Archive for Mai, 2020

Prag: Roma-Festival Khamoro verschoben

Mai 31st, 2020  |  Published in Einrichtungen, Veranstaltungen & Ausstellungen

Tschechien: Festival Khamoro muss sein Programm wegen Coronakrise verschiebenInternationales Roma-Kulturfestival Khamoro in Prag wird auf den Herbst ver­legt. Eine Aus­stel­lung er­öff­net al­ler­dings be­reits jetzt.

Das Festival Khamoro, das eigentlich an die­sem Sonn­tag be­gin­nen sollte, ist we­gen der Corona-Krise vor­läufig auf un­bestimm­te Zeit verschoben wor­den. Die Ver­anstalter des Programms der Roma-Kultur wären indes froh, wenn sie es im Herbst aus­richten könn­ten. Gegen­wärtig werden sie unter anderem davon ab­gehalten, weil viele Teil­nehmer aus dem Ausland wegen der vieler­orts ge­schlos­senen Grenzen nicht einreisen kön­nen. Den­noch wird das Festival am Mon­tag zu­mindest eröffnet, und zwar mit einer Aus­stel­lung in der Prager Galerie Artivist­Lab.

Das Festival werde in diesem Jahr aber nicht wie gewohnt in­ner­halb einer Woche statt­finden, sondern es wird auf­geteilt in meh­re­re Aktionen von Juni bis De­zem­ber 2020, schreiben die Ver­anstalter auf ihrer Webseite. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (288)

Mai 29th, 2020  |  Published in Facts & Figures

Das einzige österr. Zwangs­ar­­beits-­ und An­hal­te­lager für Bett­ler und Land­strei­cher be­stand 1935 bis 1938 in Schlö­gen (Ober­öster­reich).

(Quelle)

Segregation: Zentralrat zu Urteil in Ungarn

Mai 27th, 2020  |  Published in Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Romaschüler (Foto: Pester Lloyd)Zentralrat begrüßt Urteil von Un­garns Obers­tem Ge­richt zur schu­li­schen Segre­ga­tion von Ro­ma-Kin­dern

Ungarns Oberstes Gericht hat nun (Anm.: am 12. Mai 2020, wir berichte­ten) ein Urteil des Deb­recener Be­ru­fungs­gerichts be­stätigt, wel­ches den ungari­schen Staat bereits im Septem­ber 2019 zu Schaden­ersatz­zahlungen für die rechts­widrige segre­gier­te Beschulung von ca. 60 Roma-Kin­dern im ost­ungari­schen Ort Gyöngyöspata ver­urteilt hatte. Die staat­lichen Stellen hatten die Aus­zahlung des Geldes ver­weigert und Berufung ein­gelegt. Ungarns Oberstes Gericht hat nun die finan­ziel­le Entschädigungen der be­trof­fe­nen Familien in Höhe von 99 Mil­lio­nen Forint (280.000 Euro) an­geordnet.

„Das Urteil des Obersten Gerichtshofs ist ein wichti­ges Signal zur Durch­setzung einer gleich­berechtig­ten Bildungs­teil­habe für Roma in Ungarn“, so der Zentral­rats­vor­sit­zen­de Romani Rose. „Das Urteil zeigt un­miss­ver­ständ­lich, dass die geson­derte Beschulung von Kindern auf ethnischer Grund­lage nicht nur falsch ist, son­dern den Staat auch teuer zu ste­hen kommt. Das Urteil zeigt auch, dass es in Ungarn noch im­mer Gerichte gibt, die den rechts­staatli­chen Prinzipien ver­pflichtet sind. Dieser Ent­scheid ist auch ein Signal an die ungari­sche Gesell­schaft und die ungari­sche Regierung, dem zu­neh­menden Antiziganismus in Staat und Gesell­schaft deut­lich entgegenzutreten“, so Rose weiter. „Den betrof­fe­nen Kindern kön­nen die verlorenen Jahre nicht mehr zurück­gege­ben werden. Für sie ist ein bleiben­der Schaden im Hin­blick auf ihre Zukunfts­chancen entstanden. Es muss jetzt von den verantwortlichen Behörden erwartet werden, dass sie ihrer gesetz­lichen Ver­pflichtung, den gleichberechtigten Zugang zu Bildung für alle Kinder zu gewähr­leisten, auch tat­säch­lich nach­kommen“, so der Zentralrats­vor­sitzende.

