Archive for April, 2020

Slowakei erneuert Roma-Pastoral

April 30th, 2020  |  Published in Einrichtungen, Religion

Wallfahrtsort: Basilika Mariä Heimsuchung (Navštívenia Panny Márie) in Levoča (Foto: Jozef Kotulič, Wikimedia, CC BY-SA 4.0)Slowakei: Katholische Kirche be­schließt neu­es Stra­te­gie­pa­pier zur Ro­ma-Pas­to­ral und plant Seel­sor­ge­zentren in al­len Di­ö­ze­sen

Die katholische Kirche in der Slowakei hat eine neue Strategie für die Roma-Seel­sorge im Land er­ar­bei­tet. Das berichtet die katho­li­sche Nach­rich­ten­agen­tur Kath­press. Die slowaki­schen Bischöfe ha­ben das Papier, das von Klerus und Laien ge­mein­sam er­stellt wurde, for­mell nun be­schlos­sen. Die Aus­arbeitung des Dokuments er­folgte in Ko­operation mit Renovabis, dem deut­schen Ost­euro­pa-Hilfswerk der katholi­schen Kirche, das zahl­reiche Projekte in Ost- und Ost­mittel­europa unter­stützt. Das Stra­tegie­papier plant für die einzel­nen Diözesen der Slowakei eige­ne Zentren für Seelsorge. Dafür sol­len Priester als „Tutoren“ bereit­ge­stellt werden, um die invol­vierten Personen zu unter­stützen. Hin­sicht­lich der Finanzierung sieht die neue Strategie eine stu­fen­weise Ver­selbstän­di­gung der Roma-Pastoral in den kom­men­den drei Jahren vor. Für die Aus­gestaltung des Strategie­papiers habe man ins­ge­samt fünfzig Ziele definiert und ge­wichtet, zitiert Kath­press Renáta Ocilková vom Roma­pasto­ral-Rat der Slowaki­schen Bischofs­konferenz. Hinter allem stehe das Be­mühen, dass alle erreich­baren Volks­gruppen­angehöri­gen „Jesus Christus kennen­lernen, ihr Leben und damit auch ihr Leben nach außen än­dern“.

Schulung von Priestern und Laien

Als Auf­gaben der Roma­seelsorge nann­te Ocil­ková laut Kath­press weiters den „Aufbau mensch­li­cher Ressourcen, die Erhö­hung der Sensibilität“ für die be­son­de­ren An­forderun­gen der Roma-Seelsorge so­wie die „Schulung von Priestern, Theologen, Laien und Führungs­perso­nen der Roma“. Die roma­pas­to­ra­le Schulung des Klerus sei „zu­nächst als lebens­lange informelle Bildung“ ge­dacht. Für die theologische Ausbildung wer­de die Schu­lung „auch in Form von speziel­len Kursen“ er­folgen.

Drei Viertel der Slowaken bekennen sich laut Zensus­daten von 2011 zu einer Religion. Die Roma-Volks­grup­pe ist in der Slowakei inner­halb der rö­misch-katho­lischen Kirche beson­ders stark ver­treten. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (283)

April 29th, 2020  |  Published in Facts & Figures, Musik

Als der Flamenco­star Ca­ma­rón de la Isla 1992 zu Gra­be ge­tra­gen wur­de, schmück­te ei­ne Fah­ne der Ro­ma-Be­we­gung sei­nen Sarg.

(Quelle)

Rumänien: Polizeichef misshandelt Roma

April 28th, 2020  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Polizeigewalt in Bolintin (Foto: RAN)Polizeigewalt gegen Roma im südrumänischen Bolintin

RAN, 25.4.2020: In sozialen Medien wurde kürzlich ein Video (→auf Face­book an­se­hen) ge­teilt, das zeigt, wie ein Polizist auf einen am Boden lie­gen­den ge­fessel­ten Mann ein­prügelt und eintritt. Da­neben lie­gen meh­rere wei­tere Ver­haf­tete und Polizisten ste­hen herum und unter­nehmen nichts ge­gen ihren gewalt­täti­gen Kol­legen. Die Polizeig­ewalt er­eignete sich am 18. April. Die Ge­werk­schaft der Polizei hat be­stätigt, dass es sich bei dem Täter um den Polizei­chef von Bolintin-Vale (Giurgiu, Süd­ru­mä­ni­en) han­delt.

