Archive for Januar, 2022

Schattenorte: Von der Film­kulisse ins KZ

Januar 31st, 2022  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek, Radio, Podcast & TV

Von der Film­kulisse ins KZ: Das Schicksal der Ge­fange­nen im ‚Zigeuner­lager’ Maxglan [→Schattenorte: Podcast der Salz­bur­ger Nach­richten]

Im Podcast „Schattenorte“ beleuchten die SN-Redak­teurin­nen Anna Boschner und Simona Pinwinkler die dunkle Ge­schich­te in Stadt und Land Salzburg. Die aktu­el­le Folge be­handelt das Salz­burger NS-Zwangs­lager Maxglan: „Mehr als 200 Roma und Sinti waren wäh­rend der NS-Zeit in Leopolds­kron-Moos in einem Anhalte­lager in­haft­iert. Darunter Männer, Frauen und Kinder. Nur wenige über­lebten“, heißt es in der An­kündi­gung zum Podcast vom 30. Jänner:

Aus der Sendungsankündigung:

„[...] Im als ‚Zigeunerlager Maxglan‘ bezeichneten Zwangs­lager waren bis zu 250 Frauen, Män­ner und Kinder inhaf­tiert. Es herrsch­te Arbeits­zwang. Einige von ihnen wur­den für den Film ‚Tiefland’ von Leni Riefen­stahl als Kom­parsen ein­gesetzt. Bis zuletzt be­hauptete die deutsche Regis­seurin, die Nazi-Pro­paganda­filme drehte, nichts von dem Schick­sal der Men­schen ge­wusst zu haben. Der Histo­ri­ker Roland Cerny-Werner„ hat sich mit der Auf­arbei­tung des Films be­schäftigt und er­klärt im Podcast, warum die Un­wissen­heit Riefen­stahls unglaub­würdig er­scheint. Wie hat die Salz­burger Bevöl­kerung auf die Ent­rechtung der Roma und Sinti re­agiert? Und was geschah mit den In­sassen? Darüber sprechen His­tori­ke­rin Erika Thurner und Histor­iker Gert Kerschbaumer in die­ser Podcast­folge.“

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Online-Vortragsreihe: Freizügigkeit für alle?

Januar 30th, 2022  |  Published in Internet & Blogothek, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Freizügigkeit für alle?Im Februar und März 2022 veranstaltet das Insti­tut für Di­dak­tik der Demo­kra­tie der Leibniz-Uni­ver­sität in Ko­ope­ra­tion mit dem Bil­dungs­forum gegen Anti­ziganis­mus, der Hoch­schule Hannover und der Kom­mu­na­len Hoch­schule für Ver­wal­tung in Nieder­sachsen die On­line-Vor­trags­reihe „Frei­zügig­keit für alle? Inst­itu­tio­nel­ler Ras­sis­mus und EU-Migra­tion“.

Freizügigkeit für alle? Diese Frage bewegt seit der sogenannten EU-Ost­erwei­terung nicht nur die mediale Öffent­lich­keit, son­dern sie be­unruhigt darüber hinaus auch Politik und Be­hörden. Als Gegen­bewegung zum Abbau der Grenzen inner­halb der EU hat sich europa­weit ein neuer Rassismus heraus­ge­bildet, der sich in Deutschland in ers­ter Linie gegen eine als „Armuts­zu­wan­derung“ stig­mati­sierte EU-Migra­tion aus Rumänien und Bulgarien rich­tet. Rassis­mus besteht nicht nur darin, un­erwünsch­te An­dere als minder­wertig zu stig­mati­sieren. Er be­gründet weiter­gehend auch institu­tio­nelle Strate­gien ihres gesell­schaft­li­chen Ein- und Aus­schlusses und dient in letzter Kon­sequenz somit dazu, sie als recht­los zu de­finieren.

