Deutschland: Antiziganistischer Vorfall auf einem Camping-Parkplatz in Karlsruhe
VDSR-BW: Am zurückliegenden Wochenende wurde am 25. Juni 2022 eine campende Familie in Karlsruhe u.a. mit dem „Z.“-Wort beschimpft. Das Wort „Zigeuner“ ist eine mit dem NS-Völkermord verbundene rassistische Fremdbezeichnung, die von den Angehörigen der Minderheit der Sinti und Roma [i.d.R] als Beleidigung erlebt wird. Die betroffene Familie alarmierte daraufhin die Polizei, die die mutmaßliche Täterin wegschickte und eine Anzeige der Familie aufnahm.
Das Opfer war im Zugauto des Wohnmobils mit seinem Handy beschäftigt, als eine Frau des benachbarten Autos in ihr Fenster schaute und sich über „Ausländer“ und „Kriminelle“ beschwerte. Kurz darauf fühlte sich die Frau des benachbarten Autos verbal angegriffen und schrie u.a. „Z.-Schlampe“. Es sollen weitere rassistische Beleidigungen gefolgt sein wie: „Ihr wart früher Sklaven“, „das ist mein Land“ und „wir kriegen euch hier raus“. Zu der Szene kamen die Mutter, später auch der Vater und der Bruder des Opfers hinzu. Der Bruder deutete die Äußerungen als nationalsozialistisch bzw. als „braune Gesinnung“. Die mutmaßliche Angreiferin erwiderte daraufhin: „Ja, haben wir. 80 Prozent sind derselben Meinung“.
Ein Versuch zu schlichten scheiterte, sodass der Vater schließlich die Polizei rief und den Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg (VDSR-BW) um Unterstützung bat. Daniel Strauß, der Vorsitzende des VDSR-BW, hat sofort mit der betroffenen Familie Kontakt aufgenommen. Read the rest of this entry »
RAN: Polizeigewalt in Rumänien: Rom (37) wird von Polizei misshandelt und zu Geldstrafe verurteilt
Der Aktivist Ciprian Necula hat in den sozialen Medien ein Videogeteilt, das zeigt, wie ein Mann blutverschmiert und mit zugeschwollenem Auge eine Polizeistation verlässt. Er bewegt sich sichtlich mühsam, seine Kinder fangen an zu weinen, als sie ihn sehen. Wie die rumänische Zeitung Libertatea am 19. Juni 2022 berichtet, handelt es sich um einen 37-jährigen Rom aus Piatra Neamț im nordöstlichen Rumänien. Die Polizeigewalt soll sich am Tag davor ereignet haben. Später ruft der Mann den Notruf an und sagt, er sei von der Polizei attackiert worden. Ein weiteres Video zeigt, wie er in einem Krankenwagen abtransportiert wird.
Nach Angaben der Polizei, so das European Roma Rights Centre(ERRC),beleidigte der Mann am Samstag, den 18. Juni, gegen 20.30 Uhr, während der Fahrt in einem Taxi die Polizei und einen Gendarmen. Die Polizei hielt das Taxi an, und als der Fahrgast sich angeblich weigerte, sich auszuweisen, „wurde er angehalten und zum Polizeipräsidium von Piatra Neamț gebracht, um seine Identität festzustellen und die notwendigen rechtlichen Maßnahmen zu ergreifen“. Read the rest of this entry »
Am 23.6.2018 überfielen maskierte Nationalisten schlafende Roma bei Lwiw/Lemberg (Ukraine). Ein junger Rom, David Popp, wurde ermordet.
Am Samstag, 2. Juli 2022 (Beginn: 19:00 Uhr) wird – wie jedes Jahr – der traditionelle Roma-Butschu, also der Rom-Kirtag, in Mischendorf im Gasthaus Knarr (Bezirk Oberwart) über die Bühne gehen.
