Seit 1996 wird der renommierte Literaturpreis des Wiener Verlages „edition exil“ in acht Kategorien an Schriftsteller/innen mit Migrationsbiografie verliehen. B
ekannte Namen wie jene von Barbara Marković, Dimitré Dinev, Julya Rabinowich, Seher Çakır, Thomas Perle, Didi Drobna, Mercedes Spannagel oder Ana Drezga finden sich unter den Preisträgerinnen und Preisträgern der vergangenen 25 Jahre.
Beate Eder-Jordan vom Institut für Vergleichende Literaturwissenschaften an der Uni Innsbruck hat 2014 das Buch „Die gekrönten Schlangen“ des ungarischen Roma-Autors József Holdosi (1951–2005) neu herausgegeben. Eine Sendung von Michael Haupt für KulturTon/Radio Freirad (Innsbruck).
Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma begrüßt, dass der nun vorgelegte Entwurf eines Koalitionsvertrags zwischen SPD, Grünen und FDP den Antiziganismus als ein Problem von gesamtgesellschaftlicher Relevanz in den Fokus nimmt. Um einen echten Paradigmenwechsel in der Bekämpfung des Antiziganismus zu bewirken, muss eine neue Bundesregierung die Forderungen und Handlungsempfehlungen der Unabhängigen Kommission Antiziganismus (UKA) umfassend umsetzen.
Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, lobt den in den Koalitionsverhandlungen ausgearbeiteten Entwurf, der den Antiziganismus stärker als bisher in den Blick nimmt. Er fordert aber auch konkrete Umsetzungsvorschläge:
„Der Entwurf des Koalitionsvertrags der Ampelparteien zeigt, dass auf politisch höchster Ebene der Antiziganismus verstärkt als eine Bedrohung unserer gesamten demokratischen Verfasstheit wahrgenommen wird. Es ist gut, dass sich einige zentrale Forderungen des Zentralrats wiederfinden. Wir nehmen die kommende Regierung jedoch nun in die Pflicht, ihren in dem vorgelegten Vertragsentwurf insgesamt noch sehr vage formulierten Worten, Taten folgen zu lassen und schnell eine umfassende Strategie zur Bekämpfung des Antiziganismus auszuarbeiten. Die Handlungsempfehlungen und Forderungen des Abschlussberichts der Unabhängigen Kommission Antiziganismus (UKA) sollen hierbei die Grundlage sein. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma wird mit seiner Expertise auch die neue Bundesregierung unterstützen.“
Eine wichtige Forderung, die der Zentralrat an die Parteien vor und nach der Wahl gestellt hat und die auch eine zentrale Forderung der UKA war, hat in dem Papier der potenziellen Koalitionspartner Niederschlag gefunden: die Einsetzung einer oder eines Antiziganismusbeauftragten der Bundesregierung. Read the rest of this entry »
SWR2 am Morgen: Antiziganismus sei eine der ältesten Formen von Rassismus, werde dennoch in der Gesellschaft am wenigsten wahrgenommen und kaum verurteilt, sagt Romeo Franz, deutscher Abgeordneter für die Grünen im EU-Parlament und selbst Sinto, in SWR2. Das Europäische Parlament debattiert am 23. November die Polizeigewalt gegen Roma in der EU. Auslöser ist der Tod des Rom Stanislav Tomáš in Tschechien. Ähnlich wie beim Tod des schwarzen George Floyd hatte ein Polizist minutenlang auf dem Nacken von Tomas gekniet. Die Verurteilung solcher antiziganistischen Gewalt habe nie denselben Level gehabt wie die Verurteilung des Antisemitismus, so Franz. Dabei zerstöre die Polizei mit solcher rassistischen Gewalt das Vertrauen in den Staat. Der Fall Tomáš sei alles andere als ein Einzelfall. Bei der Durchsetzung von Covid-19-Quarantänen sei die Polizei in Tschechien, Bulgarien oder Rumänien mit großer Gewalt gegen Roma vorgegangen. Er verfüge über Videos, so Franz, die zeigten, wie ganze Familien mit größter Brutalität von der Polizei zusammengeschlagen worden seien. Viele Fälle landeten gar nicht erst vor Gericht, würden schon vorher abgeschmettert. Read the rest of this entry »
Kher, Romafuturismo, ROLIK: Drei Literatur-Initiativen für Roma
Auch der Kulturbetrieb hat seine blinden Flecken. Minderheiten haben es schwer, sich auf dem literarischen Parkett zu behaupten. In Tschechien und der Slowakei versucht man das zu ändern – indem man eigene Strukturen schafft.
