25 Jahre VinziNest in Graz

November 14th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Leiter August Eisner inmitten der Bewohner (Foto: VinziWerke)Zuflucht für Schutzlose — Die Grazer Not­­schlaf­­stelle für Armuts­­migran­­ten be­­­geht ihr ers­­tes viertel Jahr­­hun­­dert und zeigt, dass Armut nach wie vor prä­­sent ist

Die, die keiner wollte. Papst Franziskus hat einen „Welttag der Armen“ ein­­ge­­führt, der dieses Jahr am 19. No­­vem­­her 2017 erst­­mals statt­­findet. Die VinziWerke neh­­men dies zum Anlass, um auf das Jubiläum ih­­rer Notschlafstelle VinziNest auf­­merk­­sam zu ma­­chen: 25 Jahre in­­ten­­si­­ver Ein­­satz für die Unter­­brin­­gung von Armutsmigranten, die in Graz nie­­mand wollte.

Als 1992 während des Balkankrieges hunderte ausländische Männer am Grazer Haupt­­bahnhof stran­­deten und niemand ihnen hel­­fen wollte, setzte sich ein Mann dafür ein, dass auch sie ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen be­­kamen: Pfarrer Wolfgang Pucher. Ein Zelt­­dorf wurde er­­rich­­tet und er­­mög­­lich­­te die Unter­­brin­­gung dieser Männer über den Som­­mer. Im Novem­­ber darauf wurde in einer ehe­­malivgen Strickerei in der Kern­­stock­­gasse 14, 8020 Graz, die Notschlafstelle VinziNest er­­öffnet.

Hardfacts:

Das VinziNest versteht sich als Notschlafstelle für männliche Aus­­länder und ist eine reine Nacht­­schlafstelle mit einer Kapa­­zität von 80 Plätzen. Das VinziNest ist täg­­lich von 18 bis 7 Uhr ge­­öffnet, Ein­­lass ist von 16 bis 22 Uhr. 80 Men­­schen erhalten pro Tag eine warme Mahlzeit und haben die Mög­­lich­­keit, dort ihre Wäsche waschen zu las­­sen. Zu­­sätz­­lich erfolgt wö­­chent­­lich eine medizi­­nische Ver­­sor­­gung durch die rol­­lende Marien­­ambulanz, ein­­mal im Monat eine Rechts­­beratung sowie ein Deutsch- bzw. Alpha­­beti­­sie­­rungs­­kurs durch das Pro­­jekt ZORROM der Caritas. In den letz­­ten 25 Jahren ver­­zeich­­net die Ein­­rich­­tung eine un­­glaub­­liche Zahl von 547.000 Näch­­ti­­gungen. Die durch­­schnitt­­li­­che Aus­­lastung be­­trägt dabei 100%. Beher­­bergt wer­­den Männer aus über 25 Nationen, dabei handelt es sich bei einem Groß­­teil um Roma aus Rumänien, Ungarn und der Slowakei. 2006 wur­­de an­­schlie­­ßend an das VinziNest die Frauen­­not­­schlaf­­stelle VinziSchutz er­­richtet.

Geschichte einer Notschlafstelle:

Eröffnet wurde diese am 22. November 1992 in der Kernstockgasse 14, einer ehe­­ma­­li­­gen Strickerei. Der dama­­lige Besitzer, Im­­mo­­bi­­lien Wiesenhofer, stellte der Vinzenz­­gemeinschaft sein Objekt gegen Betriebs­­kosten­­ersatz kosten­­los zur Verfügung. In einer Gemein­­schafts­­aktion wurde das Gelände zu einer Not­­schlaf­­stelle um­­funktio­­niert. Ehrenamtliche über­­nah­­men die Nacht­­dienste. Dem dama­­Ligen Leiter Harri Krenn ge­­lang es, täglich Essen aus der Küche der Päda­­go­­gi­­schen Akademie zu be­­ziehen. Im Laufe der Zeit wurden die Be­­wohner nicht nur mit einem Schlaf­­platz und Essen ver­­sorgt, sondern auch medi­­zi­­nisch betreut und im Notfall immer wieder gegen Behörden­­willkür ge­­schützt. Schon sehr früh sind die auf der Straße um Hilfe bitten­­den Men­­schen in dieser Ein­­richtung auf­­genom­­men wor­­den. VinziNest und VinziDorf haben ge­­mein­­sam dazu ge­­führt, dass es in Graz seit­­her nahe­­zu keine Obdachlosigkeit mehr gibt.

Gedanken des Gründers:

„Als ich damals die Notschlafstelle eröffnete, hat­­ten wir mit so viel Kampf und Ablehnung der An­­rainer zu kämpfen, dass ich heute nach 25 Jahren fast un­­gläu­­big darauf zurück­­blicke. Die Zeiten waren schwer, doch es war alle Mühe wert. Wenn man die Ge­­schich­­ten dieser armen Men­­schen kennt, die nach Graz kommen, um ihre Familien zu er­­nähren und dabei alle Widrig­­keiten in Kauf nehmen, dann ist man glück­­lich, es ge­­schafft zu haben. Ich lehne es ab, dass Mit­­men­­schen unter unwürdigen Be­­din­­gun­­gen ‚leben‘ müssen, und werde mich immer im Kampf gegen diese häss­­liche Armut ein­­setzen!“, be­­grünvdet Pfarrer Pucher sein Wirken.

Zeichen setzen:

Am 1. Dezember 2017 findet ab 18.00 Uhr unser großes Benefiz mitBedacht die VinziNacht zu­­guns­­ten 25 Jahre VinziNest im Gra­­zer Orpheum statt. Groß­­artige Künstlerin­­nen und Künst­­ler wie die öster­­rei­­chi­­schen Kult-Band Kreisky und die Wiener New­­comer­­sensa­­tion YASMO & die Klangkantine so­­wie die hoch­­karä­­ti­­gen Kaba­­rettistin­­nen und Kaba­­rettis­­ten Gebrüder Moped, Angelika Niedetzky, Reinhard Nowak, Clemens Maria Schrainer, Gregor Seeberg und Mike Supancic stel­­len sich da­­bei in den Dienst der guten VinziSache und ver­­spre­­chen einen Abend der Extra­­klasse, bei dem mit­­gelacht, ge­­sungen und eine gute Zeit mit noch bes­­se­­rem Gewissen er­­lebt werden kann – denn der Reinerlös dieser Ver­­anstal­­tung kommt zu 100% der Notschlafstelle und ihren Be­­woh­­nern zu­­gute. Moderation: Thomas Seidl.

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(Text: VinziWerke, Pressemitteilung vom 13.11.2017)

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