Archive for September, 2009

U.N.-Hochkommissarin rügt 17 Länder

September 16th, 2009  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte

Human Rights CouncilUN-Hochkommissarin verurteilt Roma-
Diskriminierung in 17 Ländern Europas

Aus Anlass ihres ersten Amtsjubiläums hat die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, am Montag in ihrer Rede vor dem Human Rights Council in Genf eine Bilanz über die Menschenrechtsarbeit der Vereinten Nationen gezogen. Dabei kommt die südafrikanische Juristin insbesondere auch auf die vielerorts fatale Lage der Roma zu sprechen. Explizit wird die Diskriminierung von Roma in 17 Ländern Europas verurteilt. Direkt angesprochen wird die Benachteiligung bzw. Gefährdungslage von Roma in Ungarn, der Slowakei, Italien, Bulgarien, der Tschechischen Republik, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Litauen, Polen, Portugal, Rumänien, Serbien, Spanien, Slowenien und Schweden. Angehörigen der Roma-Minderheit würde oftmals der Zugang zu medizinischer Versorgung und Ausbildung verwehrt, auch bei der Wohnungssuche müssten Sinti, Roma und Travellers grobe Benachteiligungen erdulden, so Pillay.

Europaratskommission kritisiert die Schweiz

Die Rede Pillays nahm keinen Bezug auf Österreich, Deutschland oder die Schweiz. Letztere wird jedoch in einem Bericht der Europaratskommission ECRI (Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz), der ebenfalls diese Woche veröffentlicht wurde, u. a. dafür kritisiert, dass „Fahrende, Jenische und Roma“ in der Schweiz „Stereotypisierungen und Benachteiligungen ausgesetzt“ seien. (Hier der aktuelle Länderbericht zur Schweiz als PDF-Download)

Im Anschluss finden Sie noch den auf Roma Bezug nehmenden Abschnitt aus der Rede der UN-Hochkommissarin im englischen Originalwortlaut: Read the rest of this entry »

5. New York Gypsy Festival

September 15th, 2009  |  Published in Musik, Veranstaltungen & Ausstellungen

New York Gypsy Festival 2009Am vergangenen Wochenende fiel der Startschuss zum 5. New York Gypsy Festival, das wieder Roma- und von Romamusik inspirierte Gruppen fröhlich durcheinandermischt und noch bis zum 26. September dauern wird. Die Festivalleiter Serdar Ilhan und Mehmet Dede zeigen sich jedenfalls schon im Voraus recht zufrieden mit ihrer Arbeit: „Das kulturelle Erbe der Romamusik ist so breit wie komplex“, heißt es da etwa auf der Festival-Homepage: „Die Herausforderung, vor der wir jedes Jahr stehen, ist es daher, mit der permanenten Neuerfindung der Tradition Schritt zu halten und zugleich ihre Wurzeln nicht zu vergessen; gleichermaßen gefeierte Legenden und feurige Neustarter zu berücksichtigen, vom Urbanen bis zum Ländlichen, vom Gypsy-Jazz bis Gypsy-Punk. Wir sind äußerst stolz sagen zu können, dass wir diese Balance beim diesjährigen, fünften Programm des NY Gypsy Festivals erreicht haben.“ Wer lieber selbst einen Blick auf das Programm werfen möchte, hier noch der Link.

Johann Baranyai: 20 berscha fagele

September 14th, 2009  |  Published in Einrichtungen, Radio, Podcast & TV

Radijo Roma samRoma sam
Radijo Burgenland
: 14.9.2009, 20:50 orenge

Johann Baranyai (Foto: KV-Roma/Romano Kipo)Ande bescharipe le tschatschipenge le Romenge


O Johann Baranyai ando vakeripe la Susanne Horvathaha, phukal fi „Roma sam“ pedar o problemtscha, save angle 20 berscha dija taj pedar o Romengero micinipe taj le farajniskero keripestar le Farajn Romestar andi Erba. Akan imar 20 berscha fagele, kaj o erschti Roma Farajn kerdo ulo. Jek dscheno odolendar savo andar i erschti minuta use sina, taj le tschatschipenge la flogoskera grupnake le Romendar pe ande bescharel hi o dujto schero le Farajn Romestar o Johann Baranyai, ov ando mirno hi ando palgondolipe, so o tschatschikane koji sina vaschoda, taj soske, jek farajn le feder keripeske la situacijatar le Romendar kerdo ulo. (volksgruppen.orf.at)

