Politik
November 6th, 2018 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Die Allianz gegen Antiziganismus fordert ein klares Bekenntnis des Präsidenten des Europäischen Parlaments Tajani gegen Antiziganismus
Der Präsident des Europäischen Parlaments, Antonio Tajani, kritisierte in einem Interview mit dem italienischen öffentlich-rechtlichen Sender RAI die Pläne der italienischen Regierung für ein staatsbürgerliches Einkommen und sagte, dass damit „das Bürgergeld in den Taschen der Roma enden wird, von ausländischen Bürgern – aus der EU und von außerhalb – und mit Sicherheit nicht in jenen [Taschen] vieler italienischer Bürger.“
Die Allianz gegen Antiziganismus kritisiert, dass solche Aussagen im öffentlichen Diskurs Antiziganismus verstärken, und fordert ein klares Bekenntnis gegen Antiziganismus seitens des Präsidenten des Europäischen Parlaments Tajani.
Romani Rose, Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, sagte: „Die Aussage von Parlamentspräsident Tajani bestätigt wie tief verwurzelt antiziganistische Klischees in den europäischen Gesellschaften und Institutionen sind. Selbst oftmals unbewusste Sprachbilder führen zur Ausgrenzung von Minderheiten und festigen wie hier den Antiziganismus in der Mitte der Gesellschaft. Das Europäische Parlament hat am 15. April 2015 den Holocaust an den 500.000 Sinti und Roma im NS-besetzten Europa anerkannt und mit der Entschließung vom Oktober 2017 eine klare Strategie zur Bekämpfung des Antiziganismus verabschiedet. Politische Repräsentanten übernehmen in unserer Demokratie eine wichtige Verantwortung für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Deshalb wäre es ein Zeichen von politischer Verantwortung, dass sich Präsident Tajani unmissverständlich zur Bekämpfung des Antiziganismus als rechtsstaatliche und demokratische Aufgabe bekennt.“ Read the rest of this entry »
Oktober 16th, 2018 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Aus Anlass der österreichischen Ratspräsidentschaft veranstaltet Romano Centro gemeinsam mit ERGO Network (European Roma Grassroots Organisations) und dem Haus der Europäischen Union in Wien eine Podiumsdiskussion:
Diversität in der Europäischen Union – Testfall Roma in Europa
Do., 8.11 2018, 18.30 Uhr
im Haus der Europäischen Union
Wipplingerstraße 35, 1010 Wien
Roma sind die größte Minderheit Europas. Infolge des jahrhundertealten Antiziganismus der Mehrheitsgesellschaften sind Roma überproportional von Armut und sozialem Ausschluss betroffen. Um die Lebenssituation der Romabevölkerung zu verbessern und gleiche Rechte und Möglichkeiten für alle EU-Bürger_innen sicherzustellen, hat die EU-Kommission 2011 eine Rahmenstrategie zur Inklusion der Roma bis 2020 beschlossen. Darin wurden alle Mitgliedsländer verpflichtet, eigene Strategien zur Inklusion von Roma und Romnja zu entwickeln und umzusetzen. Die Verpflichtung umfasst u.a. die Definition von nationalen Zielen, die Bereitstellung der erforderlichen Mittel und die Einrichtung geeigneter Monitoringmaßnahmen. Die Kommission definierte die Bereiche Bildung, Beschäftigung, Gesundheit und Wohnen als zentral.
Im Widerspruch zu diesen Ansätzen steht der Aufstieg populistischer und rechter Gruppierungen in Europa innerhalb und außerhalb der EU. In der öffentlichen Diskussion werden Migrant_innen, geflüchtete Personen, Angehörige bestimmter Religionen oder Minderheiten wie Roma von rechten politischen Parteien zu Sündenböcken erklärt. Sie werden für soziale Probleme verantwortlich gemacht und zum Ziel verhetzender Reden und rassistischer Gewalt. Die aktuellen gewalttätigen Übergriffe auf Roma in der Ukraine, bei denen ein Mann erstochen wurde, die Ermordung eines Roma-Mädchens in Griechenland im Juni, die rassistische Prügelattacke gegen einen Rom in der Slowakei, oder die romafeindlichen Aussagen des italienischen Innenministers Salvini, der die Zählung und Deportation von Roma ankündigte, sind nur ein paar Beispiele für diese Entwicklung.
Zwei Jahre vor Abschluss der Roma-Strategie 2020, während der Vorbereitungen für die nächste Programm-Periode 2020-2027, nehmen wir die österreichische Ratspräsidentschaft zum Anlass, die bisherigen Ergebnisse der Strategie einer Bewertung zu unterziehen. Dabei gehen wir auch der Frage nach, wie der weit verbreitete Antiziganismus den Zugang zu gleichen Rechten und Chancen für Roma in Europa behindert.
