Rassismus & Menschenrechte

„Antiziganismus und Film“

Januar 10th, 2018  |  Published in Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Die "Zigeunerhexe" Ganush, antiziganistischer Tiefpunkt im Kino der letzten Jahre: der US-Horrorfilm "Drag me to hell" von Sam Raimi (Filmstill, Ghost House Pictures/ Universal Pic.)Fachgespräch (21.2.) und Konferenz (22./23.2.) zu „Antiziganismus und Film“ in Berlin

Das Thema „Antiziganismus und Film“ ist hochaktuell und eine tiefer­ge­hen­de Aus­einan­der­setzung und Debatte dazu steht bis­lang aus. In den letz­ten Mona­ten gab es größere öffent­liche Auf­merk­sam­keit und kritische De­batten zu gleich drei aktuel­len Kino­pro­duk­tio­nen. Zum einen die inhalt­liche Aus­rich­tung des Kinder- und Jugend­films „Nellys Abenteuer“ (hier und hier) wie auch seine Pro­duk­tions­bedin­gun­gen, die auf Ein­ladung des Zentral­rats Deutscher Sinti und Roma bei einem Fach­gespräch in Berlin kontro­vers dis­ku­tiert wur­den. Zum an­de­ren der fran­zö­si­sche Film „À bras ouverts“ („Hereinspaziert“), der be­reits An­fang des Jahres in Frankreich eine De­batte über Rassismus im Kino aus­löste und nun auch in Deutschland und Österreich stark kri­ti­siert wird. Auch die Be­setzung einer männ­li­chen Haupt­rolle in der geplan­ten Ver­fil­mung von Mikey Walshs Me­moiren „Gypsy Boy“ mit Benedict Cumberbatch hat in Groß­britannien eine Dis­kus­sion über „White­washing“ im Kino an­ge­facht.

Bereits seit Jahren ist das Thema „Roma“ und damit in vielfältiger Weise auch das Thema „Antiziganismus“ in der Film­branche präsent. Filme wie „Epizoda u životu berača željeza“ („Aus dem Leben eines Schrott­sammlers“), „Csak a szél“ („Just the wind“) oder „Aferim!“ erlang­ten Preise auf den großen Film­fest­spie­len. Auf­wen­dige Kino­pro­duk­tio­nen wie „Sherlock Holmes: A Game of Shadows“ („Sher­lock Holmes: Spiel im Schatten“) oder „Chocolat“ („Chocolat – Ein kleiner Biss genügt“) be­mü­hen anti­ziganis­tische Stereo­type und ver­schie­denste Fernsehproduktionen der letzten Jahre und Jahrzehnte setzen sich gewollt oder ungewollt mit diesem Themenfeld auseinander. Erinnert sei nur an die kontro­versen Dis­kus­sio­nen zu den Tatort-Folgen „Armer Nanosh“ (1989) und „Brandmal“ (2008). Filme, die ex­pli­zit aus einer Roma­ni-Perspek­tive produziert und er­zählt werden, schaf­fen es hin­ge­gen selten über den Status des ‚Nischenfilms’ hinaus.

Vorläufiges Programm Read the rest of this entry »

Romafeindliche Straftaten in Deutschland

Januar 5th, 2018  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Hasskriminalität in Deutschland: Innenministerium nennt erst­mals pro­vi­so­ri­sche Fall­zah­len zu poli­tisch moti­vier­ten Straftaten ge­gen Roma und Sinti

Das Bundesinnenministerium in Berlin zeigte sich in der par­la­men­ta­ri­schen Be­ant­wor­tung einer Klei­nen Anfrage (19/64) der Linken-Bun­des­tags­fraktion zur „Ent­wick­lung des Anti­ziganis­mus in Deutschland ab 2015“ be­sorgt über die Zahl der An­griffe auf Roma und Sinti. Der Anfrage­beant­wor­tung des Minis­te­riums ist zu ent­neh­men, dass von den Ländern im Jahr 2017 (bis zum Stich­tag 17. No­vem­ber) bis­lang 30 poli­tisch moti­vier­te Straftaten ge­gen Roma und Sinti ge­meldet wurd­en. Bei einem Angriff wur­de in Berlin im April 2017 eine Per­son ver­letzt; in einem weite­ren Fall wur­de ein von Roma be­wohntes Haus ge­zielt at­tackiert. Sechs Straf­taten betref­fen roma­feind­li­che Äußerun­gen in sozialen Medien. Angesichts der relativ überschaubaren Fallzahlen ist allerdings noch Skepsis angebracht. Zum Vergleich: Im Antiziganismusbericht von Amaro Foro wurden allein in Berlin 2016 568 anti­ziganis­tische Vorfälle dokumentiert. Das Ministerium weist darauf hin, dass es sich ledig­lich um vor­läu­fige Fall­zahlen hand­le, die sich „bis zum Melde­schluss am 31. Januar 2018 noch ver­ändern können“. Zu­dem wer­den Straftaten in die­sem Bereich in der Statistik der Kriminalpolizei erst seit Jah­res­beginn 2017 ge­son­dert er­fasst, über die voran­ge­gan­ge­nen Jahre lägen keiner­lei Daten vor.

Mit Wirkung zum 1. Januar 2017 wurde das Unter­thema „Antiziganistisch“ in den The­men­feld­kata­log des Kriminal­poli­zei­li­chen Melde­diens­tes – Politisch Motivierte Kriminalität (KPMD-PMK) zum Ober­thema „Hass­krimi­na­li­tät“ auf­ge­nom­men. Erst seit die­sem Zeit­punkt ist eine trenn­scharfe Ab­bil­dung von Straf­taten mit einer anti­ziganis­ti­schen Moti­vation mög­lich. Für anti­ziga­nis­ti­sche Straf­taten vor diesem Zeit­punkt gilt: Straftaten ge­gen Sinti und Roma sind Teil der Hasskriminalität mit dem Unter­thema „Fremdenfeindlich“, sie kön­nen je­doch kei­nem sepa­ra­ten Unter­thema zu­geord­net und statis­tisch nicht be­zif­fert wer­den. Read the rest of this entry »

Flucht in die Freiheit (Teil 3)

Januar 4th, 2018  |  Published in Interview, Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Rassismus & Menschenrechte

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba
Medienworkshop von Roma-Service & Karika
Beitrag von Adolf Gussak

Naschigejipe ando naphandlo them (falato 3)

Im dritten und letzten Teil unserer Reportage (Teil 1 und Teil 2) haben wir Frau Dagmar Frühwirth-Sulzer und Herrn Rainer Klien im In­terview. Bei­de sind im Bereich Flücht­lings­hilfe und Men­schen­rechte tätig. Sie er­zäh­len von ihren Auf­gaben und per­sön­li­chen Er­leb­nis­sen mit Migran­ten und Migran­tinnen.

