Ausstellung: Sprache kommt vor der Tat

April 29th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

web_plakat_sprache-kommt-vor-der-tatAusstellung von Marika Schmiedt in Wien:
Rassismus, die soziale Konstruktion natürli­cher Ungleichheit — Zusam­men­hang von Sprache, Ras­sis­mus, Öko­no­mie und Macht

Ausstellung 18. Mai bis 1. Juni 2017
Eröffnung: 18. Mai 2017, 19:00 Uhr
Lesung: Helga Gutwald, Der Menschenfresser-Prozess von Kaschau | Galerie­werk­statt NUU, Wil­helm-Exner-Gasse 15, 1090 Wien

„Tatsächlich ist die Sprache des Kolonialherrn, wenn er vom Ko­lo­ni­sier­ten spricht, eine zoo­logi­sche Sprache. Wenn der Ko­lo­nial­herr genau be­schrei­ben und das richtige Wort fin­den will, be­zieht er sich stän­dig auf das Tierreich.“ (Frantz Fanon)

Rasse als biologische Einheit oder als Konglomerat natürli­cher Eigen­schaf­ten, sozialer Zu­schrei­bungen und ideo­lo­gi­scher Wer­tungen, eine trübe Mi­xtur aus Aggres­sion und Vor­urteilen. Auch wenn der Rassismus mitt­ler­weile wissen­schaft­lich widerlegt ist, ist er weiter­hin im kollek­tiven Bewusst­sein tief ver­ankert. Dis­krimi­nie­run­gen auf­grund von Herkunft und Hautfarbe ge­hö­ren heute leider zum All­tag sehr vieler Men­schen. Neue For­men des Rassismus ar­gu­men­tie­ren kulturalistisch, in­dem sie unters­chied­liche kulturel­le Tra­di­tio­nen als mit­einan­der un­ver­einbar an­se­hen. Der Begriff „Kultur“ er­setzt da­bei den Begriff „Rasse“. Die An­de­ren werden ent­lang des Krite­riums kultu­relle Identität, er­kenn­bar an Merk­malen wie Haar- und Hautfarbe, Sprache, Kleidung und Auftreten, in verschiedene Kategorien unterteilt, denen eine schein­bar neutral bestimm­bare Dif­ferenz zur öster­rei­chi­schen und deutschen Kul­tur zu­ge­schrie­ben wird. Das Erklärungs­muster der Kultur­unterschiede ist fast im­mer das Erste, was auf der Hand zu lie­gen scheint. „Kul­tur“ scheint bei­nahe als Natur des Men­schen ge­dacht zu werden, als etwas, das einem an­haftet und das Handeln be­stimmt.

Die Ausstellung zeigt, wie ein Konzept des angeb­lich natur­wissen­schaftlich ge­sicher­ten Rassen­begriffs fort­ge­schrie­ben wird und wie stark Sprache durch rassistische Diskurse und Wis­sens­felder ge­prägt ist. Dabei wird deut­lich vor Augen geführt, dass die Bilder und der Um­gang damit vom Ausgang des Kaiser­reichs bis in unsere Tage keine prin­zi­piel­len Unter­schiede auf­weisen.

(Text: marikaschmiedt.wordpress.com)

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