Roma sam: Johann Baranyai vom Verein Roma

September 14th, 2009  |  Published in Einrichtungen, Radio, Podcast & TV

Radio Roma samRoma sam
Radio Burgenland
: 14.9.2009, 20:50 Uhr

Verein Roma OberwartEinsatz für die Rechte der Roma


Mittlerweile sind schon 20 Jahre vergangen, seit mit dem „Verein Roma Oberwart“ der erste österreichische Roma-Verein gegründet wurde. Einer, der von der ersten Minute an mit dabei war und sich für die Rechte der Volksgruppe der Roma eingesetzt hat, ist Vorstandsmitglied Johann Baranyai. Im Interview mit Susanne Horvath erzählt er über die Probleme, mit denen die Volksgruppe früher zu kämpfen hatte, und warum es notwendig war, einen Verein zur Verbesserung der Situation der Roma zu gründen. (volksgruppen.orf.at)

2. Roma-Pavillon bei Biennale in Venedig 2011

September 13th, 2009  |  Published in Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen

Biennale 2007: Delaine Le Bas, The World of Gypsy Romance, 2006Vor zwei Jahren waren Roma-Künstler bei der Kunstbiennale in Venedig erstmal mit einem eigenen Pavillon vertreten. Die von der ungarischen Kunsthistorikerin und Romni Timea Junghaus kuratierte Ausstellung Paradise Lost (hier unsere Besprechung in dROMa 15/PDF), die Selbst- und Fremdbilder der Roma künstlerisch hinterfragte, hat für einiges Aufsehen (hier der Pressespiegel) gesorgt und soll nun bei der 54. Biennale 2011 in die zweite Runde gehen. Das Arts & Culture Program des Open Society Institute (OSI) ruft daher auf, Projektvorschläge einzureichen. Bis morgen, den 14. September 2009 haben Künstlerinnen und Künstler noch eine letzte Gelegenheit, ihre Projektentwürfe per E-Mail (acnp@osi.hu) zu übermitteln. Die von einem internationalen Expertenstab ausgewählten Vorschläge müssen dann für die Finalausscheidung bis 15. Oktober weiter ausgearbeitet werden. Im Begleittext zur Ausschreibung steckt das OSI auch die Erwartungen an den kommenden 2. Roma-Pavillon ab:

OSI envisions the Second Roma/Gypsy Pavilion as a critical and polemical undertaking that explores the vibrant potential of contemporary Roma/Gypsy art to contribute significantly to the artistic, cultural, intellectual, and political imaginaries of the contemporary world. Read the rest of this entry »

Radio Kaktus: Roma & Wissenschaft

September 12th, 2009  |  Published in Radio, Podcast & TV, Wissenschaft

Radio KaktusRadio Kaktus / WEBRADIO oe1campus
11.9.2009, 20:00 & 12.9.2009, 20:30 Uhr

Radio KaktusWechselseitiger Nutzen?

Am 22. August wurde im Rahmen der Wiener Festtagung anlässlich des 70. Geburtstags von Mozes F. Heinschink in hochkarätiger Besetzung diskutiert. In Franz Schuberts Geburtshaus debattierten Peter Wagner (Prag), Mirjam Karoly (Wien/Priština), Ágnes Daróczi (Budapest), Emmerich Gärtner-Horvath (Roma-Service, Burgenland), Dieter Halwachs (Romani-Projekt, Graz), Lars Lindgren (Stockhom) und Gusztáv Varga (Budapest) über das Thema „Roma und Wissenschaft – wechselseitiger Nutzen?“

Mirjam Karoly im Kosovo

Im zweiten Teil der Sendung erzählt Mirjam Karoly im Interview mit Gilda Horvath von ihrer Arbeit bei der OSZE im Kosovo (Priština) und über ihre Rolle im Volksgruppenbeirat.

(volksgruppen.orf.at)

Ewald Hanstein † (1924-2009)

September 11th, 2009  |  Published in Geschichte & Gedenken

Ewald Hanstein (Foto: Landratsamt Nordhausen)Ando Holocaust naschatscha o Sinto Ewald Hanstein, savo 1924 ando Breslau upro them alo, jek baro falato pra familijatar. Ov o logertscha Auschwitz taj Buchenwald prik dschivdscha. Andi terni bundakeri republika Germanija o Hanstein vascho polgariskere tschatschiptscha le Sintijenge taj Romenge ande pe bescharlahi. Ov sina o angle beschto le thaneskere birovtschagostar Bremen taj jek le scherendar le centrali rotistar le nimtschke Sintijendar taj Romendar ando Heidelberg. Akan o polgariskero tschatschipeskero aktivisto taj kenvakero pisimaschi (2005 leskeri autobijografija „Meine hundert Leben“) ando 85. bersch ando Bremen mulo.

