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November 22nd, 2021  |  Published in Einrichtungen, Literatur & Bücher, dROMa (Magazin)

Kher, Romafuturismo, ROLIK: Drei Literatur-Initiativen für Roma

BÜCHERTAUFE: Präsentation von "O Mulo!" (Foto: Kher)Auch der Kulturbetrieb hat seine blinden Flecken. Min­der­hei­ten haben es schwer, sich auf dem lite­ra­ri­schen Par­kett zu be­haup­ten. In Tsche­chi­en und der Slo­wakei ver­sucht man das zu än­dern – in­dem man eige­ne Struk­tu­ren schafft.

Kher (Prag)
Eine Schlüsselrolle bei der Institutionalisierung von Roma-Literatur in Tschechien spielt der Buch­verlag „Kher“ (Romani: „Haus“, „Zu­hause“). Der Prager Verlag, hervor­ge­gan­gen aus einer On­line-Platt­form, widmet sich der För­derung und Ver­breitung von literari­schen Arbeiten aus der Minder­heit. Initiiert wurde das Verlags­pro­jekt 2012 von aka­demi­schen Schülern der 2005 ver­stor­benen Grande Dame der Romani Studies in Tsche­chi­en, Milena Hübschmannová: „Für viele Roma-Au­toren war sie wie eine Mutter, eine Unter­stützerin“, so Verlags­gründer Lukáš Houdek: „Als sie ver­starb, ver­schwand mit ihr für viele Autoren auch die trei­bende Kraft. Und des­halb haben wir beschlos­sen, etwas zu unter­nehmen. Wir sahen, dass die Autoren schreiben wol­len, pub­lizieren wol­len, aber keine Mög­lich­keiten hatten.“

„Kher“ fördert daher ältere wie neuere literarische Stim­men aus Tschechien und der Slowakei, vor­zugs­weise auf Romani, aber auch in mehr­sprachi­gen Editionen. „Zur Zeit gibt es in der Tsche­chi­schen Repub­lik, grob ge­schätzt, vierzig Autorin­nen und Autoren, die der Roma-Min­derheit an­gehören; ungefähr die Hälfte von ihnen ist derzeit tat­säch­lich aktiv“, er­zählt die Ver­legerin Karolína Ryvolová. Ergänzt wird das Verlags­programm durch Über­setzungen. Der Verlag, der an­fangs auf E-Books setzte, hat sich in­zwischen zu einem Print­verlag ge­wandelt. Dabei greift man auch auf Crowd­funding zurück – etwa bei der Antho­logie „O mulo!“ mit Er­zählungen über Toten­geister.

Romafuturismo (Chánov)
Eröffnet wurde die „Romafuturismo-Bibliothek“ An­fang 2018 in An­bindung an die Kunst­initia­tive „tranzit“ in Prag mit einem zwölf­stündigen Lese­marathon aus dem Werk der Roma-Au­torin Elena Lacková. Der Fokus der „Bibliothek für Roma-Literatur“, deren Samm­lung rasch auf mehrere Hun­dert Titel an­ge­wachsen ist, liegt auf dem litera­rischen Schaffen euro­päischer Roma-Au­toren. Read the rest of this entry »