Die Verhafteten sollen auf der Straße mit Musik und Alkohol ge­feiert und in Streit mit der Polizei ge­raten sein. Sie haben dafür eine Geld­strafe be­kom­men. Der gewalt­tätige Polizist wur­de an­schei­nend sus­pendiert und ein Ver­fahren ge­gen ihn ein­geleitet.

Menschenrechts-Organisationen der Roma haben den rumänischen Prä­siden­ten auf­gefordert, Innenminister Marcel Vela und seinen Ka­bi­netts­chef Traian Berbeceanu zu ent­lassen, die kürz­lich äu­ßerten, dass die Polizei „Gewalt mit Gewalt be­gegnen sollte“. Eine sol­che Äußerung würde die Polizei zu Gewalt gegen ihre eige­nen Bürger er­mutigen. Es war nicht der erste Fall von Polizei­gewalt gegen Roma in der letz­ten Zeit. Zudem wird die rumä­ni­sche Polizei be­schuldigt, den Aus­nahme­zustand im Zu­sam­men­hang mit der Corona-Pan­de­mie zu miss­brauchen, um un­an­gemes­sen hohe Geld­strafen für gering­fügige Verstöße ge­gen die Ausgangs­sperre zu kas­sieren.

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„Wir sind da, wir gehören dazu“

April 27th, 2020  |  Published in Film & Theater, Interview, Rassismus & Menschenrechte

Filmstill Hessen: Film zur Alltagsdiskriminierung

Der Landesverband der deutschen Sinti und Roma in Hessen hat einen Film zur All­tags­dis­kri­mi­nie­rung er­stel­len las­sen. Für den Film wur­den An­ge­hö­ri­ge der Minderheit im Alter zwi­schen 12 und 50 Jah­ren in Hessen zu ihren Er­fah­run­gen mit Ausgrenzung und Antiziganismus in­ter­viewt. Der Lan­des­ver­band wird den Film für seine Bil­dungs- und Auf­klä­rungs­arbeit u. a. an Schulen in der Zu­kunft nut­zen. Hier kann der Film be­trach­tet wer­den: →zum Video (17:43 min)

(Text und Video: sinti-roma-hessen.de)

Facts & Figures (282)

April 23rd, 2020  |  Published in Facts & Figures

Bis 2005 konnte in Un­garn laut Ge­setz je­der, auch Nicht-Ro­ma, an den Wah­len der Ro­ma-Volks­grup­pen­ver­tre­tung teil­neh­men.

(Quelle)

Corona: Stigmatisierung und humanitäre Krise

April 22nd, 2020  |  Published in Interview, Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Herbert Heuss, Wissenschaftlicher Leiter des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma (Foto: minderheitensekretariat.de)Drohende humanitäre Krise durch Corona-Maß­nah­men – Ge­spräch zur Si­tu­a­ti­on von Roma in Süd­ost- und Mit­tel­eu­ro­pa mit Herbert Heuß

Radio Corax (Halle), Sendung vom 31.3.2020
13:22 min, 16 MB, Anhören (mp3)

Stigmatisierung von Sinti und Roma ist ein Problem das in ganz Europa prä­sent ist. In der ak­tu­el­len Coro­na-Pan­demie wird das wieder be­son­ders deutlich. Minder­heiten sind jetzt ein leich­tes Ziel für Schuld­zu­weisun­gen und Angriffe durch Rechte und andere Men­schen­feinde. Davon sind auch Sinti und Roma in Europa betroffen. So wur­den in Bulgarien in drei Städten gan­ze Stadtviertel ab­ge­rie­gelt. Be­gründet wird das mit der an­geb­lichen Miss­achtung von Aus­gangs­be­schrän­kungen. Gleich­zeitig bedrohen die Maß­nahmen gegen Corona die wirt­schaft­li­che Existenz vieler Roma in Bul­garien. Maß­nahmen gegen eine dro­hende huma­nitäre Krise gibt es da­gegen nicht. Über die Stigmati­sie­rung von Sinti und Roma in Zeiten von Corona spra­chen wir mit Herbert Heuß. Read the rest of this entry »