Trotz ihres gesetzlichen Verbots im Jahre 2003 ist die schulische Segregation von Roma-Kindern, die diese sys­tematisch vom Zugang zu quali­fi­zierter Bildung aus­schließt, nach wie vor weit ver­breitet. Read the rest of this entry »

Raymond Gurême (1925-2020)

Mai 26th, 2020  |  Published in Ehrungen & Nachrufe

Der französische Holo­caust-Über­le­bende und Bür­ger­rechts­akti­vist Raymond Gurême ver­starb am Sonn­tag, 24. Mai 2020, im Al­ter von 94 Jah­ren.

Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, wür­dig­te Raymond Gurême mit sehr per­sönli­chen Worten: „Raymond Gurême schloss sich da­mals dem fran­zösi­schen Widerstand gegen das NS-Terror­regime an. Bis zuletzt kämpfte er für die An­erken­nung des Holo­caust an Sinti und Roma, wie auch für die Würde und glei­chen Rechte für Sinti und Roma in Europa. Mit seinem Engage­ment gegen Anti­ziganis­mus und Rassismus ins­besondere für und mit jungen Men­schen er­warb er sich bei allen, die ihm begeg­nen durften, großen Respekt und An­erken­nung. Sinti und Roma in ganz Europa haben durch den Tod von Ray­mond Gurême eine ganz beson­dere Per­sön­lich­keit ver­loren.“

Raymond Gurême begleitete mehrfach junge Sinti und Roma im Rahmen der Jugend­initia­tive „Dikh he na Bister“, die vom Jugend­netz­werk ternYpe und dem Do­ku­men­ta­tions- und Kultur­zentrum Deutscher Sinti und Roma or­ganisiert wird, zum Euro­päi­schen Holocaust-Ge­denk­tag für Sinti und Roma nach Krakau und Auschwitz. In seiner Rede auf der Gedenk­ver­anstal­tung am 2. August 2016 in Auschwitz-Bir­kenau rief er wie so oft be­sonders junge Men­schen zum Engage­ment gegen Anti­ziganismus und Ras­sis­mus auf:

Ihr [die Jungen] müsst kämpfen. Kämpfen gegen die Diskriminie­rung, gegen den Rassismus, ge­gen die Gewalt, der Roma und Sinti in ganz Euro­pa zum Opfer fallen.
Wir, die Alten, haben das Feuer entfacht. Nun ist es die Auf­gabe der jungen Leute, es am Brennen zu halten und die Flam­men weiter in die Höhe zu trei­ben, so dass wir immer stär­ker werden. Erhebt Euch, Ihr Jungen! Und bleibt ste­hen, lässt Euch nie­mals in die Knie zwin­gen!

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Brandanschlag auf Roma in Frankreich

Mai 24th, 2020  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Frankreich LPEin Camp rumänischer Roma im fran­zö­si­schen Argenteuil (Île-de-France) wur­de in diesem Mo­nat be­reits mehr­mals attackiert. Nun sind rund 70 der unter einer Auto­bahn er­rich­te­ten Hüt­ten bei einem Brand­an­schlag in der Nacht zum 19. Mai ab­ge­brannt. Ver­letzt wur­de nie­mand.