Seit dem Jahr 1991 trifft man sich hier und feiert gemeinsam – Roma und Nicht-Roma. Es geht um kulturelle Diversität, um das Miteinander der verschiedenen Volksgruppen. Im Mittelpunkt steht dabei jedes Jahr die Musik. Neben den Oberwarter Roma-Bands Romano Rath und der Leon Berger Band präsentieren heuer die Gruppe Romano Glauso aus Slowenien, die ungarische Volksmusikgruppe Csörge und die kroatische Tamburizza Vlahija ihr Können.
In Kärnten hat mit der offiziellen Eröffnungsfeier am Wochenende die EUROPEADA 2022, die Fußball-EM der autochthonen Minderheiten, begonnen. Organisiert wird das Turnier von der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN). Insgesamt 19 Männer- und 4 Frauenteams treten bis 3. Juli gegeneinander an. Mit dabei: ein Roma-Team aus Ungarn.
Mit der Europeada soll Bewusstsein für Minderheiten geschaffen werden. Immerhin gehört jeder 7. Europäer einer autochthonen Minderheit an oder spricht eine Regional- oder Minderheitensprache. Das Fußballturnier mit 19 Männer- und 4 Frauenteams aus 11 europäischen Ländern wird sich auf 11 Sportstätten in Südkärnten abspielen. Ein Spiel findet in Prevalje in Slowenien statt. Alle Mannschaften sind nach Vorbild eines Olympischen Dorfes rund um den Klopeiner See untergebracht.
Romano Dikipe
TV-Magazin für Roma und Sinti
ORF 2 Burgenland, 12.6.2022 | →on Demand
Der Schwerpunkt der Sendung liegt auf dem Internationalen Roma-Tag. Dieser Tag wurde in Wien und im Burgenland begangen. Des weiteren berichten wir über das Forum4Burgenland, zeigen ein Porträt über Josef Schmidt vom Verein Roma-Service und erinnern an die verstorbene Ruža Nikolić-Lakatos.
Roma-Tag im Burgenland —Im Jahr 1971 wurde der erste Welt-Roma-Kongress in London abgehalten; dieser Tag gilt auch als Beginn der Bürgerrechtsbewegung der Roma. Seit 1990 finden am 8. April weltweit Veranstaltungen zum Roma-Tag statt. In Oberwart lud heuer die Roma-Volkshochschule Burgenland zur alljährlichen Tagung ins Offene Haus Oberwart. Im Vordergrund stand dabei das Thema „Hass im Netz“.
Roma-Tag in Wien —Auch in Wien wurde der Internationale Roma-Tag begangen und gefeiert. Am Vormittag lud Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka ins Parlament ein, um mit Vertreterinnen und Vertretern der Roma-Community über die sogenannten Romastrategien 2030 zu sprechen. Am Abend holte der Verein Voice of Diversity die Roma-Jugend im Wiener Jazz-Club Porgy & Bess vor den Vorhang.
Forum4Burgenland—Am Internationalen Roma-Tag diskutieren Expertinnen und Experten immer wieder darüber, wie man vor allem die Sprache, das Romani, erhalten kann. Immerhin ist diese ein wichtiger Teil der Kultur und der Identität. Das Schulwesen und vor allem die kommenden Generationen tragen maßgeblich zum Erhalt der Volksgruppensprachen bei. Genau diesem Thema widmete sich auch die Veranstaltung „Burgenländische Lebenswelten“ des Forum4Burgenland.
Porträt Josef Schmidt — Seit über 30 Jahren ist der Burgenland-Rom Josef Schmidt im Dienste der Volksgruppe tätig. Mit der Verschriftlichung des Burgenland-Romani in den frühen 90er Jahren entwickelte sich der Schwerpunkt seiner Arbeit in Richtung Erhalt und Weitergabe der Sprache. Vor allem die jüngeren Generationen stehen dabei im Vordergrund. Read the rest of this entry »
Die OFF-Biennale Budapest startete 2015 als basisdemokratische Bewegung zur Stärkung der Unabhängigkeit, Widerstandskraft und Wirkungsmacht der lokalen Kunstszene in Ungarn. Auf der Documenta in Kassel präsentiert OFF zwei Ausstellungsprojekte und eine Publikation.
