Rassismus & Menschenrechte
Januar 10th, 2018 |
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Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Fachgespräch (21.2.) und Konferenz (22./23.2.) zu „Antiziganismus und Film“ in Berlin
Das Thema „Antiziganismus und Film“ ist hochaktuell und eine tiefergehende Auseinandersetzung und Debatte dazu steht bislang aus. In den letzten Monaten gab es größere öffentliche Aufmerksamkeit und kritische Debatten zu gleich drei aktuellen Kinoproduktionen. Zum einen die inhaltliche Ausrichtung des Kinder- und Jugendfilms „Nellys Abenteuer“ (hier und hier) wie auch seine Produktionsbedingungen, die auf Einladung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma bei einem Fachgespräch in Berlin kontrovers diskutiert wurden. Zum anderen der französische Film „À bras ouverts“ („Hereinspaziert“), der bereits Anfang des Jahres in Frankreich eine Debatte über Rassismus im Kino auslöste und nun auch in Deutschland und Österreich stark kritisiert wird. Auch die Besetzung einer männlichen Hauptrolle in der geplanten Verfilmung von Mikey Walshs Memoiren „Gypsy Boy“ mit Benedict Cumberbatch hat in Großbritannien eine Diskussion über „Whitewashing“ im Kino angefacht.
Bereits seit Jahren ist das Thema „Roma“ und damit in vielfältiger Weise auch das Thema „Antiziganismus“ in der Filmbranche präsent. Filme wie „Epizoda u životu berača željeza“ („Aus dem Leben eines Schrottsammlers“), „Csak a szél“ („Just the wind“) oder „Aferim!“ erlangten Preise auf den großen Filmfestspielen. Aufwendige Kinoproduktionen wie „Sherlock Holmes: A Game of Shadows“ („Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“) oder „Chocolat“ („Chocolat – Ein kleiner Biss genügt“) bemühen antiziganistische Stereotype und verschiedenste Fernsehproduktionen der letzten Jahre und Jahrzehnte setzen sich gewollt oder ungewollt mit diesem Themenfeld auseinander. Erinnert sei nur an die kontroversen Diskussionen zu den Tatort-Folgen „Armer Nanosh“ (1989) und „Brandmal“ (2008). Filme, die explizit aus einer Romani-Perspektive produziert und erzählt werden, schaffen es hingegen selten über den Status des ‚Nischenfilms’ hinaus.
Vorläufiges Programm Read the rest of this entry »
Januar 5th, 2018 |
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Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Hasskriminalität in Deutschland: Innenministerium nennt erstmals provisorische Fallzahlen zu politisch motivierten Straftaten gegen Roma und Sinti
Das Bundesinnenministerium in Berlin zeigte sich in der parlamentarischen Beantwortung einer Kleinen Anfrage (19/64) der Linken-Bundestagsfraktion zur „Entwicklung des Antiziganismus in Deutschland ab 2015“ besorgt über die Zahl der Angriffe auf Roma und Sinti. Der Anfragebeantwortung des Ministeriums ist zu entnehmen, dass von den Ländern im Jahr 2017 (bis zum Stichtag 17. November) bislang 30 politisch motivierte Straftaten gegen Roma und Sinti gemeldet wurden. Bei einem Angriff wurde in Berlin im April 2017 eine Person verletzt; in einem weiteren Fall wurde ein von Roma bewohntes Haus gezielt attackiert. Sechs Straftaten betreffen romafeindliche Äußerungen in sozialen Medien. Angesichts der relativ überschaubaren Fallzahlen ist allerdings noch Skepsis angebracht. Zum Vergleich: Im Antiziganismusbericht von Amaro Foro wurden allein in Berlin 2016 568 antiziganistische Vorfälle dokumentiert. Das Ministerium weist darauf hin, dass es sich lediglich um vorläufige Fallzahlen handle, die sich „bis zum Meldeschluss am 31. Januar 2018 noch verändern können“. Zudem werden Straftaten in diesem Bereich in der Statistik der Kriminalpolizei erst seit Jahresbeginn 2017 gesondert erfasst, über die vorangegangenen Jahre lägen keinerlei Daten vor.
Mit Wirkung zum 1. Januar 2017 wurde das Unterthema „Antiziganistisch“ in den Themenfeldkatalog des Kriminalpolizeilichen Meldedienstes – Politisch Motivierte Kriminalität (KPMD-PMK) zum Oberthema „Hasskriminalität“ aufgenommen. Erst seit diesem Zeitpunkt ist eine trennscharfe Abbildung von Straftaten mit einer antiziganistischen Motivation möglich. Für antiziganistische Straftaten vor diesem Zeitpunkt gilt: Straftaten gegen Sinti und Roma sind Teil der Hasskriminalität mit dem Unterthema „Fremdenfeindlich“, sie können jedoch keinem separaten Unterthema zugeordnet und statistisch nicht beziffert werden. Read the rest of this entry »
Januar 4th, 2018 |
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Interview, Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Rassismus & Menschenrechte
Radijo Erba & TV Erba
Medienworkshop von Roma-Service & Karika
Beitrag von Adolf Gussak
Naschigejipe ando naphandlo them (falato 3)
Im dritten und letzten Teil unserer Reportage (Teil 1 und Teil 2) haben wir Frau Dagmar Frühwirth-Sulzer und Herrn Rainer Klien im Interview. Beide sind im Bereich Flüchtlingshilfe und Menschenrechte tätig. Sie erzählen von ihren Aufgaben und persönlichen Erlebnissen mit Migranten und Migrantinnen.
