März 29th, 2017 |
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Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte
Ein Leben für die Menschenrechte von Minderheiten weltweit
Nach fast 50 Jahren beendet einer der profiliertesten Menschenrechtler Deutschlands, Tilman Zülch, seine Tätigkeit als Generalsekretär der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). Künftig wird der 77 Jahre alte GfbV-Gründer die GfbV-Kampagnen beratend begleiten. Die politische Leitung der Menschenrechtsorganisation übernimmt der langjährige GfbV-Asien- und Afrika-Experte Ulrich Delius.
In einer Dokumentation zum 50-jährigen Bestehen der GfbV wird Tilman Zülch den konsequenten Kampf der GfbV gegen Völkermord und Massenvertreibung ethnischer sowie religiöser Minderheiten und indigener Gemeinschaften seit 1968 festhalten. Die GfbV ging aus der von den damaligen Hamburger Studenten Zülch und Klaus Guercke 1968 gegründeten „Aktion Biafra-Hilfe“ hervor. Mit Tilman Zülch an der Spitze ist die GfbV immer wieder gegen den Strom geschwommen und hat sich nicht zuletzt für Volksgruppen eingesetzt, „von denen keiner spricht“, so der Titel eines der von Zülch herausgegebenen Bücher.
1979 bis 1981 machte die GfbV den bis dahin tabuisierten Holocaust an Sinti und Roma bekannt. Der von Zülch 1979 herausgegebene Band „In Auschwitz vergast, bis heute verfolgt“ (mit einem Vorwort des Philosophen Ernst Tugendhat), ein gemeinsam mit dem Verband deutscher Sinti unter Romani Rose organisierter Trauermarsch zur KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen (1979) mit der damaligen Präsidentin des Europaparlaments Simone Veil und Heinz Galinski, damaliger Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, sowie schließlich der Internationale Roma-Kongress (1981) in Göttingen unter Schirmherrschaft von Simon Wiesenthal und Indira Ghandi mit 400 Roma-Delegierten aus 26 Staaten und fünf Kontinenten brachten den Durchbruch: Der Genozid wurde von der Bundesregierung anerkannt. Staatenlose Sinti erhielten ihre deutsche Staatsbürgerschaft zurück, die Bezeichnung Sinti/Roma anstelle von Zigeuner wurde durchgesetzt und die neu entstandenen Institutionen der Volksgruppe wurden nun staatlich gefördert.
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März 28th, 2017 |
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Film & Theater, Jugend & Bildung
Dokumentarfilm von Maximilian Feldmann & Luise Schröder (D 2016, S/W, 51 min.)
Eine Armensiedlung im Roma-Viertel. Die 10-jährige Valentina lädt uns zu ihrer Familie ein. Skurrile Anekdoten, Tagträume und dokumentarische Beobachtungen. Ein Film, so lebensprall wie seine streunende Heldin.
„Soll ich euch eine Geschichte erzählen?“, fragt Valentina – Armeehose, Trainingsjacke, wilde Haare mit einer winzigen Spange. Sie vertraut uns an, warum sie nicht als Junge geboren wurde, so wie es hätte sein müssen. Überhaupt kennt Valentina jedes Detail ihrer Familiengeschichte: Wie ihr Vater mit Saft und einer Schachtel Zigaretten das Herz ihrer Mutter erobert hat, warum ihre Schwester von den Schwiegereltern mit einer Pistole bedroht wurde und wo ihre Geschwister hingebracht wurden, nachdem man sie beim Betteln erwischt hat. Valentina lebt mit ihrer 12-köpfigen Familie in einer baufälligen Einzimmerhütte im Roma-Viertel Shutka, in Skopje, Mazedonien. Alltagsbeobachtungen mischen sich mit persönlicher Erzählung, Träume mit wahren Begebenheiten. Am Ende wird klar, dass alles Geschichtenerzählen nur eine Übung für Valentinas großen Traum ist.