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Oktober 15th, 2018 |
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Facts & Figures, Geschichte & Gedenken, Politik
1990 gewann die Romapartei ROI als Teil des Bürgerforums bei den ersten freien Parlamentswahlen in der Tschechoslowakei nach 1945 acht Mandate.
(Quelle/pdf)
Oktober 14th, 2018 |
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Geschichte & Gedenken, Politik
Brandenburg unterzeichnet gemeinsame Vereinbarung mit dem Verband Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg
Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch und Petra Rosenberg, Vorsitzende des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg, haben in Potsdam am 1. Oktober eine Vereinbarung zur Aufarbeitung, zum Gedenken und zur Zusammenarbeit unterzeichnet. Die Vereinbarung setzt den Antrag ‘Sinti und Roma – Gedenken und Handeln gegen Diskriminierung‘ der Fraktionen von SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen um, der im September 2017 einstimmig im Landtag Brandenburg beschlossen wurde. Kulturministerin Martina Münch:
„Vor dem Hintergrund der jahrhundertelangen Verfolgung und insbesondere des NS-Völkermordes an Sinti und Roma hat das Land Brandenburg eine besondere Verantwortung im Umgang mit dieser Minderheit. Im ‘Dritten Reich‘ wurden rund 500.000 Sinti und Roma aus ganz Europa in Gaskammern ermordet, durch Schwerstarbeit umgebracht oder bei Menschenversuchen zu Tode gequält – weniger als 5.000 überlebten die Gräuel in den Ghettos und Konzentrationslagern. Wir erinnern an diese Geschichte und bekennen uns zu unserer Verantwortung, daraus Lehren zu ziehen. Mit der Aufnahme einer Antirassismus-Klausel in die Landesverfassung hat das Land 2013 bereits ein deutliches Signal gegen die Diskriminierung von bestimmten Gruppen in der Bevölkerung, darunter auch den Sinti und Roma, gesetzt. Mit der neuen Vereinbarung wollen wir die Aufarbeitung von Verfolgung und Verbrechen gegenüber dieser Minderheit in der Vergangenheit verbessern, das Verständnis für ihre Identität und Kultur weiter fördern sowie ihren Schutz und ihre Teilhabe in der heutigen Gesellschaft stärken.
Landesverbandsvorsitzende Petra Rosenberg begrüßt die Unterzeichnung der Vereinbarung:
Ich freue mich sehr, dass wir im Rahmen der Vereinbarung die Kontakte zum Land Brandenburg intensivieren und auf eine verlässliche Basis stellen können. Die Vereinbarung ist ein wichtiger Beitrag für die Aufarbeitung der Geschichte der Verfolgung der Sinti und Roma in Deutschland aber auch der Aufklärung über unsere Kultur und Identität. Ich hoffe, dass sie dazu beiträgt, Vorurteile und Klischees auszuräumen, Diskriminierung entgegen zu wirken, das Miteinander zwischen Mehrheit und Minderheit in unserem Land zu befördern – und den Sinti und Roma Mut macht, sich künftig verstärkt und selbstbewusst in gesellschaftliche Prozesse einzubringen.
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Oktober 13th, 2018 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Grundsätzlich spricht nichts gegen vorgegebene Anordnungen, wenn sie klare Orientierung bieten und damit Handlungsspielräume erweitern. Dies ist mit den aktuellen Bettelverboten nicht der Fall, da sie teilweise willkürlich interpretiert werden, sodass bettelnde Menschen nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen, um nicht bestraft zu werden.
Augustin 10/2018: Es scheint, als können sie sich gar nicht richtig verhalten, weil aktuell eine ganz bestimmte Vertreibungspolitik herrscht, die sich über das Thema «Sicherheit im öffentlichen Raum» legitimiert.
Rechtlich ist das «stille Betteln» in Österreich erlaubt. Praktisch drohen aktuell vermehrt bettelnden Menschen, die ebenso EU-Bürger_innen sind, Ausweisungen und Aufenthaltsverbote, weil sie um einen Notgroschen betteln. So zum Beispiel Gabor (Name von der Redaktion geändert), der in Wien bettelte und dem nach einer Polizeikontrolle der Personalausweis abgenommen wurde. Er konnte diesen nur wieder zurückbekommen, nachdem er ein Rückfahrticket nach Ungarn vorzeigte. Laut dem Europäischen Gerichtshof muss für eine Ausweisung jedoch eine «tatsächliche und hinreichend schwere Gefährdung» vorliegen, die «ein Grundinteresse der Gesellschaft berührt». In dem Fall scheint diese Praxis unverhältnismäßig und menschenverachtend.
