Juni 30th, 2019 |
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Einrichtungen, Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Die gesellschaftspolitische Lage von Sinti und Roma in Deutschland und Europa
Erich-Zeigner-Haus, Leipzig
RadioBlau, Sendung vom 24.6.2019
→Anhören mp3 (1:09:42 h, 140 MB)
Wir hören einen Mitschnitt des Gesprächs zur gesellschaftspolitischen Lage von Sinti und Roma in Deutschland und Europa vom 12. Juni 2019. Gesprächspartnerinnen sind Anja Reuss (vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma) und Petra Čagalj Sejdi (vom Verein Romano Sumnal e.V.); Moderation: Gloria Pfister (Erich-Zeigner-Haus e.V.).
Das Gespräch hat Einblicke in aktuelle gesellschaftspolitische Themen von Sinti und Roma gewährt. Dabei wurden EU-Richtlinien und Maßnahmen, die die Minderheit betreffen, als auch Auswirkungen des Antiziganismus und daraus resultierende Diskriminierungserfahrungen diskutiert. Darüber hinaus wurde die Frage gestellt, wie antiziganistische Strukturen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene bekämpft werden können.
Sinti und Roma wurden in Deutschland 1996 als Minderheit anerkannt. Die deutsche Gesellschaft setzte sich über Jahrzehnte nicht mit den Verbrechen der Nationalsozialisten an Sinti und Roma auseinander. Erst mit der verstärkten Bürgerrechtsarbeit von Sinti und Roma in der Bundesrepublik seit den 1970er Jahren wurde die fehlende Aufarbeitung der NS-Verbrechen an Sinti und Roma Thema.
„Antiziganismus“ ist weder in Deutschland noch in Europa ein Phänomen am „rechten Rand“, sondern zieht sich durch alle gesellschaftlichen Schichten und ist eine Form von Rassismus, die eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung erfährt. Read the rest of this entry »
Juni 29th, 2019 |
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Facts & Figures, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte
Italienische Hilfsorganisationen berichten, dass Neofaschisten der „Casa Pound“ Roma-Kindern in Rom im Nov. 2014 den Zutritt zur Schule versperrten.
(Quelle)
Juni 27th, 2019 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Die slowakische Regierung aktualisiert ihre Daten über die Roma-Siedlungen. Der „Atlas der Roma-Gemeinschaften“ wird nun überarbeitet.
Bereits seit fünfzehn Jahren existiert in der Slowakei ein offizieller „Atlas der Roma-Gemeinschaften“, ein im Auftrag der Regierung erstelltes Datensammelwerk zur Wohn- und Lebenssituation der Roma-Volksgruppe in der Slowakei. Das Verzeichnis wurde das letzte Mal 2013 überarbeitet („Atlas rómskych komunít 2013“). Seit 2014 ist der Statistiken und Karten umfassende Atlas, gemeinsam publiziert von Arbeitsministerium und Prešov-Universität, vollständig verfügbar.
Nun will die Regierung den „Atlas“ neuerlich aktualisieren. Nach dem Sommer wird die neue Version erscheinen, kündigte die sozialdemokratische Innenministerin Denisa Saková an. Erstellt wird die neue Datensammlung vom „Institut für Arbeits- und Familienforschung“ des Arbeitsministeriums. Der „Atlas 2019“, der Auskunft über die aktuelle Anzahl, Lebensbedingungen und Infrastruktur der Roma-Siedlungen gibt, soll als Grundlage für die evidenzbasierte Politikgestaltung dienen.
Die Daten des Atlas 2013
In die Erhebung von 2013 flossen neben dem Ausgangsmaterial von 2004 die Volkszählungsdaten von 2011 (alle Siedlungen mit mindestens 30 selbsterklärten Minderheitsangehörigen) sowie die Verzeichnisse des beim Innenministerium angesiedelten Büros des Regierungs-Bevollmächtigten für Roma-Gemeinschaften ein. Die Feldforschungsarbeit wurde von etwa dreißig Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unter Einbeziehung zahlreicher Roma in über 1000 Gemeinden durchgeführt. Insgesamt erfassten die Autoren für diese letzte aktualisierte Fassung 804 Roma-Siedlungen und -Viertel in 584 Kommunen. 231 davon wurden als „segregierte Siedlungen“ (0,9 bis 7 km Entfernung von den eigentlichen Wohnvierteln) klassifiziert. 327 weitere Siedlungen befinden sich am Orts- bzw. Stadtrand, 246 Roma-Wohnviertel bzw. -Siedlungen liegen innerhalb des Ortsgebiets. Demnach leben 17 Prozent der Roma-Bevölkerung (rund 70.000) in solchen völlig abgetrennten Siedlungen.