Regiekommentar:
„Armut ist ein großer Glanz aus Innen“. Diese Zeile aus einem Rilke-Gedicht beschäftigte mich seit Jahren. Wir – Regie, Kamera, Ton – suchten nach einem Beleg dafür im Roma-Viertel Shutka. Wellblechhütten zwischen Mehrstockhäusern, Pferdekutschen neben Mercedes-Limousinen, Muezzin-Gesänge und Balkanpop und an jeder Ecke irgendjemand, der Deutsch spricht. Aber wir finden keine Protagonisten, fünf Wochen lang. „Wem nützt denn euer Film?“, fragen die Bewohner und verlangen hohe Gagen. – Wir haben zu wenig Geld, um hier drehen zu können.
Dann erbettelt ein kleines Mädchen Hamburger von uns. Ihr Vater war Schauspieler in einem Emir-Kusturica-Film. Wir schließen einen Vertrag, mit Aufwandsentschädigung und Catering für die Familie und beginnen unser gemeinsames Filmprojekt: ein Familienporträt. Read the rest of this entry »
März 26th, 2017 |
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Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Recht & Gericht, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft
„Doppeltes Unrecht – ein späte Entschuldigung“
Gemeinsame Publikation des deutschen Bundesgerichtshofs und des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma
Am 17. Februar 2016 fand das gemeinsame Symposium des Bundesgerichtshofs und des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma zur Aufarbeitung der Entschädigungsrechtsprechung des Bundesgerichtshofs aus den 1950er Jahren betreffend die nationalsozialistische Verfolgung von Sinti und Roma statt. Die Ergebnisse des Symposiums wurden nun in einer gemeinsamen Publikation des Bundesgerichtshof und des Zentralrats veröffentlicht. Die Broschüre enthält alle Beiträge der Veranstaltung – einschließlich der beiden Vorträge von Herrn Prof. Dr. Dr. Ingo Müller und Herrn Richter am Bundesgerichtshof a. D. Dr. Detlev Fischer – sowie die Urteile des Bundesgerichtshofs vom 7. Januar 1956, die den Gegenstand des Symposiums bildeten.
Aus dem Vorwort:
„Eine späte Entschuldigung in symbolischer Weise wie auch ganz explizit zum Ausdruck zu bringen, war der tragende Gedanke des Symposiums, das am 17. Februar 2016 in den Räumen des Bundesgerichtshofs stattgefunden hat. Die Entschuldigung gilt den Sinti und Roma, denen durch die Entschädigungsrechtsprechung des Bundesgerichtshofs in den 50er Jahren weiteres Unrecht widerfahren war. Durch eine Rechtsprechung, die die rassistische Motivation der Verfolgung der Sinti und Roma durch die Nationalsozialisten negierte, die betroffene Bevölkerungsgruppe erneut pauschal diskriminierte und den rechtsuchenden Opfern Entschädigung versagte. Read the rest of this entry »
März 23rd, 2017 |
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Rassismus & Menschenrechte
Zara-Report, S. 40f.:
Beschimpfung als „Scheiß-Z*“
Im März wird Frau D. von einem Roma-Verein wegen eines rassistischen Vorfalls zur Beratung an ZARA verwiesen: Frau D., die Romni ist, lebt im Burgenland. Aufgrund einer Anzeige gegen ihren Lebensgefährten fahren mehrere Polizeiwagen vor dem Eingang des Geschäfts vor, in dem Frau D. und ihr Lebensgefährte gerade Einkäufe erledigt haben. Die Polizisten/.innen fordern den Lebensgefährten auf, sich neben seinen Wagen zu stellen, legen ihm Handschellen an und nehmen ihn fest. Frau D. ist Zeugin der Festnahme und sehr erschrocken über diese Polizeiaktion. Sie beteuert mehrmals, dass es keinen Grund gibt, ihren Lebensgefährten festzunehmen und versucht, mit den Beamten/-innen zu reden. Einer der Polizisten drängt Frau D. daraufhin zur Seite und beschimpft sie dabei mit „Scheiß-Z*! Halt die Goschn, was wüllst jetzt!“.