Ando triti taj lejcti falato amara repor­tascha­tar (falato 1 taj falato 2) la Dagmar Früh­wirth-Sul­ze­raha taj le Rainer Klieniha va­ker­do ol. So dum ando naschi­geji­pes­kero pomo­schago taj ando manu­schen­gere tscha­tschip­tscha butscha­linen. On pedar pumari buti taj peder pu­mare terdschi­jip­tscha le migran­tenca taj mig­rant­ki­jenca, phukan.

(Jek keripe le Adolf Gussakistar)

EU-Gremium tagt zu Romafeindlichkeit

Dezember 18th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte

EU High Level Group (Foto: Antiziganismus auf der Tagesordnung der EU High Level Group zur Be­kämpfung von Rassis­mus, Frem­den­feind­lich­keit und an­deren For­men von Into­le­ranz

Die EU High Level Group zur Bekämpfung von Rassis­mus, Fremden­feind­lich­keit und an­deren Formen von Intoleranz, bei der Ver­tre­ter/innen der EU-Mit­glied­staaten und Ver­tre­ter/innen der Zivil­gesell­schaft zu­sammen­kom­men, legte bei ihrem 4. Tref­fen am 5. De­zem­ber 2017 be­son­deres Augen­merk auf das Phä­no­men Anti­ziga­nis­mus.

Vera Jourova, EU-Kommissarin für Justiz, Verbraucher und Gleich­stel­lungs­fragen, brachte in ihrer Eröff­nungs­rede ihre tiefe Be­sorg­nis über die weit­verbrei­tete sozia­le Akzep­tanz von Antiziganismus zum Aus­druck. Als ak­tuel­les Beispiel nannte sie einen Fall von Hass­reden und Mord­dro­hun­gen gegen einen tsche­chi­schen Roma-Sänger, Gypsy.cz, der vom na­tio­na­len Gericht mit nur 4 Euro Strafe ge­ahndet wurde. Gerichts­urteile wie diese sen­den eine fatale Bot­schaft in die Gesell­schaft, wenn es darum geht, Anti­zigani­smus zu bekämpfen.

MdEP Soraya Post (S&D Fraktion) betonte die Notwendig­keit, die Haupt­ursache für Dis­krimi­nie­rung und Hass gegen Roma – den Anti­ziganismus – zu be­seitigen, und rief alle Regie­rungen und Pflich­ten­trä­ger/innen dazu auf, Ver­ant­wor­tung für ihre Bür­ger/innen zu über­nehmen. Post warnte: „Europa steht erneut am Scheide­weg. Extre­mis­tische Parteien geraten immer häu­figer in Regie­rungs­ver­ant­wor­tung, aus­länder­feind­li­che Stim­men werden immer lauter und bis­weilen von Regie­rungs­mit­gliedern toleriert.“

Jamen Gabriela Hrabanova, Direktorin des ERGO-Netzwerks, stellte in ihrem Beitrag das Referenz­papier Antiziganismus vor und wies darauf hin, dass es wich­tig sei, sich bei der Be­kämpfung von An­ti­ziga­nis­mus auf die Mehr­heits­gesell­schaft zu kon­zentrie­ren: „Es muss un­bedingt an­erkannt werden, dass Anti­ziganis­mus keine Min­der­heiten­ange­le­gen­heit ist.“ Read the rest of this entry »

3. Antiziganismusbericht präsentiert

Dezember 14th, 2017  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte

Antiziganismusbericht 2017 Romano Centro (Hg.):
Antiziganismus in Österreich
Falldokumentation 2015–2017
Informationen für Betroffene und ZeugInnen
Wien, Dez. 2017, 32 S.

➔Download (pdf)

Der Verein Romano Centro präsentierte heute den drit­ten Bericht zu Anti­ziga­nis­mus in Österreich. Er ent­hält 55 anti­ziga­nis­ti­sche Vor­fälle aus den Berei­chen Medien, Politik, Zu­gang zu Gütern und Dienst­leis­tun­gen, Polizei, öffent­li­cher Raum, Arbeits­welt und Bildung. Sie rei­chen von Belei­di­gun­gen bis zu gewalt­täti­gen Über­griffen.

„Antiziganismus ist ein weit verbreitetes Problem. In den letzten Jahren sehen wir europa­weit ein Zu­neh­men rassis­ti­scher Rhetorik von Politi­kern, die damit ihre Popu­la­rität beim Wahl­volk er­hö­hen und gleich­zei­tig Anti­ziga­nis­mus ver­brei­ten und legi­ti­mie­ren“, sagt Mirjam Karoly von Romano Centro, und er­läu­tert weiter: „Wir be­grüßen, dass die Republik Öster­reich die Be­kämpfung von An­ti­ziga­nis­mus als Schwer­punkt in die Roma-Stra­tegie auf­ge­nom­men hat und wol­len mit dem vor­liegen­den Bericht die Öffent­lich­keit sensi­bi­li­sie­ren und den Betrof­fe­nen Mög­lich­kei­ten auf­zei­gen, sich gegen Ras­sis­mus zu wehren.“

Antiziganistische Diskurse in Medien und Politik

Die Berichterstattung über Roma hat in den letzten beiden Jahren ab­ge­nom­men, da­durch gibt es auch weni­ger Berichte, die Vor­urteile ver­breiten. „Dies dürfte vor allem auf die Fokus­sie­rung der Bericht­erstat­tung auf Flücht­linge zurück­zu­füh­ren sein“, er­läu­tert Ferdinand Koller, Re­dak­teur des Berichts. „Trotz­dem kommt es vor allem in den Boulevard­medien häufig zu anti­ziga­nis­ti­schen Dar­stel­lun­gen beim Thema Betteln: Armuts­betrof­fene Fa­mi­lien werden pau­schal als ‚orga­ni­sierte Banden‘ be­zeich­net und in die Nähe der Krimi­na­lität gerückt. Poli­ti­kerIn­nen auf Landes- und Gemeinde­ebene ver­wenden die­selben anti­ziganis­ti­schen Bilder um Ver­trei­bungs­maß­nahmen und unter­las­sene Unter­stüt­zung zu legi­ti­mie­ren“, er­klärt Koller.

