Archive for Mai, 2020

Prag: Roma-Festival Khamoro verschoben

Mai 31st, 2020  |  Published in Einrichtungen, Veranstaltungen & Ausstellungen

Tschechien: Festival Khamoro muss sein Programm wegen Coronakrise verschiebenInternationales Roma-Kulturfestival Khamoro in Prag wird auf den Herbst ver­legt. Eine Aus­stel­lung er­öff­net al­ler­dings be­reits jetzt.

Das Festival Khamoro, das eigentlich an die­sem Sonn­tag be­gin­nen sollte, ist we­gen der Corona-Krise vor­läufig auf un­bestimm­te Zeit verschoben wor­den. Die Ver­anstalter des Programms der Roma-Kultur wären indes froh, wenn sie es im Herbst aus­richten könn­ten. Gegen­wärtig werden sie unter anderem davon ab­gehalten, weil viele Teil­nehmer aus dem Ausland wegen der vieler­orts ge­schlos­senen Grenzen nicht einreisen kön­nen. Den­noch wird das Festival am Mon­tag zu­mindest eröffnet, und zwar mit einer Aus­stel­lung in der Prager Galerie Artivist­Lab.

Das Festival werde in diesem Jahr aber nicht wie gewohnt in­ner­halb einer Woche statt­finden, sondern es wird auf­geteilt in meh­re­re Aktionen von Juni bis De­zem­ber 2020, schreiben die Ver­anstalter auf ihrer Webseite. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (288)

Mai 29th, 2020  |  Published in Facts & Figures

Das einzige österr. Zwangs­ar­­beits-­ und An­hal­te­lager für Bett­ler und Land­strei­cher be­stand 1935 bis 1938 in Schlö­gen (Ober­öster­reich).

(Quelle)

Segregation: Zentralrat zu Urteil in Ungarn

Mai 27th, 2020  |  Published in Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Romaschüler (Foto: Pester Lloyd)Zentralrat begrüßt Urteil von Un­garns Obers­tem Ge­richt zur schu­li­schen Segre­ga­tion von Ro­ma-Kin­dern

Ungarns Oberstes Gericht hat nun (Anm.: am 12. Mai 2020, wir berichte­ten) ein Urteil des Deb­recener Be­ru­fungs­gerichts be­stätigt, wel­ches den ungari­schen Staat bereits im Septem­ber 2019 zu Schaden­ersatz­zahlungen für die rechts­widrige segre­gier­te Beschulung von ca. 60 Roma-Kin­dern im ost­ungari­schen Ort Gyöngyöspata ver­urteilt hatte. Die staat­lichen Stellen hatten die Aus­zahlung des Geldes ver­weigert und Berufung ein­gelegt. Ungarns Oberstes Gericht hat nun die finan­ziel­le Entschädigungen der be­trof­fe­nen Familien in Höhe von 99 Mil­lio­nen Forint (280.000 Euro) an­geordnet.

„Das Urteil des Obersten Gerichtshofs ist ein wichti­ges Signal zur Durch­setzung einer gleich­berechtig­ten Bildungs­teil­habe für Roma in Ungarn“, so der Zentral­rats­vor­sit­zen­de Romani Rose. „Das Urteil zeigt un­miss­ver­ständ­lich, dass die geson­derte Beschulung von Kindern auf ethnischer Grund­lage nicht nur falsch ist, son­dern den Staat auch teuer zu ste­hen kommt. Das Urteil zeigt auch, dass es in Ungarn noch im­mer Gerichte gibt, die den rechts­staatli­chen Prinzipien ver­pflichtet sind. Dieser Ent­scheid ist auch ein Signal an die ungari­sche Gesell­schaft und die ungari­sche Regierung, dem zu­neh­menden Antiziganismus in Staat und Gesell­schaft deut­lich entgegenzutreten“, so Rose weiter. „Den betrof­fe­nen Kindern kön­nen die verlorenen Jahre nicht mehr zurück­gege­ben werden. Für sie ist ein bleiben­der Schaden im Hin­blick auf ihre Zukunfts­chancen entstanden. Es muss jetzt von den verantwortlichen Behörden erwartet werden, dass sie ihrer gesetz­lichen Ver­pflichtung, den gleichberechtigten Zugang zu Bildung für alle Kinder zu gewähr­leisten, auch tat­säch­lich nach­kommen“, so der Zentralrats­vor­sitzende.

