Mai 31st, 2020 |
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Einrichtungen, Veranstaltungen & Ausstellungen
Internationales Roma-Kulturfestival Khamoro in Prag wird auf den Herbst verlegt. Eine Ausstellung eröffnet allerdings bereits jetzt.
Das Festival Khamoro, das eigentlich an diesem Sonntag beginnen sollte, ist wegen der Corona-Krise vorläufig auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Die Veranstalter des Programms der Roma-Kultur wären indes froh, wenn sie es im Herbst ausrichten könnten. Gegenwärtig werden sie unter anderem davon abgehalten, weil viele Teilnehmer aus dem Ausland wegen der vielerorts geschlossenen Grenzen nicht einreisen können. Dennoch wird das Festival am Montag zumindest eröffnet, und zwar mit einer Ausstellung in der Prager Galerie ArtivistLab.
Das Festival werde in diesem Jahr aber nicht wie gewohnt innerhalb einer Woche stattfinden, sondern es wird aufgeteilt in mehrere Aktionen von Juni bis Dezember 2020, schreiben die Veranstalter auf ihrer Webseite. Read the rest of this entry »
Mai 29th, 2020 |
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Facts & Figures
Das einzige österr. Zwangsarbeits- und Anhaltelager für Bettler und Landstreicher bestand 1935 bis 1938 in Schlögen (Oberösterreich).
(Quelle)
Mai 27th, 2020 |
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Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Zentralrat begrüßt Urteil von Ungarns Oberstem Gericht zur schulischen Segregation von Roma-Kindern
Ungarns Oberstes Gericht hat nun (Anm.: am 12. Mai 2020, wir berichteten) ein Urteil des Debrecener Berufungsgerichts bestätigt, welches den ungarischen Staat bereits im September 2019 zu Schadenersatzzahlungen für die rechtswidrige segregierte Beschulung von ca. 60 Roma-Kindern im ostungarischen Ort Gyöngyöspata verurteilt hatte. Die staatlichen Stellen hatten die Auszahlung des Geldes verweigert und Berufung eingelegt. Ungarns Oberstes Gericht hat nun die finanzielle Entschädigungen der betroffenen Familien in Höhe von 99 Millionen Forint (280.000 Euro) angeordnet.
„Das Urteil des Obersten Gerichtshofs ist ein wichtiges Signal zur Durchsetzung einer gleichberechtigten Bildungsteilhabe für Roma in Ungarn“, so der Zentralratsvorsitzende Romani Rose. „Das Urteil zeigt unmissverständlich, dass die gesonderte Beschulung von Kindern auf ethnischer Grundlage nicht nur falsch ist, sondern den Staat auch teuer zu stehen kommt. Das Urteil zeigt auch, dass es in Ungarn noch immer Gerichte gibt, die den rechtsstaatlichen Prinzipien verpflichtet sind. Dieser Entscheid ist auch ein Signal an die ungarische Gesellschaft und die ungarische Regierung, dem zunehmenden Antiziganismus in Staat und Gesellschaft deutlich entgegenzutreten“, so Rose weiter. „Den betroffenen Kindern können die verlorenen Jahre nicht mehr zurückgegeben werden. Für sie ist ein bleibender Schaden im Hinblick auf ihre Zukunftschancen entstanden. Es muss jetzt von den verantwortlichen Behörden erwartet werden, dass sie ihrer gesetzlichen Verpflichtung, den gleichberechtigten Zugang zu Bildung für alle Kinder zu gewährleisten, auch tatsächlich nachkommen“, so der Zentralratsvorsitzende.
Trotz ihres gesetzlichen Verbots im Jahre 2003 ist die schulische Segregation von Roma-Kindern, die diese systematisch vom Zugang zu qualifizierter Bildung ausschließt, nach wie vor weit verbreitet. Read the rest of this entry »
Mai 26th, 2020 |
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Ehrungen & Nachrufe
Der französische Holocaust-Überlebende und Bürgerrechtsaktivist Raymond Gurême verstarb am Sonntag, 24. Mai 2020, im Alter von 94 Jahren.
Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, würdigte Raymond Gurême mit sehr persönlichen Worten: „Raymond Gurême schloss sich damals dem französischen Widerstand gegen das NS-Terrorregime an. Bis zuletzt kämpfte er für die Anerkennung des Holocaust an Sinti und Roma, wie auch für die Würde und gleichen Rechte für Sinti und Roma in Europa. Mit seinem Engagement gegen Antiziganismus und Rassismus insbesondere für und mit jungen Menschen erwarb er sich bei allen, die ihm begegnen durften, großen Respekt und Anerkennung. Sinti und Roma in ganz Europa haben durch den Tod von Raymond Gurême eine ganz besondere Persönlichkeit verloren.“
Raymond Gurême begleitete mehrfach junge Sinti und Roma im Rahmen der Jugendinitiative „Dikh he na Bister“, die vom Jugendnetzwerk ternYpe und dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma organisiert wird, zum Europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma nach Krakau und Auschwitz. In seiner Rede auf der Gedenkveranstaltung am 2. August 2016 in Auschwitz-Birkenau rief er wie so oft besonders junge Menschen zum Engagement gegen Antiziganismus und Rassismus auf:
Ihr [die Jungen] müsst kämpfen. Kämpfen gegen die Diskriminierung, gegen den Rassismus, gegen die Gewalt, der Roma und Sinti in ganz Europa zum Opfer fallen.
Wir, die Alten, haben das Feuer entfacht. Nun ist es die Aufgabe der jungen Leute, es am Brennen zu halten und die Flammen weiter in die Höhe zu treiben, so dass wir immer stärker werden. Erhebt Euch, Ihr Jungen! Und bleibt stehen, lässt Euch niemals in die Knie zwingen!
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Mai 24th, 2020 |
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Rassismus & Menschenrechte
Ein Camp rumänischer Roma im französischen Argenteuil (Île-de-France) wurde in diesem Monat bereits mehrmals attackiert. Nun sind rund 70 der unter einer Autobahn errichteten Hütten bei einem Brandanschlag in der Nacht zum 19. Mai abgebrannt. Verletzt wurde niemand.
Die Bewohner/innen wurden im Schlaf von Molotow-Cocktails überrascht, die das Camp in Brand steckten und die Hütten weitgehend abbrannten. Florin, einer der Bewohner sagt: „Ich habe draußen auf einer Matratze gelegen. Ich habe nicht geschlafen, um Wache zu halten.“ Er hat gesehen, wie vier Benzinflaschen von der Autobahnbrücke geflogen kamen. Daraufhin hat er den anderen gesagt, sie sollen rauskommen, und die Feuerwehr gerufen. Das Feuer breitete sich schnell aus. Ein anderer Bewohner, Imed, sagt, sie hätten nicht einmal Zeit gehabt, Wasser aus der Seine zu holen, um zu versuchen, den Brand zu löschen. Ein Molotow-Cocktail traf den Generator, und es gab eine Explosion. Etwa 70 Hütten sind abgebrannt. Es stehen nur noch sieben oder acht. Der Feuerwehreinsatz hat fünf Stunden gedauert. Neun anwesende Personen wurden in einer Sporthalle untergebracht.
Es ist bereits der vierte Vorfall. Zu den ersten Ereignissen kam es am 1. und 2. Mai. In der Nacht vom 4. auf den 5. gab es einen weiteren Anschlag. Die Bewohner/innen konnten das Feuer jedoch selbst löschen. Seit es angefangen hat, hält immer jemand Wache. Die Kinder haben sie laut Florin bereits in Sicherheit gebracht habe. Read the rest of this entry »
Mai 23rd, 2020 |
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Rassismus & Menschenrechte
Deutschland: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma fordert lückenlose Aufklärung von Polizeigewalt gegen Roma-Familie in Freiburg
Am Dienstag, dem 28. April 2020, wurden in der Nähe von Freiburg bei einem Einsatz von Polizei- und Ordnungsamt Angehörige einer Roma-Familie zum Teil schwer verletzt. Ein 48-jähriger Familienvater erlitt schwere Verletzungen durch Bisse eines Polizeihundes, zwei Frauen und ein weiterer Mann wurden durch Schläge verletzt. Der Polizeieinsatz erfolgte anlässlich einer Bagatelle, bei der es um eine Parkplatzfrage vor der Haustür der Geschädigten gegangen sein soll. Die beteiligten Beamten sollen von Beginn an aggressiv aufgetreten und die Situation vorsätzlich eskaliert haben, im weiteren Verlauf soll ein Polizeihund auf den Mann gehetzt und seine Familienangehörigen mit Faustschlägen traktiert worden seien. Die Verletzungen wurden in einem Krankenhaus behandelt und dokumentiert.