Die Bewohner/innen wurden im Schlaf von Molo­tow-Cock­tails über­rascht, die das Camp in Brand steck­ten und die Hütten weit­gehend ab­brannten. Florin, einer der Be­wohner sagt: „Ich habe draußen auf einer Matratze ge­legen. Ich habe nicht ge­schla­fen, um Wache zu halten.“ Er hat ge­sehen, wie vier Benzin­flaschen von der Autobahn­brücke ge­flogen ka­men. Darauf­hin hat er den an­deren gesagt, sie sol­len raus­kommen, und die Feuerwehr ge­rufen. Das Feuer breitete sich schnell aus. Ein ande­rer Bewoh­ner, Imed, sagt, sie hät­ten nicht ein­mal Zeit gehabt, Wasser aus der Seine zu holen, um zu ver­suchen, den Brand zu löschen. Ein Molotow-Cock­tail traf den Ge­nerator, und es gab eine Explosion. Etwa 70 Hütten sind ab­gebrannt. Es stehen nur noch sieben oder acht. Der Feuer­wehr­einsatz hat fünf Stun­den gedauert. Neun an­wesende Per­sonen wurden in einer Sport­halle unter­gebracht.

Es ist bereits der vierte Vorfall. Zu den ersten Ereignissen kam es am 1. und 2. Mai. In der Nacht vom 4. auf den 5. gab es einen weite­ren Anschlag. Die Be­woh­ner/in­nen konn­ten das Feuer jedoch selbst löschen. Seit es an­gefangen hat, hält immer je­mand Wache. Die Kinder haben sie laut Florin bereits in Sicher­heit ge­bracht habe. Read the rest of this entry »

Polizeigewalt gegen Roma in Freiburg

Mai 23rd, 2020  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Deutschland: Schwere Vorwürfe gegen Polizei in FreiburgDeutschland: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma for­dert lücken­lose Auf­klä­rung von Po­li­zei­gewalt ge­gen Roma-Fa­mi­lie in Frei­burg

Am Dienstag, dem 28. April 2020, wurden in der Nähe von Freiburg bei einem Ein­satz von Polizei- und Ord­nungs­amt An­ge­hö­ri­ge einer Roma-Fa­milie zum Teil schwer verletzt. Ein 48-jäh­riger Familien­vater erlitt schwere Ver­letzun­gen durch Bisse eines Polizeihundes, zwei Frauen und ein weite­rer Mann wur­den durch Schläge verletzt. Der Polizei­einsatz er­folgte an­läss­lich einer Bagatelle, bei der es um eine Parkplatz­frage vor der Haus­tür der Ge­schädigten ge­gan­gen sein soll. Die be­teilig­ten Beamten sollen von Beginn an aggres­siv auf­ge­treten und die Situa­tion vor­sätz­lich eskaliert ha­ben, im weite­ren Verlauf soll ein Polizei­hund auf den Mann gehetzt und seine Fa­milien­ange­höri­gen mit Faustschlägen trak­tiert wor­den seien. Die Verletzungen wur­den in einem Krankenhaus be­han­delt und do­ku­men­tiert.

Die Geschädigten suchten später eine Polizeidienststelle auf, um Strafanzeige zu er­statten. Nach­dem sie den Sach­verhalt ge­schil­dert hatten, sollen sie je­doch von dem oder den Polizei­beam­ten abgewiesen wor­den sein.

Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, kriti­siert deut­lich das voll­kommen un­ver­hältnis­mäßige Vor­gehen der Polizei­beamten und erklärt: „Dieser Vorfall muss lücken­los aufgeklärt werden, damit das Vertrauen un­serer Minder­heit in die Polizei nicht be­schädigt wird. Soll­ten die Vorwürfe zu­treffen, hätten wir es mit Fällen von ge­fährlicher oder schwerer Körper­verletzung und Nötigung zu tun. Soll­te die An­nahme der Strafanzeige dieses Vor­falls durch die Frei­burger Polizei tat­sächlich verweigert worden sein, be­steht zudem der Ver­dacht der ver­such­ten Strafvereitelung im Amt durch wei­te­re Polizeibeamte.“ Read the rest of this entry »

