Archive for Dezember, 2020

Die Kinder wollen das schaffen

Dezember 30th, 2020  |  Published in Einrichtungen, Interview, Jugend & Bildung, Romani, dROMa (Magazin)

FARAJNISKERO DSCHENO: O Josef Schmidt la tschavengera heftlinaha „MiniMulti“ taj la „dROMaha“Im Gespräch:

Josef Schmidt über die Bildungsarbeit von Roma-Service

In den Vereinsräumen in der Evan­ge­li­schen Kirchen­gasse in Oberwart herrscht rege Betrieb­samkeit. Hier findet von Mon­tag bis Freitag die Lern­betreuung für Roma-Kin­der statt. Seit vier Jahren schon stemmt der „Verein Roma-Ser­vice“, neben einem Bün­del ande­rer Akti­vi­täten, nun auch diese Auf­gabe. Bildungs­arbeit wird zu­nehmend zum Herz­stück des Vereins. Was das konkret be­deutet und warum das Burgenland hier die Nase vorn hat, er­zählt Josef Schmidt.

dROMa: Bildungsarbeit spielt bei „Roma-Service“ ein gro­ße Rolle. Mit wel­chen ak­tuel­len Pro­jekten seid ihr be­fasst?
J. Sch.: Was immer läuft, ist die Lernbetreuung. D.h. die Kinder werden jeden Tag von Montag bis Freitag nach der Schule abgeholt, kommen zu uns ins Vereinslokal. Und dann werden mit den beiden Lernbetreuerinnen die Aufgaben gemacht, die Vorbereitung für Schularbeiten und Tests. Dazu kommt Freizeitpädagogik, es wird gebastelt, es wird gesungen, es wird gespielt. Oder Plakate gestaltet zu Themen, die gerade anfallen. Und Feiern gibt es auch ab und zu. Wenn es die Zeit zulässt, machen wir auch ein bisschen Roman (Anm.: Burgenland-Romani), so nebenbei. Wir reden es zumindest, dass sie es hören und auch verstehen. Oder wir singen auf Roman, aus unserem Liederbuch. Jetzt mit Corona ist natürlich vieles anders.

Wie war das in den letzten Wochen?
Mit dem Lockdown waren die Schule ja wieder zu. Die Kinder haben online von der Schule ihre Aufgaben bekommen, einen Wochenplan mit Aufgaben in den verschiedenen Fächern. Und das mussten sie ausdrucken und bearbeiten. Und dafür sind sie vormittags zu uns gekommen, und dann waren sie da, so lange sie brauchen.

D. h. wenn die Schulen zu sind, bietet ihr Ersatz?
Genau, die Stunden, die sie normal in der Schule wären, sind sie dann bei uns, und wir machen mit ihnen die Aufgaben. Das wird alles hier erledigt. Normalerweise machen das die zwei Kolleginnen. Und wenn wirklich Not am Mann ist, bin ich auch da. Ich mache zusätzlich noch die „Intensivlernbetreuung“ – wenn die Kinder einmal mehr Unterstützung brauchen. Da kommen sie entweder auch her, oder manchmal, das sind eher die Älteren, schicken sie ihre Übungen auch online oder rufen uns an und sagen, ich kenne mich da nicht aus. Es haben ja fast alle einen PC daheim. Und wir erklären es ihnen oder geben ein Feedback. Und natürlich gibt es auch den Kontakt der Lernbetreuerinnen mit den Lehrkräften.

Die Verbindung mit der Schule bleibt immer aufrecht?
Ja, immer! Das ist schon gut, diese Brückenfunktion und dass wir eine Vermittlerrolle einnehmen. Weil in manchen Haushalten sind drei oder vier Kinder. Das ist dann schon anstrengend. Und man hat dann sicher nicht vier Computer daheim. Da ist es gut, wenn der Großteil zu uns kommt. Und sie kommen ja auch gern und pünktlich.

Burgenland ist ein Modell

Wie hat das begonnen?
Als der „Verein Roma“ aufgehört hat, haben wir die Lernbetreuung übernommen, da sind wir damals nach Oberwart in die Büroräumlichkeiten in der Evangelischen Kirchengasse gezogen. Das war 2017 im Jänner. Und gleich nach den Semesterferien sind schon die Kinder gekommen. So haben wir angefangen. Wir sind eingesprungen, weil es ist schon sehr wichtig, das Projekt. Damit die Kinder die Möglichkeiten haben wie alle anderen auch: dass sie auch höhere Schulen besuchen oder einen Beruf erlernen.

