Rassismus & Menschenrechte

Radio Blau: Die Lage von Sinti und Roma

Juni 30th, 2019  |  Published in Einrichtungen, Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Podiumsgespräch in Leipzig (Foto: Erich-Zeigner-Haus)Die gesellschaftspolitische Lage von Sinti und Roma in Deutschland und Europa

Erich-Zeigner-Haus, Leipzig
RadioBlau, Sendung vom 24.6.2019
→Anhören mp3 (1:09:42 h, 140 MB)

Wir hören einen Mitschnitt des Gesprächs zur gesell­schafts­poli­ti­schen Lage von Sinti und Roma in Deutsch­land und Eu­ro­pa vom 12. Ju­ni 2019. Ge­sprächs­part­nerin­nen sind Anja Reuss (vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma) und Petra Čagalj Sejdi (vom Verein Romano Sumnal e.V.); Mo­de­ra­tion: Gloria Pfister (Erich-Zeig­ner-Haus e.V.).

Das Gespräch hat Einblicke in aktuelle gesellschafts­poli­ti­sche The­men von Sinti und Roma ge­währt. Dabei wur­den EU-Richt­linien und Maß­nah­men, die die Minder­heit be­tref­fen, als auch Aus­wir­kun­gen des Anti­ziganis­mus und daraus re­sul­tie­rende Dis­kri­mi­nie­rungs­er­fah­run­gen dis­ku­tiert. Darüber hinaus wur­de die Frage ge­stellt, wie anti­ziga­nis­ti­sche Struk­tu­ren auf politi­scher und gesell­schaft­li­cher Ebene be­kämpft wer­den kön­nen.

Sinti und Roma wurden in Deutschland 1996 als Minder­heit an­erkannt. Die deut­sche Gesell­schaft setzte sich über Jahr­zehnte nicht mit den Ver­brechen der National­sozia­lis­ten an Sinti und Roma aus­einan­der. Erst mit der ver­stärk­ten Bürger­rechts­arbeit von Sinti und Roma in der Bundes­republik seit den 1970er Jah­ren wurde die feh­lende Auf­arbei­tung der NS-Ver­bre­chen an Sinti und Roma Thema.

„Antiziganismus“ ist weder in Deutschland noch in Euro­pa ein Phä­no­men am „rechten Rand“, son­dern zieht sich durch alle ge­sell­schaft­li­chen Schich­ten und ist eine Form von Rassis­mus, die eine breite Ak­zep­tanz in der Bevöl­ke­rung er­fährt. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (228)

Juni 29th, 2019  |  Published in Facts & Figures, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte

Italienische Hilfsorganisationen berichten, dass Neofaschisten der „Casa Pound“ Roma-Kindern in Rom im Nov. 2014 den Zutritt zur Schule versperrten.

(Quelle)

Slowakei aktualisiert Roma-Atlas

Juni 27th, 2019  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Verteilung der Roma-Bevölkerung in der Slowakei: Roma-Volksgruppen-Anteil in den Kommunen (Roma-Atlas 2013)Die slowakische Regierung aktua­li­siert ihre Daten über die Roma-Sied­lun­gen. Der „Atlas der Roma-Ge­mein­schaf­ten“ wird nun über­ar­beitet.

Bereits seit fünfzehn Jahren existiert in der Slowakei ein of­fi­ziel­ler „Atlas der Roma-Ge­mein­schaf­ten“, ein im Auftrag der Re­gie­rung er­stell­tes Daten­sam­mel­werk zur Wohn- und Le­bens­situa­tion der Roma-Volks­grup­pe in der Slo­wakei. Das Ver­zeich­nis wurde das letz­te Mal 2013 über­ar­bei­tet („Atlas rómskych komunít 2013“). Seit 2014 ist der Sta­tisti­ken und Karten um­fas­sen­de Atlas, ge­mein­sam publi­ziert von Ar­beits­minis­te­rium und Prešov-Uni­ver­sität, voll­stän­dig ver­füg­bar.

Nun will die Regierung den „Atlas“ neuer­lich ak­tuali­sie­ren. Nach dem Som­mer wird die neue Ver­sion er­schei­nen, kün­digte die sozial­demokra­ti­sche Innen­minis­te­rin Denisa Saková an. Er­stellt wird die neue Daten­samm­lung vom „Insti­tut für Arbeits- und Fa­milien­for­schung“ des Arbeits­minis­te­riums. Der „Atlas 2019“, der Aus­kunft über die ak­tuelle An­zahl, Lebens­be­din­gun­gen und Infra­struk­tur der Roma-Sied­lun­gen gibt, soll als Grund­lage für die evidenz­basier­te Politik­ge­stal­tung dienen.