In der Vortragsreihe „Freizügigkeit für alle?“ beleuchten wir im Aus­tausch von Wissen­schaft und Praxis die Mechanis­men und Wir­kungs­weisen des Rassismus im EU-Bin­nen­grenz­regime: Warum werden die Kom­munen zu ent­scheiden­den migrations­politi­schen Akteuren in der er­weiter­ten Union? Weshalb ent­wickelt sich in diesem Kon­text das Sozialr­echt zu einem Instru­ment des Aus­schlusses und der Migrations­kontrolle? Und inwie­fern struktu­rieren rassisti­sche Deutungs­muster institutio­nelle Prak­tiken des Ein- und Aus­schlusses von Unions­bür­ger*innen?

Die Vortragsreihe im Überblick:

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Facts & Figures (413)

Januar 29th, 2022  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken, Politik

Bei einer Großaktion zur zwangs­weisen Sess­haft­ma­chung der Ro­ma wurden 1964 in Polen 1.146 fah­ren­de Fa­mi­li­en be­hörd­lich re­gist­riert.

(Quelle)

#WeRemember: Gemeinsame Erklärung

Januar 28th, 2022  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik

#WeRemember (Foto: Ouriel Morgensztern/IKG)Gemeinsame Erklärung von Staats- und Re­gie­rungs­spitze, Op­po­si­ti­on, IKG und Ver­tre­tern der Roma und Sinti

Am Gedenktag anlässlich des Jahrestags der Befreiung des Ver­nich­tungs­lagers Auschwitz lud die Israeli­ti­sche Kultus­gemeinde Wien (IKG) Ver­treter der Re­publik, die Staats- und Regie­rungs­spitze, Par­la­ments­partei­en und Volks­gruppen­verteter der Sinti und Roma am 27.1.2022 zu einer Gedenk­zere­monie in der Shoah-Na­mens­mauern-Ge­denk­stätte im Wiener Ostar­ri­chi­park. Die Teil­neh­merin­nen und Teil­nehmer ver­ab­schie­deten unten­ste­hende Erklärung uni­sono. Als Ehren­gast war der israe­lische Außen­mi­nis­ter Yair Lapid als Zei­chen der Ver­bunden­heit zwi­schen Österreich und Israel an­wesend.

Gemeinsame Erklärung, am 27. Jänner 2022

„Heute vor 77 Jahren befreiten Soldaten der sowjetischen Armee das Kon­zentra­tions- und Ver­nich­tungs­lager Auschwitz-Bir­kenau. Mehr als eine Mil­lion Men­schen hatten die National­sozia­lis­ten dort er­mordet. Doch der Holocaust, die Shoah, der Porajmos, waren da­mit noch nicht be­endet. Das Morden ging wei­ter. Auch auf öster­rei­chi­schem Boden, etwa im Kon­zentra­tions­lager Mauthausen.

Im Rahmen der Initiative #WeRemember gedenken wir aller Opfer, die aus anti­semitischen, rassis­tischen, homo­phoben, poli­ti­schen und ande­ren Gründen ver­folgt, gequält und er­mordet wur­den. Aus der Er­in­nerung er­wächst die Ver­antwor­tung, uns im­mer­wäh­rend und aktiv gegen Anti­semitismus, Roma­feind­lich­keit, Fremden­feind­lich­keit und jeg­liche Form der Dis­krimi­nie­rung zu stellen. Dies ist ein Auf­trag an die ge­samte Re­publik Österreich; an alle Men­schen, die hier leben.

