Mai 30th, 2017 |
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Dokumente & Berichte, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte
Berlin, 30.5.2017 – Amaro Foro stellt neuen Antiziganismus-Bericht vor: „Ausgrenzung und Diskriminierung von Roma nehmen zu“
Amaro Foto e.V. (Hg.): Dokumentation von antiziganistischen und diskriminierenden Vorfällen in Berlin 2016, Berlin, Mai 2017, 48 S.
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Das Dokumentationsprojekt von Amaro Foro hat 2016 568 antiziganistische und diskriminierende Vorfälle in Berlin erfasst. Darunter sind 146 gemeldete Vorfälle und 63 diskriminierende Medienberichte, 350 Äußerungen in Kommentarspalten und neun Social-Media-Beispiele. Bei den gemeldeten Vorfällen ergibt sich im Vergleich zum Vorjahr (118) ein Anstieg von etwa 20 Prozent.
„Roma oder Menschen, die dafür gehalten werden, erleben in Berlin eine fast umfassende und vor allem zunehmende Diskriminierung. Dies betrifft besonders den Kontakt zu Leistungsbehörden wie Jobcenter oder Familienkasse – in diesem Bereich haben wir strukturelle Diskriminierung ebenso wie individuelles Verhalten von Behördenvertreter*innen erfasst“, erklärt Projektkoordinatorin Diana Botescu. „Außerdem kommt es vor allem im Bereich Alltag und öffentlicher Raum immer wieder zu Beleidigungen bis hin zu massiven Drohungen und Angriffen.“
Für 2016 wurden außerdem zum ersten Mal die Lebensrealitäten von Roma-Asylbewerber*innen gezielt erfasst und ausgewertet. „Die Asylrechtsverschärfungen von 2014 und 2015 wirken sich auf die Situation von Roma-Asylbewerber*innen aus den Westbalkanstaaten verheerend aus. Ihre Asylanträge werden im Schnellverfahren bearbeitet, immer häufiger werden sie in separaten Unterkünften untergebracht und die Abschiebepraxis wird verschärft. Dies betrifft auch Menschen, die seit über zehn Jahren hier sind oder hier geboren sind. Besonders bei jungen Menschen mit Duldungsstatus wirkt sich diese Situation außerdem dramatisch auf ihre weitere Biografie und ihre Bildungschancen aus“, betont Mitarbeiterin Violeta Balog.
Das Medienmonitoring wurde in diesem Jahr ausgeweitet; die Berichterstattung der Berliner Zeitungen wurde nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ erfasst und ausgewertet. Außerdem wurde Antiziganismus im Internet dokumentiert. „Im Bereich der Kriminalitätsberichterstattung beobachten wir, dass ein Roma-Hintergrund der Tatverdächtigen inzwischen offenbar von allen Medien grundsätzlich genannt wird. Die inhaltliche Relevanz wird dabei basierend auf Zuschreibungen konstruiert.
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Mai 29th, 2017 |
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Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Sonderausstellung im Vorarlberg Museum:
Romane Thana. Orte der Roma und Sinti
Kornmarktplatz 1, Bregenz
25. Mai bis 8. Oktober 2017
VN: Betteln ist ein Menschenrecht – Kommentar von Walter Fink
„Menschen dürfen betteln, es ist ein Menschenrecht.“ Das hat die Katholische Kirche Bregenz vor einiger Zeit gesagt, als die Hetze regen die Roma und Sinti in Vorarlberg auf ihrem Höhepunkt – den sie bis heute nicht verlassen hat – angelangt war. Und Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museums, meinte: „Wenn hundert bettelnde Menschen eine Krise auslösen können, dann zeigt das, wie dünn das Eis des Wohlstands ist, auf dem wir gehen.“ Die Roma und Sinti, die so vielen Vorurteilen begegnen, finden wir derzeit nicht nur auf den Straßen, sondern auch im „vorarlberg museum“, wo ihnen die Ausstellung „Romane Thana“ gewidmet ist.