Frau D. ist zutiefst bestürzt, von einem Exekutivbeamten im Zuge einer Amtshandlung auf diese verletzende und rassistische Weise beschimpft zu werden. Mit Unterstützung von ZARA bringt Frau D. wegen der Beschimpfung eine Richtlinienbeschwerde bei der zuständigen Dienststelle ein. Weiters erstattet sie bei der Staatsanwaltschaft Anzeige wegen qualifizierter Beleidigung aufgrund der ethnischen Herkunft. Nach Prüfung der Beschwerde stellt die Polizeibehörde einen Verstoß gegen die Richtlinienverordnung fest und entschuldigt sich in ihrem Antwortschreiben bei Frau D. Im Herbst findet wegen der Beleidigung ein Strafverfahren gegen den Polizisten statt. Die Beleidigung wird von zwei weiteren Personen, darunter befindet sich einer der bei der Amtshandlung anwesenden Polizisten, bestätigt, das Urteil endet allerdings mit einem Freispruch. Frau D. erfährt, dass die zuständige Staatsanwaltschaft ein Rechtsmittel gegen das Urteil erhoben hat. Das Urteil ist zu Redaktionsschluss daher noch nicht rechtskräftig.
(Aus: Zara: Rassismus-Report 2016, S. 40f.)
März 22nd, 2017 |
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Rassismus & Menschenrechte
Aus dem Bericht, S. 15:
Brandanschläge auf Roma-Zeltlager
Das Romano Centro informiert ZARA Anfang des Jahres über mehrere Brandanschläge auf Zeltlager von Roma-Familien in Linz. Der erste Anschlag (wir berichteten) wird im Februar auf Zelte von Roma/Romnija verübt, als diese auf ungenutztem Gelände im Linzer Industriegebiet campieren. Die Zelte und alle darin befindlichen Gegenstände werden durch das Feuer vernichtet. Nur wenige Tage später wird ein weiterer Brandanschlag auf ein sich in unmittelbarer Nähe befindliches Roma-Zeltlager verübt. Glücklicherweise halten sich die Bewohner/innen der Zelte zum Zeitpunkt der Brände nicht dort auf und es wird niemand verletzt. Die Polizei leitet gemeinsam mit dem Landesamt für Verfassungsschutz Ermittlungen ein. Auch auf politischer Ebene führen diese Anschläge zu großer Besorgnis und Betroffenheit und werden aufs Schärfste verurteilt. Nur wenige Wochen später wird in Linz erneut ein Brand in einem Roma-Zeltlager gelegt, von dem 15 Menschen, unter ihnen auch Kinder, betroffen sind (mehr hier). Die Zelte mitsamt ihrem Inhalt verbrennen fast vollständig. In der Folge werden die Betroffenen in einer Flüchtlingsunterkunft untergebracht. Auch in diesem Fall ermitteln Polizei und das Landesamt für Verfassungsschutz gemeinsam. Es wird bekanntgegeben, dass feststeht, dass es sich um Brandstiftung handelte, zu möglichen Täter/innen könne man aber nichts sagen. Ein Zusammenhang zu den ersten beiden Brandanschlägen wird vermutet.
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März 21st, 2017 |
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Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte
ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit (Hg.): Rassismus-Report 2016. Einzelfall-Bericht über rassistische Übergriffe und Strukturen in Österreich, Wien 2017 (>>zum Download)
Die Zahl der von ZARA dokumentierten Online-Hass- und Hetzbotschaften hat 2016 einen neuen Spitzenwert erreicht: Mit einem weiteren Anstieg um mehr als ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr machen die Internet-Fälle 31% der insgesamt 1.107 rassistischen Vorfälle, die ZARA im Vorjahr verzeichnet hat, aus. Dabei wurden die meisten rassistischen Inhalte im Netz über Online-Communities und Internet-Portale verbreitet. Inhaltlich haben diese Hass- und Hetzbotschaften insbesondere zur weiteren Feindbildkonstruktion von Geflüchteten beigetragen, die sich – angefacht von gezielten Hetz- und Falschmeldungen – in allgemeines Misstrauen und Ablehnung verwandelt haben. (…)
(Text: ZARA, 21.3.2017)
Siehe auch: Antiziganismus in Österreich – Falldokumentation 2013–2015: 2. Antiziganismus-Bericht des Romano Centro, Wien (Nov. 2015)
„Antiziganistische Angriffe geschehen überall“ – Amaro Foro stellte Berliner Antiziganismus-Bericht 2015 vor
März 19th, 2017 |
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Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte
Vor 25 Jahren: Am 19.3.1992 „outet“ sich der Obdachlose Ingo Finnern in Flensburg vor einem Skinhead als Sinto. Er wird ins Hafenbecken gestoßen und ertrinkt.
