Schausteller und Marionettenspieler. Der junge Sinto musste schon früh die Diskriminierungen gegen seine Volksgruppe erfahren. In der Schule wurde er in die letzte Reihe gesetzt und erkannte erst später, dass er eigentlich unerwünscht war. In den Morgenstunden des 1. März 1943 wurden Sinti und Roma in Magdeburg verhaftet und in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Dank seiner Großmutter Anna Heilig, die dem Völkermord an den Sinti und Roma zum Opfer fiel, entging der 1934 geborene Siegfried Heilig der Deportation und dem sicheren Tod. Mehr darüber hören Sie am Montag in der Sendung „Roma sam“ auf Radio Burgenland.
Es ist ein besonderes Symphonieorchester: Alle Mitglieder sind Sinti oder Roma, und alle sind Profis – klassisch ausgebildete Musiker, die in Berufsorchestern in ganz Europa spielen. So oft wie möglich finden sie zusammen, um als Botschafter ihres Volkes gegen Klischees, Vertreibung und Vergessen anzuspielen. Ein Porträt eines ungewöhnlichen Orchesters und seiner Mitglieder.
Die Dokumentation begleitet das Orchester während der Vorbereitungen zu einem Konzert und verlässt mit einzelnen Musikern immer wieder den musikalischen Kosmos, um einen Einblick ihr privates Leben zu gewinnen. Im Mittelpunkt des Films steht der Dirigent Riccardo Sahiti, Gründer des Orchesters und sein leidenschaftlicher Spiritus Rector.
Sein Traum: Er möchte die „Roma und Sinti Philharmoniker“ zu einer festen Institution machen, um nicht länger um ihre Existenz bangen zu müssen. Ob Auswärtiges Amt, Zentralrat deutscher Sinti und Roma oder Europäisches Parlament – Riccardo Sahiti, unfreiwillig auch Manager des Orchesters, spricht überall vor. Der Film begleitet ihn aber auch auf einer sehr emotionalen Reise in seine Heimat, den Kosovo, wo er Krieg und Vertreibung erlebt hat; bei den Überresten seines Geburtshauses und am Grab seiner Mutter erzählt Sahiti die Geschichte seiner Familie, die für viele Kosovo-Roma steht. So entsteht das Porträt eines ungewöhnlichen Orchesters, das sich zugleich aus ungewöhnlicher Perspektive einem ernsten Thema nähert. Dank der sympathischen und leidenschaftlichen Protagonisten gelingt dies mit überraschender Leichtigkeit.
Ein slowakisch-stämmiger Roma-Künstler, der aufgrund von Diskriminierung und mangelnden Möglichkeiten der Selbstverwirklichung geflüchtet ist, gibt in Wien für die Kunst des Zeichnens alles. Sogar sein eigenes Blut.
Wiener Zeitung: Wien. Vor ihm steht eine weiße Leinwand. In seinem Arm steckt ein Schlauch, in dem sich sein Blut befindet. Es sind nur wenige Milliliter, die aus ihm strömen, um zu einem Kunstwerk zu werden, wenn er den Pinsel schwingt: Robert Gabris’ „Blutbilder“ sind ein kleiner Ausdruck seines Innersten, das er der Öffentlichkeit zeigt; zugleich aber auch ein inniger Weg, die direkteste Verbindung zwischen Kunstwerk und Künstler zu suchen, wie er der „Wiener Zeitung“ erzählt.
Während Gabris sein Blut auf das Weiß pinselt, erstrahlt das Gezeichnete in leuchtendem Rot. Nach einiger Zeit verblasst es, oder wie Gabris sagt, „bräunt es nach“. Das Bild verändert sich. „Damit habe ich auch die Fragen der Existenz gestellt. Wie lange dauert ein Leben? Wie lange existieren diese meine Bilder überhaupt?“
Da Leben, Tod und das Unbewusste – nicht allein in der Kunst – schwer zu fassen sind, sind es besonders die kleinen und feinen Metaphern, mit denen Gabris seine blutigen Werke verziert und mit „Herz-fressenden Fliegen“ oder Augen, in ihrer Gesamtheit ein „herausgerissenes Stück aus seiner Person“, auf das Papier projiziert. Es geht Gabris um die Verbindung zum Werk und um den Dialog zwischen Bild und Betrachter. „Deswegen habe ich Blut, das aus mir herausströmt, gewählt. Es ist eine Selbstspiegelung meiner Körperlichkeit.“ Read the rest of this entry »
So reagieren spanische Kinder, wenn sie im Wörterbuch der Königlichen Spanischen Akademie (RAE) den Namen ihrer eigenen ethnischen Gruppe nachschlagen sollen – und erfahren müssen, dass das Wort „gitano“ dort u. a. mit dem vermeintlichen Synonym „trapacero“ (Gauner, Schwindler, Betrüger) erklärt wird (mehr hier).