Es war eine gute Idee des Museums, diese Ausstellung, die bereits 2015 vom „Wien Museum“ gezeigt und von Andrea Härle vom Romano Centro zusammengestellt wurde, zu übernehmen. Erstens weil wir bei uns seit Jahren mit einem vermeintlichen Roma-Problem zu tun haben, zweitens weil die Ausstellung ein hervorragendes Bild dieser Volksgruppe in Österreich zeichnet. Zwangsläufig ist – auch im erstklassigen Katalog – viel von Verfolgung die Rede, vom Kampf um Anerkennung, von Rückschlägen und Erfolgen der Volksgruppe der Roma und Sinti. Man muss nicht nur an die Zeit des Nationalsozialismus denken, als die „Zigeuner“ gleicher Verfolgung ausgesetzt waren wie die Juden. Es gab nicht nur einen Antisemitismus, es gab auch einen Antiziganismus. Und es gibt beides bis heute. Auch bei uns. Mit Schrecken erinnern wir uns an den 4. Februar 1995, als in Oberwart Roma Opfer eines Anschlags wurden. Vier junge Menschen starben durch eine Bombe, die von grausamen Rassisten gelegt wurde. So weit geht es nicht immer – aber Verfolgung und Denunzierung kennen auch wir in Vorarlberg.
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Mai 28th, 2017 |
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Facts & Figures
Die vermutl. erste schriftliche Nennung der Eigenbezeichnung „Roma“* stammt vom ostpreußischen Pfarrer Johann Erich Biester aus dem Jahr 1793.
(Quelle)
*) „Roma oder Romma in der mehreren Zahl, Rom in der einfachen.“
Mai 27th, 2017 |
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Politik
Mit 1. Juli 2018 wird Österreich den EU-Vorsitz – nach 1998 und 2006 bereits zum dritten Mal – übernehmen. Kanzleramts-Staatssekretärin Muna Duzdar (SPÖ) hat angekündigt, die EU-Präsidentschaft insbesondere auch für die Volksgruppe der Roma zu nutzen. Als EU-Vorsitzland könne Österreich neue Akzente gegen die Ausgrenzung und Diskriminierung der Roma setzen. Konkret nennt Duzdar die Abhaltung einer großen Roma-Konferenz. Anlässlich eines Arbeitsbesuchs in Bratislava traf Staatssekretärin Duzdar gestern unter anderem den Roma-Beauftragten der slowakischen Regierung, Ábel Ravasz, um sich über das Thema auszutauschen. Auch die Slowakei habe im Zuge ihrer EU-Präsidentschaft im zweiten Halbjahr 2016 starke Akzente für die Roma gesetzt, so Duzdar. Das Thema müsse gesamteuropäisch behandelt werden; deshalb sei es wichtig, dass auch Österreich sich als Vorsitzland bemühe, einen Roma-Schwerpunkt zu setzen.
Erst vor wenigen Wochen hat Staatssekretärin Duzdar bekannt gegeben, dass die österreichische Roma-Strategie 2020 um die Themenschwerpunkte Frauen und Jugend erweitert wird.
(dROMa)
Mai 26th, 2017 |
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Rassismus & Menschenrechte
Das European Roma Rights Centre (ERRC) hat Videoaufnahmen von Polizeiübergriffen gegen Roma in Zborov in der nordöstlichen Slowakei veröffentlicht. Die Polizisten drangen am 16. Mai in das von Roma bewohnte Viertel ein und begannen wahl- und grundlos auf die Einwohner einzuprügeln, auf Kinder ebenso wie auf alte Personen. Die Polizei war wegen einer vorangegangenen Schlägerei gerufen worden. Drei Personen mussten aufgrund der Polizeigewalt ärztlich versorgt werden: ein 5-jähriger Bub, ein Mann mit Herzproblemen und eine behinderte ältere Dame. Die Polizei soll einen Rettungswagen vorübergehend an der Zufahrt ins Viertel gehindert haben. Nach den Übergriffen sollen Polizisten Augenzeugen, die das Geschehen gefilmt hatten, in deren Wohnung aufgesucht und unter Druck gesetzt haben, sämtliche Aufnahmen vom Polizeieinsatz zu löschen. Ein Zeuge weigerte sich jedoch und übergab das Beweismaterial dem ERRC.