In Linz wurden im Februar und März 2016 Brandanschläge auf die Zelte von mehr als 50 obdach­losen Per­so­nen, darun­ter auch viele Kinder, ver­übt. Read the rest of this entry »

„Viele versuchen, ihre Herkunft zu verschleiern“

Dezember 13th, 2017  |  Published in Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Tatjana Logwinjuk von Terne Roma (Foto: VolynNews.com)Ukrainische Roma werden von Behörden und Medien diskri­mi­niert – als Folge schot­ten sich Ge­mein­schaf­ten im­mer stär­ker ab. Frank Brendel (jW) sprach mit Tatjana Logwinjuk, der Lei­te­rin der Orga­ni­sa­tion »Terne Roma« (Junge Roma) in Lutsk, Ukraine.

Auch in der Ukraine gibt es eine Schulpflicht, die für alle gilt. Trotz­dem gibt es unter Roma in dem Land etli­che Analpha­be­ten. Wie kann es dazu kom­men?

Als die Ukraine unabhängig wurde, stieg der Anteil der Analpha­beten rapide. Bei den 30-jäh­rigen Roma liegt er bei rund 60 Pro­zent. Die Kinder gehen zur Schule, sitzen aber auf den hin­ters­ten Bänken und lernen kaum etwas. Die Lehrer ma­chen meis­tens die Eltern dafür ver­ant­wort­lich. Aber wie sollen die ihren Kindern hel­fen, die Schule zu bewäl­ti­gen, wenn sie selbst nicht lesen und schrei­ben können?
Als meine Tochter eingeschult werden sollte, wollte keine Leh­re­rin sie in der Klasse ha­ben, bis meine ukrai­ni­schen Bekann­ten dafür bürg­ten, dass man dieses Kind neh­men könne. Aber was soll einer machen, der keine sol­chen Be­kann­ten hat? Und wenn ein Kind aus ärm­li­chen Ver­hält­nis­sen stammt und nicht so sauber ist wie an­dere, dann heißt es häufig, es soll lie­ber zu Hause bleiben.

Wie steuern Sie dagegen?

Vor ein paar Jahren gründeten wir eine Versuchsklasse spe­ziell für Roma-Kinder. Das ging nach hin­ten los: Andere Kinder spra­chen von der »Affen­klasse«. Das Min­der­wertig­keits­gefühl der Roma-Kin­der wurde noch ver­stärkt. Dann haben wir Klassen als Vor­berei­tung für den Schul­eintritt ge­grün­det. Aber auf der all­gemein­bilden­den Schule kapseln sich die Kinder weiter­hin ein. Uns fehlt ein Programm zur Aus­bil­dung von demo­kra­tisch gesinn­ten Lehr­kräften, die sich von Stereo­typen über Roma frei machen.

Werden Roma auch in anderen Bereichen schlech­ter be­han­delt?

Wir werden ständig damit konfrontiert. Da gibt es zum Bei­spiel in den Kranken­häu­sern separate Kranken­zimmer. Nur weni­ge wehren sich da­ge­gen, aus Angst, nicht auf­ge­nom­men zu werden. Read the rest of this entry »

Respect Words: Hassrede in den Medien

Dezember 9th, 2017  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

RespectWordAus der Reihe „Respect Words“: Wie umgehen mit Hassrede in den Medien? – Antiziganismus als Phä­no­men der Mehr­heits­ge­sell­schaft

Radio Dreyeckland, 5.5.2017
➔Anhören (mp3): 58:40 min

Beim Seminar „Wie umgehen mit Hassrede in den Medien?“ spricht Markus End über Anti­ziga­nis­mus in den deutschen Medien. Er analy­siert dafür einen Bei­trag des Rund­funks Berlin-Bran­den­burg im Magazin Klartext vom 27. April 2016. Vor dem Hinter­grund anti­ziga­nis­ti­scher Kon­tinui­tä­ten seit dem Völker­mord im Na­tio­nal­sozia­lis­mus er­läu­tert Markus End die stereo­typen und dis­krimi­nie­ren­den Berichte über (ver­meint­li­che) Sinti und Roma, wie sie all­täg­lich in den Medien auf­tauchen.

Weitere Informationen zum Projekt Respect Words, das sich mit Hate Speech in den Medien be­schäf­tigt, un­ter www.respectwords.org

(Text: www.rdl.de)

Das Beispiel von Spišský Hrhov

Dezember 4th, 2017  |  Published in Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Slowakei: Einkommen für Roma im gemeindeigenen Betrieb (Foto: Das Este)Slowakei: Gelungene Integration von Roma
Das Erste: Europamagazin vom 3.12.2017

>>Zum TV-Beitrag: Das Erste (online bis 3.12.2018)

In der Slowakei leben Roma meist ohne Job am Rand der Gesell­schaft. Der Bürger­meister des klei­nen Dorfes Spišský Hrhov (Prešovský kraj) woll­te das nicht län­ger hin­neh­men. Die rund 350 Roma des Ortes stel­len im­mer­hin ein Fünftel der Be­völ­ke­rung. Bürger­meis­ter Vladimír Ledecký hat einen Ge­mein­de­betrieb nur für Roma ge­grün­det und da­mit Arbeits­plätze und be­schei­de­nen Wohl­stand ge­schaf­fen. Zu­nächst wa­ren die Dorf­be­woh­ner skep­tisch, aber in­zwi­schen hat der Bürgermeister den gan­zen Ort hinter sich. Sein Erfolgs­rezept: Ganz viel Ei­gen­initia­tive, Hart­näckig­keit und Engage­ment. Der Gemeinde­betrieb mit den Roma fi­nan­ziert sich selbst, durch gärtnerische und land­schafts­gestal­te­rische Arbe­iten. Staat­liche Zu­schüs­se gibt es nicht.