(Quelle)
(Hinweis via @OpferNaziGewalt)
März 19th, 2017 |
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Film & Theater, Geschichte & Gedenken
Dokumentarfilm von Robert Kirchhoff
SK, CZ 2016, 92 Min. (Website)
Eine kleine Kunstgalerie irgendwo in Serbien, in der ausschließlich Werke von Roma ausgestellt werden. Ist Clinton nicht auch ein Rom? Da ist sich die Galeristin nicht so sicher. Aber Antonio Banderas sei Rom, auch Yul Brynner. Sie wagten es nur nicht, sich öffentlich dazu zu bekennen. Diese rührende Szene kultureller Selbstvergewisserung ist Teil einer Erzählung über den Holocaust an den Roma, der weitgehend aus dem europäischen Gedächtnis getilgt ist und dessen Spuren der Regisseur akribisch nachgeht. Ein Film gegen das Vergessen.
Wir lernen Menschen aus Frankreich, Serbien, Deutschland, Tschechien und Polen kennen, die als Kinder in die Fänge der Mordmaschine der Nazis gerieten. Rita war keine drei Wochen alt, als SS-Ärzte in einem Würzburger Krankenhaus grauenhafte Experimente an ihr vornahmen. Ihre Zwillingsschwester starb, sie überlebte mit einem „Loch im Kopf“. Raymond, ein 90-jähriger, extrem wacher Rom, erinnert daran, dass es die französische Gendarmerie war, die sie damals zusammentrieb, nicht die Deutschen. Heute dringt die gleiche Polizei ohne Durchsuchungsbeschluss in seinen Wohnwagen ein und verhaftet drei seiner Söhne, weil sie ihm zu Hilfe kamen (mehr hier). Was hat sich also geändert? Read the rest of this entry »
März 16th, 2017 |
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Einrichtungen, Facts & Figures
Heute vor 20 Jahren, am 16. März 1997, wurde in Heidelberg das Dokumentationszentrum deutscher Sinti und Roma eröffnet.
(Quelle)
März 15th, 2017 |
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Film & Theater
„The Gipsy Marionettist“ Rasid Nicolic lebt als Straßenkünstler in Turin. Seine Herkunft als bosnisch-serbischer Rom, der mit seiner Familie vor dem Bosnienkrieg flüchten musste, war Gegenstand einer preisgekrönten italienischen TV-Reisereportage. Demnächst ist Rasid als einer der Protagonisten eines über Crowdfunding finanzierten Roma-Dokumentarfilms („Opre Roma!“ von Paolo Bonfanti) zu sehen.
(dROMa)
Link: www.thegipsymarionettist.com
März 13th, 2017 |
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Film & Theater, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV
WDR – Hier und Heute (2015): ein Beitrag von Bettina Braun; Redaktion: Maik Bialk, Dorothee Pilz
>>Beitrag ansehen (29 Min.)
Drogen, Armut und Prostitution sind in der Dortmunder Nordstadt an der Tagesordnung. Ein schwieriges Milieu für Kinder, die eigentlich nur Kind sein wollen. Wir stellen in unserer Reihe „Nordstadtkinder“ heute Stefan vor. Stefan ist zehn Jahre alt und lebt mit seiner Mutter und vier Geschwistern in einer Einzimmer-Wohnung in der Dortmunder Nordstadt. Sie sind Roma aus Rumänien. Stefan muss sich täglich großen Herausforderungen stellen: Die Enge der Wohnung, der ständige Geldmangel, das Gefühl, als ältester Sohn den Vater ersetzen zu müssen, der seit drei Jahren im Gefängnis sitzt.
Nominiert für den Grimmepreis 2016, Kategorie Information & Kultur. Ausgezeichnet mit dem Medienpreis der Kindernothilfe 2016.