Wir alle sind gefordert, Zivilcourage zu zeigen, zu widerspre­chen, wenn antisemi­tische, roma­feindliche oder fremden­feind­liche Worte fallen. So nehmen wir die Ver­ant­wor­tung, die sich aus dem Gedenken ab­leitet, tat­säch­lich wahr; im Interes­se einer lebendigen und viel­fälti­gen Demo­kratie und aller nach­kom­men­den Gene­rationen.“

Unterzeichnet von:
Bundespräsident Alexander Van der Bellen
Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka
Bundeskanzler Karl Nehammer
Vizekanzler Werner Kogler
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Virtuelle Gedenkveranstaltungen

Januar 27th, 2022  |  Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen

Sinti-und-Roma-Denkmal in Berlin (Foto: Marko Priske)Gedenken für die im Nationalsozialismus er­mor­de­ten Sinti und Roma Euro­pas am Denk­mal in Berlin – Romani Rose erin­nert bei vir­tu­el­ler Ge­denk­ver­anstal­tung des Euro­pa­rats mit Blick auf den Holo­caust daran, dass die Ge­fahr des Anti­ziga­nis­mus auch heu­te eine Ge­fahr für die An­ge­hö­ri­gen der Min­der­heit ist.

Anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens der Opfer des Holocaust und des 77. Jahres­tages der Befreiung des NS-Ver­nich­tungs­lagers Auschwitz-Bir­kenau am 27. Januar 1945 gedenken der Zentralrat und das Doku­menta­tions- und Kultur­zentrum Deutscher Sinti und Roma bei zwei Ver­anstal­tungen an die 500.000 ermor­deten Sinti und Roma Europas und an alle Men­schen, die der national­sozialis­ti­schen Willkür­herrschaft zum Opfer fielen. In Berlin wird gemein­sam mit der Stiftung Denkmal für die ermor­deten Juden Europas ein virtuelles Gedenken am Denkmal für die ermor­deten Sinti und Roma Europas or­ganisiert. Der Vor­sitzende des Zentralrats Romani Rose nimmt auf Ein­ladung von General­sekretärin Marija Pejčinović Burić mit einer Video­botschaft an der virtuel­len Gedenk­ver­anstal­tung des Europa­rats teil.

Die virtuelle Gedenkveranstaltung des Europarats in Brüssel ist am 27.1. ab 14.00 Uhr auf der Home­page des Europa­rats ab­ruf­bar: www.coe.int

Die Veranstaltung in Berlin wird am 27.1. um 16.00 Uhr auf den Facebook-Seiten des Zentralrats übertragen:
https://www.facebook.com/sintiundroma/

https://www.facebook.com/zentralratdeutschersintiundroma

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Getrennte Erfahrung, geteilte Erinnerung

Januar 26th, 2022  |  Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Ari Joskowicz (Foto: Vanderbilt University)Eine Beziehungsgeschichte von Jüdin­nen/Juden und Rom­ni­ja/Roma von der NS-Zeit bis heute. Vortrag von Ari JOSKOWICZ, Histori­ker an der Van­der­bilt Uni­ver­sity und Senior Fel­low am Wie­ner Wie­sen­thal-Ins­ti­tut für Holo­caust-Stu­dien (VWI)

Datum: 27.1.2022, 15:00 bis 17:00 Uhr
Ort: Haus der Geschichte Österreich, Neue Burg
Heldenplatz, 1010 Wien

Vor den 1930er Jahren hatten Jüdinnen/Juden und Rom­ni­ja/Ro­ma fast über­all in Europa wenig enge Kon­takte. Dennoch fanden sie sich als Opfer von NS-Ver­nich­tungs­politi­ken neben­einander, wur­den Zeug/in­nen der Ver­fol­gung und Er­mordung der jeweils an­deren Gruppe und hat­ten nach 1945 ähn­liche geschichts­politi­sche For­derun­gen. Das Resultat ist eine Geschichte der dis­tan­zierten Ver­wick­lungen, die dieser Vortrag nach­zeichnet. Er analy­siert die Ent­wicklung der ge­trennten, aber ähn­lichen Erfahrung, die ihren Anfang nimmt in Ghettos wie Lodz und Warschau oder in Lagern wie Auschwitz-Bir­kenau. Nach dem Krieg fanden sich Über­lebende beider Grup­pen zu­nehmend über die Archiv­politik ver­bunden. So waren jüdische Institu­tio­nen, Histo­ri­ker/in­nen, Anwälte früher als andere an der Wissens­produk­tion und am Publik­machen des Roma-Holo­caust be­teiligt. Dennoch blieb es lange Zeit eine un­gleiche Be­ziehung: fast über­all wo Roma/Rom­nija sich für Gedenk­tafeln, Denkmäler, Forschungs­stätten und Archive zu ihrer Ver­gangen­heit ein­g­setzt hatten, gab es schon ein jüdisches Pen­dant. Letzt­lich wurden jüdische Archive auch zu den zentra­len Auf­bewah­rungs­orten von Romani-Zeit­zeug/in­nen­berich­ten.

