Facts & Figures (184)
Februar 28th, 2018 | Published in Facts & Figures
(Quelle)
Februar 28th, 2018 | Published in Facts & Figures
(Quelle)
Februar 27th, 2018 | Published in Internet & Blogothek, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Schweiz: Roma-Organisation reicht Strafanzeige wegen Verletzung der Rassismus-Strafnorm gegen Junge SVP des Kantons Bern ein
Der Verband Sinti und Roma Schweiz hat eine Strafanzeige wegen Verletzung der Rassismus-Strafnorm gegen die Junge SVP des Kantons Bern eingereicht. Grund ist ein Facebook-Post im Rahmen der JSVP-Wahlkampagne, der die Minderheiten der Sinti und Roma auf pauschalierende Weise herabsetzt. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) unterstützt die Strafanzeige.
Die Junge SVP Kanton Berns veröffentlichte am 21. Februar 2018 auf ihrer Facebook-Seite im Rahmen ihrer Wahlkampagne für den Grossrat einen Eintrag, der als rassistisch zu werten ist. Der Aufruf „JSVP-Kandidaten wählen – Transitplatz für Zigeuner verhindern!“ macht deutlich, dass ein Transitplatz für fahrende Sinti und Roma „schädlich“ sei. Gleichzeitig wird mit einer Illustration suggeriert, dass „Zigeuner“ pauschal schmutzig sind, zu Kriminalität neigen, ihre Fäkalien überall hinterlassen und die öffentliche Ordnung nachhaltig stören.
Diese Publikation verletzt aus Sicht des Verbandes Sinti und Roma Schweiz und der GfbV die Rassismus-Strafnorm Art. 261bis StGB Abs. 4, in dem eine Gruppe von Personen wegen ihrer Rasse, Ethnie oder Religion in einer gegen die Menschenwürde verstossenden Weise herabsetzt oder diskriminiert wird. „Die Publikation der Jungen SVP Kanton Bern gründet in der rassistischen Annahme, dass die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Minderheit („Zigeuner“) mit Kriminalität, fehlender Hygiene, fehlendem Umweltbewusstsein und mit dem Stören der öffentlichen Ordnung verbunden ist. Auf diese Weise wird eine ganze Gruppe auf rassistische Weise herabgesetzt“, sagt Stefan Heinichen, Vorstandsmitglied des Verbandes Sinti und Roma Schweiz. „Dies ist inakzeptabel.“ Hinzu kommt, dass der besagte Begriff „Zigeuner“ für die Angehörigen der Sinti und Roma eine verletzende Fremdbezeichnung darstellt.
Februar 22nd, 2018 | Published in Rassismus & Menschenrechte
Ordnungsamt Frankfurt am Main stempelt rechtswidrigen und diskriminierenden Vermerk in Pass von Roma aus Rumänien
Der Sozialberatung des Förderverein Roma liegt der Pass einer Romni aus Rumänien vor, in den ein Mitarbeiter des Ordnungsamts Frankfurt den Vermerk „Beim aggressiven Betteln angetroffen“ mit Datum und Unterschrift gestempelt hat. Die Passinhaberin berichtet, ein Schild mit Bitte um eine Spende hätte zum Vermerk und zur Überprüfung der Papiere auf der Wache geführt. Die Situation ist von der Frau und ihrer Freundin, die ebenfalls einen Vermerk in den Pass erhielt, als bedrohlich und ängstigend erlebt worden. Auf eine Übersetzung wurde seitens des Ordnungsamtes nicht geachtet. Beide Frauen kommen aus der rumänischen Stadt Gheorgheni/ Gyergyószentmiklós, Roma leben dort in ärmlichen Hütten ohne jegliche Versorgung, sind vom Regelschulbesuch ausgeschlossen und konfrontiert mit neonazistischen Pogromen (wir berichteten: dROMa 49/2017),
Der beschriebene Eintrag entbehrt nach Auffassung des Förderverein Roma jeder Rechtsgrundlage und führt zur Ungültigkeit des Passdokuments, das Eigentum des rumänischen Staates ist. Das Vorgehen zeigt in skandalöser Weise die Spitze von Ausgrenzung und Stigmatisierung. Die Passinhaberin wird ungeachtet der Entwertung bei jeder Überprüfung durch den Stempel denunziert, jeder Grenzübertritt wird zum Spießrutenlauf. Der ebenso unmenschliche wie unrechtmäßige Verwaltungsakt erinnert zudem an rassistische Vermerke in Passdokumenten von Roma und Sinti, deren Intention allein in der Herabwürdigung, Verfolgung und Demütigung der Betroffenen lag.