Trotz ihres gesetzlichen Verbots im Jahre 2003 ist die schulische Segregation von Roma-Kindern, die diese sys­tematisch vom Zugang zu quali­fi­zierter Bildung aus­schließt, nach wie vor weit ver­breitet. Read the rest of this entry »

Raymond Gurême (1925-2020)

Mai 26th, 2020  |  Published in Ehrungen & Nachrufe

Der französische Holo­caust-Über­le­bende und Bür­ger­rechts­akti­vist Raymond Gurême ver­starb am Sonn­tag, 24. Mai 2020, im Al­ter von 94 Jah­ren.

Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, wür­dig­te Raymond Gurême mit sehr per­sönli­chen Worten: „Raymond Gurême schloss sich da­mals dem fran­zösi­schen Widerstand gegen das NS-Terror­regime an. Bis zuletzt kämpfte er für die An­erken­nung des Holo­caust an Sinti und Roma, wie auch für die Würde und glei­chen Rechte für Sinti und Roma in Europa. Mit seinem Engage­ment gegen Anti­ziganis­mus und Rassismus ins­besondere für und mit jungen Men­schen er­warb er sich bei allen, die ihm begeg­nen durften, großen Respekt und An­erken­nung. Sinti und Roma in ganz Europa haben durch den Tod von Ray­mond Gurême eine ganz beson­dere Per­sön­lich­keit ver­loren.“

Raymond Gurême begleitete mehrfach junge Sinti und Roma im Rahmen der Jugend­initia­tive „Dikh he na Bister“, die vom Jugend­netz­werk ternYpe und dem Do­ku­men­ta­tions- und Kultur­zentrum Deutscher Sinti und Roma or­ganisiert wird, zum Euro­päi­schen Holocaust-Ge­denk­tag für Sinti und Roma nach Krakau und Auschwitz. In seiner Rede auf der Gedenk­ver­anstal­tung am 2. August 2016 in Auschwitz-Bir­kenau rief er wie so oft be­sonders junge Men­schen zum Engage­ment gegen Anti­ziganismus und Ras­sis­mus auf:

Ihr [die Jungen] müsst kämpfen. Kämpfen gegen die Diskriminie­rung, gegen den Rassismus, ge­gen die Gewalt, der Roma und Sinti in ganz Euro­pa zum Opfer fallen.
Wir, die Alten, haben das Feuer entfacht. Nun ist es die Auf­gabe der jungen Leute, es am Brennen zu halten und die Flam­men weiter in die Höhe zu trei­ben, so dass wir immer stär­ker werden. Erhebt Euch, Ihr Jungen! Und bleibt ste­hen, lässt Euch nie­mals in die Knie zwin­gen!

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Brandanschlag auf Roma in Frankreich

Mai 24th, 2020  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Frankreich LPEin Camp rumänischer Roma im fran­zö­si­schen Argenteuil (Île-de-France) wur­de in diesem Mo­nat be­reits mehr­mals attackiert. Nun sind rund 70 der unter einer Auto­bahn er­rich­te­ten Hüt­ten bei einem Brand­an­schlag in der Nacht zum 19. Mai ab­ge­brannt. Ver­letzt wur­de nie­mand.

Die Bewohner/innen wurden im Schlaf von Molo­tow-Cock­tails über­rascht, die das Camp in Brand steck­ten und die Hütten weit­gehend ab­brannten. Florin, einer der Be­wohner sagt: „Ich habe draußen auf einer Matratze ge­legen. Ich habe nicht ge­schla­fen, um Wache zu halten.“ Er hat ge­sehen, wie vier Benzin­flaschen von der Autobahn­brücke ge­flogen ka­men. Darauf­hin hat er den an­deren gesagt, sie sol­len raus­kommen, und die Feuerwehr ge­rufen. Das Feuer breitete sich schnell aus. Ein ande­rer Bewoh­ner, Imed, sagt, sie hät­ten nicht ein­mal Zeit gehabt, Wasser aus der Seine zu holen, um zu ver­suchen, den Brand zu löschen. Ein Molotow-Cock­tail traf den Ge­nerator, und es gab eine Explosion. Etwa 70 Hütten sind ab­gebrannt. Es stehen nur noch sieben oder acht. Der Feuer­wehr­einsatz hat fünf Stun­den gedauert. Neun an­wesende Per­sonen wurden in einer Sport­halle unter­gebracht.