Ando triti taj lejcti falato amara reportaschatar (falato 1 taj falato 2) la Dagmar Frühwirth-Sulzeraha taj le Rainer Klieniha vakerdo ol. So dum ando naschigejipeskero pomoschago taj ando manuschengere tschatschiptscha butschalinen. On pedar pumari buti taj peder pumare terdschijiptscha le migrantenca taj migrantkijenca, phukan.
(Jek keripe le Adolf Gussakistar)
Dezember 18th, 2017 |
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Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Antiziganismus auf der Tagesordnung der EU High Level Group zur Bekämpfung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und anderen Formen von Intoleranz
Die EU High Level Group zur Bekämpfung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und anderen Formen von Intoleranz, bei der Vertreter/innen der EU-Mitgliedstaaten und Vertreter/innen der Zivilgesellschaft zusammenkommen, legte bei ihrem 4. Treffen am 5. Dezember 2017 besonderes Augenmerk auf das Phänomen Antiziganismus.
Vera Jourova, EU-Kommissarin für Justiz, Verbraucher und Gleichstellungsfragen, brachte in ihrer Eröffnungsrede ihre tiefe Besorgnis über die weitverbreitete soziale Akzeptanz von Antiziganismus zum Ausdruck. Als aktuelles Beispiel nannte sie einen Fall von Hassreden und Morddrohungen gegen einen tschechischen Roma-Sänger, Gypsy.cz, der vom nationalen Gericht mit nur 4 Euro Strafe geahndet wurde. Gerichtsurteile wie diese senden eine fatale Botschaft in die Gesellschaft, wenn es darum geht, Antiziganismus zu bekämpfen.
MdEP Soraya Post (S&D Fraktion) betonte die Notwendigkeit, die Hauptursache für Diskriminierung und Hass gegen Roma – den Antiziganismus – zu beseitigen, und rief alle Regierungen und Pflichtenträger/innen dazu auf, Verantwortung für ihre Bürger/innen zu übernehmen. Post warnte: „Europa steht erneut am Scheideweg. Extremistische Parteien geraten immer häufiger in Regierungsverantwortung, ausländerfeindliche Stimmen werden immer lauter und bisweilen von Regierungsmitgliedern toleriert.“
Jamen Gabriela Hrabanova, Direktorin des ERGO-Netzwerks, stellte in ihrem Beitrag das Referenzpapier Antiziganismus vor und wies darauf hin, dass es wichtig sei, sich bei der Bekämpfung von Antiziganismus auf die Mehrheitsgesellschaft zu konzentrieren: „Es muss unbedingt anerkannt werden, dass Antiziganismus keine Minderheitenangelegenheit ist.“ Read the rest of this entry »
Dezember 14th, 2017 |
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Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte
Romano Centro (Hg.):
Antiziganismus in Österreich
Falldokumentation 2015–2017
Informationen für Betroffene und ZeugInnen
Wien, Dez. 2017, 32 S.
➔Download (pdf)
Der Verein Romano Centro präsentierte heute den dritten Bericht zu Antiziganismus in Österreich. Er enthält 55 antiziganistische Vorfälle aus den Bereichen Medien, Politik, Zugang zu Gütern und Dienstleistungen, Polizei, öffentlicher Raum, Arbeitswelt und Bildung. Sie reichen von Beleidigungen bis zu gewalttätigen Übergriffen.
„Antiziganismus ist ein weit verbreitetes Problem. In den letzten Jahren sehen wir europaweit ein Zunehmen rassistischer Rhetorik von Politikern, die damit ihre Popularität beim Wahlvolk erhöhen und gleichzeitig Antiziganismus verbreiten und legitimieren“, sagt Mirjam Karoly von Romano Centro, und erläutert weiter: „Wir begrüßen, dass die Republik Österreich die Bekämpfung von Antiziganismus als Schwerpunkt in die Roma-Strategie aufgenommen hat und wollen mit dem vorliegenden Bericht die Öffentlichkeit sensibilisieren und den Betroffenen Möglichkeiten aufzeigen, sich gegen Rassismus zu wehren.“
Antiziganistische Diskurse in Medien und Politik
Die Berichterstattung über Roma hat in den letzten beiden Jahren abgenommen, dadurch gibt es auch weniger Berichte, die Vorurteile verbreiten. „Dies dürfte vor allem auf die Fokussierung der Berichterstattung auf Flüchtlinge zurückzuführen sein“, erläutert Ferdinand Koller, Redakteur des Berichts. „Trotzdem kommt es vor allem in den Boulevardmedien häufig zu antiziganistischen Darstellungen beim Thema Betteln: Armutsbetroffene Familien werden pauschal als ‚organisierte Banden‘ bezeichnet und in die Nähe der Kriminalität gerückt. PolitikerInnen auf Landes- und Gemeindeebene verwenden dieselben antiziganistischen Bilder um Vertreibungsmaßnahmen und unterlassene Unterstützung zu legitimieren“, erklärt Koller.