Die Geschädigten suchten später eine Polizeidienststelle auf, um Strafanzeige zu erstatten. Nachdem sie den Sachverhalt geschildert hatten, sollen sie jedoch von dem oder den Polizeibeamten abgewiesen worden sein.
Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, kritisiert deutlich das vollkommen unverhältnismäßige Vorgehen der Polizeibeamten und erklärt: „Dieser Vorfall muss lückenlos aufgeklärt werden, damit das Vertrauen unserer Minderheit in die Polizei nicht beschädigt wird. Sollten die Vorwürfe zutreffen, hätten wir es mit Fällen von gefährlicher oder schwerer Körperverletzung und Nötigung zu tun. Sollte die Annahme der Strafanzeige dieses Vorfalls durch die Freiburger Polizei tatsächlich verweigert worden sein, besteht zudem der Verdacht der versuchten Strafvereitelung im Amt durch weitere Polizeibeamte.“ Read the rest of this entry »
Mai 20th, 2020 |
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Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Offener Brief zu Prozess über Brandanschlag auf Roma in Deutschland
Am 11. Mai 2020 startete in Deutschland der Prozess gegen fünf Angeklagte wegen versuchten Mordes. Am späten Abend 24. Mai des Vorjahres war in Erbach-Dellmensingen in Baden-Württemberg ein Brandanschlag auf eine französische Roma-Familie verübt worden. Die Täter hatten aus einem Wagen eine brennende Fackel auf die Roma geschleudert, diese landete jedoch knapp vor dem Wohnwagen auf der Wiese (wir berichteten hier und hier). Der Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg, der den Prozess beobachtet, richtet nun einen Offenen Brief an den Bürgermeister der Stadt Erbach. Der Landesverband fragt sich, „ob der gesellschaftliche Druck und die antiziganistischen Ressentiments der Dorfgemeinschaft die Angeklagten zur Tat motiviert haben“. Wir geben das Schreiben im Folgenden wieder:
Offener Brief an den Bürgermeister der Stadt Erbach bezüglich des antiziganistischen Brandanschlags, der seit 11.5.2020 am Landgericht Ulm verhandelt wird:
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Gaus,
ich habe Ihre Pressekonferenz und den Artikel der SWP vom 19.5.20 zur Kenntnis genommen. Gerne würde ich das tolerante und weltoffene Erbach-Dellmensingen, in dem rechtes Gedankengut (k)einen Platz hat, besuchen und das Gespräch mit Ihnen suchen.
Die Angeklagten sagten am 19.5.2020 aus, dass sie zum Tatzeitpunkt geschätzt hätten, dass sich auf der Wiese 30 bis 40 Personen aufhielten. Zunächst mit Böllern, Schildern mit der Aufschrift „55 [8155 Erbach] bleibt deutsch“ und einem toten Schwan wollten sie die Familien vertreiben. Als ihnen das nicht gelang, warfen sie eine brennende Fackel auf einen Wohnwagen, in dem eine Mutter mit ihrem neun Monate alten Baby schlief. Die Angeklagten gaben beim Prozessauftakt an, dass sie „offen rechts“ seien, was in ihrem Dorf „normal“ sei. Am 19.5.2020 wurde im Prozess die Auswertung der Handys der Angeklagten thematisiert. In einem Chat bezichtigten mehrere Personen die Roma-Familien, die nach dem Anschlag bereits vertrieben waren, in ein Sportheim eingebrochen zu sein. Daraufhin schrieb der Angeklagte Robin D., man sollte ihnen „am besten hinterherfahren und sie ausrotten, die Pest“.
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Mai 16th, 2020 |
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Facts & Figures
Heute vor 100 Jahren starb der legendäre Stierkämpfer José „Joselito el Gallo“ Gómez Ortega, wie viele Toreros war er Gitano (span. Rom).
