April 30th, 2020 |
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Einrichtungen, Religion
Slowakei: Katholische Kirche beschließt neues Strategiepapier zur Roma-Pastoral und plant Seelsorgezentren in allen Diözesen
Die katholische Kirche in der Slowakei hat eine neue Strategie für die Roma-Seelsorge im Land erarbeitet. Das berichtet die katholische Nachrichtenagentur Kathpress. Die slowakischen Bischöfe haben das Papier, das von Klerus und Laien gemeinsam erstellt wurde, formell nun beschlossen. Die Ausarbeitung des Dokuments erfolgte in Kooperation mit Renovabis, dem deutschen Osteuropa-Hilfswerk der katholischen Kirche, das zahlreiche Projekte in Ost- und Ostmitteleuropa unterstützt. Das Strategiepapier plant für die einzelnen Diözesen der Slowakei eigene Zentren für Seelsorge. Dafür sollen Priester als „Tutoren“ bereitgestellt werden, um die involvierten Personen zu unterstützen. Hinsichtlich der Finanzierung sieht die neue Strategie eine stufenweise Verselbständigung der Roma-Pastoral in den kommenden drei Jahren vor. Für die Ausgestaltung des Strategiepapiers habe man insgesamt fünfzig Ziele definiert und gewichtet, zitiert Kathpress Renáta Ocilková vom Romapastoral-Rat der Slowakischen Bischofskonferenz. Hinter allem stehe das Bemühen, dass alle erreichbaren Volksgruppenangehörigen „Jesus Christus kennenlernen, ihr Leben und damit auch ihr Leben nach außen ändern“.
Schulung von Priestern und Laien
Als Aufgaben der Romaseelsorge nannte Ocilková laut Kathpress weiters den „Aufbau menschlicher Ressourcen, die Erhöhung der Sensibilität“ für die besonderen Anforderungen der Roma-Seelsorge sowie die „Schulung von Priestern, Theologen, Laien und Führungspersonen der Roma“. Die romapastorale Schulung des Klerus sei „zunächst als lebenslange informelle Bildung“ gedacht. Für die theologische Ausbildung werde die Schulung „auch in Form von speziellen Kursen“ erfolgen.
Drei Viertel der Slowaken bekennen sich laut Zensusdaten von 2011 zu einer Religion. Die Roma-Volksgruppe ist in der Slowakei innerhalb der römisch-katholischen Kirche besonders stark vertreten. Read the rest of this entry »
April 29th, 2020 |
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Facts & Figures, Musik
Als der Flamencostar Camarón de la Isla 1992 zu Grabe getragen wurde, schmückte eine Fahne der Roma-Bewegung seinen Sarg.
(Quelle)
April 28th, 2020 |
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Rassismus & Menschenrechte
Polizeigewalt gegen Roma im südrumänischen Bolintin
RAN, 25.4.2020: In sozialen Medien wurde kürzlich ein Video (→auf Facebook ansehen) geteilt, das zeigt, wie ein Polizist auf einen am Boden liegenden gefesselten Mann einprügelt und eintritt. Daneben liegen mehrere weitere Verhaftete und Polizisten stehen herum und unternehmen nichts gegen ihren gewalttätigen Kollegen. Die Polizeigewalt ereignete sich am 18. April. Die Gewerkschaft der Polizei hat bestätigt, dass es sich bei dem Täter um den Polizeichef von Bolintin-Vale (Giurgiu, Südrumänien) handelt.
Die Verhafteten sollen auf der Straße mit Musik und Alkohol gefeiert und in Streit mit der Polizei geraten sein. Sie haben dafür eine Geldstrafe bekommen. Der gewalttätige Polizist wurde anscheinend suspendiert und ein Verfahren gegen ihn eingeleitet.