188 Siedlungen haben keinen Zugang zur öffentlichen Wasserversorgung. 451 Siedlungen sind nicht ans öffentliche Kanalsystem angeschlossen. Die größte Anzahl von Roma-Wohngebieten weisen die Regionen Banská Bystrica in der Mittelslowakei und Košice sowie Prešov im Osten des Landes auf. Fast die Hälfte (46,7 Prozent) der 403.000 slowakischen Roma („those who are generally considered as being Roma“) leben jedoch verstreut unter der Mehrheitsbevölkerung in den allgemeinen Wohngebieten.
(dROMa)
Juni 26th, 2019 |
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Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte
Antiziganistische Straftaten werden in der deutschen Kriminalstatistik („Politisch Motivierte Kriminalität”) erst seit 2017 gesondert erfasst.
(Quelle/pdf)
Juni 23rd, 2019 |
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Einrichtungen, Internet & Blogothek, Rassismus & Menschenrechte
Minority Monitor: „Keine Problemdatenbank, sondern eine Datenbank voller Lösungen“
Die Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) präsentiert ein neues Online-Tool, das von den Minderheiten genutzt werden kann, wenn sie auf eine Verletzung ihrer Minderheitenrechte stoßen, Diskriminierung ausgesetzt sind oder wenn sie einen Fall von bewährten Praktiken miteinander teilen wollen. Die FUEN ist der europäische Dachverband der autochthonen, nationalen Minderheiten bzw. Volksgruppen in Europa. Die FUEN hat über 90 Mitgliedsorganisationen.
Die FUEN ist stets bestrebt, neue Vorschläge und Projekte zu entwickeln, insbesondere jetzt, da die Kampagne für das Minority SafePack (wir berichteten hier, hier und hier) beendet ist und wir die Initiative in guten Händen wissen. Einige Organisationen erwarten von uns, dass wir die Probleme, mit denen die Minderheiten konfrontiert sind, die Fälle von Diskriminierung, von Verletzungen der Minderheitenrechte auf die Tagesordnung setzen – und diese neue Initiative des Präsidiums tut genau das, sagte FUEN-Präsident Loránt Vincze bei der Vorstellung des Minority Monitor. „Wir sprechen auf unseren Kongressen immer über diese Fälle, aber wir mussten einen Ort finden, um sie zu sammeln und gemeinsam zu präsentieren. Der Minority Monitor stellt nicht nur bewährte Praktiken vor, sondern auch Lösungen, die andere Gemeinschaften und Staaten für ähnliche Probleme gefunden haben“, erklärte der Präsident.
Projektmanager Roman Roblek präsentierte das Projekt zusammen mit Judith Solzina, Jan Diedrichsen und Melek Kırmacı Arık den Teilnehmenden des FUEN-Kongresses. Ihnen wurde zum ersten Mal gezeigt, wie die Website aussieht, und sie erhielten eine Erklärung über ihren Zweck und ihre Einsatzmöglichkeiten. Die Website enthält bereits einige Beispiele von Fällen – darunter Diskriminierung, Verstöße gegen das Minderheitenrecht, aber auch bewährte Praktiken.
