April 30th, 2017 |
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Einrichtungen, Jugend & Bildung
Wien: Das Romano Centro will Bildungsbenachteiligungen von Roma-Kindern ausgleichen
derStandard.at: Angelina und Suhal Sitzanin kennen sich seit der vierten Klasse Volksschule. Mindestens einmal wöchentlich sehen sich die beiden, vor Schularbeiten öfter. Genau genommen ist Sitzanin keine Nachhilfelehrerin, sondern eine Lernhelferin. Sie arbeitet für das Romano Centro, einen der ersten Roma-Vereine in Österreich. Das Angebot richtet sich an Kinder aus Roma-Familien und soll die historisch gewachsenen Bildungsdefizite der Community ausgleichen. „Roma-Kinder landen oft in der Sonderschule, haben einen schlechten oder gar keinen Abschluss“, berichtet Ferdinand Koller, pädagogischer Leiter des Romano Centro. (…) Vor zehn Jahren saß Sitzanin noch an Angelinas Stelle. (…) Heute hat die 28-Jährige zwei Studien – Transkulturelle Kommunikation und Slawistik – abgeschlossen. Die Lernbetreuer sind meistens Studierende. (…) Manchmal wird das Romano Centro auch von pensionierten Lehrern unterstützt. „Viele Lehramtsstudenten schätzen den Einblick, den sie durch diese Arbeit bekommen“, sagt Koller. (…) Das österreichische Schulsystem baue stark auf die Beteiligung der Eltern auf: „Bei Roma, die in Österreich leben, hat aber oft die ältere Generation wenig Bildung.“ Das treffe dann die Kinder, deren Eltern sich nicht so stark einbringen können.
Lesen bitte Sie den hier nur in Auszügen wiedergegebenen Artikel von Vanessa Gaigg vom 28.4.2017 in voller Länge auf derstandard.at.
April 29th, 2017 |
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Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Ausstellung von Marika Schmiedt in Wien:
Rassismus, die soziale Konstruktion natürlicher Ungleichheit — Zusammenhang von Sprache, Rassismus, Ökonomie und Macht
Ausstellung 18. Mai bis 1. Juni 2017
Eröffnung: 18. Mai 2017, 19:00 Uhr
Lesung: Helga Gutwald, Der Menschenfresser-Prozess von Kaschau | Galeriewerkstatt NUU, Wilhelm-Exner-Gasse 15, 1090 Wien
„Tatsächlich ist die Sprache des Kolonialherrn, wenn er vom Kolonisierten spricht, eine zoologische Sprache. Wenn der Kolonialherr genau beschreiben und das richtige Wort finden will, bezieht er sich ständig auf das Tierreich.“ (Frantz Fanon)
Rasse als biologische Einheit oder als Konglomerat natürlicher Eigenschaften, sozialer Zuschreibungen und ideologischer Wertungen, eine trübe Mixtur aus Aggression und Vorurteilen. Auch wenn der Rassismus mittlerweile wissenschaftlich widerlegt ist, ist er weiterhin im kollektiven Bewusstsein tief verankert. Diskriminierungen aufgrund von Herkunft und Hautfarbe gehören heute leider zum Alltag sehr vieler Menschen. Neue Formen des Rassismus argumentieren kulturalistisch, indem sie unterschiedliche kulturelle Traditionen als miteinander unvereinbar ansehen. Der Begriff „Kultur“ ersetzt dabei den Begriff „Rasse“. Die Anderen werden entlang des Kriteriums kulturelle Identität, erkennbar an Merkmalen wie Haar- und Hautfarbe, Sprache, Kleidung und Auftreten, in verschiedene Kategorien unterteilt, denen eine scheinbar neutral bestimmbare Differenz zur österreichischen und deutschen Kultur zugeschrieben wird. Das Erklärungsmuster der Kulturunterschiede ist fast immer das Erste, was auf der Hand zu liegen scheint. „Kultur“ scheint beinahe als Natur des Menschen gedacht zu werden, als etwas, das einem anhaftet und das Handeln bestimmt.
Die Ausstellung zeigt, wie ein Konzept des angeblich naturwissenschaftlich gesicherten Rassenbegriffs fortgeschrieben wird und wie stark Sprache durch rassistische Diskurse und Wissensfelder geprägt ist. Dabei wird deutlich vor Augen geführt, dass die Bilder und der Umgang damit vom Ausgang des Kaiserreichs bis in unsere Tage keine prinzipiellen Unterschiede aufweisen.