Im Videobild rechts unten können Sie unter „Einstellungen“ die englischen Untertitel aktivieren.
Alle Proteste und Appelle halfen nichts: Das traditionsreiche spanische Standardwörterbuch DRAE, herausgegeben von der Königlichen Spanischen Akademie (Real Academia Española/RAE), wird auch in der kommenden, neu überarbeiteten Auflage unter dem Stichwort „gitano“ an fünfter Stelle die Bedeutung „trapacero“ anführen. Für die RAE ist „gitano“ (die gängige Bezeichnung für die spanischen Roma) demnach ein Synonym für „Gauner“ (DRAE: „jemand der mit Hinterlist, Unwahrheiten und Lügen darauf aus ist, jemanden in irgendeiner Angelegenheit zu täuschen“). In einer Aussendung fordert die „Unión Romaní“ nun den Rücktritt des Direktors der Real Academia Española, Darío Villanueva.
Abgesehen davon, dass dieser Eintrag eine ganze Ethnie herabwürdigt, erlaubt sich die Real Academia hier tatsächlich einen linguistischen Fauxpas: Read the rest of this entry »
Roma sam
Radijo Burgenland: 17.8.2015 | (on demand) Uso berscheskero di le upre putrinipestar le afka akarede „Zigeuner logeristar“ ande Auschwitz-Birkenau, andi cili Europa upro flogoskero murdaripe gejng o Sinti taj Roma gondolim ulo. Ando 2to august 1944 o lejcti dschene le „Zigeuner logeristar“, valami 3.000 manuscha, murdarde ule.
O Romani Rose (angle beschto le centrali rotistar le nimtschke Sintijendar taj Romendar) taj o erscht 20-berschengero Silas Kropf (dujto angle beschto le farajnistar Amaro Drom e.V.) upro gondolinipeskero di pedar o barikanipe la historijatar, pedar o dschivipeskero them le terne Sintijendar taj Romendar andi Germanija taj pedar i aktujeli naschigejaschengeri debata, vakeren.
Dikhen amen! Seht uns!
Afka jek projekto le terne Sintijenge taj Romenge andi Germanija butschol. Ada projekto le terne dschenenge te pomoschinel, kaj on aunprindscharipe taj glajchi terdschojipe ando nimtschko khetanipe te uschtiden. Read the rest of this entry »
Unter dem Projekttitel „Erzählungen vom Unrecht / Stories of Injustice“ haben sich 20 Jugendliche aus dem Raum Dachau / München und aus Serbien 2012/2013 über neun Monate hinweg intensiv mit der Geschichte und Gegenwart von Sinti und Roma in Deutschland und Serbien auseinandergesetzt. Es wurde dabei die nationalsozialistische Verfolgung von Sinti und Roma ebenso thematisiert wie die bis heute anhaltende Diskriminierung. Die Gruppe beschäftigte sich beispielsweise mit dem Kampf der Sinti und Roma um Anerkennung als Opfer des Nationalsozialismus und mit der Bürgerrechtsbewegung ab den 1980er Jahren. Auch die aktuelle Situation in Deutschland und in Serbien war Thema.
Im Rahmen des Projektes wurden von den Jugendlichen neun Interviews mit Überlebenden der nationalsozialistischen Verfolgung und deren Angehörigen geführt. Diese Interviews bildeten die Grundlage für vier jetzt auch online verfügbare kurze Filme, in denen die Erfahrungen aus beiden Ländern zusammengeführt wurden und in denen Sinti und Roma aus Deutschland und Serbien eindrucksvoll Zeugnis von der Geschichte seit 1933 ablegen.
Am Sonntag, 9. August 2015, fand die traditionelle Roma-Wallfahrt nach Mariazell statt. Die Pilgerreise der Roma weist eine jahrhundertlange Tradition auf, die während des NS-Regimes unterbunden und im August 1996 von den österreichischen Roma-Vereinen wieder ins Leben gerufen wurde.
