Gedenkstätten: 107 Schändungen seit 2013

Mai 6th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

Befreiungsfeier in Mauthausen 2019 (Foto: MKÖ)Gedenkstättenschändungen: Mauthausen-Komitee kri­ti­siert Tot­schwei­gen. Mernyi for­dert Trans­pa­renz und Ak­tions­plan

Gestern vor 75 Jahren wurde das KZ Mauthausen befreit. Für die Häft­linge war dieser Ort die Hölle. Noch immer kämpfen die Über­lebenden für ein „Niemals wieder“. Umso schockier­ter ist das Mauthau­sen-Ko­mitee Österreich (MKÖ) über die hohe Zahl an Schändungen von Ge­denk­stätten für NS-Opfer. Wie National­rats­abgeord­ne­te Sabine Schatz durch eine Parlamenta­ri­sche Anfrage an das Innen­ministe­rium heraus­gefunden hat, sind 107 Fälle allein seit 2013 akten­kundig [Anm. d. dROMa-Red.: Stichtag 3. Febru­ar 2020; spä­tere Vor­fälle wie dieser sind nicht in­klu­diert]! 22 dieser Fälle waren Schän­dun­gen der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. (→An­frage­beant­wor­tung / PDF, 958 KB)

Die Öffentlichkeit hat nur von ganz wenigen dieser Straftaten er­fah­ren, zu­letzt im Jän­ner von der Beschmierung des nie­der­ländi­schen Denkmals in Maut­hau­sen mit fünf Ha­ken­kreuzen.

„Es ist völlig unverständlich, dass das Innenministerium, die Sicherheits­behörden und die ver­ant­wort­li­chen Politiker die aller­meis­ten Gedenk­stätten­schändungen bis­her tot­geschwiegen haben“, kriti­siert MKÖ-Vor­sitzender Willi Mernyi. „Wenn gerade an einem Ort, an dem vom NS-Regime 100.000 Men­schen ermor­det wur­den, immer wieder Neonazis ihr kriminelles Un­wesen trei­ben, müsste das alle Demokraten auf­rüt­teln. Statt­des­sen wird die rechtsextreme Gefahr klein­geredet und ver­harmlost. Soll es erst Terror­anschläge wie in Deutschland ge­ben?“

Das MKÖ, das dem Vermächtnis der überlebenden Häftlinge des KZ Mauthausen und seiner Au­ßen­lager ver­pflich­tet ist, fordert einen Kurs­wechsel im Um­gang mit dem Rechtsextremismus.

„Regierung und Polizeiführung dürfen nichts mehr totschweigen“, sagt Willi Mernyi. „Es braucht Transparenz. Die Öf­fent­lich­keit hat ein Recht, über Schän­dungen von Gedenk­stätten und andere braune Verbrechen zeit­nah und um­fassend in­formiert zu wer­den. Und der seit 2016 an­ge­kün­digte, auch im aktuel­len Regierungs­programm ver­ein­barte ‚Nationale Aktions­plan gegen Rechts­extre­mis­mus‘ muss end­lich reali­siert werden. Es gilt, die Bedrohung wirk­sam zu bekämpfen – unter ande­rem durch die Ein­be­ziehung der Zivil­gesellschaft und die Auf­stockung des Verfassungs­schutzes“, so der MKÖ-Vor­sitzende.

(Text: MKÖ)

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