Mehr hier: ERRC, 24.5.2017
(dROMa)
Mai 25th, 2017 |
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Musik, Veranstaltungen & Ausstellungen
Der traditionelle Roma-Butschu in Bachselten findet am 17. Juni 2017 auf der Festwiese Schuh, Am Teichbach 3, statt. Beginn ist um 19:00 Uhr.
Musikalisch wird die Veranstaltung von der südburgenländischen Roma-Band Romano Rath begleitet. Weitere Highlights dieser Kulturveranstaltung sind Darko & Danijel Piller (bekannt als Trio Piller, Finalist bei „Die große Chance“, 2. Platz) und die ungarische Volkstanzgruppe Siget. Diese Veranstaltung bietet allen die Möglichkeit, einander zu treffen, sich auszutauschen und die Kultur der burgenländischen Volksgruppen kennen zu lernen.
O tradicijoneli Roma Butschu ando 17. juni 2017 upri Festwiese Schuh, Am Teichbach 3, tel likerdo ol.
Kesdim ol 19:00 orenge. I muschika uso mulatintschago kerel i sudburgenlanditiki Romani banda Romano Rath. Baro highlights hi o Darko & Danijel Piller (prindschardo ojs Trio Piller finalisto uso „Die große Chance“, 2. than taj i Flogoskeri khelipeskeri ungriki grupn Siget. Ada mulatintschago le cilenge o schajipe del, pumen te talalinel, arteparul taj i kultura le burgenlanditike flogoskere grupnendar te prindscharel te siklol.
Mai 21st, 2017 |
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Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Die Alltäglichkeit des Unsichtbaren:
Junge Roma in der Slowakei und in Europa
Radio-Feature von Elisabeth Putz
Koprod. DLR Kultur/RBB/ORF 2016
Ö1 Hörbilder, 20.5.2017: >> Anhören
Die Mehrheit der Slowaken bezeichnet Roma als integrationsunwillig. Die Mehrheit der Roma ruft ins Mikrofon, Slowaken seien Rassisten. Zwei Randpositionen einer komplexen Materie. Die Mitte wird dabei oft vergessen. Und so kommen viele Journalist/innen nach Lunik IX, einem der größten Ghettos Europas, um eine „Safari“ zu machen. Sie bezahlen ein wenig Geld und Roma liefern Geschichten. Dieses Feature ist ein Versuch, hinter die Klischees zu blicken. „Ich habe über mehrere Monate hinweg die Slowakei bereist, vornehmlich den Osten des Landes“, so Elisabeth Putz. „Die Recherchedauer für dieses Feature war immens wichtig, da es mir nur so möglich war, Zugang zu den Menschen zu finden bzw. meine schon vorhandenen Kontakte zu erweitern und zu vertiefen. Nur so konnte und kann eine Nähe entstehen.“
(Text: Ö1)
Siehe auch:
„Millionaires of time“ – Ausstellung in Berlin, 1.6.2016
Apartheidsmauer in Košice, 12.7.2013
Slowakei: Stadt bietet Roma Geld für Ausreise, 16.9.2009
Slowakei: Polizei misshandelte Romakinder, 9.4.2009
Mai 20th, 2017 |
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Geschichte & Gedenken, Musik, Veranstaltungen & Ausstellungen
Samstag, 20. Mai 2017, 17-22 Uhr
Eintritt frei!