Nicht ins Spital vorgelassen: Romni stirbt

April 19th, 2020  |  Published in Frauenrechte, Rassismus & Menschenrechte

Skopje: ohne ausreichende medizinische VersorgungCorona-Krise: Roma-Frau und ihr Baby starben in Nord­ma­ze­do­nien in den Wehen. Mehr­mals wur­de ihr Be­hand­lung ver­wei­gert, sie ver­starb schließ­lich an einer Sep­sis. ERRC spricht von Ver­dacht auf Fahr­läs­sig­keit und insti­tu­tio­nel­lem Ras­sis­mus.

ERRC/RAN, 6.4.2020: Eine 37-jährige Roma-Frau und ihr ungeborenes Baby sind in Skopje, Nord­maze­donien, ge­storben, nach­dem sie als Notfall ins Kranken­haus trans­por­tiert wor­den waren. Die Mutter erlitt Kompli­ka­tio­nen, die zum Tod ihres Babys in der Ge­bär­mutter führ­ten, wäh­rend sie stunden­lang außer­halb des Kranken­hauses auf die Be­hand­lung war­tete. Sie starb am 31. März an einer Sepsis.

Drei Tage zuvor war ihre Fruchtblase geplatzt, und die Frau war­tete darauf, zur Geburt in der Frauen­klinik in Ohrid auf­genom­men zu werden. Die Frau stammte aus sehr armen Ver­hält­nissen und lebte unter men­schen­unwür­di­gen Be­din­gun­gen mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern. Sie war nicht in der Lage, die Kosten für Reisen und häufige Arzt­besuche zu tragen. Sie be­suchte die Frauen­klinik in Ohrid erst­mals am 26. März, nach­dem die Fruchtblase ge­platzt war. Sie wurde unter­sucht und darüber in­for­miert, dass sie noch nicht ent­bindungs­bereit sei. Am 29. März kam sie wieder in die Klinik und klagte über starke, ab­nor­male Schmerzen, hatte Blutungen und An­zei­chen einer Infektion. Der­selbe Arzt teilte ihr mit, dass sie für die Ent­bin­dung noch nicht bereit sei, und schickte sie nach Hause. Am nächs­ten Tag wieder­holte sich dies mit einem ande­ren Arzt, ob­wohl sie ihn um einen Kaiser­schnitt bat. Am 31. März kam sie mor­gens in der Klinik an und bat um sofor­tige Be­handlung, da sie die Schmer­zen nicht mehr er­tragen könne. Ein Arzt, den sie zuvor nicht ge­sehen hatte, war im Dienst und sagte ihr, dass ihr Baby in einem schlech­ten Zu­stand sei und nicht rich­tig atmen könne. Um 10 Uhr kam ein Kranken­wagen, der sie ins Kranken­haus von Skopje brachte, da ihre Kompli­ka­tio­nen in der Klinik in Ohrid zu schwie­rig zu be­handeln seien.

Ärzte fanden sie außerhalb des Krankenhauses allein vor, was be­deu­tet, dass der Fahrer des Rettungs­wagens sie nicht ins Krankenhaus ge­bracht hat, son­dern sie vor der Tür ab­ge­setzt hat. Da sie hohes Fieber hatte, nahm das medi­zini­sche Personal eine Probe, um sie auf Covid-19 zu testen, und man ließ sie auf die Behandlung war­ten, bis die Test­ergeb­nisse zurück­ge­kom­men waren. Read the rest of this entry »

Amnesty: Tschechien diskriminiert Roma

April 16th, 2020  |  Published in Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Amnesty International: Neuer Menschenrechtsbericht kritisiert Roma-Benachteiligung in TschechienAmnesty International kriti­siert Tsche­chi­en we­gen Dis­kri­mi­nie­rung von Roma