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Juni 21st, 2019 |
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Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Religion
„Als Nicht-Sinti hätte die Freiburger Missionsgruppe in Ingolstadt bleiben dürfen“
Radio Dreyeckland, 21.6.2019 (8:01 min)
Sendereihe: Fokus Südwest, Morgenradio
→Anhören (mp3)
Jedes Jahr gehen einige Freiburger Sinti mit ihrer evangelischen Freikirche auf Missionsfahrt. Dieses Mal machten sie u.a. in Ingolstadt halt. Dort mietete die Missionsgruppe für ihr Zelt und Wohnwägen eine städtische Grünfläche. Am Dienstag widerrief die Stadt Ingolstadt allerdings den Mietvertrag. Die Polizei wies die Gruppe an, das Gelände zu verlassen. Nach Angaben des Veranstalters der Mission Daniel Kobi erfolgte dieses Vorgehen, nachdem bekannt wurde, dass sie zur Gruppe der Sinti gehören. Laut Kopi sei die Gruppe rassistisch behandelt worden mit der Absicht, sie vom Platz zu verjagen. Die Stadt Ingolstadt widerspricht der Darstellung und erklärt hingegen, dass es sich um ein Missverständnis handele. Man habe nicht mit der tatsächlichen Zahl an Wohnwägen gerechnet. Über die Bedeutung des Falls haben wir mit dem Vorsitzenden des baden-württembergischen Landesverbandes der Sinti und Roma Daniel Strauß gesprochen. (Text und Sendung: rdl.de)
Pressemitteilungen des Verbands Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg:
Vorfall in Ingolstadt, 19.6.2019
Stellungnahme zu den Äußerungen der Stadt Ingolstadt, 20.6.2019
Siehe auch:
Donaukurier: Alles nur ein Missverständnis?
Badische Zeitung: Verband beschwert sich über Umgang mit Freiburger Sinti in Bayern
Juni 11th, 2019 |
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Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte
„A început ploaia“ (dt.: Es begann zu regnen)
Dokumentarfilm von Michele Lancione (michelelancione.eu)
Rumänien / UK 2017, 71 Min. (Website)
Der Film kann hier kostenlos angesehen bzw. hier kostenlos heruntergeladen werden. Untertitel in diversen Sprachen.
„A început ploaia“ (dt.: Es begann zu regnen) behandelt das Thema Zwangsräumungen von Roma in Bukarest. Der Dokumentarfilm schildert die Geschichte einer Räumung, zeigt aber auch den Widerstand einer Gemeinschaft von Roma, die nach der Zwangsräumung zwei Jahre lang auf der Straße gelebt und für ihr Recht auf Wohnen gekämpft haben.
Accordingly to Amnesty International, in Romania ‘the right to housing is not effectively recognized or protected by national legisvlation’ and Roma people are ‘disproportionally affected’ by forced evictions. A început ploaia/It started raining is the first feature documentary narrating the full history of, and reasons behind, this continuous harassment and displacement. The film follows the story of the Vulturilor 50 community of Bucharest (100 individuals), who dwelt on the street from September 2014 to June 2016 in order to fight against the eviction from their home, enacting the longest and most visible protest for housing right in the history of contemporary Romania. Read the rest of this entry »
Juni 5th, 2019 |
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Rassismus & Menschenrechte
Angriff mit brennender Fackel auf Roma-Familie
Am 24. Mai kam es in der deutschen Kleinstadt Erbach (Alb-Donau-Kreis in Baden-Württemberg) im Stadtteil Dellmensingen zu einem Angriff auf einen Roma-Wohnwagen. Durchreisende Familien aus Frankreich hatten sich auf einer Wiese am Ortsrand niedergelassen. Am Samstagabend schleuderten Unbekannte eine brennende Fackel in Richtung des Wagens und versetzten die Familie in Angst. Laut Aussagen der Roma war um etwa 23 Uhr ein dunkler Kleinwagen mit vier oder fünf Insassen vorgefahren. Diese hätten etwas gerufen, woraufhin einer einen Brandsatz warf, der jedoch knapp vor den Wohnwägen auf der Wiese landete. Die unbekannten Angreifer ergriffen sofort die Flucht. Verängstigt verständigten die angegriffenen Roma die Polizei.
Laut einer gemeinsamen Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft, gehen die Ermittler inzwischen von einem antiziganistischen Anschlag aus. Die Ermittlungen haben bislang jedoch keine konkreten Hinweise auf die mutmaßlichen Täter gebracht. Deshalb bitten Staatsanwaltschaft Stuttgart und Kriminalpolizei um weitere Hinweise. Sie wollen wissen:
- Wer hat am Samstag, 24. Mai, kurz nach 23 Uhr, den Vorfall an der Werdensteinstraße in Erbach-Dellmensingen beobachtet?
- Wer hat den dunklen Kleinwagen gesehen oder kann Hinweise auf ihn geben?
- Wer kennt die Personen, die mit dem dunklen Kleinwagen unterwegs waren?
- Wer kann sonst Hinweise geben?