„Unser ganzes Dorf ist ziemlich rechts“

Mai 20th, 2020  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Offener Brief zu Prozess über Brand­an­schlag auf Roma in Deutschland

Am 11. Mai 2020 startete in Deutschland der Prozess gegen fünf Angeklagte wegen versuchten Mordes. Am späten Abend 24. Mai des Vor­jahres war in Erbach-Dell­men­sin­gen in Ba­den-Württem­berg ein Brand­anschlag auf eine französi­sche Roma-Familie ver­übt worden. Die Täter hatten aus einem Wagen eine bren­nen­de Fackel auf die Roma ge­schleu­dert, diese landete jedoch knapp vor dem Wohnwagen auf der Wiese (wir berichteten hier und hier). Der Verband Deut­scher Sinti und Roma, Lan­des­ver­band Baden-Württemberg, der den Prozess be­ob­ach­tet, richtet nun einen Offe­nen Brief an den Bürger­meister der Stadt Erbach. Der Lan­des­verband fragt sich, „ob der gesell­schaft­liche Druck und die anti­ziganisti­schen Ressen­timents der Dorf­gemein­schaft die An­geklagten zur Tat moti­viert haben“. Wir ge­ben das Schreiben im Fol­genden wieder:

Offener Brief an den Bürgermeister der Stadt Erbach be­züg­lich des anti­ziganisti­schen Brand­anschlags, der seit 11.5.2020 am Land­gericht Ulm ver­han­delt wird:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Gaus,

ich habe Ihre Pressekonferenz und den Artikel der SWP vom 19.5.20 zur Kennt­nis ge­nommen. Gerne würde ich das toleran­te und welt­offene Erbach-Dellmensingen, in dem rechtes Ge­danken­gut (k)einen Platz hat, be­suchen und das Ge­spräch mit Ihnen suchen.

Die Angeklagten sagten am 19.5.2020 aus, dass sie zum Tat­zeitpunkt ge­schätzt hätten, dass sich auf der Wiese 30 bis 40 Per­sonen auf­hielten. Zu­nächst mit Böllern, Schildern mit der Auf­schrift „55 [8155 Erbach] bleibt deutsch“ und einem toten Schwan wollten sie die Familien ver­treiben. Als ihnen das nicht gelang, warfen sie eine bren­nende Fackel auf einen Wohn­wagen, in dem eine Mutter mit ihrem neun Monate alten Baby schlief. Die An­geklag­ten gaben beim Prozess­auftakt an, dass sie „offen rechts“ seien, was in ihrem Dorf „normal“ sei. Am 19.5.2020 wurde im Prozess die Aus­wertung der Handys der Angeklag­ten the­matisiert. In einem Chat be­zichtigten mehrere Per­sonen die Roma-Fa­milien, die nach dem Anschlag bereits ver­trieben waren, in ein Sport­heim ein­gebrochen zu sein. Daraufhin schrieb der An­geklagte Robin D., man sollte ihnen „am bes­ten hinter­her­fahren und sie ausrotten, die Pest“.

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Facts & Figures (287)

Mai 16th, 2020  |  Published in Facts & Figures

Heute vor 100 Jahren starb der le­gen­dä­re Stier­kämp­fer José „Joselito el Gallo“ Gó­mez Or­te­ga, wie vie­le To­re­ros war er Gi­ta­no (span. Rom).

(Quelle)

SS-Runen auf Trollmann-Gedenkstein

Mai 15th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Sport

Der beschmierte "Stolperstein" für Rukeli Trollmann in Hamburg am 12.5.2020 (Foto: Zentralrat)Deutschland: Stolperstein von Johann „Rukeli“ Troll­mann mit SS-Ru­nen be­schmiert

Im Hamburger Schanzenviertel wurde am Dienstag, den 12. Mai, ein Stolperstein, der an die Ver­folgung und Ermor­dung des Sinto Jo­hann „Rukeli“ Troll­mann er­innert, von un­bekann­ten Tätern mit SS-Runen be­schmiert. An­wohner, die die Be­schädigung ent­deckten, ha­ben die NS-Symbole um­gehend ent­fernt und den Gedenkstein ge­reinigt. Der Landes­verein der Sinti in Hamburg e.V. er­stat­tet Anzeige bei der Ham­bur­ger Polizei.