documenta fifteen Fridericianum, 18. Juni bis 25. Sept. 2022
Friedrichsplatz 18, Kassel
Das erste Projekt ist eine langfristige Kooperation mit dem European Roma Institute for Arts and Culture (ERIAC): Hier werden Kunstwerke gezeigt, die die Frage nach der (Un-)Möglichkeit eines RomaMoMA (Roma Museum of Contemporary Art) stellen. Die Ausstellung [mit Arbeiten von: Daniel Baker, János Balázs, Robert Gabris, Sead Kazanxhiu, Damian Le Bas, Małgorzata Mirga-Tas, Mara (Omara) Oláh, Tamás Péli, Selma Selman, Ceija Stojka] berichtet von der unerzählten Vergangenheit und sich neu entfaltenden Gegenwart von Roma-Künstler*innen. Verschiedenen Künstler*innengenerationen und ihre unterschiedlichen Positionen werden durch eine Installationsmethode zur Geltung gebracht, die die Idee eines RomaMoMA sowohl konstruiert als auch dekonstruiert: Es erscheint als imaginärer, transnationaler Raum.
Eröffnung des 2. Leipziger Kulturfestivals „Latcho Dives“ des Verbands der Roma und Sinti in Sachsen „Romano Sumnal“. Das Festival „Latcho Dives“ findet bis zum 25. Juni 2022 statt und bietet ein vielfältiges Programm mit Musik, Film, Tanz, Literatur, Diskussion und Beisammensein. Weitere Informationen auf der Homepage des Festivals.
Der Zentralratsvorsitzende Romani Rose spricht am Samstag, den 18. Juni 2022 bei der Eröffnung (hier die Rede im Wortlaut). Aus seinem vorab veröffentlichten Grußwort auf der Seite des Festivals:
Wir feiern das Leipziger Kulturfestival der Roma und Sinti dieses Jahr zum zweiten Mal. Die Festwoche hatte bereits bei seiner ersten Auflage eine wichtige Rolle für die Darstellung der Künste und Kulturen von Sinti und Roma eingenommen und damit Signalwirkung, nicht nur für Leipzig, sondern weit darüber hinaus. Unter dem Namen „Latcho Dives“ – Schöner Tag – wird erneut eine Fülle von Veranstaltungen mit Anregungen und Inspirationen geboten.
Gerade in Zeiten, in denen Flucht und Vertreibung in Europa wieder drastischer hervortreten, ist Dialog umso wichtiger. Deshalb möchte ich an dieser Stelle mit aller Deutlichkeit betonen: Wir deutschen Sinti und Roma stehen solidarisch an der Seite der ukrainischen Roma wie auch an der Seite der Ukraine. Wir verurteilen Antiziganismus, Antisemitismus, Nationalismus und jede Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.
An Sie, werte Zuschauerinnen und Zuschauern möchte ich appellieren: Nutzen auch Sie das Festival für Austausch und Dialog, für Verständnis und Respekt gegenüber Ihren Mitmenschen – Latcho Dives.
In Deutschland beginnt die Aktionswoche des Hilfsnetzwerk für Überlebende der NS-Verfolgung in der Ukraine. Etwa 42.000 NS-Überlebende, darunter Roma, leben noch in der Ukraine.
Mit einer Aktionswoche möchte das Hilfsnetzwerk für Überlebende der NS-Verfolgung in der Ukraine deren Unterstützung in den Fokus rücken. Die Veranstaltungen beginnen rund um den 19. Juni und enden am 29. Juni. Viele der mittlerweile 48 im Netzwerk engagierten Gedenkstätten, Museen, Vereine und Initiativen bieten Führungen, Filme, Fortbildungen sowie eine Fachtagung.