Hinweise nimmt die Ulmer Kriminalpolizei unter der Telefonnummer 0731/1880 entgegen.
(dROMa)
Juni 2nd, 2019 |
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Internet & Blogothek, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Berlin: Seminar „Antiziganismus im Netz – Erkennen, Monitoren, Melden“
Vom 10.–12. Mai richtete der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma zusammen mit dem Bildungsforum gegen Antiziganismus und jugendschutz.net in Berlin eine Tagung zum Thema „Antiziganismus im Netz“ aus. Antiziganistische Hassrede ist in fast allen Online-Formaten und auf vielen Webseiten zu finden. Der Hass gegen Sinti und Roma, der in sozialen Medien, auf Webseiten und in Foren im Internet auftaucht, bedient sich dabei den tief verwurzelten und gesellschaftlich weit akzeptierten antiziganistischen Vorurteilen und Stereotypen.
Doch gegenwärtig gibt es keine angemessenen Monitoring-Strukturen für antiziganistische Hassrede im Netz und bei existierenden zivilgesellschaftlichen Projekten gegen Hass im Netz fehlt oft das Hintergrundwissen zu Antiziganismus, um Gegenstrategien zu entwickeln. 59 Prozent der rechtswidrigen Online-Beiträge stammen nicht aus einem rechtsextremen Umfeld, sondern aus der Mehrheitsgesellschaft – antiziganistische Aussagen sind sozusagen sozial akzeptiert. Im Sommer 2018 führten jugendschutz.net, der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma ein Recherche-Pilotprojekt (Report: Antiziganismus online) durch, bei dem gemeinsam antiziganistische Hassinhalte recherchiert und analysiert wurden. Read the rest of this entry »
Mai 30th, 2019 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte
Ausstellung „Gegen das Vergessen“ in Wien – Porträtfotos von NS-Verfolgten des zerschnitten. Freiwillige haben spontan Mahnwachen eingerichtet
Ö1: Auf der Wiener Ringstraße sind Teile einer Ausstellung zur Erinnerung an die Opfer der NS-Gräuel bereits zum dritten Mal beschädigt worden. Freiwillige nähten die zerschnittenen Porträts der Überlebenden wieder zusammen und halten nun Mahnwache. (Mehr hier: https://oe1.orf.at/player/20190529/553902)
Stellungnahme von _erinnern.at_ zum Vorfall: _erinnern.at_ verurteilt aufs schärfste den Vandalismus an den Portraits von Verfolgten des Nationalsozialismus, die in der Ausstellung von Luigi Toscano auf der Wiener Ringstraße gezeigt werden. Es ist eine Schande und eine Scham, dass Zeitzeuginnen und Zeitzeugen derartig in Österreich herabgewürdigt werden. Die Überlebensgeschichten der Überlebenden des Holocaust zu bewahren und weiterzugeben ist uns ein großes Anliegen, durch mehrere Websiteprojekte, Unterrichtsmaterialien, das ZeitzeugInnen-Programm und durch Ausstellungen vermitteln wir ihre Geschichten an Jugendliche. _erinnern.at_ wird weiterhin daran arbeiten die Stimmen der Überlebenden des NS-Terrors, die in Österreich lange nicht gehört wurden, zu verstärken.
Die Ausstellung wird nun von mehreren Jugendorganisationen bewacht, um weitere Vandalenakte vorzubeugen. Bundespräsident Van der Bellen, der die Ausstellung vor wenigen Wochen eröffnete, verurteilte die Beschädigung schärfste und besuchte die Ausstellung ein weiteres Mal: „Es macht mich tief betroffen, dass die Ausstellung ‚Gegen das Vergessen‘ tlw. brutal zerstört wurde. Read the rest of this entry »
Mai 29th, 2019 |
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Rassismus & Menschenrechte
Mit Baseballschlägern bewaffnete Hooligans überfallen drei Roma-Siedlungen in Leskovvac (Serbien)
Das Roma Antidiscrimination Network (RAN) schreibt:
Wie die Roma-Partei mitteilte, kam es am Abend des 11. Mai 2019 gegen 21 Uhr zu drei Überfällen auf Roma-Siedlungen, auf die die Polizei reagierte. Etwa 50 Hooligans sollen sich bewaffnet mit Baseballschlägern in den Siedlungen Sat Mahala, Podrvce und „Slavko Zlatanović“ gewalttätig verhalten haben. Fünf bis sechs Menschen wurden verletzt, ein Anwohner vermutet Vorurteile gegen Roma. An anderer Stelle wird ein vorausgegangener Streit genannt.