(Autor: Jürgen Osterhage)

Siehe auch:
Slovak Village Prospers in Partnership With Roma Residents It Once Shunned (New York Times, 9.9.2017)

RomaRespekt #23: Gegen Bettelverbote

Dezember 2nd, 2017  |  Published in Einrichtungen, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radio RomarespektRadio RomaRespekt #23:Was stört’s euch, wenn Leute betteln?“

Sendung vom 4.11.2017: In Dresden. Lokale Zeitungen hatten erst über Men­schen berich­tet, die in der Innen­stadt musi­zie­ren, dann über Men­schen, die dort betteln, dann über Kinder, die dabei sind, wenn ihre Eltern betteln. Die Medien pau­scha­li­sie­ren alle diese Men­schen zu Roma. Es sind nur einige we­nige Fami­lien in Dresden, die bet­teln. Den­noch empfin­det man dort diese Weni­gen als Sicher­heits­problem, die nichts weiter tun, als ihre Hand aus­zu­strecken. Die Stadtverwaltung von Dresden hat nun eine neue Polizei­ver­ord­nung ent­worfen. Mit Law and Order soll gegen Armut vor­ge­gan­gen werden – oder viel­mehr gegen die Armen. In Dresden soll das Betteln ver­boten werden, die Armen sollen aus der Stadt ver­drängt werden, und das Betteln mit Kinder soll sogar mit einer Strafe von 1.000 € ge­ahn­det werden. Das Ganze ist von einem ras­sis­ti­schen und armen­feind­li­chen Diskurs in der Öffent­lich­keit Dresdens be­gleitet. Es regt sich Wider­spruch, es grün­dete sich die Dresdner Bettellobby nach dem Wiener Vor­bild (wir berichteten). In der Sen­dung spre­chen dazu Gjulner Sejdi vom Leip­zi­ger Verein Romano Sumnal, Dieter Wolfer vom Treberhilfe Dresden e.V. – beide sind Teil der Dresdner Bettellobby, der Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler Markus End so­wie Simonida Selimovic und Sandra Selimovic – bei­de sind bei der Wiener Bettellobby aktiv.

(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)

BettelLobby Dresden: Read the rest of this entry »

Konferenz „Every day is Romaday!“

November 28th, 2017  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Romaday - Konferenz in Deutschland„Aus der Praxis lernen – bundesweit gegen Antiziganismus!“ Unter die­sem Motto ver­an­stal­tete das Bündnis für Solidarität mit den Sinti und Roma Europas am Mitt­woch in Berlin die Kon­fe­renz „Every day is Romaday! Dialog mit Politik, Behörden und Bil­dungs­ein­rich­tun­gen in Deutschland“. Wel­che Stra­te­gien zur gleich­be­rech­tig­ten Teilhabe von Sinti und von Roma funk­tio­nie­ren und wo gibt es noch Ver­bes­se­rungs­mög­lich­kei­ten? An­läss­lich des fünf­ten Jahres­tags der Ein­weihung des Denkmals für die im Natio­nal­sozia­lis­mus ermor­deten Sinti und Roma Europas wurde bei der Fach­kon­ferenz hier­zu ein Fazit gezogen.

Etwa 250 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus der gan­zen Bundes­republik kamen in Berlin zu­sam­men, um be­ste­hende Kontro­ver­sen zu dis­ku­tie­ren und neue Ko­opera­tio­nen in den Berei­chen Arbeits­markt, Bildung, Anti­diskrimi­nie­rung, Soziale Lage/Wohn­situation, Kultur, Bleiberecht, Migration und inter­na­tio­na­le Pro­jekte zu ver­abreden.

Im Vorbereitungsprozess wurden zusammen mit den Kommu­nen und regio­nalen Roma- und Sinti-Or­gani­sa­tio­nen vier Landes­fach­tage, 26 Sym­posien und etwa 40 Jugend­workshops im ge­sam­ten Bundes­gebiet durch­geführt. Darüber hinaus ha­ben die Bünd­nis­part­ner und Bündnis­part­nerin­nen ge­mein­sam mit den Akti­ven aus den Bundes­ländern eine Abschluss­erklärung mit Hand­lungs­empfeh­lun­gen zur Über­win­dung des Anti­ziganismus und zur För­de­rung der Gleich­stellung von Roma und Sinti in Deutschland ent­wickelt. Diese soll einer neu ge­bil­de­ten Bundes­regie­rung zum Start der Legis­latur­periode mit auf den Weg ge­ge­ben wer­den. Das Bündnis für Soli­da­rität mit den Sinti und Roma Europas und die Akt­iven aus den Bundes­län­dern for­dern:

  • die Bildung eines Expertenkreises „Antiziganismus“, Maßnah­men zur Über­windung des insti­tu­tio­nel­len Anti­ziganis­mus und die An­erken­nung von Anti­ziganis­mus als Asyl­grund,
  • die Bereitstellung eines Fonds für die Qualifi­zie­rung und Beschäf­tigung von Roma und Sinti im Bil­dungs­bereich,
  • die Bereitstellung ausreichender Mittel für die Kom­mu­nen und die poli­ti­sche Unter­stüt­zung der Integra­tion von Ein­gewan­der­ten mit Romno-Hin­ter­grund auf al­len Ebenen.

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Betteldebatte: Rassismus in Salzburger Medien­

November 27th, 2017  |  Published in Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Universität WienDanyal Maneka (2016): Die Anderen der Mozartstadt – Zur Rolle ras­sis­ti­scher Be­deu­tungs­kon­struk­tion im Salzburger Print­medien­diskurs vor dem Beschluss des sek­to­ra­len Bet­tel­ver­bots

Bachelorarbeit (Institut für Poli­tik­wis­sen­­schaft), Uni­ver­si­tät Wien, 44 S.