Der Gedenkstein vor dem Flora-Theater erinnert an den be­rühm­ten Sinto-Boxer Johann „Rukeli“ Trollmann, der 1933 dort sei­nen letz­ten Sieg als Profi­boxer er­kämpfte. 1942 wur­de Trollmann in Hannover ver­haftet und ins Kon­zentra­tions­lager Neuengamme ver­schleppt. Nach­dem er von einem SS-Auf­seher als der Boxer Troll­mann er­kannt wor­den war, muss­te er abend­lich ge­gen Männer der SS kämpfen. Im Sommer 1944 wur­de Trollmann im Außenlager Wittenberge von einem Kapo er­schlagen.

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Facts & Figures (286)

Mai 14th, 2020  |  Published in Facts & Figures

36,7% der Deutschen ge­ben an, ganz/eher ab­leh­nend ge­gen­über Roma (Ju­den: 7%) ein­ge­stellt zu sein; 11,1% se­hen Ro­ma po­si­tiv.

(Quelle/pdf)

Urteil in Ungarn: Entschädigung für Romakinder

Mai 13th, 2020  |  Published in Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Romaschüler (Foto: Pester Lloyd)Schuliche Segregtion: Ungarisches Höchst­gericht spricht dis­kri­mi­nier­ten Roma-Kin­dern Ent­schä­di­gung zu

Das ungarische Oberste Gericht hat den Familien von 60 Roma-Kindern eine finan­zielle Entschädigung zu­ge­spro­chen. Die Kinder waren in der Schule (Anm.: in der Ge­meinde Gyöngyöspata) jah­re­lang getrennt von den anderen unter­richtet worden und durften nicht am Schwimm­unterricht und an Aus­flügen teil­nehmen. Getrenn­ter Unterricht auf­grund von Herkunft ist in Ungarn illegal. Das Ge­richt bestätigte damit das Urteil der Vor­instanz, das Minister­prä­si­dent Orbán als „un­gerecht“ be­zeich­net hatte. Die Klage gegen die Grund­schule und die kom­munalen Behörden hatte eine Kinder­rechts­organisa­tion (Anm.: Chance for Children Foundation) im Namen der betrof­fenen Familien ge­führt. Ihnen steht nun eine Entschädigung von um­ge­rech­net knapp 300.000 Euro zu.

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Facts & Figures (285)

Mai 12th, 2020  |  Published in Facts & Figures

31% der Ös­ter­rei­cher ge­ben an, ganz/eher ab­leh­nend ge­gen­über Roma (Ju­den: 10%) ein­ge­stellt zu sein; 11,3% se­hen Ro­ma po­si­tiv.

(Quelle/pdf)

NS-Zeit: Wissenslücken bei Wiener Schülern

Mai 10th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Wissenschaft

Schulexkursion nach Mauthausen (Foto: AHS Friesg., 2019)Wiener Studie zeigt: Schülerinnen und Schüler der 9. Schul­stu­fe ha­ben ek­la­tan­te Wis­sens­lü­cken zu NS-Zeit und Ho­lo­caust. Bil­dungs­mi­nis­te­ri­um stellt Ver­bes­serungen in Lehr­kräf­te­aus­bil­dung und -fort­bil­dung in Aus­sicht.

