Archive for März, 2017

GfbV-Gründer Tilman Zülch hört auf

März 29th, 2017  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

Tilman Zülch zieht sich zurück (Foto: Werner Fuhrmann/GfbV.de)Ein Le­ben für die Men­schen­rech­te von Min­der­hei­ten welt­weit

Nach fast 50 Jahren beendet einer der pro­fi­lier­tes­ten Menschen­recht­ler Deutsch­lands, Tilman Zülch, sei­ne Tä­tig­keit als Ge­neral­sekre­tär der Gesell­schaft für bedrohte Völker (GfbV). Künf­tig wird der 77 Jah­re alte GfbV-Grün­der die GfbV-Kam­pagnen be­ratend beglei­ten. Die poli­ti­sche Leitung der Men­schen­rechts­organi­sa­tion über­nimmt der lan­gjährige GfbV-Asien- und Afrika-Ex­pe­rte Ulrich Delius.

In einer Dokumentation zum 50-jährigen Be­ste­hen der GfbV wird Tilman Zülch den kon­sequen­ten Kampf der GfbV gegen Völker­mord und Massen­ver­trei­bung ethni­scher sowie re­ligiö­ser Min­der­hei­ten und indi­gener Ge­mein­schaf­ten seit 1968 fest­halten. Die GfbV ging aus der von den da­ma­li­gen Ham­bur­ger Studen­ten Zülch und Klaus Guercke 1968 ge­grün­de­ten „Aktion Biafra-Hilfe“ her­vor. Mit Tilman Zülch an der Spitze ist die GfbV immer wieder gegen den Strom geschwom­men und hat sich nicht zu­letzt für Volks­gruppen ein­gesetzt, „von denen keiner spricht“, so der Titel eines der von Zülch heraus­ge­ge­be­nen Bücher.

1979 bis 1981 machte die GfbV den bis dahin tabui­sier­ten Holocaust an Sinti und Roma bekannt. Der von Zülch 1979 heraus­ge­ge­bene Band „In Auschwitz vergast, bis heute verfolgt“ (mit einem Vor­wort des Phi­lo­sophen Ernst Tugendhat), ein ge­mein­sam mit dem Verband deutscher Sinti unter Romani Rose or­ga­ni­sier­ter Trauer­marsch zur KZ-Gedenk­stätte Bergen-Belsen (1979) mit der da­ma­li­gen Prä­si­den­tin des Europa­par­la­ments Simone Veil und Heinz Galinski, da­ma­li­ger Prä­sident des Zentral­rats der Juden in Deutschland, so­wie schließ­lich der Inter­na­tio­na­le Roma-Kongress (1981) in Göttingen unter Schirm­herr­schaft von Simon Wiesenthal und Indira Ghandi mit 400 Roma-De­le­gier­ten aus 26 Staaten und fünf Kon­tinen­ten brachten den Durch­bruch: Der Genozid wurde von der Bundes­regierung an­er­kannt. Staaten­lose Sinti er­hielten ihre deutsche Staats­bürger­schaft zurück, die Be­zeich­nung Sinti/Roma an­stelle von Zigeuner wur­de durch­gesetzt und die neu ent­stande­nen Insti­tu­tio­nen der Volks­gruppe wurden nun staat­lich ge­för­dert.

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„Valentina“

März 28th, 2017  |  Published in Film & Theater, Jugend & Bildung

Die Protagonistin beim Betteln auf der Brücke - Filmstill aus dem Dokumentarfilm "Valentina"Dokumentarfilm von Maximilian Feldmann & Luise Schröder (D 2016, S/W, 51 min.)

Eine Armensiedlung im Roma-Viertel. Die 10-jäh­ri­ge Va­lentina lädt uns zu ihrer Familie ein. Skur­ri­le Anek­do­ten, Tag­träu­me und do­ku­men­ta­rische Be­obach­tun­gen. Ein Film, so lebens­prall wie seine streu­nen­de Heldin.