Kher (Prag)
Eine Schlüsselrolle bei der Institutionalisierung von Roma-Literatur in Tschechien spielt der Buchverlag „Kher“ (Romani: „Haus“, „Zuhause“). Der Prager Verlag, hervorgegangen aus einer Online-Plattform, widmet sich der Förderung und Verbreitung von literarischen Arbeiten aus der Minderheit. Initiiert wurde das Verlagsprojekt 2012 von akademischen Schülern der 2005 verstorbenen Grande Dame der Romani Studies in Tschechien, Milena Hübschmannová: „Für viele Roma-Autoren war sie wie eine Mutter, eine Unterstützerin“, so Verlagsgründer Lukáš Houdek: „Als sie verstarb, verschwand mit ihr für viele Autoren auch die treibende Kraft. Und deshalb haben wir beschlossen, etwas zu unternehmen. Wir sahen, dass die Autoren schreiben wollen, publizieren wollen, aber keine Möglichkeiten hatten.“
„Kher“ fördert daher ältere wie neuere literarische Stimmen aus Tschechien und der Slowakei, vorzugsweise auf Romani, aber auch in mehrsprachigen Editionen. „Zur Zeit gibt es in der Tschechischen Republik, grob geschätzt, vierzig Autorinnen und Autoren, die der Roma-Minderheit angehören; ungefähr die Hälfte von ihnen ist derzeit tatsächlich aktiv“, erzählt die Verlegerin Karolína Ryvolová. Ergänzt wird das Verlagsprogramm durch Übersetzungen. Der Verlag, der anfangs auf E-Books setzte, hat sich inzwischen zu einem Printverlag gewandelt. Dabei greift man auch auf Crowdfunding zurück – etwa bei der Anthologie „O mulo!“ mit Erzählungen über Totengeister.
Romafuturismo (Chánov)
Eröffnet wurde die „Romafuturismo-Bibliothek“ Anfang 2018 in Anbindung an die Kunstinitiative „tranzit“ in Prag mit einem zwölfstündigen Lesemarathon aus dem Werk der Roma-Autorin Elena Lacková. Der Fokus der „Bibliothek für Roma-Literatur“, deren Sammlung rasch auf mehrere Hundert Titel angewachsen ist, liegt auf dem literarischen Schaffen europäischer Roma-Autoren. Read the rest of this entry »
Tschibtscha | 18.11.2021 | 10.28 min | Redaktion: Adolf Gussak | Kamera/Schnitt: Elias Gärtner-Horvath
Siklipeskero pomoschago farajn Roma-Service
Die seit 1990 angebotene Lernbetreuung in Oberwart versucht durch täglichen Förderunterricht, Intensivbetreuung sowie durch Hilfestellung bei Hausaufgaben junge SchülerInnen und Jugendliche zu fördern. Der Verein Roma-Service ermöglicht vielen Roma-SchülerInnen und Jugendlichen eine Chance auf eine gute Ausbildung. Das Lernprogramm unterteilt sich in verschiedene Kategorien: Lernen mit allen Sinnen, Lernen mit neuen digitalen Medien, Außerschulischer Roman-Unterricht und Jugend-Projekte, wie die musikalische Früherziehung.
Sajt deschuenja taj enjavar deschto bersch o paloplaneskero siklipeskero pomoschago ando foro Erba del. Ande dujeseri taj deschuenjato bersch o farajn Roma-Service Erbate o paloplaneskero siklipeskero pomoschago le Romane tschavenge prik lija. Jek le meschterkijendar i Susanna Gärtner-Horvath mindig ando kontakto le pedagogkijenca taj pedagogenca, dajenca taj dadenca terdschol, kaj pedar o siklipeskere plantscha taj o pomoschagoskere koji le jekoschne tschavendar schaj vakerdo ol. O tschave ande duj klastscha upre ulade hi, kaj i dujti meschterkija Jasmin Koger o pomoschagoskero siklipe tel likerel. Siklipe le compjuteriha sar skuli, taj aver koji upro paleplaneskero programo terdschol. Read the rest of this entry »
Kher, Romafuturismo, ROLIK: Trin literaturakere-inicijativtscha le Romenge
Te la kultura lakere kore flatschki hi. Tschuliptschenge pharo hi, pe upro literarischi than duach te bescharel. Andi Tschechija taj andi Slovakija probalinen ada te irnel – kaj ajgeni strukturtscha schofinen.