In Linz wurden im Februar und März 2016 Brandanschläge auf die Zelte von mehr als 50 obdachlosen Personen, darunter auch viele Kinder, verübt. Read the rest of this entry »
Dezember 13th, 2017 |
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Interview, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte
Ukrainische Roma werden von Behörden und Medien diskriminiert – als Folge schotten sich Gemeinschaften immer stärker ab. Frank Brendel (jW) sprach mit Tatjana Logwinjuk, der Leiterin der Organisation »Terne Roma« (Junge Roma) in Lutsk, Ukraine.
Auch in der Ukraine gibt es eine Schulpflicht, die für alle gilt. Trotzdem gibt es unter Roma in dem Land etliche Analphabeten. Wie kann es dazu kommen?
Als die Ukraine unabhängig wurde, stieg der Anteil der Analphabeten rapide. Bei den 30-jährigen Roma liegt er bei rund 60 Prozent. Die Kinder gehen zur Schule, sitzen aber auf den hintersten Bänken und lernen kaum etwas. Die Lehrer machen meistens die Eltern dafür verantwortlich. Aber wie sollen die ihren Kindern helfen, die Schule zu bewältigen, wenn sie selbst nicht lesen und schreiben können?
Als meine Tochter eingeschult werden sollte, wollte keine Lehrerin sie in der Klasse haben, bis meine ukrainischen Bekannten dafür bürgten, dass man dieses Kind nehmen könne. Aber was soll einer machen, der keine solchen Bekannten hat? Und wenn ein Kind aus ärmlichen Verhältnissen stammt und nicht so sauber ist wie andere, dann heißt es häufig, es soll lieber zu Hause bleiben.
Wie steuern Sie dagegen?
Vor ein paar Jahren gründeten wir eine Versuchsklasse speziell für Roma-Kinder. Das ging nach hinten los: Andere Kinder sprachen von der »Affenklasse«. Das Minderwertigkeitsgefühl der Roma-Kinder wurde noch verstärkt. Dann haben wir Klassen als Vorbereitung für den Schuleintritt gegründet. Aber auf der allgemeinbildenden Schule kapseln sich die Kinder weiterhin ein. Uns fehlt ein Programm zur Ausbildung von demokratisch gesinnten Lehrkräften, die sich von Stereotypen über Roma frei machen.
Werden Roma auch in anderen Bereichen schlechter behandelt?
Wir werden ständig damit konfrontiert. Da gibt es zum Beispiel in den Krankenhäusern separate Krankenzimmer. Nur wenige wehren sich dagegen, aus Angst, nicht aufgenommen zu werden. Read the rest of this entry »
Dezember 9th, 2017 |
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Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Aus der Reihe „Respect Words“: Wie umgehen mit Hassrede in den Medien? – Antiziganismus als Phänomen der Mehrheitsgesellschaft
Radio Dreyeckland, 5.5.2017
➔Anhören (mp3): 58:40 min
Beim Seminar „Wie umgehen mit Hassrede in den Medien?“ spricht Markus End über Antiziganismus in den deutschen Medien. Er analysiert dafür einen Beitrag des Rundfunks Berlin-Brandenburg im Magazin Klartext vom 27. April 2016. Vor dem Hintergrund antiziganistischer Kontinuitäten seit dem Völkermord im Nationalsozialismus erläutert Markus End die stereotypen und diskriminierenden Berichte über (vermeintliche) Sinti und Roma, wie sie alltäglich in den Medien auftauchen.
Weitere Informationen zum Projekt Respect Words, das sich mit Hate Speech in den Medien beschäftigt, unter www.respectwords.org
(Text: www.rdl.de)
Dezember 4th, 2017 |
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Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Slowakei: Gelungene Integration von Roma
Das Erste: Europamagazin vom 3.12.2017
>>Zum TV-Beitrag: Das Erste (online bis 3.12.2018)
In der Slowakei leben Roma meist ohne Job am Rand der Gesellschaft. Der Bürgermeister des kleinen Dorfes Spišský Hrhov (Prešovský kraj) wollte das nicht länger hinnehmen. Die rund 350 Roma des Ortes stellen immerhin ein Fünftel der Bevölkerung. Bürgermeister Vladimír Ledecký hat einen Gemeindebetrieb nur für Roma gegründet und damit Arbeitsplätze und bescheidenen Wohlstand geschaffen. Zunächst waren die Dorfbewohner skeptisch, aber inzwischen hat der Bürgermeister den ganzen Ort hinter sich. Sein Erfolgsrezept: Ganz viel Eigeninitiative, Hartnäckigkeit und Engagement. Der Gemeindebetrieb mit den Roma finanziert sich selbst, durch gärtnerische und landschaftsgestalterische Arbeiten. Staatliche Zuschüsse gibt es nicht.