In Tschechien werden Roma weiterhin diskri­mi­niert, und das vor al­lem auf dem Wohnungs­markt und in der Bildung. Die­sen Schluss zieht Am­nesty Inter­national im neues­ten Bericht zum Stand der Menschen­rechte in Europa (→Download). Dem­nach kom­men in den Bil­dungs-Son­der­program­men (Anm.: den frü­he­ren Sonderschulen) fast 29 Pro­zent der Kinder aus der Roma-Min­derheit. In den regulä­ren Schulen läge ihr Anteil aber nur bei vier Pro­zent, hieß es. Amnesty Inter­national äu­ßert sich in dem neues­ten Bericht aber auch be­sorgt über die Pläne, den Zugang zu Miet­zuschüssen zu er­schwe­ren. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (281)

April 15th, 2020  |  Published in Facts & Figures

2002 gab es in den Gemein­de­rä­ten in Ungarn ins­ge­samt 1.372 Min­der­hei­ten­ver­tre­ter/in­nen, 549 wa­ren Roma.

(Quelle)

Zentralrat: „Rassismus tötet“

April 14th, 2020  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Stellungnahme Stellungnahme des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma zum Inter­na­tio­na­len Roma-Tag

Eine Mutter und ihr ungeborenes Kind sterben in Nordmazedonien wegen Ver­wei­ge­rung me­di­zi­ni­scher Ver­sor­gung

In der vergangenen Woche starben in Nordmazedoniens Haupt­stadt Skopje eine junge Frau und ihr un­gebore­nes Kind, nach­dem ihnen mehr­fach medizini­sche Versorgung ver­weigert wurde. Das European Roma Rights Center in Budapest ver­folgt diesen Fall von insti­tu­tio­nel­lem Rassismus und war­tet auf das Er­geb­nis der Unter­suchun­gen durch das dor­ti­ge Ge­sund­heits­minis­te­rium, bevor rechtli­che Schritte ein­geleitet wer­den können.

Für den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma bestätigt dieser traurige Fall erneut, dass sich der struktu­rel­le Antiziganismus, diese spe­zifische, gegen Roma ge­rich­tete Form des Rassismus, in Europa ge­rade auch unter den kriti­schen Bedin­gun­gen der Corona-Krise ver­schärft.

Anlässlich des Internationalen Roma-Tages am 8. April erneuert der Zentralrat Deut­scher Sinti und Roma seinen Appell an die natio­nalen Regierun­gen und die euro­päischen Institu­tionen, jetzt die beson­ders prekäre Situa­tion von Roma in den Ländern Mittel- und Süd­ost­europas an­zu­erkennen und um­gehend zielgerichtete Maßnahmen zu er­greifen. Der Zentral­rat be­grüßt hier beson­ders die Erklärung der EU-Kom­mis­sarin für Gleichstellung, Helena Dalli, die eine „Verfolgung und Be­strafung von rassisti­schen Äußerun­gen in der Öf­fent­lich­keit“ forderte, „die zu Gewalt gegen Roma in Zeiten der Krise füh­ren können“.

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Facts & Figures (280)

April 11th, 2020  |  Published in Facts & Figures

Ungarns Minderheiten­ge­setz schuf 1993 das Sys­tem der „Selbst­ver­wal­tun­gen“. Im Nov. 2004 gab es schon 974 die­ser lo­ka­len Ro­ma-Kör­per­schaf­ten.

(Quelle)

40. Jahrestag des Hungerstreiks in Dachau

April 10th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Von links oben: Pepi Schopper, Brala Ernst, Wallani Georg; unten Romani Rose, Jakob Bamberger (Foto: © Zentralrat Deutscher Sinti und Roma)Am Karfreitag 1980, dem 4. April, traten zwölf Sinti, un­ter ihnen die Über­le­ben­den des Holocaust Jakob Bamberger, Hans Braun, Ranco Brandtner und Franz Wirbel, in der Evan­ge­li­schen Ver­söhnungs­kirche auf dem Ge­lände der KZ-Ge­denk­stätte Dachau in den Hunger­streik. Zentrale For­derungen waren die An­erken­nung des NS-Völ­ker­mords an den Sinti und Roma durch die Bundes­re­gierung, die sofortige Be­endigung der polizei­li­chen Sonder­erfassung von Sinti und Roma sowie die Heraus­gabe der NS-Akten aus dem ehe­ma­li­gen Reichs­sicher­heits­haupt­amt, die im Bayeri­schen Landes­kriminal­amt wei­ter­hin ver­wendet wor­den wa­ren. Der Protest löste eine breite inter­natio­nale Solidaritäts­welle aus und mar­kierte einen Wendepunkt in der öf­fentli­chen Wahr­neh­mung der Min­derheit.

