NS-Opfer: Arolsen Archives öffnen Bestände

Mai 4th, 2020  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek, Wissenschaft

Archiv Bad Arolsen26 Millionen Dokumente über NS-Verfolgte on­line

Ein weltweit einmaliges „Denkmal aus Papier“ ist nun im Internet ver­fügbar: Die histori­schen Bestände der Arolsen Archives ste­hen fast voll­stän­dig online. Nun können Interes­sierte auf der gan­zen Welt über das Online-Archiv auf 26 Mil­lio­nen Dokumente mit In­for­matio­nen zu 21 Mil­lio­nen Namen* von NS-Ver­folgten zu­greifen. Die Arolsen Archives ha­ben ihre Sammlung im Internet zu­letzt mit Doku­menten über Zwangsarbeiter und über Deportationen in die Kon­zentra­tions­lager er­wei­tert. Mit die­sem Schritt ist nun ein Groß­teil der Doku­mente aus dem weltweit um­fas­sendsten Archiv über NS-Verfolgung on­line ver­öffentlicht.

Innerhalb von weniger als einem Jahr haben die Arolsen Archives mit ihrem Partner, der In­ter­natio­na­len Holocaust-Ge­denkstätte Yad Vashem, Israel, eine der größ­ten Samm­lungen über die Opfer der National­sozialis­ten fast voll­ständig online g­estellt. Im Mai 2019 war das neue Online-Archiv mit 13 Mil­lionen Doku­menten an den Start ge­gangen. Yad Vashem stellte dafür seine hoch­moderne Technologie zum schnel­len Daten­abruf mit er­weiter­ter Ort- und Namensuche bereit, damit die Holocaust-Do­ku­menta­tion leichter zugäng­lich ist. Nun ist ein Meilen­stein er­reicht: Die zum UNESCO-Welt­dokumenten­erbe zäh­lende Sammlung zu den ver­schie­de­nen Opfergruppen des NS-Re­gimes, zur Zwangs­arbeit sowie zur Migration nach 1945 ist öffent­lich. Zu­letzt gingen zwei rie­sige Bestände online. Sie doku­mentie­ren die Verbrechen der Nazis mit einzig­arti­gen Beweisstücken und sind von un­schätz­barem Wert für die An­gehö­rigen der Verfolgten:

  • Die Zwangsarbeiter-Kartei – Original-Do­ku­mente und Kopien über Mil­lionen von Zwangs­arbeitern, die indivi­duel­le Schicksale nach­voll­ziehbar machen: Melde- und Registrier­karten, Fragebögen, Schrift­verkehr
  • Deportationen – von Juden, Roma und Sinti aus dem ehe­ma­ligen Deutschen Reich, Österreich, Böhmen und Mähren: Transport- und De­porta­tions­listen mit In­for­matio­nen über Millio­nen Men­schen, die in Kon­zentrations­lager und Ghettos ver­schleppt wurden.

Der Bestand über die Deportationen ist größtenteils schon sehr gut indiziert (das heißt, die Doku­mente können zum Bei­spiel nach Namen durch­sucht werden). Beson­ders um­fassend und interes­sant sind die Informatio­nen über Deportationen aus Berlin. Die dort an­gelegten Deportations- und Transport­listen sind eigent­lich „Konfiszierungs­listen“: Zu fast jeder Deportation exis­tiert ein Begleit­schreiben an die „Ver­mö­gens­verwertungs­stelle“ des Berliner Ober­finanz­prä­sidenten. Diese Behörde organi­sierte auf Grund­lage der Listen den Einzug des Ver­mögens der Juden im Raum Berlin.

(Text: arolsen-archives.org)

* Namen heißt nicht gleich Menschen: Manche der Namen von NS-Verfolgten tau­chen auf meh­re­ren Doku­men­ten mit ver­schie­de­nen Schreib­weisen auf und wur­den des­halb mehr­fach ge­zählt.

Siehe auch:
Der Internationale Suchdienst (ITS)
, 7.10.2015

Radio: Jomakero rodipe andi Germanija (Opferdatenbank: Re­cher­chen in deut­schem Archiv)
, 13.4.2009
Roma sam: Verzeichnis der Namenlosen
, 23.3.2009

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