Die Caritas in Graz betreibt seit einigen Jahren mehrere Projekte, die Roma aus Osteuropa in Graz Beratung und Unterstützung anbieten. Soeben hat das Caritas-Arbeitsmarktintegrationsprojekt KAMBUKE eine Broschüre über Roma und Romnija in Graz herausgegeben. Hier gibt es die Endfassung der Infobroschüre zum Download (pdf).
Ande Malmö jek nevi Romengeri-biblijoteka kerdi ol. Ando foro akor mindschart duj Romengere-biblijotektscha pasche terdschona. Taj te jek Romengeri-tschavengeri biblijoteka, savi sajt pantsch berscha ande Bukarest del, pro kesdipe andi Schvedija lija.
Schvedija jek pradimi Romengeri-biblijoteka uschtidel. I nevi biblijoteka ojs integrali falato la foroskera biblijotekatar andar Malmö, o triti bareder foro le thanestar, kerdi ol. Imar ando arto terno dschend i biblijoteka pradi te ol. „Ada jek vusko cajtakero plan hi“, phenel o foroskero biblijotekari Torbjörn Nilsson, mind pharo ovla, Romengeri-literatura te lakel. Kaj ada schofim te ol, iste amen dur pedar i thaneskeri granica ari dschas taj avre biblijotekenca taj Romenca ande but gava khetan iste butschalinas.“
Andi biblijoteka publikaciji ande mindenfelitike Romengere-dijalekti, pisimi literatura Romendar taj kenvi pedar i Romengeri-kultura dela. I literatura ando telvakeripe fatreterenca le Romengere-khetanipestar khetan terdschardi ol. Adaj o organisatortscha butvar le gaveskere Romengere-birovtschagoha (Romskt informations- och kunskapscenter, RIKC) khetan butschalinen, savo – sar i foroskeri biblijoteka – uso foroskero kulturakero favojtinipe use tschito hi.
Favurclim taj fanecim
Barikano vert upre fochiskere butschaschtscha paschlardo ol: „Barikano hi, i tschib taj o mindenfelitike dijalekti te prindscharel. O butschaschtscha iste dschene on, save i Romengeri-kultura prindscharen vaj save ande late favurclim hi. On iste le Romenca fanecim on“, phenel o Torbjörn Nilsson.
„Me patijardo som, hot amen o pradipe la erschti Romengera-biblijotekatar le thanestar planinas“, phenel i kulturakeri foroskeri rotkija andar Malmö, Frida Trollmyr. „Ada jek jekoschno koja hi, le tschatschiptschenge le Romendar te pomoschinel taj use jek feder dschanipe pedar i kultura taj i historija le Romendar use te ledschel.“
Hot vasch i erschti Romengeri-biblijoteka andi Schvedija pe handlinel, tschak eknaj tschatscho hi. Ande buteder fori imar schpecijeli biblijotekakere falati Romengera-literaturake del. Taj ande Malmö jeke Romengere-khetanipe, o Romska Kulturcentret (RKC), jek ajgeni, eknaj phuri falatoskeri biblijoteka hi. Read the rest of this entry »
In Malmö entsteht eine neue Roma-Bibliothek. In der Stadt werden dann gleich zwei Roma-Büchereien nebeneinander bestehen. Und auch eine Roma-Kinderbibliothek, die seit fünf Jahren in Bukarest existiert, nahm ihren Anfang in Schweden.
Schweden bekommt eine öffentliche Roma-Bibliothek. Die neue Einrichtung entsteht als integraler Bestandteil der Stadtbibliothek von Malmö, der drittgrößten Stadt des Landes. Schon im kommenden Herbst soll die Bibliothek eröffnet werden. „Das ist ein enger Zeitplan“, sagt Stadtbibliothekar Torbjörn Nilsson, „denn es wird schwierig sein, Roma-Literatur zu finden. Um dies zu erreichen, müssen wir weit über die Landesgrenzen hinausgehen und mit anderen Bibliotheken und der Roma-Bevölkerung an vielen Orten zusammenarbeiten.“
Die Bücherei wird Publikationen in verschiedenen Roma-Dialekten, von Roma verfasste Literatur und Bücher über Roma-Kultur enthalten. Die Literatur wird in Absprache mit Vertretern der Roma-Gemeinschaft zusammengestellt. Dabei arbeiten die Organisatoren insbesondere mit dem örtlichen Roma-Büro (Romskt informations- och kunskapscenter, RIKC) zusammen, das – wie die Stadtbibliothek – der städtischen Kulturverwaltung angegliedert ist.