Die Sprecherin der Roma-Partei, Sanja Šajn, verlangte von der Regierung, dass Polizeiwachen in diesen Siedlungen eingerichtet werden: „Dieses Verhalten ist inakzeptabel, wir unterstützen die schnelle Reaktion der Polizei, erwarten aber von anderen zuständigen Behörden Entschlossenheit im Kampf gegen solche Taten“, sagt Šajn. Šajn schätze weiter ein, dass solche Verhaltensweisen strengstens bestraft werden müssen, und forderte die Unterstützung von Mitgliedern der Roma-Gemeinschaft. „Das ist schon der zweite Angriff in Folge auf Roma-Siedlungen in Leskovac“, führt die Roma-Partei an und fügt hinzu, dass nicht zugelassen werden könne, dass solche Provokationen in einen allgemeivnen Konflikt übergehen.
„Die Polizei und die Staatsanwaltschaft ermitteln in diesem Fall“, teilte der Pressesprecher der Polizei in Leskovac, Boban Zdravković, mit. Er bestätigt, dass eine mit Stöcken, Schlägern und Messern bewaffnete Gruppe Roma in Podvorce angriff. Zwei weitere Angriffe im Stadtzentrum und auf einem Schulhof wurden zuvor gemeldet.
Der Angriff ereignete sich während einer Feier, als sich viele Roma auf der Straße aufhielten. Die Bewohner gehen davon aus, dass es sich um eine organisierte Gewalttat handelt und fürchten nun, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Read the rest of this entry »
Mai 15th, 2019 |
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Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte
Eine ganze Reihe von Romani-Wörtern hat Eingang in den schottischen Dialekt (Scots) gefunden; so etwa gadgie (von gadscho/Nicht-Rom) für Bub/Mann.
(Quelle)
Mai 2nd, 2019 |
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Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Das Roma Center Berlin hat einen Aufruf zur Unterstützung einer Romni veröffentlicht, die mit ihrem Mann und Schwager vor einem Monat in Berlin von einer Frau in der U-Bahn – laut Roma-Center aus rassistischen Motiven – attackiert und verletzt wurden. Der Vorfall fand in den Medien offenbar keinen breiten Niederschlag. Auch in den Presseaussendungen der Polizei Berlin konnten wir keine diesbezügliche Meldung finden.
Im Folgenden geben wir das Rundschreiben des Roma Centers Berlin, das uns über das Roma Antidiscrimination Network erreicht hat, im Wortlaut wieder:
Roma-Frau klagt gegen rassistische Straftäterin
Am 29. März waren M., ihr Mann und ihr Schwager in einer Berliner U-Bahn unterwegs, als sie von einer Frau mit einem Messer attackiert wurden. Die Frau hat dem Schwager in den Bauch gestochen und nur um 2cm die Leber verfehlt. Als sie M.s Mann angreifen wollte, konnte dieser ausweichen. Daraufhin hat sie es nochmal versucht und M. hat sie gestoßen, damit sie das Gleichgewicht verliert. M. gelang es nicht, die Angreiferin zu Boden zu stoßen, und diese schnitt M. tief in den Nacken. Als M. versucht hat, der Frau das Messer wegzunehmen, hat die Frau sie hart in die Hand gebissen. Die ganze Zeit hat M. gerufen: „Bitte Hilfe!“, aber niemand im Wagen hat sich bewegt. Als der Zug in der nächste Station gehalten hat, haben M., ihr Mann und ihr Schwager – obwohl alle Blut überströmt und tief verletzt waren – es endlich geschafft, die Frau am Boden festzuhalten. Erst dann hat ein Mann, der die ganze Szene im Zug gesehen hat, sich eingemischt und die Hand der Frau festgehalten.
Die Polizei verhaftete die Frau. M. und ihre Familie mussten im Krankenhaus stationär behandelt werden. M.s Mann ist schwer krank und hatte kürzlich eine Operation. Inzwischen ist er wieder im Krankenhaus.