(Quelle)
Mai 15th, 2020 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Sport
Deutschland: Stolperstein von Johann „Rukeli“ Trollmann mit SS-Runen beschmiert
Im Hamburger Schanzenviertel wurde am Dienstag, den 12. Mai, ein Stolperstein, der an die Verfolgung und Ermordung des Sinto Johann „Rukeli“ Trollmann erinnert, von unbekannten Tätern mit SS-Runen beschmiert. Anwohner, die die Beschädigung entdeckten, haben die NS-Symbole umgehend entfernt und den Gedenkstein gereinigt. Der Landesverein der Sinti in Hamburg e.V. erstattet Anzeige bei der Hamburger Polizei.
Der Gedenkstein vor dem Flora-Theater erinnert an den berühmten Sinto-Boxer Johann „Rukeli“ Trollmann, der 1933 dort seinen letzten Sieg als Profiboxer erkämpfte. 1942 wurde Trollmann in Hannover verhaftet und ins Konzentrationslager Neuengamme verschleppt. Nachdem er von einem SS-Aufseher als der Boxer Trollmann erkannt worden war, musste er abendlich gegen Männer der SS kämpfen. Im Sommer 1944 wurde Trollmann im Außenlager Wittenberge von einem Kapo erschlagen.
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Mai 14th, 2020 |
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Facts & Figures
36,7% der Deutschen geben an, ganz/eher ablehnend gegenüber Roma (Juden: 7%) eingestellt zu sein; 11,1% sehen Roma positiv.
(Quelle/pdf)
Mai 13th, 2020 |
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Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Schuliche Segregtion: Ungarisches Höchstgericht spricht diskriminierten Roma-Kindern Entschädigung zu
Das ungarische Oberste Gericht hat den Familien von 60 Roma-Kindern eine finanzielle Entschädigung zugesprochen. Die Kinder waren in der Schule (Anm.: in der Gemeinde Gyöngyöspata) jahrelang getrennt von den anderen unterrichtet worden und durften nicht am Schwimmunterricht und an Ausflügen teilnehmen. Getrennter Unterricht aufgrund von Herkunft ist in Ungarn illegal. Das Gericht bestätigte damit das Urteil der Vorinstanz, das Ministerpräsident Orbán als „ungerecht“ bezeichnet hatte. Die Klage gegen die Grundschule und die kommunalen Behörden hatte eine Kinderrechtsorganisation (Anm.: Chance for Children Foundation) im Namen der betroffenen Familien geführt. Ihnen steht nun eine Entschädigung von umgerechnet knapp 300.000 Euro zu.
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Mai 12th, 2020 |
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Facts & Figures
31% der Österreicher geben an, ganz/eher ablehnend gegenüber Roma (Juden: 10%) eingestellt zu sein; 11,3% sehen Roma positiv.
(Quelle/pdf)
Mai 10th, 2020 |
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Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Wissenschaft
Wiener Studie zeigt: Schülerinnen und Schüler der 9. Schulstufe haben eklatante Wissenslücken zu NS-Zeit und Holocaust. Bildungsministerium stellt Verbesserungen in Lehrkräfteausbildung und -fortbildung in Aussicht.
Eine repräsentative Befragung von Schülerinnen und Schülern, die das Zentrum für Politische Bildung im Auftrag der Arbeiterkammer an Wiener Schulen durchgeführt hat, förderte eklatante Wissenslücken zur Zeit der NS-Herrschaft zutage. Das berichtet das Magazin Profil, dem die noch nicht publizierten Studienergebnisse bereits im Detail vorliegen, in seiner aktuellen Ausgabe. Befragt wurden 1.185 Schülerinnen und Schülern der 9. Schulstufe an AHS, Berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) und Polytechnischen Schulen (PTS). 81 Prozent von ihnen konnten mit dem Begriff „Antisemitismus“ nichts anfangen, und nur ein Drittel weiß, wie die Nazi-Partei hieß (wobei auch das Parteikürzel NSDAP als korrekt gewertet wurde). Auch in Gymnasien lag der Anteil der richtigen Antworten hier nur bei 48 Prozent (BHS: 37 Prozent, an den BMS: 20 und an den PTS: 12 Prozent).
