Tagung „Gewalt gegen Minderheiten“ in Jena
August 18th, 2018 | Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Konferenz des IDZ „Gewalt gegen Minderheiten: Internationale Perspektiven und Strategien zum Umgang mit Hasskriminalität“
Fachtagung am 20. & 21. Sept. 2018 in Jena
Begrenzte Plätze! Anmeldung bis 23.8.2018.
Eine wichtige Tagung zu einem wichtigen Thema. Seltsam nur, dass die europäische Minderheit, die derzeit wie keine andere mörderischer Gewalt und Pogromen ausgesetzt ist (in den letzten Wochen etwa hier, hier, hier, hier und hier), weder in der Ankündigung noch im Programm konkret genannt wird: Roma nämlich. Darauf angesprochen, schreiben die Veranstalter: „Der Schwerpunkt der Tagung liegt auf Deutschland. Es ist vorgesehen, mit Onur Özata, der als Rechtsanwalt u.a. Sinti vertritt, die zum Opfer von Gewalt wurden (bspw. beim OEZ-Anschlag in München [wir berichteten]), auch auf Antiziganismus einzugehen.“
Im Folgenden der Ankündigungstext des IDZ:
Neun Menschen aus Einwandererfamilien und eine Polizistin tötete der in Jena entstandene „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) – ohne dass Behörden und Gesellschaft die Motive des Terrors erkannten. Von 193 Todesopfern rechter Gewalt, die die Amadeu Antonio Stiftung zählt, sind nur 83 staatlich anerkannt. In Deutschland gab es im Jahr 2017 nach Erhebungen der Amadeu Antonio Stiftung und von Pro Asyl 1.713 Übergriffe gegen Geflüchtete oder ihre Unterkünfte. Im gleichen Jahr erfasste die Polizei insgesamt 1.453 antisemitische Delikte. In beiden Fällen sind das durchschnittlich täglich mehr als vier Straftaten dieser Art. Zahlen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) zeigen: 2017 wurden mindestens 17 wohnungslose Menschen getötet. Deutsche Behörden registrierten 2017 300 Straftaten gegenüber LSBTTIQ* aufgrund ihrer sexuellen Orientierung. All die Beispiele haben gemeinsam: Bei diesen Vorfällen handelt es sich um Gewalt gegen Minderheiten, wobei die Statistiken nur das bekannte Hellfeld abbilden – das Dunkelfeld ist größer.
Antisemitische, rassistische, homo-und transfeindliche, obdachlosen- und behindertenfeindliche Straftaten fordern den gesellschaftlichen Zusammenhalt heraus. Wie können gesellschaftlich stigmatisierte und dadurch besonders gefährdete Gruppen gestärkt werden? Wie kann gruppenbezogene Gewalt erkannt und verhindert werden? Zentrales Anliegen der bundesweiten Fachkonferenz ist es, internationale Sichtweisen und Erfahrungen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen in Bezug auf Gewalt gegen Minderheiten zu verbinden und zu diskutieren.
Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft von Georg Maier, dem Thüringer Minister für Inneres und Kommunales. Die Veranstaltung ist als Bildungsveranstaltung nach dem Thüringer Bildungsfreistellungsgesetz auf dem Gebiet der gesellschaftspolitischen Bildung anerkannt.
Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft
Talstr. 84, 07743 Jena
Tel.: +0049 3641 2719403
E-Mail: hatecrime-konferenz@idz-jena.de
(Text: IDZ Jena)