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O tschave ada te schofinel kamna

Dezember 29th, 2020  |  Published in Einrichtungen, Interview, Jugend & Bildung, Romani, dROMa (Magazin)

FARAJNISKERO DSCHENO: O Josef Schmidt la tschavengera heftlinaha „MiniMulti“ taj la „dROMaha“Ando vakeripe:

Josef Schmidt pedar i si­ka­di­pes­ke­ri buti le fa­raj­nistar Ro­ma-Ser­vice

Ando farajniskere khera andi masuni khan­gera­keri gaslina Erbate but kerdo ol. Adaj hetvi­natar dschi para­schtu­jate, o sikaji­pes­kero pomo­schago le Romen­ge­re-tscha­venge del. Sajt schtar berscha imar o „farajn Roma-Ser­vice“, pa­sche o avre akti­vi­tetscha, akan te aja buti kerel. I sika­dipes­keri buti mindig bute­der uso vodschis­kero falato le faraj­nistar ol. So ada butschol taj soske o Burgenland adaj angle hi, phu­kal o Josef Schmidt.

dROMa: Sikadipeskeri buti uso „Roma-Service“ jek bari­ka­no than and lel. Saj ak­tu­jeli pro­jekti del?
So mindig naschel, hi o sikajipeskero pomoschago. Ada butschol, o tscha­ve sako di, hevti­natar dschi pa­raschtu­jate pal i ischkola tel hulim on, use amenda ando faraj­niskero kher an. Taj akor le duj sika­ji­pes­kere meschterkijenca o butja kerde on taj te le tel­schu­ni­pes­kere but­jenge siklim ol. Use al i naphand­li­pes­keri peda­gogik, kaj mindenfelitike koji kerde on, kaj dschi­lado ol, kaj kheldo ol. Vaj pla­katscha use temtscha kerde on, save pe­kamle hi. Taj te mula­tin­tschage del, te le aun pele. Taj te le i cajt use mukla, te eknaj Roman keras, pasche o avre butja. Amen vakeras, kaj on le te schunen taj kaj le te hajon. Vaj amen andi Romani tschib dschi­lavas, andar amari dschi­lakeri kenva. Akan la Coro­na-pan­de­mijaha, sa eknaj avrijal hi.

dROMa: Sar ada ando lejcti ku­re sina?
Le lockdowniha o ischkoli papal use tschapim sina. O tschave online la isch­ko­latar pumare butja usch­tidine, jek kur­kos­kero plan le butjenca ando min­den­fe­litike falati. Taj oda iste on ar dumin­de taj iste le kise­tinde. Taj vascho­da angloplane use amen­de ale, taj akor adaj le sina, dschimeg sa kise­tinde.

dROMa: Ada butschol te o ischkoli use ule, akor use tu­men­de schaj an?
He, o ori, save on ando ischkoli iste ovnahi, akor use amen­de hi le, taj amen lenca len­gere butja keras. Ada sa adaj kerdo ol. Ada mindig mre duj ko­legkiji ke­ren. Ham te tscha­tschi­kan pomo­schago pe­kamlo hi, akor te me le tscha­venca buti kerav. Me pasche mri buti te o „inten­sivi sikaji­pes­kero pomo­schago“ kerav – hat te le tscha­venge jefkar bute­der jek pomo­schago pe­kamlo hi. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (336)

Dezember 28th, 2020  |  Published in Facts & Figures

Laut Zensus von 2011 le­ben in Aus­tra­li­en 776 Ro­ma. Ro­ma-Ver­tre­ter schät­zen die tat­säch­li­che Zahl auf 20-25.000.

(Quelle)

dROMa 60: „Bildung | Sikadipe“

Dezember 26th, 2020  |  Published in Jugend & Bildung, dROMa (Magazin)

Themenheft BILDUNG | Temakeri heftlina SIKADIPE: dROMa 60 (4/2020)Winter | Dschend 2020
Themenheft Bildung | Temakeri heftlina Sikadipe