Nach der Räumung der Brache im Frankfurter Gutleutviertel und dem Camp an der ehemaligen Europäischen Zentralbank, nach dem Vertreiben von Roma-Frauen in der Gutleutstraße und den aktuellen Barverwarnungen stellt der Sichtvermerk im Pass eine weitere Eskalationsstufe dar, deren Ziel die Vertreibung von obdachlosen Roma-MigrantInnen aus der Stadt Frankfurt ist. Read the rest of this entry »
Februar 21st, 2018 | Published in Facts & Figures
Februar 19th, 2018 | Published in Ehrungen & Nachrufe, Film & Theater
Nazif Mujić, Preisträger der Berlinale 2013, ist am Sonntag in seinem nordbosnischen Heimatort im Alter von 48 Jahren gestorben.
Mit seiner Familie spielte Mujić in dem semidokumentarischen Film „Aus dem Leben eines Schrottsammlers“ („Epizoda u životu berača željeza“) eine Episode aus seinem Leben und wurde dafür mit dem Silbernen Bären als Bester Darsteller ausgezeichnet. Noch im selben Jahr suchte der bosnische Rom, unterstützt von der Berlinale-Leitung, in Deutschland um Asyl an. 2014 wurde der Antrag jedoch abgewiesen. Nazif Mujić war bereits seit längerem krank und lebte in Armut. Erst kürzlich verkaufte er aus Geldmangel seinen Silbernen Bären.
(dROMa)
Siehe auch:
SWR2: Nazif und der silberne Bär, 13.2.2018
„Berlinale-star“ i rupuni medva biknel, 26.1.2017
Berlinale-Star vor Abschiebung, 26.1.2014
Berlinale: Das Leben der vier Mujićs, 15.2.2013
Februar 18th, 2018 | Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Es ist Roma wie Nicht-Roma verboten, in Parks zu übernachten: Verfehlen Ansätze gegen ethnische Diskriminierung das Problem des Antiziganismus?
Radio Dreyeckland | 12.2.2018
Sendereihe RespectWords | 30:00 Min.
Das Stereotyp der „Sintiundroma“ ist homogen. „Fremd, faul und frei“, fasst Wulf D. Hund es zusammen. Die Menschen, die von diesem Stereotyp umfasst werden, sind so vielfältig wie alle anderen. Und doch – der Antiziganismus wirkt auch praktisch und sorgt im Stile einer „self-fulfilling prophecy“ dafür, dass Roma und Romnja in vielen Ländern durchaus überproportional häufig und hart von gesellschaftlichem Ausschluss, auch im sozioökonomischen Bereich, betroffen sind. Die EU antwortet darauf mit Integrations- und Antidiskriminierungsansätzen. Doch diese verfehlen nicht selten ihr Ziel oder tragen sogar dazu bei, dass Ausschluss und Repression gegen Roma und Romnja umso eleganter fortgesetzt werden können. Vielmehr gilt es zu verstehen, was Antiziganismus mit der modernen Gesellschaftsordnung zu tun hat, so mit protestantischer Arbeitsethik und der kapitalistischen Verwertungslogik. Dann wird auch klar, dass eine Abgrenzung von Armut als vermeintlich negativer Eigenschaft Teil des Problems ist, nicht der Lösung. Diese Thematik wird in dieser Sendung v.a. anhand der Beispiele der Kriminalisierung des Bettelns in Deutschland und der Räumungen informeller Camps in Frankreich beleuchtet.
