Archive for April, 2020

Slowakei erneuert Roma-Pastoral

April 30th, 2020  |  Published in Einrichtungen, Religion

Wallfahrtsort: Basilika Mariä Heimsuchung (Navštívenia Panny Márie) in Levoča (Foto: Jozef Kotulič, Wikimedia, CC BY-SA 4.0)Slowakei: Katholische Kirche be­schließt neu­es Stra­te­gie­pa­pier zur Ro­ma-Pas­to­ral und plant Seel­sor­ge­zentren in al­len Di­ö­ze­sen

Die katholische Kirche in der Slowakei hat eine neue Strategie für die Roma-Seel­sorge im Land er­ar­bei­tet. Das berichtet die katho­li­sche Nach­rich­ten­agen­tur Kath­press. Die slowaki­schen Bischöfe ha­ben das Papier, das von Klerus und Laien ge­mein­sam er­stellt wurde, for­mell nun be­schlos­sen. Die Aus­arbeitung des Dokuments er­folgte in Ko­operation mit Renovabis, dem deut­schen Ost­euro­pa-Hilfswerk der katholi­schen Kirche, das zahl­reiche Projekte in Ost- und Ost­mittel­europa unter­stützt. Das Stra­tegie­papier plant für die einzel­nen Diözesen der Slowakei eige­ne Zentren für Seelsorge. Dafür sol­len Priester als „Tutoren“ bereit­ge­stellt werden, um die invol­vierten Personen zu unter­stützen. Hin­sicht­lich der Finanzierung sieht die neue Strategie eine stu­fen­weise Ver­selbstän­di­gung der Roma-Pastoral in den kom­men­den drei Jahren vor. Für die Aus­gestaltung des Strategie­papiers habe man ins­ge­samt fünfzig Ziele definiert und ge­wichtet, zitiert Kath­press Renáta Ocilková vom Roma­pasto­ral-Rat der Slowaki­schen Bischofs­konferenz. Hinter allem stehe das Be­mühen, dass alle erreich­baren Volks­gruppen­angehöri­gen „Jesus Christus kennen­lernen, ihr Leben und damit auch ihr Leben nach außen än­dern“.

Schulung von Priestern und Laien

Als Auf­gaben der Roma­seelsorge nann­te Ocil­ková laut Kath­press weiters den „Aufbau mensch­li­cher Ressourcen, die Erhö­hung der Sensibilität“ für die be­son­de­ren An­forderun­gen der Roma-Seelsorge so­wie die „Schulung von Priestern, Theologen, Laien und Führungs­perso­nen der Roma“. Die roma­pas­to­ra­le Schulung des Klerus sei „zu­nächst als lebens­lange informelle Bildung“ ge­dacht. Für die theologische Ausbildung wer­de die Schu­lung „auch in Form von speziel­len Kursen“ er­folgen.

Drei Viertel der Slowaken bekennen sich laut Zensus­daten von 2011 zu einer Religion. Die Roma-Volks­grup­pe ist in der Slowakei inner­halb der rö­misch-katho­lischen Kirche beson­ders stark ver­treten. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (283)

April 29th, 2020  |  Published in Facts & Figures, Musik

Als der Flamenco­star Ca­ma­rón de la Isla 1992 zu Gra­be ge­tra­gen wur­de, schmück­te ei­ne Fah­ne der Ro­ma-Be­we­gung sei­nen Sarg.

(Quelle)

Rumänien: Polizeichef misshandelt Roma

April 28th, 2020  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Polizeigewalt in Bolintin (Foto: RAN)Polizeigewalt gegen Roma im südrumänischen Bolintin

RAN, 25.4.2020: In sozialen Medien wurde kürzlich ein Video (→auf Face­book an­se­hen) ge­teilt, das zeigt, wie ein Polizist auf einen am Boden lie­gen­den ge­fessel­ten Mann ein­prügelt und eintritt. Da­neben lie­gen meh­rere wei­tere Ver­haf­tete und Polizisten ste­hen herum und unter­nehmen nichts ge­gen ihren gewalt­täti­gen Kol­legen. Die Polizeig­ewalt er­eignete sich am 18. April. Die Ge­werk­schaft der Polizei hat be­stätigt, dass es sich bei dem Täter um den Polizei­chef von Bolintin-Vale (Giurgiu, Süd­ru­mä­ni­en) han­delt.

