Romafeindliche Straftaten in Deutschland
Januar 5th, 2018 | Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Hasskriminalität in Deutschland: Innenministerium nennt erstmals provisorische Fallzahlen zu politisch motivierten Straftaten gegen Roma und Sinti
Das Bundesinnenministerium in Berlin zeigte sich in der parlamentarischen Beantwortung einer Kleinen Anfrage (19/64) der Linken-Bundestagsfraktion zur „Entwicklung des Antiziganismus in Deutschland ab 2015“ besorgt über die Zahl der Angriffe auf Roma und Sinti. Der Anfragebeantwortung des Ministeriums ist zu entnehmen, dass von den Ländern im Jahr 2017 (bis zum Stichtag 17. November) bislang 30 politisch motivierte Straftaten gegen Roma und Sinti gemeldet wurden. Bei einem Angriff wurde in Berlin im April 2017 eine Person verletzt; in einem weiteren Fall wurde ein von Roma bewohntes Haus gezielt attackiert. Sechs Straftaten betreffen romafeindliche Äußerungen in sozialen Medien. Angesichts der relativ überschaubaren Fallzahlen ist allerdings noch Skepsis angebracht. Zum Vergleich: Im Antiziganismusbericht von Amaro Foro wurden allein in Berlin 2016 568 antiziganistische Vorfälle dokumentiert. Das Ministerium weist darauf hin, dass es sich lediglich um vorläufige Fallzahlen handle, die sich „bis zum Meldeschluss am 31. Januar 2018 noch verändern können“. Zudem werden Straftaten in diesem Bereich in der Statistik der Kriminalpolizei erst seit Jahresbeginn 2017 gesondert erfasst, über die vorangegangenen Jahre lägen keinerlei Daten vor.
Mit Wirkung zum 1. Januar 2017 wurde das Unterthema „Antiziganistisch“ in den Themenfeldkatalog des Kriminalpolizeilichen Meldedienstes – Politisch Motivierte Kriminalität (KPMD-PMK) zum Oberthema „Hasskriminalität“ aufgenommen. Erst seit diesem Zeitpunkt ist eine trennscharfe Abbildung von Straftaten mit einer antiziganistischen Motivation möglich. Für antiziganistische Straftaten vor diesem Zeitpunkt gilt: Straftaten gegen Sinti und Roma sind Teil der Hasskriminalität mit dem Unterthema „Fremdenfeindlich“, sie können jedoch keinem separaten Unterthema zugeordnet und statistisch nicht beziffert werden. In der anonymisierten Fallzahlendatei des Bundeskriminalamtes (BKA) werden zudem Daten zur Volkszugehörigkeit nicht gespeichert und sind daher dort nicht recherchierbar.
Aufgrund fehlender Vergleichsdaten sei es nicht möglich, Aussagen zur Langzeitentwicklung antiziganistischer Gewalt zu treffen. „Jedoch betrachtet die Bundesregierung auch ohne eine entsprechende datenbasierte Lageentwicklung den Antiziganismus, welchem Sinti und Roma in Deutschland und Europa ausgesetzt sind, mit Sorge.“
(dROMa)
Siehe auch:
Deutsche Kriminalstatistik erfasst Antiziganismus, 12.5.2016
Antiziganismus in Berlin: Jahresbericht 2016, 30.5.2017