Dies trifft auch auf die Geldsumme oder die Ersatzfreiheitsstrafe zu, die über Strafverfügungen eingefordert wird. «Pappbecher unter die Nase gehalten»: 800 Euro oder acht Tage Ersatzfreiheitsstrafe. Dabei sind die meisten dieser Strafen rechtswidrig. Read the rest of this entry »
Oktober 6th, 2018 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Bosnien und Herzegowina: Minderheiten bleiben weiterhin ausgeschlossen, Menschenrechtler fordern Änderung des Wahlgesetzes
Aufgrund des diskriminierenden Wahlgesetzes in Bosnien ist nur Bosniaken, Kroaten und Serben die Kandidatur für das Präsidium oder für die Völkerkammer im Staatsparlament erlaubt – nicht aber Roma und Juden (siehe auch dROMa 33).
Pressemitteilung: Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat der Regierung in Bosnien und Herzegowina (BiH) vorgeworfen, bei den bevorstehenden allgemeinen Wahlen Minderheiten auszugrenzen und zu diskriminieren. Dringend müsste die Regierung endlich den Forderungen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte nachkommen und auch Angehörigen von Minderheiten die Kandidatur für höchste Staatsämter gestatten, erklärte die Menschenrechtsorganisation. „Bosnien und Herzegowina verletzt mit seiner Diskriminierung von Minderheiten die Europäische Menschenrechtskonvention“, sagte die BiH-Expertin der GfbV, Jasna Causevic. Bislang ist aufgrund des Wahlgesetzes nur Bosniaken, Kroaten und Serben die Kandidatur für das Präsidium oder für die Völkerkammer im Staatsparlament erlaubt. Am 7. Oktober 2018 finden in BiH allgemeine Wahlen statt. Nachdrücklich forderte die Menschenrechtsorganisation den Lenkungsausschuss des Friedensimplementierungsrates (Peace Implementation Council, PIC) des Daytoner Abkommens auf, sich für ein Ende der Diskriminierung im Wahlrecht einzusetzen. Diesem Rat gehören 55 Nationen und Internationale Organisationen aus aller Welt an, unter anderem auch Deutschland.
Die GfbV wies darauf hin, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte schon im Jahr 2009 in einem Urteil die Diskriminierung kritisiert hatte und eine zügige Änderung des Wahlgesetzes gefordert habe. Doch nichts sei seither geschehen, da sich die regierenden Parteien nicht auf eine einvernehmliche Änderung des Wahlrechts hätten verständigen können. Read the rest of this entry »
August 18th, 2018 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Konferenz des IDZ „Gewalt gegen Minderheiten: Internationale Perspektiven und Strategien zum Umgang mit Hasskriminalität“
Fachtagung am 20. & 21. Sept. 2018 in Jena
Begrenzte Plätze! Anmeldung bis 23.8.2018.
Eine wichtige Tagung zu einem wichtigen Thema. Seltsam nur, dass die europäische Minderheit, die derzeit wie keine andere mörderischer Gewalt und Pogromen ausgesetzt ist (in den letzten Wochen etwa hier, hier, hier, hier und hier), weder in der Ankündigung noch im Programm konkret genannt wird: Roma nämlich. Darauf angesprochen, schreiben die Veranstalter: „Der Schwerpunkt der Tagung liegt auf Deutschland. Es ist vorgesehen, mit Onur Özata, der als Rechtsanwalt u.a. Sinti vertritt, die zum Opfer von Gewalt wurden (bspw. beim OEZ-Anschlag in München [wir berichteten]), auch auf Antiziganismus einzugehen.“
Im Folgenden der Ankündigungstext des IDZ:
Neun Menschen aus Einwandererfamilien und eine Polizistin tötete der in Jena entstandene „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) – ohne dass Behörden und Gesellschaft die Motive des Terrors erkannten. Von 193 Todesopfern rechter Gewalt, die die Amadeu Antonio Stiftung zählt, sind nur 83 staatlich anerkannt. In Deutschland gab es im Jahr 2017 nach Erhebungen der Amadeu Antonio Stiftung und von Pro Asyl 1.713 Übergriffe gegen Geflüchtete oder ihre Unterkünfte. Im gleichen Jahr erfasste die Polizei insgesamt 1.453 antisemitische Delikte. In beiden Fällen sind das durchschnittlich täglich mehr als vier Straftaten dieser Art. Zahlen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) zeigen: 2017 wurden mindestens 17 wohnungslose Menschen getötet. Deutsche Behörden registrierten 2017 300 Straftaten gegenüber LSBTTIQ* aufgrund ihrer sexuellen Orientierung. Read the rest of this entry »
August 10th, 2018 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Romani Rose fordert Erklärung des Duisburger SPD-Oberbürgermeisters zu seinen Äußerungen über Kindergeldzahlung an EU-Ausländer: „Hier werden rassistische Stereotype gezielt benutzt, um Sündenböcke zu produzieren – selbst auf die Gefahr von Gewaltanschlägen hin“.