Verwurzelt und vernetzt
Besonderen Wert lege man auf fachkundige Mitarbeiter: „Es ist wichtig, die Sprache und die verschiedenen Dialekte zu kennen. Das Personal muss auch aus Personen bestehen, die die Roma-Kultur kennen oder in ihr verwurzelt sind. Sie müssen mit der Roma-Bevölkerung vernetzt sein“, erklärt Torbjörn Nilsson.
„Ich bin stolz darauf, dass wir die Eröffnung der ersten Roma-Bibliothek des Landes planen“, sagt Malmös Kulturstadträtin Frida Trollmyr. „Das ist eine einzigartige Gelegenheit, die Rechte der Roma zu fördern und zu einem besseren Wissen über Kultur und Geschichte der Roma beizutragen.“
Dass es sich um „Schwedens erste Roma-Bibliothek“ handle, stimmt allerdings nur bedingt. In mehreren Städten existieren bereits spezielle Bibliotheksabteilungen für Roma-Literatur. Und in Malmö selbst unterhält ein Roma-Verband, das Romska Kulturcentret (RKC), eine eigene, etwas veraltete Bestandsbibliothek. Read the rest of this entry »
O farajn Roma-Service
latschi Boschitscha taj latscho Nevo Bersch 2022 kivaninel! Der Verein Roma-Service wünscht Ihnen
ein schönes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr 2022!
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Dschend (Winter)
Le Jovan Nikolićistar [Romani-prikbescharipe: Josef Schmidt]
Igen phuri jag upre phadschol upro agengere
gombi, irinel o thuveskero tradipe
i niro ududarel le dschiveha o putrimo drom.
Kaputi, kocki sar andar le Devleskero va tschidim
Akora, pora, schutsche pelvi …
Kermusengere mujore
And dschumim ande jek tschavengero suno.
Roma sam
Radio Burgenland: 20.12.2021 | (on demand)
Die vierte Kerze des Adventkranzes brennt bereits und es sind nur noch einige Tage bis Heiligabend. Viele Menschen in Österreich bereiten sich auf das Weihvnachtsfest vor. In den meisten Haushalten wird gebacken und die letzten Besorgungen für das bevorstehende Weihnachtsfest werden getroffen. In unserer heutigen Sendung haben wir den 50-jährigen Josef Schmidt bei uns zu Gast.
Als Roma-Aktivist der ersten Stunde ist er heute die rechte Hand des Vorsitzenden des Volksgruppenbeirats der Roma, Emmerich Gärtner Horvath. Er erzählt wie er die Adventszeit in Erinnerung hat und welch traditionelle Köstlichkeiten seine Großmutter damals gebacken hat.
Josef Schmidt erblickte am 3. August 1971 im alten Oberwarter Krankenhaus das Licht der Welt. Bis er acht Jahre alt war, lebte er in der Roma-Siedlung in Kleinbachselten in einem Drei-Generationen-Haushalt, wie es bei den Roma-Familien im Burgenland damals üblich war. Danach lebte er mit seinen zwei Brüdern, seiner Schwester und den Eltern in der Roma-Siedlung in Unterwart. Nach der Pflichtschule schloss Josef die Handelsschule in Oberwart ab. Im Laufe seiner Kindheit musste sich Josef sehr oft mit Diskriminierung und Roma-Feindlichkeit auseinandersetzen.