Download (PDF) | Inhalt

Die Fortschritte waren enorm, nicht zuletzt dank der kon­ti­nu­ier­li­chen Arbeit der Roma-Or­ga­ni­sa­tio­nen: Im dROMa-Ge­spräch, das diese Themen­aus­gabe er­öffnet, zieht Josef Schmidt eine erfreu­liche Bilanz über die Bildungs­situation der Roma im Burgenland. Eine Schlüssel­rolle spielt hier auch der „Verein Roma-Ser­vice“. Andern­orts hin­gegen wirft man Roma-Kin­dern noch immer Knüppel zwi­schen die Beine. Zum Bei­spiel in der Slowakei: Miros­lava German Širotníková schil­dert die Schul­situation in unserem Nachbar­land, wo Segregation, mehr noch als anderswo, an der Tages­ordnung ist. Den Artikel be­gleiten einige Kinder­porträts aus slowa­ki­schen Roma-Sied­lungen, die uns die Fotogra­fin Paula Kentošová zur Ver­fügung ge­stellt hat. Welche rich­tungs­wei­senden Urteile der Euro­päi­sche Men­schen­rechts­gerichts­hof (EGMR) zum Thema ge­fällt hat, hat Roman Urbaner für Sie recher­chiert. Und an­schlie­ßend blicken wir noch ein­mal zurück auf die Ge­scheh­nisse in der ungari­schen Ge­mein­de Gyöngyös­pata: Im Früh­jahr ging ein Gerichts­marathon über die ethnisch ge­trenn­ten Klassen der Dorf­schule spekta­kulär zu Ende.

O resultatscha latsche sina, taj ada, vasch i but ber­schen­geri latschi buti le Romen­gere-or­ga­nisa­cijendar: Ando dROMa-va­keripe, savo adala te­maha pradim ol, o Josef Schmidt jek loschan­di bilanca pedar i sika­dipes­keri situa­cija le Romen­dar ando Burgenland cidel. Jek barikano falato khelel adaj te o „Farajn Roma-Service“. Ande avre vilagi le Ro­menge­re-tscha­venge meg mindig doron­gi masch­kar o pre tschidim on. Afka sar andi Slo­vaki­ja: I Miroslava German Širotníková phu­kal pedar i isch­kolakeri situa­cija ande amaro noch­beriskero vilago, kaj segre­gacija, buteder sar ande avre vilagi, upro diveseskero plan terdschol. Le pisinipe poar tschavengere kipi andar slo­vakiti­ke Romen­ge­re-sid­lung­tscha vodinen, save amenge i kipen­geri ke­rasch­kija Paula Kentošová prik dija. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (335)

Dezember 22nd, 2020  |  Published in Facts & Figures

Bei der Volkszählung 2018 de­kla­rier­ten sich 132 Per­so­nen in Neuseeland als Roma („Ethnic group: Gypsy“).

(Quelle [.zip-File])

ECRI pisinipe usi Slovakija

Dezember 21st, 2020  |  Published in Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte

ECRI Report SlovakiaNeuer ECRI-Bericht kritisiert Slowakei

European Commission against Racism and Intolerance / Council of Europe  (ed.): ECRI Report on the Slovak Republic. Sixth mo­ni­to­ring cycle (adop­ted on 1 Octo­ber 2020), Strassbourg, 8 De­cem­ber 2020 →Download (pdf)

I antirasismus komisijona le europitike rotistar (European Com­mis­sion against Racism and Into­lerance/ECRI) ando 8to decem­beri – pal schov berscha – pro nevo thaneskero pisi­nipe pedar i Slo­vakija angle basch­lartscha. Jek centrali kriti­kakero punkto ande hi o mindig aun likerdo teldschu­mi­nipe le Romen­dar ando sika­di­peskero koja. Jefkar buter o pisi­nipe o man­gipe sikal, hot o argra­nicalipe le Ro­men­gere-tscha­vendar ande bibasta­leder Romen­gere-isch­koli, kise­tim te ol. Aja et­nischi segre­gacija ando putrimo ulaji­pe le isch­kolakere schpren­ge­lendar duach o lokali biro­votscha­ge dim hi. Te ada na kisetim ulo, akor iste i re­girung lendar aja kom­petenca bejg lel. Butvar kriti­sirim ol i praksis, kaj saste Romen­ge­re-tschave mindschart andi son­derschul, savi le goda­kere nasvale tscha­venge hi, and dim on. Roma andi Slovakija pantsch­var bute­der ande asaj ischkoli peren, sar avre tschave. Peder ari mangel i ECRI, hot o Romengere-tschave feder sikade te on, anglo­da on andi ischkola phiren. Tschave, save Romani vakeren, imar ande anglutne ischkoli, i slova­kitiki tschib te siklon. Vaschoda le mesch­terkijen taj mesch­tertschen schpe­cijeli arsik­lipe hi, taj te ajgeni sika­jipeskere materi­jal­tscha iste kerde ovnahi. Ojs positivi o pisinipe o aunter­dscharipe le Romen­ge­re-isch­kolakere asis­ten­tendar taj o sikaj­peskero pomo­schago ande grup­nake­re-centren, angle asdija. O finan­ci­rinipe upre jek dugi cajt iste delahi.