Die Kriminalpolizei hat M. darüber informiert, dass die Angreiferin eine deutsche Frau ist und dass es eine rassistisch motivierte Straftat war. Die Frau wird strafrechtlich verfolgt. Die Polizei hat M. jedoch auch geraten, die Frau auf Schadenersatz zu verklagen. Sie empfahl ihr, sich hierfür anwaltlich beraten und vertreten zu lassen.
Wir möchten, dass der Fall öffentlich bekannt wird. Selten wird über rassistisch motivierte Straftaten berichtet. Read the rest of this entry »
April 25th, 2019 |
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Film & Theater, Frauenrechte, Rassismus & Menschenrechte
Österreichpremiere: Seule à mon mariage
(Alone at My Wedding)
Spielfilm von Marta Bergman
BEL/FRA/RUM 2018, 121 Min.
Französisch/Romanes/Rumänisch/Flämisch
Screenings bei Crossing Europe:
25.4.2019, 15:15: Movie 1 (Filmgast anwesend)
27.4.2019, 10:30: Ursulinensaal
Pamela (Alina Serban) ist eine Romni Anfang 20, die mit ihrer Großmutter und ihrer zweijährigen Tochter in einem Dorf am Stadtrand von Bukarest lebt. Da ihre Eltern tot sind und es keine echten beruflichen Perspektiven gibt, sieht sie im Verlassen ihrer Familie die Chance für ein besseres Leben und geht als „Katalog-Braut“ mit einem Belgier eine Ehe ein. Der Film macht deutlich, dass Ehen manchmal mehr aus der Not als aus Liebe geschlossen werden. Der bittersüße Ton, die lebhafte Performance der Hauptdarstellerin und die außergewöhnliche Geschichte sprechen für diesen sehenswerten Film. (Sophie Rieger, YAAAS 2019)
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April 24th, 2019 |
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Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Gespräch zum Mordanschlag auf eine Roma-Familie vor zehn Jahren und zur Kontinuität rassistischer Gewalt in Tschechien
RadioBlau, Leipzig, Sendung vom 19.4.2019
→Anhören mp3 (15:15 min, 35 MB)
Wir hören ein Gespräch mit Michael vom Blog EcoleUsti (ecoleusti.wordpress.com), der an den rassistischen Brandanschlag in Vítkov in Tschechien am 18. April 2009 erinnert (siehe hier und hier) und auf die Kontinuitäten und Voraussetzungen rassistischer Gewalt in der Tschechischen Republik und darüberhinaus verweist.
(Sendung und Text: RadioBlau)
Siehe auch:
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April 22nd, 2019 |
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Rassismus & Menschenrechte
Rassistische Diskriminierung bei Wohnungsvergabe in Deutschland: Ein interner Vermerk der Wohnungsgenossenschaft Hameln ruft Empörung und Kritik des Minderheitenrates Deutschlands hervor
Eine rassistische Bemerkung auf einem Formblatt für Wohnungssuchende sorgte vor einigen Tagen für heftige Kritik an der Wohnungsgenossenschaft Hameln (WGH) in Niedersachsen. Ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin der WGH hatte einer 68-Jährigen eine Bescheinigung über eine vergebliche Bewerbung auf eine Zweizimmerwohnung übersandt. Neben den persönlichen Daten stand nicht nur der Satz „Es liegen derzeit keine Angebote vor“, sondern auch die Bemerkung „1 Pers.; leichter Zigeunereinschlag; besser nichts anbieten“ – offenbar ein interner Vermerk, der nicht nach außen dringen sollte.
Die Hamelerin war sprachlos und empört. Ihre Mutter und andere Familienmitglieder seien in der NS-Herrschaft als „Zigeuner“ verfolgt, in Konzentrationslager gesperrt oder von den Nazis ermordet worden. Die rassistische Bemerkung trifft sie damit umso mehr, heißt es im Artikel auf stern.de.
Der Fall zieht größere Kreise. Denn nun haben viele Sinti und Roma das schwarz auf weiß, was viele vermuten, aber nur selten belegen können: Auch acht Jahrzehnte nach der Verfolgung der Minderheit durch die Nationalsozialisten werden Sinti und Roma in Deutschland weiterhin benachteiligt.