Die Daten des Atlas 2013

In die Erhe­bung von 2013 flos­sen ne­ben dem Aus­gangs­material von 2004 die Volks­zählungs­daten von 2011 (alle Sied­lun­gen mit mindes­tens 30 selbst­erklär­ten Min­der­heits­ange­hö­rigen) sowie die Ver­zeich­nis­se des beim Innen­ministe­rium an­gesie­del­ten Büros des Regie­rungs-Be­voll­mäch­tig­ten für Roma-Ge­mein­schaf­ten ein. Die Feld­for­schungs­arbeit wurde von etwa drei­ßig Mit­arbei­terin­nen und Mit­arbei­tern unter Ein­bezie­hung zahl­reicher Roma in über 1000 Ge­mein­den durch­geführt. Ins­ge­samt er­fassten die Auto­ren für diese letzte aktuali­sierte Fas­sung 804 Roma-Sied­lun­gen und -Vier­tel in 584 Kom­mu­nen. 231 davon wur­den als „segre­gierte Sied­lun­gen“ (0,9 bis 7 km Ent­fer­nung von den eigent­li­chen Wohn­vierteln) klas­si­fi­ziert. 327 wei­te­re Sied­lungen be­finden sich am Orts- bzw. Stadt­rand, 246 Roma-Wohn­viertel bzw. -Sied­lun­gen liegen inner­halb des Orts­gebiets. Dem­nach le­ben 17 Pro­zent der Roma-Be­völke­rung (rund 70.000) in sol­chen völ­lig ab­ge­trenn­ten Sied­lungen.

188 Siedlungen haben keinen Zugang zur öffentlichen Wasserversorgung. 451 Sied­lun­gen sind nicht ans öf­fent­li­che Kanal­system an­ge­schlos­sen. Die größ­te An­zahl von Roma-Wohn­gebie­ten wei­sen die Re­gio­nen Banská Bystrica in der Mittel­slowa­kei und Košice so­wie Prešov im Osten des Lan­des auf. Fast die Hälfte (46,7 Pro­zent) der 403.000 slo­waki­schen Roma („those who are ge­ne­rally con­sidered as be­ing Roma“) leben je­doch ver­streut unter der Mehr­heits­be­völ­ke­rung in den all­ge­mei­nen Wohn­ge­bieten.

(dROMa)

Facts & Figures (226)

Juni 26th, 2019  |  Published in Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte

Antiziganis­ti­sche Straf­ta­ten wer­den in der deut­schen Kri­mi­nal­sta­tis­tik („Po­li­tisch Mo­ti­vier­te Kri­mi­na­li­tät”) erst seit 2017 ge­son­dert er­fasst.

(Quelle/pdf)

FUEN startet Online-Meldesystem

Juni 23rd, 2019  |  Published in Einrichtungen, Internet & Blogothek, Rassismus & Menschenrechte

FUEN startet europäisches Internet-Projekt "Minority Monitor" (Bild: Fuen)Minority Monitor: „Keine Problem­daten­bank, son­dern eine Da­ten­bank vol­ler Lö­sun­gen“

Die Föderalistische Union Euro­päi­scher Natio­nali­täten (FUEN) prä­sen­tiert ein neues On­li­ne-Tool, das von den Min­der­heiten ge­nutzt wer­den kann, wenn sie auf eine Ver­letzung ihrer Min­der­heiten­rechte sto­ßen, Dis­kri­mi­nie­rung aus­ge­setzt sind oder wenn sie einen Fall von be­währ­ten Prak­ti­ken mit­einan­der tei­len wol­len. Die FUEN ist der euro­päische Dach­ver­band der autoch­tho­nen, natio­na­len Min­der­hei­ten bzw. Volks­grup­pen in Europa. Die FUEN hat über 90 Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen.

Die FUEN ist stets bestrebt, neue Vorschläge und Pro­jek­te zu ent­wickeln, ins­be­son­dere jetzt, da die Kam­pagne für das Minority SafePack (wir be­rich­te­ten hier, hier und hier) be­endet ist und wir die Initia­tive in gu­ten Händen wis­sen. Einige Or­gani­sa­tio­nen er­warten von uns, dass wir die Proble­me, mit denen die Min­derhei­ten kon­fron­tiert sind, die Fälle von Dis­krimi­nie­rung, von Ver­letzun­gen der Min­der­heiten­rechte auf die Tages­ord­nung setzen – und diese neue Initia­tive des Prä­si­diums tut genau das, sagte FUEN-Prä­si­dent Loránt Vincze bei der Vor­stellung des Mino­rity Moni­tor. „Wir spre­chen auf unse­ren Kon­gres­sen immer über diese Fälle, aber wir muss­ten einen Ort fin­den, um sie zu sammeln und ge­meinsam zu prä­sentie­ren. Der Minority Monitor stellt nicht nur be­währte Prak­tiken vor, son­dern auch Lösun­gen, die ande­re Ge­mein­schaften und Staaten für ähn­li­che Proble­me ge­funden ha­ben“, er­klärte der Prä­sident.

Projektmanager Roman Roblek präsentierte das Pro­jekt zusam­men mit Judith Solzina, Jan Diedrichsen und Melek Kırmacı Arık den Teil­neh­men­den des FUEN-Kon­gresses. Ihnen wur­de zum ers­ten Mal ge­zeigt, wie die Website aus­sieht, und sie er­hielten eine Erklä­rung über ihren Zweck und ihre Einsatz­mög­lich­keiten. Die Website ent­hält bereits eini­ge Bei­spiele von Fällen – darun­ter Dis­kriminie­rung, Ver­stöße gegen das Min­der­heiten­recht, aber auch be­währte Prak­tiken.

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Ingolstadt: Nur ein Missverständnis?