(Autor: Jürgen Osterhage)
Siehe auch:
Slovak Village Prospers in Partnership With Roma Residents It Once Shunned (New York Times, 9.9.2017)
Dezember 2nd, 2017 |
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Einrichtungen, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Radio RomaRespekt #23: „Was stört’s euch, wenn Leute betteln?“
Sendung vom 4.11.2017: In Dresden. Lokale Zeitungen hatten erst über Menschen berichtet, die in der Innenstadt musizieren, dann über Menschen, die dort betteln, dann über Kinder, die dabei sind, wenn ihre Eltern betteln. Die Medien pauschalisieren alle diese Menschen zu Roma. Es sind nur einige wenige Familien in Dresden, die betteln. Dennoch empfindet man dort diese Wenigen als Sicherheitsproblem, die nichts weiter tun, als ihre Hand auszustrecken. Die Stadtverwaltung von Dresden hat nun eine neue Polizeiverordnung entworfen. Mit Law and Order soll gegen Armut vorgegangen werden – oder vielmehr gegen die Armen. In Dresden soll das Betteln verboten werden, die Armen sollen aus der Stadt verdrängt werden, und das Betteln mit Kinder soll sogar mit einer Strafe von 1.000 € geahndet werden. Das Ganze ist von einem rassistischen und armenfeindlichen Diskurs in der Öffentlichkeit Dresdens begleitet. Es regt sich Widerspruch, es gründete sich die Dresdner Bettellobby nach dem Wiener Vorbild (wir berichteten). In der Sendung sprechen dazu Gjulner Sejdi vom Leipziger Verein Romano Sumnal, Dieter Wolfer vom Treberhilfe Dresden e.V. – beide sind Teil der Dresdner Bettellobby, der Politikwissenschaftler Markus End sowie Simonida Selimovic und Sandra Selimovic – beide sind bei der Wiener Bettellobby aktiv.
(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)
BettelLobby Dresden: Read the rest of this entry »
November 28th, 2017 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
„Aus der Praxis lernen – bundesweit gegen Antiziganismus!“ Unter diesem Motto veranstaltete das Bündnis für Solidarität mit den Sinti und Roma Europas am Mittwoch in Berlin die Konferenz „Every day is Romaday! Dialog mit Politik, Behörden und Bildungseinrichtungen in Deutschland“. Welche Strategien zur gleichberechtigten Teilhabe von Sinti und von Roma funktionieren und wo gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten? Anlässlich des fünften Jahrestags der Einweihung des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas wurde bei der Fachkonferenz hierzu ein Fazit gezogen.
Etwa 250 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus der ganzen Bundesrepublik kamen in Berlin zusammen, um bestehende Kontroversen zu diskutieren und neue Kooperationen in den Bereichen Arbeitsmarkt, Bildung, Antidiskriminierung, Soziale Lage/Wohnsituation, Kultur, Bleiberecht, Migration und internationale Projekte zu verabreden.
Im Vorbereitungsprozess wurden zusammen mit den Kommunen und regionalen Roma- und Sinti-Organisationen vier Landesfachtage, 26 Symposien und etwa 40 Jugendworkshops im gesamten Bundesgebiet durchgeführt. Darüber hinaus haben die Bündnispartner und Bündnispartnerinnen gemeinsam mit den Aktiven aus den Bundesländern eine Abschlusserklärung mit Handlungsempfehlungen zur Überwindung des Antiziganismus und zur Förderung der Gleichstellung von Roma und Sinti in Deutschland entwickelt. Diese soll einer neu gebildeten Bundesregierung zum Start der Legislaturperiode mit auf den Weg gegeben werden. Das Bündnis für Solidarität mit den Sinti und Roma Europas und die Aktiven aus den Bundesländern fordern:
- die Bildung eines Expertenkreises „Antiziganismus“, Maßnahmen zur Überwindung des institutionellen Antiziganismus und die Anerkennung von Antiziganismus als Asylgrund,
- die Bereitstellung eines Fonds für die Qualifizierung und Beschäftigung von Roma und Sinti im Bildungsbereich,
- die Bereitstellung ausreichender Mittel für die Kommunen und die politische Unterstützung der Integration von Eingewanderten mit Romno-Hintergrund auf allen Ebenen.
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November 27th, 2017 |
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Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Danyal Maneka (2016): Die Anderen der Mozartstadt – Zur Rolle rassistischer Bedeutungskonstruktion im Salzburger Printmediendiskurs vor dem Beschluss des sektoralen Bettelverbots
Bachelorarbeit (Institut für Politikwissenschaft), Universität Wien, 44 S.