Es gebe nach wie vor eine Form von alltäglicher Diskriminierung, sagte Herbert Heuß vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma in Deutschland gegenüber der Nordwest-Zeitung. Es passiere immer wieder, sagt der wissenschaftliche Leiter des Zentralrats: Mal ist es eine junge Frau, die auf einem Computermonitor in einem südwestdeutschen Jobcenter einen entsprechenden Vermerk gesehen haben will. Mal ein Bewerber, bei dem die passenden Jobs trotz Qualifikation immer plötzlich vergeben sind. Doch einen so klar dokumentierten Fall wie in Hameln gebe es nur selten.
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April 19th, 2019 |
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Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Strahinja Dobrivojević (2017): Das Bild der Zigeunerin in ausgewählten Werken von Adalbert Stifter, Karl Emil Franzos und Hermann Hesse
Masterarbeit, Karl-Franzens-Universität Graz (Institut für Germanistik), 66 S.
→Download der UB Graz (pdf)
Abstract (Link):
Die Einstellung verschiedener Bevölkerungen der Welt gegenüber dem Fremden ist seit langem ein wichtiger Forschungspunkt, sowohl in der Politik und Geschichte als auch in der Sprache und der Literaturwissenschaft. Die Bilder des Fremden reihen sich aneinander und sind ein unerlässlicher Bestandteil der Anerkennung jeder Minderheitsgruppe geworden. In einigen Fällen sind diese Bilder eine positive Annahme des Fremden, aber im größten Teil umfassen sie an breites Spektrum an Urteilen, Vorüberzeugungen und Verachtung.
Diese Arbeit, Das Bild der Zigeunerin in ausgewählten Werken von Stifter, Franzos und Hesse, hat das Anliegen, die eher negativen Bilder des Fremden aufgrund konkreter literarischer Beispiele aus den vorhandenen Werken darzustellen. Darunter befinden sich zwei Werke von Adalbert Stifter (Katzensilber und Der Waldbrunnen), ein Werk von Karl Emil Franzos (Die Hexe) und ein Werk von Hermann Hesse (Narziß und Goldmund). Alle Werke außer Die Hexe stellen ein Bild des Fremden dar, das obwohl es negativ am Anfang perzipiert werden könnte, am Ende eher affirmativ ist. Die Hexe hingegen ist eine Erzählung, an deren Beispiel sich das negative Bild des Fremden am besten verstehen lässt. Die Arbeit ist so eingegliedert, dass jeder Teil eine ausführliche Darstellung der wichtigsten Motive und Topoi umfasst. Read the rest of this entry »
April 11th, 2019 |
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Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Massive Unregelmäßigkeiten im Mordprozess gegen Rom in der Ukraine
In der Oblast Odessa ist vor zweieinhalb Jahren ein kleines Mädchen vergewaltigt und ermordet worden. Als mutmaßlicher Täter wurde ein junger Rom verhaftet. Anschließend verwüstete ein aufgebrachter Mob die Häuser von Roma, während die Polizei tatenlos zusah, und die gesamte Roma-Community wurde geräumt (wir berichteten, mehr lesen). Nun sind berechtigte Zweifel an der Schuld des Mannes aufgekommen und ein Gericht hat geurteilt, dass die Räumung rechtswidrig war.
Anscheinend waren „Beweismittel“, die einen jungen Rom mit einem ermordeten Kind in Verbindung gebracht hatten, gefälscht. Seine Verhaftung hatte zu gewalttätigen Angriffen gegen Roma in der Oblast Odessa geführt.
Das ist nicht das erste Mal, dass Probleme im Verfahren gegen den jungen Mann auftreten, der sich seit zweieinhalb Jahren in Arrest befindet und sich dort wohl eine Tuberkulose zugezogen hat. Nun gibt es jedoch Hinweise auf eine vorsätzliche Fälschung von Beweismitteln.
Kurz nachdem die achtjährige Angelina in der Nähe ihres Zuhauses in Loschtschyniwka tot aufgefunden worden war, ist der damals 21-jährige Mychajl Ch. verhaftet worden. Der junge Mann hatte sein ganzes Leben in dieser Gegend verbracht. Jedoch wurde nun die Tatsache, dass er Rom ist, von Anwohnern zum Anlass für Ausschreitungen genommen. Dabei wurden Häuser von Roma zerstört und Bewohner gezwungen zu fliehen. Die Angriffe gingen um die Welt – auch da die Behörden auf Seiten der Angreifer standen und die Roma-Familien „überzeugten“, die Gegend zu verlassen.