Juni 21st, 2019  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Religion

„Als Nicht-Sinti hät­te die Frei­bur­ger Mis­si­ons­­­grup­­­pe in In­­­gol­­­stadt blei­­ben dür­­­fen“

Dreyeckland Radio Dreyeckland, 21.6.2019 (8:01 min)
Sendereihe: Fokus Südwest, Morgenradio
→Anhören (mp3)

Jedes Jahr gehen einige Freiburger Sinti mit ihrer evan­geli­schen Freikirche auf Mis­sions­fahrt. Die­ses Mal mach­ten sie u.a. in Ingolstadt halt. Dort mie­te­te die Missions­grup­pe für ihr Zelt und Wohn­wägen eine städti­sche Grün­fläche. Am Diens­tag wider­rief die Stadt Ingolstadt al­ler­dings den Miet­vertrag. Die Polizei wies die Gruppe an, das Ge­län­de zu ver­lassen. Nach An­gaben des Ver­anstal­ters der Mis­si­on Daniel Kobi er­folg­te dieses Vor­gehen, nach­dem be­kannt wur­de, dass sie zur Grup­pe der Sinti ge­hö­ren. Laut Kopi sei die Grup­pe rassistisch be­han­delt wor­den mit der Ab­sicht, sie vom Platz zu ver­jagen. Die Stadt Ingolstadt widerspricht der Darstellung und er­klärt hin­ge­gen, dass es sich um ein Miss­ver­ständ­nis han­dele. Man habe nicht mit der tat­säch­li­chen Zahl an Wohn­wägen ge­rechnet. Über die Be­deutung des Falls haben wir mit dem Vor­sitzen­den des ba­den-württem­bergi­schen Landes­ver­ban­des der Sinti und Roma Daniel Strauß ge­spro­chen. (Text und Sen­dung: rdl.de)

Pressemitteilungen des Verbands Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg:
Vorfall in Ingolstadt
, 19.6.2019
Stellungnahme zu den Äußerungen der Stadt Ingolstadt
, 20.6.2019

Siehe auch:
Donaukurier: Alles nur ein Missverständnis?
Badische Zeitung: Verband beschwert sich über Umgang mit Freiburger Sinti in Bayern


Es begann zu regnen (2017)

Juni 11th, 2019  |  Published in Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte

A început ploaia“ (dt.: Es begann zu regnen)
Dokumentarfilm von Michele Lancione (michelelancione.eu)
Rumänien / UK 2017, 71 Min. (Website)

Der Film kann hier kostenlos angesehen bzw. hier kos­ten­los herun­ter­ge­la­den wer­den. Unter­ti­tel in di­ver­sen Spra­chen.

A început ploaia“ (dt.: Es begann zu regnen) behandelt das Thema Zwangs­räumungen von Roma in Bukarest. Der Doku­mentar­film schil­dert die Ge­schichte einer Räumung, zeigt aber auch den Widerstand einer Ge­mein­schaft von Roma, die nach der Zwangs­räumung zwei Jah­re lang auf der Straße ge­lebt und für ihr Recht auf Wohnen ge­kämpft haben.

Accordingly to Amnesty International, in Romania ‘the right to housing is not effect­ively re­cognized or pro­tec­ted by natio­nal legisvlation’ and Roma people are ‘dis­propor­tio­nally affec­ted’ by forced evictions. A început ploaia/It started raining is the first feature docu­mentary nar­rating the full history of, and reasons be­hind, this conti­nuous harass­ment and dis­place­ment. The film follows the story of the Vulturilor 50 com­munity of Bucharest (100 indi­vi­duals), who dwelt on the street from Sep­tem­ber 2014 to June 2016 in order to fight against the eviction from their home, en­acting the lon­gest and most vi­sible pro­test for housing right in the his­tory of con­tem­porary Romania. Read the rest of this entry »

Deutschland: Angriff auf Roma-Wohnwagen

Juni 5th, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Romafeindlicher Angriff in Erbach-Dellmensingen (Alb-Donau-Kreis in Baden-Württemberg)Angriff mit brennender Fackel auf Roma-Familie

Am 24. Mai kam es in der deutschen Kleinstadt Erbach (Alb-Donau-Kreis in Ba­den-Württem­berg) im Stadt­teil Dell­men­sin­gen zu einem An­griff auf einen Ro­ma-Wohn­wa­gen. Durch­rei­sen­de Familien aus Frankreich hatten sich auf einer Wiese am Ortsrand niedergelassen. Am Samstag­abend schleu­derten Unbekannte eine bren­nen­de Fackel in Rich­tung des Wa­gens und ver­setz­ten die Fa­milie in Angst. Laut Aus­sagen der Roma war um etwa 23 Uhr ein dunkler Klein­wagen mit vier oder fünf In­sassen vor­ge­fah­ren. Diese hät­ten etwas ge­rufen, woraufhin einer einen Brand­satz warf, der je­doch knapp vor den Wohn­wägen auf der Wiese lan­dete. Die un­bekann­ten An­greifer er­griffen sofort die Flucht. Ver­ängstigt ver­stän­digten die an­ge­grif­fe­nen Roma die Polizei.

