Dezember 13th, 2019 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Innsbruck hebt Bettelverbot bei „Gelegenheitsmärkten“ auf. Bettellobby fordert Abschaffung weiterer Verbote: Für einen solidarischen Umgang mit Armutsbetroffenen und einen öffentlichen Raum, welcher für alle nutzbar und zugänglich ist
Die Bettellobby Tirol begrüßt die Aufhebung des Bettelverbots bei „Gelegenheitsmärkten“ in Innsbruck. Die Tiroler Landeshauptstadt setzt damit ein Zeichen für ein solidarisches Zusammenleben und einen öffentlichen Raum, in dem sich unterschiedliche Menschen und Gruppen mit- und nebeneinander aufhalten können. Innsbruck soll nicht länger eine Vorzeigestadt der Verbote sein. Mit Bettelverboten werden Menschen bestraft und aus dem öffentlichen Raum vertrieben, weil sie Armut sichtbar machen. Es ist an der Zeit, andere Wege zu gehen und sich von einer Politik der Verbote und einer Kriminalisierung Armutsbetroffener zu verabschieden. Verbote und Bestrafung verschlimmern die Notlagen der Betroffenen und führen zu weiterer Ausgrenzung. Stattdessen braucht es mehr Angebote, die den Betroffenen zugutekommen und Alternativen zum Betteln ermöglichen.
Für die Bekämpfung von Armut sowie eine Verbesserung der sozialen und ökonomischen Handlungsmöglichkeiten armutsbetroffener Menschen
Es gilt, gemeinsam Kräfte zu bündeln, um verstärkt an den Strukturen, die Armut bedingen, zu arbeiten und die Ursachen von Armut statt Armutsbetroffene zu bekämpfen. Dazu bedarf es der Aufhebung weiterer Verbotszonen in Innsbruck (Nächtigungs- und Alkoholverbot), die ebenfalls darauf abzielen, armutsbetroffene Menschen aus dem Blick der Öffentlichkeit zu verbannen. Gefragt ist jedoch auch der Tiroler Landtag, die gesetzlichen Bestimmungen auf Landesebene zu überdenken, welche die Grundlage für das Bettelverbot bei Gelegenheitsmärkten in Innsbruck boten und das vom Österreichischen Verfassungsgerichtshof eingeräumte Recht auf „stilles“ Betteln aushöhlen.
Für ein Ende der Kriminalisierung von Armutsbetroffenen und eine Politik, die sich gegen Verbote, Hetze, soziale Ausgrenzung und Diskriminierung richtet
Die aktuelle Debatte um das Bettelverbot bei „Gelegenheitsmärkten“ in Innsbruck zeigt, dass es Befürwortenden im Gemeinderat nicht um eine sachliche und differenzierte Auseinandersetzung geht. Man bedient sich rassistischer Vorurteile und Unterstellungen wie der Rede von „organsierten Bettlerbanden“, um Stimmung gegen Armutsbetroffene zu machen und Menschen gegeneinander auszuspielen. Read the rest of this entry »
Dezember 3rd, 2019 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Offener Brief der Bettellobby Wien an Sozialstadtrat Peter Hacker
Sehr geehrter Herr Stadtrat Hacker!
Eine Diskussion um eine härtere Vorgehensweise gegen bettelnde Menschen pünktlich zum ersten Advent überrascht wohl niemanden mehr. Diese Debatte kehrt beinahe alle Jahre wieder. Was uns jedoch überrascht, ist, dass gerade Sie diese Debatte anstoßen, normalerweise ist es der Boulevard oder die politische Konkurrenz. Als Geschäftsführer des Fonds Soziales Wien waren Sie bis vor kurzem noch auf der Seite jener, die um konstruktive Lösungen für soziale Probleme bemüht sind, und haben erfreulicherweise Angebote für armutsbetroffene EU-Bürger*innen geschaffen. Es scheint, dass die SPÖ – wie schon im Wahlkampf 2009/2010 – das Thema wieder einmal für sich entdeckt hat. Damals resultierte die Debatte in der Einführung des Verbotes des „gewerbsmäßigen“ Bettelns, eines Tatbestandes, von dem – trotz vieler Gerichtsverfahren – bis heute nicht geklärt ist, was er denn genau beinhaltet, und der der willkürlichen Bestrafung von bettelnden Menschen Tür und Tor geöffnet hat.
Diejenigen, die Sie als „organisierte Banden“ diffamieren, sind Menschen, die versuchen, ihrer Armut zu entkommen. Es sind Eltern und Großeltern, die ihren Kindern und Enkeln eine bessere Zukunft ermöglichen wollen. Es sind arbeitsunfähige Menschen, die in Wien einige Jahre betteln, bis sie alt genug sind, um in ihrem Herkunftsland eine Pension bekommen. Es sind Menschen, die nicht nur betteln, sondern bei jeder Gelegenheit andere Jobs annehmen, etwa als Erntehelfer*innen. Es sind Menschen mit Behinderungen, die durch Bettelei etwas zum Familieneinkommen beitragen können, anstatt sich nur als Last zu empfinden. Fragen Sie doch Ihre ehemaligen Mitarbeiter*innen in der Wohnungslosenhilfe des Fonds Soziales Wien oder sprechen Sie selbst mit bettelnden Menschen. Sie werden Informationen erhalten, die differenzierter sind als jene, die Sie in den letzten Tagen verbreitet haben. Und Sie werden beeindruckt sein von diesen Menschen und es wird Ihnen in der Folge schwer fallen, sie pauschal zu diffamieren.