(Programminfo rdl.de)
Februar 16th, 2018 | Published in Film & Theater, Internet & Blogothek, Musik
Dokumentarfilm von Robert Krieg & Monika Nolte
57 Min., D 2015 (DVD erschienen bei W-Film)
Der Dokumentarfilm (mehr hier) ist derzeit noch auf dem österreichischen Streamingportal Flimmit.at als „Gratisfilm der Woche“ zu sehen. Kostenlose Anmeldung genügt. Auf der Website von Lulo Reinhardt, dem Protagonisten des Films, heißt es über „Desert Inspiration“:
An einem faszinierenden Ort, in einem schönen, ganz aus Lehm erbauten Tighremt bei Agdz, einer kleinen Oasenstadt im Südosten Marokkos, hat sich seit 2007 ein ungewöhnliches Musikfest entvwickelt . Unter dem Motto „Trefft Euch!“ spielen an zwei Tagen Musiker aus Europa mit Vertretern der Musik der Berber zusammen. Der Höhepunkt ist die Fusion der aus Europa mitgebrachten Musik mit dem Rhythmus der Awash-Interpreten, die in ihren Gesängen und Tänzen die ursprüngliche Einheit des Menschen mit der Natur und dem Kosmos beschwören.
An diesem Ort, dem Tor zur grenzenlosen Wüste, wird die Relativität und Endlichkeit menschlicher Existenz besonders spürbar. In der Oase begegnen sich drei Menschen, denen die Herkunft aus einer nomadischen Kultur gemeinsam ist: Der Sinto Lulo Reinhardt, der Berber Cherif El Hamri und die jugendliche Berberin Fati Ait el Caid. Lulo verbindet seine von Sinti Swing, Rumba, Blues und Flamenco inspirierten Kompositionen mit den hypnotischen und repetetivven Klängen der Berber-Musik, die in Cherif El Hamri einen ihrer überzeugendsten Vertreter gefunden hat. Fati übersetzt für die beiden, wo die universale Sprache der Musik zur Verständigung nicht ausreicht. Read the rest of this entry »
Februar 16th, 2018 | Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Addressing Discrimination and Antigypsyism in the Enlargement Region – Internationale Konferenz zu Antiziganismus in den Westbalkanstaaten in Berlin
Zentralrat: Ächtung von Antiziganismus in den Staaten des Westlichen Balkans und in der Türkei ist überfällig
Eine internationale Konferenz am 13. und 14. Februar in Berlin thematisierte erstmalig den zunehmenden Antiziganismus und die Diskriminierung von Roma in den EU-Beitrittsstaaten. Über 70 Vertreterinnen und Vertreter der Fachministerien und der Zivilgesellschaft aus den Ländern des Westlichen Balkans und aus der Türkei diskutieren auf der Konferenz, die vom „Regional Cooperation Council“ in Zusammenarbeit mit dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma organisiert wird, die strukturellen Auswirkungen von Antiziganismus sowie Gegenstrategien für die gleichberechtigte Teilhabe von Roma.
Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, sieht eine historische Chance in der kürzlich von der EU-Kommission in Aussicht gestellten, schnellen EU-Beitrittsperspektive der Westbalkanländer. Rose fordert gleichzeitig, dass der Schutz der Minderheiten- und Menschenrechte als wichtige Grundlage von Rechtsstaat und Demokratie verbessert werden muss: „Gerade Roma in den Ländern des Westbalkans müssen endlich als gleichberechtigte Bürger anerkannt sein. Read the rest of this entry »
Februar 14th, 2018 | Published in Geschichte & Gedenken, Musik, Radio, Podcast & TV
Ö1 Radiokolleg, 12.2.2018
Lexikon der österreichischen Popmusik
Karl Ratzer
2017 hat das Radiokolleg eine Langzeit-Serie zur Geschichte der österreichischen Popmusikk gestartet. Von „Ambros bis Qualtinger“ von „Danzer bis Wanda“ wird das Leben und Werk einzelner Musiker/innen und Bands dokumentiert, ihre Bedeutung für die österreichische Musiklandschaft reflektiert und ihr Beitrag zu einer kritischen Gegenkultur gewürdigt.
Der Wiener Blues- und Jazzmusiker Karl Ratzer kommt aus einfachen Verhältnissen mit Roma-Hintergrund und musste sich seine musikalische Karriere hart erarbeiten. Schon im Alter von 14 Jahren legte er als Lead-Gitarrist der Rhythm-’n‘-Blues-Combo The Slaves eine erste Talentprobe ab. Wenig später wurde er unter dem Bühnennamen Charles Ryder zur Lichtgestalt des heimischen Psychedelic Underground. C-Department und Gipsy Love waren weitere Bandprojekte, die progressiven Zeitgeist ins verschlafene Wien brachten und in jenen Jahren geradezu Synonyme für popmusikalische Innovation waren.