Die Verhafteten sollen auf der Straße mit Musik und Alkohol ge­feiert und in Streit mit der Polizei ge­raten sein. Sie haben dafür eine Geld­strafe be­kom­men. Der gewalt­tätige Polizist wur­de an­schei­nend sus­pendiert und ein Ver­fahren ge­gen ihn ein­geleitet.

Menschenrechts-Organisationen der Roma haben den rumänischen Prä­siden­ten auf­gefordert, Innenminister Marcel Vela und seinen Ka­bi­netts­chef Traian Berbeceanu zu ent­lassen, die kürz­lich äu­ßerten, dass die Polizei „Gewalt mit Gewalt be­gegnen sollte“. Eine sol­che Äußerung würde die Polizei zu Gewalt gegen ihre eige­nen Bürger er­mutigen. Es war nicht der erste Fall von Polizei­gewalt gegen Roma in der letz­ten Zeit. Zudem wird die rumä­ni­sche Polizei be­schuldigt, den Aus­nahme­zustand im Zu­sam­men­hang mit der Corona-Pan­de­mie zu miss­brauchen, um un­an­gemes­sen hohe Geld­strafen für gering­fügige Verstöße ge­gen die Ausgangs­sperre zu kas­sieren.

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„Wir sind da, wir gehören dazu“

April 27th, 2020  |  Published in Film & Theater, Interview, Rassismus & Menschenrechte

Filmstill Hessen: Film zur Alltagsdiskriminierung

Der Landesverband der deutschen Sinti und Roma in Hessen hat einen Film zur All­tags­dis­kri­mi­nie­rung er­stel­len las­sen. Für den Film wur­den An­ge­hö­ri­ge der Minderheit im Alter zwi­schen 12 und 50 Jah­ren in Hessen zu ihren Er­fah­run­gen mit Ausgrenzung und Antiziganismus in­ter­viewt. Der Lan­des­ver­band wird den Film für seine Bil­dungs- und Auf­klä­rungs­arbeit u. a. an Schulen in der Zu­kunft nut­zen. Hier kann der Film be­trach­tet wer­den: →zum Video (17:43 min)

(Text und Video: sinti-roma-hessen.de)

Facts & Figures (282)

April 23rd, 2020  |  Published in Facts & Figures

Bis 2005 konnte in Un­garn laut Ge­setz je­der, auch Nicht-Ro­ma, an den Wah­len der Ro­ma-Volks­grup­pen­ver­tre­tung teil­neh­men.

(Quelle)

Corona: Stigmatisierung und humanitäre Krise

April 22nd, 2020  |  Published in Interview, Politik, Radio & TV, Rassismus & Menschenrechte

Herbert Heuss, Wissenschaftlicher Leiter des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma (Foto: minderheitensekretariat.de)Drohende humanitäre Krise durch Corona-Maß­nah­men – Ge­spräch zur Si­tu­a­ti­on von Roma in Süd­ost- und Mit­tel­eu­ro­pa mit Herbert Heuß

Radio Corax (Halle), Sendung vom 31.3.2020
13:22 min, 16 MB, Anhören (mp3)