Bulgarien: Roma-Proteste gegen Abriss

September 10th, 2009  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Burgas 2009Die bulgarische Nachrichtenagentur Novinite berichtet von Protesten (hier ein Video) gegen den Abbruch von Roma-Häusern in der ostbulgarischen Stadt Burgas am Schwarzen Meer. Rund 200 Roma-Familien haben am Dienstag versucht, ihre nicht genehmigten Häuser im Stadtteil Gorno Ezerovo, einem der zwei großen Romaviertel von Burgas, durch die Bildung einer Menschenkette vor dem Abriss zu schützen. Laut Novinite haben sich mehrere Familien mit Kindern in den Häusern eingeschlossen, um die Abbrucharbeiten zu stoppen. Gegenüber Pressevertretern erklärten die Roma unter Berufung auf mitgebrachte Dokumente, dass ihre Familien an diesem Ort bereits mehr als 50 Jahre wohnhaft seien.

Die aufgebrachten Roma sollen die anwesenden Polizisten mit Steinen angegriffen haben. Laut Aussage eines Roma-Zeugen soll es auch zu Übergriffen der Polizei gekommen sein; hinter den Protesten stecke ihm zufolge die Angst vor Obdachlosigkeit. Bürgermeister Dimitar Nikolow hingegen erklärte gegenüber der Presse, dass für alle betroffenen Romafamilien günstige Sozialwohnungen vorgesehen seien. Das erste Gebäude ist laut Agenturmeldung bereits durch Arbeiter der Stadt abgerissen worden; die Menschenrechtsorganisation Equal Opportunities Initiative Association spricht in einer Aussendung vom 8.9.2009 von 27 zerstörten Häusern. Die Familien stünden jetzt auf der Straße. In ihrer Stellungnahme weist die Organisation darauf hin, dass sie und das Center for Housing Rights and Evictions den Fall des 2007 beschlossenen Abbrissvorhabens schon am 29. Mai 2008 beim Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen (Website) eingebracht hätten.

Ewald Hanstein † (1924-2009)

September 9th, 2009  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Geschichte & Gedenken, Medien & Presse

Ewald Hanstein (1924-2009), Foto: Ralf LorenzenIm Holocaust verlor der 1924 in Breslau geborene Sinto Ewald Hanstein einen Großteil seiner Familie, er selbst überlebte die Lager Auschwitz und Buchenwald nur knapp. In der jungen Bundesrepublik Deutschland kämpfte Hanstein für die Bürgerrechte der Sinti und Roma. Er war u. a. Vorsitzender des Landesverbands Bremen und Vorstandsmitglied des Zentralrats der deutschen Sinti und Roma in Heidelberg. Nun ist der Bürgerrechtsaktivist und Buchautor (2005 erschien seine Autobiografie „Meine hundert Leben“) im Alter von 85 Jahren in Bremen gestorben. Die taz vom 8.9.2009 bringt unter dem Titel „Einer der letzten Zeugen“ einen Nachruf aus der Feder seines publizistischen Partners Ralf Lorenzen:

Jahrzehntelang kämpfte er um eine kleine Entschädigung, musste sich dabei wie die anderen überlebenden Mitglieder seiner Volksgruppe von ehemaligen Nazis begutachten und verhören lassen. Ein Großteil der Sinti wurde bis in die 1970er Jahre unter entwürdigenden Lebensbedingungen zusammengepfercht, wie in Bremen im Riespott und auf dem Warturmer Platz. Gemeinsam mit Romani Rose aus Heidelberg, Otto Rosenberg aus Berlin und Ricky Adler aus Frankfurt baute Hanstein die Bürgerrechtsarbeit der Sinti in Deutschland auf. Er gründete die Sinti-Vereine in Bremen und Bremerhaven mit, deren Landesvorsitz er bis vor wenigen Jahren ausübte. In der Gedenkstätte Mittelbau-Dora war er bis zum Schluss Mitglied des europäischen Häftlings-Komitees. Read the rest of this entry »