Im Alter von 22 Jahren verschlug es ihn in die USA, wo er in einer international vernetzten Jazz-Szene allmählich Fuß fassen konnte und mit etlichen Weltstars des Genres arbeitete. Read the rest of this entry »
Februar 13th, 2018 | Published in Film & Theater, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
SWR2 Feature: Nazif und der silberne Bär – Vom kurzen Ruhm eines Rom
Einstündige Sendefassung der gleichnamigen Podcast-Serie von Zoran Solomun
Sendung vom 14.2.2018, 22:03 Uhr | Die Serie „Nazif und der silberne Bär“ können Sie auch in der ARD Audiothek App oder als Podcast hören.
Nazif Mujić ist ein Rom aus Ostbosnien, der von Altmetall lebt, das er sammelt und weiterverkauft. Im Winter 2011 erwarten er und seine Frau Senada ihr drittes Kind. Als es plötzlich im Mutterleib stirbt, ändert sich ihre Leben dramatisch. Sie haben weder eine Krankenversicherung noch genügend Bargeld, um die nötige Operation zu bezahlen. Mit einem illegalen Trick gelingt es erst im letzten Moment, ihr Leben zu retten.
Der berühmte bosnische Filmregisseur und Oscar-Gewinner Danis Tanović erfährt von ihrer Geschichte und verfilmt sie mit Nazif und Senada, die sich selbst spielen, in den Hauptrollen. Der halbdokumentarische Film wird zu einem Riesenerfolg: Auf der Berlinale 2013 erhält Tanović den Großen Preis der Jury und Nazif Mujić den Silbernen Bären als bester Darsteller. Nazif und Senada hoffen, dass sich ihr Leben nun zum Besseren wenden wird.
(SWR2 Programminfo)
Februar 12th, 2018 | Published in Rassismus & Menschenrechte
Heute Nacht zwischen zwei und drei Uhr wurden die Bewohner des Roma-Wohnlagers in der Via Orzinuovi am Stadtrand von Brescia in Norditalien durch einige laute Schüsse aus dem Schlaf gerissen. Auf diese Weise geweckt, bemerkten die Roma (der Corriere spricht von Sinti), dass es im Camp brannte. Die Hintergründe sind noch völlig unklar, die Carabinieri ermitteln. Derzeit werden die Aufzeichnungen der Videokameras, die die Stadt am Campeingang platziert hatte, gesichtet. Fest steht, dass vier Autos im Camp ausbrannten. Da sich diese laut ersten Pressemeldungen in einigem Abstand voneinander befanden, erscheint ein zufälliger Brand ausgeschlossen. Read the rest of this entry »
Februar 12th, 2018 | Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Ausstellung und Vortrag: NS-Genozid an den Roma in der Ukraine und Moldau
Zu Gast beim Janusz-Korczak-Haus Berlin sind Iryna Radchenko and Maryna Strilchuk, zwei Wissenschaftlerinnen aus dem Ukrainischen Institut für Holocaust-Studien „Tkuma“ (Dnipro, Ukraine), die an diesem Abend ihre Ausstellung „Die Tragödie der Roma: Vergangenheit und Gegenwart“ präsentieren. Die Ausstellung ist ein Ergebnis des wissenschaftlichen Projektes zur Erforschung des NS-Genozids an den Roma auf dem Territorium der Ukraine und der Republik Moldau. Das Projekt wurde von „Tkuma“ mit Unterstützung der „International Holocaust Remembrance Alliance“ durchgeführt.
Programm: Read the rest of this entry »
Februar 11th, 2018 | Published in Facts & Figures
(Quelle)
Februar 10th, 2018 | Published in Geschichte & Gedenken, Politik
Okamura unter Druck wegen Äußerungen zu KZ Lety
Der Chef der Partei „Freiheit und direkte Demokratie“ hat die menschenverachtenden Zustände im Roma-Konzentrationslager Lety während des Kriegs heruntergespielt. Nun drängen Abgeordnete darauf, Tomio Okamura als stellvertretenden Parlamentsvorsitzenden abzuwählen.