Mit scharfer Kritik reagiert der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, auf Äußerungen des SPD-Oberbürgermeisters von Duisburg, der die aktuellen Zahlen der Bundesregierung zur Überweisung von Kindergeld in andere Länder der Europäischen Union zum Anlass nahm, auf die Situation in Duisburg aufmerksam zu machen.
„Selbstverständlich muss gegen jede Form des Betrugs ermittelt werden, und ebenso selbstverständlich muss jeder Missbrauch von Leistungen unterbunden werden. Dies muss ohne Ansehen der Person geschehen, entsprechend den Vorgaben unseres Rechtsstaates. In diesem Kontext aber durch eine gezielte, an der Abstammung festgemachte Kennzeichnung die Angehörigen der Minderheit zur alleinigen Ursache dieses Problems zu machen, steht in der Tradition der Herstellung von Sündenböcken und birgt, gerade jetzt, die Gefahr von Gewalt gegen Sinti und Roma in Deutschland“, erklärte Romani Rose. Es sei darüber hinaus ein Kennzeichen zutiefst rassistischer Bilder, wenn der Duisburger Oberbürgermeister erst kriminelle Schlepperbanden verantwortlich macht, die „Sinti und Roma“ nach Duisburg bringen würden [Der Duisburger OB zeigt sich hier wenig informiert: Sinti leben seit über 600 Jahren im deutschen Sprachraum; weder in Bulgarien noch Rumänien gibt es Sinti], und er dann erklärt: „Ich muss mich hier mit Menschen beschäftigen, die ganze Straßenzüge vermüllen und das Rattenproblem verschärfen. Das regt die Bürger auf.“ Genau diese Verbindung von „Rattenproblem“ und Vorwürfen gegen die gesamte Minderheit mache Sinti und Roma zur Zielscheibe potentieller Gewalt. Read the rest of this entry »
August 8th, 2018 |
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Dokumente & Berichte, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Die Europäische Grundrechteagentur FRA spricht sich in einem neuen Bericht für eine verbesserte Praxis der Datensammlung bei Hassverbrechen aus.
European Union Agency for Fundamental Rights (FRA):
Hate crime and data collection practice across the EU
Publications Office of the European Union: Luxembourg 2018
→Download (pdf)
Die Europäische Grundrechteagentur (FRA) hat einen neuen Bericht herausgegeben, der sich für eine effizientere Dokumentation von Hassverbrechen in den Mitgliedsländern der EU ausspricht. Der Bericht liefert einen Überblick über die Praxis der Dokumentation in den 28 Mitgliedsstaaten der EU. Auf dieser Grundlage wurden Verbesserungsvorschläge formuliert:
- Die Staaten sollten detaillierte Daten sammeln und den Bias bei Hassverbrechen berücksichtigen. Das machen bislang nur 15 Mitgliedsstaaten.
- Es sollten regelmäßig Viktimisierungs-Berichte erstellt werden, um einen besseren Einblick in die nationale Situation zu bekommen. Nur in neun Mitgliedsstaaten werden in diesen Berichten Fragen zu Hassverbrechen gestellt.
- Stakeholder sollten auf das Know-how der Zivilgesellschaft zurückgreifen, z.B. wird empfohlen, dass die Polizei von Vertreter_innen der Zivilgesellschaft fortgebildet wird.
- Die Polizei sollte für das Thema Hassverbrechen sensibilisiert werden, um den Opfern mehr Respekt und Verständnis entgegenzubringen. Read the rest of this entry »
August 2nd, 2018 |
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Geschichte & Gedenken, Politik
EU-Abg. Lukas Mandl (ÖVP) schlägt 2. August als offiziellen österreichischen Gedenktag für Roma und Sinti vor. 2019 wird sich der Tiefpunkt der nationalsozialistischen Verfolgung der Roma und Sinti zum 75. Mal jähren.