Noch größere Wissenslücken zeigten die Jugendlichen bezüglich des Novemberpogroms 1938. Profil schreibt: „Von den AHS-Schülern konnten laut Studie nur 20,3 Prozent eine ausreichende Definition des Pogroms anführen; in 33 Prozent der Fälle war die Definition unzureichend, knapp die Hälfte hatte gar keine Antwort parat. Read the rest of this entry »
Mai 7th, 2020 |
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Facts & Figures, Literatur & Bücher
Der franz. Pionier der Roma-Literatur Matéo Maximoff (1917–1999) war seit den 1960er Jahren Pastor einer evangelik. Pfingstkirche.
(Quelle)
Mai 6th, 2020 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte
Gedenkstättenschändungen: Mauthausen-Komitee kritisiert Totschweigen. Mernyi fordert Transparenz und Aktionsplan
Gestern vor 75 Jahren wurde das KZ Mauthausen befreit. Für die Häftlinge war dieser Ort die Hölle. Noch immer kämpfen die Überlebenden für ein „Niemals wieder“. Umso schockierter ist das Mauthausen-Komitee Österreich (MKÖ) über die hohe Zahl an Schändungen von Gedenkstätten für NS-Opfer. Wie Nationalratsabgeordnete Sabine Schatz durch eine Parlamentarische Anfrage an das Innenministerium herausgefunden hat, sind 107 Fälle allein seit 2013 aktenkundig [Anm. d. dROMa-Red.: Stichtag 3. Februar 2020; spätere Vorfälle wie dieser sind nicht inkludiert]! 22 dieser Fälle waren Schändungen der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. (→Anfragebeantwortung / PDF, 958 KB)
Die Öffentlichkeit hat nur von ganz wenigen dieser Straftaten erfahren, zuletzt im Jänner von der Beschmierung des niederländischen Denkmals in Mauthausen mit fünf Hakenkreuzen.
„Es ist völlig unverständlich, dass das Innenministerium, die Sicherheitsbehörden und die verantwortlichen Politiker die allermeisten Gedenkstättenschändungen bisher totgeschwiegen haben“, kritisiert MKÖ-Vorsitzender Willi Mernyi. „Wenn gerade an einem Ort, Read the rest of this entry »
Mai 5th, 2020 |
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Rassismus & Menschenrechte
Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 78 antiziganistisch motivierte Straftaten registriert. Zentralrat: Antiziganistische Straftaten müssen besser dokumentiert und verfolgt werden
Die Hemmschwelle, Sinti und Roma in Deutschland anzugreifen, zu verletzen oder gar zu töten ist weiterhin sehr niedrig, wie die aktuellen Zahlen der Bundesregierung zu antiziganistischen Straftaten 2019 belegen. Seit drei Jahren wird Antiziganismus als eigenständige Kategorie in der Statistik „Politisch motivierte Kriminalität (PMK)“ erfasst (Fallzahlen: 2017: 53; 2018: 68; 2019: 78) und die Fallzahlen zeigen eine stete Zunahme. Im letzten Jahr wurden auch zahlreiche Fälle von Köperverletzungen und zwei versuchte Tötungen dokumentiert.
Angesichts der geringen Anzahl dokumentierter Fälle antiziganistisch motivierter Kriminalität ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. Nur ein Bruchteil der Straftaten wird von Betroffenen zur Anzeige gebracht oder von Strafverfolgungsbehörden als antiziganistisch motiviert angesehen. Betroffene haben oft kein Vertrauen in die Polizei, befürchten Nachteile für sich selbst oder Angehörige und stellen nur selten eine Anzeige. Zudem verhindert oft fehlendes Wissen über die Wirkungsmechanismen von Antiziganismus, dass Polizeibehörden Ermittlung bei antiziganistisch motivierten Straftaten aufnehmen.
Rechte Gewalt gegen Sinti und Roma
Im Jahr 2019 haben Polizeibehörden mindestens zwei Fälle, bei denen eine Tötungsabsicht vorlag, als antiziganistisch motiviert registriert. In beiden Fällen wurden die Opfer im Zuge des Angriffes rassistisch beleidigt und herabgewürdigt. In einem Fall wurde im letzten Jahr eine langjährige Freiheitsstrafe verhängt und die antiziganistische Motivation der Tat vom Gericht gewürdigt. Aber nicht immer sind Angriffe auf Sinti und Roma von laut geäußerten antiziganistischen Beleidigungen begleitet und werden dann oft nicht als Hasskriminalität anerkannt. 2018 schoss etwa ein Mann in Berlin-Friedrichshain auf das siebenjährige Nachbarskind einer Roma-Familie. Amaro Foro dokumentierte denn Fall in seinem Projekt DOSTA als antiziganistischen Vorfall. In der offiziellen PMK-Statistik tauchte dieser Angriff allerdings nicht auf.