>>>Download (pdf)
[Die Berichterstattung] begann relativ abrupt Ende Februar 2015 und endete Anfang Juni 2015 ebenso plötzlich wieder, und zwar zeitgleich mit dem Beschluss eines sektoralen Bettelverbotes durch die Gemeinde. Die Intensität der Berichterstattung (in drei Monaten ca. 180 Beiträge in den zwei größten Zeitungen!), die Sequenz von medialer Aufmerksamkeit und Handeln der Politik und der plötzliche Abfall der Aufmerksamkeit nach dem Handeln lässt vermuten, dass es sich bei der Medienkampagne um eine Offensive gegen ArmutsmigrantInnen aus Südosteuropa (…) handelt.
(…) Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich nicht mit der Praxis der Migration oder des Bettelns an sich (…). Thema ist ausschließlich die printmediale Repräsentation temporärer Armutsmigrationen (von RomNija) im Vorfeld des Beschlusses des sektoralen Bettelverbots. Genauer gesagt soll der Frage nachgegangen werden, ob Rassismus in der Salzburger Printmediendebatte über das Betteln und seine AkteurInnen in den drei Monaten vor dem Beschluss eine Rolle spielt, um Aufschluss darüber zu erhalten, inwieweit Ressentiments im konkreten Fall den repressiven Umgang mit ArmutsmigrantInnen legitimieren. Anders gesagt: Enthält die Art und Weise wie AutorInnen ArmutsmigrantInnen darstellen rassistische Elemente?
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November 23rd, 2017 |
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Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte
Der Kampf gegen Antiziganismus in Europa
Eine Veröffentlichung der Grünen im Europäischen Parlament
>>Download (pdf)
Antiziganismus ist eine spezifische Form des Rassismus, die sich gegen Angehörige der Roma-Minderheiten (und ähnlicher Gruppen) in ganz Europa richtet. Der Kampf gegen Armut und soziale Ausgrenzung, denen viele Roma in ganz Europa ausgesetzt sind, kann daher nur wirksam entgegengetreten werden, wenn auch der tief verwurzelte Antiziganismus bekämpft wird. Die vorliegende Publikation soll einen Beitrag leisten im Kampf gegen Antiziganismus. Sie möchte informieren und ein Bewusstsein schaffen für die vielschichtige Diskriminierung denen europäische Roma aufgrund von Antiziganismus ausgesetzt sind. Anhand kurzer Aufsätze von grünen Abgeordneten, Roma-Aktivist/innen und Wissenschaftler/innen wird die EU-Politik bezüglich Roma und der Antiziganismus in Österreich, Tschechien, Frankreich, Deutschland, Ungarn und Schweden analysiert.
(Text: Zentalrat)
November 22nd, 2017 |
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Ehrungen & Nachrufe, Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte
Zum zweiten Mal wird dieses Jahr in Deutschland der Amadeu-Antonio-Preis für kreatives Engagement für Menschenrechte – gegen Rassismus und Diskriminierung verliehen. Von der Amadeu-Antonio-Stiftung und der Stadt Eberswalde vergeben, würdigt der Preis kreatives künstlerisches Engagement für Menschenrechte. Zugleich erinnern wir mit dem Preis an den gewaltsamen Tod von Amadeu Antonio vor 27 Jahren und an die vielen weivteren Opfer rassistischer Gewalt seither. Insgesamt drei Preise werden am 28. November 2017 vergeben. Aus 60 Einreichungen der verschiedensten Genres wählte die unabhängige Jury nun die sieben Nominierten. Unter diesen das Theaterprojekt „Schluchten – Neue Nachbarn“ (entstanden in Kooperation von Nyx e.V. und dem Regionalverband deutscher Sinti und Roma Augsburg). Das Webmagazin Belltower.News stellt das nominierte Projekt vor:
„Es gehört bestimmt mehr Mut dazu, einem Fremden zu vertrauen, als seine Andersartigkeit abzulehnen.“ In Dorothea Schroeders Theaterprojekt „Schluchten – Neue Nachbarn“ geht es um Vorurteile und Vorbehalte gegen Sinti und Roma. In den Jahren 2015 und 2016 wurde es von Nyx e.V. in Zusammenarbeit mit dem Regionalverband deutscher Sinti und Roma Augsburg umgesetzt. Schauspieler, Sinti und Roma erzählten authentische Geschichten bei ihren Führungen durch das Augsburger Fischerholz. Alexander Adler, selbst Sinto, war einer von ihnen. Mit ihm sprach Fiona Katharina Flieder.
Wie ist das Projekt entstanden?