„Mariazell war schon immer eine Pilgerstätte für die Volksgruppe der Roma. Einen sehr engen Bezug haben Roma zur Maria Mutter Gottes. Sie nimmt eine wichtige Rolle in ihrem Leben ein“, sagt Monika Scheweck vom Referat für ethnische Gruppen der Diözese Eisenstadt. „Die katholische Kirche ist sehr bemüht, dass es ein besseres Miteinander gibt. Durch die gute, jahrelange Zusammenarbeit hat sich einiges zum Positiven gewandt, jedoch gibt es noch einige Hürden, die zu überwinden sind“, sagt die Referatsleiterin. Mehr über die traditionelle Roma-Wallfahrt hören Sie in der Sendung „Roma sam“ auf Radio Burgenland.
Roma sam
Radijo Burgenland: 3.8.2015 | (on demand) O ladipe le Romendar Cejiste jek schelberschengeri tradicijona ande lengeri historija upre sikal, savi maschkar o nacijengero rajipe na dija taj ando august 1996 le austritike Romengere farajnendar papal upre lim uli. „Cej imar mindig jek ladipeskero than la flogoskera grupnake le Romendar sina. Jek vusko khetanipe hi le Romen usi Maria, le Devleskeri daj. Oj jek barikano than ando dschivipe le Romendar ande lel“, phenel i Monika Scheweck andar o referat le etnischi grupnendar la diöcesatar Tikni Martona. „I katolischi khangeri but kerel, kaj feder khetanipe te del. Aja khetani buti, savi imar but berscha del, latschipe antscha, ham te meg mindig dombi del, pedar save prik iste gelo ol“, phenel o schero le referatistar. Buteder pedar o tradicijoneli ladipe le Romendar Cejiste, schunen tumen andi sendung „Roma sam“ upro Radijo Burgenland.
In den letzten Jahren hat sich die Rroma Foundation eingehend mit der Berichterstattung über Rroma auseinandergesetzt. Einerseits wurden europaweit erschienene Artikel analysiert, andererseits untersuchten wir die in den letzten fünf Jahren entstandenen Texte grosser Deutschschweizer Zeitungen. Die hier präsentierte Studie behandelt den letzteren Teil.
Die Rroma Foundation hat die Artikel der «Neuen Zürcher Zeitung» (inclusive «NZZ am Sonntag»), der «Wochenzeitung» (WOZ), des «Tages-Anzeigers», der «Weltwoche», der «SonntagsZeitung», des «Beobachters», der «20 Minuten» und des «Blick» berücksichtigt. Für den Zeitraum von 2008 bis 2013 wurden von diesen Zeitungen 297 Artikel selektiert, untersucht und analysiert.
Zusammenfassung der wichtigsten Resultate
Als erstes ist zu erwähnen, dass es leider (…) auch in der hier untersuchten Artikelsammlung kaum einen positiven Artikel über Rroma gibt. Was an eine positive Berichterstattung am ehesten herankommt, ist die häufig verbreitete Darstellung der Rroma im Ausland als Opfer staatlicher Gewalt und Diskriminierung. Trotzdem fehlen jegliche positiven Bilder im Zusammenhang mit Rroma. Weitere, wesentliche Erkenntnisse der Studie sind, dass alle untersuchten Medien Stereotype und Falschinformationen über Rroma voneinander übernehmen, transformieren, in einem anderem Kontext wieder einbringen und so zu einer Perpetuierung nicht fundierter Vorurteile, Fehlinformationen und Missverständnisse beitragen. Ein weiteres Resultat ist, dass die Deutschschweizer Medien im Zusammenhang mit im Inland agierenden Rroma fast ausschliesslich die Aktionen einer kleinen hier in Erscheinung tretenden Minderheit der Rroma behandeln.
In der Auslandberichterstattung dagegen beschränkt sich der Fokus wiederum fast ausschliesslich und generalisierend auf Armut, Bildungsferne und soziale Ausgrenzung, vor allem in Osteuropa. Rroma sind somit in der Schweiz generell als Täter und im Ausland als Opfer dargestellt. Read the rest of this entry »
Raim Schobesberger vom Salzburger Roma-Verein Phurdo, der sich u.a. besonders um die Bettler der Stadt kümmert, berichtet von Brandanschlägen in Salzburg: Gestern seien von Unbekannten zwei Schlafplätze von Armutsreisenden angezündet worden. Verletzt wurde niemand, da der Anschlag verübt wurde, während die betroffenen Personen, es handelt sich laut Schobesberger um Roma aus Rumänien, betteln waren. „Es ist unerträglich, dass Armutsreisende in Salzburg Angst haben müssen!“, schreibt er auf seiner Facebookseite und macht mehrere Fotos vom Tatort publik. Schobesberger sieht einen Zusammenhang zwischen der in Salzburg besonders heftig geführten Debatte um ein Bettelverbot und den Gewaltakten. Bereits zuvor war es in Salzburg zu einer Reihe von Angriffen auf Bettler und Roma gekommen (hier eine Übersicht von 2014).