>>>Download (pdf)

[Die Berichterstattung] begann relativ abrupt Ende Februar 2015 und en­dete An­fang Juni 2015 eben­so plötz­lich wie­der, und zwar zeit­gleich mit dem Beschluss ei­nes sektoralen Bettelverbotes durch die Ge­mein­de. Die Inten­sität der Bericht­er­stat­tung (in drei Mo­na­ten ca. 180 Beiträge in den zwei größ­ten Zeitungen!), die Se­quenz von media­ler Auf­merk­sam­keit und Han­deln der Politik und der plötz­liche Abfall der Auf­merk­sam­keit nach dem Handeln lässt ver­mu­ten, dass es sich bei der Medien­kampagne um eine Offen­sive gegen Armuts­migran­tInnen aus Süd­ost­europa (…) han­delt.

(…) Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich nicht mit der Praxis der Migra­tion oder des Bettelns an sich (…). Thema ist aus­schließ­lich die print­mediale Reprä­sen­ta­tion tem­po­rärer Armuts­migra­tionen (von RomNija) im Vor­feld des Beschlus­ses des sekto­ralen Bettel­verbots. Ge­nauer gesagt soll der Frage nach­gegan­gen werden, ob Rassismus in der Salz­bur­ger Print­medien­debatte über das Betteln und seine Ak­teurIn­nen in den drei Mona­ten vor dem Beschluss eine Rolle spielt, um Auf­schluss darüber zu er­hal­ten, in­wie­weit Res­sen­ti­ments im kon­kreten Fall den repres­siven Um­gang mit Armuts­migran­tInnen legi­ti­mie­ren. Anders ge­sagt: Ent­hält die Art und Weise wie AutorInnen Armuts­mig­ran­tInnen dar­stel­len rassistische Ele­mente?

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Der Kampf gegen Antiziganismus

November 23rd, 2017  |  Published in Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte

Der Kampf gegen Antiziganismus in EuropaDer Kampf gegen Antiziganismus in Europa
Eine Veröffentlichung der Grünen im Euro­päi­schen Par­la­ment
>>Download (pdf)

Antiziganismus ist eine spezifische Form des Rassismus, die sich gegen Angehörige der Roma-Min­der­heiten (und ähn­li­cher Grup­pen)  in ganz Europa rich­tet. Der Kampf gegen Armut und soziale Aus­gren­zung, denen viele Roma in ganz Euro­pa aus­gesetzt sind, kann daher nur wirk­sam ent­gegen­ge­tre­ten wer­den, wenn auch der tief ver­wur­zelte Anti­ziganis­mus be­kämpft wird. Die vor­lie­gen­de Publikation soll einen Bei­trag leisten im Kampf gegen Anti­ziganis­mus. Sie möchte infor­mieren und ein Bewusst­sein schaf­fen für die viel­schichtige Dis­krimi­nierung denen euro­päische Roma auf­grund von Anti­ziganismus aus­gesetzt sind. An­hand kurzer Aufsätze von grünen Abge­ord­neten, Roma-Ak­ti­vist/innen und Wis­sen­schaft­ler/innen wird die EU-Politik be­züglich Roma und der Anti­ziganis­mus in Österreich, Tschechien, Frankreich, Deutschland, Ungarn und Schweden analy­siert.

(Text: Zentalrat)

Preisverdächtig: „Schluchten – Neue Nachbarn“

November 22nd, 2017  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte

Schluchten: Ein theatraler Spaziergang (Foto: Christian Menkel/Nyx e.V.)Zum zweiten Mal wird dieses Jahr in Deutschland der Amadeu-Antonio-Preis für krea­ti­ves Engage­ment für Men­schen­rechte – ge­gen Rassis­mus und Dis­kri­mi­nie­rung ver­liehen. Von der Ama­deu-Anto­nio-Stif­tung und der Stadt Eberswalde ver­geben, wür­digt der Preis kreati­ves künst­le­ri­sches Engage­ment für Men­schen­rechte. Zugleich erin­nern wir mit dem Preis an den gewalt­sa­men Tod von Amadeu Antonio vor 27 Jah­ren und an die vielen weivteren Opfer rassis­ti­scher Gewalt seit­her. Ins­gesamt drei Preise wer­den am 28. No­vem­ber 2017 ver­geben. Aus 60 Ein­rei­chun­gen der ver­schie­dens­ten Genres wähl­te die un­abhän­gi­ge Jury nun die sie­ben Nomi­nier­ten. Unter diesen das Theaterprojekt „Schluchten – Neue Nachbarn“ (ent­stan­den in Ko­opera­tion von Nyx e.V. und dem Regional­verband deutscher Sinti und Roma Augsburg). Das Web­magazin Belltower.News stellt das no­mi­nierte Projekt vor:

„Es gehört bestimmt mehr Mut dazu, einem Frem­den zu ver­trauen, als seine Anders­artig­keit abzulehnen.“ In Dorothea Schroeders Thea­ter­pro­jekt „Schluchten – Neue Nachbarn“ geht es um Vor­urteile und Vor­behalte gegen Sinti und Roma. In den Jahren 2015 und 2016 wurde es von Nyx e.V. in Zusam­men­arbeit mit dem Regional­ver­band deutscher Sinti und Roma Augsburg um­gesetzt. Schau­spieler, Sinti und Roma er­zählten authen­tische Ge­schich­ten bei ihren Füh­run­gen durch das Augs­bur­ger Fischerholz. Alexander Adler, selbst Sinto, war einer von ihnen. Mit ihm sprach Fiona Katharina Flieder.

Wie ist das Projekt entstanden?