Wien (OTS) – „Neben mehr als sechs Millionen Jüdinnen und Juden wurden auch die Angehörigen anderer Bevölkerungsgruppen im Nationalsozialismus systematisch verfolgt und ermordet. Zu den Verfolgten zählten auch Roma und Sinti. Von 2. auf 3. August 1944 wurden in nur einer Nacht 2.897 Roma und Sinti im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Nächstes Jahr wird das genau ein Dreivierteljahrhundert zurückliegen“, erinnert der österreichische Europa-Abgeordnete Lukas Mandl. „Es ist eine Frage des gesellschaftlichen Zusammenhalts für Menschlichkeit und Menschenwürde, eine Frage des Anstands und der Mahnung, um derartige Entwicklungen für alle Zukunft auszuschließen, dass wir den Opfern ein ehrendes Andenken bewahren. Unter Roma und Sinti waren es insgesamt etwa eine halbe Million Kinder, Frauen und Männer, die im nationalsozialistischen Verbrecherstaat ermordet wurden“, so Mandl. Mandl macht folgenden Vorschlag: „Meine Anregung ist, im kommenden Jahr 2019 anlässlich des 75. Jahrestages des Tiefpunkts in der Verfolgung der Roma und Sinti auch in Österreich den 2. August offiziell zum Gedenktag zu erklären. Der Tag ist bereits seitens des Europa-Parlaments und einiger Staaten zum Gedenktag erklärt worden.“
(OTS)
August 1st, 2018 |
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Geschichte & Gedenken, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Gedenkveranstaltung zum Roma Genocide Remembrance Day in Göttingen
2.8.2018, 17 Uhr, Foyer des Neuen Rathauses, Hiroshimaplatz 1-4 – Göttingen
Am 2. August 2018 findet die Gedenkveranstaltung des Roma Centers zum Roma Genocide Remembrance Day statt. Dr. Dietmar Sedlaczek, Leiter der KZ-Gedenkstätte Moringen, hält einen Vortrag über die im Jugendkonzentrationslager Moringen inhaftierten Sinti-Jungen, die nach Auschwitz deportiert worden sind. Im Anschluss werden wir die Ausstellung des Roma-Antidiscrimination-Networks „Kampf ums Bleiberecht“ eröffnen. Mit der Gedenkveranstaltung erinnern wir nicht nur der Ermordeten – die Ausstellung befasst sich mit den Überlebenden und der heutigen politischen Situation für Roma, die immer noch kein sicheres Bleiberecht haben. Unsere Wanderausstellung wird für zwei Wochen im Neuen Rathaus Göttingen zu sehen sein. Anschließend zieht sie nach Hamburg weiter.
(Text: Roma-Center)
Juli 13th, 2018 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
„Herr Salvini, ich bin Sinto und Sohn einer Hocolaust-Überlebenden. Ich bin hier, um Ihnen zu sagen, dass in Europa kein Platz für Rassismus und Nationalideologie ist.“
Die erste Rede von Romeo Franz, seit 3. Juli 2018 neuer Abgeordneter im Europaparlament. Romeo Franz, der für den aus ausscheidenden deutschen Grünen-Politiker Jan Philipp Albrecht nachrückte, ist der erste Sinto im EU-Parlament. Neben ihm gibt es derzeit drei weitere Abgeordnete, die sich zu ihrer Roma-Herkunft bekennen: Die konservative ungarische Politikerin Livia Járóka, die Ende November 2017 zur Vizepräsidentin des Parlaments gewählt wurde. Und Soraya Post aus Schweden (Feministische Initiative) und Damian Drăghici aus Rumänien (Sozialdemokrat, seit 2016 unabhängig), die dem Europäischen Parlament seit 2014 angehören.
(dROMa)
Siehe auch: Romeo Franz, Süddeutsche Zeitung, 21.6.2018
Juli 11th, 2018 |
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Medien & Presse, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Rechtspopulismus – Der Rassismus gegen die Roma zerstört Europa von innen
Gastbeitrag von Karl-Markus Gauß in der Süddeutschen Zeitung am 30.6.2018
Warum ist Salvinis Vorstoß im Alltag der europäischen Debatten als nicht ganz ernst gemeinter rhetorischer Ausrutscher abgetan worden? Das hängt mit denen zusammen, gegen die Salvini mobilisiert. Wir haben uns daran gewöhnt, dass die Ausgrenzung der Roma europaweit praktiziert oder immerhin akzeptiert wird. (…)
→Zum Beitrag auf der Website der Süddeutschen Zeitung
Juni 19th, 2018 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Italiens Innenminister Salvini von der Lega Nord, die seit Jahren mit scharfen rassistischen Kampagnen gegen Roma zu punkten versucht, hat angekündigt, die Roma-Population im Land in einer separaten Datenbank zu erfassen. Schon wieder.