(Text: marikaschmiedt.wordpress.com)
April 29th, 2017 |
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Rassismus & Menschenrechte
„Erzähle bloß niemandem, dass ich Rom bin!“
Von Mitya Gerasimov (Pushkin Klezmer Band), für tapferimnirgendwo.com aus dem Russischen übersetzt von Lisa Piesek
Ein wunderbarer Musiker sagte mir, als wir uns kennenlernten: „Erzähle bloß niemandem, dass ich Rom bin! In der Stadt weiß das keiner, ich sage allen, ich sei Jude.“
Anfang April kamen Maskierte in die Romasiedlung (Schatra) in Kiew. Sie kamen im Morgengrauen, fotografierten alle Bewohner und nahmen Fingerabdrücke. Sie bedrohten die Menschen und befahlen ihnen, sich zu verziehen. Man schreibt, diese Razzia sei autorisiert gewesen. Die netten Schläger haben kostenlose Bus- und Zugtickets ohne Rückfahrt verteilt, die meisten Bewohner flohen nach Transkarpatien. Aber man sagt, dass auch viele in Kiew überdauern wollen und sich zur Zeit verstecken. Die Schatra hatte sich bald geleert, und als sie ein paar Tage später angezündet wurde (wir berichteten), waren nur noch wenige Frauen und Kinder vor Ort.
Die Initiative zur Deportation ortsansässiger Roma stammt von lokalen Abgeordneten, Aktivisten und Strafverfolgungsbehörden. Der Einsatz wurde im Voraus geplant, bei Facebook besprach man Probleme, die mit der Lösung der „Zigeunerfrage“ einhergehen, die Organisatoren schrieben von der Verantwortung des „Titularvolkes“ und luden engagierte Aktivisten in ihre Bürgersprechstunde ein, einige delikate Details könne man nicht öffentlich erörtern.
Dieses Mal wurde die Schatra in Kiew unter dem Vorwand der Vorbereitung zum Eurovision Song Contest verwüstet, das letzte Mal geschah es im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft 2012. Die Roma sind nicht die Einzigen, die das Bild einer europäischen Ukraine verschandeln. Vor der EM wurden auch sehr viele Straßenhunde in Kiew abgeschlachtet, damals wurde überall darüber geschrieben. Read the rest of this entry »
April 28th, 2017 |
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Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Infotext: Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte
Die Europäische Menschenrechtskonvention wurde 1950 – auf der Basis der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen – verabschiedet. Um ihre Einhaltung sicherzustellen, errichteten die Mitgliedstaaten des Europarats 1959 den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg.
Die Konvention garantiert insbesondere das Recht auf Leben, auf ein faires Verfahren, auf Achtung des Privat- und Familienlebens, die Freiheit der Meinungsäußerung, die Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit und den Schutz des Eigentums. Sie verbietet Folter und unmenschliche oder erniedrigende Behandlung, Zwangsarbeit, willkürliche Freiheitsentziehung sowie Ungleichbehandlungen bei der Ausübung der Rechte und Freiheiten. Die nationalen Gerichte sind verpflichtet, die Konvention anzuwenden, andernfalls kann der EGMR den betroffenen Mitgliedsstaat verurteilen. Die Urteile sind für die Mitgliedsstaaten bindend, die Umsetzung wird vom Europarat überprüft.
Infolge der Aufnahme neuer Mitgliedstaaten in den 1990er Jahren stieg die Zahl der Beschwerden stark an. Seit 1998 besteht ein ständig tagender Gerichtshof, der es jeder Person ermöglicht, sich direkt an den EGMR zu wenden, sofern alle innerstaatlichen Rechtsmittel zuvor ausgeschöpft wurden und die endgültige innerstaatliche Entscheidung nicht länger als sechs Monate zurückliegt. Die Beschwerden können sich allerdings nur gegen Staaten richten, die die Konvention ratifiziert haben. Die Zahl der Richter entspricht der Anzahl der Mitgliedstaaten (derzeit 47). Read the rest of this entry »
April 26th, 2017 |
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Einrichtungen, Recht & Gericht
O Europitiko Kris le Manuschengere Tschatschipenge
I Europitiki Manuschengeri Konvencijona 1950 – upri basis le arphendostar le manuschengere tschatschipendar le Khetane Nacijonendar – kerdi uli. Kaj odola ande likerde te on, o schtotscha le Europitike Rotistar 1959 o Europitiko Kris le Manuschengere Tschatschipenge (EGMR/ECHR) ande Straßburg, kerde.