Alexander Adler: Ich vermute, dass anfangs das Ziel von Dorothea Schroeder war, einen Einblick in die ver­meint­lich ab­geschot­tete Welt der Sinti und Roma zu gewäh­ren. Ehe­ma­lige Wohn­orte, Camping­plätze soll­ten gezeigt, auf Miss­stände hin­ge­wie­sen werden. Es sollte beleuch­tet werden, woher das Miss­trauen auf bei­den Seiten kommt und wo die größ­ten Defizite sind. Eine Tra­gödie, für die beide Sei­ten nichts können. Nach und nach zeigte sich je­doch an­schei­nend, dass es so ein­fach nicht ist. Das Projekt ent­wickelte sich weiter. Read the rest of this entry »

UNESCO-Menschenrechtszentrum für Graz

November 19th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

Sitzungssaal der Unesco in Paris (Foto: CC/Unesco/Michel Ravassard)Graz wird Standort eines neuen UNESCO-Zentrums für Men­schen­rechte. Das ha­ben die 192 Mit­glieds­län­der der UNESCO-Voll­ver­samm­lung in Paris ver­gan­gene Woche ein­stimm­mig beschlos­sen. Nach Buenos Aires wird es laut Pressemitteilung der Stadt Graz das welt­weit zweite Zentrum die­ser Art sein und den Fokus auf Südost­europa und Afrika rich­ten. (Weniger spek­taku­lär klingt aller­dings die Meldung der öster­rei­chi­schen UNESCO-Kom­mis­sion.)

Im Schreiben der scheiden­den UNESCO-Ge­ne­ral­sekre­tärin Irina Bokowa an die Stadt Graz heißt es:

Graz nennt sich mit Fug und Recht eine UNESCO-Stadt, und zwar auf­grund ihres Ein­satzes bei ver­schiede­nen wich­ti­gen Ver­pflich­tun­gen der Or­gani­sa­tion – ins­beson­dere ihre außer­ordent­lich wert­volle Unter­stüt­zung der Maß­nah­men der UNESCO zu­guns­ten der urba­nen In­klu­sion. Ihre Führungs­rolle war einer der Grund­steine für den Vor­schlag der Re­publik Ös­ter­reich, in Graz ein inter­na­tio­na­les Zentrum zur För­de­rung der Menschenrechte auf lo­kaler und re­gio­naler Ebene zu grün­den, das unter der Schirm­herr­schaft der UNESCO steht.

(dROMa)

25 Jahre VinziNest in Graz

November 14th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Leiter August Eisner inmitten der Bewohner (Foto: VinziWerke)Zuflucht für Schutzlose — Die Grazer Not­­schlaf­­stelle für Armuts­­migran­­ten be­­­geht ihr ers­­tes viertel Jahr­­hun­­dert und zeigt, dass Armut nach wie vor prä­­sent ist

Die, die keiner wollte. Papst Franziskus hat einen „Welttag der Armen“ ein­­ge­­führt, der dieses Jahr am 19. No­­vem­­her 2017 erst­­mals statt­­findet. Die VinziWerke neh­­men dies zum Anlass, um auf das Jubiläum ih­­rer Notschlafstelle VinziNest auf­­merk­­sam zu ma­­chen: 25 Jahre in­­ten­­si­­ver Ein­­satz für die Unter­­brin­­gung von Armutsmigranten, die in Graz nie­­mand wollte.

Als 1992 während des Balkankrieges hunderte ausländische Männer am Grazer Haupt­­bahnhof stran­­deten und niemand ihnen hel­­fen wollte, setzte sich ein Mann dafür ein, dass auch sie ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen be­­kamen: Pfarrer Wolfgang Pucher. Ein Zelt­­dorf wurde er­­rich­­tet und er­­mög­­lich­­te die Unter­­brin­­gung dieser Männer über den Som­­mer. Im Novem­­ber darauf wurde in einer ehe­­maligen Strickerei in der Kern­­stock­­gasse 14, 8020 Graz, die Notschlafstelle VinziNest er­­öffnet.

Hardfacts:

Das VinziNest versteht sich als Notschlafstelle für männliche Aus­­länder und ist eine reine Nacht­­schlafstelle mit einer Kapa­­zität von 80 Plätzen. Das VinziNest ist täg­­lich von 18 bis 7 Uhr ge­­öffnet, Ein­­lass ist von 16 bis 22 Uhr. 80 Men­­schen erhalten pro Tag eine warme Mahlzeit und haben die Mög­­lich­­keit, dort ihre Wäsche waschen zu las­­sen. Zu­­sätz­­lich erfolgt wö­­chent­­lich eine medizi­­nische Ver­­sor­­gung durch die rol­­lende Marien­­ambulanz, ein­­mal im Monat eine Rechts­­beratung sowie ein Deutsch- bzw. Alpha­­beti­­sie­­rungs­­kurs durch das Pro­­jekt ZORROM der Caritas. Read the rest of this entry »

Alexander „Billy“ Nardai erzählt

November 6th, 2017  |  Published in Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Rassismus & Menschenrechte

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba
Medienworkshop von Roma-Service & Karika
Ein Beitrag von Katharina Karaman

Alexander „Billy“ Nardai phukal

Alexander „Billy“ Nardai wurde am 4. Oktober 1950 in Eisenstadt ge­bo­ren. „Billy“, so wie ihn seine Freun­de nen­nen, erzählt über seine Kindheit, seine Eltern und das Leben in der Roma-Siedlung. Ge­mein­sam mit seinen Eltern, der Romni Gisela Nardai und dem Nicht-Rom Heinrich Müller, so­wie mit seiner Schwes­ter Gisela wuchs der heute 67-jäh­rige Rom in der zwei­ten Oberwarter Roma-Sied­lung, wo ak­tuell das Kranken­haus steht, in ärm­lichen Ver­hält­nissen auf. Heftige Dis­kri­mi­nie­rung bekam „Billy“ in seiner Schulzeit zu spüren. Diese ne­ga­tiven Er­leb­nisse präg­ten ihn auch noch in seiner Jugend­zeit. Nach Be­endi­gung seiner Schul­zeit wollte Ale­xan­der Nardai Fleisch­hauer wer­den, je­doch gab es für ihn nie die Mög­lich­keit, eine Lehre zu be­gin­nen. So ging „Billy“, wie viele andere Roma auch, nach Wien und ar­bei­tete bis zu seiner Pen­sio­nie­rung bei der Fa. Teerag-As­dag (jetzt Fa. PORR) am Straßen­bau. Durch Fleiß und Ein­satz sowie durch Weiter­bildung schaff­te Alexan­der Nardai es in die Posi­tion eines Poliers. Stets war er be­müht, ein Vorbild für seine Mit­arbei­ter zu sein.

