Rassistischer SAT1-Beitrag bleibt ohne Folgen

Mai 2nd, 2020  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte  |  1 Comment

Selten fand der Zentralrat so drastische Worte. Und in der Tat duchziehen Bilder wie dieses (etwa bei 04.00) die Sendung. Roma werden mit Unrat, Ungeziefer und Verbrechen verknüpft, Ratten fungieren Leitmotiv die Reportage. (Bild: Screenshot aus der Sendung/Sat1)Deutschland: Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) stellt Be­schwerde­ver­fahren ge­gen SAT.1 ein

Die Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) der Medien­anstalten ver­sagt bei der Prüfung der Zentral­rats-Be­schwer­de. Der Zentralrat Deut­scher Sinti und Roma hatte Programm­beschwerde ein­gelegt ge­gen die SPIEGEL-TV-Pro­duk­ti­on „Roma: Ein Volk zwischen Armut und Angeberei“, die in der Reihe „Akte 20.19“ am 7. Au­gust 2019 von SAT1 aus­gestrahlt wor­den war. Eine Viel­zahl von Sinti und Roma hatten sich telefo­nisch an den Zentral­rat ge­wandt und ihre Be­stür­zung über diese mas­siv diffamierende Sendung ge­äußert. Die Einstellung des Be­schwer­de­ver­fahrens ge­gen SAT1 durch die LMK Rhein­land-Pfalz kommt über­ra­schend und ist in der Sache voll­kommen un­ver­ständ­lich.

Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma: „Die Prüf­gremien der Medien­anstalten le­giti­mieren mit dieser Ent­scheidung eine stig­matisie­rende und rassistische Do­kumen­tation. Diese hat wieder­holt Ratten ge­zeigt oder im Kom­mentar ein­gespro­chen und so einen systema­tischen Zusammen­hang zwi­schen Ratten und der Minderheit her­stellt, der die Minderheit wieder als eine Gefahr für Hygiene und Ge­sundheit in der Gesell­schaft er­scheinen lässt. Die Stigmati­sierung von Sinti und Roma in Sendun­gen wie dieser schafft die Atmos­phäre für einen zu­nehmend gewalt­bereiten Antiziganismus, der wiederum zu An­schlägen wie denen in München 2016 oder in Hanau im Febru­ar 2020 führt.“

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte die Kritik an dem Film­beitrag voll­um­fänglich ge­teilt und erklärt „gerade das ent­setzliche die ‚Dokumentation‘ be­stim­mende Bild von Ratten … er­innert auf ver­heerende Weise an Zeiten, in denen die visuelle Ver­bindung zwischen Mensch und Ratten Teil staat­lich organi­sier­ter Hetze war“.

„Es ist schlichtweg skandalös, dass ein Aufsichts­gremium wie die ZAK, die den Prinzi­pien unseres Rechtsstaats ver­pflichtet ist, die Diskrimi­nierung von Sinti und Roma durch die Einstellung des Ver­fahrens recht­fertigt und selbst gegen die Vor­gaben des Rundfunk­gesetzes ver­stößt. Die ZAK ist ihrer Ver­antwortung für eine diskri­minie­rungs­freie Darstellung in den Medien mit der Einstellung des Ver­fahrens in keiner Weise ge­recht ge­worden“, so Romani Rose.

Der Zentralrat hatte zuletzt am 14. April 2020 die Landes­zentrale für Medien und Kommuni­kati­on Rheinland-Pfalz ge­beten, den Stand des Ver­fahrens mit­zu­teilen; diese Anfrage ist bis heute un­beantwortet ge­blie­ben. Es ist für den Zentral­rat Deutscher Sinti und Roma un­begreiflich, dass die­ses Beschwerde­verfahren ohne jede An­hörung durch­geführt wurde.

Der Zentralrat fordert die Medienanstalten und ins­beson­dere die ZAK auf, ihre Verfahren zu über­prüfen und hin­sicht­lich der direk­ten Anhörung von Beschwerde­führern an­zupassen. Der Zentral­rat Deutscher Sinti und Roma wird sich außer­dem an die politisch ver­antwortlichen Gremien und die Landes­parlamente wen­den, um eine ent­spre­chende Änderung der Beschwerde­ver­fahren zu initiieren.

(Text: Zentralrat)

Siehe auch:
Roma-Doku: Verdacht der Volksverhetzung, 5.11.2019
„Das bereitet den Boden für Antiziganismus“, 30.9.2019
„Derartige Filme legitimieren Hass“, 9.8.2019

Responses

  1. dROMa-Blog | Weblog zu Roma-Themen | ZARA-Rassismus-Report 2019 liegt vor says:

    Juni 5th, 2020 at 18:03 (#)

    [...] ,Dokumentarfilm‘“ einer deutschen TV-Produktionsfirma (wir berichteten hier, hier und hier); sowie unter Punkt 29 „Antiziganismus am Arbeitsplatz“. Im vergangenen Jahr 2019 dokumentierte [...]