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Facts & Figures (412)

Januar 24th, 2022  |  Published in Facts & Figures

Bei einem Pogrom nach er­fun­de­nen Ver­ge­wal­ti­gungs­vor­wür­fen wur­de das Ro­ma­camp in Con­ti­nas­sa (Turin) am 17.12.2011 nie­der­ge­brannt.

(Quelle)

Burgenland bekommt „Haus der Volksgruppen“

Januar 23rd, 2022  |  Published in Einrichtungen, Politik

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil gemeinsam mit VertreterInnen aller burgenländischen Volksgruppenorganisationen, der Stadtgemeinde Oberwart und der Landesimmobilien Burgenland (LIB) vor dem früheren Städtischen Internat, dem zukünftigen „Haus der Volksgruppen“ (Foto: Bgld. Landesmedienservice)Jahrhundertprojekt zu 100 Jahre Burgen­land: Land und Volks­grup­pen stel­len Wei­chen für „Haus der Volks­grup­pen“ in Oberwart. Lan­des­haupt­mann Dos­kozil, bur­gen­län­di­sche Volks­grup­pen­ver­treter und Bür­ger­meis­ter Georg Rosner un­ter­zeich­ne­ten „Letter of Intent“

Ein Meilenstein in der Volksgruppen­politik des Burgen­landes wurde am Freitag mit der gemein­samen Unter­zeich­nung eines Letter of Intent be­siegelt: Das Land Burgen­land wird gemein­sam mit Vertretern aller Volks­gruppen­organi­satio­nen ein „Haus der Volks­gruppen“ im früheren Städti­schen Internat von Oberwart errichten. Damit soll der Beitrag der Volks­gruppen zur Identität, Ge­schichte und Gegen­wart des Burgen­lands ge­würdigt und ein neues Kapitel in der Volks­gruppen­politik auf­ge­schlagen werden, betonte Landes­haupt­mann Hans Peter Doskozil. „Wir reali­sieren gemeinsam ein Jahr­hun­dert-Pro­jekt zum 100-jäh­rigen Jubiläum des Burgenlands. Im Jubiläums­jahr haben wir das Mit­einander in das Zentrum unserer Feier­lich­keiten gestellt. Gleich­zeitig haben wir in konstruk­tiven Ge­sprächen dieses wichtige Vor­haben vor­bereitet, das jetzt in die Um­setzung gehen kann. Das ‚Haus der Volksgruppen‘ wird ein einzig­artiger Ort der kulturel­len Vielfalt und Begeg­nung sein.“

Neben der Ausrichtung von Veranstaltungen und Festen inner­halb und mit den Volks­gruppen soll im neuen Zentrum ver­stärkt auf inten­sive Jugend­arbeit und Integration ge­setzt werden. „Dieses Haus wird einer­seits koordinie­rende Stelle inner­halb der Volks­gruppen sein, anderer­seits ist es nach außen ein sicht­bares Zeichen der Wert­schätzung und des Mit­einanders. Daher wird es auch öffent­lich zu­gänglich sein und Platz für Infor­mation, Schulungen, Works­hops und Feste bieten“, so der Landes­haupt­mann.