Eine repräsentative Befragung von Schülerinnen und Schülern, die das Zentrum für Politische Bildung im Auftrag der Arbeiterkammer an Wiener Schulen durchgeführt hat, förderte eklatante Wissenslücken zur Zeit der NS-Herrschaft zutage. Das berichtet das Magazin Profil, dem die noch nicht publizierten Studienergebnisse bereits im Detail vorliegen, in seiner aktuellen Ausgabe. Befragt wurden 1.185 Schülerinnen und Schülern der 9. Schulstufe an AHS, Berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) und Polytechnischen Schulen (PTS). 81 Prozent von ihnen konnten mit dem Begriff „Antisemitismus“ nichts anfangen, und nur ein Drittel weiß, wie die Nazi-Partei hieß (wobei auch das Parteikürzel NSDAP als korrekt gewertet wurde). Auch in Gymnasien lag der Anteil der richtigen Antworten hier nur bei 48 Prozent (BHS: 37 Prozent, an den BMS: 20 und an den PTS: 12 Prozent).

Noch größere Wissenslücken zeigten die Jugendlichen bezüglich des Novemberpogroms 1938. Profil schreibt: „Von den AHS-Schülern konnten laut Studie nur 20,3 Prozent eine ausreichende Definition des Pogroms anführen; in 33 Prozent der Fälle war die Definition unzureichend, knapp die Hälfte hatte gar keine Antwort parat. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (284)

Mai 7th, 2020  |  Published in Facts & Figures, Literatur & Bücher

Der franz. Pionier der Ro­ma-Li­te­ra­tur Ma­téo Ma­xi­moff (1917–1999) war seit den 1960er Jah­ren Pas­tor einer evan­ge­lik. Pfingst­kirche.

(Quelle)

Gedenkstätten: 107 Schändungen seit 2013

Mai 6th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Befreiungsfeier in Mauthausen 2019 (Foto: MKÖ)Gedenkstättenschändungen: Mauthausen-Komitee kri­ti­siert Tot­schwei­gen. Mernyi for­dert Trans­pa­renz und Ak­tions­plan

Gestern vor 75 Jahren wurde das KZ Mauthausen befreit. Für die Häft­linge war dieser Ort die Hölle. Noch immer kämpfen die Über­lebenden für ein „Niemals wieder“. Umso schockier­ter ist das Mauthau­sen-Ko­mitee Österreich (MKÖ) über die hohe Zahl an Schändungen von Ge­denk­stätten für NS-Opfer. Wie National­rats­abgeord­ne­te Sabine Schatz durch eine Parlamenta­ri­sche Anfrage an das Innen­ministe­rium heraus­gefunden hat, sind 107 Fälle allein seit 2013 akten­kundig [Anm. d. dROMa-Red.: Stichtag 3. Febru­ar 2020; spä­tere Vor­fälle wie dieser sind nicht in­klu­diert]! 22 dieser Fälle waren Schän­dun­gen der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. (→An­frage­beant­wor­tung / PDF, 958 KB)

Die Öffentlichkeit hat nur von ganz wenigen dieser Straftaten er­fah­ren, zu­letzt im Jän­ner von der Beschmierung des nie­der­ländi­schen Denkmals in Maut­hau­sen mit fünf Ha­ken­kreuzen.

„Es ist völlig unverständlich, dass das Innenministerium, die Sicherheits­behörden und die ver­ant­wort­li­chen Politiker die aller­meis­ten Gedenk­stätten­schändungen bis­her tot­geschwiegen haben“, kriti­siert MKÖ-Vor­sitzender Willi Mernyi. „Wenn gerade an einem Ort, Read the rest of this entry »

Zentralrat: Gewalt besser dokumentieren

Mai 5th, 2020  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Deutschland: Romafeindliche Straftaten werden in der Kriminalitätsstatistik seit kurzem eigens erfasstIm vergangenen Jahr wurden in Deutschland 78 anti­ziga­nis­tisch mo­ti­vier­te Straf­taten re­gist­riert. Zentral­rat: Anti­­zi­­ga­­nis­­ti­sche Straf­taten müs­­sen bes­ser do­ku­men­tiert und ver­folgt wer­den