(Text: WDR)
Siehe auch:
Grimmepreis für „Nordstadtkinder: Lutwi“
März 11th, 2017 |
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Ehrungen & Nachrufe, Film & Theater, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV
Grimmepreis 2017 für den Beitrag von Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier (Redaktion: Emanuela Penev) aus der WDR-Reihe „Hier und Heute“
>>Beitrag ansehen (29 Min.)
„Ich bin immer auf der Straße. Egal, auch wenn es regnet oder schneit.“ Für Lutwi ist es das Größte, wenn er mit seinen Freunden zusammen ist. Straßenfußball, Wasserschlachten oder Hütten bauen: Seit vier Jahren nun ist die Dortmunder Nordstadt Lutwis Zuhause. Aber wie lange noch? Der Zwölfjährige kommt bald auf die Gesamtschule – und er will auch Abitur machen. Seine Eltern, Roma aus dem Kosovo, sind richtig stolz auf ihn. Lutwi ist ein aufgeweckter Junge, den das Leben aber mit großer Wucht trifft: Ihm und seiner Familie droht die Abschiebung zurück in den Kosovo. Lutwi ist es, der beim Rechtsanwalt übersetzen muss, er erklärt seinen Eltern, was in den Briefen der Ausländerbehörde steht. Viel Verantwortung für einen Zwölfjährigen. Der Film erzählt konsequent aus Lutwis Perspektive. Was jedem Erwachsenen den Boden unter den Füßen wegziehen würde, versucht Lutwi auf seine Art und Weise zu meistern. Es ist die Geschichte eines Jungen, der hin- und hergerissen ist zwischen überbordendem Spiel und erdrückender Unsicherheit.
Gewinner des Grimme-Preises 2017 in der Kategorie Kinder & Jugend. Die Verleihung des Preises findet am 31. März 2017 in Essen statt und wird von 3sat ab 19:00 Uhr im Livestream übertragen sowie zeitversetzt ab 22:35 Uhr auf 3sat ausgestrahlt.
(Text: WDR)
März 10th, 2017 |
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Geschichte & Gedenken, Interview, dROMa TV
Cajtakeri ceugin Kautz pedar o Roma ande Podgoria
Podgoria (Ober- und Unterpodgoria) ist ein Ort der südburgenländischen Gemeinde Weiden bei Rechnitz (Bez. Oberwart). Nach den bisherigen Annahmen lebten in Podgoria keine Roma. Doch Angela Kautz, eine kroatische Zeitzeugin, geboren in Podgoria, erzählt von den Romafamilien in ihrem Ort. Sie kamen, wie ihr Mann, aus Slowenien, haben sich in Podgoria niedergelassen, sagt sie im Interview mit Emmerich Gärtner-Horvath. Um sich über Wasser halten zu können, waren einige wenige Romafamilien als Hilfskräfte in der Landwirtschaft tätig, bis zur Deportation.
Podgoria, Ober- vaj Unterpodgoria, jek burgenlanditiko gav andi gemajndi Weiden bei Rechnitz hi. Dschidokle niko na dschanlahi, hot ande Podgoria Roma dschivnahi. Ham i Angela Kautz, jek horvacki cajtakeri ceugin, upro them ali ande Podgoria, phukal pedar Roma familiji andar lakero gav. Read the rest of this entry »
März 9th, 2017 |
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Facts & Figures
Der österr. NS-Arzt Wilhelm Beiglböck führte im KZ Dachau ab 1944 mediz. Zwangsversuche an Sinti und Roma durch. Bereits 1952 arbeitete er wieder als Chefarzt.
(Quelle)
März 7th, 2017 |
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Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV
Servus | Szia | Zdravo | Del tuha
ORF 2 Burgenland | >>On Demand
O aktujeli ardipe la sendungatar terdschol ando cajchn le gondolipestar. O pharipeskero punkto kerel o film la Marika Schmiedtatar, savi pe le holocaustiha, le genareacijenca le austritike Romendar taj Sintijendar donde bescharel.