Stigmatisierung von Sinti und Roma ist ein Problem das in ganz Europa prä­sent ist. In der ak­tu­el­len Coro­na-Pan­demie wird das wieder be­son­ders deutlich. Minder­heiten sind jetzt ein leich­tes Ziel für Schuld­zu­weisun­gen und Angriffe durch Rechte und andere Men­schen­feinde. Davon sind auch Sinti und Roma in Europa betroffen. So wur­den in Bulgarien in drei Städten gan­ze Stadtviertel ab­ge­rie­gelt. Be­gründet wird das mit der an­geb­lichen Miss­achtung von Aus­gangs­be­schrän­kungen. Gleich­zeitig bedrohen die Maß­nahmen gegen Corona die wirt­schaft­li­che Existenz vieler Roma in Bul­garien. Maß­nahmen gegen eine dro­hende huma­nitäre Krise gibt es da­gegen nicht. Über die Stigmati­sie­rung von Sinti und Roma in Zeiten von Corona spra­chen wir mit Herbert Heuß. Read the rest of this entry »

Nicht ins Spital vorgelassen: Romni stirbt

April 19th, 2020  |  Published in Frauenrechte, Rassismus & Menschenrechte

Skopje: Roma aus marginalisierten Siedlungen bleiben oft ohne ausreichende medizinische Versorgung. Einer Romni in Nordmazedonien kostete der mangelnde Zugang zum Gesundheitssystem das Leben. (Bild: fokus.ba)Corona-Krise: Roma-Frau und ihr Baby starben in Nord­ma­ze­do­nien in den Wehen. Mehr­mals wur­de ihr Be­hand­lung ver­wei­gert, sie ver­starb schließ­lich an einer Sep­sis. ERRC spricht von Ver­dacht auf Fahr­läs­sig­keit und insti­tu­tio­nel­lem Ras­sis­mus.

ERRC/RAN, 6.4.2020: Eine 37-jährige Roma-Frau und ihr ungeborenes Baby sind in Skopje, Nord­maze­donien, ge­storben, nach­dem sie als Notfall ins Kranken­haus trans­por­tiert wor­den waren. Die Mutter erlitt Kompli­ka­tio­nen, die zum Tod ihres Babys in der Ge­bär­mutter führ­ten, wäh­rend sie stunden­lang außer­halb des Kranken­hauses auf die Be­hand­lung war­tete. Sie starb am 31. März an einer Sepsis.

Drei Tage zuvor war ihre Fruchtblase geplatzt, und die Frau war­tete darauf, zur Geburt in der Frauen­klinik in Ohrid auf­genom­men zu werden. Die Frau stammte aus sehr armen Ver­hält­nissen und lebte unter men­schen­unwür­di­gen Be­din­gun­gen mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern. Sie war nicht in der Lage, die Kosten für Reisen und häufige Arzt­besuche zu tragen. Sie be­suchte die Frauen­klinik in Ohrid erst­mals am 26. März, nach­dem die Fruchtblase ge­platzt war. Sie wurde unter­sucht und darüber in­for­miert, dass sie noch nicht ent­bindungs­bereit sei. Am 29. März kam sie wieder in die Klinik und klagte über starke, ab­nor­male Schmerzen, hatte Blutungen und An­zei­chen einer Infektion. Der­selbe Arzt teilte ihr mit, dass sie für die Ent­bin­dung noch nicht bereit sei, und schickte sie nach Hause. Am nächs­ten Tag wieder­holte sich dies mit einem ande­ren Arzt, ob­wohl sie ihn um einen Kaiser­schnitt bat. Am 31. März kam sie mor­gens in der Klinik an und bat um sofor­tige Be­handlung, da sie die Schmer­zen nicht mehr er­tragen könne. Ein Arzt, den sie zuvor nicht ge­sehen hatte, war im Dienst und sagte ihr, dass ihr Baby in einem schlech­ten Zu­stand sei und nicht rich­tig atmen könne. Um 10 Uhr kam ein Kranken­wagen, der sie ins Kranken­haus von Skopje brachte, da ihre Kompli­ka­tio­nen in der Klinik in Ohrid zu schwie­rig zu be­handeln seien.