Heute lebt Josef mit seiner Lebenspartnerin in Oberwart. Er ist stolzer Vater eines Sohnes, einer Tochter und einer Stieftochter. Für den Roma-Aktivisten war es schon immer wichtig die Jugend zu fördern. So zögerte er auch nicht lange, als er im Jahre 1990 das Angebot bekam, in der außerschulischen muttersprachlichen Lernbetreuung des damaligen Vereins Roma tätig zu sein. Im heurigen Schuljahr unterrichtet Josef die unverbindliche Übung „Burgenland-Romani“ in der Volksschule in Oberwart. Read the rest of this entry »
Roma sam
Radijo Burgenland: 20.12.2021 | | (on demand)
Duach i sendung vodinel Susanne Horvath
I schtarti momeli upri adventiskeri keresuja imar thabol taj tschak poar divesa dschi usi Kedveschni Rat hi. But manuscha andi Austrija kisetinen pumen upri boschitscha. Ando lek buteder khera peklo ol taj o lejcti koji la boschitschake kerde on. Ande amari adiveseskeri sendung o 50-berschengero Josef Schmidt amaro kherodaschi hi.
Ojs Romengero-aktivisto la erschti oratar hi ov adi o tschatscho va la anglebeschaschistar le flogoskere grupnakere bajrotistar le Romendar, Emmerich Gärtner-Horvath. Ov phukal sar agun i adventiskeri cajt sina taj saj tradicijoneli latsche koji leskeri baba agun peklahi.
O Josef Schmidt ando 3ti august 1971 andi phuri schpita Erbate upro them alo. Dschimeg ov ofto berscha phurano sina, dschivlahi ov andi Romengeri-sidlung andi Tikni Boslina ande jek trin generacijakero kher, sar oda uso Romengere-familiji ando Burgenland agun sina. Paloda dschivlahi ov pre duj phralenca, pra phenjaha taj pra dajaha taj pre dadeha andi Romengeri-sidlung Tenu Erbate. Pal i flogoskeri ischkola taj i hauptschul, o Josef i bundakeri handlinipeskeri ischkola Erbate kisetintscha. Ando naschipe leskera tschavengera cajtatar, o Josef butvar diskriminacijaha taj bibastel kojenca gejng o Roma, donde iste pe bescharlahi.
Adi o Josef pra pajtaschkijaha Erbate dschil. Ov patijardo dad jeke tschauistar, jeka tschajatar taj jeka moschtovna tschajatar hi. Le Romengere-aktivistiske imar mindig barikano sina, le ternenge te pomoschinel. Afka ov dur pal na gondolintscha, kada lo ando bersch 1990 phutschlo ulo, ando aguno farajn Roma ojs dajakero tschibtschakero meschteri le tschavenca pal i ischkola, te butschalinel. Read the rest of this entry »
Schon 1946 kam es mit dem „Komitee Deutscher Zigeuner München“ in Deutschland zu einem frühen Versuch einer Sinti-und-Roma-Organisation.
Das alte Jahr beschließen wir mit neuen Büchern – und mit Roma-Literatur: Den Beginn macht eine hier zum ersten Mal auf Deutsch veröffentlichte Weihnachtsgeschichte des ungarischen Schriftstellers Tamás Jónás (dessen Gedichte übrigens soeben in deutscher Übersetzung erschienen sind). Christina Dongowski würdigt die Dokumentaristin und BuchautorinNina Gladitz, die im April 2021 verstorben ist. Gladitz’ Lebensthema waren die Auseinandersetzung mit Leni Riefenstahl und der Wunsch, den Sinti-Häftlingen, die Riefenstahl als Filmkomparsen missbrauchte, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Roman Urbaner berichtet von der Schaffung einer großen Roma-Bibliothek in Schweden und einer Kinderbibliothek in Rumänien. Und wir blicken nach England, wo der Freundschaftsdienst eines jungen Mannes für einen Kriegsveteranen den Stoff für einen Film („No Roses on a Sailor’s Grave“) und ein Buch („The Search“) abgab: Wir überlegen, was das insgeheim mit Roma zu tun hat. Und zu guter Letzt stellt Chana Dischereit vom Sinti- und Roma-Landesverband Baden-Württemberg das von ihr mitherausgegebene Kochbuch „Romno Chabpen“ vor, das die Küche der Roma und Sinti mit Geschichten von ihrem Kampf um Gleichberechtigung verknüpft.