Das Haus der Volksgruppen wird den Burgenlän­disch-Un­garischen Kultur­verein, den Kroatischen Kultur­verein im Burgen­land, das Roma-Service, das hkdc – Kroatisches Kultur- und Doku­mentations­zentrum sowie die VHS der Roma und die VHS der Ungarn be­heimaten. Durch die gemein­same Örtlich­keit wird die Ent­stehung neuer Projekte er­leichtert. Read the rest of this entry »

„… vergiss die Photos nicht“ in Mannheim

Januar 20th, 2022  |  Published in Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

Unku (Erna Lauenburger) wurde in Auschwitz ermordet. Ein biografischer Kinderroman aus dem Jahr 1931, der in der DDR neu aufgelegt wurde, machte sie berühmt. Hanns Weltzel hat sie als Jugendliche porträtiert. (Bild: University of Liverpool Library)24.1.2022: Ausstellungseröffnung im Kulturhaus der Sinti und Roma in Mannheim

„… vergiss die Photos nicht, das ist sehr wichtig …“ – Die Ver­fol­gung mit­tel­deut­scher Sinti und Roma im Natio­nal­so­zia­lismus

Kulturhaus RomnoKher, B 7, 16, 68159 Mannheim
24.1.2022 bis 28.2.2022

Das Kulturhaus RomnoKher zeigt einzigar­tige Fotografien von Männern, Frauen und Kindern, die weni­ge Jahre später bei­nahe alle dem Völker­mord an den Sinti und Roma Euro­pas zum Opfer fielen. Doch diese Bilder zeu­gen von gegen­sei­tigem Respekt zwischen den Foto­grafier­ten und dem Foto­grafen. Sie sind völlig anders als die gleich­zei­ti­gen Dar­stel­lun­gen in der national­sozia­lis­ti­schen Pro­pa­ganda.

Zwischen 1932 und 1939 fotografierte Hanns Weltzel mittel­deutsche Sinti und Roma in Dessau-Roß­lau. Der in Roßlau lebende Foto­journalist pflegte freund­schaft­liche Be­ziehun­gen zu den Familien. Bis 1938 konnte er Artikel über Sinti und Roma in der Anhalti­schen Presse ver­öffent­lichen. Zudem stand er mit der „Gypsy Lore Society“, deren Sitz sich in Liver­pool befand, im Kontakt und schrieb Artikel für deren Journal. So gelang­ten schon damals erste Foto­grafien nach Liverpool. Der ge­samte Bestand von ca. 200 Foto­grafien be­findet sich heute in der Biblio­thek der Uni­versi­tät Liverpool.

Anfang 1938 wurden Sinti und Roma aus Dessau-Roßlau und ganz Anhalt in das „Zigeuner­lager am Holzweg“ in Magde­burg ge­zwungen. Dieses Inter­nierungs­lager hatte die Stadt Magdeburg 1935 am Stadtrand er­richtet. Im Juni 1938 wurden zahl­reiche Männer und männ­liche Jugend­liche in das Kon­zentra­tions­lager Buchenwald ver­schleppt. Damit begann das Aus­einan­der­reißen der Fami­lien, die Hanns Weltzel foto­grafiert hatte. Bald trafen erste Todes­nachrich­ten aus Kon­zentrations­lagern in Magdeburg ein. Mit der Ver­haftung aller Men­schen mit romanes­spra­chigen Hinter­grund in Magdeburg am 1. März 1943 und deren Depor­tation nach Auschwitz einen Tag später wurde das Lager am Holzweg auf­gelöst.

Eve Rosenhaft, Professorin an der Universität Liverpool, und Jana Müller vom Alter­na­tiven Jugend­zentrum Dessau sind der Geschichte dieser einzig­arti­gen Fotos nach­ge­gan­gen – zu­nächst un­abhängig von­einander, dann ge­meinsam. Im Gedenken an die Opfer des Völkermords und in engem Aus­tausch mit den Über­leben­den und ihren Nach­fahren ist eine Wander­ausstellung ent­standen.