Alexander Adler: Ich vermute, dass anfangs das Ziel von Dorothea Schroeder war, einen Einblick in die vermeintlich abgeschottete Welt der Sinti und Roma zu gewähren. Ehemalige Wohnorte, Campingplätze sollten gezeigt, auf Missstände hingewiesen werden. Es sollte beleuchtet werden, woher das Misstrauen auf beiden Seiten kommt und wo die größten Defizite sind. Eine Tragödie, für die beide Seiten nichts können. Nach und nach zeigte sich jedoch anscheinend, dass es so einfach nicht ist. Das Projekt entwickelte sich weiter. Read the rest of this entry »
November 19th, 2017 |
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Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte
Graz wird Standort eines neuen UNESCO-Zentrums für Menschenrechte. Das haben die 192 Mitgliedsländer der UNESCO-Vollversammlung in Paris vergangene Woche einstimmmig beschlossen. Nach Buenos Aires wird es laut Pressemitteilung der Stadt Graz das weltweit zweite Zentrum dieser Art sein und den Fokus auf Südosteuropa und Afrika richten. (Weniger spektakulär klingt allerdings die Meldung der österreichischen UNESCO-Kommission.)
Im Schreiben der scheidenden UNESCO-Generalsekretärin Irina Bokowa an die Stadt Graz heißt es:
Graz nennt sich mit Fug und Recht eine UNESCO-Stadt, und zwar aufgrund ihres Einsatzes bei verschiedenen wichtigen Verpflichtungen der Organisation – insbesondere ihre außerordentlich wertvolle Unterstützung der Maßnahmen der UNESCO zugunsten der urbanen Inklusion. Ihre Führungsrolle war einer der Grundsteine für den Vorschlag der Republik Österreich, in Graz ein internationales Zentrum zur Förderung der Menschenrechte auf lokaler und regionaler Ebene zu gründen, das unter der Schirmherrschaft der UNESCO steht.
(dROMa)
November 14th, 2017 |
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Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Zuflucht für Schutzlose — Die Grazer Notschlafstelle für Armutsmigranten begeht ihr erstes viertel Jahrhundert und zeigt, dass Armut nach wie vor präsent ist
Die, die keiner wollte. Papst Franziskus hat einen „Welttag der Armen“ eingeführt, der dieses Jahr am 19. Novemher 2017 erstmals stattfindet. Die VinziWerke nehmen dies zum Anlass, um auf das Jubiläum ihrer Notschlafstelle VinziNest aufmerksam zu machen: 25 Jahre intensiver Einsatz für die Unterbringung von Armutsmigranten, die in Graz niemand wollte.
Als 1992 während des Balkankrieges hunderte ausländische Männer am Grazer Hauptbahnhof strandeten und niemand ihnen helfen wollte, setzte sich ein Mann dafür ein, dass auch sie ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen bekamen: Pfarrer Wolfgang Pucher. Ein Zeltdorf wurde errichtet und ermöglichte die Unterbringung dieser Männer über den Sommer. Im November darauf wurde in einer ehemaligen Strickerei in der Kernstockgasse 14, 8020 Graz, die Notschlafstelle VinziNest eröffnet.
Hardfacts:
Das VinziNest versteht sich als Notschlafstelle für männliche Ausländer und ist eine reine Nachtschlafstelle mit einer Kapazität von 80 Plätzen. Das VinziNest ist täglich von 18 bis 7 Uhr geöffnet, Einlass ist von 16 bis 22 Uhr. 80 Menschen erhalten pro Tag eine warme Mahlzeit und haben die Möglichkeit, dort ihre Wäsche waschen zu lassen. Zusätzlich erfolgt wöchentlich eine medizinische Versorgung durch die rollende Marienambulanz, einmal im Monat eine Rechtsberatung sowie ein Deutsch- bzw. Alphabetisierungskurs durch das Projekt ZORROM der Caritas. Read the rest of this entry »
November 6th, 2017 |
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Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Rassismus & Menschenrechte
Radijo Erba & TV Erba
Medienworkshop von Roma-Service & Karika
Ein Beitrag von Katharina Karaman
Alexander „Billy“ Nardai phukal
Alexander „Billy“ Nardai wurde am 4. Oktober 1950 in Eisenstadt geboren. „Billy“, so wie ihn seine Freunde nennen, erzählt über seine Kindheit, seine Eltern und das Leben in der Roma-Siedlung. Gemeinsam mit seinen Eltern, der Romni Gisela Nardai und dem Nicht-Rom Heinrich Müller, sowie mit seiner Schwester Gisela wuchs der heute 67-jährige Rom in der zweiten Oberwarter Roma-Siedlung, wo aktuell das Krankenhaus steht, in ärmlichen Verhältnissen auf. Heftige Diskriminierung bekam „Billy“ in seiner Schulzeit zu spüren. Diese negativen Erlebnisse prägten ihn auch noch in seiner Jugendzeit. Nach Beendigung seiner Schulzeit wollte Alexander Nardai Fleischhauer werden, jedoch gab es für ihn nie die Möglichkeit, eine Lehre zu beginnen. So ging „Billy“, wie viele andere Roma auch, nach Wien und arbeitete bis zu seiner Pensionierung bei der Fa. Teerag-Asdag (jetzt Fa. PORR) am Straßenbau. Durch Fleiß und Einsatz sowie durch Weiterbildung schaffte Alexander Nardai es in die Position eines Poliers. Stets war er bemüht, ein Vorbild für seine Mitarbeiter zu sein.