Es ist unbestritten, dass manche dieser Personen Belästigungen verursachen. Doch die Vertreibungspolitik à la „Aktion scharf“ der Polizei erweist sich seit Jahren als ineffizient. Bettelnde Menschen werden – völlig unabhängig davon, wie sie sich verhalten – mit hohen Geldstrafen belegt. Werden diese Strafen beeinsprucht, werden sie in vielen Fällen vom Verwaltungsgericht aufgehoben oder reduziert. Doch viele Bettelnde bringen kein Rechtsmittel ein und müssen in der Folge häufig Ersatzfreiheitsstrafen von mehreren Tagen antreten. Read the rest of this entry »
November 29th, 2019 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Die Bettellobby Tirol begrüßt, dass die getroffene Koalitionsvereinbarung der Innsbrucker Stadtregierung zur Abschaffung der Verbotszonen nun umgesetzt werden soll. Innsbruck soll nicht länger eine Vorzeigestadt der Verbote sein, sondern für ein solidarisches Miteinander stehen.
Anlässlich der heurigen Christkindlmärkte möge die Stadtregierung zuallererst das Bettelverbot bei Gelegenheitsmärkten abschaffen. Entgegen einer christlichen, sozialen und solidarischen Haltung wurden hier die wenigen in Innsbruck präsenten bettelnden Menschen zu einem „erheblichen Missstand“ erklärt und großräumig aus der Innenstadt verdrängt. (Sektorale) Bettelverbotsbestimmungen, Nächtigungs- und Alkoholverbotszonen sind Ausdruck einer Politik, bei der unliebsame, von Armut betroffene Personen im Namen „öffentlicher Sicherheit und Ordnung“ vertrieben, bestraft und letztendlich eingesperrt werden. Sie zeugen von einer Politik, die auf dem Rücken von wirtschaftlich Benachteiligten ausgetragen wird.
Sogenannte „Randgruppen“ werden als Problem für Tourismus, Stadtbild und Konsum dargestellt. Armut und ihre Ursachen bleiben hingegen weitgehend unberücksichtigt und bestehen. Dass derartige Maßnahmen in den letzten Jahren neu eingeführt und verstärkt wurden, ist nicht nur beschämend, sondern auch alarmierend: Menschen, die in massiver Armut leben, werden herabgewürdigt, kriminalisiert und aus dem Blickfeld verbannt. Read the rest of this entry »
Oktober 21st, 2019 |
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Facts & Figures, Politik
Nur 36 der 751 Sitze im EU-Parlament gingen an Politiker(innen), die einer (ethnischen) Minderheit angehören. Nur drei sind Roma.
(Quelle)
September 30th, 2019 |
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Interview, Medien & Presse, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Diskriminierung ja, Volksverhetzung nein: Münchner Urteil zu NPD-Plakat sorgt für Empörung. Gespräch mit Herbert Heuß
Interview: Kristian Stemmler
Aus: junge Welt, Ausgabe vom 21.09.2019, S. 8
Am 19. September wies das Münchner Verwaltungsgericht eine Klage des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma gegen die Stadt Ingolstadt ab. Worum ging es dabei?
Seit Jahren plakatiert die NPD bei Bundes- wie bei Landtagswahlen den Spruch »Geld für die Oma statt für Sinti und Roma«. Dahinter steht die Ausgrenzung von Sinti und Roma, denen nicht zustehen soll, was anderen Deutschen zusteht. Immer wieder wurden wir vom Zentralrat kontaktiert, weil in den Städten und Gemeinden diese Plakate aushingen – mit der Folge, dass Schulkinder von ihren Klassenkameraden damit konfrontiert wurden. Diese Form von alltäglicher Diskriminierung ist in keiner Weise akzeptabel, verstößt gegen geltendes Recht und bereitet den Boden für gewaltbereiten Antiziganismus. Das Münchner Gericht urteilte nun aber, dass der Tatbestand der Volksverhetzung nicht gegeben sei.
Ein Gutachten der Würzburger Völkerrechtlerin Stefanie Schmahl im Auftrag des Bundesjustizministeriums hatte schon 2015 ergeben, dass derartige »fremdenfeindliche Wahlplakate« die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährden und abgehängt werden müssen. Wie argumentierte die Juristin?