Die Antirassismuskommission des Europarats (Euro­pean Com­mis­sion against Racism and In­to­le­rance/ECRI) hat am 8. De­zem­ber – nach sechs Jahren – ihren neuen Länder­bericht über die Slowakei vor­ge­legt. Ein zentraler Kritik­punkt darin ist die fort­dauernde Benach­teili­gung von Roma im Bildungs­wesen. Einmal mehr wieder­holt der Bericht die Forderung, die schuli­sche Aus­gliederung von Roma-Kin­dern in schlechter aus­ge­stat­tete Roma-Schulen zu be­enden. Read the rest of this entry »

Digitales Gedenken: 78 Jahre „Auschwitz-Erlass“

Dezember 19th, 2020  |  Published in Geschichte & Gedenken

Gedenkveranstaltung für die Opfer des NS-Völ­ker­mordes an den Sinti und Roma in der Ge­denk­stätte Sach­sen­hausen

Am 16. Dezember 1942 ordnete Heinrich Himmler die Deportation von Sinti und Roma aus ganz Euro­pa nach Auschwitz-Bir­kenau an. An­läss­lich des 78. Jah­res­tages von Himm­lers „Auschwitz-Er­lass“ er­innert der Zentral­rat Deutscher Sinti und Roma ge­meinsam mit der Gedenk­stätte Sachsen­hausen an die Opfer des na­tio­nal­sozialis­ti­schen Völker­mordes an den Sinti und Roma. Da das Gedenken auf­grund der Maß­nahmen zur Corona-Prä­vention nicht vor Ort statt­finden kann, wurden eine Kranz­nieder­legung in der Gedenk­stätte Sachsenhausen so­wie An­spra­chen von Romani Rose (Vor­sitzen­der des Zentral­rates Deut­scher Sinti und Roma), Dietmar Woidke (Minister­prä­sident des Landes Brandenburg) und Axel Drecoll (Di­rek­tor der Stiftung Branden­burgische Gedenk­stätten) im Vor­feld digital auf­ge­zeichnet. Am Mitt­woch, 16. Dezem­ber 2020, um 12.00 Uhr wurden die Beiträge auf der Internet­präsenz des Zentral­rats und der Gedenk­stätte Sachsen­hausen und auf den So­cial-Me­dia- und YouTube-Ka­nälen bei­der Ins­ti­tu­tionen ver­öffentlicht.

(Text: Zentralrat)

Facts & Figures (334)

Dezember 18th, 2020  |  Published in Facts & Figures

Eine Er­he­bung des staat­li­chen brasil. Sta­tis­tik­ins­ti­tuts IBGE ver­zeich­nete Ro­ma-Sied­lun­gen in 291 Städ­ten Bra­si­li­ens.

(Quelle)

„Wir sind doch keine Hunde“

Dezember 17th, 2020  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

DreyecklandInterviews: Roma auf den Straßen Freiburgs

Radio Dreyeckland, 15.12.2020 (8:39 min)
→Anhören (mp3)

Im Winter ist das Leben auf der Straße hart und jeder Tag ist eine Heraus­for­de­rung. Neben mar­gi­nali­sie­renden Vor­urteilen kommt es oft auch zu un­beque­men Begeg­nungen mit den örtli­chen Auto­ritä­ten. Das freie Radio Dreyeck­land hat in Deutschland mit drei Männern aus Rumänien ge­spro­chen. Sie sind Roma und leben in der Freiburger Innen­stadt. Über sie wurde in Freiburg in dies­em Jahr immer wieder diskutiert. Hier kom­men die, die an­sonsten keine Stimme be­kommen, selber zu Wort. Im Gespräch er­zähl­ten sie uns unter ande­rem von ihrem Leben auf der Straße im Corona­winter 2020.