Das dunkle Kapitel der Ortsgeschichte: Futschikato – Die verschwundenen Roma und Sinti aus Kirchstetten und der „Fall Weinheber“
Die österreichische Künstlerin Marika Schmiedt befasst sich – nicht zuletzt aufgrund ihrer eigenen Familiengeschichte – immer wieder mit der Verfolgung der Roma. »Futschikato – Die verschwundenen Roma und Sinti aus Kirchstetten und der „Fall Weinheber“« heißt ihr jüngstes Gedenkprojekt, das den Umgang mit der Vergangenheit in der niederösterreichischen Marktgemeinde Kirchstetten unter die Lupe nimmt. Angekündigt war die Präsentation bereits für September. Doch der Bürgermeister der kleinen Gemeinde legt sich nun quer: „Es wird leider nicht möglich sein, diese Kunstinstallation so zu verwirklichen“, teilte Paul Horsak (ÖVP) der Künstlerin am 5. August mit; er werde die Genehmigung für die Installation nicht erteilen. Seine Begründung, die die Künstlerin auf ihrer Website veröffentlicht hat, liest sich wie ein Echo aus längst überwunden geglaubten Jahrzehnten:
Es sind nun aber doch schon 70 Jahre seit diesen grauenvollen Jahren vergangen und in Kirchstetten besteht die hier lebende Bevölkerung zu mehr als 95% aus Folgegenerationen. Man soll zwar nie vergessen und schon gar nicht völlig verdrängen, aber die heutigen Generationen sind sehr wohl der Ansicht, dass die Vergangenheit ruhen soll, da sie ja auch keinerlei Schuld an diesen unwürdigen Geschehnissen haben. Allgemeiner Tenor: Erinnerung ja, aber es muss auch einmal Schluss sein mit Aufarbeitung und Auseinandersetzung.
Wenn es nach Bürgermeister Horsak geht, sollen die Deportation und Ermordung der 80 bis 100 Roma der Gemeinde, deren Schicksal Marika Schmiedt recherchiert hat, also nicht öffentlich thematisiert werden. Er will nicht wahrhaben, dass auch der verschwiegene Völkermord an den Roma zur Vergangenheit seines Heimatortes gehört. Jedenfalls verwahrt sich der Bürgermeister gegenüber der Künstlerin, die Deportationen als „dunkles Kapitel der Ortsgeschichte“ zu titulieren. Dabei war Kirchstetten nicht nur ein zufälliger Schauplatz der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik, sondern hatte, wie viele andere Gemeinden auch, durchaus selbst seinen Anteil am schrecklichen Geschehen. Marika Schmiedt schreibt dazu:
In Kirchstetten begann die Erfassungsaktion von Roma und Sinti schon früh, Zeugnis der Verstrickung und Komplizenschaft ist ein vorliegender Akt. Read the rest of this entry »
Ein zwölfjähriges Mädchen aus Harlow in der südenglischen Grafschaft Essex hat bei einem IQ-Test 162 Punkte erreicht. Damit erzielte Nicole Barr sogar mehr Punkte als Star-Astrophysiker Stephen Hawking. Sogar Albert Einsteins IQ könne da nicht mehr mithalten, liest man in den Medienberichten. Das Mädchen, das der englischen Roma-Minderheit angehört („Daily Mirror“ spricht allgemeiner von „Travellers“), reagiert erstaunt: „Als ich erfuhr, dass ich solch einen hohen Wert erreichte, war es so unerwartet. Ich war geschockt“, erzählt Nicole der Boulevard-Zeitung „Daily Mirror“.
Ihr außerordentliches Ergebnis sorgt derzeit nicht nur für Schlagzeilen in der internationalen Presse: „Die Geschichte macht gerade auch die Runde in der Gypsy-Community, besonders auch auf Facebook. Es ist schön, dass wir einmal wegen etwas Gutem in den Nachrichten vorkommen“, erklärt Nicoles Vater James.
Am Wochenende wurde – zum Jahrestag der Auflösung des „Zigeunerlagers“ in Auschwitz-Birkenau – europaweit des Völkermords an Sinti und Roma gedacht. Am 2. August 1944 wurden die letzten Insassen des „Zigeunerlagers“, fast 3.000 Personen, ermordet. Silas Kropf, 20, ist deutscher Sinto, lebt im Saarland und absolviert ein duales Studium, Fachrichtung Wirtschaftsinformatik. Seit einem Jahr ist er im Vorstand der deutschen Jugendorganisation Amaro Drom. Für die taz führte Hilke Rusch mit ihm ein Gespräch über Stereotype, Aufarbeitung und Präsenz:
Herr Kropf, was wissen Sie über den Porrajmos, den NS-Völkermord an Sinti und Roma?