Ihr entscheidendes Argument ist, dass die Gerichte nur auf Volksverhetzung abheben, aber alle anderen rechtlichen Gründe vollständig ignorieren. Es gibt eine Reihe internationaler Abkommen, die in Deutschland im Rang eines Bundesgesetzes stehen. Ein Beispiel ist das »Internationale Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung« der Vereinten Nationen, auf das man sich für ein Vorgehen gegen rassistische Wahlwerbung berufen kann. Diese menschenrechtlichen Übereinkommen wurden von den Gerichten, auch jetzt wieder vom Münchner Verwaltungsgericht, aber nicht herangezogen – obwohl sich der Zentralrat bereits in seiner Klageschrift ausdrücklich und umfangreich auf das Gutachten bezogen hatte. Read the rest of this entry »
September 11th, 2019 |
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Einrichtungen, Politik, Veranstaltungen & Ausstellungen
30 Jahre Roma-Bewegung und 20 Jahre Roma-Volkshochschule wurden groß gefeiert
Die Roma-Volkshochschule Burgenland feiert 2019 ihr 20-jähriges Bestehen. Gleichzeitig wird auch daran erinnert, dass zehn Jahre früher, 1989 in Oberwart, der erste Roma-Verein Österreichs (Anm.: „Verein Roma“) gegründet und ein Prozess gestartet wurde, der ein paar Jahre später zur Anerkennung als Volksgruppe führen sollte. „Mit dem ersten Roma-Verein Österreichs im Jahr 1989 in Oberwart wurde ein wichtiger und historischer Schritt gesetzt. Drei Jahre später, am 15. Oktober 1992, wurden die Roma und Sinti im Nationalrat einstimmig als österreichische Volksgruppe anerkannt“, erklärte Landtagspräsidentin Verena Dunst bei der Feier am Samstagabend im Offenen Haus Oberwart (OHO).
Mit einem großen Fest sorgten Bands, darunter das David Samer Trio, Ferry Janoska & Joschi Schneeberger Trio, Harri Stojka oder Romano Rath, für gute Stimmung im Offenen Haus Oberwart. Landtagspräsidentin Verena Dunst erklärte bei ihrer Rede, dass zwar in den letzten 30 Jahren sehr viel erreicht wurde, die Emanzipation der österreichischen Roma und Sinti aber noch lange nicht abgeschlossen ist. Sie zitierte dabei den Gründer des Kulturvereins österreichischer Roma, Professor Rudolf Sarközi, der am 12. März 2016 verstorben ist: „Ich bin ins kalte Wasser gesprungen, heute ist es warm.“ Read the rest of this entry »
September 4th, 2019 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Gerichtsurteil: Milan Mazurek von Kotlebas ĽSNS verliert nach Hetze gegen die Minderheit der Roma sein Parlamentsmandat
In der Slowakei wurde erstmals einem Politiker wegen rassistischer Hetze sein Parlamentsmandat aberkannt. Am Dienstag bestätigte der Oberste Gerichtshof in Bratislava die Verurteilung des rechtsextremen Abgeordneten Milan Mazurek (mehr hier), weil dieser die Roma-Volksgruppe im Privatradio pauschal herabgewürdigt hatte. Darüber hinaus verschärfte das Höchstgericht nun auch das Strafmaß des früheren Urteils, gegen das der Politiker 2018 Berufung eingelegt und das er als „Politjustiz“ tituliert hatte. Mazurek verliert nicht nur sein Mandat, sondern muss zudem eine Strafzahlung in der Höhe von 10.000 Euro (statt 5.000 Euro) entrichten. Mit diesem Urteil endet jetzt das schon seit 2017 laufende Gerichtsverfahren in letzter Instanz.
Der heute 25-jährige Politiker hatte 2016 in einer Radiosendung von einem angeblichen „Zigeuner-Terror gegen anständige Leute“ gesprochen und Roma als asoziale Schmarotzer beschimpft, die „nichts für unser Volk tun und nichts zu unserem Staatshaushalt oder unserer Kultur beitragen, sondern sich umgekehrt entschieden haben, ein asoziales Leben zu führen und unser Sozialsystem auszusaugen“.
Der stellvertretende Vorsitzende des Nationalrats, Andrej Hrnčiar (Most-Híd), begrüßt das das Urteil gegen Mazurek: „Endlich hat die Gerechtigkeit gesiegt. Denn faschistische und rassistische vÄußerungen werden in unserer Gesellschaft bereits seit langem übermäßig toleriert. Nun wurde endlich ein grundsätzlicher Beschluss gefällt und ich bin davon überzeugt, dass dies ein gutes Signal für die Zukunft sein kann.“
Mazurek war seit 2016 Abgeordneter der rechtsextremen Partei „Kotleba – Volkspartei Unsere Slowakei“ (Kotleba – Ľudová strana Naše Slovensko – ĽSNS) und war bereits wiederholt mit extremistischen Aussagen und Auftritten aufgefallen. So leugnete er unter anderem auf Facebook öffentlich den Holocaust.
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August 21st, 2019 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
RAN, 20.8.2019: Wir erinnern uns: Letztes Jahr schlug der Innenminister und stellvertretende italienische Ministerpräsident Matteo Salvini vor, Roma zählen zu lassen – ein Vorschlag, der an Maßnahmen gegen Roma vor dem Zweiten Weltkrieg erinnerte. Obwohl ein ethnischer Zensus wohl gegen die italienische Verfassung verstößt, hat er seine Pläne nicht aufgegeben. Etwa die Hälfte der Roma in Italien hat die italienische Staatsbürgerschaft. Da er diese „leider nicht loswerden kann“, wie Salvini sich letztes Jahr ausdrückte, geht er primär gegen die ausländischen Roma vor. In dem Zusammenhang hat er nun angeordnet, dass alle Siedlungen der Roma, Sinti und Camminanti (Anm. der dROMa-Red.: Fahrenden) aufgezeichnet werden sollen, als ob diese bis dato unbekannt seien. Der Hintergrund der Untersuchung sei, herauszufinden, wo sich illegale Siedlungen befinden, um Räumungen vorzubereiten.