I konvencijona o tschatschipe upro dschivipe, upre jek manuschalo panasi tschijipe, o dikipe upro privati- taj familijakero dschivipe, o naphandlipe le muaninipestar, o gondi-, patschajipeskero- taj religijonakero naphandlipe taj o arakipe tre kojendar, garantirinel. Oj folterinipe taj na manuschalo taj tel dschumimo behandlinipe, mujsinipeskeri buti, and tschapinipe taj na glajchi behandlinipe uso and bescharipe le tschatschipendar taj naphandlipendar, fabijatinel. O nacijonali kristscha i konvencijona iste nucinen, mint te na, akor dschanel o EGMR le schtotiske, panasi te tschil. O panasi tschijiptscha le schtotenge obligatorischi hi, o prik bescharipe le Europitike Rotistar aun diklo ol.
Kada ando 1990te berscha neve schtotscha upre lim ule, o gendo le panasi tschijipestar utscheder ulo. Sajt 1998 jek kris del, savo pe mindig khetan bescharel, taj savo sakone dscheneske o schajipe del, pe direkti uso EGMR te mejdinel, te o cile andrutne schtotlichi tschatschipeskere koji imar putrim ule taj o kisetimo andrutno schtotlichi entschajdinipe na dureder sar schov masektscha pal paschlol. O panasi tschijiptscha ham tschak gejng schtotscha schaj on, save i konvencijona ratificirinde. O gendo le fischgaroschendar, o gendo le schtotendar, save use hi, sikal (akan 47). Read the rest of this entry »
April 25th, 2017 |
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Film & Theater, Radio, Podcast & TV
rbb/Presseaussendung – In Berlin haben die Dreharbeiten zu „Eine Braut kommt selten allein“ unter der Regie von Buket Alakus („Einmal Hans mit scharfer Soße“) nach einem Drehbuch von Laila Steiler („Die Opfer – Vergesst mich nicht“, 2. Teil der NSU-Trilogie im Ersten) begonnen. Es ist der erste deutsche Fernsehfilm, in dem die Lebenswirklichkeit der Roma im Mittelpunkt steht. Unverstellt, wertfrei und ohne Scheu vor unangenehmen Wahrheiten erzählt der Film, wie die Romni Sophia (Michelle Barthel) dem vom Leben enttäuschten Johnny (Paul „Sido“ Würdig) zuerst den Kopf verdreht und dann ihre 16-köpfige Großfamilie bei ihm einquartiert.
Zum Inhalt:
Eines Tages sitzt sie vor seiner Tür. In ihrem roten Hochzeitskleid und den abgelatschten Turnschuhen. Sie spricht nicht seine Sprache, sie ist ihm eigentlich zu jung, sie entstammt einer vollkommen anderen Welt, sie liebt auch anders als er – und doch werden die beiden ein Paar. Johnny, gescheiterter Clubbesitzer, und Sophia, die Romni. Ob sie wirklich von ihrer Hochzeit abgehauen ist, tatsächlich direkt aus Belgrad kommt, ihn wahrhaftig so liebt, wie sie behauptet? Johnny weiß es nicht. Und irgendwann ist es ihm auch egal. Er ist sogar bereit, ihre Eltern einzuladen, als Sophia Heimweh hat. Aber damit gerät sein ohnehin kompliziertes Leben völlig aus den Fugen, denn es kommen nicht nur Mama und Papa zu Besuch … In einer Mischung aus Märchen und Reportage nimmt die Komödie Klischees und Vorurteile aufs Korn, erzählt von Lüge, Wahrheit, Überforderung und der Kraft der Liebe.
Über die Produktion:
„Eine Braut kommt selten allein“ ist eine Produktion von Bavaria Fernsehproduktion Berlin im Auftrag des Rundfunk Berlin-Brandenburg für Das Erste. Das Drehbuch stammt von Laila Stieler. Die Bildgestaltung übernimmt Andreas Höfer. Die Redaktion verantwortet Cooky Ziesche. Für Hauptdarsteller Paul „Sido“ Würdig ist es aufgrund seiner Sinti-Wurzeln (mehr hier und hier) eine Herzensangelegenheit, bei diesem Film mitzuwirken. Read the rest of this entry »
April 23rd, 2017 |
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Facts & Figures
Carl Durheims Schweizer Fahndungsfotos von fahrenden „Heimatlosen“, also insbes. „Zigeunern“, bilden den weltweit ältesten Bestand an Polizeifotos (1852/53).
