Studie: Hate Crimes in der Steiermark

April 10th, 2017  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Steiermark: 4 von 10 Befragten geben an, im letzten Jahr Opfer verbaler Angriffe gewesen zu sein (Verbale Hate Crimes laut ETC-Studie)Die von der Antidiskriminie­rungs­stel­le Steier­mark beim ETC Graz in Auf­trag ge­ge­be­ne Studie zeigt erst­mals das Aus­maß von Hate Crime in der Steier­mark: Eine Rei­he von Maß­nah­men soll die Men­schen nun wei­ter sen­si­bi­li­sie­ren.

Es sind die ersten offiziellen Zahlen, die rund um das The­ma Hate Crime in der Steiermark erhoben wur­den. Das ETC Graz (Euro­päi­sches Trai­nings- und Forschungs­zentrum für Men­schen­rechte und Demo­kratie) be­frag­te im Auf­trag der Anti­diskri­mi­nie­rungs­stelle Steiermark landes­weit 1.112 Men­schen mit Migrations­hinter­grund.

Die Ergebnisse: 431 Personen (39 Prozent) gaben an, in den ver­gan­ge­nen 12 Mo­na­ten zumin­dest ein­mal wegen ihrer Haut­farbe, Religion oder Herkunft be­schimpft, be­leidigt oder be­droht wor­den zu sein. Davon waren 188 Per­so­nen (17 Pro­zent) öfter als 3 Mal be­trof­fen. Opfer eines kör­per­li­chen Über­griffs auf­grund von Haut­farbe, Religion oder Her­kunft wur­den in den ver­gan­ge­nen 12 Mo­na­ten laut Befra­gung 98 Per­so­nen (9 Prozent). Davon 31 Per­so­nen (3 Prozent) öf­ter als 3 Mal.

Unter der Berücksichtigung von Mehrfachnennun­gen lässt sich fol­gen­de Hoch­rech­nung tref­fen: In der Steiermark er­eig­nen sich laut der Studie bis zu 4.100 Hate Crimes pro Jahr. Und zwar zwi­schen 2.500 und 3.500 verbale Attacken so­wie 400 bis 600 körperliche Übergriffe. Auf­fal­lend auch: Am häu­figsten pas­sier­ten diese Vor­fälle (verbal und kör­per­lich) auf der Straße, in Parks bzw. in öffent­li­chen Verkehrs­mitteln.

„Für uns bedeuten diese Zahlen, dass wir noch stärker das Be­wusst­sein für dieses Thema schär­fen müs­sen“, sagt Daniela Grabovac, Lei­te­rin der Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­stelle Steier­mark. So plant die Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­stelle ge­mein­sam mit dem ETC Tages­ver­an­stal­tun­gen u.a. in Zu­sam­men­arbeit mit dem Verein „Gemeinsam Sicher“, bei de­nen Po­li­zis­tin­nen und Polizisten mit Be­trof­fe­nen zu­sam­men­kom­men, um das gegen­seitige Ver­ständ­nis zu stär­ken. Auch das Per­sonal der Grazer Ord­nungs­wache soll dazu ein­ge­laden wer­den.

Grabovac: „Hate Crimes haben nicht nur einen indivi­duel­len, son­dern einen gesamt­gesell­schaft­li­chen Bezug. Es geht um die sym­bo­lische Be­deu­tung: Es kann jede Per­son aus einer mit einem bestimm­ten Merk­mal iden­ti­fi­zier­ten Grup­pe treffen.“ Diese Merkmale sind durch das Gesetz gere­gelt: Ge­meint sind zum Bei­spiel Sprache, Religion, Ethnizität, Nationalität sowie je nach Ge­setz­ge­bung auch sexuelle Orientierung, Behinderung, politische Ein­stellung, Obdachlosigkeit oder der soziale Status. Ge­nerell ver­steht man unter einem Hate Crime politisch moti­vier­te Straftaten, bei de­nen das Opfer vom Täter vor­sätz­lich ge­wählt wird – und zwar nach dem Kriterium der wirk­li­chen oder ver­mu­te­ten Zu­ge­hö­rig­keit zu einer gesell­schaft­li­chen Gruppe.

Das Problem ist laut Grabovac auch folgendes: In Österreich gibt es zwar seit 1996 ein Gesetz (§33, Abs.1, Z5), das diese Delikte mit einem be­son­de­ren Er­schwerungs­grund be­rück­sich­tigt, aller­dings selten bei Hate Crimes zur An­wen­dung kommt. Gra­bo­vac: „Das Be­wusst­sein, Hate Crimes auch als solche auf­zu­nehmen und zu ver­folgen, fehlt leider noch zu oft.“

(Text: Antidiskriminierungsstelle Steiermark)

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