Aurora Sordini, eine Anwältin und Vorsitzende der Roma-Organisation „Associazione 21 Luglio“, meint, diese Maßnahmen würde Salvini aus propagandistischen Gründen anregen, um Popularität zu gewinnen. Das ist aktuell auch in anderen europäischen Ländern eine politische Strategie, um Stimmen zu gewinnen. Die Anwältin sagt, dass die Gemeinden die Roma-Siedlungen räumen können, wenn sie ein gesundheitliches oder Umweltrisiko darstellen. Das bedeutet, dass sich leicht ein Vorwand finden lässt, die Siedlungen zu räumen, da sie z.B. oft nicht über Sanitäranlagen oder Stromversorgung verfügen.
RAN hatte letztes Jahr über die Räumung von 300 Roma in Rom berichtet. Die Räumung der Siedlung stieß bei Menschenrechtsorganisationen auf Kritik. Vor ein paar Monaten fand zudem eine Räumung in Giugliano bei Neapel statt. Dort waren 450 Roma unter dem Vorwand geräumt worden, die Siedlung stelle eine Gesundheitsgefahr dar. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte vor beiden Räumungen die italienische Regierung aufgefordert, die Räumung erst durchzuführen, wenn sie Unterkünfte für die betroffenen Menschen gefunden hätte. Die Regierung ignorierte dies jedoch, und viele Menschen wurden obdachlos.
„Associazione 21 Luglio“ wurden in der ersten Hälfte von 2019 auch mehr Fälle von Angriffen gegenüber Roma gemeldet als im gesamten letzten Jahr. Read the rest of this entry »
August 15th, 2019 |
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Facts & Figures, Politik
Die Romapartei Partida Romilor Pro Europa hat durchgehend seit 1992 das für die Volksgruppe reservierte Mandat im rumänischen Abgeordnetenhaus inne.
(Quelle)
August 11th, 2019 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
RAN: In der bulgarischen Stadt Vidin (Anm.: im äußersten Nordwesten des Landes) sind am Abend des 22. Juli Polizei und Gendarmerie mit ca. 20 Wagen in das Roma-Viertel ausgerückt – angeblich wegen Ruhestörung. Alle rein- und rausfahrenden Autos wurden überprüft.
Bulgarische Roma haben dieses Jahr in mehreren Ländern und vor dem Europäischen Parlament in Brüssel gegen die Diskriminierung in ihrem Herkunftsland demonstriert. Das Fass zum Überlaufen hatte die kollektive Bestrafung von Roma in Wojwodinowo gebracht, wo die Behörden Teile einer Roma-Siedlung abgerissen hatten, nachdem zwei Jugendliche einen Armeeangehörigen verprügelt hatten und anschließend verhaftet worden waren.
Verteidigungsminister und stellvertretender Premierminister Krassimir Karakatschanow nutzte den Vorfall, um zwei Tage später der Presse mitzuteilen, die „Zigeuner“ in Bulgarien seien extrem unverschämt geworden. So könne es nicht weitergehen. „Die Wahrheit ist, dass wir ein ganzes Programm zur Lösung des Zigeunerproblems benötigen.“
Im Februar erschien seine sogenannte Lösung, die inzwischen auch dem Parlament zur Abstimmung vorgelegt wurde. Ihr Titel lautet: „Lösung zur Integration der nicht-integrierten Zigeuner (Roma)-Ethnie“. Wie das European Roma Rights Centre (ERRC) schreibt, ist das Dokument voller Hate Speech, Stereotype, schlecht geschrieben und es mangele ihm an Belegen für die rassistischen Unterstellungen über Roma, sie würden nicht arbeiten wollen, das Sozialsystem ausbeuten und zu viele Kinder haben. In dem Dokument wird zudem der Begriff der „Zigeuner-Kriminalität“ verwendet. Straftaten würden demzufolge also nicht von Individuen begangen, sondern gehörten zur Wesensart der Roma-Ethnie. Roma werden von Karakatschanow zudem als „asozial“ bezeichnet. Die Nazi-Rhetorik ist evident. Die vorgeschlagenen Maßnahmen beziehen sich auch direkt auf Roma. Die Anzahl an Geburten von Romnja soll reduziert werden, Maßnahmen und Einrichtungen zur „Arbeitserziehung“ werden vorgeschlagen, ebenso wie Quoten von Sozialhilfe-Empfänger/innen mit Roma-Herkunft. Read the rest of this entry »
Juli 30th, 2019 |
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Politik
Burgenland: Kennenlerngespräch der drei Volksgruppen bei Landeshauptmann Doskozil
Die Präsidenten und Vizepräsidenten aller drei Volksgruppenbeiräte fanden sich Donnerstag (25.7.2019) am Nachmittag zum ersten offiziellen Kennenlerngespräch bei Landeshauptmann Hans Peter Doskozil ein. Dabei deponierten Roma, Kroaten und Ungarn ihre Vorstellungen hinsichtlich ihrer Zusammenarbeit, wie z.B. anlässlich der 1oo-Jahr-Feier für das 2021.