Kher (Prag)
Jek barikano than uso institucijonalisirinipe la Romengera-literaturatar andi Tschechija o kenvakero falog „Kher“ ande lel. O falog andar Prag, ari alo andar jek online-seletoskeri forma, le pomoschagoske taj le bulharipeske literarischi butjendar andar o tschulipe, vidminel pe. Kerdo ulo o falogiskero projekto 2012 akademischi ischkolaschendar la bara ranijatar la romanijalogijatar andi Tschechija, Milena Hübschmannová, savi 2005 muli: „But Romengere pisimaschenge sina oj sar jek daj, jek pomoschagoschkija“, phenel o falogiskero keraschi Lukáš Houdek: „Kada oj muli, leha te but pisimaschenge i aun tradipeskeri sor bejg sina. Taj vaschoda phentscham, hot valaso iste keras. Amen diklam, hot o pisimaschtscha te pisinel kamnahi, te publicirinel kamnahi, ham len nisaj schajiptscha sina.“
„Kher“ vaschoda phureder taj te neveder literarischi hangijenge andar i Tschechija taj andar i Slovakija pomoschinel, butvar ande Romani, ham te ande but tschibtschakere edicijontscha. „Akan andi republika Tschechija, valami schtarvardesch pisimaschkiji taj pisimaschtscha del, save uso Romengero-tschulipe kerinen; valami epasch lendar tschatschikan aktivi hi“, phukal i Karolína Ryvolová, andar o falog. Read the rest of this entry »
Deutschland: Stadtpolizei in Frankfurt am Main nimmt rumänischer Romni Bargeld ab – Roma-Verein spricht von „Diebstahl“
Der Förderverein Roma in Frankfurt kritisiert in einer Aussendung das Vorgehen des städtischen Ordnungsamts als „ordnungspolitische Willkür“. Wir geben im Folgenden den Wortlaut der Presseaussendung wieder:
Der Romni Eszter R. wurde am 25.10.2021 die gesamte Barschaft durch das Ordnungsamt Frankfurt weggenommen. Grund war angeblich das nachhaltige Ansprechen von Passanten. Es ging also nicht um „aggressives Betteln“, wie es ansonsten im Jargon des Amtes heißt. Der Frau wurde per Unterstellung das Geld zum Überleben für sich und die Familie entzogen, um sicherzugehen, dass eine mögliche spätere Ordnungswidrigkeit auch bezahlt werden kann. Man könnte die Praxis als Diebstahl bezeichnen, denn allein die Restriktion der Behörde war ausschlaggebend, nicht die Klage von Menschen, die sich gevnötigt fühlten.
Eine besondere Bedeutung hat die Vorgehensweise deshalb, weil es sich bei der Frau um dieselbe Person handelt, in deren Pass 2018 ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes unrechtmäßig den Vermerk „Beim aggressiven Betteln angetroffen“ handschriftlich eintrug (wir berichteten). Der Pass wurde durch den Vermerk ungültig und die Betroffene denunziert. Die Diensthandlung kritisierten die zuständigen Institutionen in Land und Kommune nachdrücklich und schlugen Schadensersatz vor. Zu dem Ausgleich kam es nicht, da die Frau unmittelbar nach dem Vorfall zurück nach Rumänien ging.