O phuro bersch neve kenvenca kisetinas – taj Romengera-literaturaha: O kesdipe kerel adaj jek erschtivar andi nimtschki tschib ari dimi boschitschani historija le ungrike pisimaschistar Tamás Jónás (saveskere poesiji akan ando nimtschko prik bescharipe ari ale). I Christina Dongowski la dokumentaristkija taj kenvakera pisimaschkijaNina Gladitz, savi ando april 2021 muli, patijarel. La Gladitzakeri dschivipeskeri tema sina o donde bescharipe la Leni Riefenstahlaha taj o kivanipe, le and tschapime Sintijenge, saven i Riefenstahl ojs filmiskere komparstscha lija, tschatschipe use te mukel te anel. Read the rest of this entry »
Tschibtscha | 15.12.2021 | 4.59 min | Redaktion: Adolf Gussak | Kamera/Schnitt: Elias Gärtner-Horvath
Schtar momeltscha thabonahi upri adventiskeri keresuja. Mirno sina, asaj mirno, hot te schunel sina, sar o momeltscha te vakerel kesdinde. I erschti momeli phari diha cidija taj phentscha: „Me mirnipe butschojav. Mro udud thabol, ham o manuscha na kamna mirnipe, on na kamen man.“ Lakero udud mindig tikneder ulo taj akor ar gelo.
I dujti momeli jagarlahi taj jagarlahi taj phentscha: „Me patschajipe butschojav. Te me na som buter pekamlo. O manuscha na kamna nischta le Devlestar te dschanel. Nan buter barikano, hot me thabojav.“ Jek diha duach o kher cidija taj i momeli ar sina.
Mirno taj igen brigaschno phentscha akan i triti momeli: „Me kamipe butschojav. Man buter sor nan te thabol. O manuscha upri rik man terdscharen. On tschak pumen diken taj na le avren, saven te kamnahi.“ Taj jeke lejcti upre thabojipeha te lakero udud ar sina.
Zentralrat begrüßt Beginn der Aufarbeitung der Nachkriegsgeschichte des Bayerischen Landeskriminalamts durch die Behörde
Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, hat auf der Pressekonferenz des Bayerischen Landeskriminalamts in München die historische Arbeit von Kriminalhauptkommissarin Eveline Diener kritisch beleuchtet, die dort der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die Arbeit beschäftigt sich mit der Geschichte und personellen Kontinuitäten der beim BLKA angesiedelten „Landfahrerstelle“ bis zu deren Auflösung im Jahr 1965. Rose fordert weiterführende Untersuchungen der Kontinuität auch über 1965 hinaus durch unabhängige Historiker.
Romani Rose lobte auf der Pressekonferenz, an der neben der Autorin auch der Präsident des Bayerischen LKA Harald Pickert teilnahm, die Forschungsarbeit von Eveline Diener und das BLKA dafür, dass es sich nun diesem Teil seiner Geschichte stellt:
Eveline Diener hat in ihrer Arbeit eine Vielzahl an Quellen, die der Forschung bisher in weiten Teilen unzugänglich waren, erschlossen, durchgearbeitet und analysiert. Sie kann damit den bisher äußerst lückenhaften Kenntnisstand zur frühen Bayerischen ‚Landfahrerstelle‘ enorm erweitern und empirisch unterfüttern. Beispielsweise war 1963 mit 11.092 Familienakten mit ca. 55.000 erfassten Personen bei der ‚Landfahrerstelle‘ ein enormer Datenbestand angelegt. Das BLKA hat mit dieser nun vorgelegten Forschungsarbeit die Forderung des Zentralrats an die Polizeibehörden der Länder umgesetzt und begonnen, ihre Geschichte in den Gründungsjahren der Bundesrepublik Deutschland aufzuarbeiten. Da mit der Auflösung der „Landfahrerstelle“ im Jahr 1965 die rassistische Sondererfassung von Sinti und Roma auch nicht im BLKA geendet hat, kann die heute vorgestellte Arbeit nur ein Anfang sein. Aus unserer Sicht muss es nun auch eine weiterführende Untersuchung der Kontinuität nach 1965 durch unabhängige Historiker folgen.