Menschenrechts-Organisationen der Roma haben den rumänischen Präsidenten aufgefordert, Innenminister Marcel Vela und seinen Kabinettschef Traian Berbeceanu zu entlassen, die kürzlich äußerten, dass die Polizei „Gewalt mit Gewalt begegnen sollte“. Eine solche Äußerung würde die Polizei zu Gewalt gegen ihre eigenen Bürger ermutigen. Es war nicht der erste Fall von Polizeigewalt gegen Roma in der letzten Zeit. Zudem wird die rumänische Polizei beschuldigt, den Ausnahmezustand im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie zu missbrauchen, um unangemessen hohe Geldstrafen für geringfügige Verstöße gegen die Ausgangssperre zu kassieren.
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April 27th, 2020 |
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Film & Theater, Interview, Rassismus & Menschenrechte
Hessen: Film zur Alltagsdiskriminierung
Der Landesverband der deutschen Sinti und Roma in Hessen hat einen Film zur Alltagsdiskriminierung erstellen lassen. Für den Film wurden Angehörige der Minderheit im Alter zwischen 12 und 50 Jahren in Hessen zu ihren Erfahrungen mit Ausgrenzung und Antiziganismus interviewt. Der Landesverband wird den Film für seine Bildungs- und Aufklärungsarbeit u. a. an Schulen in der Zukunft nutzen. Hier kann der Film betrachtet werden: →zum Video (17:43 min)
(Text und Video: sinti-roma-hessen.de)
April 23rd, 2020 |
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Facts & Figures
Bis 2005 konnte in Ungarn laut Gesetz jeder, auch Nicht-Roma, an den Wahlen der Roma-Volksgruppenvertretung teilnehmen.
(Quelle)
April 22nd, 2020 |
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Interview, Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Drohende humanitäre Krise durch Corona-Maßnahmen – Gespräch zur Situation von Roma in Südost- und Mitteleuropa mit Herbert Heuß
Radio Corax (Halle), Sendung vom 31.3.2020
13:22 min, 16 MB, →Anhören (mp3)
Stigmatisierung von Sinti und Roma ist ein Problem das in ganz Europa präsent ist. In der aktuellen Corona-Pandemie wird das wieder besonders deutlich. Minderheiten sind jetzt ein leichtes Ziel für Schuldzuweisungen und Angriffe durch Rechte und andere Menschenfeinde. Davon sind auch Sinti und Roma in Europa betroffen. So wurden in Bulgarien in drei Städten ganze Stadtviertel abgeriegelt. Begründet wird das mit der angeblichen Missachtung von Ausgangsbeschränkungen. Gleichzeitig bedrohen die Maßnahmen gegen Corona die wirtschaftliche Existenz vieler Roma in Bulgarien. Maßnahmen gegen eine drohende humanitäre Krise gibt es dagegen nicht. Über die Stigmatisierung von Sinti und Roma in Zeiten von Corona sprachen wir mit Herbert Heuß. Read the rest of this entry »
April 19th, 2020 |
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Frauenrechte, Rassismus & Menschenrechte
Corona-Krise: Roma-Frau und ihr Baby starben in Nordmazedonien in den Wehen. Mehrmals wurde ihr Behandlung verweigert, sie verstarb schließlich an einer Sepsis. ERRC spricht von Verdacht auf Fahrlässigkeit und institutionellem Rassismus.
ERRC/RAN, 6.4.2020: Eine 37-jährige Roma-Frau und ihr ungeborenes Baby sind in Skopje, Nordmazedonien, gestorben, nachdem sie als Notfall ins Krankenhaus transportiert worden waren. Die Mutter erlitt Komplikationen, die zum Tod ihres Babys in der Gebärmutter führten, während sie stundenlang außerhalb des Krankenhauses auf die Behandlung wartete. Sie starb am 31. März an einer Sepsis.