Die Baranka-Park-Gedenkfeier wird seit 2009 vom Verein Voice of Diversity jedes Jahr am 20. Mai auf der ehemaligen Hellerwiese (heute Belgradplatz mit Baranka-Park) im 10. Wiener Gemeindebezirk organisiert mit dem Ziel, jener Roma und Sinti zu gedenken, die einst auf der Wiese ihren Lager- und Rastplatz fanden, bis sie 1941 Opfer des Nationalsozialismus wurden. Mit der Feier soll der Opfer gedacht werden und auch das Leben und die Kultur der Roma und Sinti sowie die jüdische und Wiener Kultur gefeiert und vermittelt werden. Namhafte Künstler/innen wie Harri Stojka, Doron Rabinovici, Shlomit Butbul oder Martin Spengler präsentieren am 20. Mai 2017 ihre Kunst und Kultur und schaffen im Baranka-Park einen Ort der kulturellen Begegnung. Weiters werden zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie Erich Fenninger, Gilda Horvath und andere zu Wort kommen und kurze Statements geben, um ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen und den Blick für die Gegenwart und Zukunft zu öffnen.
Programm:
17 Uhr – Eröffnung
17.15 Uhr – Musikschule Favoriten
17.35 Uhr – Lesung „Papierene Kinder“: Doris Stojka
17.45 Uhr – Mosa Sisic & seine Schüler
18.15 Uhr – Lesung mit Musik „Herzl Reloaded“: Doron Rabinovici & Harri Stojka
19 Uhr – Martin Spengler & die foischn Wiener
20 Uhr – Shlomit & Band
21 Uhr – Harri Stojka & Band
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Mai 17th, 2017 |
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Facts & Figures
Der/die erste dokumentierte Roma-Angehörige in Nordamerika ist Joan Scott, „an Egiptian and noe Xtian (non-Christian) woman“, die 1674 in Virginia eintraf.
(Quelle)
Mai 15th, 2017 |
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Ehrungen & Nachrufe, Religion

Österreichs erster Roma-Seelsorger Ehrenkons.Rat Mag. Werner Klawatsch ist am 10. Mai nach längerer Krankheit in Wiesen verstorben.
Werner Klawatsch wurde am 14. April 1939 in Wiener Neustadt geboren und wuchs in seiner Heimtatpfarre Wiesen auf. 1962 wurde er im Eisenstädter Dom zum Priester geweiht. Bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2009 betreute Werner Klawatsch die drei Pfarrgemeinden Neutal, Markt St. Martin, wo er auch seinen Wohnsitz fand, und Landsee. Von 1998 bis 2008 leitete er als Dechand das Dekanat Oberpullendorf, dazu kam seine Mitarbeit in verschiedenen wichtigen diözesanen Gremien.
Einen großen Dienst erwies er der Diözese Eisenstadt und vor allem der Volksgruppe der Roma durch die Wahrnehmung der Leitung des Referates für die Pastoral an Angehörigen ethnischer Gruppen – und damit als erster Seelsorger für die Angehörigen der Roma in der Diözese Eisenstadt – von 1995 bis 2002. Mit den Aufgaben des Seelsorgers für die Roma und Sinti in Österreich betraute ihn während dieser Zeit auch die Österreichische Bischofskonferenz. Er nahm auch diese seelsorgerische Aufgabe mit großem Einsatz und Einfühlungsvermögen wahr.
Die Begräbnisfeier für den verstorbenen Priester beginnt am Dienstag, dem 16. Mai 2017, um 15 Uhr mit der hl. Messe in der Pfarrkirche zum Heiligen Geist in Wiesen, anschließend erfolgt die Beisetzung im Priestergrab der Pfarre Wiesen.
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Mai 14th, 2017 |
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Literatur & Bücher
Jovan Nikolić: Das Orchester der Frauen, die mich verlassen haben, Drava: Klagenfurt 2016, 144 S., 18,80 Euro
Humorvolle Erinnerungsarbeit
Heimat, Trauer und Witz: Jovan Nikolić blickt zurück.