Alexander „Billy“ Nardai ando 4to okto­beri 1950 Tikni Martonate upro them alo. „Billy“, afka sar le les­kere paj­tasch­tscha akaren, pedar pro tscha­voripe, pedar pri daj taj pedar pro dad taj pedar o dschi­vipe andi Romen­geri sid­lung, phu­kal. Khe­tan pra da­jaha taj pre da­deha, la Rom­naha Gisela Nardai taj le ga­dscho­ha Heinrich Müller taj pra phen­jaha Gisela, o adi­veses­kero 67 berschen­gero Rom, andi 2ti Erbakeri Ro­men­ge­ri sid­lung, kaj akan i schpita ter­dschol, tscho­rikan upre bar­tschino. Read the rest of this entry »

Radijo Erba: Anka & Baki

November 4th, 2017  |  Published in Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Rassismus & Menschenrechte

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba
Medienworkshop von Roma-Service & Karika
Ein Beitrag von Eva Horvath

Die große Liebe brachte Anita Horvath nach Öster­reich: 1978 packte Anita Hor­vath ihre Koffer und ließ ihre Heimat­stadt Murska Sobota (Slowenien) zu­rück. Die junge Romni folgte ihrem Ehe­mann Em­me­rich Horvath (Baki) nach Österreich. Ge­mein­sam bauten sie sich eine Existenz in der Roma-Sied­lung in Unterwart auf. Aus der ge­mein­sa­men Ehe stam­men zwei Kinder – Tamara und Dominik. „Anka“, so wie sie von ihrer Familie oder Freun­den ge­nannt wird, wuchs in ärm­li­chen Ver­hält­nis­sen auf. Da das Geld stets knapp war und sie auf ihre Ge­schwis­ter auf­pas­sen muss­te, blieb Anita nichts über, als bereits in jun­gen Jahren zum Ein­kommen bei­zu­tra­gen. So war ein regel­mäßi­ger Besuch der Schule nicht ge­ge­ben. Durch das Engage­ment einer Leh­re­rin, die zu ihr nach Hause kam und sie unter­rich­tete, erlern­te sie wenigstens das Lesen und Schreiben. Das Zu­sam­men­leben mit der Mehrheits­bevöl­ke­rung in Murska Sobota war auch nicht gera­de rosig, jedoch in Öster­reich war die Ab­neigung gegen­über Roma größer. Dies bekam auch Anita zu spü­ren. Sie war stets eine Kämpfe­rin und so hat sie sich durch ihren vor­bild­li­chen Ein­satz auch in Öster­reich durch­ge­setzt. Anitas Wunsch ist, dass ihre Fa­milie weiter­hin gesund bleibt und die Mensch­heit in Frieden zu­sam­menlebt.

O baro kamipe la Anita Horvath andi Austrija antscha. 1978 i Anita Horvath pre ko­fertscha po­kintscha taj pro haj­ma­takero foro Murska Sobota (Slovenija) pal peste muk­la. I terni Romni pre mur­scheha Emmerich Horvath (Baki) andi Austrija geli. Khe­tan, andi Romen­geri sidlung Tenuerba, jek eksis­tenca upre pu­menge bau­ninde. Andar o soha­ripe 2 tschave del – la Tamara taj le Dominik. „Anka“, afka sar oj pra familijtar taj pre pajta­schen­dar akardi ol, tscho­rikan upre bartschini. Read the rest of this entry »

Bulgarien: Vizepremier wegen Hetze verurteilt

November 1st, 2017  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Bulgariens Vizeregierungschef im Parlament (Foto: Youtube/Romea.cz)Bulgariens Vize­premier und In­tegra­tions­be­auf­trag­ter Waleri Simeonow we­gen einer Hass­rede ge­gen Roma ver­ur­teilt.

Deutsche Welle: Es war eine doppelte Premiere für Bulgarien: Das Kreisgericht Burgas ver­urteil­te in der ers­ten Instanz den Vize­regierungs­chef Waleri Simeonow wegen einer Hate Speech gegen­über der Roma-Min­der­heit im Lande. Einer­seits waren bisher die bulga­ri­schen Gerichte sehr zöger­lich, wenn es um Hassreden gegen Roma ging. Gleich­zei­tig wurde bis­lang in Bulgarien noch nie ein stell­ver­treten­der Regierungs­chef ver­urteilt (…). Eine Stellung­nahme der Regierung dazu blieb aller­dings aus und Simeonow be­hielt seinen Posten. (…) Verurteilt wurde er wegen einer Rede im bulgari­schen Parlament am 17. De­zem­ber 2014. Der 62-jäh­rige Politiker (…) sagte über die Roma unter an­de­rem:

Es sind dreiste, wild ge­wor­dene men­schen­ähn­li­che Wesen, die auf Lohn ohne Arbeit be­stehen und die das Kranken­geld kas­sieren, ohne krank zu sein. Die das Kinder­geld be­kom­men für Kinder, die auf der Straße mit den Schwei­nen spie­len, und für Frauen mit einem Instinkt von Stra­ßen­hün­din­nen.

Das Gericht stellte fest, dass diese Aussage (…) als Hetze gegen die Roma-Min­der­heit zu be­han­deln ist. Solche Aus­sagen, heißt es in der Urteils­begrün­dung, würden „eine feind­liche, er­nied­ri­gende, dif­famie­rende und be­leidi­gen­de Atmo­sphäre schaf­fen, so­dass sich jede Person mit einer ethni­schen Roma-Zu­ge­hö­rig­keit davon betrof­fen fühlen kann.“ Geklagt haben zwei Roma-Jour­na­lis­ten: Kremena Budinova und Ognian Issaev. Da sie aus­drück­lich kein Schmer­zens­geld wollten, wur­de Simeonow nur dazu verurteilt, die in­kri­mi­nier­te Tat ein­zu­stellen und in Zukunft davon ab­zu­sehen. In einer Erklä­rung nach dem Urteil erin­nert die An­wäl­tin Margarita Ilieva daran, das der Ver­urteil­te nicht nur Vizepremier, son­dern auch Leiter des Integra­tions­rats für eth­ni­sche Minder­hei­ten ist.

