Griechenland: 13-Jährige erschossen
Juni 7th, 2018 | Published in Rassismus & Menschenrechte
In der Kleinstadt Amfissa in der Region Mittelgriechenland (Großgemeinde Delfi) wurde am Montagabend vor einer Roma-Siedlung ein Mädchen namens Yannoula getötet. Die junge Romni wurde tödlich am Kopf getroffen. Ein ca. 35-jähriger Mann erlitt eine Schussverletzung am Bein und wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Laut Medienberichten handelt es sich bei dem Mann um den Vater der 13-jährigen. Der mutmaßliche Täter soll ein 34-jähriger Fleischhauer aus dem benachbarten Dorf Viniani sein, dessen Geschäft in Amfissa liegt. Der Mann ist flüchtig und soll sich laut Polizei im umliegenden Gebirge versteckt halten.
Nach seiner Flucht haben Roma aus der Siedlung den Laden und den Wagen des mutmaßlichen Täters demoliert. Eine Gruppe von Roma versammelte sich spontan zu einer Demonstration im Zentrum der 8.000 Einwohner zählenden Stadt. Die Kundgebung verlief friedlich und ohne Zwischenfälle. Die Lage in der Stadt ist jedoch sehr angespannt. Nach dem Begräbnis am Mittwoch blockierten Roma eine Straße mit brennenden Autoreifen, um Gerechtigkeit zu fordern. Um eine weitere Eskalation zu verhindern, wurden Polizeikräfte aus der Umgebung nach Amfissa beordert.
Der Hintergrund des Vorfalls konnte bislang nicht geklärt werden, in den griechischen Medien kursieren widersprüchliche Gerüchte. So soll der Gewalt ein Streit der Roma mit dem Griechen wegen dessen gefährlicher Fahrweise auf der Straße vor dem Camp vorangegangen sein, die spielende Kinder in Gefahr gebracht habe. Einer anderen Version zufolge soll der Fleischhauer den Vater des erschossenen Mädchen bzw. Roma aus der Siedlung eines Einbruchs verdächtigt und zur Rede gestellt haben. Infolge des Streits habe der Grieche sein Jagdgewehr geholt und geschossen. Laut Polizeiangaben gibt es jedoch keinerlei Hinweise auf einen vorangegangenen Einbruch. Es liege auch keine diesbezügliche Anzeige vor.
Am Dienstag wurde ein 40-jähriger Angestellter des Metzgers verhaftet. Er soll den mutmaßlichen Täter in dessen Auto zum Roma-Camp begleitet und diesen nicht an der Tat gehindert haben. Der albanische Staatsbürger beteuert, dass er bei dem Vorfall nicht anwesend war.
Die Roma-Siedlung soll demnächst aufgelöst und die Roma in bessere Unterkünfte an einem anderen Platz verbracht werden.
(dROMa | Quellen: hier, hier und hier)