Die Gedenkstätte Poppenbüttel in Hamburg blickt am 22. Juni mit einem Rundgang und einem Gespräch zusammen mit der Autorin Margot Löhr zum Beispiel auf „Die vergessenen Kinder der Zwangsarbeiterinnen“. Das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit zeigt am gleichen Tag im Berliner Kino Delphi Lux in Anwesenheit der Regisseurin Lana Delaroche den Film „The Sunday in Strasbourg“ über ukrainische Zwangsarbeiterinnen.
In der Aktionswoche soll es auch um die Dimensionen des Zweiten Weltkriegs und des russischen Angriffskriegs sowie um Kontinuitäten gehen. Die Gedenkstätte Bergen-Belsen bietet am 23. Juni eine Fortbildung zu Sinti:ze und Rom:nja im KZ und das Fortwirken von Antiziganismus bis in die Gegenwart. Das Kreismuseum Wewelsburg lädt am 26. Juni zur Themenführung „Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941“. Das Bildungsforum Antiziganismus und der Zentralrat der Sinti und Roma sind am 28. Juni mit der Online-Veranstaltung „Zur Situation der Rom:nja in und aus der Ukraine“ Teil der Aktionswoche. Alle Veranstaltungen sind im Kalender auf der Website des Hilfsnetzwerks zu finden.
Spendenbereitschaft hochhalten
Bei einer zentralen Online-Veranstaltung zu Beginn der Aktionswoche am 20. Juni will das Netzwerk, das auf Initiative des Berliner Vereins KONTAKTE-KOHTAKTbI gegründet wurde, mit internationaler Perspektive auf die humanitäre Unterstützung in der Ukraine schauen: Read the rest of this entry »
Konferenz der European Roma Union in Murska Sobota
Adi TV-Erba andi Murska Sobota, Slovenija hi pedar i konferenca la Europitika Romani Unijonatar te phukal. Tema hi o mediji andi Europa, sar on pedar i flogoskeri grupn le Romendar phukan. Taj saj kipo on le khetanipeske le Romendar prik den. O haburi andi Ukrajine jek donde bescharipe le cile europitike Romane organisacijendar kertscha. Afka te use aja konferenca tema sina o tel dschumipe taj i diskriminacija le Romendar andar i Ukrajine. Mindenfelitike dschene andar mindenfelitike vilagi use aja konferenca ande Murska Sobota, Slovenija ale pumaro alav te asdel. I situacija le Romendar ande poar schtotscha la Europatar eklik pe irintscha ham o angle vakeraschtscha phenen hot meg but iste kerdo ol. Mediji schaj but use ledschen, kaj o diskriminacijakero kipo le Romendar savo ande o gadschengere schere meg mindig hi, pe te irinel.
Am 10. Juni fand in Murska Sobota eine internationale Roma-Konferenz statt, um die Situation der Roma in Europa zu erörtern, einschließlich der Schwierigkeiten, mit denen die Roma-Gemeinschaft in der Ukraine konfrontiert ist.
Besondere Aufmerksamkeit widmete die Veranstaltung dem Anstieg der Roma-Armut, dem Antiromaismus, den Hassreden, die auch in Slowenien wahrgenommen werden. Die Situation der Roma in Europa verschlechtert sich, da sich in einigen Ländern Hassreden und Anti-Roma-Aktivitäten ausbreiten. Aus diesem Grund wird die Konferenz eine Botschaft an die europäischen Institutionen senden, was die Roma wollen oder vorschlagen, um die Situation zu verbessern. Der Präsident der Roma-Union Sloweniens und der Europäischen Roma-Union, Jožek Horvat Muc, betonte, dass die EU über viele Erklärungen und Hebel verfügt, um gefährdeten Gruppen zu helfen, aber in der Praxis muss noch viel mehr getan werden. Read the rest of this entry »
RAN: Am 13. Juni 1999 begann die systematische ethnische Säuberung gegen Roma im Kosovo unter den Augen der internationalen Organisationen im Land.Der 13. Juni soll zum internationalen Gedenktag für die vertriebenen Roma aus dem Kosovo werden.