„… vergiss die Photos nicht, das ist sehr wichtig …“ – Die Verfolgung mittel­deutscher Sinti und Roma im National­sozia­lismus doku­men­tiert die Lebens- und Leidens­wege der Fami­lien Laubinger, Lauen­bur­ger, Thormann, Stein, Steinbach und Ansin. Auch über Erna Lauenburger, das Vorbild für die be­kannte Roman­figur Unku, die Hanns Weltzel mehr­fach in Dessau-Roß­lau ab­lichtete, berichtet die Ausstellung. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (411)

Januar 18th, 2022  |  Published in Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte

Falsche Ge­rüch­ten über Ro­ma, die Kinder steh­len wür­den, um de­ren Or­ga­ne zu ver­kau­fen, führ­ten 2019 in Frank­reich zu über 30 An­grif­fen auf Ro­ma.

(Quelle)

No Roses on a Sailor’s Grave (Trailer)

Januar 16th, 2022  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken

No Roses on a Sailor’s Grave
Dokumentarfilm von Daniel Oron (Regie) und John Henry Phillips
Go Button Media, UK 2020, 83 Min.

In einem Dokumentarfilm und einem Buch be­rich­tet der Eng­län­der John Henry Phillips von einer un­ge­wöhn­li­chen Freundvschaft und dem letz­ten Wunsch eines See­manns. Aber eigent­lich erzählt er viel mehr. Was das al­les mit Roma zu tun hat, lesen Sie in der neuen Aus­gabe unse­res Ma­ga­zins dROMa.

Facts & Figures (410)

Januar 12th, 2022  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

Roma/Sinti-Aktivisten führten mehr­fach Be­set­zun­gen u. Hun­ger­streiks in KZ-Ge­denk­stät­ten durch: 1980/93 in Dachau, 1983/89 in Neu­en­gam­me.

(Quelle)

O hajaschiskero grobo

Januar 8th, 2022  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, dROMa (Magazin)

Der alte Seemann und der junge Archäologe: Patrick Thomas und John Henry Phillips (Foto: Go Button Media)So o rodipe pal jek phagerdo hajo pe­dar o Ro­ma phu­kal

Ande jek dokumentacijakero film taj an­de jek ken­va phu­kal o brita­ni­tiko John Henry Phillips jeke bari­ka­ne paj­tasch­tscha­gos­tar taj le lejc­ti kiva­ni­pestar jeke haja­schis­tar. Tscha­tschi­kan, ov ham bu­te­der phu­kal.

Nisaj koja, adaj upro Roma te gondolinel mukel: Jek terno mursch pomo­schi­nel jeke brita­niti­ke marine­ja­kere vetera­niske (94) leskere haburis­kere trau­maha ando tscha­tschipe te al. Uso auna­vipe andi Norman­dija 1944 les­kero hajo upre jek mina upre nasch­tscha taj le pajta­schenca tel gelo. ­Jek trauma, savo le phure, savo bojd kor­kore buter te dschal na dscha­nel, ham le dschuv­lenge mindig jek vodschi­kano probo hi, les­kero cilo dschi­vipe vodinel.

Leskero pajtaschi John Henry Phillips kamla le na lakle hajasch­tschen­ge jek gon­do­li­pes­kero bar te kerel taj vascho­da upro drom pe kerel, o phager­do hajo ando Ärmel­kanal te rodel. Ov histo­ri­ker­tschen taj bare pajis­kere arche­jo­logtschen mobi­li­siri­nel, andi Nor­man­dija ladel taj muguli te tauchi­nel siklol – mindig vodim jeka ka­meratar.