Anders als die Roma in den rumänischen Fürstentümern Moldau und Walachei waren die Roma in Siebenbürgen nie der Sklaverei unterworfen.
„Marie Blum – ich lege meinen Namen ab, um ein Jahr lang den deinen für dich zu tragen. Am 8. März 2020 bringe ich meine erste Tochter zur Welt. Dein Name ist auf ihrer Geburtsurkunde in der Rubrik Namen der Mutter vermerkt.“
„Marie, kein Stein, ein Mensch trägt deinen Namen.“
[„Marie Blum“, performatives Denkmal, 2020/21]
Die österreichische Künstlerin Esther Strauß über ihre Arbeit „Marie Blum“:
Marie Blum ist eines jener Kinder, die im nationalsozialistischen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau zur Welt gekommen sind. Laut einem Eintrag in das Hauptbuch wurde Marie Blum am 5. September 1943 in Sektor BIIe – jenem Lagerabschnitt, in dem Roma, Romnja, Sinti und Sintize interniert worden sind – geboren. Dort wird sie am dritten Tag ihres Lebens ermordet.
Da Zeitzeug*innen zur Ermordung von Neugeborenen weitgehend geschwiegen haben, ist die Quellenlage auch heute noch dürftig. Nur wenige Kinder haben im Versteck oder dank der Hilfe von Mithäftlingen überlebt. Viele brachte man direkt nach der Geburt um oder ließ sie verhungern. Die meisten der Neugeborenen lebten nur wenige Stunden oder Tage.
Um an diese Kinder zu erinnern, entwickle ich ein performatives Denkmal: Ich lege den Namen Esther Strauß ab, um ein Jahr lang den Namen Marie Blum zu tragen. Dafür beantragte ich die rechtskräftige Änderung meines Vor- und Nachnamens im Namensänderungsreferat der MA 63 in Wien. Die Namensänderung wird mir nach viereinhalb Monaten Wartezeit schließlich gewährt – zufällig ausgerechnet am 27. Jänner 2020, dem 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, der gleichzeitig der Internationale Holocaust-Gedenktag ist.
In den darauffolgenden Wochen und Monaten entstehen zahlreiche Performances, Fotografien, Texte und performative Objekte. Manche von ihnen entstehen auf Drängen des Staates, wie die Namensänderungsurkunden oder Marie Blums Pass. Read the rest of this entry »
Ausstellung in Göttingen: Ignorierter Völkermord. Der Genozid an den Roma in Belarus 1941–1944
Mit dem Überfall auf die Sowjetunion vor 80 Jahren begann auch die Vernichtung der sowjetischen Roma. Der Genozid der deutschen Besatzer an den Roma ist dabei weder im kollektiven Gedächtnis der belarussischen noch der deutschen Bevölkerung verankert. Die Ausstellung „Ignorierter Völkermord“ spiegelt die Erinnerung der Zeitzeug/innen an die Verbrechen, die ihnen von den Besatzern angetan wurden, enthält historische Überblickstexte zum Ablauf des Völkermords, seiner Aufarbeitung und zum Thema Rassismus gegen Roma. Thematisiert werden Überlebensstrategien und Widerstand, Reaktionen der Mehrheitsbevölkerung und Erinnerungspolitik.
Die Ausstellung ist vom 16.12.2021 bis 27.1.2022 im Foyer des Neuen Rathauses in Göttingen, Hiroshimaplatz 1–4, während seiner Öffnungszeiten zu sehen. Read the rest of this entry »
In Dortmund wurde das Mahnmal für die vom NS-Regime deportierten Sinti und Roma geschändet. Der Schriftzug „Den Lebenden zur Mahnung – Den ermordeten Sinti und Roma zum Gedenken“ wurde mit dem Wort „Zigeuner“ übersprüht. Die Tat ereignete sich vermutlich bereits am 22. November. Die Täter konnten bislang nicht ausgeforscht werden.