Es ist der Galopp von Düften der Kindheit, der Geruch der Stadt und die Frage, wieso der Vater mit seinem Orchester überall in Jugoslawien gespielt hat, nur nicht in Slowenien. Es sind die Gasthäuser und die Kellner, die (weißes Hemd, schwarze Hose) den Autor an jemanden denken lassen, der gleichzeitig heilt und beerdigt: oben Arzt, unten Bestattung. „Das Wirtshaus als Tempel der europäischen Zivilisation“ avanciert zum Lieblingstext, wird vom nächsten übertrumpft und so weiter bis zum titelgebenden Kapitel „Das Orchester der Frauen, die mich verlassen haben“. Das Buch ist in mehrfacher Hinsicht voll Musik, ernste Töne zum Geheimdienst inklusive. Jovan Nikolić, in Köln lebender Roma-Schriftsteller aus Serbien, hat gesammelt, was er sonst „bei sporadischen Treffen am Kneipentisch spurlos verschwendet“ hätte. Gefundenes Fressen, wunderbar!
(Text: U. Loigge/Kl. Zeitung, 15.4.2017)
Link: Drava Verlag
Siehe auch:
KulturTon: Jovan Nikolić im Gespräch, 22.6.2015
Radio Freirad über Jovan Nikolić, 20.4.2015
Jovan Nikolić in Innsbruck, 30.4.2015
Mai 13th, 2017 |
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Musik, Rassismus & Menschenrechte
Beim großen Eurovision-Finale in Kiew steht heute Abend Joci Pápai mit „Origo“ (hier der Liedtext) als achter von 26 Teilnehmern auf der Bühne – eine Premiere, denn noch nie trat beim Eurovision Song Contest ein Angehöriger der Volksgruppe der Roma für Ungarn an. Bei den Buchmachern liegt der 35-Jährige aus der nordungarischen Kleinstadt Tata im Mittelfeld. Wir halten ihm die Daumen. (Einen Artikel über Roma beim ESC finden Sie übrigens in der letzten Sommerausgabe unseres Magazins dROMa: mehr hier.)
Im Vorfeld der Großveranstaltung, die sich ansonsten so gerne als Festival der Diversität inszeniert, geschah allerdings auch Schreckliches: Über 300 Roma der Stadt wurden gewaltsam – und unter Duldung der Polizei – aus Kiew vertrieben. Sie flüchteten, sechs Häuser von Roma-Familien wurden niedergebrannt. Das „European Roma Rights Centre“ (ERRC) schreibt:
More than 300 people, over a 100 families, have been forced to leave their homes in Kiev after threats were made against their lives in the beginning of April. Only a day after the last families departed, the threats were carried out and six houses burned to the ground, likely with Molotov cocktails. The police had full knowledge of the severity of the threats that were made, yet no preventative measures were taken. Read the rest of this entry »
Mai 11th, 2017 |
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Rassismus & Menschenrechte
Drei Schwestern (vier, acht und 20 Jahre) verbrannten nachts im Campingwagen ihrer Familie. Bilder der Überwachungskamera zeigen Täter mit Molotowcocktail. Die Roma-Familie soll zuvor bedroht worden sein.