Vereinbarung eines Treffens für „100 Jahre Burgenland“
Für die Feier anlässlich des 1oo. Bestandsjubiläums des Burgenlandes konnten schon erste Ideen vorgestellt werden. Es wurde schon ein Treffen mit dem Organisator des Jubiläums vereinbart, um die Vorschläge der Volksgruppen zu konkretisieren, sagte Martin Ivancsics, Vorsitzender des Kroatischen Kultur- und Dokumentationszentrums.
Die Vertreter der Volksgruppen informierten den Landeshauptmann über die allgemeine Situation der Volksgruppen sowie über die Beiräte. Es wurden ihm verschiedene Projekte vorgestellt, die sie für die Volksvgruppen, aber auch für die Mehrheitsbevölvkerung veranstalten. Landeshauptvmann Hans Peter Doskozil war sehr offen, gab aber auch ehrlich zu, dass er nicht allzu vertraut ist mit Dingen, die die Volksgruppen betreffen.
Volksgruppen hoffen auf eine höhere Subventionierung seitens des Landes
Weiters deponierten die Volksgruppen, dass ihnen zu wenig Subventionen zur Verfügung stehen. Wie Martin Ivancsics sagte, wurde schon ein Termin mit dem verantwortvlichen Referat vereinbart, um eine Lukrierung von Landesgeldern zu ermöglichen. Vor allem der Volksgruppe der Roma wäre dabei geholfen, da sie die Schulung der Kinder selbst finanziert, so Ivancsics.
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Juni 27th, 2019 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Die slowakische Regierung aktualisiert ihre Daten über die Roma-Siedlungen. Der „Atlas der Roma-Gemeinschaften“ wird nun überarbeitet.
Bereits seit fünfzehn Jahren existiert in der Slowakei ein offizieller „Atlas der Roma-Gemeinschaften“, ein im Auftrag der Regierung erstelltes Datensammelwerk zur Wohn- und Lebenssituation der Roma-Volksgruppe in der Slowakei. Das Verzeichnis wurde das letzte Mal 2013 überarbeitet („Atlas rómskych komunít 2013“). Seit 2014 ist der Statistiken und Karten umfassende Atlas, gemeinsam publiziert von Arbeitsministerium und Prešov-Universität, vollständig verfügbar.
Nun will die Regierung den „Atlas“ neuerlich aktualisieren. Nach dem Sommer wird die neue Version erscheinen, kündigte die sozialdemokratische Innenministerin Denisa Saková an. Erstellt wird die neue Datensammlung vom „Institut für Arbeits- und Familienforschung“ des Arbeitsministeriums. Der „Atlas 2019“, der Auskunft über die aktuelle Anzahl, Lebensbedingungen und Infrastruktur der Roma-Siedlungen gibt, soll als Grundlage für die evidenzbasierte Politikgestaltung dienen.
Die Daten des Atlas 2013
In die Erhebung von 2013 flossen neben dem Ausgangsmaterial von 2004 die Volkszählungsdaten von 2011 (alle Siedlungen mit mindestens 30 selbsterklärten Minderheitsangehörigen) sowie die Verzeichnisse des beim Innenministerium angesiedelten Büros des Regierungs-Bevollmächtigten für Roma-Gemeinschaften ein. Die Feldforschungsarbeit wurde von etwa dreißig Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unter Einbeziehung zahlreicher Roma in über 1000 Gemeinden durchgeführt. Insgesamt erfassten die Autoren für diese letzte aktualisierte Fassung 804 Roma-Siedlungen und -Viertel in 584 Kommunen. 231 davon wurden als „segregierte Siedlungen“ (0,9 bis 7 km Entfernung von den eigentlichen Wohnvierteln) klassifiziert. 327 weitere Siedlungen befinden sich am Orts- bzw. Stadtrand, 246 Roma-Wohnviertel bzw. -Siedlungen liegen innerhalb des Ortsgebiets. Demnach leben 17 Prozent der Roma-Bevölkerung (rund 70.000) in solchen völlig abgetrennten Siedlungen.
188 Siedlungen haben keinen Zugang zur öffentlichen Wasserversorgung. 451 Siedlungen sind nicht ans öffentliche Kanalsystem angeschlossen. Die größte Anzahl von Roma-Wohngebieten weisen die Regionen Banská Bystrica in der Mittelslowakei und Košice sowie Prešov im Osten des Landes auf. Fast die Hälfte (46,7 Prozent) der 403.000 slowakischen Roma („those who are generally considered as being Roma“) leben jedoch verstreut unter der Mehrheitsbevölkerung in den allgemeinen Wohngebieten.
(dROMa)
Juni 8th, 2019 |
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Politik
Deutschland: Die Grünen kritisieren das mangelnde Engagement der Bundesregierung beim Schutz von Minderheiten in Deutschland wie in der Europäischen Union.