(Quelle)
April 22nd, 2017 |
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Rassismus & Menschenrechte
Das European Roma Rights Centre (ERRC) informiert in einer Kurzmeldung über einen aktuellen Gewaltvorfall in der Ukraine: Nach Einschüchterungen und Drohungen waren mehr als 180 Bewohner einer Roma-Siedlung in Kiew Anfang April gezwungen, aus der Siedlung zu fliehen. Ihre Unterkünfte wurden kurz nach ihrer Flucht niedergebrannt. Das ERRC ist vor Ort, um den Fall zu untersuchen.
(dROMa)
April 21st, 2017 |
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Geschichte & Gedenken, Interview, Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV
„Es brauchte zwei Generationen für den Kampf um Anerkennung“ – Romani Rose und sein Einsatz für Menschenrechte der Sinti und Roma
RDL/orgenrad, 7. April 2017, 13.35 min
>>Anhören (mp3)
„Romani Rose – Ein Leben für die Menschenrechte“. Der Untertitel dieses Buches sei ganz wörtlich gemeint, so die Autorin Behar Heinemann. Denn Romani Rose, Mitgründer und Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, habe sein Leben ganz in den Dienst des Kampfes um die Anerkennung der Verfolgung dieser Minderheit im Nationalsozialismus und um ihre Rechte gestellt. Dabei trat er in die Fußstapfen seines Vaters und seines Onkels, die – anders als 13 ermordete Familienmitglieder – den Porajmos überlebt und sich fortan für die Bürgerrechte der Sinti und Roma engagiert hatten. Während sie noch jahrzehntelang nach dem Krieg auf taube Ohren stießen, gelang es später, die Anerkennung der Sinti und Roma bis auf die Agenda der Bundesregierung zu bringen. Romani Rose ging dafür einen Weg vom Hungerstreik bis zur Ehrung durch Angela Merkel.
Die Autorin, Künsterlin und Fotografin Behar Heinemann, geboren im Kosovo und seit den 90er Jahren in Deutschland lebend, ist selbst Romni und kennt Romani Rose seit rund 20 Jahren. Das Buch sei eine Hommage an ihn, ein Versuch, ihn als Bürgerrechtler und als Menschen zu verstehen und kritisch zu würdigen.
„Romani Rose – Ein Leben für die Menschenrechte“ wurde am 4. April im Dokumentationszentrum deutscher Sinti und Roma vorgestellt und ist seit dem 5. April im Buchhandel erhältlich. Radio Dreyeckland hat – im Vorfeld des Internationalen Romatags am 8. April – mit der Autorin Behar Heinemann darüber gesprochen. Zuerst fragten wir, was die Familie Rose im Nationalsozialismus erlitten hat.
Behar Heinemann: Romani Rose – Ein Leben für die Menschenrechte. Danube Books, Ulm 2017, 224 Seiten
(Text: rdl.de)
April 18th, 2017 |
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Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Als Herr Georgiev am 3. April die Zeitung „Österreich“ öffnete, traute er seinen Augen nicht: Der Bulgare wird als Mitglied einer „rumänischen Bettlerbande“ dargestellt. „Niemand hat mit mir gesprochen. Man hat mich heimlich von hinten fotografiert.“ Herr Georgiev bat Straßensozialarbeiter von „Wieder wohnen“ um Hilfe, die ihn an die Rechtsberatung der BettelLobbyWien verwiesen: „Ich kann es nicht zulassen, dass man mich hier darstellt, als würde ich für einen Boss arbeiten. Ich bin alleine hier und habe immer nur für mich selbst gebettelt.“ Viele Menschen in Floridsdorf werden ihn auf dem Foto erkennen, so seine Befürchtung, denn er ist der einzige Bettler im Rollstuhl mit einer blauen Jacke. Herr Gevorgiev möchte prüfen, ob er rechtlich gegen die Zeitung vorgehen kann.