(Text und Sendung: rdl.de)

Rezension: Dreimal spucken

Dezember 14th, 2020  |  Published in Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, dROMa (Magazin)

Das Roma-Mädchen Loretta: „Und ihr Blick erst. Sie starrt dich an, aber ohne Neugierde. Als würde sie nichts mehr erwarten. Weder von dir noch von sonst jemandem. Nur die triefende Nase und wie sie manchmal ihre Hände bewegte, verrieten ihr wahres Alter. Ein greises Kind, so wirkte sie.“ Seitenansicht aus dem italienischen Comicroman „Dreimal spucken“ von Davide Reviati (erschienen im Avant-Verlag, 2020)Ein Bilderroman aus Italien

Beinahe wäre Davide Reviati mit diesem Comicband ein meis­ter­haft ge­zeich­ne­tes und er­zähl­tes Glanz­stück die­ses Genres ge­lun­gen. Doch er ver­knüpft die Er­in­ne­run­gen an eine ita­lie­ni­sche Jugend mit der Ge­schich­te der Roma. Einem Thema, dem die Er­zählung dann doch nicht ganz ge­wach­sen ist.

Es ist ein Buch voller Schatten, flirrender Traumgebilde, un­sicherer Böden. In der Graphic Novel des italie­nischen Zeichners Davide Reviati, die nun auch in deutscher Über­setzung vorliegt, flie­ßen Realismus und alb­traum­hafte Sequenzen un­entwegt ineinan­der. Und nicht im­mer ist klar, wo das eine endet und das an­dere beginnt.

In dem fast 600 Seiten starken Buch erzählt Reviati eigent­lich gleich zwei Ge­schichten: Da ist zum einen die auto­biogra­fisch inspi­rierte Schil­derung eines Heran­wachsens in der nord­italieni­schen Provinz, irgend­wann in den 1960er oder 1970er Jahren, in einer kleinen Ortschaft, wo die Kinder auf den Feldern herum­tollen und die Jugend­lichen die Zeit mit Gin und Joints tot­schlagen. Im Mittelpunkt der Handlung stehen die Berufs­schüler Guido, Grisù und Katango, die mit ihrem Leben nichts recht an­zu­fangen wissen. Im Unter­richt lassen sie sich nur selten blicken, statt­dessen kiffen sie unten am Fluss, zie­hen durch die Dorf­diskos oder spie­len Billard in der Bar.

Ist doch scheißegal
Und da ist zum anderen die Geschichte der spannungs­geladenen Begeg­nun­gen mit einer Roma-Fa­mi­lie aus Slowenien, die sich am Orts­rand in einem ver­fallenen Bauern­haus nieder­gelassen hat. Im Dorf selbst will man von den „Zigeunern“ nichts wissen. Man kennt einander, aber man hält sie auf Distanz, ver­weist sie unwirsch auf ihren Platz, draußen vor dem Dorf. „Mehr weiß ich nicht, und das ist noch zu viel“, konsta­tiert der Erzähler ein­mal: „Ist doch scheiß­egal. Zigeuner eben, was braucht man da zu wissen?“

Viel erfährt man auch vom Roma-Mädchen Loretta nicht. Sie be­gegnet den Lesern immer nur aus der Perspek­tive der Jugend­lichen, die ihr mal ver­ächtliche, mal be­gehrliche Blicke hinter­her­werfen. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (333)

Dezember 13th, 2020  |  Published in Facts & Figures

96 % der griechischen Roma sind ar­muts­ge­fähr­det (un­ter 60 % des Me­di­an­ein­kom­mens).

(Quelle)

Podcast: Selbstbewusstsein von Sinti und Roma

Dezember 12th, 2020  |  Published in Internet & Blogothek, Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Falter RadioFalter Radio #436:
Das moderne Selbstbewusstsein von Sinti und Roma

Folge vom 12.12.2020

→Anhören (45 min)

Rund 12 Millionen Sinti und Roma leben in Europa. Seit vielen hun­dert Jahren sind die Volks­gruppen hier zu Hause, und den­noch werde sie weiter­hin oft an den Rand der Gesell­schaft ge­drängt. Im Okto­ber hat die EU-Kom­mission einen neuen Zehn­jahres­plan zur Unter­stützung der Roma und Sinti auf den Weg ge­bracht. Wo gibt es auf politi­scher Ebene noch Hand­lungs­bedarf? Und wel­che Rolle spielt die Sprache und die Erinnerung an den Holocaust in der mo­der­nen Iden­tität von Roma und Sinti?

