Archive for Januar 20th, 2022

„… vergiss die Photos nicht“ in Mannheim

Januar 20th, 2022  |  Published in Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

Unku (Erna Lauenburger) wurde in Auschwitz ermordet. Ein biografischer Kinderroman aus dem Jahr 1931, der in der DDR neu aufgelegt wurde, machte sie berühmt. Hanns Weltzel hat sie als Jugendliche porträtiert. (Bild: University of Liverpool Library)24.1.2022: Ausstellungseröffnung im Kulturhaus der Sinti und Roma in Mannheim

„… vergiss die Photos nicht, das ist sehr wichtig …“ – Die Ver­fol­gung mit­tel­deut­scher Sinti und Roma im Natio­nal­so­zia­lismus

Kulturhaus RomnoKher, B 7, 16, 68159 Mannheim
24.1.2022 bis 28.2.2022

Das Kulturhaus RomnoKher zeigt einzigar­tige Fotografien von Männern, Frauen und Kindern, die weni­ge Jahre später bei­nahe alle dem Völker­mord an den Sinti und Roma Euro­pas zum Opfer fielen. Doch diese Bilder zeu­gen von gegen­sei­tigem Respekt zwischen den Foto­grafier­ten und dem Foto­grafen. Sie sind völlig anders als die gleich­zei­ti­gen Dar­stel­lun­gen in der national­sozia­lis­ti­schen Pro­pa­ganda.

Zwischen 1932 und 1939 fotografierte Hanns Weltzel mittel­deutsche Sinti und Roma in Dessau-Roß­lau. Der in Roßlau lebende Foto­journalist pflegte freund­schaft­liche Be­ziehun­gen zu den Familien. Bis 1938 konnte er Artikel über Sinti und Roma in der Anhalti­schen Presse ver­öffent­lichen. Zudem stand er mit der „Gypsy Lore Society“, deren Sitz sich in Liver­pool befand, im Kontakt und schrieb Artikel für deren Journal. So gelang­ten schon damals erste Foto­grafien nach Liverpool. Der ge­samte Bestand von ca. 200 Foto­grafien be­findet sich heute in der Biblio­thek der Uni­versi­tät Liverpool.

Anfang 1938 wurden Sinti und Roma aus Dessau-Roßlau und ganz Anhalt in das „Zigeuner­lager am Holzweg“ in Magde­burg ge­zwungen. Dieses Inter­nierungs­lager hatte die Stadt Magdeburg 1935 am Stadtrand er­richtet. Im Juni 1938 wurden zahl­reiche Männer und männ­liche Jugend­liche in das Kon­zentra­tions­lager Buchenwald ver­schleppt. Damit begann das Aus­einan­der­reißen der Fami­lien, die Hanns Weltzel foto­grafiert hatte. Bald trafen erste Todes­nachrich­ten aus Kon­zentrations­lagern in Magdeburg ein. Mit der Ver­haftung aller Men­schen mit romanes­spra­chigen Hinter­grund in Magdeburg am 1. März 1943 und deren Depor­tation nach Auschwitz einen Tag später wurde das Lager am Holzweg auf­gelöst.

Eve Rosenhaft, Professorin an der Universität Liverpool, und Jana Müller vom Alter­na­tiven Jugend­zentrum Dessau sind der Geschichte dieser einzig­arti­gen Fotos nach­ge­gan­gen – zu­nächst un­abhängig von­einander, dann ge­meinsam. Im Gedenken an die Opfer des Völkermords und in engem Aus­tausch mit den Über­leben­den und ihren Nach­fahren ist eine Wander­ausstellung ent­standen.

„… vergiss die Photos nicht, das ist sehr wichtig …“ – Die Verfolgung mittel­deutscher Sinti und Roma im National­sozia­lismus doku­men­tiert die Lebens- und Leidens­wege der Fami­lien Laubinger, Lauen­bur­ger, Thormann, Stein, Steinbach und Ansin. Auch über Erna Lauenburger, das Vorbild für die be­kannte Roman­figur Unku, die Hanns Weltzel mehr­fach in Dessau-Roß­lau ab­lichtete, berichtet die Ausstellung. Read the rest of this entry »