Die Hemmschwelle, Sinti und Roma in Deutschland an­zu­greifen, zu verletzen oder gar zu töten ist weiter­hin sehr niedrig, wie die aktuellen Zahlen der Bundes­regierung zu anti­ziganisti­schen Straftaten 2019 be­legen. Seit drei Jahren wird Antiziganismus als ei­gen­stän­di­ge Kategorie in der Statistik Politisch motivierte Kriminalität (PMK)“ er­fasst (Fall­zahlen: 2017: 53; 2018: 68; 2019: 78) und die Fallzahlen zei­gen eine stete Zunahme. Im letz­ten Jahr wurden auch zahl­reiche Fälle von Köperverletzungen und zwei versuchte Tötungen do­ku­men­tiert.

Angesichts der geringen Anzahl dokumentierter Fälle anti­ziganis­tisch mo­tivier­ter Kriminalität ist von einer hohen Dunkelziffer aus­zu­gehen. Nur ein Bruchteil der Straftaten wird von Be­trof­fe­nen zur Anzeige gebracht oder von Straf­verfolgungs­behörden als anti­ziganistisch moti­viert an­ge­sehen. Betrof­fene haben oft kein Vertrauen in die Polizei, befürch­ten Nachteile für sich selbst oder An­ge­hö­rige und stellen nur selten eine Anzeige. Zu­dem ver­hindert oft fehlendes Wissen über die Wir­kungs­mechanis­men von Anti­ziganismus, dass Polizei­behörden Ermittlung bei an­ti­ziganis­tisch moti­vier­ten Straftaten auf­nehmen.

Rechte Gewalt gegen Sinti und Roma

Im Jahr 2019 haben Polizeibehörden mindestens zwei Fälle, bei de­nen eine Tötungs­absicht vor­lag, als anti­ziganis­tisch moti­viert re­gistriert. In beiden Fällen wurden die Opfer im Zuge des Angriffes rassistisch beleidigt und he­rab­gewür­digt. In einem Fall wurde im letz­ten Jahr eine lang­jähri­ge Freiheitsstrafe ver­hängt und die anti­ziganis­tische Motivation der Tat vom Gericht ge­würdigt. Aber nicht im­mer sind Angriffe auf Sinti und Roma von laut ge­äußer­ten antiziganis­ti­schen Beleidigungen be­glei­tet und werden dann oft nicht als Hasskriminalität an­erkannt. 2018 schoss etwa ein Mann in Berlin-Fried­richs­hain auf das sieben­jährige Nachbarskind einer Roma-Familie. Amaro Foro do­ku­men­tier­te denn Fall in seinem Projekt DOSTA als anti­ziganisti­schen Vorfall. In der offi­ziel­len PMK-Statistik tauch­te dieser Angriff al­ler­dings nicht auf.

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NS-Opfer: Arolsen Archives öffnen Bestände

Mai 4th, 2020  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek, Wissenschaft

Archiv Bad Arolsen26 Millionen Dokumente über NS-Verfolgte on­line

Ein weltweit einmaliges „Denkmal aus Papier“ ist nun im Internet ver­fügbar: Die histori­schen Bestände der Arolsen Archives ste­hen fast voll­stän­dig online. Nun können Interes­sierte auf der gan­zen Welt über das Online-Archiv auf 26 Mil­lio­nen Dokumente mit In­for­matio­nen zu 21 Mil­lio­nen Namen* von NS-Ver­folgten zu­greifen. Die Arolsen Archives ha­ben ihre Sammlung im Internet zu­letzt mit Doku­menten über Zwangsarbeiter und über Deportationen in die Kon­zentra­tions­lager er­wei­tert. Mit die­sem Schritt ist nun ein Groß­teil der Doku­mente aus dem weltweit um­fas­sendsten Archiv über NS-Verfolgung on­line ver­öffentlicht.