Italien 2008
Denn schon vor zehn Jahren plante Berlusconis Innenminister Roberto Maroni (Lega Nord) eine Registrierung aller Roma – samt Erfassung der Fingerabdrücke der Kinder. Internationale Proteste konnten den Plan damals – zumindest weitgehend – vereiteln. Nach Protesten u.a. von Europaparlament und OSZE erklärte die italienische Regierung Mitte Juli 2008, die Erfassung mit Fingerabdrücken einzustellen. Sogenannte Sonderkommissare in Roma, Mailand und Neapel führten dennoch eine – nunmehr fotografische – Erfassung der Roma durch. Die italienische Justiz erklärte diese systematische ethnische Registrierung (ebenfalls in den Camps lebende Nicht-Roma wurden nicht erfasst) schließlich 2013 für rechtswidrig.
Schweden und Frankreich
Ethnische Roma-Datenbanken wie in Italien gab es in den letzten Jahren allerdings in mehreren Ländern: in Schweden, wo bis 2013 ca. 4.000 – vorwiegend unbescholtene – Roma (auch Minderjährige) in einer geheimen Polizeikartei erfasst wurden; und in Frankreich, wo die Polizei bis Ende 2007 eine geheime Roma-Abstammungskartei samt DNA-Proben führte. In beiden Fällen handelte es sich um illegal angelegte und heimlich geführte Datenbanken der Polizei. Bei Salvinis Plänen in Italien hingegen geht es um die offizielle und offene Erfassung einer Ethnie, um Verfolgungsmaßnahmen vorzubereiten. Wenn Europa hier nicht einschreitet, wo dann?
„Zigeunerkartothek“
Für viele Roma werden bei solchen polizeilichen Maßnahmen Erinnerungen an frühere Registrierungen wach: So wurden etwa die burgenländischen Roma in den späten 1920er und in den 1930er Jahren – von den österreichischen Behörden und noch vor dem „Anschluss“ 1938 – systematisch erfasst. Read the rest of this entry »
Juni 19th, 2018 |
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Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Italiens neuer Innenminister Salvini von der Lega Nord will Roma zählen lassen
Radio Dreyeckland | Focus Europa, 19.6.2018
Ganz nach dem Geschmack seiner rechtsradikalen Partei hat der italienische Innenminister Matteo Salvini angekündigt, eine Zählung der im Land lebenden Sinti und Roma durchführen lassen zu wollen. Salvini erklärte, er wolle wissen, „wer, wie und wie viele sie sind“. Eine Zählung ermögliche zudem die Ausweisung sich illegal im Land befindlicher Ausländer. Diejenigen mit italienischem Pass müsse man, so Salvini weiter, „unglücklicherweise behalten“.
Salvini behauptete nach vehementer Kritik in der Presse zudem, es gehe ja gar nicht um Diskriminierung einzelner Angehöriger der Roma-Minderheit. Stattdessen griff er auf das Stereotyp der stehlenden Roma zurück und behauptete, er wolle sich um die Kinder kümmern, die von ihren Familien zum Klauen gezwungen würden. Ob die Ankündigung nicht vor allem die Stimmung gegen die Minderheit anheizen will, ohne überhaupt durchsetzbar zu sein, ist offen. (Anm. d. dROMa-Red.: Bereits 2008 scheiterte ein solcher Vorstoß an internationalen Protesten.) Read the rest of this entry »
Juni 18th, 2018 |
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Politik, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
dérive – Radio für Stadtforschung
Erstausstrahlung. 5.7.2016 auf Radio Orange 94.0
MP3, 320 kbps | 61,80 MB (CC NC-ND)
Roma werden in Europa seit Jahrhunderten ausgegrenzt, diskriminiert und stigmatisiert, in unserem Alltag spielt diese beschämende Tatsache trotzdem kaum eine Rolle. Auch für die Stadtforschung genießt das Thema keineswegs Priorität – ganz im Gegenteil. Die Stadtplanerin und -forscherin Anna Kokalanova hat für die Sommerausgabe 2016 von dérive – Zeitschrift für Stadtforschung einen Schwerpunkt zum Thema »Urbane Lebenswelten von Roma« zusammengestellt. Im Gespräch mit Radio dérive spricht Kokalanova über die changierenden Bilder von Roma von unerwünschten Bürgern zweiter Klasse, die verfolgt und ausgegrenzt werden, zu exotischen Fremden, von deren Musik man fasziniert ist und deren Lebensfreude man bewundert. Aktuelles Thema ihrer Forschung sind Ankommensräume von Roma in Städten wie Berlin und somit die Frage des Zugangs zu Wohnraum – und auch hier wieder Segregation und Vertreibung. Ein immer wiederkehrender Aspekt ist die Nichtanerkennung von Rechten als Staats- und EU-Bürger.
