Aufruf nach Angriff in Berliner U-Bahn
Mai 2nd, 2019 | Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Das Roma Center Berlin hat einen Aufruf zur Unterstützung einer Romni veröffentlicht, die mit ihrem Mann und Schwager vor einem Monat in Berlin von einer Frau in der U-Bahn – laut Roma-Center aus rassistischen Motiven – attackiert und verletzt wurden. Der Vorfall fand in den Medien offenbar keinen breiten Niederschlag. Auch in den Presseaussendungen der Polizei Berlin konnten wir keine diesbezügliche Meldung finden.
Im Folgenden geben wir das Rundschreiben des Roma Centers Berlin, das uns über das Roma Antidiscrimination Network erreicht hat, im Wortlaut wieder:
Roma-Frau klagt gegen rassistische Straftäterin
Am 29. März waren M., ihr Mann und ihr Schwager in einer Berliner U-Bahn unterwegs, als sie von einer Frau mit einem Messer attackiert wurden. Die Frau hat dem Schwager in den Bauch gestochen und nur um 2cm die Leber verfehlt. Als sie M.s Mann angreifen wollte, konnte dieser ausweichen. Daraufhin hat sie es nochmal versucht und M. hat sie gestoßen, damit sie das Gleichgewicht verliert. M. gelang es nicht, die Angreiferin zu Boden zu stoßen, und diese schnitt M. tief in den Nacken. Als M. versucht hat, der Frau das Messer wegzunehmen, hat die Frau sie hart in die Hand gebissen. Die ganze Zeit hat M. gerufen: „Bitte Hilfe!“, aber niemand im Wagen hat sich bewegt. Als der Zug in der nächste Station gehalten hat, haben M., ihr Mann und ihr Schwager – obwohl alle Blut überströmt und tief verletzt waren – es endlich geschafft, die Frau am Boden festzuhalten. Erst dann hat ein Mann, der die ganze Szene im Zug gesehen hat, sich eingemischt und die Hand der Frau festgehalten.
Die Polizei verhaftete die Frau. M. und ihre Familie mussten im Krankenhaus stationär behandelt werden. M.s Mann ist schwer krank und hatte kürzlich eine Operation. Inzwischen ist er wieder im Krankenhaus.
Die Kriminalpolizei hat M. darüber informiert, dass die Angreiferin eine deutsche Frau ist und dass es eine rassistisch motivierte Straftat war. Die Frau wird strafrechtlich verfolgt. Die Polizei hat M. jedoch auch geraten, die Frau auf Schadenersatz zu verklagen. Sie empfahl ihr, sich hierfür anwaltlich beraten und vertreten zu lassen.
Wir möchten, dass der Fall öffentlich bekannt wird. Selten wird über rassistisch motivierte Straftaten berichtet. In den Medien wird bei dem aktuellen Fall weder das Tatmotiv erwähnt noch dass die Angegriffenen Roma waren. Wenn es andersherum gewesen wäre – eine nichtweiße Frau hätte ältere weiße Menschen angegriffen –, wäre das skandalisiert worden.
Wir möchten, dass M. und ihre Familie bei der Klage ordentlich rechtlich vertreten werden. Ein guter Anwalt oder eine gute Anwältin ist jedoch teuer, und dafür fehlen der Familie die nötigen Mittel. Daher unterstützen wir sie und rufen euch dazu auf, das auch zu tun. Ob ihr ein Verein, eine Initiative oder eine Einzelperson seid – unterstützt M. und verhelft der Gerechtigkeit zum Sieg!
Macht Rassismus gegen Roma sichtbar!
Unterstützt M. bei ihrem Kampf: Bitte bei Überweisungen diesen Verwendungszweck angeben: „Klage M. Berlin“
Roma Center Berlin
Sparkasse
IBAN: DE11 2605 0001 0056 0575 40
BIC: NOLADE21GOEVielen Dank für eure Solidarität!
Bitte leitet diese Informationen weiter.(via RAN, 30.4.2019)