Im 14. Jahrhundert ließen sich Roma-Gruppen nachweislich auf dem Balkan nieder. Urkunden des Zaren Dušan IV. erwähnen erstmals 1348 die Ankunft von Roma in Prizren. In osmanischer Zeit, die bis 1912 dauerte, waren Roma ein wichtiger kultureller und wirtschaftlicher Faktor der kosovarischen Gesellschaft. Geschätzt wurden ihre handwerklichen Fertigkeiten, vor allem die Schmiedekunst. Viele waren zu dieser Zeit Leibeigene osmanischer Grundherren. Mit dem Aufstieg ethnisch-nationalistischer Bewegungen gerieten Roma zunehmend zwischen die Fronten von Albanern und Serben, die jeweils absolute Loyalität forderten. In den Balkankriegen 1912/1913 wurden muslimische Albaner von serbischen Propagandisten als Untermenschen dargestellt. Ziel der albanischen Nationalisten war ein „ethnisch reines“ großalbanisches Reich. Seitdem wurden Serben, Juden und Roma systematisch im Kosovo verfolgt, zunächst durch albanische Banden, „Balli Kombetar“, und im Verlauf des Zweiten Weltkriegs durch die SS-Division „Skanderberg“, die von Himmler aus albanischen Freiwilligen zusammengestellt wurde. Roma mussten Zwangsarbeit leisten und wurden in Konzentrations- und Todeslager deportiert.
Viele Kosovo-Roma unterstützten die Partisanen Titos im Kampf gegen die deutschen Besatzer. Den Familien getöteter Partisanen wurde eine Hinterbliebenenrente gezahlt. Sie erhielten ein Bleiberecht und der Staat bezuschusste ihren Hausbau.
Seit Anfang der 80er Jahre gibt es Berichte über die Bestrebungen kosovo-albanischer Nationalisten für die „ethnische Reinigung“ des Kosovo von allen nicht-albanischen Minderheiten. Nach 1989 spitzten sich die Konflikte zwischen Serben und Albanern weiter zu. In den 1990er Jahren entstand die UÇK, eine paramilitärische Organisation, die für die Abspaltung des Kosovo von Jugoslawien kämpfte. Die Kosovo-Albaner, ebenso wie Politiker der NATO-Länder, behaupteten damals, die Serben planten einen Genozid an den Albanern. Bis heute gibt es dafür keine Beweise [Anm.: siehe auch hier]. Mit der Behauptung wurde jedoch die NATO-Bombardierung des souveränen Staates Jugoslawien 1999 begründet, die am 24. März 1999 begann und 78 Tage andauerte.
Die Akademie der Wissenschaften Tirana forderte im Mai 1999: „Die Albaner brauchen ihren ethnisch-reinen Staat“. Nach dem Sieg der NATO konnte die UÇK ihr Ziel der „ethnischen Säuberung“ des Kosovo ungehindert umsetzen. Die UÇK besetzte parallel zum NATO-Einmarsch alle Orte des Kosovo, zerstörte Siedlungen von Roma und anderen Minderheiten und vertrieb die Menschen. Vor allem seit dem 13. Juni 1999 wurden Roma in einem Ausmaß verfolgt, wie es Vergleichbares seit der Besetzung des Balkans durch die Deutsche Wehrmacht nicht mehr gegeben hatte. Roma wurden Opfer zahlloser Kriegsverbrechen. Read the rest of this entry »
Die in Deutschland neu geschaffene „Melde- und Informationsstelle Antiziganismus“ (MIA) verurteilt die Diskriminierung geflüchteter ukrainischer Roma: Roma aus der Ukraine müssen als ukrainische Staatsbürger/innen behandelt werden!