Es stellt sich offensichtlich die Frage, was letzten Endes eilfertige Bekundungen wert sind, wenn sich an der Verfahrensweise der Behörde nichts ändert. Read the rest of this entry »
Tschibtscha | 16.11.2021 | 9.34 min | Redaktion: Adolf Gussak | Kamera/Schnitt: Elias Gärtner-Horvath
Gedenken an NS-Opfer der Roma und Sinti im Burgenland
Ande Lackenbach suboton le Romenge taj Sintijenge anglo gondolipeskero than gondolim ulo. Odotar esertscha Roma taj Sinti ando mindenfelitike logertscha ledschim taj murdarde ule. Ando bischutrito novemberi deschuenja schtarvardeschto bersch ande jek aguni gadschengeri vora o „Zigeunerlager Lackenbach“ kerdo ulo. O andetschapime Roma taj Sinti ande schtali dschivnahi taj mujsinipeskeri buti iste kernahi. Le schtar eseri ande tschapime Romendar taj Sintijendar ando logeri Lackenbach ando terno dschend deschuenja taj schtarvar desch taj jekto bersch, duj eseri ando gheto Lodz ledschim taj murdarde ule. Valami trin vaj schtar schel dschene o logeri ande Lackenbach prik dschivde. Buteder sar 100 kherodaschtscha andar i politik, khangeri, Roma taj opferiskere organisaciji le Romenge taj Sintijenge gondolinde. Imar tradicija hi, kaj ischkolaschtscha taj ischkolaschkij andar o gimnasijum Uprutni Puja uso gondolipeskero mulatintschago anglo gondolipeskero than le Romenge taj Sintijenge ande Lackenbach, savi sako bersch ando novemberi telikerdi ol, use hi. Te ada bersch o ischkolaschtscha taj ischkolaschkiji jek barikano vodschikano vakeripe likerde. Le kherodaschenge akan anglo gondolipeskero than jek dujtschibtschengeri tablina Romanes taj nimtschke QR-Codiha kerdo ulo, kaj pedar i historija andar o logeri Lackenbach informacija te uschtiden.
Vertreter der Politik, der Kirche und des Kulturvereins Österreichischer Roma haben am 13. November 2021 in Lackenbach gemeinsam mit Überlebenden und Angehörigen der Roma- und Sinti-Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Bei der Gedenkveranstaltung, an der als Vertreter der burgenländischen Landesregierung LR Heinrich Dorner auch Bundesministerin Alma Zadić, Landtagspräsidentin Verena Dunst und der Lackenbacher Vizebürgermeister Norbert Cserinko teilnahmen, wurde eine neue Tafel mit den wichtigsten Informationen zum Anhaltelager in Lackenbach enthüllt. Read the rest of this entry »
Justizministerin Zadić gedenkt der vom Nazi-Regime verfolgten Roma und Sinti: „Alles beginnt mit der Hassrede. Sie definiert künftige Opfer.“
Am Samstag, den 13.11.2021, nahm Justizministerin Alma Zadić an einem Gedenkakt vor dem Mahnmal für die im burgenländische Lackenbach internierten Angehörigen der Roma und Sinti teil. In ihren Eröffnungsworten bedankte sich Bundesministerin Alma Zadić für die Organisation dieser wichtigen Veranstaltung. „Wir gedenken heute der dunkelsten Jahre in der Geschichte unseres Landes. Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten sind Menschen aufgrund ihrer ethnischen Herkunft, ihrer politischen Überzeugungen oder ihrer sexuellen Orientierung verfolgt und ermordet worden“, sagt Justizministerin Zadić in ihrer Rede in Lackenbach. Die Verantwortung der Nachgeborenen sei es aus der Geschichte zu lernen.
Eine wesentliche Gruppe unter den Opfern dieses Regimes waren Roma und Sinti. Lackenbach war für viele von ihnen die letzte Station, bevor sie in Vernichtungslager verschleppt und ermordet wurden. In Lackenbach sind tausende Menschen vor ihrer Deportation in das Ghetto Lodz oder nach Auschwitz inhaftiert gewesen. Nur wenige überlebten die Lager bis zur Befreiung durch die sowjetischen Truppen. „Es ist beschämend und erschütternd, was hier während der Zeit des Nationalsozialismus passierte“ sagt Justizministerin Zadić anlässlich der Gedenkveranstaltung in Lackenbach. Read the rest of this entry »
Bei uns stapeln sich die Bücher: Neuerscheinungen von Roma-Autoren und über Roma-Themen, die es verdient haben, in dROMa besprochen zu werden. Wir möchten Ihnen daher in dieser und der kommenden Ausgabe eine Reihe von ihnen vorstellen – als Rezension, Textauszug oder Autorengespräch. Das Heft eröffnet die Wiener Romni Ioana Spataru, die ihrem Vater, dem Autor und Künstler Mircea Lacatus, einige Fragen gestellt hat. Drei Gedichte aus seinem neuen Lyrikband flankieren das Interview. Einen prachtvollen (Foto-)Band über den Alltag der Sinti in der DDR hat sich Roman Urbaner genauer angesehen. Raluca Bianca Roman in Schottland berichtet im dROMa-Gespräch über den Sammelband „Roma Writings“ und die verblüffende publizistische Tätigkeit der frühen Roma-Bewegung in der Zwischenkriegszeit. Anschließend holen wir noch einige Initiativen (einen Verlag, eine Bibliothek und einen Autorenklub) vor den Vorhang, die der Roma-Literatur in Tschechien und der Slowakei unter die Arme greifen. Und auf der Rückseite finden Sie einen Auszug aus dem hier zum Nachwort umfunktionierten Vorwort aus dem Gedichtband von Samuel Mago.
