Zentralrat: Vertreibungen stoppen!

Juli 31st, 2015  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Foto: Fotis FilippouDer Zentralrat Deutscher Sinti und Roma fordert einen sofortigen Stopp der systema­tischen, gewalt­samen Ver­trei­bun­gen von Roma aus ihren Städten in Mittel­ost- und Südost­europa

Der Zentralrat beobachtet mit größter Sorge die zahl­reichen aktuellen Fälle in Europa, wo Roma von gewalt­samen Ver­trei­bun­gen durch lokale Behörden betrof­fen sind. In Belgrad sind ganz unmit­tel­bar in dieser Woche 53 Roma Familien von Ver­treibung und Obdach­losig­keit bedroht, wie Amnesty Inter­na­tio­nal berichtet. Die aus dem Krieg im Kosovo geflüch­teten Familien leben seit 1999 in einer staat­lich tole­rier­ten, infor­mel­len Siedlung, ohne Auf­merk­sam­keit und Unter­stützung für eine lang­fris­tige Perspek­tive. Jetzt drohen die Behörden die Häuser mit sofor­ti­ger Wir­kung abreißen zu lassen, ohne adäquat die Familien zu infor­mie­ren und alter­na­tive Wohn­mög­lich­keiten zur Ver­fü­gung zu stellen.

Am vergangenen Freitag fand in Cluj-Napoca in Rumänien der bisher größte Roma Solidaritäts­marsch für die Opfer der gewalt­samen Ver­trei­bun­gen statt unter dem Titel „Stadt für die Men­schen, nicht für den Profit“, an dem auch ein Mit­ar­beiter des Zentral­rats teil­nahm. Der Marsch gedachte den Opfer der staat­li­chen Ver­trei­bun­gen vom 17. Dezember 2010, als 76 vor­wie­gend Roma-Familien ohne Vor­war­nung und legale Pro­ze­dur aus der zentralen Coastei-Straße ver­trieben und in staat­lich finan­zierte Sied­lungen neben der gifti­gen Müll­halde in Pata Rât aus­ge­grenzt wurden. An dem acht Kilo­meter langen Solidaritäts­marsch von Pata Rât zum Ort der Ver­trei­bun­gen in der Coastei-Straße nahmen über 500 Menschen aus Pata Rât, aus ganz Rumänien und von zahl­rei­chen Roma-Jugend­organi­sa­tio­nen aus ganz Europa teil, welche im Rahmen der Euro­päi­schen Jugend­haupt­stadt Cluj 2015 die Jugend­aktion „So Keres, Europa?! Junge Roma und Nicht-Roma fordern ihren Platz in Europa ein“ organi­sierten.

In der südwestbulgarischen Stadt Garmen nahmen in den letzten Wochen die ethni­schen Span­nungen zu, da poli­ti­sche Parteien vor den an­ste­hen­den Kommunal­wahlen mit Ressenti­ments und Rassis­mus gegen Roma ver­suchen Stimmen zu ge­winnen. Dies führte zu rassis­ti­schen Aus­schrei­tun­gen gegen Roma und die Stadt­ver­waltung begann zur angeb­li­chen Konflikt­lösung die Roma aus der Stadt zu ver­treiben und ihre Häuser zu zer­stören.

In der ungarischen Stadt Miskolc wurden seit dem Sommer 2014 über 160 Roma-Familien aus ihren Häusern ver­trieben unter dem Vor­wand eines Infra­struktur­projek­tes und wei­tere Fa­milien sind nach wie vor bedroht.

Der Zentralratsvorsitzende Romani Rose betont: „Es ist ein Skandal, dass lokale Behörden noch immer wirt­schaft­liche Profit­interes­sen vor die ele­men­tars­ten sozia­len Rechte ihrer Bürger stellen und dass ins­beson­dere Roma wi­der­rechtlich mit staat­licher Gewalt aus Stadt­zentren ver­trieben und in die Ob­dach­losig­keit und Perspektiv­losig­keit ge­zwun­gen werden. Das Menschen­recht auf Wohn­raum wird per­manent vor unseren Augen mit den Füßen getreten und zeigt den weit ver­brei­te­ten Rassis­mus in den staat­lichen Behör­den auf. Diese jahr­zehnte­lange Ent­wicklung ist längst eine humani­täre Krise inner­halb von Europa und stellt eine der zentra­len Ursachen von Flucht und Migra­tion von Roma aus ihren Her­kunfts­ländern dar.“

(Text: Jonathan Mack, politischer Referent des Zentralrats, PDF)

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