dérive 64 Urbane Lebenswelten von Roma, Juli 2016
Musik: Azis, Churulike | Šaban Bajramović, Djelem, djelem
Redaktion: Elke Rauth, Christoph Laimer | Signation: Bernhard Gal
(Text und Sendung: cba.fro.at)
Heftübersicht, dérive 46 (Schwerpunkt):
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Juni 12th, 2018 |
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Einrichtungen, Politik
Bayerischer Landtag stimmt Staatsvertrag zwischen dem Freistaat Bayern und dem Verband Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Bayern zu. Einstimmig.
Der Bayerische Landtag stimmte am Mittwoch dem am 20. Februar 2018 zwischen dem Freistaat Bayern und dem Bayerischen Landesverband Deutscher Sinti und Roma unterzeichneten Staatsvertrag einstimmig zu. Der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer hatte den Vertrag gemeinsam mit dem Vorsitzenvden des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma, Erich Schneeberger, unterzeichnet. Nach der nun erfolgten Zustimmung durch den Bayerischen Landtag tritt der Vertrag zum 1. Juli 2018 in Kraft.
Mit der Zustimmung zum Staatsvertrag wird ein wesentlicher Schritt zur Umsetzung des Europäischen Rahmenübereinkommens zum Schutz nationaler Minderheiten vollzogen. Wie im Vertrag festgestellt wird, soll „die bestehende enge Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat und dem Landesverband fortgesetzt und intensiviert werden.“ Freistaat und Landesverband arbeiten weiterhin gemeinsam an dem Ziel, der Diskriminierung von Angehörigen der Minderheit auf allen Gebieten des öffentlichen und gesellschaftlichen Lebens effizient und effektiv entgegenzuwirken.“ Dabei unterstützen Freistaat und Landesverband Initiativen auf den Gebieten von Bildung, Kultur und Wissenschaft, die dem Schutz und dem Erhalt der kulturellen Identität der hier als nationale Minderheit lebenden Sinti und Roma dienen und dem Antiziganismus entgegenwirken.“ Read the rest of this entry »
Juni 3rd, 2018 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Medienmitteilung der Gesellschaft für bedrohte Völker, 30.05.2018:
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und der Verband Sinti und Roma Schweiz (VSRS) haben Strafanzeige wegen Verstoß gegen die Rassismus-Strafnorm eingereicht gegen Roland Schöni, SVP-Fraktionspräsident des Arboner Stadtparlaments. Grund dafür sind die Aussagen von Schöni im St. Galler Tagblatt, mit denen er aus Sicht der beiden Organisationen Roma auf pauschalisierende Weise diffamiert und kriminalisiert.
«Roma würden auf Kosten anderer leben, sich nicht an den Steuern beteiligen und machen, was sie wollen. Es handle sich um Schlitzohren und Kleinkriminelle, Wahrsager, die einen anlügen und Leute, die Sachen versprächen und sie nicht halten würden». Derart abschätzig äußerte sich der SVP-Fraktionspräsident des Arboner Stadtparlaments Roland Schöni gegenüber dem St. Galler Tagblatt vom 25. Mai 2018. Diese Aussagen verletzen aus Sicht der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und des Verbandes Sinti und Roma Schweiz (VSRS) die Rassismus-Strafnorm Art. 261 bis StGB Abs. 4, indem eine Gruppe von Personen wegen ihrer Rasse, Ethnie oder Religion in einer gegen die Menschenwürde verstoßenden Weise herabsetzt oder diskriminiert wird. «Die Aussagen von Herrn Schöni gründen in der Annahme, dass die Zugehörigkeit zur Minderheit der Roma und die Ausübung der fahrenden Lebensweise mit Kriminalität, Betrug und Bereicherung auf Kosten des Allgemeinwohls verbunden ist. Auf diese Weise wird eine ganze Gruppe diffamiert und herabgewürdigt», sagt Angela Mattli, Kampagnenleiterin Minderheiten und Diskriminierung bei der GfbV. «Es wird suggeriert, dass Roma per se eine kriminelle Neigung in sich bergen. Das ist rassistisch.»