Laut einer ge­mein­samen Mit­tei­lung von Polizei und Staats­anwalt­schaft, ge­hen die Er­mittler in­zwi­schen von einem anti­ziganisti­schen Anschlag aus. Die Er­mitt­lungen haben bis­lang je­doch keine kon­kreten Hin­weise auf die mut­maß­lichen Täter ge­bracht. De­shalb bit­ten Staatsanwaltschaft Stuttgart und Kriminal­polizei um weitere Hinweise­. Sie wollen wissen:

  • Wer hat am Samstag, 24. Mai, kurz nach 23 Uhr, den Vorfall an der Werden­stein­straße in Er­bach-Dell­men­sin­gen be­obach­tet?
  • Wer hat den dunklen Kleinwagen gese­hen oder kann Hin­weise auf ihn ge­ben?
  • Wer kennt die Personen, die mit dem dunk­len Klein­wagen unter­wegs waren?
  • Wer kann sonst Hinweise ge­ben?

Hinweise nimmt die Ulmer Kriminalpolizei un­ter der Telefon­num­mer 0731/1880 ent­gegen.

(dROMa)

Tagung „Antiziganismus im Netz“

Juni 2nd, 2019  |  Published in Internet & Blogothek, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Hassrede im InternetBerlin: Seminar „Antiziganismus im Netz – Er­ken­nen, Mo­ni­to­ren, Melden“

Vom 10.–12. Mai richtete der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma zu­sam­men mit dem Bildungs­forum gegen Anti­ziga­nis­mus und jugend­schutz.net in Berlin eine Tagung zum The­ma „Anti­ziga­nis­mus im Netz“ aus. Anti­ziganis­tische Hassrede ist in fast allen On­line-For­maten und auf vielen Web­seiten zu finden. Der Hass gegen Sinti und Roma, der in sozia­len Medien, auf Web­sei­ten und in Foren im Internet auf­taucht, be­dient sich dabei den tief ver­wurzelten und gesell­schaft­lich weit ak­zep­tier­ten anti­ziganis­ti­schen Vor­urtei­len und Ste­reo­typen.

Doch gegenwärtig gibt es keine angemessenen Monitoring-Struk­tu­ren für anti­ziganis­tische Hassrede im Netz und bei exis­tieren­den zivil­gesell­schaft­li­chen Pro­jekten gegen Hass im Netz fehlt oft das Hinter­grund­wissen zu Anti­ziga­nis­mus, um Gegen­strate­gien zu ent­wickeln. 59 Pro­zent der rechts­widri­gen Online-Bei­träge stam­men nicht aus einem rechts­extremen Um­feld, son­dern aus der Mehrheits­gesell­schaft – anti­zi­ga­nis­ti­sche Aus­sagen sind so­zu­sagen sozial ak­zeptiert. Im Som­mer 2018 führ­ten jugend­schutz.net, der Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma und das Do­ku­­men­ta­­tions- und Kul­tur­zentrum Deut­scher Sinti und Roma ein Recherche-Pi­lot­projekt (Report: Antiziganismus online) durch, bei dem ge­mein­sam anti­ziganis­ti­sche Hass­inhalte re­cher­chiert und analy­siert wur­den. Read the rest of this entry »

Mahnwachen nach Angriff auf NS-Opferporträts

Mai 30th, 2019  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte

"Menschen kommen und nähen die Portraits zusammen. Sie bewachen bei strömendem Regen die Bilder der Ausstellung." (Foto: Klaus Schwertner/Twitter) Ausstellung „Gegen das Vergessen“ in Wien – Porträt­fotos von NS-Ver­folg­ten des zer­schnit­ten. Frei­willige ha­ben spontan Mahn­wa­chen ein­ge­rich­tet

Ö1: Auf der Wiener Ringstraße sind Teile ei­ner Ausstellung zur Er­in­nerung an die Opfer der NS-Gräuel be­reits zum drit­ten Mal be­schädigt wor­den. Frei­willige nähten die zer­schnitte­nen Porträts der Über­leben­den wieder zu­sammen und halten nun Mahn­wache. (Mehr hier: https://oe1.orf.at/player/20190529/553902)

Stellungnahme von _erinnern.at_ zum Vorfall: _erinnern.at_ ver­urteilt aufs schärfs­te den Van­dalis­mus an den Portraits von Ver­folg­ten des National­sozia­lis­mus, die in der Ausstel­lung von Luigi Toscano auf der Wiener Ring­straße ge­zeigt wer­den. Es ist eine Schande und eine Scham, dass Zeit­zeuginnen und Zeit­zeugen der­artig in Österreich herab­ge­wür­digt werden. Die Über­lebens­geschich­ten der Über­lebenden des Holocaust zu be­wahren und weiter­zu­geben ist uns ein großes An­liegen, durch meh­rere Website­projekte, Un­terrichts­materialien, das Zeit­zeu­gIn­nen-Pro­gramm und durch Ausstel­lungen ver­mitteln wir ihre Geschich­ten an Jugendliche. _erin­nern.at_ wird wei­ter­hin daran ar­beiten die Stimmen der Über­lebenden des NS-Ter­rors, die in Öster­reich lange nicht gehört wur­den, zu ver­stärken.