Seit Beginn des Krieges in der Ukraine fliehen immer mehr Menschen Richtung Westen. Die europaweite Bereitschaft zur Aufnahme Kriegsgeflüchteter und die Bereitstellung von Ressourcen ist beeindruckend und zeugt von großer Solidarität. Jedoch sieht die Lage von ukrainischen Geflüchteten, die der Roma-Minderheit angehören, anders aus. Roma waren oftmals bereits im Heimatland und auf der Flucht Diskriminierung und Benachteiligungen ausgesetzt. In Deutschland setzt sich dieser Antiziganismus fort.
Die institutionelle Diskriminierung zeigt sich vor allem darin, dass Roma segregiert in provisorischen Unterkünften und Hallen untergebracht werden – unter anderem unter dem Vorwand, dass sie andere Geflüchtete belästigen würden. In der Münchner Notunterkunft in den Messehallen waren zeitweise bis zu 2.000 aus der Ukraine geflüchtete Roma über mehrere Wochen hinweg in einer Massenunterkunft untergebracht. Geflüchtete, die der ukrainischen Mehrheitsgesellschaft angehören, wurden hingegen oft innerhalb weniger Tage in dezentrale Quartiere weitervermittelt.
In zahlreichen Landeskreisen fehlt es an politischem Willen, für geflüchtete Roma adäquate Unterbringungsbedingungen zu schaffen, oder die Aufnahme geflüchteter Roma wird sogar ausdrücklich abgelehnt. Seitens einiger Verwaltungsbehörden wird ukrainischen Roma vorgeworfen, keine „echten“ Kriegsflüchtlinge zu sein und nur Leistungen bevziehen zu wollen. Der institutionelle Antiziganismus drückt sich ebenfalls in öffentlichen Äußerungen von Polizeibehörden aus, denen zufolge Roma für Probleme und Missstände verantwortlich gemacht werden.
Diskriminierung manifestiert sich auch auf individueller Ebene, durch Sicherheitspersonal und Dienstleister. Exemplarisch hierfür waren die Vorfälle bei der Deutschen Bahn am Hauptbahnhof Mannheim und in Kassel. Weitere Vorfälle wurden u.a. in Unterkünften in Berlin und München gemeldet, immer mit dem Vorwurf gegenüber Roma, Leistungen in Anspruch genommen zu haben, die nur „echten“ Kriegsflüchtlingen zustünden. Zudem weigerten sich viele Dolmetscher_innen, für Roma zu übersetzten. Read the rest of this entry »
Podcast: Aus dem Netz ins Klassenzimmer – Wie umgehen mit Cyber Mobbing und Hate Speech? (27.10.2021)
In dieser Podcast Folge von „Richtig & Falsch“ ist neben Cybermobbing auch Hatespeech – online wie offline – ein Thema. Also Hassrede, die sich gegen Personen oder Gruppen richtet und sie bedroht oder abwertet. Hetze und Hatespeech kommen nicht nur im Klassenzimmer vor. Ganz viel davon passiert online. Jede*r zweite Internetnutzer*in ist schon einmal mit Hass im Netz in Kontakt gekommen.
Was tun, wenn ein Schüler oder eine Schülerin Hass im Klassenzimmer verbreitet? Wo sind die Grenzen der Meinungsfreiheit? Read the rest of this entry »
Roma Antidiscrimination Network, 30.5.2022: Nach wie vor sind viele Roma, die aus der Ukraine in die osteuropäischen Staaten fliehen, obdachlos. Besonders drastisch ist die Situation in Tschechien. Dort schlafen Hunderte Roma im oder vor dem Prager Bahnhof, da sie keine Unterkunft bekommen und nicht registriert werden. Die meisten von ihnen sind Frauen, Kinder, alte oder behinderte Menschen. Anders als weiße Ukrainer:innen bekommen sie keine Visa für Geflüchtete.