Alexander „Billy“ Nardai ando 4to oktoberi 1950 Tikni Martonate upro them alo. „Billy“, afka sar le leskere pajtaschtscha akaren, pedar pro tschavoripe, pedar pri daj taj pedar pro dad taj pedar o dschivipe andi Romengeri sidlung, phukal. Khetan pra dajaha taj pre dadeha, la Romnaha Gisela Nardai taj le gadschoha Heinrich Müller taj pra phenjaha Gisela, o adiveseskero 67 berschengero Rom, andi 2ti Erbakeri Romengeri sidlung, kaj akan i schpita terdschol, tschorikan upre bartschino. Read the rest of this entry »
November 4th, 2017 |
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Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Rassismus & Menschenrechte
Radijo Erba & TV Erba
Medienworkshop von Roma-Service & Karika
Ein Beitrag von Eva Horvath
Die große Liebe brachte Anita Horvath nach Österreich: 1978 packte Anita Horvath ihre Koffer und ließ ihre Heimatstadt Murska Sobota (Slowenien) zurück. Die junge Romni folgte ihrem Ehemann Emmerich Horvath (Baki) nach Österreich. Gemeinsam bauten sie sich eine Existenz in der Roma-Siedlung in Unterwart auf. Aus der gemeinsamen Ehe stammen zwei Kinder – Tamara und Dominik. „Anka“, so wie sie von ihrer Familie oder Freunden genannt wird, wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Da das Geld stets knapp war und sie auf ihre Geschwister aufpassen musste, blieb Anita nichts über, als bereits in jungen Jahren zum Einkommen beizutragen. So war ein regelmäßiger Besuch der Schule nicht gegeben. Durch das Engagement einer Lehrerin, die zu ihr nach Hause kam und sie unterrichtete, erlernte sie wenigstens das Lesen und Schreiben. Das Zusammenleben mit der Mehrheitsbevölkerung in Murska Sobota war auch nicht gerade rosig, jedoch in Österreich war die Abneigung gegenüber Roma größer. Dies bekam auch Anita zu spüren. Sie war stets eine Kämpferin und so hat sie sich durch ihren vorbildlichen Einsatz auch in Österreich durchgesetzt. Anitas Wunsch ist, dass ihre Familie weiterhin gesund bleibt und die Menschheit in Frieden zusammenlebt.
O baro kamipe la Anita Horvath andi Austrija antscha. 1978 i Anita Horvath pre kofertscha pokintscha taj pro hajmatakero foro Murska Sobota (Slovenija) pal peste mukla. I terni Romni pre murscheha Emmerich Horvath (Baki) andi Austrija geli. Khetan, andi Romengeri sidlung Tenuerba, jek eksistenca upre pumenge bauninde. Andar o soharipe 2 tschave del – la Tamara taj le Dominik. „Anka“, afka sar oj pra familijtar taj pre pajtaschendar akardi ol, tschorikan upre bartschini. Read the rest of this entry »
November 1st, 2017 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Bulgariens Vizepremier und Integrationsbeauftragter Waleri Simeonow wegen einer Hassrede gegen Roma verurteilt.
Deutsche Welle: Es war eine doppelte Premiere für Bulgarien: Das Kreisgericht Burgas verurteilte in der ersten Instanz den Vizeregierungschef Waleri Simeonow wegen einer Hate Speech gegenüber der Roma-Minderheit im Lande. Einerseits waren bisher die bulgarischen Gerichte sehr zögerlich, wenn es um Hassreden gegen Roma ging. Gleichzeitig wurde bislang in Bulgarien noch nie ein stellvertretender Regierungschef verurteilt (…). Eine Stellungnahme der Regierung dazu blieb allerdings aus und Simeonow behielt seinen Posten. (…) Verurteilt wurde er wegen einer Rede im bulgarischen Parlament am 17. Dezember 2014. Der 62-jährige Politiker (…) sagte über die Roma unter anderem:
Es sind dreiste, wild gewordene menschenähnliche Wesen, die auf Lohn ohne Arbeit bestehen und die das Krankengeld kassieren, ohne krank zu sein. Die das Kindergeld bekommen für Kinder, die auf der Straße mit den Schweinen spielen, und für Frauen mit einem Instinkt von Straßenhündinnen.
Das Gericht stellte fest, dass diese Aussage (…) als Hetze gegen die Roma-Minderheit zu behandeln ist. Solche Aussagen, heißt es in der Urteilsbegründung, würden „eine feindliche, erniedrigende, diffamierende und beleidigende Atmosphäre schaffen, sodass sich jede Person mit einer ethnischen Roma-Zugehörigkeit davon betroffen fühlen kann.“ Geklagt haben zwei Roma-Journalisten: Kremena Budinova und Ognian Issaev. Da sie ausdrücklich kein Schmerzensgeld wollten, wurde Simeonow nur dazu verurteilt, die inkriminierte Tat einzustellen und in Zukunft davon abzusehen. In einer Erklärung nach dem Urteil erinnert die Anwältin Margarita Ilieva daran, das der Verurteilte nicht nur Vizepremier, sondern auch Leiter des Integrationsrats für ethnische Minderheiten ist.