Die Ausstellung wird nun von mehreren Jugend­organisa­tio­nen bewacht, um weite­re Vandalen­akte vor­zu­beugen. Bundes­prä­sident Van der Bellen, der die Ausstel­lung vor we­ni­gen Wochen er­öffnete, ver­urteilte die Beschä­di­gung schärfste und be­suchte die Aus­stel­lung ein weite­res Mal: „Es macht mich tief be­troffen, dass die Aus­stel­lung ‚Gegen das Verges­sen‘ tlw. brutal zer­stört wurde. Read the rest of this entry »

Überfall auf drei Roma-Siedlungen in Serbien

Mai 29th, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

PodvorceMit Baseballschlägern bewaffnete Hooligans über­fallen drei Roma-Sied­lun­gen in Les­kovvac (Ser­bien)

Das Roma Antidiscrimination Network (RAN) schreibt:

Wie die Roma-Partei mitteilte, kam es am Abend des 11. Mai 2019 gegen 21 Uhr zu drei Über­fällen auf Roma-Sied­lungen, auf die die Polizei re­agierte. Etwa 50 Hooligans sol­len sich be­waffnet mit Base­ball­schlägern in den Sied­lungen Sat Mahala, Podrvce und „Slavko Zlatanović“ ge­walt­tätig ver­halten haben. Fünf bis sechs Men­schen wurden ver­letzt, ein An­wohner ver­mutet Vor­urteile ge­gen Roma. An anderer Stelle wird ein voraus­ge­gange­ner Streit ge­nannt.

Die Sprecherin der Roma-Partei, Sanja Šajn, ver­langte von der Regie­rung, dass Polizei­wachen in die­sen Sied­lungen ein­gerich­tet werden: „Dieses Ver­halten ist in­akzep­tabel, wir unter­stützen die schnelle Re­aktion der Polizei, er­warten aber von anderen zu­ständi­gen Behörden Ent­schlos­sen­heit im Kampf gegen solche Taten“, sagt Šajn. Šajn schätze weiter ein, dass solche Ver­haltens­weisen strengs­tens be­straft wer­den müssen, und for­derte die Unter­stützung von Mit­gliedern der Roma-Ge­mein­schaft. „Das ist schon der zweite An­griff in Folge auf Roma-Sied­lungen in Leskovac“, führt die Roma-Par­tei an und fügt hinzu, dass nicht zu­gelas­sen werden kön­ne, dass solche Provo­katio­nen in einen all­gemeivnen Konflikt über­gehen.

„Die Polizei und die Staatsanwaltschaft ermitteln in diesem Fall“, teilte der Presse­sprecher der Polizei in Les­ko­vac, Boban Zdravković, mit. Er be­stätigt, dass eine mit Stöcken, Schlägern und Messern be­waffnete Grup­pe Roma in Pod­vorce an­griff. Zwei weitere An­griffe im Stadt­zentrum und auf einem Schulhof wur­den zuvor gemeldet.

Der Angriff ereignete sich während einer Feier, als sich viele Roma auf der Straße auf­hiel­ten. Die Be­wohner gehen davon aus, dass es sich um eine organi­sier­te Gewalttat handelt und fürch­ten nun, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (221)

Mai 15th, 2019  |  Published in Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte

Eine ganze Reihe von Romani-Wör­tern hat Ein­gang in den schot­ti­schen Dia­lekt (Scots) ge­fun­den; so etwa gadgie (von gadscho/Nicht-Rom) für Bub/Mann.

(Quelle)

Aufruf nach Angriff in Berliner U-Bahn

Mai 2nd, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Deutschland: Angriff in U-Bahn in Berlin (Foto: Wikimedia/Jivee Blau)Das Roma Center Berlin hat einen Aufruf zur Unter­stüt­zung einer Romni ver­öffent­licht, die mit ihrem Mann und Schwa­ger vor einem Monat in Berlin von einer Frau in der U-Bahn – laut Ro­ma-Cen­ter aus rassis­ti­schen Motiven – attackiert und ver­letzt wur­den. Der Vor­fall fand in den Medien offen­bar keinen brei­ten Nieder­schlag. Auch in den Presse­aus­sen­dun­gen der Polizei Berlin konn­ten wir keine dies­bezüg­liche Mel­dung fin­den.

Im Fol­gen­den geben wir das Rund­schreiben des Roma Cen­ters Berlin, das uns über das Roma Anti­discri­mi­na­tion Network er­reicht hat, im Wort­laut wieder:

Roma-Frau klagt gegen rassistische Straf­tä­terin

Am 29. März waren M., ihr Mann und ihr Schwager in einer Berli­ner U-Bahn unter­wegs, als sie von einer Frau mit einem Messer at­tackiert wur­den. Die Frau hat dem Schwager in den Bauch ge­stochen und nur um 2cm die Leber ver­fehlt. Als sie M.s Mann an­grei­fen wollte, konnte dieser aus­wei­chen. Darauf­hin hat sie es noch­mal ver­sucht und M. hat sie ge­sto­ßen, damit sie das Gleich­gewicht ver­liert. M. ge­lang es nicht, die An­greife­rin zu Boden zu stoßen, und diese schnitt M. tief in den Nacken. Als M. ver­sucht hat, der Frau das Messer weg­zu­neh­men, hat die Frau sie hart in die Hand ge­bissen. Die gan­ze Zeit hat M. ge­rufen: „Bitte Hilfe!“, aber nie­mand im Wagen hat sich be­wegt. Als der Zug in der nächs­te Station ge­halten hat, haben M., ihr Mann und ihr Schwager – ob­wohl alle Blut über­strömt und tief ver­letzt waren – es end­lich ge­schafft, die Frau am Boden fest­zu­halten. Erst dann hat ein Mann, der die ganze Szene im Zug ge­sehen hat, sich ein­gemischt und die Hand der Frau fest­ge­halten.