Im Prager Bahnhof steht zwischen 9 Uhr abends und 5 Uhr morgens ein Schlafwagen für sie bereit. In ihm übernachten 500 Menschen, obwohl er nur für die Hälfte angelegt ist. Die hygienischen Bedingungen sind für sie gesundheitsgefährdend. Freiwillige Helfer:innen wollen ihre Unterstützung für diese Menschen Ende Mai einstellen, um die Regierung zu zwingen, angemessene Unterkünfte zu organisieren. Eine Helferin bezeichnet die Situation als humanitäre Krise, die nicht mehr tragbar sei. (Mehr hier: Zeltstadt in Prag für Roma aus der Ukraine)
Viele Roma warten darauf, dass die tschechischen Behörden über ihren Status entscheiden und sie untergebracht werden können. Viele haben versucht, sich zu registrieren, wurden aber abgewiesen, ohne ihnen den Grund zu nennen.
Die Weiterflucht in andere Länder bringt auch ihre Schwierigkeiten mit sich. Bereits am 8. April, dem Welt-Roma-Tag, hatten die Unterstützer:innen von der „Gruppe gegen Antiromaismus“ auf dem Dresdener Bahnhof erlebt, wie eine Gruppe ukrainische Romnja, die aus Prag nach Deutschland kam, von der Polizei nicht aus dem Zug gelassen wurde. Da die Gruppe zufällig anwesend war, konnte sie schnell Unterstützung für die Romnja organisieren. Es scheint jedoch, wie aus dem Guardian-Artikel zu erfahren ist, kein Einzelfall gewesen zu sein: Viele Roma, die nach Deutschland fliehen wollten, wurden in Dresden von der Polizei nicht aus dem Zug gelassen. (Mehr hier und hier.)Read the rest of this entry »
Podcast „Richtig und Falsch“: Mehr Sprachen, mehr Potential – Und welche Rolle die Schule dabei spielen kann, 21.3.2022
In dieser Podcast-Folge geht es um Mehrsprachigkeit. Österreich ist ein vielsprachiges Land. Das wird auch in der Schule deutlich. Mehr als ein Viertel der Schüler*innen in Österreich, in Wien sogar mehr als die Hälfte, sprechen im Alltag nicht Deutsch. Damit muss in der Schule umgegangen werden. Oft funktioniert das gut und mehr Sprachen werden als Gewinn und nicht als Last gesehen. Aber: es hängt eben noch immer oft auch davon ab, WELCHE Sprachen die Zweit- oder Drittsprachen sind.
Was bedeutet es, Jugendliche in ihrer sprachlichen Realität abzuholen? Wie gehen Lehrkräfte mit Mehrsprachigkeit in der Klasse um? Wie gelingt ein ressourcenorientierter Zugang, der die Kompetenzen der Schüler*innen schätzt und nutzbar macht? Read the rest of this entry »
Jovan Nikolić: Der Gast nirgendwoher
Gesammelte Lyrik
Drava: Klagenfurt/Celovec 2021 | Aus dem Serbischen übers. von Cornelia Marks | →Bestellen
Jovan Nikolić (1955), Autor von 20 Gedicht- und Prosabänden, Librettos und Theaterstücken – veröffentlicht seit 1977 Lyrik. Und lebt seit 1999 lebt in Köln. Die Lyriksammlung Der Gast nirgendwoher stellt eine Auswahl seines 40-jährigen dichterischen Schaffens dar. Die getroffene Auswahl wird die LeserInnen an seinen frühen Band Zimmer mit Rad erinnern, und zahlreiche Verse wurden bereits in Literaturzeitschriften und Anthologien Europas abgedruckt, aber es sind auch neue, unveröffentlichte Gedichte enthalten. Nikolić neigt zu Oneirismus und surrealen Bildern in seinen Gedichten, welche durch sprachliche Subtilität und semantische Tiefe bezaubern. Erschaffen auf der Basis Liebe–Träume–Tod – Realitätsübertreibung, Selbstironie, ist diese Lyrik ein spannendes Zeugnis der Zeit, der kulturellen und soziologischen Veränderungen, der Zwiesprache mit dem Alter und sich selbst, aber auch der ungezügelten dichterischen Existenz auf der Suche nach einem verborgenen Sinn.