Gondolipeskeri tablina ande Mörbisch — Ande Mörbisch am See ando ar le jeneristar le opferenge le nacijonalsocijalismusistar gondolim ulo. Le pradipeske ada gondolipe andi forma jeka gondolipeskera tablinatar kerdo ulo. Palo gondolipeskero tel utscharipe khetan molim ulo, paloda meg harne palgondolipeskere vakeriptscha dija pedar i bibstali historija le Romendar.
Gondolipeskero mulatintschago Erbate — Angle 22. berscha ando 5. feberi schtar terne Roma duach jek bombakero atentat murdarde ule. Upro than le atentatistar Erbate i Roma-Pastoral la diöcese Tikne Martonatar but dschene le akeripeske palal ale le opferenge te gondoliel.
„Warum die Wunde offen bleibt“ — I kinstlerkija Marika Schmiedt, 1966 ando Traun upro them ali taj söbst Romni hi, oj al andar jek familija, kaj but nipo andar lakeri familija le nacijendar murdarde ule. O na vakeripe pedar i historija andi NS-cajt mujsintscha la söbst o forschinipe la ajgeni familjakera historijatar upre te lel. I Marika Schmiedt rodel pal o medijum pal soste oj te phukal kamla. Taj afka uso film lakla. Lakeri nevi dokumentacija „Warum die Wunde offen bleibt“ harnon erscht sikado ulo. I filmjakeri keraschkija palal dikla le traumatischi uschtidipestar le holocaustistar le austritike Romenge taj Sintijenge.
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März 5th, 2017 |
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Rassismus & Menschenrechte
Pressemitteilung des Fördervereins Roma e.V.:
Räumung der Brache und menschenunwürdige Zustände (2.3.2017)
Die vor zehn Tagen geräumten Roma leben in menschenunwürdigen Verhältnissen. Ihre eigenen Versorgungsstrukturen wurden zerstört, die Lebensmittel weggenommen, das Wenige an Besitz eingelagert. In drei engen Zimmern eingepfercht, steht ihnen eine abgeschlossene Dusche zur Verfügung. Essen und Trinken, eine Privatsphäre gibt es nicht. Kochmöglichkeiten sind ebenfalls nicht vorhanden. Die Infrastruktur der Flüchtlingsunterkunft im gleichen Haus darf nicht genutzt werden. Nach massiven Protesten und nach Prüfung auf Leistungsansprüche am 2.3.2017 befinden sich immer noch ca. 20 Personen in der Behausung. Etliche hat die Mittellosigkeit gezwungen, zurück nach Rumänien zu fahren; eine Familie wurde in der Notunterkunft Ostpark untergebracht.
Die Menschen wissen nicht, wie sie ihr Hab und Gut zurückbekommen, sind schlichtweg während der Räumung enteignet worden. Der Generator, die Kochplatte, das Fahrrad, der Trödel, mit dem gehandelt wird, die Kleidung, die Heizung fehlen. Unterstützer/-innen haben keinen Zugang und werden – wie ein Mitglied der Linken – von der CDU bezichtigt, sie „hätten gerne gehabt, dass dort Menschen verbrennen“. Zynisch ist dies nicht mehr, sondern ebenso menschenverachtend wie die Räumung, mit der das Ordnungsamt angeblich die Betroffenen vor einem Brand schützen wollte.
Die Räumung hatte nicht alleine die Zielsetzung, die Roma von dem Platz zu entfernen, sondern vielmehr die Intention, sie durch Aushungern ins völlige Elend zu verbringen und so dafür zu sorgen, dass sie schnellstmöglich Frankfurt verlassen. Die aktuelle Rechtsprechung, welche alle EU-Migranten/-innen vorerst, jenseits erheblicher verfassungs- und menschenrechtlicher Brüche, ohne öffentliche Hilfe stellt, ermöglicht zudem im Rahmen der Überprüfung auf Leistungen den Entzug der Freizügigkeit und die Ausweisung der Antragsteller.