Die Polizei verhaftete die Frau. M. und ihre Familie muss­ten im Kranken­haus statio­när be­han­delt wer­den. M.s Mann ist schwer krank und hatte kürz­lich eine Operation. In­zwi­schen ist er wie­der im Kranken­haus.

Die Kriminalpolizei hat M. darüber informiert, dass die An­greife­rin eine deutsche Frau ist und dass es eine rassistisch mo­ti­vier­te Straftat war. Die Frau wird straf­rechtlich ver­folgt. Die Polizei hat M. je­doch auch geraten, die Frau auf Schaden­ersatz zu verklagen. Sie em­pfahl ihr, sich hierfür an­waltlich be­raten und ver­treten zu lassen.

Wir möchten, dass der Fall öffentlich bekannt wird. Selten wird über rassistisch mo­ti­vier­te Straftaten be­rich­tet. Read the rest of this entry »

Crossing Europe (Linz): Seule à mon mariage

April 25th, 2019  |  Published in Film & Theater, Frauenrechte, Rassismus & Menschenrechte

Alone at My WeddingÖsterreichpremiere: Seule à mon mariage
(Alone at My Wedding
)

Spielfilm von Marta Bergman
BEL/FRA/RUM 2018, 121 Min.
Französisch/Romanes/Rumänisch/Flä­misch

Screenings bei Crossing Europe:
25.4.2019, 15:15: Movie 1 (Filmgast an­we­send)
27.4.2019, 10:30: Ursulinensaal

Pamela (Alina Serban) ist eine Romni Anfang 20, die mit ihrer Groß­mutter und ihrer zwei­jäh­ri­gen Tochter in einem Dorf am Stadt­rand von Bukarest lebt. Da ihre Eltern tot sind und es keine ech­ten beruf­li­chen Per­spekti­ven gibt, sieht sie im Ver­las­sen ih­rer Familie die Chan­ce für ein bes­se­res Leben und geht als „Kata­log-Braut“ mit einem Belgier eine Ehe ein. Der Film macht deut­lich, dass Ehen manch­mal mehr aus der Not als aus Liebe ge­schlos­sen wer­den. Der bit­ter­süße Ton, die leb­hafte Per­for­mance der Haupt­dar­stel­lerin und die außer­ge­wöhn­li­che Ge­schichte spre­chen für die­sen sehens­wer­ten Film.  (Sophie Rieger, YAAAS 2019)

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Tschechien: Zehn Jahre nach Vítkov

April 24th, 2019  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Brandanschlag in VitkovGespräch zum Mordan­schlag auf eine Roma-Fa­milie vor zehn Jah­ren und zur Kon­ti­nu­i­tät ras­sis­ti­scher Ge­walt in Tschechien

RadioBlau, Leipzig, Sendung vom 19.4.2019
→Anhören mp3 (15:15 min, 35 MB)

Wir hören ein Gespräch mit Michael vom Blog EcoleUsti (ecoleusti.wordpress.com), der an den ras­sis­ti­schen Brand­anschlag in Vítkov in Tsche­chi­en am 18. April 2009 erinnert (siehe hier und hier) und auf die Kon­tinui­tä­ten und Voraus­set­zun­gen rassis­ti­scher Gewalt in der Tsche­chi­schen Republik und da­rüber­hinaus ver­weist.

(Sendung und Text: RadioBlau)

Siehe auch:
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„Zigeuner­ein­schlag – bes­ser nichts an­bieten“

April 22nd, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Deutschland: Versehentlich bekannt gewordener interner Vermerk beweist massive rassistische Diskriminierung am WohnungsmarktRassistische Diskriminierung bei Woh­nungs­ver­ga­be in Deutsch­land: Ein in­ter­ner Ver­merk der Woh­nungs­genos­sen­schaft Hameln ruft Em­pö­rung und Kri­tik des Min­der­hei­ten­ra­tes Deutsch­lands hervor

Eine rassistische Bemerkung auf einem Form­blatt für Woh­nungs­su­chende sorgte vor eini­gen Tagen für hef­tige Kritik an der Woh­nungs­ge­nos­sen­schaft Hameln (WGH) in Niedersachsen. Ein Mit­arbeiter oder eine Mit­arbei­terin der WGH hatte einer 68-Jäh­rigen eine Beschei­ni­gung über eine ver­geb­li­che Be­wer­bung auf eine Zwei­zim­mer­wohnung über­sandt. Neben den per­sön­li­chen Daten stand nicht nur der Satz „Es lie­gen der­zeit keine An­gebote vor“, son­dern auch die Be­mer­kung „1 Pers.; leich­ter Zigeuner­ein­schlag; bes­ser nichts an­bieten“ – offen­bar ein interner Ver­merk, der nicht nach außen drin­gen sollte.

Die Hamelerin war sprachlos und empört. Ihre Mutter und an­dere Familien­mit­glie­der seien in der NS-Herr­schaft als „Zigeuner“ ver­folgt, in Kon­zentra­tions­lager ge­sperrt oder von den Nazis er­mordet wor­den. Die rassis­tische Be­merkung trifft sie damit umso mehr, heißt es im Arti­kel auf stern.de.

Der Fall zieht grö­ßere Kreise. Denn nun haben viele Sinti und Roma das schwarz auf weiß, was viele ver­muten, aber nur selten be­legen können: Auch acht Jahr­zehnte nach der Ver­folgung der Minder­heit durch die National­sozialis­ten wer­den Sinti und Roma in Deutsch­land weiter­hin be­nachtei­ligt.