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April 13th, 2017 |
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Einrichtungen, Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Die Zahl der beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anhängigen Beschwerden lag Ende 2016 bei 80.000.
(Quelle)
April 11th, 2017 |
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Allgemeines
Als Kind überlebte sie den Roma-Holocaust in Transnistrien – und jetzt das Attentat in Stockholm
Păpușa Ciuraru (83), eine Romni aus Rumänien, die seit drei Jahren in Schweden bettelt, um ihre große Familie in Rumänien zu unterstützen, wurde am Freitag bei dem Terroranschlag in der Stockholmer Innenstadt verletzt. Die 83-Jährige wurde zwar nicht direkt von der Todesfahrt des LKW erfasst, wurde aber von einem weggeschleuderten Betonstück am Bein getroffen und erlitt einen Knochenbruch. „Als ich da lag, dachte ich, alles ist vorbei“, erzählt sie der Presse, „die Leute um mich herum haben nur geschrien, ich dachte, jetzt ist ein Krieg ausgebrochen. Ich habe versucht, mich aufzurappeln und wegzulaufen, aber da lag ein riesiger Stein über meinem Bein. Zwei Fremde kamen zu mir her, einer hatte ein Fahrrad, das hat er dann einfach dort gelassen. Sie haben mir aufgeholfen und trugen mich in ein Hotel, wo man mich ärztlich versorgt hat. Ich war überrascht. Sie blieben bei mir, um mir zu helfen. Und ich dachte, jeder läuft an mir vorbei, um sich selbst zu retten.“
Sie wurde inzwischen operiert und wird derzeit im Stockholmer St. Göran-Krankenhaus stationär behandelt. Nach dem Attentat sagte sie: „Das Leben geht weiter. Es gibt keine andere Möglichkeit. Ich bin unglaublich dankbar für all die Hilfe, die ich erhalten habe. Da ich das Glück habe, noch ein wenig weiter zu leben, will ich meiner Familie weiter helfen.“
Bei dem Attentat wurden vier Menschen getötet und 15 verletzt. Noch am Tag des Anschlags machte die schwedische EU-Parlamentarierin und Romni Soraya Post via Twitter auf das Schicksal Păpușa Ciurarus aufmerksam. Inzwischen haben auch schwedische Medien den Fall aufgegriffen (hier und hier). Bereits vor eineinhalb Jahren erzählte die schwedische Tageszeitung „Aftonbladet“ Păpușa Ciurarus Geschichte (wir berichteten).
(dROMa)
Siehe auch:
München: Drei Sinti und Roma unter den Opfern (29.7.2016)
April 10th, 2017 |
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Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Die von der Antidiskriminierungsstelle Steiermark beim ETC Graz in Auftrag gegebene Studie zeigt erstmals das Ausmaß von Hate Crime in der Steiermark: Eine Reihe von Maßnahmen soll die Menschen nun weiter sensibilisieren.
Es sind die ersten offiziellen Zahlen, die rund um das Thema Hate Crime in der Steiermark erhoben wurden. Das ETC Graz (Europäisches Trainings- und Forschungszentrum für Menschenrechte und Demokratie) befragte im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle Steiermark landesweit 1.112 Menschen mit Migrationshintergrund.
Die Ergebnisse: 431 Personen (39 Prozent) gaben an, in den vergangenen 12 Monaten zumindest einmal wegen ihrer Hautfarbe, Religion oder Herkunft beschimpft, beleidigt oder bedroht worden zu sein. Davon waren 188 Personen (17 Prozent) öfter als 3 Mal betroffen. Opfer eines körperlichen Übergriffs aufgrund von Hautfarbe, Religion oder Herkunft wurden in den vergangenen 12 Monaten laut Befragung 98 Personen (9 Prozent). Davon 31 Personen (3 Prozent) öfter als 3 Mal.
Unter der Berücksichtigung von Mehrfachnennungen lässt sich folgende Hochrechnung treffen: In der Steiermark ereignen sich laut der Studie bis zu 4.100 Hate Crimes pro Jahr. Und zwar zwischen 2.500 und 3.500 verbale Attacken sowie 400 bis 600 körperliche Übergriffe. Auffallend auch: Am häufigsten passierten diese Vorfälle (verbal und körperlich) auf der Straße, in Parks bzw. in öffentlichen Verkehrsmitteln.