Drei Tage zuvor war ihre Fruchtblase geplatzt, und die Frau wartete darauf, zur Geburt in der Frauenklinik in Ohrid aufgenommen zu werden. Die Frau stammte aus sehr armen Verhältnissen und lebte unter menschenunwürdigen Bedingungen mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern. Sie war nicht in der Lage, die Kosten für Reisen und häufige Arztbesuche zu tragen. Sie besuchte die Frauenklinik in Ohrid erstmals am 26. März, nachdem die Fruchtblase geplatzt war. Sie wurde untersucht und darüber informiert, dass sie noch nicht entbindungsbereit sei. Am 29. März kam sie wieder in die Klinik und klagte über starke, abnormale Schmerzen, hatte Blutungen und Anzeichen einer Infektion. Derselbe Arzt teilte ihr mit, dass sie für die Entbindung noch nicht bereit sei, und schickte sie nach Hause. Am nächsten Tag wiederholte sich dies mit einem anderen Arzt, obwohl sie ihn um einen Kaiserschnitt bat. Am 31. März kam sie morgens in der Klinik an und bat um sofortige Behandlung, da sie die Schmerzen nicht mehr ertragen könne. Ein Arzt, den sie zuvor nicht gesehen hatte, war im Dienst und sagte ihr, dass ihr Baby in einem schlechten Zustand sei und nicht richtig atmen könne. Um 10 Uhr kam ein Krankenwagen, der sie ins Krankenhaus von Skopje brachte, da ihre Komplikationen in der Klinik in Ohrid zu schwierig zu behandeln seien.
Ärzte fanden sie außerhalb des Krankenhauses allein vor, was bedeutet, dass der Fahrer des Rettungswagens sie nicht ins Krankenhaus gebracht hat, sondern sie vor der Tür abgesetzt hat. Da sie hohes Fieber hatte, nahm das medizinische Personal eine Probe, um sie auf Covid-19 zu testen, und man ließ sie auf die Behandlung warten, bis die Testergebnisse zurückgekommen waren. Read the rest of this entry »
April 16th, 2020 |
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Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte
Amnesty International kritisiert Tschechien wegen Diskriminierung von Roma
In Tschechien werden Roma weiterhin diskriminiert, und das vor allem auf dem Wohnungsmarkt und in der Bildung. Diesen Schluss zieht Amnesty International im neuesten Bericht zum Stand der Menschenrechte in Europa (→Download). Demnach kommen in den Bildungs-Sonderprogrammen (Anm.: den früheren Sonderschulen) fast 29 Prozent der Kinder aus der Roma-Minderheit. In den regulären Schulen läge ihr Anteil aber nur bei vier Prozent, hieß es. Amnesty International äußert sich in dem neuesten Bericht aber auch besorgt über die Pläne, den Zugang zu Mietzuschüssen zu erschweren. Read the rest of this entry »
April 15th, 2020 |
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Facts & Figures
2002 gab es in den Gemeinderäten in Ungarn insgesamt 1.372 Minderheitenvertreter/innen, 549 waren Roma.
(Quelle)
April 14th, 2020 |
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Rassismus & Menschenrechte
Stellungnahme des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma zum Internationalen Roma-Tag
Eine Mutter und ihr ungeborenes Kind sterben in Nordmazedonien wegen Verweigerung medizinischer Versorgung
In der vergangenen Woche starben in Nordmazedoniens Hauptstadt Skopje eine junge Frau und ihr ungeborenes Kind, nachdem ihnen mehrfach medizinische Versorgung verweigert wurde. Das European Roma Rights Center in Budapest verfolgt diesen Fall von institutionellem Rassismus und wartet auf das Ergebnis der Untersuchungen durch das dortige Gesundheitsministerium, bevor rechtliche Schritte eingeleitet werden können.
Für den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma bestätigt dieser traurige Fall erneut, dass sich der strukturelle Antiziganismus, diese spezifische, gegen Roma gerichtete Form des Rassismus, in Europa gerade auch unter den kritischen Bedingungen der Corona-Krise verschärft.