„Die Anerkennung des Völkermords an den Sinti und Roma am 17. März 1982 durch Bundes­kanzler Helmut Schmidt stell­te die Er­füllung einer zentra­len Forderung des Hunger­streiks dar. Diese völker­recht­li­che Anerkennung be­deutete einen Neu­beginn im Ver­hältnis der Bundes­regie­rung zu den deutschen Sinti und Roma“, er­klärt Romani Rose.

Die polizeiliche Sondererfassung in der Bundesrepublik er­folg­te durch bayeri­sche Kri­minal­polizisten in der „Landfahrerzentrale“, die bis in die 1970er Jahre Namen, Finger­abdrücke und per­sön­li­che Daten von Sinti und Roma aus dem ge­sam­ten Bundes­gebiet in Akten er­fasste. Diese Erfassung setz­te direkt die NS-Er­fassung fort, und zwar auf der Grund­lage der NS-Akten und mit dem Personal aus dem ehe­mali­gen RSHA, die im Bayerischen LKA wie­der ver­beamtet wor­den waren – und die regel­mäßig in Ent­schädigungs­anträgen von Sinti und Roma als Gutachter fun­gierten. Read the rest of this entry »

„Bestandteil der österreichischen Identität“

April 9th, 2020  |  Published in Politik

Parlament Wien (Foto: Manfred Werner/WikiCommons)Nationalratspräsident zum Welt-Roma-Tag: Kul­tur der Roma und Sinti ist „Be­stand­teil der ös­ter­rei­chi­schen Iden­ti­tät“. So­bot­ka will An­lie­gen der Volks­grup­pe stär­ker in den Fo­kus rücken

Am 8. April 1971 fand in London der Erste Welt-Ro­ma-Kongress statt, um damit die An­fänge der Roma-Bür­ger­rechts­bewe­gung ein­zu­läuten. Seit nun­mehr 30 Jahren fin­den an diesem Tag welt­weit Aktions­ver­anstal­tun­gen statt, um auf die Lage die­ser Minder­heit auf­merk­sam zu machen.

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka hat nach dem Gedenktag an­läss­lich des Anschlags auf bur­genlän­di­sche Roma vor 25 Jah­ren in Oberwart am 5. Febru­ar 2020 an­ge­kün­digt, die An­liegen dieser seit 1993 an­erkann­ten Volks­gruppe wieder stär­ker in den Fokus zu rücken. Eine von ihm orga­ni­sierte Dis­kussions­ver­anstal­tung an­lässlich des Welt-Ro­ma-Ta­ges im Par­lament konn­te auf­grund der aktuel­len Situa­tion im Zu­sammen­hang mit der Coro­na-Pan­demie leider nicht statt­finden.

Nichtsdestotrotz soll das Bewusstsein für die Anliegen der Roma in der öster­rei­chi­schen Gesell­schaft ge­schärft werden, denn „die Kultur der Roma und Sinti ist ein Bestand­teil der öster­reichi­schen Identität“, so Sobotka. Dies kön­ne bei­spiels­weise über die Ver­mitt­lung der Geschichte und die gesell­schaft­liche Ent­wicklung dieser Volks­gruppe nach 1945 in den Schulen ge­fördert werden. Auch wenn sich seit der Imple­mentie­rung der Roma-Strate­gie der EU-Kom­mission vieles zum Bes­seren gewandt hat, ist die größte Minder­heit Europas nach wie vor von Benach­teil­igung am Arbeits- und Woh­nungs­markt be­trof­fen. Emmerich Gärtner-Horvath, Beirats­vor­sitzen­der der Volks­gruppe der Roma stellt fest, dass „die Roma […] noch lange nicht am Ziel an­ge­kom­men [sind], aber es gibt einige Länder, darun­ter Österreich, die sich ge­mein­sam mit uns auf den Weg für eine bessere Zu­kunft der Roma machen“.