Vor Weihnachten flüchteten Roma, deren Schlafstätte unter der Rosa-Luxemburg-Straße angezündet wurde, auf die Brache. Sie waren dort sicher. Im Sommer letzten Jahres wurde ein Haus in Fechenheim, das von Roma bewohnt war, angezündet. Read the rest of this entry »
März 4th, 2017 |
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Einrichtungen, Politik
Berlakovich gratuliert Gärtner-Horvath zum Vorsitz im Roma-Volksgruppenbeirat
ÖVP-Volksgruppensprecher würdigt Leistung des im Vorjahr verstorbenen Rudolf Sarközy und freut sich auf Zusammenarbeit mit neu gewähltem Obmann
Wien (OTS) – ÖVP-Volksgruppensprecher Abg. DI Nikolaus Berlakovich gratuliert Emmerich Gärtner-Horvath zu dessen Wahl zum neuen Vorsitzenden des Volksgruppenbeirats der Roma. „Gärtner-Horvath hat die Arbeit nach dem Tod seines Vorgängers Rudolf Sarközy schon provisorisch geführt und dabei viel Engagement gezeigt und Erfahrung an den Tag gelegt. Sein nunmehr auch durch Wahl bestätigter Vorsitz im Beirat lässt daher Kontinuität und solide Fortführung der Volksgruppenarbeit der Roma erwarten“, so Berlakovich.
„Rudi Sarközy hat im Bildungsbereich und ganz generell viel Verständnis für die Volksgruppe der Roma erreicht. Damit hat er den Weg für mehr Toleranz gegenüber den Volksgruppen und mehr Kooperation mit ihnen geebnet“, erklärt Berlakovich. Er sei überzeugt, dass Emmerich Gärtner-Horvath diese wichtige Arbeit zum Schutz der Volksgruppe gemeinsam mit seinem ebenfalls gestern gewählten Stellvertreter Andreas Sarközy nahtlos fortsetzen werde. „Ich wünsche dem neuen Führungsteam viel Erfolg bei der Bewältigung ihrer ebenso wichtigen wie herausfordernden Funktion und setze weiterhin auf gute Zusammenarbeit aller Volksgruppen in Österreich“, so Berlakovich abschließend.
(Pressemitteilung des ÖVP Parlamentsklubs)
März 4th, 2017 |
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Einrichtungen, Politik
Staatssekretärin Duzdar gratuliert Gärtner-Horvath zum Vorsitz im Roma-Volksgruppenbeirat
Zuständige Staatssekretärin freut sich auf weiterhin gute Zusammenarbeit

Wien (OTS) - Staatssekretärin Muna Duzdar gratuliert Emmerich Gärtner-Horvath (Obmann des Vereins Roma-Service) zur Wahl des Vorsitzes im Roma-Volksgruppenbeirat. „Gärtner-Horvath hat bereits im vergangenen Jahr, seit er die Agenden des verstorbenen Vorgängers Rudolf Sarközi übernommen hat, bewiesen, mit wie viel Engagement er für die Anliegen der Roma eintritt. Ich gehe davon aus, dass er diesen Einsatz auch als Vorsitzender weiterführen wird und freue mich bereits auf die weitere Zusammenarbeit“, so Duzdar. In Zusammenarbeit mit dem Volksgruppenbeirat der Roma sind in den vergangenen Jahren auch im Bundeskanzleramt viele wichtige Projekte auf den Weg gebracht worden. Mit der kürzlich erfolgten Befragung zur Roma-Strategie in Form einer Online-Konsultation konnte sich die Roma-Volksgruppe selbst in die Weichenstellungen für die kommenden Jahre einbringen. „Die chancengleiche Teilhabe aller in Österreich lebenden Menschen ist der Grundpfeiler eines positiven Zusammenlebens. Selbstverständlich sollen und müssen sich die betroffenen Gruppen in den Prozess einbringen und gehört werden. Ich bin davon überzeugt, dass die Roma-Volksgruppe mit Emmerich Gärtner-Horvath auch weiterhin einen Vertreter hat, der genau dies vorantreibt und die wichtige Arbeit von Rudolf Sarközi fortsetzt“, so Duzdar.