Im „Falter Salon“, dem Podcast für Stadt und Kultur, kommen Mirjam Karoly vom österreichischen Volks­gruppen­beirat der Roma, Schrift­steller Samuel Mago, Sängerin Dotschy Reinhardt und Anti­ziganis­mus-For­scher Frank Reuter im Ge­spräch mit Anna Goldenberg zu Wort. Diese Episode ent­stand in Zusam­men­arbeit mit dem Verein Voice of Diversity. Read the rest of this entry »

ORF: „Journalismus und Vielfalt“

Dezember 12th, 2020  |  Published in Medien & Presse, Radio, Podcast & TV

Moderator Marin Berlakovich mit Kollegin Silvana Meixner (Foto: ORF)„Heimat Fremde Heimat“
ORF 2: So., 13. Dez. 2020, 13.30 Uhr

Marin Berlakovich präsentiert das ORF-Magazin mit fol­gen­den Bei­trägen:

Journalismus und Vielfalt
Journalistinnen und Journalisten mit schwarzer Haut­farbe, Roma, die über Roma berichten, euro­päi­sche Fernseh­sender, die Sen­dungen er­schaffen, in denen Men­schen jeder Herkunft und Religion ak­tuelle inter­kulturelle Fragen aus­disku­tieren – das alles sind Phä­no­mene, wenn Medien­häuser auf die zur Normalität ge­wor­dene gesell­schaft­liche Diversität re­agie­ren. Der ORF-Mo­dera­tor Stefan Lenglinger be­richtet, warum auf ihm als Mo­dera­tor mit schwarzer Hautfarbe eine gro­ße Ver­ant­wor­tung lastet. Florian Klenk vom Stadt­magazin „Falter“ for­dert, dass die Medien in ihrer Be­setzung wie auch in ihrer Bericht­erstat­tung die ge­sell­schaft­li­che Diversität wider­spiegeln sollen. Medien­wissen­schaft­ler Fritz Hausjell zeigt auf, warum Men­schen aus den öster­rei­chi­schen Com­muni­ties als Jour­na­listin­nen und Journalisten neue Per­spek­tiven in die Bericht­erstattung ein­brin­gen kön­nen. Sabina Zwitter be­richtet.

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Facts & Figures (332)

Dezember 11th, 2020  |  Published in Facts & Figures

Eine brit. Studie legt einen Zu­sam­men­hang ver­mehr­ter Sui­zi­de von Ro­ma & Tra­vel­lers mit stig­ma­ti­sier. TV-For­ma­ten über „Gyp­sies“ nahe.

(Quelle)

Eröffnung des Festivals „Diaspora Europa“

Dezember 10th, 2020  |  Published in Internet & Blogothek, Kunst & Fotografie, Musik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Diaspora Europa 2020Eröffnung: „Diaspora Europa“ zum Tag der Menschenrechte
Live-Stream, 10.12.2020, 18:30–19:20 Uhr

Am 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Men­schen­rechte, lädt das Euro­pean Roma Insti­tute for Arts and Culture (ERIAC) zusam­men mit der Volksbühne Berlin zur Er­öff­nung des Festi­vals „Diaspora Europa“ und zur Ver­leihung des Deutsch-Fran­zö­sischen Preises für Menschen­rechte und Rechts­staat­lich­keiteein. Aus der Volks­bühne wer­den die Er­öff­nungs­reden und eine Pre­view auf das „Sin­ti_ze Jazz“-Kon­zert live über­tragen.

Diaspora Europa:
Online am 10.12.2020 und 27.01.2021. Kuratiert von Shelly Kupferberg und Tímea Junghaus, in Ko­opera­tion mit dem Euro­pean Roma Ins­titute for Arts and Cul­ture e. V. (ERIAC)

Allesamt haben sie eine Geschichte in Europa und sind Teil und Kultur dieses Kon­ti­nents. Doch glei­cher­maßen vereinen sie auch Aus­grenzung, Dif­ferenz­erfah­rungen, Ver­klärung und Dif­famie­rung: „Dias­po­ra Europa“ ver­eint unter­schied­liche zeit­genös­si­sche Per­spek­tiven von Romnja und Roma, Sin­tezze und Sinti und Jüdin­nen und Juden auf das Hier und Jetzt.

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Zu Hause bleiben, wo man nicht zu Hause ist

Dezember 10th, 2020  |  Published in Einrichtungen

Coronazeiten im Grazer ViniNest (Foto: Markus Lösel)Die Pandemie stellt das Grazer VinziNest vor be­son­de­re Heraus­for­de­run­gen. Ne­ben dem Ein­hal­ten stren­ger Hygie­ne-Maß­nah­men muss mit dem stei­gen­den emo­tio­na­len Druck der Be­wo­hner um­ge­gan­gen wer­den.