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Zum Roma-Tag: „Roma-Armee“ im Stream

April 8th, 2020  |  Published in Film & Theater, Internet & Blogothek, Kunst & Fotografie, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

8. April 2020: 16–18 Uhr WE AIR HERE! im Live-Stream
18 Uhr ROMA-ARMEE im Gorki-Stream (24h online, engl. UT)

Heute ist Internationaler Roma-Tag. Seit vielen Jahren wird der 8. April als Aktions- und Fest­tag der Roma be­gangen. Die aktuel­le Corona­krise hat zahl­reichen Ver­anstal­tun­gen und Para­den, Auf- und Vor­führun­gen einen dicken Strich durch die Rech­nung ge­macht. Die 2. Roma-Bien­nale und das Berli­ner Gorki-Theater öf­fnen nun aber ihre On­line-Bühne via Stream für das Spe­zial­pro­gramm „We air here!“ und das Ro­ma-Stück „Roma-Armee“.

Entstanden ist das Stück nach einer Idee der Wiener Schauspielerin­nen und Universal­künstlerin­nen Sandra und Simonida Selimović. Das Ma­gazin Theater­kom­pass.de schreibt dazu: „Im gemein­sa­men Recher­che­pro­zess haben Gorki-Haus­regisseu­rin Yael Ronen und das Ensemble aus per­sön­li­chen Erfah­rungen, histori­schen Kon­tami­natio­nen und aktuel­len Vor­fällen dieses Theaterstück ent­wickelt.“ „Roma-Ar­mee“ bil­det den Ab­schluss der nach den Ver­anstaltungs­absagen aus dem Hut ge­zauber­ten On­line-Programm­reihe „We air here!“. Read the rest of this entry »

Corona: große Gefahr für Roma

April 6th, 2020  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Corona: Gefahr für Roma (Bild: Iximus/Pixabay)Roma und Sinti stellen die größ­te eth­ni­sche Min­der­heit Euro­pas dar. Die An­ge­hö­ri­gen der Min­der­heit sind der­zeit mas­siv be­droht. Europa muss jetzt hin­se­hen und helfen.

Aussendung des Landesverbands deutscher Sinti und Roma in Hessen, 31.3.2020:

In Bulgarien wurden in den vergangenen Tagen mehre­re Stadtviertel, in denen Men­schen mit Roma-Hin­ter­grund leben, von staat­licher Seite abgeriegelt. Dabei wird auch mit dem Gerücht ope­riert, An­gehö­rige der Roma hät­ten das Corona-Virus nach Bulgarien ein­ge­schleppt. Die betrof­fenen Men­schen werden grund­rechts­widrig von jeder medizini­schen Ver­sorgung aus­ge­schlos­sen, die Versor­gung mit Lebens­mitteln und allen ande­ren Gütern des täg­lichen Bedarfs ab­geschnit­ten. Damit wird eine katastro­phale humani­täre Notlage vom bulga­ri­schen Staat unter Ver­wendung rassisti­scher Begrün­dun­gen herbei­geführt.

In vielen weiteren osteuropäischen Ländern, vor allem in Ungarn, in der Slowakei und in Rumänien sowie auf dem Balkan, ist die Lage für Men­schen mit Roma-Hin­ter­grund be­reits jetzt äu­ßerst pre­kär. In Serbien le­ben min­destens 70 Pro­zent der Roma in so­genann­ten Roma-Sied­lungen und sind dort mit schreck­li­cher Armut kon­fron­tiert, häufig ohne Kanalisation und Wasser­anschluss. Einen ge­ringen Lebens­unter­halt finden die dort leben­den Men­schen im in­for­mellen Sektor, in der Saison­arbeit und dem Sammeln von Wert­stoffen. Da es keine soziale Ab­sicherung gibt, sind die Men­schen nun völlig mittellos. Gleich­zeitig sehen sich die zu­stän­di­gen Institu­tionen nicht in der Ver­antwortung, die Men­schen zu unter­stützen. Letzte Woche haben An­gehörige der Roma auch in meh­reren albanischen Städten pro­testiert, da sie nichts mehr zu essen haben.