Das Mahnmal an der Ecke Weißenburgerstraße/Gronaustraße wurde auf Initiative des Landesvervbands Deutscher Sinti und Roma in Nordrhein-Westfalen im Dezember 1998 eingeweiht. Das Denkmal dient dem Gedenken an die über 150 Sinti, die 1943 vom Dortmunder Ost- bzw. Südbahnhof nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurden. Der Schriftzug hinter dem eigentlichen Gedenkstein war erst im August an einer 18 Meter breiten Wand angebracht worden. Read the rest of this entry »
Kultur am Rande der Stadt. Das Innsbrucker Waldhüttl als res publica. Vortrag von Jussuf Windischer
Am 26. April 2019 fand in der Kulturscheune im Waldhüttl bei Innsbruck die erste von insgesamt drei Veranstaltungen statt mit dem Titel „Begegnungen – Kultur am Rande der Stadt“. An drei Tagen im April, Mai und Juni erwartet den Besucher dabei eine Verbindung von Literatur und Musik, Performance und Diskussion. Den Auftakt machte am 26. April das Konzert „Stojka meets Bach“: eine Kombination aus Musik des Harri Stojka Hot Trio und den Cellosuiten von J. S. Bach, gespielt von den Studierenden des Tiroler Landeskonservatoriums Isabella Haas & Pan Cheng.
Und als inhaltlicher Input zum Waldhüttl und seinen Bewohnern gab es einen Vortrag von Jussuf Windischer, der vor mittlerweile fast sieben Jahren das Waldhüttl mitbegründet und zusammen mit den späteren Bewohnern aufgebaut hat. Ein guter Anlass, um die Geschichte des Waldhüttls als „Herberge für die Seele“ und seiner Kulturscheune als „res publica“ den Besuchern der Veranstaltung näherzubringen.
Schenkung der Radiofabrik an die Stadt erfolgte am 8. Oktober.Baustadträtin Martina Berthold dankt der Radiofabrik für Engagement gegen das Vergessen
Der Schwarzgrabenweg an der Glan in Salzburg-Maxglan (bzw. im Leopoldskroner Moos) ist ein idyllischer Naturraum. Was vielen Salzburger/innen nicht bekannt ist: Während der NS-Zeit befand sich hier das sogenannte „Zigeuneranhaltelager“ Salzburg-Maxglan. Hunderte Roma und Sinti waren hier eingesperrt und wurden zur Zwangsarbeit gezwungen. Die meisten von ihnen wurden in Konzentrationslagern ermordet. 2009 hat die Radiofabrik (Anm.: das Salzburger Freie Radio) im Rahmen des Projekts „Niemals vergessen“ vom Salzburger Bildhauer Zoltan Pap dort ein Mahnmal errichten lassen. Im Beisein von Vertretern des Kulturvereins österreichischer Roma wurde es am 8. Oktober offiziell in die Obhut der Stadt übergeben. (Anm.: Im Februar 2020 wurde die Metallskulptur von Unbekannten beschädigt.)
Griechenland: Achtjähriges Roma-Mädchen wird von Fabriktor erdrückt und niemand hilft. Drei Personen wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, Polizei spricht von Vertuschung.
RAN: Am 17. November gegen 17.30 Uhr sucht das achtjährige Roma-Mädchen Olga Zuflucht im Hof einer Fabrik in Keratsini, einem Vorort von Piräus bei Athen. Als sie versucht, das Gelände zu verlassen, wird ihr kleiner Körper nicht nur einmal, sondern zweimal von einem schweren Metallschiebetor getroffen. Niemand hilft ihr.
Fünf Tage nach dem Tod des kleinen Mädchens werden Aufnahmen einer Sicherheitskameraveröffentlicht. Sie zeigen, wie Fabrikarbeiter eine beispiellose Gleichgültigkeit gegenüber dem achtjährigen Roma-Mädchen an den Tag legen, das vor ihren Augen stirbt. Sie tun nichts, um zu helfen – wahrscheinlich auf Anweisung der Geschäftsleitung.