Markus Lösel/www.annenpost.at:
Stephan Steinwidder ist Mit­begrün­der des Kälte­telefons in Graz, einer Initia­tive, durch die An­ru­fer/in­nen bei Be­obach­tung von frieren­den Obdachlosen Le­ben ret­ten kön­nen. Seit über einem Jahr lei­tet er auch das VinziNest in der Kern­stock­gasse 14 und ist somit Nach­folger des legen­dä­ren August „Gustl“ Eisner. Dieser hatte die Not­schlaf­stelle im Jahr 1992 ge­mein­sam mit Pfar­rer Wolfgang Pucher von der Vinzenz­gemein­schaft ge­grün­det. In der Notschlafstelle küm­mern sich sein Team und er um männ­li­che Migranten, die von Armut be­trof­fen sind und kei­nen Platz zum Schlafen ha­ben. „In unse­re Ein­richtung kom­men Män­ner aus rund 26 Nationen. Die meis­ten von ihnen sind Roma aus der Slowakei oder Rumänien. Unser jüngs­ter Be­woh­ner ist 18 Jahre alt, unser ältes­ter 85“, sagt Stein­widder. Anders als sonst hat die Ein­richtung aktuell für ihre Klienten rund um die Uhr ge­öffnet. Denn Men­schen ohne fixe Bleibe haben es in Zeiten mit Aus­gangs­be­schrän­kungen natür­lich be­sonders schwer.

Corona-Konzept funktioniert
„Bitte Abstand halten und Hände desinfizieren“, steht auf eini­gen Schildern im Ein­gangs­bereich des VinziNests ge­schrieben. Neben der deutschen Version ist dieser Hinweis auch in unzähligen ande­ren Sprachen zu lesen. Read the rest of this entry »

Tagungsband „Antiziganismus und Film“

Dezember 8th, 2020  |  Published in Film & Theater, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Antigypsyism and FilmRadmila Mladenova et al. (Hrsg.): Antigypsyism and Film / Antiziganismus und Film, Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2020.

Der von Radmila Mladenova, Tobias von Borcke, Pavel Brunssen, Markus End und Anja Reuss heraus­ge­ge­be­ne Band „Antigypsyism and Film / Anti­ziga­nis­mus und Film“ ist im Buch­handel er­schie­nen und auch on­line als pdf er­hältlich und kann als html-Ver­si­on ge­lesen wer­den: →zum Buch

Der Band dokumentiert die internationale Fachtagung, die der Zentral­rat Deutscher Sinti und Roma in Ko­opera­tion mit der Gesell­schaft für Anti­ziga­nis­mus­forschung vor der Berlinale im Febru­ar 2018 in Berlin durch­ge­führt hatte (wir berichteten). Un­mittel­barer Anlass war die Aus­strah­lung des Films „Nellys Abenteuer“, den der Zentral­rat als mas­siv anti­ziga­nis­tisch kriti­siert hatte, der aber gleich­wohl von KIKA und SWR ge­sendet wurde (mehr hier und hier).

Zum Tagungsband: Antiziganismus ist für das europäische Auge so nor­mal, dass kaum jemand auf die Idee ge­kom­men ist zu fragen, warum ‚Zigeu­ner‘ im Film immer, meta­pho­risch oder nicht so me­ta­pho­risch, als ,schwarz‘ dar­gestellt wer­den sollten. Zigeuner­feind­lich­keit ist für die Leinwand so selbst­ver­ständ­lich, dass Filme­macher nicht zögern, ihre Wahl mit drama­tur­gischen Ar­gu­men­ten zu recht­fer­tigen. Read the rest of this entry »

Ungriko: „Translanguaging Classrooms“

Dezember 7th, 2020  |  Published in Jugend & Bildung, Romani

Das eigene Sprachvermögen der Kinder als Dreh- und Angelpunkt des Erfolgs – das Projekt „Translanguaging Classroom“ in Ungarn (Foto: translangedu.hu)Dajakeri tschib te ojs siklipeskeri tschib: O pro­jek­to „Trans­lan­gua­ging Class­room“

Muttersprache auch als Lernsprache: das Pro­jekt „Trans­lan­gua­ging Class­rooms“

