Slowakei: Mandatsverlust nach Hassrede
September 4th, 2019 | Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Gerichtsurteil: Milan Mazurek von Kotlebas ĽSNS verliert nach Hetze gegen die Minderheit der Roma sein Parlamentsmandat
In der Slowakei wurde erstmals einem Politiker wegen rassistischer Hetze sein Parlamentsmandat aberkannt. Am Dienstag bestätigte der Oberste Gerichtshof in Bratislava die Verurteilung des rechtsextremen Abgeordneten Milan Mazurek (mehr hier), weil dieser die Roma-Volksgruppe im Privatradio pauschal herabgewürdigt hatte. Darüber hinaus verschärfte das Höchstgericht nun auch das Strafmaß des früheren Urteils, gegen das der Politiker 2018 Berufung eingelegt und das er als „Politjustiz“ tituliert hatte. Mazurek verliert nicht nur sein Mandat, sondern muss zudem eine Strafzahlung in der Höhe von 10.000 Euro (statt 5.000 Euro) entrichten. Mit diesem Urteil endet jetzt das schon seit 2017 laufende Gerichtsverfahren in letzter Instanz.
Der heute 25-jährige Politiker hatte 2016 in einer Radiosendung von einem angeblichen „Zigeuner-Terror gegen anständige Leute“ gesprochen und Roma als asoziale Schmarotzer beschimpft, die „nichts für unser Volk tun und nichts zu unserem Staatshaushalt oder unserer Kultur beitragen, sondern sich umgekehrt entschieden haben, ein asoziales Leben zu führen und unser Sozialsystem auszusaugen“.
Der stellvertretende Vorsitzende des Nationalrats, Andrej Hrnčiar (Most-Híd), begrüßt das das Urteil gegen Mazurek: „Endlich hat die Gerechtigkeit gesiegt. Denn faschistische und rassistische vÄußerungen werden in unserer Gesellschaft bereits seit langem übermäßig toleriert. Nun wurde endlich ein grundsätzlicher Beschluss gefällt und ich bin davon überzeugt, dass dies ein gutes Signal für die Zukunft sein kann.“
Mazurek war seit 2016 Abgeordneter der rechtsextremen Partei „Kotleba – Volkspartei Unsere Slowakei“ (Kotleba – Ľudová strana Naše Slovensko – ĽSNS) und war bereits wiederholt mit extremistischen Aussagen und Auftritten aufgefallen. So leugnete er unter anderem auf Facebook öffentlich den Holocaust.
Bei der Nationalratswahl 2016 erreichte die ĽSNS einen überraschenden Erfolg und zog mit 8 Prozent und 14 Abgeordneten erstmals in den slowakischen Nationalrat ein. Bei der Europawahl 2019 erhielt die Partei mit zwölf Prozent die drittmeisten Stimmen aller Parteien der Slowakei und gewann zwei der 13 slowakischen Sitze. Und bei der Präsidentschaftswahl im Frühjahr erreichte der ĽSNS-Parteiführer Marián Kotleba (wir berichteten hier und hier) 10,6 Prozent. Auch Kotleba versucht sich seit Jahren mit rabiater Hetze gegen Roma zu profilieren. Im Mai 2017 hatte die Generalstaatsanwaltschaft einen Verbotsantrag gegen die rechtsextreme Partei eingebracht. Nach einem rund zwei Jahre dauernden Verfahren wurde dieser Antrag von der slowakischen Justiz jedoch im April 2019 abgelehnt. Für die Illegalisierung und Auflösung der Partei lägen derzeit nicht genug Beweise für ihre Verfassungsfeindlichkeit vor. Die Vorgängerpartei „Slowakische Gemeinschaft“ (Slovenská pospolitosť – SP) war 2006 gerichtlich aufgelöst worden. Es ist dies das bis heute einzige gerichtliche Parteiverbot in der Slowakei. Der heutige ĽSNS-Chef Kotleba war bereits Parteichef dieser verbotenen Partei.
(dROMa)
Siehe auch:
Slowakei will Neonazipatrouillen stoppen, 18.8.2016