20 Minuten lang scheint das kleine Mädchen nach Luft zu ringen, aber niemand hilft ihr. Ein Fabrikarbeiter geht an dem Mädchen vorbei, wendet den Kopf und geht weg. Fast eine Minute später kehrt der Arbeiter zurück, und anstatt dem Kind zu helfen, geht er in die Lagerhalle. Die Aufnahmen zeigen, wie er mit seinem Handy telefoniert, wieder an dem kleinen Mädchen vorbeigeht und sich zum zweiten Mal gleichgültig verhält. Er schaut sie an, legt auf und geht weiter. Vom ersten Moment an haben zwei bis drei Arbeiter gesehen, dass Olga an dem Fabriktor zusammengebrochen ist, aber keiner hat etwas unternommen, um ihr zu helfen.
17:55:02: Das Video zeigt, wie ein Angestellter an dem kleinen Mädchen vorbeigeht, das wieder zwischen Tür und Wand eingeklemmt ist, und sie ansieht, aber nicht anspricht.
17:57:13: Die Tür öffnet sich schließlich und das Mädchen fällt zu Boden. Zwei Arbeiter nähern sich ihr und stehen mit einer Taschenlampe über ihr. Dann gehen sie ein paar Schritte zurück, reden miteinander und gehen weg, während sie das hilflose Mädchen zurücklassen. Read the rest of this entry »
2. bis 6.12.2021: 16 Filmbeiträge, Podiumsdiskussionen und Events im Berliner Kino Moviemento und online via Stream
Vom 2. bis 6. Dezember 2021 feiert das Roma-Filmfestival AKE DIKHEA? sein 5-jähriges Jubiläum in Berlin und weltweit. Das diesjährige Thema des Festivals ist Widerstand – gegen die Fremdbestimmung, gegen das Vergessen, gegen intersektionale Unterdrückung.
Roma und Sinti sind im Kino seit seiner Entstehung präsent. Doch allzu oft wurde ihr Bild von anderen definiert, ihre vielfältigen Identitäten wurden unsichtbar gemacht, dafür gefährliche Stereotypen immer wieder aufs Neue reproduziert. AKE DIKHEA? schafft seit 2017 einen Ort, an dem andere, authentische und selbstbestimmte Narrative Raum bekommen. Und auch dieses Jahr nutzen Filmemacher/innen auf der ganzen Welt die Selbstdarstellung als Mittel des Widerstands, um Gegenerzählungen zu den vorherrschenden Mediendiskursen über Sinti und Roma zu schaffen.
16 Filmbeiträge insgesamt, Fokus auf feministische Perspektiven
Insgesamt 16 Dokumentar-, Spiel und Kurzfilme bilden dieses Jahr das Hauptprogramm, darunter der Dokumentarfilm WIE ICH PARTISANIN WURDE (3.12., 19:30) von Vera Lacková. Darin recherchiert Lacková die Geschichte ihres Urgroßvaters und die anderer Roma-Partisanen, die Widerstand gegen die Nazis leisteten (hier unsere Filmbesprechung). Oder OUR VOICES OUR FREEDOM (4.12., 17:30) von Laurence Doumic und Jo Béranger, die den Kampf von zwei Geschwistern gegen die Zerstörung ihrer Heimat und ihres Lebensstils im Norden von Paris portraitiert. Das Filmportrait TAIKON (2.12., 21:00) von Lawen Mohtadi und Gellert Tamas erzählt vom Leben der gleichnamigen Aktivistin. Taikon gilt als eine der meistgelesenen Autor/innen Schwedens und wird als „weiblicher Martin Luther King Schwedens“ bezeichnet. Der Spielfilm GIPSY QUEEN (3.12., 22:00) von Hüseyin Tabak, mit Alina Șerban in der Hauptrolle als Boxerin Ali (Deutscher Schauspielpreis 2020), ergänzt das Programm.
Ein starker Fokus liegt auf feministischen Perspektiven: Zehn der sechzehn Filme wurden von Regisseurinnen gedreht. Der Spielfilm BIBI SARA KALI (4.12., 20:00) von Simonida Selimović und Nina Kusturica umwebt die gleichnamige, mystische Figur der Patronin der Roma (wir berichteten). Read the rest of this entry »