„Für uns bedeuten diese Zahlen, dass wir noch stärker das Bewusstsein für dieses Thema schärfen müssen“, sagt Daniela Grabovac, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle Steiermark. So plant die Antidiskriminierungsstelle gemeinsam mit dem ETC Tagesveranstaltungen u.a. in Zusammenarbeit mit dem Verein „Gemeinsam Sicher“, bei denen Polizistinnen und Polizisten mit Betroffenen zusammenkommen, um das gegenseitige Verständnis zu stärken. Auch das Personal der Grazer Ordnungswache soll dazu eingeladen werden.
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April 8th, 2017 |
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Interview, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, dROMa TV
Das Erzählcafé des Roma-Projektes ZORROM im Grazer VinziNest gibt Einblicke in die Lebenswelten der Roma – Einblicke in einen Alltag abseits von Klischees.
Bettler, Musiker, „fahrendes Volk“: Die Vorurteile und Klischees über Angehörige aus der Volksgruppe der Roma halten sich hartnäckig. Doch wie lebt es sich hierzulande tatsächlich als Romni oder Rom? Im Rahmen des 2. Erzählcafés im Vorfeld des Internationalen Roma-Tages berichten Emmerich Gärtner-Horvath, ein Burgenland-Rom, Zsolt Berki, ein Rom aus der Slowakei, und Tina Friedreich, eine junge Romni aus Slowenien, aus ihrem Alltag und geben Einblicke in ein Roma-Sein abseits von Zuschreibungen und medialen Klischees.
O phukajipeskero kafe ando VinziNest and dikiptscha ando dschivipeskere thema le Romendar del – and dikiptscha ande jek sako diveseskero dschivipe pasche o klischeji.
Kuduschtscha, muschikaschtscha, „o flogo, savo ladel“: O tel dikipeskere koji taj klischeji pedar o dschene andar i flogoskero grupn le Romendar sorale likeren pumen. Ham sar dschin o Roma taj Romna tschatschikan adaj use amende? Read the rest of this entry »
April 7th, 2017 |
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Einrichtungen, Frauenrechte, Politik
Staatssekretärin Duzdar: Roma-Strategie 2020 wird um Schwerpunkte Frauen und Jugend erweitert
Wien (OTS) – Anlässlich des Internationalen Roma-Tages am 8. April präsentierte Staatssekretärin Muna Duzdar gemeinsam mit Susanne Pfanner, Leiterin der Nationalen Roma-Kontaktstelle im Bundeskanzleramt, Emmerich Gärtner-Horvath, dem Vorsitzenden des Volksgruppenbeirates der Roma, und Irina Spataru vom Romano Centro Bilanz und Ausblick für die Roma-Strategie 2020 in Österreich.
Im Jahr 2011 wurde vom Europäischen Rat der EU-Rahmen für nationale Strategien zur Integration der Roma bis zum Jahr 2020 verabschiedet. In Österreich wurde 2012 dafür eine nationale Kontaktstelle im Bundeskanzleramt eingerichtet. Die Vernetzung zwischen der Roma-Zivilgesellschaft und der nationalen Kontaktstelle erfolgt über eine Dialogplattform, die den regelmäßigen Austausch forciert. Im Herbst des vergangenen Jahres bestand auch die Möglichkeit das Roma-Strategiepapier im Rahmen einer Online-Dialogplattform zu bewerten.
„Österreich spielt bei der Roma-Strategie in Europa eine Vorreiterrolle. Von Seiten der EU-Kommission wird immer wieder dazu aufgerufen, dem österreichischen Beispiel des intensiven Dialoges zu folgen“, erläuterte Staatssekretärin Muna Duzdar. Mit 12 Millionen Menschen stellen die Roma die größte ethnische Minderheit in Europa dar. Sie sind immer noch von Ausgrenzung, Diskriminierung und Armut betroffen. Als eine Gegenmaßnahme werden in Österreich etwa Projekte im Bereich Arbeitsmarkt im Ausmaß von jährlich einer Million Euro – kofinanziert durch die EU – gefördert. „Unsere Schwerpunktsetzung Bildung, Arbeitsmarkt und Kampf gegen Diskriminierung wurde auch durch die Online-Umfrage weitestgehend bestätigt. Zudem wurden aber Nachholbedarf insbesondere beim Thema Frauen-Empowerment und Jugend deutlich“, so Duzdar. Die überarbeitete Roma-Strategie soll noch in der ersten Jahreshälfte den Ministerrat passieren.