Es gebe nach wie vor eine Form von alltägli­cher Dis­kriminie­rung, sag­te Herbert Heuß vom Zentralrat Deut­scher Sinti und Roma in Deutsch­land gegen­über der Nord­west-Zei­tung. Es pas­siere immer wieder, sagt der wis­sen­schaft­li­che Leiter des Zentral­rats: Mal ist es eine junge Frau, die auf einem Computer­monitor in einem süd­west­deutschen Jobcenter einen ent­spre­chen­den Vermerk ge­sehen haben will. Mal ein Bewer­ber, bei dem die pas­senden Jobs trotz Quali­fi­kation immer plötz­lich ver­geben sind. Doch einen so klar doku­men­tier­ten Fall wie in Hameln gebe es nur selten.

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„Das Bild der Zigeunerin“ (2017)

April 19th, 2019  |  Published in Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Karl-Franzens-Universität GrazStrahinja Dobrivojević (2017): Das Bild der Zigeunerin in aus­ge­wähl­ten Wer­ken von Adal­bert Stifter, Karl Emil Franzos und Her­mann Hesse

Masterarbeit, Karl-Fran­zens-Uni­ver­­si­tät Graz (Ins­ti­tut für Germanistik), 66 S.

→Download der UB Graz (pdf)

Abstract (Link):

Die Einstellung verschiedener Bevölkerungen der Welt ge­gen­über dem Fremden ist seit lan­gem ein wich­tiger For­schungs­punkt, so­wohl in der Politik und Ge­schichte als auch in der Sprache und der Literatur­wissen­schaft. Die Bilder des Fremden rei­hen sich an­einan­der und sind ein un­er­läss­li­cher Bestand­teil der An­erken­nung jeder Minder­heits­gruppe ge­wor­den. In eini­gen Fäl­len sind diese Bilder eine positive An­nah­me des Frem­den, aber im größ­ten Teil um­fassen sie an brei­tes Spektrum an Ur­tei­len, Vor­über­zeu­gun­gen und Ver­achtung.

Diese Arbeit, Das Bild der Zigeunerin in ausgewählten Werken von Stifter, Franzos und Hesse, hat das An­liegen, die eher nega­tiven Bilder des Frem­den auf­grund konkre­ter literari­scher Bei­spiele aus den vor­han­de­nen Werken dar­zu­stel­len. Darun­ter be­fin­den sich zwei Wer­ke von Adalbert Stifter (Katzensilber und Der Waldbrunnen), ein Werk von Karl Emil Franzos (Die Hexe) und ein Werk von Hermann Hesse (Narziß und Goldmund). Al­le Wer­ke außer Die Hexe stel­len ein Bild des Frem­den dar, das ob­wohl es ne­gativ am An­fang per­zi­piert wer­den könn­te, am Ende eher affirma­tiv ist. Die Hexe hin­ge­gen ist eine Erzählung, an deren Bei­spiel sich das nega­tive Bild des Fremden am bes­ten ver­stehen lässt. Die Arbeit ist so ein­ge­glie­dert, dass jeder Teil eine aus­führ­liche Dar­stellung der wich­tigs­ten Motive und Topoi um­fasst. Read the rest of this entry »

Ukraine: Gefälschter DNA-Beweis?

April 11th, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Ukraine VertreibungMassive Unregelmäßigkeiten im Mordprozess gegen Rom in der Ukraine

In der Oblast Odessa ist vor zwei­ein­halb Jah­ren ein klei­nes Mäd­chen ver­ge­wal­tigt und er­mor­det wor­den. Als mut­maß­li­cher Täter wurde ein junger Rom ver­haf­tet. An­schlie­ßend ver­wüs­tete ein auf­ge­brach­ter Mob die Häuser von Roma, wäh­rend die Polizei ta­ten­los zu­sah, und die ge­sam­te Roma-Com­mu­ni­ty wur­de ge­räumt (wir be­rich­te­ten, mehr le­sen). Nun sind berechtigte Zweifel an der Schuld des Mannes aufgekommen und ein Gericht hat geurteilt, dass die Räumung rechtswidrig war.

Anscheinend waren „Beweismittel“, die einen jungen Rom mit einem er­mor­deten Kind in Ver­bin­dung ge­bracht hat­ten, ge­fälscht. Seine Ver­haf­tung hatte zu gewalt­täti­gen An­grif­fen ge­gen Roma in der Oblast Odessa ge­führt.

Das ist nicht das erste Mal, dass Proble­me im Ver­fahren gegen den jungen Mann auf­treten, der sich seit zwei­ein­halb Jahren in Arrest be­findet und sich dort wohl eine Tuber­ku­lose zu­ge­zogen hat. Nun gibt es je­doch Hin­weise auf eine vor­sätz­liche Fäl­schung von Be­weis­mitteln.