Frankfurter Rundschau, 7.6.2019: Dem Schutz und der Entwicklung der autochthonen, nationalen Minderheiten in Deutschand und Europa sollte ein größerer Stellenwert eingeräumt werden – diese Meinung vertritt die Grünen-Bundestagsfraktion. Der Bundesregierung werfen die Grünen vor, Minderheitenschutz nur mit Desinteresse zu begegnen.
Anlass ist eine 2013 gestartete europäische Bürgerinitiative namens „Minority Safepack“. Sie propagiert Vorschläge zum Schutz der Minderheiten und zur Erhaltung ihrer Sprachen. Dafür wurden nach Angaben der Initiative bereits mehr als eine Million Unterschriften gesammelt (Anm.: dROMa-Blog berichtete hier und hier) . Die neun von der Europäischen Kommission registrierten Vorschläge der Initiative umfassen etwa Förderprogramme für kleine Sprachgemeinschaften, die Stärkung von Medien in Muttersprachen und den Schutz staatenlos existierender Minderheiten wie beispielsweise den Roma. In Deutschland sind vier Volksgruppen anerkannt: die Dänen in Südschleswig, die Friesen, die deutschen Sinti und Roma und die Lausitzer Sorben. EU-weit werden mehr als 50 Millionen Menschen verschiedenen Minderheiten zugerechnet. Neben den 23 Amtssprachen der EU gibt es mehr als 60 Regional- und Minderheitensprachen auf dem Kontinent.
Die Grünen-Abgeordnete Filiz Polat hatte mit ihrer Fraktion in einer kleinen Anfrage Positionen der Bundesregierung zu diesem Thema abgefragt. Read the rest of this entry »
Mai 11th, 2019 |
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Politik, Radio, Podcast & TV
„Heimat Fremde Heimat“ über Solidarität der Roma und Wiener Zentren des jüdischen Lebens
Ajda Sticker präsentiert das ORF-Magazin „Heimat Fremde Heimat“ am Sonntag, dem 12. Mai 2019, um 13.30 Uhr in ORF 2 mit folgenden Beiträgen:
Solidarität der Roma
Europäische Zusammenarbeit und Nachbarschaftshilfe sind für die österreichischen Roma nicht nur Schlagwörter. So ist es für die Romavertreter aus dem burgenländischen Oberwart eine Selbstverständlichkeit, den 500 Roma aus Slowenien, die sich in den vergangenen Jahren in der steirischen Gelmeinlde Feldbach angesiedelt haben, ihre Hilfe anzubieten. Mittels eines europäischen Projekts will man die Roma für den Arbeitsmarkt fit machen und ihnen in Notlagen zur Seite stehen. Das Projekt wurde von staatlicher Seite genehmigt, auf Gemeindeebene erlebten die Romavertreter jedoch eine böse Überraschung, die Zusage wurde zurückgezogen. Ein Lokalaugenschein in der Steiermark und im angrenzenden Slowenien von Sabina Zwitter.
Wiener Zentren des jüdischen Lebens
Bis zum „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland 1938 war in Wien eine florierende jüdische Gemeinde beheimatet. An die 180.000 Jüdinnen und Juden richteten Synagogen, Schulen, Sportstätten, Spitäler, Altersheime, rituelle Bäder oder ein Blindeninstitut aus eigenen Mitteln ein. Read the rest of this entry »
April 8th, 2019 |
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Allgemeines, Politik
Sichtbarkeit für Minderheit schaffen: Bürgermeister Ludwig hisst Roma-Flagge am Rathaus
Der 8. April ist Internationaler Tag der Roma – Wien beteiligt sich am Aktionstag
Wien (OTS/RK) – Der heutige 8. April ist der Internationale Tag der Roma. Der Aktionstag findet seit 29 Jahren statt, um auf die oft schwierige Situation der Roma in der ganzen Welt aufmerksam zu machen – auch Wien beteiligt sich. Am späten Mittag hat Bürgermeister Michael Ludwig mit dem Hissen der Fahne der Roma am Wiener Rathaus das Programm des Aktionstags in Wien offiziell eröffnet. Für den Stadtchef ist die Fahne, die nun beim Rathaus-Eingang in der Lichtenfelsgasse weht, „ein Zeichen von Solidarität mit Menschen, die immer noch gegen Vorurteile kämpfen müssen“. Auf der Flagge ist ein rotes Speichenrad auf grünem und blauem Grund zu sehen.
„Seit vielen Jahren unterstütze ich die Anliegen der Roma. So wurde in Floridsdorf eine Verkehrsfläche in Roma-Platz umbenannt, um für diese ethnische Gruppe Sichtbarkeit herbeizuführen“, sagte Ludwig, nachdem er gemeinsam mit Grünen-Gemeinderätin Birgit Hebein die Fahne der Roma gehisst hatte. „Und als EU-Mitglied haben wir die Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Roma auch in anderen Ländern Unterstützung erhalten“, sprach Ludwig die Herabwürdigung der Lebensweise der Roma vor allem in östlichen EU-Ländern an. „Ich freue mich sehr, dass am heutigen Internationalen Tag der Roma erstmals die Roma-Fahne am Wiener Rathaus wehen wird. Es war mir wichtig, dieses Anliegen aus Respekt zu unterstützen“, so Gemeinderätin Birgit Hebein.