Anlässlich des Internationalen Roma-Tages am 8. April erneuert der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma seinen Appell an die nationalen Regierungen und die europäischen Institutionen, jetzt die besonders prekäre Situation von Roma in den Ländern Mittel- und Südosteuropas anzuerkennen und umgehend zielgerichtete Maßnahmen zu ergreifen. Der Zentralrat begrüßt hier besonders die Erklärung der EU-Kommissarin für Gleichstellung, Helena Dalli, die eine „Verfolgung und Bestrafung von rassistischen Äußerungen in der Öffentlichkeit“ forderte, „die zu Gewalt gegen Roma in Zeiten der Krise führen können“.
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April 11th, 2020 |
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Facts & Figures
Ungarns Minderheitengesetz schuf 1993 das System der „Selbstverwaltungen“. Im Nov. 2004 gab es schon 974 dieser lokalen Roma-Körperschaften.
(Quelle)
April 10th, 2020 |
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Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Am Karfreitag 1980, dem 4. April, traten zwölf Sinti, unter ihnen die Überlebenden des Holocaust Jakob Bamberger, Hans Braun, Ranco Brandtner und Franz Wirbel, in der Evangelischen Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau in den Hungerstreik. Zentrale Forderungen waren die Anerkennung des NS-Völkermords an den Sinti und Roma durch die Bundesregierung, die sofortige Beendigung der polizeilichen Sondererfassung von Sinti und Roma sowie die Herausgabe der NS-Akten aus dem ehemaligen Reichssicherheitshauptamt, die im Bayerischen Landeskriminalamt weiterhin verwendet worden waren. Der Protest löste eine breite internationale Solidaritätswelle aus und markierte einen Wendepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung der Minderheit.
„Die Anerkennung des Völkermords an den Sinti und Roma am 17. März 1982 durch Bundeskanzler Helmut Schmidt stellte die Erfüllung einer zentralen Forderung des Hungerstreiks dar. Diese völkerrechtliche Anerkennung bedeutete einen Neubeginn im Verhältnis der Bundesregierung zu den deutschen Sinti und Roma“, erklärt Romani Rose.
Die polizeiliche Sondererfassung in der Bundesrepublik erfolgte durch bayerische Kriminalpolizisten in der „Landfahrerzentrale“, die bis in die 1970er Jahre Namen, Fingerabdrücke und persönliche Daten von Sinti und Roma aus dem gesamten Bundesgebiet in Akten erfasste. Diese Erfassung setzte direkt die NS-Erfassung fort, und zwar auf der Grundlage der NS-Akten und mit dem Personal aus dem ehemaligen RSHA, die im Bayerischen LKA wieder verbeamtet worden waren – und die regelmäßig in Entschädigungsanträgen von Sinti und Roma als Gutachter fungierten. Read the rest of this entry »
April 9th, 2020 |
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Politik
Nationalratspräsident zum Welt-Roma-Tag: Kultur der Roma und Sinti ist „Bestandteil der österreichischen Identität“. Sobotka will Anliegen der Volksgruppe stärker in den Fokus rücken
Am 8. April 1971 fand in London der Erste Welt-Roma-Kongress statt, um damit die Anfänge der Roma-Bürgerrechtsbewegung einzuläuten. Seit nunmehr 30 Jahren finden an diesem Tag weltweit Aktionsveranstaltungen statt, um auf die Lage dieser Minderheit aufmerksam zu machen.
Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka hat nach dem Gedenktag anlässlich des Anschlags auf burgenländische Roma vor 25 Jahren in Oberwart am 5. Februar 2020 angekündigt, die Anliegen dieser seit 1993 anerkannten Volksgruppe wieder stärker in den Fokus zu rücken. Eine von ihm organisierte Diskussionsveranstaltung anlässlich des Welt-Roma-Tages im Parlament konnte aufgrund der aktuellen Situation im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie leider nicht stattfinden.