Eine Menge, in meiner Familie war der Holocaust allgegenwärtig. Teile meiner Familie wurden in Konzentrationslager deportiert, andere lebten vergleichsweise geschützt in einem Dorf. Dort ließ der Ortsvorsteher Sterilisationsbefehle verschwinden, weil meine Urgroßmutter eine angesehene Frau war. In der Familie haben wir viel darüber gesprochen, und bis heute gibt es Angst vor Verfolgung. Darum bin ich mit einem Tabu aufgewachsen: Ich durfte nicht zeigen, wer ich bin.
Sie mussten verstecken, dass Sie Sinto sind?
Ja, es musste geheim bleiben. Durch meinen Großvater ist die Familie nach außen sehr auf Abstand zu unserer Kultur gegangen. Das geht so weit, dass in meinem Teil der Familie zum Schutz leider kein Romanes mehr gesprochen wird.
The Color of Smoke: An Epic Novel of the Roma
(Trailer edited by Miklos Solyom (Miklos Films); produced with the support of the Lantos Foundation for Human Rights & Justice)
„Füstös képek“, der bekannteste Roman des ungarischen Schriftstellers Menyhért Lakatos (1926–2007) und eines der bedeutendsten Werke der Roma-Literatur, erscheint in wenigen Tagen nun erstmals auch auf Englisch (New Europe Books). Der 1975 in Ungarn publizierte Roman, der auf Deutsch unter dem Titel „Bitterer Rauch“ bereits seit 1978 vorliegt (Verlag Volk und Welt, Ostberlin), spielt in einer ungarischen Romasiedlung während des Zweiten Weltkrieges bis zur deutschen Besatzung 1944. Aus der Sicht eines jugendlichen Protagonisten thematisiert Lakatos’ Roman – als eines der ersten Werke überhaupt – auch die Zeit des heraufdämmernden Roma-Holocausts in Ungarn.
FOR THE FIRST TIME IN ENGLISH (book pub date: Aug. 11, 2015): A timeless tribute to a marginalized people and the gripping tale of one boy’s journey to manhood—by an author who came of age in a Romani (Gypsy) settlement during World War II .
Ansprache zum 71. Jahrestag der Auflösung des sogenannten „Zigeunerlagers“ im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau am 2. August 1944
Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Freunde, ich möchte zuerst die Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz und alle anderen Überlebenden begrüßen. Nur wenige haben das Grauen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft überlebt und können heute hier sein. Mein Name ist Siegfried Heilig. Ich wurde 1934 in Magdeburg geboren, wo ich als Kind zusammen mit meinem älteren Bruder die Schule besuchte. Meine Eltern und Großeltern waren selbständige Unternehmer und verdienten unseren Lebenaunterhalt unter anderem mit einem Marionettentheater und einer Schießbude. Ich hatte eine glückliche Kindheit in der Geborgenheit meiner Familie.
Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten und ihrer rassistischen Ideologie änderte sich alles für uns. In der Schule wurden wir immer weiter ausgegrenzt. Die Lehrer setzten uns in die letzte Reihe und unsere Mitschüler beschimpften uns als „Zigeuner“. Es gab auch körperliche Übergriffe durch unsere Mitschüler, vor denen uns unsere Lehrer nicht schützten, da sie uns als „minderwertig“ betrachteten.
In den Morgenstunden des 1. März 1943 wurden alle Sinti und Roma Magdeburgs in einer gemeinsamen Aktion von Gestapo und Polizei verhaftet und mit Lastwagen zum Magdeburger Polizeipräsidium gebracht. Viele Sinti und Roma waren zu diesem Zeitpunkt schon im sogenannten „Zigeunerlager“ am Holzweg interniert. Meine Familie lebte damals nicht in dem Lager. Wir standen mit unseren Wohnwagen in unserem Winterquartier in Magdeburg als die Gestapobeamten mit Hunden in unseren Hof stürmten. Mein Vater, mein Bruder und ich waren zu diesem Zeitpunkt zufällig in einem Packwagen. Dass wir nicht entdeckt wurden, verdankten wir alleine der Geistesgegenwart meiner Großmutter. Read the rest of this entry »