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Mai 10th, 2017 |
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Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Verwaltungsakademie zeigt Roma-Ausstellung und veranstaltet Antiziganismus-Workshop
Wien (OTS) — „Roma stehen immer noch in vielen Ländern der Europäischen Union am Rande der Gesellschaft. Immer noch ist der Antiziganismus weit verbreitet“, sagte Staatssekretärin Muna Duzdar beim Besuch des Workshops „Sensibilisierung gegen antiziganistische Vorurteile“ der Verwaltungsakademie des Bundes im Schloss Laudon. „Immer noch gibt es vielfach Ausgrenzung, Ungleichheit und Diskriminierung gegen die mit zwölf Millionen Menschen in Europa größte ethnische Minderheit. In Zeiten, in denen die Kluft zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht, leiden vor allem die Ärmsten. Und das gilt nicht zuletzt auch für Österreich, wie es leider der Antiziganismusbericht 2015 belegt hat“, so Duzdar weiter. „Roma und Sinti sind überdurchschnittlich von unzureichender Schulausbildung, Arbeitslosigkeit und Diskriminierungserfahrungen betroffen, so dass die Armutsgefährdung besonders stark ausgeprägt ist.“
In der Roma-Strategie 2020 wird nun der Sensibilisierung für Diskriminierungen von Roma ein wichtiger Platz eingeräumt. Die Verwaltungsakademie des Bundes zeigt daher im Schloss Laudon neun Wochen lang die Ausstellung „Auf den Spuren der Vergangenheit“, die Informationen über den Völkermord an Roma und Sinti während der Zeit des Nationalsozialismus bringt. (Anm. d. dROMa-Red.: Ausstellung des Vereins Karika, zu sehen ist auch die Zeitzeugen-Dokumentation Mri Historija von Roma-Service.) Zudem findet heute ein erster Sensibilisierungsworkshops statt, der offen für Bedienstete des öffentlichen Dienstes, aber auch für Länder- und Gemeindebedienstete und NGOs ist. Read the rest of this entry »
Mai 9th, 2017 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Ausstellungseröffnung am 10. Mai 2017, 17:30 Uhr
Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Bayernstraße 110, Nürnberg
Einleitende Worte von Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma. Der Eintritt zur Austellung ist frei. Zu sehen bis 2. Juli 2017.
Ausgangs- und Schwerpunkt der Ausstellung ist der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma: von der Ausgrenzung und Entrechtung der Minderheit im Deutschen Reich bis zur systematischen Vernichtung im besetzten Europa. Den Täterdokumenten werden historische Privat- und Familienfotos der von Verfolgung betroffenen Menschen entgegengesetzt. Der zweite Teil behandelt die Geschichte der Überlebenden im Nachkriegsdeutschland, die erst spät als NS-Opfer anerkannt wurden. Er zeigt den maßgeblichen Anteil der Bürgerrechtsbewegung der deutschen Sinti und Roma, die ideologischen und personellen Kontinuitäten aus der Zeit des „Dritten Reiches“ zum Gegenstand einer gesellschaftlichen Debatte zu machen. Am Ende der Ausstellung steht ein Ausblick auf die Menschenrechtssituation der Sinti- und Roma-Minderheiten in Europa nach 1989.
Eine Ausstellung des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma, gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.
(Text: Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma)
Mai 8th, 2017 |
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Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
hr / Hessenreporter, 7.5.2017, 30 Min.
Frankfurt/M. – eine Reportage von Jochen Riegler
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Jahrelang leben sie in selbst gezimmerten Hütten auf einer Industriebrache im Schatten der Frankfurter Skyline: rund vierzig Menschen aus Rumänien, die meisten Roma. Ohne Rudi von der Helm, einen Rentner aus Frankfurt, der sich um sie kümmert, wäre es wahrscheinlich gar nicht so lange gut gegangen – bis dann, Anfang Februar, ein Feuer auf dem Platz ausbricht. Die Feuerwehr rückt an, und wenige Tage später geschieht, was alle schon lange befürchteten: Bagger walzen die Buden nieder. Endlich gibt es einen Anlass für die Stadt, das umstrittene Bretterbudendorf zu räumen.
Doch damit ist das Problem nicht gelöst: Vorübergehend kommen die Rumänen in einem Flüchtlingsheim unter (Anm. d. dROMa-Red.: das Vorgehen der Stadt rief heftige Kritik hervor, mehr hier und hier), ein paar treten mit ein paar Euro ausgestattet die Heimreise per Bus an. Aber die meisten sehen in ihrer Heimat Rumänien noch weniger Lebensperspektiven als im wohlhabenden Frankfurt, wo sie von Gelegenheitsjobs und Flaschensammeln leben. Ein Dauerbrenner für die Bankenstadt: Wohin mit den Armutsmigranten aus Europa? „Hessenreporter“ Jochen Riegler begleitet die Rumänen und ihren Helfer Rudi bei der Suche nach einem Ort zum Leben und das Taktieren im Frankfurter Rathaus, den Römer.