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Mai 4th, 2020 |
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Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek, Wissenschaft
26 Millionen Dokumente über NS-Verfolgte online
Ein weltweit einmaliges „Denkmal aus Papier“ ist nun im Internet verfügbar: Die historischen Bestände der Arolsen Archives stehen fast vollständig online. Nun können Interessierte auf der ganzen Welt über das Online-Archiv auf 26 Millionen Dokumente mit Informationen zu 21 Millionen Namen* von NS-Verfolgten zugreifen. Die Arolsen Archives haben ihre Sammlung im Internet zuletzt mit Dokumenten über Zwangsarbeiter und über Deportationen in die Konzentrationslager erweitert. Mit diesem Schritt ist nun ein Großteil der Dokumente aus dem weltweit umfassendsten Archiv über NS-Verfolgung online veröffentlicht.
Innerhalb von weniger als einem Jahr haben die Arolsen Archives mit ihrem Partner, der Internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, Israel, eine der größten Sammlungen über die Opfer der Nationalsozialisten fast vollständig online gestellt. Im Mai 2019 war das neue Online-Archiv mit 13 Millionen Dokumenten an den Start gegangen. Yad Vashem stellte dafür seine hochmoderne Technologie zum schnellen Datenabruf mit erweiterter Ort- und Namensuche bereit, damit die Holocaust-Dokumentation leichter zugänglich ist. Nun ist ein Meilenstein erreicht: Die zum UNESCO-Weltdokumentenerbe zählende Sammlung zu den verschiedenen Opfergruppen des NS-Regimes, zur Zwangsarbeit sowie zur Migration nach 1945 ist öffentlich. Zuletzt gingen zwei riesige Bestände online. Sie dokumentieren die Verbrechen der Nazis mit einzigartigen Beweisstücken und sind von unschätzbarem Wert für die Angehörigen der Verfolgten: Read the rest of this entry »
Mai 2nd, 2020 |
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Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Deutschland: Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) stellt Beschwerdeverfahren gegen SAT.1 ein
Die Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) der Medienanstalten versagt bei der Prüfung der Zentralrats-Beschwerde. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hatte Programmbeschwerde eingelegt gegen die SPIEGEL-TV-Produktion „Roma: Ein Volk zwischen Armut und Angeberei“, die in der Reihe „Akte 20.19“ am 7. August 2019 von SAT1 ausgestrahlt worden war. Eine Vielzahl von Sinti und Roma hatten sich telefonisch an den Zentralrat gewandt und ihre Bestürzung über diese massiv diffamierende Sendung geäußert. Die Einstellung des Beschwerdeverfahrens gegen SAT1 durch die LMK Rheinland-Pfalz kommt überraschend und ist in der Sache vollkommen unverständlich.
Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma: „Die Prüfgremien der Medienanstalten legitimieren mit dieser Entscheidung eine stigmatisierende und rassistische Dokumentation. Diese hat wiederholt Ratten gezeigt oder im Kommentar eingesprochen und so einen systematischen Zusammenhang zwischen Ratten und der Minderheit herstellt, der die Minderheit wieder als eine Gefahr für Hygiene und Gesundheit in der Gesellschaft erscheinen lässt. Die Stigmatisierung von Sinti und Roma in Sendungen wie dieser schafft die Atmosphäre für einen zunehmend gewaltbereiten Antiziganismus, der wiederum zu Anschlägen wie denen in München 2016 oder in Hanau im Februar 2020 führt.“
Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte die Kritik an dem Filmbeitrag vollumfänglich geteilt und erklärt „gerade das entsetzliche die ‚Dokumentation‘ bestimmende Bild von Ratten … erinnert auf verheerende Weise an Zeiten, in denen die visuelle Verbindung zwischen Mensch und Ratten Teil staatlich organisierter Hetze war“.
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