Kurz nachdem die achtjährige Angelina in der Nähe ihres Zu­hau­ses in Loschtschyniwka tot auf­ge­fun­den wor­den war, ist der da­mals 21-jäh­ri­ge Mychajl Ch. ver­haftet wor­den. Der junge Mann hatte sein ganzes Leben in dieser Gegend ver­bracht. Je­doch wurde nun die Tat­sache, dass er Rom ist, von An­woh­nern zum An­lass für Aus­schrei­tun­gen ge­nom­men. Dabei wur­den Häuser von Roma zer­stört und Be­wohner ge­zwun­gen zu fliehen. Die Angriffe gin­gen um die Welt – auch da die Be­hör­den auf Sei­ten der An­greifer stan­den und die Roma-Fami­lien „über­zeug­ten“, die Ge­gend zu ver­las­sen.

Der Prozess gegen Ch. begann im November 2017 in Odessa. Bisher wur­den sechs Zeugin­nen und Zeugen auf­ge­rufen, wäh­rend 44 weitere sowie acht Expertinnen und Experten noch gehört werden müssen. Am 14. Februar hat das Gericht Ch.s Haft weiter ver­län­gert, nach­dem ein Zeuge ihm an­schei­nend ein Alibi ge­geben hatte. Am sel­ben Tag, als der Be­scheid kam, gab es eine Zeugen­aus­sage, die ent­schei­den­de Beweise ge­gen ihn in Frage stellt.

Bei Letzterer handelt es sich um die Befragung Ihor Manzoruks, der in dem Fall DNA-Pro­ben unter­sucht hatte. Hier wur­den im Prozess nun mas­sive Un­regel­mäßig­keiten fest­ge­stellt (detail­liert im unten ver­linkten Artikel nach­zu­lesen). Zudem gibt es weite­re Proble­me mit der Anklage gegen Ch. Read the rest of this entry »

„Wir müssen sie lebendig verbrennen“

April 5th, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Lynchmob in Rom (Videostill: Repubblica)Lynchmob attackiert Roma-Notunterkunft in Italien

Belltower.news: In Rom will ein rechter Mob ein Quartier von Roma „be­frei­en“. Die Men­schen ver­suchen, eine Wohn­anlage zu stürmen und zün­den Autos an. In Frankreich ja­gen be­waff­nete Men­schen Roma auf of­fener Straße (wir be­rich­te­ten). Extrem rechte Par­teien in Europa ern­ten nun die Früchte ihrer roma­feind­li­chen Hetze.

(…) Im römischen Außenbezirk Torre Maura kam es in der Nacht auf Mitt­woch, den 3. April, zu einem An­griff auf ein Auf­nahme­zentrum, in dem über 70 Roma und Romnija lebten (Anm. der dROMa-Red.: etwa die Häfte ist minder­jäh­rig). An­gesta­chelt wurde dieser Aufstand laut italieni­schen Medien­berich­ten durch die rechts­extre­men Parteien „Casa Pound“ und „Forza Nuova“. Der Angriff dau­erte meh­rere Stun­den, etwa 300 Per­sonen be­teilig­ten sich (Anm.: ande­re Me­dien­be­richte spre­chen von über 200). Vorder­grün­dig pro­testier­ten sie gegen eine Über­siedlung der Roma und Rom­nija in ein Aufnahme­zentrum vor Ort. Letzt­endlich entlud sich hier jedoch vor allem der Hass auf eben jene margi­na­li­sierte Minder­heit, der schließ­lich auch in Ver­nich­tungs­phan­ta­sien mün­dete. Vor dem Tor des Auf­nahme­zentrums, rief ein Pro­tes­tie­ren­der laut­stark einem Rom zu: „Verschwinde, sonst bring ich dich um“, wäh­rend ein ande­rer grö­lend hinzu­fügte: „Wir müs­sen sie leben­dig ver­bren­nen“. Neben römi­schen Grü­ßen aus dem Mob kam es auch zu faschisti­schen Chören, wie „Italien, Faschismus, Re­volu­tion“.

Nun hat Roms Bürger­meis­te­rin Virginia Raggi die Um­sied­lung der An­gehö­rige der Minder­heit be­schlos­sen. Und so wurden die Be­woh­ner/innen unter Jubel-Ru­fen in Bus­sen ab­transpor­tiert. Den Umzug be­zeich­nete „Casa Pound“ so­gleich auch als „großen Sieg“. Und auch Salvini äu­ßert sich in einem Tweet: „Roma-Chaos in der Haupt­stadt.“ (…)

Bitte lesen Sie den hier nur in Auszügen wiedergegebenen Artikel von Kira Ayyadi in voller Länge auf Belltower.news.

RomaRespect #28: Früher in Dresden

April 2nd, 2019  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radio RomarespektRadio RomaRespekt #28: Geschichte der Sinti und Roma in Dresden

Sendung vom 20.3.2019: Wie erging es eigent­lich Sinti und Roma frü­her in Sachsen? Wie wur­den sie be­han­delt oder auch von Insti­tu­tio­nen dis­krimi­niert? Warum? In­wie­fern ha­ben sie sich da­ge­gen gewehrt? Wer hat sich mit ihnen solidarisiert? Und das in wel­cher Form? Was hat eigent­lich die Ge­schich­te der Sinti und Roma mit der Ent­stehung und Ent­wick­lung des Kapitalismus zu tun? Und was hat das Gan­ze mit der Gegen­wart, dem Hier und Jetzt zu tun?

Die Historikerin Claudia Pawlowitsch hat sich in Archive begeben und nach Ant­wor­ten auf diese Fra­gen ge­sucht – aus einer soli­da­ri­schen Posi­tion mit Sinti und Sin­tez­ze, Roma und Romnja.

(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)