(Pressemitteilung des Bundespressediensts)
März 3rd, 2017 |
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Einrichtungen
Regionalverband der Sinti und Roma in Augsburg feierlich eröffnet
Aussendung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma:
Am Freitag, den 17. Februar 2017, stellte sich unser neuer Regionalverband in Augsburg im Rahmen einer feierlichen Eröffnungsveranstaltung der Öffentlichkeit vor. 250 Gäste waren der Einladung in den Festsaal des Augsburger Rathauses gefolgt, Oberbürgermeister Kurt Gribl eröffnete die Veranstaltung. Der Regionalverband in Augsburg wurde bereits 2016 von neun Augsburger Sinti gegründet und hat derzeit rund 50 ehrenamtliche Mitglieder, die sich für die Belange der Sinti und Roma in Augsburg einsetzen. Der Regionalverband kooperiert dabei eng mit unserem bayrischen Landesverband in Nürnberg und dem Zentralrat als seinem Dachverband.
Marcella Reinhardt, die Vorsitzende des Regionalverbands, setzt sich schon seit 2003 – zunächst ehrenamtlich beim Landesverband Nürnberg – für die Belange der Sinti und Roma ein. Mit ihrem neu gegründeten Verband will sie eine Anlaufstelle für die Angehörigen der Minderheit in Augsburg schaffen. Der Verband will in Augsburg zudem eine aktive Erinnerungskultur an die Verfolgung von Sinti und Roma im Nationalsozialismus etablieren. In der Halle 116 im Sheridan-Park, die als Zwangsarbeiterbaracke, als Außenlager des Konzentrationslagers Dachau genutzt wurde, soll dazu gemeinsam mit der Stadt Augsburg ein Dokumentations- und Bildungshaus eröffnet und ein Erinnerungsort geschaffen werden.
Gleichzeitig will der Verband Aufklärungsarbeit leisten, insbesondere über die auch nach Ende des NS fortgesetzte Diskriminierung und Ausgrenzung von Sinti und Roma in der Bundesrepublik. Read the rest of this entry »
März 2nd, 2017 |
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Rassismus & Menschenrechte
Vergangene Woche wurde die Barackensiedlung im Gutleutviertel in Frankfurt a. M. polizeilich geräumt. Jetzt regt sich Kritik.
Ein ehemaliges Industrieareal im Frankfurter Gutleutviertel wurde seit über drei Jahren von Obdachlosen als Notquartier genutzt. Schon 2014 waren die dort untergekommenen Personen gezwungen worden, das Gelände zu verlassen, das Camp entstand aber bald wieder neu. Letzten Sommer lebten in der Behelfssiedlung bis zu 70 Personen, vorwiegend Roma aus Rumänien. Vergangene Woche wurde das Elendsquartier nun geräumt. 45 Stadtpolizisten rückten frühmorgens mit schwerem Gerät an, um das Camp aufzulösen. Die Stadt begründete diese Maßnahme mit einem Brandvorfall, der sich nur einige Tage zuvor im Lager ereignet hatte. Die zusammengezimmerten Behausungen wurden abgerissen, den Bewohnern wurde ihr Besitz abgenommen. Jetzt wird aber Kritik am Vorgehen laut. Denn nach der Räumung sind in der provisorischen Ersatzunterkunft in einem Heim der Arbeiterwohlfahrt derzeit 39 Menschen in nur drei Zimmern untergebracht. Am Montag kritisierte der Landesverband der Deutschen Sinti und Roma die Zustände im Henriette-Fürth-Haus als „menschenunwürdig“. Nach einer neuen gesetzlichen Regelung ist die Stadt verpflichtet, den Geräumten bis zu vier Wochen lang Überbrückungshilfen zu leisten. „Die Leute sind völlig auf sich alleine gestellt“, berichtet hingegen Joachim Brenner, Geschäftsführer des Fördervereins Roma, „es gibt keinerlei Versorgung. Keine minimale existenzielle Unterstützung.“ Den Roma sei durch die Abnahme ihres Besitzes die Möglichkeit zur Selbstversorgung genommen worden. „Die meisten von ihnen hatten sich über Flaschensammeln sowie den Handel mit Altmetall und Flohmarktware finanziert. Neben ihren Lebensmittelvorräten sei aber auch diese Ware sichergestellt worden“, heißt es in der Frankfurter Rundschau.
(dROMa)
Stellungnahme des Fördervereins Roma e.V.:
Ordnungsamt räumt die Bewohner der Brache ins Elend
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