Karlsruhe: Familie auf Parkplatz beschimpft

Juni 30th, 2022  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Rassistischer Vorfall auf einem Camping-Parkplatz in Deutschland (Bild: Pixabay)Deutschland: Antiziganistischer Vorfall auf einem Camping-Park­­platz in Karlsruhe

VDSR-BW: Am zurückliegenden Wochenende wurde am 25. Juni 2022 eine cam­pende Fa­milie in Karlsruhe u.a. mit dem „Z.“-Wort be­schimpft. Das Wort „Zigeuner“ ist eine mit dem NS-Völ­kermord ver­bundene rassistische Fremd­bezeichnung, die von den An­gehörigen der Minder­heit der Sinti und Roma [i.d.R] als Beleidigung er­lebt wird. Die be­trof­fene Familie alarmierte darauf­hin die Polizei, die die mut­maß­li­che Täterin weg­schickte und eine Anzeige der Fa­milie auf­nahm.

Das Opfer war im Zugauto des Wohnmobils mit seinem Handy beschäftigt, als eine Frau des be­nach­bar­ten Autos in ihr Fenster schaute und sich über „Ausländer“ und „Kriminelle“ be­schwerte. Kurz darauf fühlte sich die Frau des be­nach­barten Autos verbal an­gegriffen und schrie u.a. „Z.-Schlampe“. Es sollen wei­tere rassistische Beleidi­gungen ge­folgt sein wie: „Ihr wart früher Sklaven“, „das ist mein Land“ und „wir krie­gen euch hier raus“. Zu der Szene kamen die Mutter, spä­ter auch der Vater und der Bruder des Opfers hinzu. Der Bruder deu­tete die Äußerungen als national­sozialis­tisch bzw. als „braune Ge­sinnung“. Die mut­maßli­che Angreiferin er­widerte darauf­hin: „Ja, haben wir. 80 Pro­zent sind der­selben Meinung“.

Ein Versuch zu schlichten scheiterte, sodass der Vater schließlich die Polizei rief und den Verband Deutscher Sinti und Roma, Landes­ver­band Ba­den-Württem­berg (VDSR-BW) um Unter­stützung bat. Daniel Strauß, der Vor­sitzende des VDSR-BW, hat sofort mit der be­troffenen Familie Kontakt aufgenommen. Ein Interview mit den Zeugen zu dem Vorfall wurde am 29. Juni 2022 in der Sen­dung „RomnoKher News“ auf dem You­tube-Ka­nal Romno­Kher ausgestrahlt.

Daniel Strauß: „Antiziganistische Beleidigungen gehören leider zum Alltag. In sehr weni­gen Fällen werden diese Fälle öffent­lich. Die Polizei hat vor­bildlich reagiert und den Sach­verhalt erkannt. Wir gehen davon aus, dass in der Anzeige die anti­ziganis­tische Moti­vation berück­sichtigt wird. Es ist wichtig, dass die Öffent­lich­keit von Anti­ziganismus im Alltag erfährt und unsere Men­schen dieses Ver­halten erfolgreich zur Anzeige bringen.“

Die „Melde- und Informationsstelle Antiziganismus“ (MIA) nimmt dieses Jahr ihre Arbeit auf. Bundes­weit werden anti­ziganis­tische Vorfälle [in Deutschland] ein­heit­lich doku­mentiert und analysiert. Die Vorfälle kön­nen in Kürze auf der fol­gen­den Webseite ge­meldet wer­den: www.antiziganismusmelden.de.

(Text: Pressemitteilung des Verbands Deutscher Sinti und Roma, Lan­des­ver­band Ba­den-Württem­berg e. V.)

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