Use amende o kenvakere dombi mindig utscheder on: Neve kenvi Romengere-pisimaschendar taj pedar Romengere-tematscha, pedar save ande dROMa vakerdo iste ol. Vaschoda kamaha amen tumenge ande ada ardipe jek redo lendar angle te terdscharel – ojs recensijona, ojs tekstoskero falato vaj ojs pisimaschengero vakeripe. I heftlina pral i betschitiki Romni Ioana Spataru, savi lakere dadeske, le pisimaschiske taj kinstleriske Mircea Lacatus, poar phutschajiptscha terdschartscha. Trin poesiji andar leskeri nevi lirikakeri kenva o vakeripe vodinen. Jek igen schukar (kipengeri-)kenva pedar o sako diveseskero dschivipe le Sintijendar andi DDR, o Roman Urbaner aun peske dikla. Read the rest of this entry »
Sinti und Roma werden seit Jahrhunderten diskriminiert, benachteiligt und als Minderheit verfolgt. Wie akut dieses Problem auch in Deutschland ist, unterstrich im Juli 2021 der Abschlussbericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus. Der Bericht zeigte: Die Diskriminierung von Sinti und Roma geht auch von staatlichen Institutionen aus, wie etwa Schulen. Es mangelt vor allem an Aufklärung und Sensibilisierung. Nadine Küßner hat im Rahmen von TRANSFER TOGETHER ein Weiterbildungsangebot entworfen, das genau das leisten soll. Im Projekt-Podcast spricht sie mit Max Wetterauer über das Format und über ihre Arbeit in der antiziganismuskritischen Bildungsarbeit.
Ein neuer österreichischer Verein setzt sich für die Interessen der Roma und Sinti an Hochschulen ein. Stereotype und Bildungsungerechtigkeiten sollen so überwunden werden
Tobias Mayr/UniStandard:Sladi Mirković freut sich: „Wir haben im letzten halben Jahr den Diskurs über Roma an Hochschulen sehr stark mitbestimmt.“ Die 33-jährige Romni ist Präsidentin der im April gegründeten HochschülerInnenschaft österreichischer Roma und Romnja (HÖR). Gemeinsam mit fünf Kollegen möchte Mirković die Bildungsinteressen junger Roma in Österreich vertreten und dabei die Sichtbarkeit von studierenden Roma an der Uni erhöhen.
Denn diese sind nicht nur in der österreichischen Bevölkerung eine Minderheit, sondern auch an den Hochschulen. Zahlen, wie viele Roma studieren, gibt es keine. Für die HÖR steht aber außer Zweifel, dass es „verhältnismäßig wenige“ sind. Doch auch genaue Zahlen, wie viele Roma in Österreich leben, gibt es nicht. Die ethnische Zugehörigkeit zu Volksgruppen wird wegen rassistischer Erfahrungen mit Volkszählungen im Nationalsozialismus nicht erhoben. Das Kanzleramt geht von zehntausenden Angehörigen aus, die meisten von ihnen leben in den östlichen Bundesländern, vor allem im Ballungsraum Wien. Der Überbegriff Roma wird dabei stellvertretend für alle Menschen verwendet, die sich als Roma, Sinti oder Lovara identifizieren.
Kein Verstecken mehr
Jene, die heute studieren, versteckten meist ihre Identität, sagt Mirković: „Ab einer gewissen Bildungsstufe sehen viele davon ab, sich zu outen – aus Angst, sich damit Steine in den Weg zu legen.“ In der Schule und zu Beginn ihres Studiums der Transkulturellen Kommunikation sei es ihr ähnlich gegangen: Read the rest of this entry »