O dokumentacijakero film No Roses on a Sailor’s Grave (reschi: Daniel Oron), savo andral kerdo ulo, akan jerim upro festival­tscha sika­do ol, lejc­tivar uso filmis­kero kurko „Ake dikhea?“ ande Berlin. Ham andi masch­karutni cajt o John o materijal te jeka ken­vake prik butscha­lintscha: The Search akan bojd use Robinson ande London ari al. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (409)

Januar 7th, 2022  |  Published in Facts & Figures, Jugend & Bildung

Obwohl ca. 10% sei­ner Be­völ­ke­rung Ro­ma sind, kom­men Ro­ma in den Lehr­plä­nen Bul­ga­ri­ens (Ge­schich­te/So­zial­kun­de/Geo­gra­fie) nicht vor.

(Quelle)

Das Seemannsgrab

Januar 6th, 2022  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, dROMa (Magazin)

Der alte Seemann und der junge Archäologe: Patrick Thomas und John Henry Phillips (Foto: Go Button Media)Was die Suche nach einem Schiffswrack über Roma erzählt


In einem Dokumentarfilm und einem Buch be­rich­tet der Eng­län­der John Henry Phillips von einer un­gewöhn­li­chen Freund­schaft und dem letz­ten Wunsch eines See­manns. Aber eigent­lich er­zählt er viel mehr.

Nichts lässt hier an Roma denken: Ein junger Mann hilft einem engli­schen Marine­vete­ra­nen (94), mit seinem Kriegs­trauma ins Reine zu kom­men. Bei der Lan­dung in der Normandie 1944 war des­sen Boot auf eine Mine auf­ge­laufen und mit­samt seinen Kamera­den in den Fluten ver­sunken. Ein Trauma, das den pfif­fi­gen Alten, der zwar kaum noch alleine gehen kann, doch für die Damen stets einen char­man­ten Scherz parat hat, ein Leben lang be­gleitet.

Sein Freund John Henry Phillips will den verscholle­nen See­männern einen Gedenk­stein errich­ten und macht sich auf, das Schiffs­wrack im Ärmel­kanal zu suchen. Er mobi­lisiert Historiker und Meeres­archäolo­gen, fährt in die Nor­man­die und lernt sogar tauchen – stets be­gleitet von einer Kamera.

Der Dokumentarfilm No Roses on a Sailor’s Grave (Regie: Daniel Oron), der daraus ent­standen ist, wird der­zeit erfol­greich auf Festivals gezeigt, zu­letzt bei der Roma-Film­woche „Ake dikhea?“ in Berlin. Doch in­zwi­schen hat John den Stoff auch für eine Buch­ver­öffentli­chung adaptiert: The Search er­scheint dem­nächst bei Robinson in London.

Unter der Oberfläche
Auf den ersten Blick verrät nichts an dieser Geschichte – nicht das Sujet, nicht der Ort, nicht die Prota­go­nisten –, dass hier zu­gleich auch die Ge­schichte einer Min­der­heit ver­handelt wird. Mit keinem Wort er­fährt man, dass der junge Mann der englischen Roma-Min­der­heit an­ge­hört.

Unter der Oberfläche enthält die Erzählung aber Motive, die selt­sam be­kannt an­muten. Denn alles hier kreist um das Trauma der Welt­kriegs­jahre und um den Versuch, einem ver­ges­senen Schicksal Gehör zu ver­schaffen. Es geht um An­erken­nung und ein würdi­ges Gedenken: Wenn John beim Bürger­meister eines fran­zö­si­schen Küsten­städt­chens vor­stellig wird, um eine Gedenk­feier für die britischen Soldaten vor­zu­schlagen, erinnert das frap­pierend an Szenen im slowa­ki­schen Film Wie ich Partisanin wurde (siehe dROMa 62) – mit dem Unter­schied, dass John bei dem Franzo­sen offene Türen ein­rennt.