In Nordmazedonien sind neun Roma-Musiker aus einer Grup­pe von 200 Men­schen an der Grenze an­gehal­ten und unter Quarantäne ge­stellt worden. Sie sind die ers­ten Perso­nen, die bei ihrer Rück­kehr ins Land in Quaran­täne mussten, und die einzi­gen, die fest­gehalten wurden, ob­wohl sie keine Symp­tome des Co­vid-19-Vi­rus zeigten.

„An diesen Vorgängen zeigt sich, wie erschreckend aktuell der jahrhun­derte­alte Antiziganismus noch immer ist“, sagt Adam Strauß, Vor­sitzen­der des Landes­ver­bandes [der Sinti und Roma in Hessen]. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (279)

April 5th, 2020  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

Im Mai 2009 wurde beim ehem. NS-Durch­gangs­la­ger in Bozen ei­ne Ge­denk­tafel für die de­port. Sin­ti ent­hüllt; schon im Okt. wur­de sie ge­schän­det.

(Quelle)

→Gedenktafel (Foto: Gedenkorte Europa)

Westbalkan/Türkei: Corona trifft Roma

April 4th, 2020  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Die Corona-Krise gefährdet vulnerable Bevölkerungsgruppen wie die Roma besonders (Foto: Piro4d/Pixabay)Roma auf dem Westbalkan und in der Türkei sind durch die COVID-19-Pan­de­mie ernst­haft be­droht

Ein gemeinsames Statement vom 31.3.2020 des Zentralrats Deut­scher Sinti und Roma mit dem Euro­päi­schen Roma-Grass­wurzel-Netz­werk (ERGO Network, Belgien), Roma Active Albania (Albanien), Otaharin (Bosnien und Herze­gowina), Voice of Roma, Ashkali and Egyptians (Kosovo), Advancing Together (Ko­so­vo), Phiren Amenca (Montenegro), RROMA (Nordmazedonien), Romalitico/Ro­ma­versitas (Nord­maze­do­nien), Forum Roma Serbia (Serbien), Association of Coordinators for Roma Issues (Serbien), Zero Discrimination Association (Türkei).

  • Roma auf dem Westbalkan und in der Türkei sind durch die COVID-19-Pan­demie ernst­haft be­droht.
  • Ein erhöhtes Armutsrisiko, Hungersnöte und rassistische Gewalt stel­len eine ernst­hafte Gefahr für Roma aber auch für die Gesell­schaft ins­ge­samt dar.
  • Wir rufen die Regierungen der betroffenen Länder, die Europäi­sche Union und die ein­zel­nen Mit­glieds­staaten auf die Situa­tion der Roma um­gehend und nach­hal­tig zu ver­bessern.

Die Auswirkungen und Risiken der COVID-19-Pan­de­mie auf Roma

Risiken durch Armut und Arbeits­losig­keit

Viele Roma sind aufgrund früherer prekärer Arbeitsbedingungen sowie fehlender Einkommen und Ressourcen, auf die sie sich in dieser Krisensituation verlassen können, einem extremen Armutsrisiko ausgesetzt. Die große Mehrheit war auf prekäre Selbständigkeit, unregelmäßige tägliche Arbeit, das Sammeln von wiederverwertbaren Materialien oder auf andere Einkommensquellen angewiesen, die nun aufgrund von Krisenmaßnahmen nicht mehr zur Verfügung stehen. Betriebsstilllegungen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit verschlechtern die Situation weiter. Die Menschen waren und sind nicht in der Lage Vorräte anzulegen und haben oft keine Möglichkeiten Vorräte zu Hause zu lagern. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (278)

April 1st, 2020  |  Published in Facts & Figures, Geschichte & Gedenken

Unter den ca. 4.000 re­publi­kan. Spa­ni­ern, die im KZ Gu­sen (Maut­hau­sen) er­mor­det wur­den, be­fan­den sich auch meh­re­re Gi­ta­nos (Ro­ma).

(Quelle)