Frankreich: Polizei „markiert“ Roma

September 8th, 2009  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Gendarmerie.jpegWie die Tageszeitung „Le Parisien“ in ihrer heutigen Ausgabe berichtet (hier die Meldung in der Basler Zeitung bzw. in der Zeit), hat der französische Minister für Einwanderung und Integration, Éric Besson, das Département Essonne bei Paris dafür zurechtgewiesen, dass die Polizei vor einigen Tagen bei einer Identitätskontrolle in dem Romalager bei Villabé (Corbeil-Essonnes) etwa hundert Roma zur Kennzeichnung mit Stempeln auf dem Arm versehen hat. „Diese Praxis erinnert an die dunkelsten Stunden des Zweiten Weltkriegs“, kritisierte die Hilfsorganisation „Solidarité avec les familles roumaines“ (ASFR) in Anspielung auf die Praxis der Nationalsozialisten, den KZ-Häftlingen Nummern auf den Arm zu tätowieren. Der Verwaltungsbezirk verteidigte das Vorgehen und erklärte, dass sie Markierung die einfachste Methode sei, um eine doppelte Kontrolle derselben Person zu vermeiden. Rund 60 Roma ohne gültige Aufenthaltspapiere wurden im Zuge der Personenüberprüfung von der Polizei angewiesen, Frankreich umgehend zu verlassen.

Gewaltwelle gegen Roma im Kosovo

September 8th, 2009  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

HRW-und-AI---KosovoDie Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch (HRW) und Amnesty International haben gestern in einer gemeinsamen Aussendung auf die ungebrochene  Gefährdungssituation für Roma im Kosovo aufmerksam gemacht: Im Kosovo sei die Roma-Minderheit nach wie vor Gewaltakten ausgesetzt; die Behörden würden keine geeigneten Maßnahmen zum Schutz der Minderheit und zur Aufklärung solcher Straftaten ergreifen. Für die österreichische Regierung hingegen, die mit dem kosovarischen Innenminister gerade über eine Rücknahmeverpflichtung verhandelt, gilt der Kosovo neuerdings sogar als „sicheres Drittland“; auch einige deutsche Bundesländer gehen zu systematischen Abschiebungen von Roma-Flüchtlingen in den Kosovo über. Human Rights Watch und Amnesty International rufen die Behörden im Kosovo und die internationalen Stellen nun zu einem gemeinsamen Handeln auf, „um die jüngste Welle von Angriffen und Belästigungen, die sich gegen Roma-Gemeinden richten, zu stoppen“:

Dieses Handeln sollte rasche Ermittlungen, um die Täter identifizieren und einer Strafverfolgung zuführen zu können, ebenso umfassen wie Maßnahmen, um zukünftige Übergriffe zu verhindern. Roma-Medien im Kosovo hatten Mitte August erstmals von mehreren Übergriffen [in Gnjilane (Gjilan) und Urosevac (Ferizaj)] berichtet. Human Rights Watch und Amnesty International sind seither in Zusammenwirken mit Roma-NGOs damit befasst, die Vorfälle und die Behördenreaktionen zu dokumentieren.

„Diese Vorfälle unterstreichen, wir verletzbar die Roma im Kosovo nach wie vor sind“, sagte Wanda Troszczynska-van Genderen, HRW-Expertin für den westlichen Balkan. Read the rest of this entry »

KinderWelten: Romengere tschavengere vilagi

September 7th, 2009  |  Published in Jugend & Bildung, Kunst & Fotografie, Radio, Podcast & TV

Radijo Roma samRoma sam
Radijo Burgenland
: 7.9.2009, 20:50 orenge/Uhr

KinderWelten, Ausstellung 2008„Romengere tschavengere vilagi“ jek projekto la VHS-atar le burgenlanditike Romendar telal o vodinipe le Andreas Lehneristar i situacija le Romendar aun peske dikel. O prindschardo kinstleri taj angle beschto la VHS-atar le burgenlanditike Romendar Andreas Lehner Pinkafatar, butschalinel imar but berscha la flogoskera grupnake le Romendar. O lek terneder projekto hi „Romengere tschavengere vilagi“, ande savo o Lehner mindenfelitike situaciji, dschivipeskere situaciji taj aktujeli koji le Romendar peske aun dikel. Vakeriptscha mindenfelitike generacijenca kerde on, ar butschalim taj ande poar masektscha ande jek artschijipe presentirim on.  (volksgruppen.orf.at)

„Roma-KinderWelten“, ein Projekt der VHS der Burgenländischen Roma unter der Leitung von Andreas Lehner, beleuchtet die Situation der Roma. Für dieses Projekt führte der Pinkafelder Künstler in Fortführung seiner KinderWelten-Reihe Interviews mit verschiedenen Generationen. Die Resultate werden in einigen Monaten in einer Ausstellung präsentiert.  (volksgruppen.orf.at)