Radio Praha, Till Janker: Äußerungen von Politikern der Partei „Freiheit und direkte Demokratie“ (SPD) haben zu einem Aufschrei geführt. Allen voran geht es um Aussagen des Vorsitzenden Tomio Okamura. Dieser behauptete, dass das Roma-KZ im südböhmischen Lety nicht mit Stacheldraht umgeben gewesen wäre und sich die Insassen dort frei hätten bewegen können. Doch damit widersprach er eindeutig den Fakten.
In Lety bestand ab 1939 zunächst ein sogenanntes Arbeitslager, das die Regierung im Protektorat vor allem für Roma eingerichtet hatte. Dann übernahmen die Deutschen die Aufsicht und sprachen von einem „Zigeunerlager“. Mehr als 300 Menschen starben dort an den Folgen von Unterernährung, körperlicher Schwerstarbeit und Seuchen. Die anderen wurden in die Vernichtungslager deportiert und dort umgebracht. Die tschechische Regierung möchte in Lety nun eine Gedenkstätte einrichten und hat deswegen eine Schweinefarm am Ort des Lagers aufgekauft.
Ähnliche Aussagen wie Okamura hatte im vergangenen Jahr schon sein Parteikollege Miloslav Rozner getroffen. Er nannte Lety ein „nicht existentes Pseudo-Konzentrationslager“. Die Roma-Organisation Konexe hält all diese Thesen für eine Leugnung des Völkermords. Read the rest of this entry »
Februar 9th, 2018 | Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Nach dem Brandanschlag auf ein Roma-Wohnhaus in Plauen (Sachsen) brannte nun auch das Ersatzquartier. Diesmal starben zwei Menschen. Vor drei Wochen sahen einige der Roma, wie sich Verdächtige im Haus zu schaffen machten – die Polizei wollte ihnen nicht glauben.
Radio Dreyeckland: Antiziganismus in Motiv und Umgang mit der Tat?
Am Morgen des 5. Februar starben in Plauen zwei Personen beim Brand eines Wohhhauses. Ein Mann und eine Frau, deutsche Staatsangehörige. Vier weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Betroffen war die Dachgeschosswohnung eines Mehrfamilienhauses in der Dürerstraße. Die Menschen in den darunterliegenden Wohnungen konnten sich retten. In dem Haus in der Dürerstraße waren sechs deutsche Staatsangehörige gemeldet und 30 Personen mit anderen Staatsangehörigkeiten. Zum Zeitpunkt des Brandes hielten sich nach Aussagen eines Ersthelfers womöglich noch mehr Leute in dem Haus auf. Viele der Bewohner/innen waren erst seit kurzem in das Haus gezogen. Und zwar deshalb, weil ihr voriges Wohnhaus, wenige Straßen weiter in der Trockentalstraße, kurz zuvor, am 29. Dezember 2017, ebenfalls durch einen Brand unbewohnbar geworden war. Schon zuvor hatte es dort laut dem Verein Romano Sumnal Brände gegeben. In der Nacht vom 29. auf den 30. Dezember wurden von den mindestens 40 Bewohner/innen 19 verletzt, darunter acht Kinder. Mit schweren Brandverletzungen wurden eine schwangere 29-jährige Frau und ihr zweijähriger Sohn sowie ein fünfjähriges Kind und eine 39-jährige Frau in eine Spezialklinik eingeliefert. Bei den Bewohner/innen handelte es sich vor allem um Roma aus der Slowakei und aus Rumänien.