Ärzte fanden sie außerhalb des Krankenhauses allein vor, was be­deu­tet, dass der Fahrer des Rettungs­wagens sie nicht ins Krankenhaus ge­bracht hat, son­dern sie vor der Tür ab­ge­setzt hat. Da sie hohes Fieber hatte, nahm das medi­zini­sche Personal eine Probe, um sie auf Covid-19 zu testen, und man ließ sie auf die Behandlung war­ten, bis die Test­ergeb­nisse zurück­ge­kom­men waren. Read the rest of this entry »

Amnesty: Tschechien diskriminiert Roma

April 16th, 2020  |  Published in Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Amnesty International: Neuer Menschenrechtsbericht kritisiert Roma-Benachteiligung in TschechienAmnesty International kriti­siert Tsche­chi­en we­gen Dis­kri­mi­nie­rung von Roma

In Tschechien werden Roma weiterhin diskri­mi­niert, und das vor al­lem auf dem Wohnungs­markt und in der Bildung. Die­sen Schluss zieht Am­nesty Inter­national im neues­ten Bericht zum Stand der Menschen­rechte in Europa (→Download). Dem­nach kom­men in den Bil­dungs-Son­der­program­men (Anm.: den frü­he­ren Sonderschulen) fast 29 Pro­zent der Kinder aus der Roma-Min­derheit. In den regulä­ren Schulen läge ihr Anteil aber nur bei vier Pro­zent, hieß es. Amnesty Inter­national äu­ßert sich in dem neues­ten Bericht aber auch be­sorgt über die Pläne, den Zugang zu Miet­zuschüssen zu er­schwe­ren. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (281)

April 15th, 2020  |  Published in Facts & Figures

2002 gab es in den Gemein­de­rä­ten in Ungarn ins­ge­samt 1.372 Min­der­hei­ten­ver­tre­ter/in­nen, 549 wa­ren Roma.

(Quelle)

Zentralrat: „Rassismus tötet“

April 14th, 2020  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Stellungnahme Stellungnahme des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma zum Inter­na­tio­na­len Roma-Tag

Eine Mutter und ihr ungeborenes Kind sterben in Nordmazedonien wegen Ver­wei­ge­rung me­di­zi­ni­scher Ver­sor­gung

In der vergangenen Woche starben in Nordmazedoniens Haupt­stadt Skopje eine junge Frau und ihr un­gebore­nes Kind, nach­dem ihnen mehr­fach medizini­sche Versorgung ver­weigert wurde. Das European Roma Rights Center in Budapest ver­folgt diesen Fall von insti­tu­tio­nel­lem Rassismus und war­tet auf das Er­geb­nis der Unter­suchun­gen durch das dor­ti­ge Ge­sund­heits­minis­te­rium, bevor rechtli­che Schritte ein­geleitet wer­den können.

Für den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma bestätigt dieser traurige Fall erneut, dass sich der struktu­rel­le Antiziganismus, diese spe­zifische, gegen Roma ge­rich­tete Form des Rassismus, in Europa ge­rade auch unter den kriti­schen Bedin­gun­gen der Corona-Krise ver­schärft.

Anlässlich des Internationalen Roma-Tages am 8. April erneuert der Zentralrat Deut­scher Sinti und Roma seinen Appell an die natio­nalen Regierun­gen und die euro­päischen Institu­tionen, jetzt die beson­ders prekäre Situa­tion von Roma in den Ländern Mittel- und Süd­ost­europas an­zu­erkennen und um­gehend zielgerichtete Maßnahmen zu er­greifen. Der Zentral­rat be­grüßt hier beson­ders die Erklärung der EU-Kom­mis­sarin für Gleichstellung, Helena Dalli, die eine „Verfolgung und Be­strafung von rassisti­schen Äußerun­gen in der Öf­fent­lich­keit“ forderte, „die zu Gewalt gegen Roma in Zeiten der Krise füh­ren können“.

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