(Text: hr/Hessenreporter)
Siehe auch:
Frankfurt: Förderverein wiederholt Vorwürfe, 5.3.2017
Kritik nach Räumung in Frankfurt a. M., 2.3.2017
Frankfurt: Brandanschlag auf Obdachlose, 8.12.2016
Mai 6th, 2017 |
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Brauchtum & Tradition, Religion
Das Georgsfest gehört zu den großen Feiertagen der Roma und wird nach dem julianischen Kalender berechnet. Es ist ein Frühlingsfest, das Glück und Wohlstand bringen soll. Der heilige Georg wird als Schutzheiliger insbesondere der serbisch-orthodoxen Roma und als Beschützer der Ostkirche verehrt. Im Vorfeld des Georgsfestes reinigen die Roma ihre Häuser und schmücken sie mit Kerzen und Zweigen. Wasser bestimmter Quellen dient zur rituellen Reinigung und soll zugleich vor bösen Einflüssen schützen. Insgesamt feiern die Roma sieben Tage lang. Der Georgstag wird auch in den westlichen Kirchen begangen. Da diese dem gregorianischen Kalender folgen, ist der Georgstag hier am 23. April.
(Text: mdr.de)
Anm. der dROMa-Red.:
Der Georgstag wird unter dem Namen Djurdjevdan oder Herdelezi (Erdelezi) gefeiert. Er ist nicht nur ein Fest der christlichen Roma, sondern wird von moslemischen und christlich-orthodoxen Roma gleichermaßen begangen. So gilt Herdelezi beispielsweise in der Türkei als der wichtigste Festtag der Roma. „Es dürfte bereits frühzeitig zu einer Vermischung der jüdisch-christlichen Verehrung des alttestamentarischen hl. Elias mit dem christlichen Georgskult und der muslimischen Verehrung von El Khadr gekommen sein. Herdelezi und Djurdjevdan sind somit Ausdruck der Volksfrömmigkeit, die – weniger dogmatisch als die Theologie – eine gegenseitige Beeinflussung zuließ und die Feierlichkeiten trotz unterschiedlicher religiöser Wurzeln zu einem überreligiösen Frühlingsfest verschmelzen ließ.“ (Mehr auf Rombase.)
Mai 5th, 2017 |
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Rassismus & Menschenrechte
Ende April wurden Abgeordnete des deutschen Bundestages in einer Geheimsitzung über Ermittlungen gegen eine mutmaßliche Neonazi-Terrorzelle unterrichtet, über deren Existenz der Öffentlichkeit bislang nichts bekannt war. Diese Gruppierung soll geplant haben, gezielt Anschläge gegen Roma zu begehen. „Neonazis versuchten offenbar 2012, eine europäische Gruppe nach dem Vorbild des NSU zu bilden. Stand eine neue Mordserie bevor?“, schreibt „Der Spiegel“, der die Ermittlungsunterlagen einsehen konnte, in seiner aktuellen Ausgabe. Die neun Neonazis hätten sich systematisch konspirativ verhalten, auch von Schießübungen in Tschechien ist die Rede.