Theresia Winterstein: Von Carmen zu Mengele

September 6th, 2009  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Medien & Presse

Theresia WintersteinVor einigen Tagen haben wir Sie auf Roland Flades Porträt der Würzburger Sintiza Theresia Winterstein („Dieselben Augen, dieselbe Seele“) aufmerksam gemacht. Dazu noch ein kurzer Auszug aus einer Artikelserie in der Mainpost:

„Carmen“ bedeutete vom Februar bis April 1940 den Höhepunkt der kurzen Karriere von Theresia Winterstein. Sie war wohl unter den Zigarettenarbeiterinnen, den „Zigeunerinnen“ und Verkäuferinnen, welche die Massenszenen bevölkern. Die NSDAP-eigene „Mainfränkische Zeitung“ lobte in ihrem Premierenbericht gerade auch die Tanz-Darbietungen. „Das Ballett erfüllte die ihm übertragenen Aufgaben mit Leidenschaft“, schrieb der Rezensent, wahrscheinlich ohne zu wissen, dass eine wirkliche Sintezza mittanzte. Vor allem lobte der Kritiker, wie die Carmen-Darstellerin deren „Leidenschaft des Stolzes, des Machtgefühls, der kühnen Selbstbestimmung“ porträtierte. Dies war an Zynismus kaum zu überbieten. Denn: Während in diesem Frühjahr 1940 das Würzburger Publikum noch einer stolzen „Zigeunerin“ auf der Bühne zujubelte, wurde in Berlin bereits die Deportation tausender Sinti und Roma ins besetzte Polen vorbereitet.  (aus: Mainpost, 1.4.2008)

Wenig später sollte der nationalsozialistische Rassenwahn ihrer Karriere und dem Leben abertausender Roma und Sinti ein Ende setzen: Theresia Winterstein musste sich einer Zwangssterilisation unterwerfen; ihre Zwillingstöchter gerieten in die Hände der berüchtigten NS-Ärzte Josef Mengele und Werner Heyde. Read the rest of this entry »

Radijo Kaktus: Sarközi Łódź kher rodija

September 4th, 2009  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV

Radijo KaktusRadijo Kaktus / WEBRADIO oe1campus
4.9.2009, 20:00 & 5.9.2009, 20:30 orenge

R. Sarközi (2. v. re.) bei Gedenkfeier in Salzburg, April 2009 (Foto: KV-Roma.at)Andar o valami 5.000 Betschitike Dschidovtscha, anda terno dschend 1942 buter tschak 615 dschivnahi. Kada o ghetto ando Łódź ando august 1944 upre putrim ulo taj o cile dschene Auschwitz pele, dschivnahi tschak valami 300 dschi 400 le Betschitike Dschidovtschendar. I selekcijona ando Auschwitz, i phari buti ando mindenfelitike logertscha meg but manuschen murdartscha. Tschak 34 le ando Łódź deportirti Betschitike Dschidovtschendar o logeriskero putripe ando August 1944 terdschivde. O Rudolf Sarközi uso gondolipeskero mulatintschago use sina taj la Gilda Horvathake ando vakeripe phukal, soske la forschinipeskera butake meg cajt pekal taj pedar oda akan te jek Romengero gondolipeskero bar ando Łódź te ol.

Thara – Kesdipe neve biroha   Read the rest of this entry »

Radio: Rudolf Sarközi über das Ghetto Łódź

September 4th, 2009  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV

Radio KaktusRadio Kaktus / WEBRADIO oe1campus
4.9.2009, 20:00 & 5.9.2009, 20:30 Uhr

Rudolf Sarközi bei Gedenkfeier in Salzburg, 2009Im November 1941 wurden rund 5.000 österreichische Roma und Sinti, größtenteils Burgenland-Roma, ins Ghetto Łódź/ Litzmannstadt verschleppt. Viele starben bereits in diesem vom Restghetto abgetrennten „Zigeunerlager“, die anderen wurden 1942 im Vernichtungslager Chełmno (Kulmhof) in Gaswägen erstickt. Kein Einziger der 5.007 deportierten Roma überlebte. Im Zuge dieser Massendeportationen trafen u.a. auch rund 5.000 jüdische Opfer aus Wien in Łódź ein. Als das Ghetto im August 1944 aufgelöst und alle Ghettoinsassen nach Auschwitz deportiert wurden, lebten noch ca. 300 bis 400 von ihnen. Die Selektion in Auschwitz, die Zwangsarbeit in den verschiedenen Konzentrationslagern forderten weitere Opfer. Nur 34 der nach Łódź deportierten Wiener Juden haben die Befreiung erlebt.