Innerhalb von weniger als einem Jahr haben die Arolsen Archives mit ihrem Partner, der In­ter­natio­na­len Holocaust-Ge­denkstätte Yad Vashem, Israel, eine der größ­ten Samm­lungen über die Opfer der National­sozialis­ten fast voll­ständig online g­estellt. Im Mai 2019 war das neue Online-Archiv mit 13 Mil­lionen Doku­menten an den Start ge­gangen. Yad Vashem stellte dafür seine hoch­moderne Technologie zum schnel­len Daten­abruf mit er­weiter­ter Ort- und Namensuche bereit, damit die Holocaust-Do­ku­menta­tion leichter zugäng­lich ist. Nun ist ein Meilen­stein er­reicht: Die zum UNESCO-Welt­dokumenten­erbe zäh­lende Sammlung zu den ver­schie­de­nen Opfergruppen des NS-Re­gimes, zur Zwangs­arbeit sowie zur Migration nach 1945 ist öffent­lich. Zu­letzt gingen zwei rie­sige Bestände online. Sie doku­mentie­ren die Verbrechen der Nazis mit einzig­arti­gen Beweisstücken und sind von un­schätz­barem Wert für die An­gehö­rigen der Verfolgten: Read the rest of this entry »

Rassistischer SAT1-Beitrag bleibt ohne Folgen

Mai 2nd, 2020  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Selten fand der Zentralrat so drastische Worte. Und in der Tat duchziehen Bilder wie dieses (etwa bei 04.00) die Sendung. Roma werden mit Unrat, Ungeziefer und Verbrechen verknüpft, Ratten fungieren Leitmotiv die Reportage. (Bild: Screenshot aus der Sendung/Sat1)Deutschland: Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) stellt Be­schwerde­ver­fahren ge­gen SAT.1 ein

Die Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) der Medien­anstalten ver­sagt bei der Prüfung der Zentral­rats-Be­schwer­de. Der Zentralrat Deut­scher Sinti und Roma hatte Programm­beschwerde ein­gelegt ge­gen die SPIEGEL-TV-Pro­duk­ti­on „Roma: Ein Volk zwischen Armut und Angeberei“, die in der Reihe „Akte 20.19“ am 7. Au­gust 2019 von SAT1 aus­gestrahlt wor­den war. Eine Viel­zahl von Sinti und Roma hatten sich telefo­nisch an den Zentral­rat ge­wandt und ihre Be­stür­zung über diese mas­siv diffamierende Sendung ge­äußert. Die Einstellung des Be­schwer­de­ver­fahrens ge­gen SAT1 durch die LMK Rhein­land-Pfalz kommt über­ra­schend und ist in der Sache voll­kommen un­ver­ständ­lich.

Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma: „Die Prüf­gremien der Medien­anstalten le­giti­mieren mit dieser Ent­scheidung eine stig­matisie­rende und rassistische Do­kumen­tation. Diese hat wieder­holt Ratten ge­zeigt oder im Kom­mentar ein­gespro­chen und so einen systema­tischen Zusammen­hang zwi­schen Ratten und der Minderheit her­stellt, der die Minderheit wieder als eine Gefahr für Hygiene und Ge­sundheit in der Gesell­schaft er­scheinen lässt. Die Stigmati­sierung von Sinti und Roma in Sendun­gen wie dieser schafft die Atmos­phäre für einen zu­nehmend gewalt­bereiten Antiziganismus, der wiederum zu An­schlägen wie denen in München 2016 oder in Hanau im Febru­ar 2020 führt.“

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte die Kritik an dem Film­beitrag voll­um­fänglich ge­teilt und erklärt „gerade das ent­setzliche die ‚Dokumentation‘ be­stim­mende Bild von Ratten … er­innert auf ver­heerende Weise an Zeiten, in denen die visuelle Ver­bindung zwischen Mensch und Ratten Teil staat­lich organi­sier­ter Hetze war“.

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