In Wien wird der Tag u.a. mit einer Podiumsdiskussion im ORF-RadioKulturhaus (4., Argentinierstraße 30a) begangen – ab 18.30 Uhr diskutieren VertreterInnen von EU, Uni Wien und Roma-Beiräten aus Österreich und Deutschland unter der Moderation des Autors Michael Köhlmeier. Im Anschluss spielt der bekannte Musiker Harri Stojka ein Konzert.
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März 31st, 2019 |
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Politik
Die überragende Wahlsiegerin und neue slowakische Staatspräsidentin, Zuzana Čaputová, bedankt sich auf Romanes – ein Novum in der Slowakei
Die Slowakei entschied sich bei der Stichwahl am Samstag für eine sozialliberale und proeuropäische Staatspräsidentin: Die 45-jährige Bürgeranwältin und Umweltaktivistin Zuzana Čaputová, Vizevorsitzende der neuen Partei Progresívne Slovensko (Fortschrittliche Slowakei), setzte sich mit rund 58,3 Prozent (Auszählungsgrad 96,8 Prozent, das Endergebnis wird erst im Laufe des Tages bekannt gegeben) klar gegen ihren von der Regierungspartei Smer – sociálna demokracia (Smer-SD) unterstützten Konkurrenten, den parteilosen Europapolitiker und EU-Kommissar Maroš Šefčovič (41,7 Prozent), durch – uns setzt bereits neue Akzente: Wie schon nach ihrem überraschend klaren Ergebnis nach dem ersten Wahlgang am 16. März schickte Čaputová auch in ihrer jetzigen Dankesrede ein Signal an die großen Minderheiten des Landes. Sie dankte ihren Wählerinnen und Wählern auch auf Romanes und auf Ungarisch sowie auf Tschechisch. Diese Respektbezeugung gegenüber der Roma-Volksgruppe ist ein Novum in der slowakischen Politik. Mit dieser Geste signalisiert die neue Staatspräsidentin auch, dass sie an das Engagement ihres parteilosen Vorgängers Andrej Kiska für die Volksgruppe anknüpfen will. Erst vor einigen Tagen wurde Kiska für sein Eintreten für die marginalisierte Minderheit mit dem Europäischen Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma 2019 ausgezeichnet.
Zuzana Čaputovás Wahlsieg ist umso bemerkenswerter, als ihre Partei derzeit nicht einmal im Parlament vertreten ist. Dennoch konnte Čaputová als völlige Außenseiterin den ersten Wahlgang vor zwei Wochen überlegen mit 40,6 Prozent der abgegebenen Stimmen für sich entscheiden. Damit verwies „der neue Shootingstar der slowakischen Politik“ (Der Standard) den Kandidaten der mächtigen Regierungspartei Smer auf den zweiten Platz: Šefčovič konnte nicht einmal halb so viele Stimmen (18,7 Prozent) erzielen. Der rechtsextreme Kandidat Marián Kotleba von der ĽSNS (wir berichteten hier und hier), der sich seit Jahren mit rabiater Hetze gegen Roma zu profilieren versucht, erreichte 10,6 Prozent. Read the rest of this entry »
März 30th, 2019 |
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Einrichtungen, Politik, Rassismus & Menschenrechte
27. März 2019: Deutsche Bundesregierung beruft die Mitglieder der Unabhängigen Expertenkommission Antiziganismus. Das „RomArchive“ geht in die Trägerschaft des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma über.
Am 27. März 2019 berief die deutsche Bundesregierung die Mitglieder der im Koalitionsvertrag vereinbarten Unabhängigen Expertenkommission Antiziganismus. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma begrüßt die schnelle Berufung durch den Bundesminister des Innern, Horst Seehofer, nachdem der Deutsche Bundestag in der vergangenen Woche entsprechende Entschließungsanträge der Koalitionsfraktionen wie der Oppositionsfraktionen – mit Ausnahme der AfD – verhandelt hatte.
Minister Seehofer unterstrich die Bedeutung der Expertenkommission für die zukünftige politische Ausrichtung bei der Bekämpfung des Antiziganismus. Es sei sein Wunsch und der Wunsch seines Ministeriums, dass die Kommission einen Abschlussbericht mit substantiellem Gehalt liefere, der Bundestag, Bundesregierung und der Minderheit der Sinti und Roma gleichermaßen Vorgaben für einen respektvollen Umgang liefern möge.
Der Vorsitzende des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, sagte in der konstituierenden Sitzung heute: „Antiziganismus ist tiefverwurzelt in der deutschen und der europäischen Gesellschaft. Die Ächtung des Antiziganismus durch die Bundesregierung und durch die Politik muss jetzt durch entsprechende Anstrengungen insbesondere in der politischen Bildung untermauert werden.“ Der Deutsche Bundestag hatte während der Debatte am vergangenen Freitag die Bekämpfung des Antiziganismus als gemeinsame Aufgabe von Politik und Gesellschaft benannt, aber im dann verabschiedeten Entschließungsantrag (PDF) der Koalition keine Selbstverpflichtung des Bundestages hierzu aufgenommen.