Bislang war Romani im Unterricht verpönt. „Trans­lan­guaging Class­room“, ein Pro­jekt im ost­ungari­schen Tiszavasvári, setzt nun aber in einem segrega­tiven Schul­umfeld bei der Mutter­sprache der Kinder an. Um Dis­krimi­nierung ent­gegen­zu­wirken, sollen die Kinder aus ihrem ge­samten sprachli­chen Repertoire schöpfen kön­nen: Romani wird in den Schul- und Lern­alltag in­tegriert. Dazu müs­sen Kinder, Eltern und Lehr­kräfte radikal um­denken. „Trans­languaging Class­room“ er­mög­licht so eine offenere Schul­atmos­phäre und Erfolgs­erleb­nisse. In Klassen, wo diese sprach­pädagogi­sche Haltung bereits um­gesetzt wird, werden schnell Ver­bes­serungen sicht­bar: Die Schüler sind moti­vierter, agieren sozial kom­petenter, ihr Sprach­vermögen wird besser. Kinder wer­den akti­viert, die bisher in der Schule ver­stummen, weil sie mit Ungarisch nicht zurecht­kamen. Sie waren ge­wöhnt, dass ihre Mutter­sprache außer­halb ihrer Familien un­erwünscht ist. Die Auf­wertung ihrer zu Hause ge­spro­chenen Sprache stärkt nun Selbst­wert, Selbst­bestimmung und gesell­schaft­liche Ak­zeptanz. Das Projekt wurde vor zwei Jahren in Wien mit dem Preis „SozialMarie“ der „Unruhe Privat­stiftung“ aus­gezeichnet.

Dschijakana Romani ando sikajipe tabu sina. „Trans­lan­gua­ging Class­rooms“, jek pro­jek­to ando ostiti­ko ung­riko Tiszavasvári, akan ham ande jek segre­ga­tivi isch­ko­lakero than usi daja­keri tschib le tscha­vendar aun be­scha­rel. La diskri­mi­na­cijake gejng te vir­kinel, o tschave andar pu­ma­ro cilo tschib­tscha­kero progra­mo te lel schaj dscha­nen: Romani ando isch­kola­kero- taj sikli­peskero di integri­rim ol. Vascho­da iste akan o tschave, o daja taj dada taj o mesch­tertscha avrijal gon­dolinen. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (331)

Dezember 6th, 2020  |  Published in Facts & Figures

Die serbische Stadt mit dem laut Volks­zäh­lung größ­ten Roma­an­teil (19,5%) ist Kostolac nahe der rumän. Gren­ze.

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Recensijona: Trijalvar te tschungarel

Dezember 5th, 2020  |  Published in Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, dROMa (Magazin)

I Romengeri-tschaj Loretta: „Taj lakero dikipe. Oj aun tut dikel, ham oni interesi. Afka, sar te oj nischta buter na uscharel. Tutar na taj te avren­dar na. Tschak o fojimo nak taj sar oj poarvar pre va mi­cinlahi, lakero tscha­tschi­kano phu­ripe phu­kavnahi. Jek phuri tschaj, afka oj viri­kinlahi.“ Andi kipengeri kenva Jek kipengeri kenva andar i Italija

O Davide Reviati adala komikakera kenvaha bojd jek bari­kano cajch­nimo taj phu­kado fala­to adale ko­jastar scho­fin­tschaha. Ham ov o pal­gondo­li­nip­tscha upre jek itali­tiko ter­nipe la his­to­ri­jaha le Romen­dar khe­tan gom­bo­sintscha. Jeka tema­ke, savake o phu­kaji­pe na bar­tschim hi.

Jek kenva pherdi hischenca hi, uduane sundikipes­kere kojen­ca, bibas­tale phu­venca. Andi Graphic Novel le italitike cajch­ne­ristar Davide Reviati, savi akan te ando nimtsch­ko prik­bescha­ripe angle paschlol, o reja­lismus taj o bibas­tale sudi­kipes­kere sek­venca khetan fojinen. Taj na mindig nan dschan­do, kaj o jek kise­tinel taj o kija kes­dinel.

Andi bojd 600 riktschengeri sorali kenva, o Reviati mindschart duj histo­riji phukal: Ada hi upri jek rik jek o auto­bijo­grafi­schi inspi­rirti phu­kajipe jeke upre bartscho­jipes­tar andi nordi­tiki itali­tiki pro­vinca, valakada ando 1960te vaj 1970te berscha, ande jek tikno gav, kaj o tschave upro mesuji pumen khe­len taj o terne pumari cajt le dschi­niha taj le tschojn­tenca mule tscha­lan. Ando masch­ka­rutno punkto terdschon o but­jakere isch­kolasch­tscha Guido, Grisù taj Katango, save pu­mare dschi­vipeha na tscha­tschikan valaso te kes­dinel dschanen. Ando si­kajipe tschak igen tschule aun te dikel pumen muken, on mere­scheder telal usi len kifinen, duach o gaves­kere diskos ciden vaj billard ando mo­jakero khelen.

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