Es ist bereits der vierte Vorfall. Zu den ersten Ereignissen kam es am 1. und 2. Mai. In der Nacht vom 4. auf den 5. gab es einen weite­ren Anschlag. Die Be­woh­ner/in­nen konn­ten das Feuer jedoch selbst löschen. Seit es an­gefangen hat, hält immer je­mand Wache. Die Kinder haben sie laut Florin bereits in Sicher­heit ge­bracht habe. Read the rest of this entry »

Polizeigewalt gegen Roma in Freiburg

Mai 23rd, 2020  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Deutschland: Schwere Vorwürfe gegen Polizei in FreiburgDeutschland: Zentralrat Deutscher Sinti und Roma for­dert lücken­lose Auf­klä­rung von Po­li­zei­gewalt ge­gen Roma-Fa­mi­lie in Frei­burg

Am Dienstag, dem 28. April 2020, wurden in der Nähe von Freiburg bei einem Ein­satz von Polizei- und Ord­nungs­amt An­ge­hö­ri­ge einer Roma-Fa­milie zum Teil schwer verletzt. Ein 48-jäh­riger Familien­vater erlitt schwere Ver­letzun­gen durch Bisse eines Polizeihundes, zwei Frauen und ein weite­rer Mann wur­den durch Schläge verletzt. Der Polizei­einsatz er­folgte an­läss­lich einer Bagatelle, bei der es um eine Parkplatz­frage vor der Haus­tür der Ge­schädigten ge­gan­gen sein soll. Die be­teilig­ten Beamten sollen von Beginn an aggres­siv auf­ge­treten und die Situa­tion vor­sätz­lich eskaliert ha­ben, im weite­ren Verlauf soll ein Polizei­hund auf den Mann gehetzt und seine Fa­milien­ange­höri­gen mit Faustschlägen trak­tiert wor­den seien. Die Verletzungen wur­den in einem Krankenhaus be­han­delt und do­ku­men­tiert.

Die Geschädigten suchten später eine Polizeidienststelle auf, um Strafanzeige zu er­statten. Nach­dem sie den Sach­verhalt ge­schil­dert hatten, sollen sie je­doch von dem oder den Polizei­beam­ten abgewiesen wor­den sein.

Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, kriti­siert deut­lich das voll­kommen un­ver­hältnis­mäßige Vor­gehen der Polizei­beamten und erklärt: „Dieser Vorfall muss lücken­los aufgeklärt werden, damit das Vertrauen un­serer Minder­heit in die Polizei nicht be­schädigt wird. Soll­ten die Vorwürfe zu­treffen, hätten wir es mit Fällen von ge­fährlicher oder schwerer Körper­verletzung und Nötigung zu tun. Soll­te die An­nahme der Strafanzeige dieses Vor­falls durch die Frei­burger Polizei tat­sächlich verweigert worden sein, be­steht zudem der Ver­dacht der ver­such­ten Strafvereitelung im Amt durch wei­te­re Polizeibeamte.“ Read the rest of this entry »

„Unser ganzes Dorf ist ziemlich rechts“

Mai 20th, 2020  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

JustitiaOffener Brief zu Prozess über Brand­an­schlag auf Roma in Deutschland

Am 11. Mai 2020 startete in Deutschland der Prozess gegen fünf Angeklagte wegen versuchten Mordes. Am späten Abend 24. Mai des Vor­jahres war in Erbach-Dell­men­sin­gen in Ba­den-Württem­berg ein Brand­anschlag auf eine französi­sche Roma-Familie ver­übt worden. Die Täter hatten aus einem Wagen eine bren­nen­de Fackel auf die Roma ge­schleu­dert, diese landete jedoch knapp vor dem Wohnwagen auf der Wiese (wir berichteten hier und hier). Der Verband Deut­scher Sinti und Roma, Lan­des­ver­band Baden-Württemberg, der den Prozess be­ob­ach­tet, richtet nun einen Offe­nen Brief an den Bürger­meister der Stadt Erbach. Der Lan­des­verband fragt sich, „ob der gesell­schaft­liche Druck und die anti­ziganisti­schen Ressen­timents der Dorf­gemein­schaft die An­geklagten zur Tat moti­viert haben“. Wir ge­ben das Schreiben im Fol­genden wieder:

Offener Brief an den Bürgermeister der Stadt Erbach be­züg­lich des anti­ziganisti­schen Brand­anschlags, der seit 11.5.2020 am Land­gericht Ulm ver­han­delt wird:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Gaus,

ich habe Ihre Pressekonferenz und den Artikel der SWP vom 19.5.20 zur Kennt­nis ge­nommen. Gerne würde ich das toleran­te und welt­offene Erbach-Dellmensingen, in dem rechtes Ge­danken­gut (k)einen Platz hat, be­suchen und das Ge­spräch mit Ihnen suchen.

Die Angeklagten sagten am 19.5.2020 aus, dass sie zum Tat­zeitpunkt ge­schätzt hätten, dass sich auf der Wiese 30 bis 40 Per­sonen auf­hielten. Zu­nächst mit Böllern, Schildern mit der Auf­schrift „55 [8155 Erbach] bleibt deutsch“ und einem toten Schwan wollten sie die Familien ver­treiben. Als ihnen das nicht gelang, warfen sie eine bren­nende Fackel auf einen Wohn­wagen, in dem eine Mutter mit ihrem neun Monate alten Baby schlief. Die An­geklag­ten gaben beim Prozess­auftakt an, dass sie „offen rechts“ seien, was in ihrem Dorf „normal“ sei. Am 19.5.2020 wurde im Prozess die Aus­wertung der Handys der Angeklag­ten the­matisiert. In einem Chat be­zichtigten mehrere Per­sonen die Roma-Fa­milien, die nach dem Anschlag bereits ver­trieben waren, in ein Sport­heim ein­gebrochen zu sein. Daraufhin schrieb der An­geklagte Robin D., man sollte ihnen „am bes­ten hinter­her­fahren und sie ausrotten, die Pest“.

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Facts & Figures (287)

Mai 16th, 2020  |  Published in Facts & Figures

Heute vor 100 Jahren starb der le­gen­dä­re Stier­kämp­fer José „Joselito el Gallo“ Gó­mez Or­te­ga, wie vie­le To­re­ros war er Gi­ta­no (span. Rom).

(Quelle)

SS-Runen auf Trollmann-Gedenkstein

Mai 15th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Sport

Der beschmierte "Stolperstein" für Rukeli Trollmann in Hamburg am 12.5.2020 (Foto: Zentralrat)Deutschland: Stolperstein von Johann „Rukeli“ Troll­mann mit SS-Ru­nen be­schmiert

Im Hamburger Schanzenviertel wurde am Dienstag, den 12. Mai, ein Stolperstein, der an die Ver­folgung und Ermor­dung des Sinto Jo­hann „Rukeli“ Troll­mann er­innert, von un­bekann­ten Tätern mit SS-Runen be­schmiert. An­wohner, die die Be­schädigung ent­deckten, ha­ben die NS-Symbole um­gehend ent­fernt und den Gedenkstein ge­reinigt. Der Landes­verein der Sinti in Hamburg e.V. er­stat­tet Anzeige bei der Ham­bur­ger Polizei.

Der Gedenkstein vor dem Flora-Theater erinnert an den be­rühm­ten Sinto-Boxer Johann „Rukeli“ Trollmann, der 1933 dort sei­nen letz­ten Sieg als Profi­boxer er­kämpfte. 1942 wur­de Trollmann in Hannover ver­haftet und ins Kon­zentra­tions­lager Neuengamme ver­schleppt. Nach­dem er von einem SS-Auf­seher als der Boxer Troll­mann er­kannt wor­den war, muss­te er abend­lich ge­gen Männer der SS kämpfen. Im Sommer 1944 wur­de Trollmann im Außenlager Wittenberge von einem Kapo er­schlagen.

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Facts & Figures (286)

Mai 14th, 2020  |  Published in Facts & Figures

36,7% der Deutschen ge­ben an, ganz/eher ab­leh­nend ge­gen­über Roma (Ju­den: 7%) ein­ge­stellt zu sein; 11,1% se­hen Ro­ma po­si­tiv.

(Quelle/pdf)