Die Zelle war jahrelang von Verfassungsschützern aus sechs deutschen Ländern observiert worden, später auch vom Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln. Die gemeinsame Operation namens „Mazoleti“ trug genug alarmierende Indizien zusammen, um den Generalbundesanwalt einzuschalten. Von März 2013 an ermittelte dieser gegen neun Personen wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Sieben Verdächtige waren namentlich bekannt, die Identität von zwei weiteren Männern konnte nicht ausgeforscht werden (es dürfte sich um zwei Neonazis aus Tschechien handeln). Die Ermittler versuchten u.a., über V-Männer zu Informationen aus dem inneren Kreis der Gruppe zu gelangen. „Mitten in den Ermittlungen versiegte diese Quelle jedoch”, berichtet der „Spiegel“. Anfang 2016 musste das Verfahren dann ohne Anklage eingestellt werden, die Beweislage war zu dünn. „Man werde die Verdächtigen und ihr Milieu weiter im Blick haben“, heißt es seitens des Verfassungsschutzes.
In Anlehnung an den Rechtsterrorismus des sog. Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), der zwischen 1999 und 2007 zehn Morde und mehrere Bombenanschläge verübt hatte, soll sich die neue Gruppierung „Zweiter Frühling“ genannt haben – eine Anspielung auf das Video, in dem sich der NSU 2011 unter dem Titel „Frühling“ zu seiner rassistischen Mordserie bekannt hatte.
Laut Spiegel deutet all das darauf hin, dass sich schon ein Jahr nach der Selbstenttarnung des NSU eine Nachfolgeorganisation zu formieren begann, die den rassistischen Terror des NSU fortsetzen wollte. Read the rest of this entry »
Mai 4th, 2017 |
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Politik
Ministerpräsident Bodo Ramelow und Romani Rose unterzeichnen gemeinsame Erklärung der Thüringer Landesregierung mit dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma
Ministerpräsident Bodo Ramelow und der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, haben am 2. Mai in der Thüringer Staatskanzlei in Erfurt eine gemeinsame Erklärung über die Zusammenarbeit der Landesregierung mit dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma unterzeichnet. Gegenstand der Erklärung sind der Erhalt und der Schutz der in Thüringen liegenden Grabstätten von im Nationalsozialismus verfolgten Sinti und Roma als Familiengedächtnisstätten und öffentliche Gedenkorte. Darüber hinaus wird sich die Thüringer Landesregierung gemeinsam mit dem Zentralrat dafür einsetzen, jeglicher Diskriminierung und Ausgrenzung von Angehörigen der Minderheit entgegenzuwirken und den gesellschaftlichen Antiziganismus zu ächten. Dazu soll es einen ständigen Austausch über alle Fragen geben, die die Minderheit der schon seit Generationen in Thüringen lebenden deutschen Sinti und Roma betreffen.
Romani Rose wertete die Unterzeichnung als einen Akt von historischer Bedeutung. „Thüringen schreibt damit fest, dass Sinti und Roma ein Teil des Landes, seiner Geschichte und Kultur sind“, betonte Rose. Read the rest of this entry »
Mai 3rd, 2017 |
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Einrichtungen, Internet & Blogothek, Interview, Kunst & Fotografie, Radio, Podcast & TV
Ein Gespräch mit Franziska Sauerbrey, Initiatorin und Projektleiterin von RomArchive
rbb/Kulturradio, Sendung vom 28.4.2017
>>Anhören / mp3 (6 Min., 3,5 MB)
Rund 12 Millionen Sinti und Roma gibt es in Europa. Ihre Jahrhunderte alte Kultur ist aber kaum sichtbar. Das soll sich mit dem Aufbau des RomArchive, eines digitalen Archivs für Kunst der Sinti und Roma, ändern. Das Archiv, das von der Kulturstiftung des Bundes mit 3,75 Millionen Euro gefördert wird, soll ein international zugänglicher Ort werden, an dem Sinti und Roma ihre Kultur sichtbar machen und damit den beständigen Stereotypen und Fremdbeschreibungen begegnen.
Kulturradio spricht mit Franziska Sauerbrey vom RomArchive.
(Text: Kulturradio)
Link: blog.romarchive.eu
Siehe auch:
RomArchive: Ein Projekt sucht sein Logo, 28.1.2016
RomArchive: Startschuss für digitales Archiv, 2.7.2015