Thema müsse ebenso die Bewusstseinsarbeit gegen wachsenden Antiziganismus sein, unterstrichen Emmerich Gärtner-Horvath und Irina Sparatu. Deutlich zeige sich auch Bedarf bei aus anderen EU-Staaten zugewanderten Roma, die die Zahl der autochtonen Roma in Österreich deutlich übersteige. Read the rest of this entry »
April 5th, 2017 |
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Einrichtungen, Jugend & Bildung, Politik, Wissenschaft
Die „Central European University“ (CEU) in Budapest ist schwer unter Beschuss. Viktor Orbáns rechtskonservative Regierung bringt nicht nur auf internationale Unterstützung angewiesene NGOs in Bedrängnis (darunter Menschenrechts-Organisationen, die für die Rechte der Roma-Minderheit eintreten); das jüngste Manöver seiner „illiberalen Demokratie“ wendet sich nun auch gegen die renommierte Budapester Privat-Universität CEU. Eine – speziell auf die CEU zugeschnittene – Novelle des ungarischen Hochschulgesetzes sieht nämlich vor, dass Hochschulen mit einem Träger außerhalb der EU eine Universität im Mutterland betreiben müssen, um in Ungarn tätig sein zu dürfen. Dies ist bei der US-finanzierten CEU nicht der Fall. „Wer die Bedingungen dieser Gesetzesmodifizierung nicht erfüllt, darf ab 1. Jänner 2018 keine Studienanfänger mehr aufnehmen“, heißt es in der am Dienstag verabschiedeten Novelle. Die 1991 von George Soros begründete CEU steht somit vor der Schließung.
Auch bei dem Vorgehen gegen die CEU geht es um eine – durchaus auch antisemitisch grundierte – Kampagne gegen den aus Budapest stammenden US-Milliardär, dessen „Open Society Foundations“ (ehemals OSI) zahlreiche zivilgesellschaftliche Initiativen in den jungen Demokratien Ost- und Mitteleuropas unterstützt, insbesondere auch Projekte und Einrichtungen für Roma.
Ganz in diesem Sinne betreibt auch die CEU seit 12 Jahren ein eigenes Förderprogramm für Roma-Studierende: Bereits mehr als 250 Roma-Akademiker/-innen verdanken ihre Ausbildung den „Roma Access Programs“ (RAP) der CEU. Viele von ihnen nehmen heute – als akademische Elite ihrer Volksgruppe – an Schlüsselstellen der europäischen und nationalen Institutionen Einfluss auf die Gestaltung der Roma-Politik. Derzeit ist die CEU dabei, dieses Programm unter dem Dach der neuen „Roma in European Societies“-Initiative weiter auszubauen. Diese wurde 2016 in Kooperation mit der dänischen Velux-Stiftung, dem „Roma Initiatives Office“ der „Open Society Foundations“ und dem „Roma Education Funds“ begründet. Ihre Finanzierung beträgt fünf Millionen Euro. Verbunden mit der neuen Initiative ist an der CEU zudem gerade erst ein eigener Lehrstuhl für „Roma Studies“ eingerichtet worden; besetzt wurde er mit den Roma-Wissenschaftlern Iulius Rostas und Angela Kocze.
All dies steht nun auf dem Spiel. Orbáns Angriff auf die CEU ist auch ein Schlag gegen die Emanzipation der Roma.
(Roman Urbaner/dROMa)
April 3rd, 2017 |
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Film & Theater, Jugend & Bildung
Valentina (D 2016, 51 min.)
Dokumentarfilm von Maximilian Feldmann & Luise Schröder
(mehr hier)
April 1st, 2017 |
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Einrichtungen, Politik
Am 21. März empfing Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen die Repräsentanten aller staatlich anerkannten Volksgruppen in der Präsidentschaftskanzlei. Bei dem Treffen mit den Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden der sechs Volksgruppenbeiräte besprach er die aktuelle Situation der österreichischen Volksgruppen – von Bildungsfragen bis zur Novellierung des Presseförderungsgesetzes. Für die Volksgruppe der Roma nahmen der neue Beiratsvorsitzende Emmerich Gärtner-Horvath (Verein Roma-Service) und der stellvertretende Vorsitzende Andreas Sarközi (Kulturverein) an dem Gespräch teil.
(dROMa)