Der Prozess gegen Ch. begann im November 2017 in Odessa. Bisher wurden sechs Zeuginnen und Zeugen aufgerufen, während 44 weitere sowie acht Expertinnen und Experten noch gehört werden müssen. Am 14. Februar hat das Gericht Ch.s Haft weiter verlängert, nachdem ein Zeuge ihm anscheinend ein Alibi gegeben hatte. Am selben Tag, als der Bescheid kam, gab es eine Zeugenaussage, die entscheidende Beweise gegen ihn in Frage stellt.
Bei Letzterer handelt es sich um die Befragung Ihor Manzoruks, der in dem Fall DNA-Proben untersucht hatte. Hier wurden im Prozess nun massive Unregelmäßigkeiten festgestellt (detailliert im unten verlinkten Artikel nachzulesen). Zudem gibt es weitere Probleme mit der Anklage gegen Ch. Read the rest of this entry »
April 5th, 2019 |
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Rassismus & Menschenrechte
Lynchmob attackiert Roma-Notunterkunft in Italien
Belltower.news: In Rom will ein rechter Mob ein Quartier von Roma „befreien“. Die Menschen versuchen, eine Wohnanlage zu stürmen und zünden Autos an. In Frankreich jagen bewaffnete Menschen Roma auf offener Straße (wir berichteten). Extrem rechte Parteien in Europa ernten nun die Früchte ihrer romafeindlichen Hetze.
(…) Im römischen Außenbezirk Torre Maura kam es in der Nacht auf Mittwoch, den 3. April, zu einem Angriff auf ein Aufnahmezentrum, in dem über 70 Roma und Romnija lebten (Anm. der dROMa-Red.: etwa die Häfte ist minderjährig). Angestachelt wurde dieser Aufstand laut italienischen Medienberichten durch die rechtsextremen Parteien „Casa Pound“ und „Forza Nuova“. Der Angriff dauerte mehrere Stunden, etwa 300 Personen beteiligten sich (Anm.: andere Medienberichte sprechen von über 200). Vordergründig protestierten sie gegen eine Übersiedlung der Roma und Romnija in ein Aufnahmezentrum vor Ort. Letztendlich entlud sich hier jedoch vor allem der Hass auf eben jene marginalisierte Minderheit, der schließlich auch in Vernichtungsphantasien mündete. Vor dem Tor des Aufnahmezentrums, rief ein Protestierender lautstark einem Rom zu: „Verschwinde, sonst bring ich dich um“, während ein anderer grölend hinzufügte: „Wir müssen sie lebendig verbrennen“. Neben römischen Grüßen aus dem Mob kam es auch zu faschistischen Chören, wie „Italien, Faschismus, Revolution“.
Nun hat Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi die Umsiedlung der Angehörige der Minderheit beschlossen. Und so wurden die Bewohner/innen unter Jubel-Rufen in Bussen abtransportiert. Den Umzug bezeichnete „Casa Pound“ sogleich auch als „großen Sieg“. Und auch Salvini äußert sich in einem Tweet: „Roma-Chaos in der Hauptstadt.“ (…)
Bitte lesen Sie den hier nur in Auszügen wiedergegebenen Artikel von Kira Ayyadi in voller Länge auf Belltower.news.
April 2nd, 2019 |
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Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Radio RomaRespekt #28: Geschichte der Sinti und Roma in Dresden
Sendung vom 20.3.2019: Wie erging es eigentlich Sinti und Roma früher in Sachsen? Wie wurden sie behandelt oder auch von Institutionen diskriminiert? Warum? Inwiefern haben sie sich dagegen gewehrt? Wer hat sich mit ihnen solidarisiert? Und das in welcher Form? Was hat eigentlich die Geschichte der Sinti und Roma mit der Entstehung und Entwicklung des Kapitalismus zu tun? Und was hat das Ganze mit der Gegenwart, dem Hier und Jetzt zu tun?
Die Historikerin Claudia Pawlowitsch hat sich in Archive begeben und nach Antworten auf diese Fragen gesucht – aus einer solidarischen Position mit Sinti und Sintezze, Roma und Romnja.
(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)