Nichtsdestotrotz soll das Bewusstsein für die Anliegen der Roma in der österreichischen Gesellschaft geschärft werden, denn „die Kultur der Roma und Sinti ist ein Bestandteil der österreichischen Identität“, so Sobotka. Dies könne beispielsweise über die Vermittlung der Geschichte und die gesellschaftliche Entwicklung dieser Volksgruppe nach 1945 in den Schulen gefördert werden. Auch wenn sich seit der Implementierung der Roma-Strategie der EU-Kommission vieles zum Besseren gewandt hat, ist die größte Minderheit Europas nach wie vor von Benachteiligung am Arbeits- und Wohnungsmarkt betroffen. Emmerich Gärtner-Horvath, Beiratsvorsitzender der Volksgruppe der Roma stellt fest, dass „die Roma […] noch lange nicht am Ziel angekommen [sind], aber es gibt einige Länder, darunter Österreich, die sich gemeinsam mit uns auf den Weg für eine bessere Zukunft der Roma machen“.
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April 8th, 2020 |
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Film & Theater, Internet & Blogothek, Kunst & Fotografie, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
8. April 2020: 16–18 Uhr WE AIR HERE! im Live-Stream
18 Uhr ROMA-ARMEE im Gorki-Stream (24h online, engl. UT)
Heute ist Internationaler Roma-Tag. Seit vielen Jahren wird der 8. April als Aktions- und Festtag der Roma begangen. Die aktuelle Coronakrise hat zahlreichen Veranstaltungen und Paraden, Auf- und Vorführungen einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Die 2. Roma-Biennale und das Berliner Gorki-Theater öffnen nun aber ihre Online-Bühne via Stream für das Spezialprogramm „We air here!“ und das Roma-Stück „Roma-Armee“.
Entstanden ist das Stück nach einer Idee der Wiener Schauspielerinnen und Universalkünstlerinnen Sandra und Simonida Selimović. Das Magazin Theaterkompass.de schreibt dazu: „Im gemeinsamen Rechercheprozess haben Gorki-Hausregisseurin Yael Ronen und das Ensemble aus persönlichen Erfahrungen, historischen Kontaminationen und aktuellen Vorfällen dieses Theaterstück entwickelt.“ „Roma-Armee“ bildet den Abschluss der nach den Veranstaltungsabsagen aus dem Hut gezauberten Online-Programmreihe „We air here!“. Read the rest of this entry »
April 6th, 2020 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Roma und Sinti stellen die größte ethnische Minderheit Europas dar. Die Angehörigen der Minderheit sind derzeit massiv bedroht. Europa muss jetzt hinsehen und helfen.
Aussendung des Landesverbands deutscher Sinti und Roma in Hessen, 31.3.2020:
In Bulgarien wurden in den vergangenen Tagen mehrere Stadtviertel, in denen Menschen mit Roma-Hintergrund leben, von staatlicher Seite abgeriegelt. Dabei wird auch mit dem Gerücht operiert, Angehörige der Roma hätten das Corona-Virus nach Bulgarien eingeschleppt. Die betroffenen Menschen werden grundrechtswidrig von jeder medizinischen Versorgung ausgeschlossen, die Versorgung mit Lebensmitteln und allen anderen Gütern des täglichen Bedarfs abgeschnitten. Damit wird eine katastrophale humanitäre Notlage vom bulgarischen Staat unter Verwendung rassistischer Begründungen herbeigeführt.
In vielen weiteren osteuropäischen Ländern, vor allem in Ungarn, in der Slowakei und in Rumänien sowie auf dem Balkan, ist die Lage für Menschen mit Roma-Hintergrund bereits jetzt äußerst prekär. In Serbien leben mindestens 70 Prozent der Roma in sogenannten Roma-Siedlungen und sind dort mit schrecklicher Armut konfrontiert, häufig ohne Kanalisation und Wasseranschluss. Einen geringen Lebensunterhalt finden die dort lebenden Menschen im informellen Sektor, in der Saisonarbeit und dem Sammeln von Wertstoffen. Da es keine soziale Absicherung gibt, sind die Menschen nun völlig mittellos. Gleichzeitig sehen sich die zuständigen Institutionen nicht in der Verantwortung, die Menschen zu unterstützen. Letzte Woche haben Angehörige der Roma auch in mehreren albanischen Städten protestiert, da sie nichts mehr zu essen haben.
