„Selbstrepräsentation ist mein Widerstand“

Dezember 2nd, 2021  |  Published in Film & Theater, Frauenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

5. Ausgabe des Roma-Filmfestivals "Ake Dikhea?" in Deutschland 5. Roma-Filmfestival AKE DIKHEA?

2. bis 6.12.2021: 16 Filmbeiträge, Podiumsdiskussionen und Events im Ber­li­ner Kino Movie­mento und on­line via Stream

Vom 2. bis 6. Dezember 2021 feiert das Roma-Filmfestival AKE DIKHEA? sein 5-jäh­riges Jubi­läum in Berlin und welt­weit. Das dies­jährige Thema des Fes­tivals ist Widerstand – ge­gen die Fremd­be­stim­mung, ge­gen das Ver­gessen, gegen inter­sektio­nale Unter­drückung.

Roma und Sinti sind im Kino seit seiner Entstehung präsent. Doch allzu oft wurde ihr Bild von ande­ren definiert, ihre viel­fäl­tigen Iden­titäten wurden un­sichtbar ge­macht, dafür gefähr­liche Stereo­typen immer wieder aufs Neue re­produ­ziert. AKE DIKHEA? schafft seit 2017 einen Ort, an dem andere, authen­tische und selbst­bestimmte Narrative Raum be­kommen. Und auch dieses Jahr nutzen Filme­macher/in­nen auf der ganzen Welt die Selbst­darstel­lung als Mittel des Wider­stands, um Gegen­erzählungen zu den vor­herr­schenden Medien­diskursen über Sinti und Roma zu schaffen.

16 Filmbeiträge insgesamt, Fokus auf femi­nis­ti­sche Per­spek­tiven

Insgesamt 16 Dokumentar-, Spiel und Kurzfilme bilden dieses Jahr das Haupt­programm, darun­ter der Dokumentar­film WIE ICH PARTISANIN WURDE (3.12., 19:30) von Vera Lacková. Darin recher­chiert Lacková die Geschichte ihres Ur­groß­vaters und die anderer Roma-Partisanen, die Wider­stand gegen die Nazis leisteten (hier unsere Film­bespre­chung). Oder OUR VOICES OUR FREEDOM (4.12., 17:30) von Laurence Doumic und Jo Béranger, die den Kampf von zwei Geschwis­tern gegen die Zer­störung ihrer Heimat und ihres Lebens­stils im Norden von Paris portrai­tiert. Das Film­portrait TAIKON (2.12., 21:00) von Lawen Mohtadi und Gellert Tamas erzählt vom Leben der gleich­nami­gen Aktivis­tin. Taikon gilt als eine der meist­gelese­nen Autor/in­nen Schwedens und wird als „weib­licher Martin Luther King Schwedens“ be­zeich­net. Der Spielfilm GIPSY QUEEN (3.12., 22:00) von Hüseyin Tabak, mit Alina Șerban in der Haupt­rolle als Boxerin Ali (Deut­scher Schauspiel­preis 2020), er­gänzt das Programm.

Ein starker Fokus liegt auf feministischen Perspektiven: Zehn der sech­zehn Filme wurden von Regisseurin­nen gedreht. Der Spiel­film BIBI SARA KALI (4.12., 20:00) von Simonida Selimović und Nina Kusturica um­webt die gleich­namige, mystische Figur der Patro­nin der Roma (wir berich­te­ten). Der Kurzfilm THE FUTURE IS A SAFE PLACE HIDDEN IN MY BRAIDS (4.12., 20:00) von Mihaela Drăgan greift das Kon­zept des Roma-Futurismus auf, das die Kultur und Ge­schichte von Roma mit Tech­nologie und Hexerei zu­sammen­bringt: Die Figur der TechnoHexe ist dabei die An­füh­rerin einer utopi­schen Zukunft, in der der histori­sche Zyklus der Unter­drückung der Roma endlich ein apo­kalyp­tisches Ende findet.

50. Jahre weltweite Emanzipationsbewegung der Roma und Sinti

2021 steht für das 50. Jubiläum des Beginns der weltweiten Eman­zi­pations­bewe­gung der Roma und Sinti, mar­kiert durch den ersten Welt-Ro­ma-Kongress in Orpington bei London am 8. April 1971. Das Festival nimmt dies zum Anlass, die oft über­sehene Rolle von Roma und Sinti sowohl als Film­schaffende und als auch als histori­sche Akteur/in­nen zu be­leuchten. AKE DIKHEA? möchte anregen, über die zahl­reichen Ver­bindungen zwi­schen der Geschichte der Roma und Sinti und der europäi­schen Film­geschichte nach­zu­denken. Die Forscherin und Jour­nalis­tin Dr. Émilie Herbert-Pontonnier prä­sentiert in einer drei­teili­gen Reihe das Thema von Roma-Frauen im frühen und stummen Kino. Die Podiums­dis­kus­sion „Reclaiming the Lens: Romani Women in Film“ am 3.12., um 17:30 Uhr schließt die Reihe ab. In der Podiums­diskus­sion „Decolonising TV and Film“ (6.12., 16:00) sprechen wiederum Biene Pilavci, Benjamin Chimoy und Galya Stoyanova unter der Mo­de­ra­tion von Djamila Grandis über Wege zu ras­sismus­kritischer, di­verser Film­land­schaft in Europa.

Industry- & Community-Events zur Stär­kung von Ro­ma-Perspek­tiven

Das Programm ergänzen ein Think Tank zur Stärkung von Perspektiven von Roma im Rahmen von euro­päi­schen Film­festivals (4.12., 14:00–17:00, In­dustry-Event), eine Schul­auf­füh­rung (NEBEL IM AUGUST, 2.12., 10:30), eine Party (4.12., 23:00) sowie das Ab­schluss­dinner mit Übergabe der Jury-Aus­zeich­nungen für den Besten Film, Besten Kurzfilm und des Publi­kums­preises. Jury­mit­glieder sind Dr. Émilie Herbert-Pontonnier, Galya Stoyanova, Jake Bowers, Mira Fornay und Dr. Sun-Ju Choi.

Das gesamte Festival findet hybrid sowohl im Kino Moviemento unter 2G+-Be­dingun­gen (ab­hängig von einer even­tuellen Ver­schärfung der Maß­nahmen zur Pan­demie­be­kämpfung) als auch welt­weit via Online-Stream statt.

Das Programm der 5. Festivaledition von AKEDIKHEA? ist online ab­rufbar auf https://roma-filmfestival.com/de/.

(Text: Ake Dikhea?)

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