Simeonows Partei NFSB sieht in ihrem Wahlprogramm die Auf­lö­sung der „Zigeuner­ghettos“ vor so­wie die Iso­lie­rung der Roma in geschlos­se­nen „Reservaten“ nach dem Vor­bild der Indianer- oder Abori­gine-Re­ser­vate, die zu einer „Touris­ten-Attrak­tion“ wer­den könn­ten. Im Ver­lauf seiner Karriere als Politiker hat er sogar über „mo­der­ne Kon­zentra­tions­lager“ sin­niert. Read the rest of this entry »

GfbV-Bericht: „Fahrende Roma in der Schweiz“

Oktober 31st, 2017  |  Published in Dokumente & Berichte, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Fahrende in der SchweizGesellschaft für bedrohte Völker Schweiz (Hg): Fahrende Roma in der Schweiz. Bedürfnisse, Herausforderungen und Perspektiven, Bericht v. Okt. 2017, 88 S.

>>Download: „Fahrende Roma in der Schweiz“ (PDF)

Im Rahmen des Projektes «Fahrende Roma in der Schweiz » hat die Gesell­schaft für be­droh­te Völker (GfbV) in Zu­sam­men­arbeit mit dem Verband Sinti und Roma Schweiz einen Bericht er­ar­bei­tet, der Auf­schluss über die Lage und Be­dürf­nisse der fah­ren­den Roma gibt sowie die Per­spek­tive der Polizei re­flek­tiert. Darüber hinaus will der Ende Ok­to­ber 2017 ver­öffent­lich­te Bericht einen Ein­blick in die Ge­schichte, Kultur und so­zia­le Or­gani­sa­tion der Roma ver­schaf­fen und setzt sich mit ihrer recht­li­chen Situa­tion in der Schweiz aus­einan­der. Schließ­lich for­mu­liert die GfbV kon­krete Empfeh­lun­gen zur Ver­bes­se­rung der gegen­wär­ti­gen Si­tu­ation.

Rechtlicher Schutz und Platzsituation

Aus rechtlicher Perspektive haben nicht nur Schweizer, son­dern auch aus­län­dische fahrende Min­der­hei­ten An­spruch auf ein Halte­recht in der Schweiz – dies unter ande­rem auf­grund des Dis­krimi­nie­rungs­ver­botes und des Min­der­heiten­schutzes. Im neuen Bericht der GfbV wer­den daher detail­liert die völker- und ver­fassungs­recht­li­chen Grund­lagen be­schrie­ben, unter de­ren Schutz die fahrenden Roma in der Schweiz ste­hen. Sind diese im Besitz einer Reise­gewerbe­bewil­li­gung, so ist ihnen die Erwerbs­tätigkeit in der Schweiz er­laubt. Die meisten Roma, welche die Schweiz durch­reisen, stam­men aus west­euro­päi­schen Ländern und ar­beiten jeweils meh­rere Monate in der Schweiz. Gemäß Frei­zügig­keits­abkom­men zwi­schen der EU und der Schweiz sollen sie bei Einreise, Ausreise und Arbeit gleich­berech­tigt gegen­über Schwei­zerin­nen und Schwei­zern sein. Die Dis­krimi­nie­rung von fahren­den Roma auf Schweizer Halte­plätzen zeigt je­doch auf, dass in der Reali­tät das Gegenteil der Fall ist: In den letzten Jahren hat sich die Situa­tion für die fahren­den Roma bezüg­lich Transit- und Durch­gangs­plätzen stark ver­schlechtert.

Viele Kantone haben begonnen, ihre Plätze nach «Schweizer Fahrende» und «auslän­dische Fahrenden» auf­zu­teilen. Laut Stand­bericht 2015 des Gut­achtens «Fahrende und Raumplanung» sind mehr als die Hälfte der be­ste­hen­den Durch­gangs­plätze für «aus­län­di­sche Fah­rende» nicht mehr ge­öffnet. Read the rest of this entry »

Berlin: „Abseits im eigenen Land“

Oktober 28th, 2017  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Sport, Veranstaltungen & Ausstellungen

Roma im Sport„Abseits im eigenen Land“ – Sinti- und Roma-Sportler

Eine Ausstellung von Andrzej Bojarski

Zu sehen vom 1. Nov. bis 20. Dez. 2017 im DokuZ Sinti und Roma Berlin. Öff­­nungs­­zei­­­ten: Mo. und Mi. von 9.30 Uhr bis 16.00 Uhr so­­­wie auf An­­­fra­­ge (berlin@sintiundroma.de)

Eröffnung mit Podiumsdiskussion am 30.10.2017:
Thema „Diskriminierung und Sport“
19:00 Uhr, DokuZ, Prinzenstraße 84.2

Rassismus im Sport – ein wichtiges und sehr akt­uel­les Thema: Ob im Stadion, im Verein oder in der Be­richt­erstat­tung, Ras­sis­mus und Anti­ziganis­mus zei­gen sich im­mer wieder und in unter­schied­li­chen Dimen­sio­nen: Die Aus­gren­zung reicht von der Ver­ba­li­sie­rung weit ver­brei­te­ter Vor­urteile, über neo­nazis­tische Hetz­paro­len (z.B. „Zick Zack Zi­geu­ner­pack“) bis hin zu ge­walt­täti­gen Über­griffen. In der Sportgeschichte gibt es zahlreiche Fälle von Dis­krimi­nie­rung und Aus­schluss – be­son­ders be­troffen sind Min­der­heiten­ange­hö­rige. Drei „ver­ges­sene Helden“ des Sports – Oswald Marschall, Walter Laubinger und Sergio Peter – werden in der Aus­stel­lung „Abseits im eigenen Land“ präsentiert.

Die Ausstellung wird mit einem Podiums­gespräch zum The­ma „Dis­kri­mi­nie­rung und Sport“ er­öffnet. Es diskutieren:

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