Um so wichtiger ist für den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma jetzt die Arbeit der Expertenkommission, die neben einem Bericht zum Ende der Legislaturperiode konkrete Empfehlungen an die Bundesregierung geben soll, um die historische Dimension ebenso aufzuarbeiten wie den gegenwärtigen Antiziganismus zu bekämpfen. Hierzu gehöre vorrangig die Dokumentation antiziganistisch motivierter Straftaten wie die Beobachtung von Antiziganismus in den Medien und den Auswirkungen bei den Einstellungen in der Bevölkerung. Insbesondere sollte die Kommission ihr Augenmerk auf Schule und Bildung richten, denn gerade in den Schulen gibt es kaum verlässliches und gut aufbereitetes Bildungsmaterial zum Thema Sinti und Roma, so Rose. Read the rest of this entry »
März 29th, 2019 |
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Facts & Figures, Politik
Mit dem deutschen Musiker, Aktivisten und Grünen-Politiker Romeo Franz ist seit 3. Juli 2018 erstmals auch ein Sinto im EU-Parlament vertreten.
(Quelle)
März 25th, 2019 |
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Ehrungen & Nachrufe, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Andrej Kiska: Preisträger des Europäischen Bürgerrechtspreises der Sinti und Roma 2019
Der Europäische Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma wird in diesem Jahr an den Staatspräsidenten der Slowakei, Andrej Kiska, vergeben. Die Verleihung fand am 19. März 2019 im Haus der Europäischen Geschichte in Brüssel statt. Der Preis wird gestiftet von der Manfred-Lautenschläger-Stiftung und ist mit 15.000 Euro dotiert.
Der aktuelle Präsident der Slowakischen Republik, Andrej Kiska, wird für sein gesellschaftliches Engagement, seine kritische politische Haltung in der Öffentlichkeit und seinen beharrlichen Einsatz für die Belange der Roma in der Slowakei mit dem Europäischen Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma ausgezeichnet. Besonders in einer Zeit, in der sich Sinti und Roma in Europa von rechtsextremen und nationalistischen Strömungen und Parteien zunehmend bedroht sehen, spricht sich der slowakische Präsident Andrej Kiska deutlich für die gleichberechtigte Teilhabe der Roma in seinem Heimatland aus. In Interviews und Reden lenkt er den Blick der Öffentlichkeit immer wieder auf die jahrelang vernachlässigte und diskriminierte Minderheit und zeigt, dass die Zukunft Europas nur in einem demokratischen und solidarischen Miteinander bestehen kann, das die Rechte von Minderheiten anerkennt und schützt.
Die Preisverleihung fand am 19. März 2019 im Haus der Europäischen Geschichte in Brüssel statt. Die Laudatio auf Präsident Kiska hielt Michael Roth (Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt). Es redeten außerdem unter anderem Romani Rose (Vorsitzender des Zentralvrats deutscher Sinti und Roma) und Soraya Post (Co-Präsidentin der European Parliament Anti-Racism and Diversity Intergroup/ARDI.)
Der Europäische Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma wurde 2007 anlässlich des 10-jährigen Bestehens des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma, vom Dokumentationszentrum, dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und der Manfred-Lautenschläger-Stiftung ins Leben gerufen und ist mit 15.000 Euro dotiert. Read the rest of this entry »
März 24th, 2019 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Beratung des Deutschen Bundestags über die Anträge zum Kampf gegen Antiziganismus: Initiatoren des „Bündnisses für Solidarität mit den Sinti und Roma Europas“ zeigen sich enttäuscht
Stellungnahme vom 22.3.2019: Anlässlich der Beratung des Deutschen Bundestags über die Anträge zum Kampf gegen Antiziganismus (mehr hier) begrüßen Uwe Neumärker (Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas) und Hamze Bytyci (Vorstandsvorsitzender des RomaTrial e.V.), dass sich der Deutsche Bundestag dieses wichtigen Themas annimmt. Sie äußern allerdings Unverständnis darüber, dass zugewanderte Roma im Beschlusstext keine Beachtung finden. Uwe Neumärker erklärt: »Antiziganismus richtet sich gegen alle Menschen, die als Roma oder Sinti wahrgenommen werden. Dass der Deutsche Bundestag vorrangig die Angehörigen der als nationale Minderheit anerkannten deutschen Sinti und Roma als schutzwürdig benennt, bedauvere ich.«
Natürlich ist die Sensibilisierung für die Heterogenität unter den Sinti und Roma wichtig. Doch antiziganistisch motivierte Haltungen und Handlungen vom vagen Vorurteil über Ausgrenzung und Benachteiligung bis hin zu offener Gewalt sind sie gleichermaßen ausgesetzt.
Hamze Bytyci führt weiter aus: »Die Dauer der Anwesenheit der Vorfahren eines von Antiziganismus betroffenen Menschen darf bei der Zurückweisung dieser Art des Rassismus keine Rolle spielen. Read the rest of this entry »