„Es geht um Self-Empowerment“
August 4th, 2015 | Published in Interview, Jugend & Bildung
Am Wochenende wurde – zum Jahrestag der Auflösung des „Zigeunerlagers“ in Auschwitz-Birkenau – europaweit des Völkermords an Sinti und Roma gedacht. Am 2. August 1944 wurden die letzten Insassen des „Zigeunerlagers“, fast 3.000 Personen, ermordet. Silas Kropf, 20, ist deutscher Sinto, lebt im Saarland und absolviert ein duales Studium, Fachrichtung Wirtschaftsinformatik. Seit einem Jahr ist er im Vorstand der deutschen Jugendorganisation Amaro Drom. Für die taz führte Hilke Rusch mit ihm ein Gespräch über Stereotype, Aufarbeitung und Präsenz:
Herr Kropf, was wissen Sie über den Porrajmos, den NS-Völkermord an Sinti und Roma?
Eine Menge, in meiner Familie war der Holocaust allgegenwärtig. Teile meiner Familie wurden in Konzentrationslager deportiert, andere lebten vergleichsweise geschützt in einem Dorf. Dort ließ der Ortsvorsteher Sterilisationsbefehle verschwinden, weil meine Urgroßmutter eine angesehene Frau war. In der Familie haben wir viel darüber gesprochen, und bis heute gibt es Angst vor Verfolgung. Darum bin ich mit einem Tabu aufgewachsen: Ich durfte nicht zeigen, wer ich bin.Sie mussten verstecken, dass Sie Sinto sind?
Ja, es musste geheim bleiben. Durch meinen Großvater ist die Familie nach außen sehr auf Abstand zu unserer Kultur gegangen. Das geht so weit, dass in meinem Teil der Familie zum Schutz leider kein Romanes mehr gesprochen wird.