Während des Brandes halfen einige Anwohner und Passanten. Zwei jugendliche Helfer berichteten jedoch, dass sie gefragt wurden, warum sie helfen – man solle die Leute doch verbrennen lassen. Ein Anwohner habe „Sieg Heil“ gerufen. Feuerwehrleute sollen bei den Rettungsarbeiten angegriffen worden sein. Einen rassistischen Hintergrund schloss die Polizei jedoch bald aus. Verdächtigt wurde zunächst ein ehemaliger Bewohner des Hauses, der mit dem Vermieter Streit gehabt haben soll. Mangels Beweisen wurde er aber wieder freigelassen. Nach dem Umzug in die Dürerstraße hatten die ehemaligen Bewohner/innen der Trockentalstr. 86 Angst vor weiteren Anschlägen. Mitte Januar überraschten Hausbewohner/innen im Keller drei Männer, die mit einer weißen Flasche hantierten und nach ihrer Entdeckung wegliefen. Read the rest of this entry »
Februar 7th, 2018 | Published in Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
Bremen: Ausstellung über die Verfolgung von Sinti und Roma im Nationalsozialismus am Beispiel fotografisch dokumentierter Familiengeschichten aus Mitteldeutschland
Zentralbibliothek Bremen, Wall-Saal
15.02.2018 – 14.03.2018 (Eintritt frei)
Im Archiv der Universität Liverpool fand die dort lehrende Historikerin Eve Rosenhaft ca. 200 Fotografien, die das Leben der Sinti und Roma in den 1930er Jahren in Dessau-Roßlau dokumentieren. Sie gehen auf den damals in Roßlau lebenden Fotojournalisten Hanns Weltzel zurück. Weltzel hatte ab 1931 intensive Kontakte zu den Familien, die auf ihren Handelswegen nach Dessau-Roßlau kamen. Die Fotos und erhalten gebliebenen Briefe zeugen von einer freundschaftlichen und von gegenseitigem Vertrauen und Respekt geprägten Atmosphäre. Darin liegt die Besonderheit dieses Fotobestandes, insbesondere wenn man sie mit Propagandafotos im Nationalsozialismus vergleicht.
Die Beschriftungen der Fotos geben nur bedingt Auskünfte, um wen es sich auf den einzelnen Fotos handelt. Die namentliche Identifizierung ist jedoch die Grundvoraussetzung, um die Verfolgungswege der Menschen und ihrer Familien zu erforschen. Dieser Aufgabe widmet sich Professor Eve Rosenhaft gemeinsam mit Jana Müller vom Alternativen Jugendzentrum e.V. Dessau in enger Kooperation. Nach voneinander unabhängigen Forschungen und Durchführung von Jugendprojekten führten sie vor drei Jahren ihre Forschungsergebnisse zusammen und begannen zielgerichtet für eine Ausstellung zur Erinnerung an die mitteldeutschen Sinti und Roma Fotografien in Augenschein zu nehmen und in Archiven nach weiterführenden Hinweisen zu suchen. Read the rest of this entry »
Februar 5th, 2018 | Published in Medien & Presse, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
„Es kommen nicht nur Roma, es kommen auch Akademiker“ – Antiziganismus in den deutschen Medien
Radio Dreyeckland | 29.1.2018
Sendereihe RespectWords | 30:00 Min.
Über kaum eine Gruppe wird so negativ, klischeebeladen und schlicht falsch berichtet wie über Sinti und Roma. Während besonders reißerische Schlagzeilen oder Titelbilder durchaus für Empörung sorgen können, liegt das eigentliche Problem viel tiefer – auch vorgeblich differenzierte Berichterstattung bezieht sich oft auf antiziganistische Stereotype und reproduziert diese. In der folgenden Sendung wird danach gefragt, was Antiziganismus eigentlich ist, welche Rolle er in der deutschen Medienlandschaft spielt und wie mit dem Problem umgegangen werden kann.
(Programminfo rdl.de)
Februar 3rd, 2018 | Published in Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte
(Quelle)
Februar 1st, 2018 | Published in Kunst & Fotografie, Radio, Podcast & TV
Zum Tode des Künstlers Damian Le Bas:
Handtellergeschichten – Deconstructing/Reconstructing the ”Gypsy“
Deutschlandfunk – Feature von Manuel Gogos
50:13 min | 31.01.2018 , Whg. v. 16.09.2017
➔Zum Beitrag
Der Künstler Damian Le Bas bestückte 2007 auf der Venedig-Biennale den ersten Roma-Pavillon mit seinem Gipsy-Dada. Im Dezember ist er im Alter von nur 54 Jahren unerwartet gestorben. Wenige Monate zuvor hat unser Autor Manuel Gogos Le Bas und seine Frau in Worthing/Sussex besucht. Gemeinsam streifte er mit dem Künstlerehepaar über Flohmärkte, durch Plattenläden und die Landschaft Südenglands. Eine Hommage an eine besondere Kunstform und ein Paar, das mit seinen eigenen kreativen Selbstentwürfen ein Zeichen gegen überkommene Stereotype setzte.