In Nordmazedonien sind neun Roma-Musiker aus einer Gruppe von 200 Menschen an der Grenze angehalten und unter Quarantäne gestellt worden. Sie sind die ersten Personen, die bei ihrer Rückkehr ins Land in Quarantäne mussten, und die einzigen, die festgehalten wurden, obwohl sie keine Symptome des Covid-19-Virus zeigten.
„An diesen Vorgängen zeigt sich, wie erschreckend aktuell der jahrhundertealte Antiziganismus noch immer ist“, sagt Adam Strauß, Vorsitzender des Landesverbandes [der Sinti und Roma in Hessen]. Read the rest of this entry »
April 5th, 2020 |
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Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
Im Mai 2009 wurde beim ehem. NS-Durchgangslager in Bozen eine Gedenktafel für die deport. Sinti enthüllt; schon im Okt. wurde sie geschändet.
(Quelle)
→Gedenktafel (Foto: Gedenkorte Europa)
April 4th, 2020 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Roma auf dem Westbalkan und in der Türkei sind durch die COVID-19-Pandemie ernsthaft bedroht
Ein gemeinsames Statement vom 31.3.2020 des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma mit dem Europäischen Roma-Grasswurzel-Netzwerk (ERGO Network, Belgien), Roma Active Albania (Albanien), Otaharin (Bosnien und Herzegowina), Voice of Roma, Ashkali and Egyptians (Kosovo), Advancing Together (Kosovo), Phiren Amenca (Montenegro), RROMA (Nordmazedonien), Romalitico/Romaversitas (Nordmazedonien), Forum Roma Serbia (Serbien), Association of Coordinators for Roma Issues (Serbien), Zero Discrimination Association (Türkei).
- Roma auf dem Westbalkan und in der Türkei sind durch die COVID-19-Pandemie ernsthaft bedroht.
- Ein erhöhtes Armutsrisiko, Hungersnöte und rassistische Gewalt stellen eine ernsthafte Gefahr für Roma aber auch für die Gesellschaft insgesamt dar.
- Wir rufen die Regierungen der betroffenen Länder, die Europäische Union und die einzelnen Mitgliedsstaaten auf die Situation der Roma umgehend und nachhaltig zu verbessern.
Die Auswirkungen und Risiken der COVID-19-Pandemie auf Roma
Risiken durch Armut und Arbeitslosigkeit
Viele Roma sind aufgrund früherer prekärer Arbeitsbedingungen sowie fehlender Einkommen und Ressourcen, auf die sie sich in dieser Krisensituation verlassen können, einem extremen Armutsrisiko ausgesetzt. Die große Mehrheit war auf prekäre Selbständigkeit, unregelmäßige tägliche Arbeit, das Sammeln von wiederverwertbaren Materialien oder auf andere Einkommensquellen angewiesen, die nun aufgrund von Krisenmaßnahmen nicht mehr zur Verfügung stehen. Betriebsstilllegungen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit verschlechtern die Situation weiter. Die Menschen waren und sind nicht in der Lage Vorräte anzulegen und haben oft keine Möglichkeiten Vorräte zu Hause zu lagern. Read the rest of this entry »
April 1st, 2020 |
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Facts & Figures, Geschichte & Gedenken
Unter den ca. 4.000 republikan. Spaniern, die im KZ Gusen (Mauthausen) ermordet wurden, befanden sich auch mehrere Gitanos (Roma).
(Quelle)