Corona: große Gefahr für Roma

April 6th, 2020  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Corona: Gefahr für Roma (Bild: Iximus/Pixabay)Roma und Sinti stellen die größ­te eth­ni­sche Min­der­heit Euro­pas dar. Die An­ge­hö­ri­gen der Min­der­heit sind der­zeit mas­siv be­droht. Europa muss jetzt hin­se­hen und helfen.

Aussendung des Landesverbands deutscher Sinti und Roma in Hessen, 31.3.2020:

In Bulgarien wurden in den vergangenen Tagen mehre­re Stadtviertel, in denen Men­schen mit Roma-Hin­ter­grund leben, von staat­licher Seite abgeriegelt. Dabei wird auch mit dem Gerücht ope­riert, An­gehö­rige der Roma hät­ten das Corona-Virus nach Bulgarien ein­ge­schleppt. Die betrof­fenen Men­schen werden grund­rechts­widrig von jeder medizini­schen Ver­sorgung aus­ge­schlos­sen, die Versor­gung mit Lebens­mitteln und allen ande­ren Gütern des täg­lichen Bedarfs ab­geschnit­ten. Damit wird eine katastro­phale humani­täre Notlage vom bulga­ri­schen Staat unter Ver­wendung rassisti­scher Begrün­dun­gen herbei­geführt.

In vielen weiteren osteuropäischen Ländern, vor allem in Ungarn, in der Slowakei und in Rumänien sowie auf dem Balkan, ist die Lage für Men­schen mit Roma-Hin­ter­grund be­reits jetzt äu­ßerst pre­kär. In Serbien le­ben min­destens 70 Pro­zent der Roma in so­genann­ten Roma-Sied­lungen und sind dort mit schreck­li­cher Armut kon­fron­tiert, häufig ohne Kanalisation und Wasser­anschluss. Einen ge­ringen Lebens­unter­halt finden die dort leben­den Men­schen im in­for­mellen Sektor, in der Saison­arbeit und dem Sammeln von Wert­stoffen. Da es keine soziale Ab­sicherung gibt, sind die Men­schen nun völlig mittellos. Gleich­zeitig sehen sich die zu­stän­di­gen Institu­tionen nicht in der Ver­antwortung, die Men­schen zu unter­stützen. Letzte Woche haben An­gehörige der Roma auch in meh­reren albanischen Städten pro­testiert, da sie nichts mehr zu essen haben.

In Nordmazedonien sind neun Roma-Musiker aus einer Grup­pe von 200 Men­schen an der Grenze an­gehal­ten und unter Quarantäne ge­stellt worden. Sie sind die ers­ten Perso­nen, die bei ihrer Rück­kehr ins Land in Quaran­täne mussten, und die einzi­gen, die fest­gehalten wurden, ob­wohl sie keine Symp­tome des Co­vid-19-Vi­rus zeigten.

„An diesen Vorgängen zeigt sich, wie erschreckend aktuell der jahrhun­derte­alte Antiziganismus noch immer ist“, sagt Adam Strauß, Vor­sitzen­der des Landes­ver­bandes [der Sinti und Roma in Hessen]. „Auch hier­zulande wurde und wird der Hass auf Sinti, Roma und andere Minder­heiten ge­schürt, wenn etwa von Wirtschafts­flüchtlin­gen und Armuts­zu­wan­derung die Rede ist. Heute deutet sich eine europa­weite Katastrophe an, die Hun­dert­tau­sende Leben fordern könnte. Wir for­dern die euro­päi­schen Regierun­gen auf, wirk­same Maß­nahmen gegen den Rassismus, die Aus­gren­zung und die wei­tere Ver­elendung von An­ge­hö­ri­gen der Roma und Sinti zu er­greifen. Europa muss jetzt hin­sehen und helfen!“ so Adam Strauß ab­schlie­ßend.

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