Simeonows Partei NFSB sieht in ihrem Wahlprogramm die Auflösung der „Zigeunerghettos“ vor sowie die Isolierung der Roma in geschlossenen „Reservaten“ nach dem Vorbild der Indianer- oder Aborigine-Reservate, die zu einer „Touristen-Attraktion“ werden könnten. Im Verlauf seiner Karriere als Politiker hat er sogar über „moderne Konzentrationslager“ sinniert. Read the rest of this entry »
Oktober 31st, 2017 |
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Dokumente & Berichte, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Gesellschaft für bedrohte Völker Schweiz (Hg): Fahrende Roma in der Schweiz. Bedürfnisse, Herausforderungen und Perspektiven, Bericht v. Okt. 2017, 88 S.
>>Download: „Fahrende Roma in der Schweiz“ (PDF)
Im Rahmen des Projektes «Fahrende Roma in der Schweiz » hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Zusammenarbeit mit dem Verband Sinti und Roma Schweiz einen Bericht erarbeitet, der Aufschluss über die Lage und Bedürfnisse der fahrenden Roma gibt sowie die Perspektive der Polizei reflektiert. Darüber hinaus will der Ende Oktober 2017 veröffentlichte Bericht einen Einblick in die Geschichte, Kultur und soziale Organisation der Roma verschaffen und setzt sich mit ihrer rechtlichen Situation in der Schweiz auseinander. Schließlich formuliert die GfbV konkrete Empfehlungen zur Verbesserung der gegenwärtigen Situation.
Rechtlicher Schutz und Platzsituation
Aus rechtlicher Perspektive haben nicht nur Schweizer, sondern auch ausländische fahrende Minderheiten Anspruch auf ein Halterecht in der Schweiz – dies unter anderem aufgrund des Diskriminierungsverbotes und des Minderheitenschutzes. Im neuen Bericht der GfbV werden daher detailliert die völker- und verfassungsrechtlichen Grundlagen beschrieben, unter deren Schutz die fahrenden Roma in der Schweiz stehen. Sind diese im Besitz einer Reisegewerbebewilligung, so ist ihnen die Erwerbstätigkeit in der Schweiz erlaubt. Die meisten Roma, welche die Schweiz durchreisen, stammen aus westeuropäischen Ländern und arbeiten jeweils mehrere Monate in der Schweiz. Gemäß Freizügigkeitsabkommen zwischen der EU und der Schweiz sollen sie bei Einreise, Ausreise und Arbeit gleichberechtigt gegenüber Schweizerinnen und Schweizern sein. Die Diskriminierung von fahrenden Roma auf Schweizer Halteplätzen zeigt jedoch auf, dass in der Realität das Gegenteil der Fall ist: In den letzten Jahren hat sich die Situation für die fahrenden Roma bezüglich Transit- und Durchgangsplätzen stark verschlechtert.
Viele Kantone haben begonnen, ihre Plätze nach «Schweizer Fahrende» und «ausländische Fahrenden» aufzuteilen. Laut Standbericht 2015 des Gutachtens «Fahrende und Raumplanung» sind mehr als die Hälfte der bestehenden Durchgangsplätze für «ausländische Fahrende» nicht mehr geöffnet. Read the rest of this entry »
Oktober 28th, 2017 |
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Rassismus & Menschenrechte, Sport, Veranstaltungen & Ausstellungen
„Abseits im eigenen Land“ – Sinti- und Roma-Sportler
Eine Ausstellung von Andrzej Bojarski
Zu sehen vom 1. Nov. bis 20. Dez. 2017 im DokuZ Sinti und Roma Berlin. Öffnungszeiten: Mo. und Mi. von 9.30 Uhr bis 16.00 Uhr sowie auf Anfrage (berlin@sintiundroma.de)
Eröffnung mit Podiumsdiskussion am 30.10.2017:
Thema „Diskriminierung und Sport“
19:00 Uhr, DokuZ, Prinzenstraße 84.2
Rassismus im Sport – ein wichtiges und sehr aktuelles Thema: Ob im Stadion, im Verein oder in der Berichterstattung, Rassismus und Antiziganismus zeigen sich immer wieder und in unterschiedlichen Dimensionen: Die Ausgrenzung reicht von der Verbalisierung weit verbreiteter Vorurteile, über neonazistische Hetzparolen (z.B. „Zick Zack Zigeunerpack“) bis hin zu gewalttätigen Übergriffen. In der Sportgeschichte gibt es zahlreiche Fälle von Diskriminierung und Ausschluss – besonders betroffen sind Minderheitenangehörige. Drei „vergessene Helden“ des Sports – Oswald Marschall, Walter Laubinger und Sergio Peter – werden in der Ausstellung „Abseits im eigenen Land“ präsentiert.
Die Ausstellung wird mit einem Podiumsgespräch zum Thema „Diskriminierung und Sport“ eröffnet. Es diskutieren:
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