«Es ist offensichtlich, dass die von Roland Schöni gemachten Äußerungen im St. Galler Tagblatt Vorurteile gegen Roma schüren und das feindselige Klima gegenüber fahrenden Minderheiten verstärkt», so Stefan Heinichen, Vorstandsmitglied des Verbandes Sinti und Roma Schweiz. «Es ist bedenklich, dass es salonfähig geworden ist, sich ganz offen abfällig über Roma, aber auch andere Minderheiten zu äußern. Read the rest of this entry »
Juni 2nd, 2018 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Der Schweizer Bundesrat hat gestern entschieden, das Gesuch um Anerkennung der Roma als nationale Minderheit im Rahmen der Minderheitenkonvention des Europarates abzulehnen. Schweizer Roma-Organisationen und die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) kritisieren diesen Entscheid scharf und prüfen weitere Schritte.
Gemeinsame Medienmitteilung der Gesellschaft für bedrohte Völker, Rroma Foundation, Romano Dialog, Verband Sinti und Roma Schweiz, Rroma Jam Session Art Kollektiv und Roma Visionen konkret, 1.6.2018:
Heute hat der Bundesrat das Gesuch Schweizer Roma-Organisationen um Anerkennung als nationale Minderheit abgelehnt. „Dieser Entscheid ist sehr bedauerlich“, kritisiert Stéphane Laederich, Executive Director der Rroma Foundation. „Es zeigt einmal mehr, dass Roma trotz jahrhundertelanger Anwesenheit in der Schweiz noch immer als Fremdkörper wahrgenommen werden.“ Trotz Repression, Deportation und Verfolgung sind Roma seit über 600 Jahren ein Teil der Schweizer Realität. Die erste Ankunft von Roma auf Schweizer Territorium ist in Zürich im Jahr 1418 dokumentiert. Von 1471 bis 1972 erneuerte die Schweiz immer wieder die angeordneten Einreisesperren gegen die Roma. Trotzdem sind Roma seit Jahrhunderten in der Schweiz präsent, viele davon ohne sich als Roma erkenntlich zu geben.
Minderheiten werden gegeneinander ausgespielt
2016 anerkannte der Bundesrat die Sinti (Anm. d. dROMa-Red.: und die Jenischen; damit wurde der vorherige Sammelbegriff „Fahrende“ ersetzt) unter ihrer Selbstbezeichnung als nationale Minderheit an. Sinti sind eine Teilgruppe der Roma, die – wie viele andere Gruppen (Kalderascha, Lowara und andere), ihren eigenen Gruppennamen bevorzugen. „In Anbetracht der historischen Verbindung dieser beiden Gruppen und der gemeinsamen Sprache Romanes ist es nicht nachvollziehbar, warum die Sinti, nicht aber die Roma von der Schweiz als nationale Minderheit anerkannt werden“, sagt Kemal Sadulov, Präsident des Vereins Romano Dialog. „Mit dem heutigen Entscheid des Bundesrates werden einmal mehr Minderheiten gegeneinander ausgespielt. Das ist diskriminierend.“
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März 28th, 2018 |
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Dokumente & Berichte, Politik, Rassismus & Menschenrechte
The Wall of Anti-Gypsyism – Roma in Western Balkans
Antiziganismus am Westlichen Balkan – Publikation der Menschenrechtsorganisation „Civil Rights Defenders“
Die Menschenrechtsorganisation „Civil Rights Defenders“ hat kürzlich mehrere Berichte zur Situation der Roma in den Staaten des Westlichen Balkan (Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien) vorgelegt: einen Überblicksbericht sowie Länderberichte zu den einzelnen Ländern.
Civil Rights Defenders stellte fest, dass es zwar zu Verbesserungen in einigen Bereichen gekommen ist, ein systemischer Wandel ist aber bis jetzt weder erreicht worden, noch ist ein solcher Wandel in Sicht. Diskriminierung und andere Ausdrucksformen von Antiziganismus bestimmen weiterhin das Leben der Roma. Für einen beträchtlichen Teil der Roma blieb Migration der einzige Ausweg, der Diskriminierung zu entkommen und die einzige Aussicht auf ein besseres Leben. Nach Schätzungen haben zwischen 2008 und 2016 über 200.000 Roma aus den Ländern des Westlichen Balkans Asyl in einem der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union beantragt. Dies entspricht 20 Prozent der gesamten Roma-Bevölkerung im Westlichen Balkan.
Eine Verbesserung der Situation der Roma könnte nur dann erreicht werden, wenn der Antiziganismus als tatsächlicher Grund für die Lage der Roma anerkannt und entsprechend bekämpft würde. Dazu können sich aber weder die Regierungen im Westlichen Balkan noch die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union – mit der Ausnahme des Europaparlaments, das im November auch Stellung zum Antiziganismus im Westlichen Balkan genommen hat – entschließen. Die Anerkennung und Bekämpfung des Antiziganismus stellt aber die Grundvoraussetzung dar, um die Lage der Roma im Westlichen Balkan zu verbessern.
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