Auch das titelgebende Seemannsgrab hat seine Entspre­chung in den Er­fahrun­gen der Roma: Read the rest of this entry »

Rassismus in Social Media und Kinderfilmen

Januar 5th, 2022  |  Published in Internet & Blogothek, Interview, Medien & Presse, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Die Vorsitzende des neuen Verbands: Esther Reinhardt-Bendel (Foto: Verband Deutscher Sinti und Roma e. V. - Landesverband Schleswig-Holstein)Radio Dreyeckland, Freiburg, 7.12.2021
9:21 min, 21 MB | →Anhören (mp3)

Esther Reinhardt-Bendel über stereo­type und anti­ziga­nis­ti­sche Dar­stel­lun­gen in den Medien

Esther Reinhardt-Bendel ist politische Medienaktivistin und Mit­begrün­derin der Initia­tive Sinti-Roma Pride. Sie setzt sich für gleich­berech­tigte Teil­habe von Sinti und Roma ein und ist Vor­sitzen­de der Bundes­verei­ni­gung deutscher Sinti und Roma, die sich 2021 als Zu­sam­men­schluss und Dach­ver­band ver­schie­dener Vereine ge­grün­det hat.

(Sendung: RDL auf freie-radios.net)

Siehe auch:
Bundesvereinigung in Deutschland gegründet
, 5.8.2021

Facts & Figures (408)

Januar 4th, 2022  |  Published in Facts & Figures

Über die Hälfte (55%) der Ro­ma und Sin­ti, die in Italien in of­fi­ziel­len oder in­for­mel­len Ba­ra­cken­sied­lun­gen le­ben, sind min­der­jäh­rig.

(Quelle)

„Hessenschau schürt Hass gegen Roma“

Januar 2nd, 2022  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

VideostillDeutschland: Rassismusvorwürfe gegen Hessischen Rundfunk

Wir geben im Folgenden eine Aussendung des Fördervereins Roma in Frankfurt am Main wieder:

In einem Beitrag von „hr“-Fernsehen vom 21.12.2021 zum Thema „Bettelmafia“ instru­men­ta­li­siert die Hessen­schau Unter­stel­lungen und Vor­urteile in einer Sen­dung, die ohne das Wort „Roma“ zu nen­nen, ziel­gerich­tet den Hass gegen­über der Minder­heit schürt.

Trotz Informationen über die Gründe zu betteln, nämlich Elend, mangel­hafte Ver­sorgung und Aus­grenzung, kol­por­tiert das Magazin genau platzier­te Bilder, in denen Behaup­tungen über eine so­ge­nann­te Bettel­mafia stets mit der schemen­haften Dar­stellung, die Roma-Frauen er­ken­nen lassen, ver­bunden werden. Selbst die Aus­führun­gen einer Mit­arbei­terin des Landes­kriminal­amtes und des Leiters einer inner­städti­schen Hilfe­ein­rich­tung, die beide den Begriff ne­gieren, Ursachen be­schreiben und er­klären, dass es keine Anhalts­punkte für eine „Bettel­mafia“ gibt, haben keine kor­rekti­ve Wirkung.

Maßgabe für den rassistischen Beitrag ist allein die dominie­rende Be­trach­tungs­weise der Re­daktion, die sich auf die Eigen­schaf­ten ost­europäisch, dunkle Hautfarbe, lange Röcke be­schränkt und zur Bestä­tigung eine be­schwerde­füh­rende Bettlerin und einen auf­merk­samen Flaschen­sammler an­führen, die genau im Gegen­satz zu dem konstru­ier­ten Bild stehen. Die Wider­sprüche können nicht offen­sicht­licher sein: einer­seits die Asso­zia­tion Roma, Migranten, kriminell und an­derer­seits deutsch, ehrlich und hilfs­bedürftig. Eine An­schauung, die aus dem Gift­schrank der Menschen­ver­ach­tung stammt.

Der Förderverein Roma hat in der Vergangenheit wieder­holt (wir berichteten) auf die dis­krimi­nie­rende Be­richt­erstat­tung der Hessen­schau hin­gewie­sen und ein Gespräch mit dem ehe­maligen Chef­redak­teur Theisen geführt. Änderun­gen hatte das nicht zur Folge. Read the rest of this entry »