Rudolf Sarközi, der Vorsitzende des österreichischen Volksgruppenbeirates der Roma und Sinti, nahm an der Gedenkveranstaltung in Łódź teil und erzählte Gilda Horvath im Interview, warum die Forschungsarbeit ihre Zeit braucht und was es bedeutet, nun auch ein eigenes Roma-Denkmal in Łódź zu haben.

Weiters: Thara − Start mit neuem Büro   Read the rest of this entry »

♫ Madonna polarisirinel upro Balkan

September 3rd, 2009  |  Published in Musik, Rassismus & Menschenrechte

I Madonna use pre Balkan-koncertscha le Romenge ande pe bescharel: Paloda pe i dschilaschkija ando lejcti kurko andi Rumenija gejng i diskriminacija adala flogoskera grupnatar ande beschartscha, suboton ando bulgaritiko scheroskero foro Sofija jeka Roma-bandaha cidija. O buteder sar 55.000 manuscha ando Wassil-Lewski-Schtadijon vojaschne sina, pisinde o bulgaritike mediji.

Avrijal o rejakcijontscha ando rumenitiko Bukarest ar dschischonahi: Kada i Madonna maschkar lakero koncerto upro problemtscha le Romendar valaso phentscha, pasche o vojaschno ando va tschalajipe te but na schukar Buh-vrischtschantschago le 60.000 manuschendar uschtidija. I dschilaschkija, afka pisinen o mediji, phentscha: „But koji la diskriminacijatar le Romendar ando ost Europa del, taj oda igen brigaschne man kerel, taj oda vaschoda, kaj aman upri toleranca patschas – o cile manuscha iste glejchi behandlim on, ma oda pobisteren.“

Akademikerlehrgang für Roma in Ungarn

September 2nd, 2009  |  Published in Jugend & Bildung

US-BotschaftDie amerikanische Botschaft in Budapest hat ein Programm zur Unterstützung junger Akademiker aus der Roma-Minderheit vorgestellt. Das neue Programm umfasst einen zweimonatigen Lehrgang, der als „einführender Professionalisierungskurs“ angekündigt ist und sich vor allem auf Sprachkenntnisse, Geschäftsfähigkeit und Karrierecoaching konzentriert, um die Berufschancen der Roma-Absolventen zu verbessern. Für den Lehrgang erhalten die Kursteilnehmer ein Stipendium der Botschaft, für das sich ungarische Roma mit abgeschlossenem Hochschulstudium und Englischkenntnissen noch bis 14. September 2009 bewerben können. Zum Abschluss erhalten die Teilnehmer eine Urkunde und ein Empfehlungsschreiben der Botschaft, mit denen man ihre Jobchancen zu erhöhen hofft.

„Eine nette Geste, aber mehr nicht“, meint die deutschsprachige Zeitung Pester Lloyd zu den Bemühungen der US-Vertretung in Ungarn, die an den Bedürfnissen der vielfach marginalisierten Volksgruppe völlig vorbeizielten:

Denn die Probleme der Roma liegen nicht so sehr bei denen, die bereits einen Universitätsabschluss haben, vielmehr bei jenen, die es nicht einmal in eine Grundschule schaffen. Immerhin kann die Initiative der Amerikaner ein wenig mehr Aufmerksamkeit für die Bildungsbelange der Minderheit hervorrufen.

Madonna nach Roma-Statement ausgebuht

September 1st, 2009  |  Published in Musik, Rassismus & Menschenrechte

madonna_smallUS-Popstar Madonna hat in Rumänien eine Diskussion über die Diskriminierung von Roma ausgelöst. Als sie vergangene Woche bei ihrem Konzert in Bukarest auf die schwierige Situation dieser Volksgruppe in Osteuropa hinwies, wurde sie von Teilen des Publikums ausgebuht. Dies sei ein „unangenehmer Zwischenfall“, sagte Rumäniens Staatspräsident Traian Basescu. Er betonte, in Rumänien gebe es keine „Politik zur Diskriminierung der Roma“, wenngleich es vereinzelt zu derartigen Fällen komme. Madonnas Äußerung sei „vermutlich aus Unkenntnis“ gefallen, sagte Staatschef Basescu weiter.

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