„Soll ich euch eine Geschichte erzählen?“, fragt Valentina – Armee­hose, Trai­nings­jacke, wilde Haare mit einer win­zi­gen Spange. Sie ver­traut uns an, warum sie nicht als Junge ge­bo­ren wur­de, so wie es hätte sein müssen. Über­haupt kennt Va­len­tina jedes Detail ihrer Fa­mi­lien­ge­schich­te: Wie ihr Vater mit Saft und einer Schach­tel Zi­garet­ten das Herz ihrer Mutter er­obert hat, warum ihre Schwes­ter von den Schwie­ger­eltern mit einer Pis­to­le be­droht wurde und wo ihre Ge­schwis­ter hin­gebracht wur­den, nach­dem man sie beim Betteln er­wischt hat. Valen­tina lebt mit ihrer 12-köpfi­gen Familie in einer bau­fäl­li­gen Ein­zimmer­hüt­te im Roma-Viertel Shutka, in Skopje, Mazedonien. All­tags­beob­ach­tun­gen mi­schen sich mit per­sön­li­cher Er­zäh­lung, Träume mit wah­ren Be­geben­heiten. Am Ende wird klar, dass alles Ge­schich­ten­erzählen nur eine Übung für Va­len­tinas großen Traum ist.

Regiekommentar:

„Armut ist ein großer Glanz aus Innen“. Diese Zeile aus einem Rilke-Gedicht be­schäf­tig­te mich seit Jah­ren. Wir – Regie, Kamera, Ton – such­ten nach einem Beleg dafür im Roma-Vier­tel Shutka. Well­blech­hütten zwi­schen Mehr­stock­häu­sern, Pferde­kut­schen ne­ben Merce­des-Li­mou­si­nen, Muezzin-Ge­sänge und Balkan­pop und an jeder Ecke ir­gend­je­mand, der Deutsch spricht. Aber wir finden keine Pro­ta­go­nis­ten, fünf Wo­chen lang. „Wem nützt denn euer Film?“, fra­gen die Be­woh­ner und ver­lan­gen hohe Gagen. – Wir ha­ben zu wenig Geld, um hier dre­hen zu kön­nen.

Dann erbettelt ein kleines Mädchen Hambur­ger von uns. Ihr Vater war Schau­spie­ler in ei­nem Emir-Kusturica-Film. Wir schlie­ßen einen Ver­trag, mit Auf­wands­ent­schädi­gung und Cate­ring für die Familie und be­ginnen unser ge­mein­sa­mes Film­pro­jekt: ein Familienporträt. Read the rest of this entry »

„Doppeltes Unrecht“

März 26th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Recht & Gericht, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Der BGH stellt sich seiner Geschichte: Broschüre "Doppeltes Unrecht" „Doppeltes Unrecht – ein späte Entschuldigung“

Gemeinsame Publikation des deutschen Bundes­ge­richts­hofs und des Zentral­rats Deut­­scher Sin­ti und Roma

Am 17. Februar 2016 fand das gemeinsame Symposium des Bun­des­gerichts­hofs und des Zentral­rats Deut­scher Sinti und Roma zur Auf­arbei­tung der Ent­schä­di­gungs­recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs aus den 1950er Jah­ren be­tref­fend die na­tionalsozialistische Ver­fol­gung von Sinti und Roma statt. Die Er­geb­nis­se des Sym­po­si­ums wur­den nun in einer ge­mein­sa­men Publi­ka­tion des Bundesgerichtshof und des Zentral­rats ver­öf­fent­licht. Die Broschüre ent­hält al­le Beiträge der Ver­anstal­tung – ein­schließ­lich der bei­den Vor­träge von Herrn Prof. Dr. Dr. Ingo Müller und Herrn Richter am Bun­des­ge­richts­hof a. D. Dr. Detlev Fischer – so­wie die Urteile des Bundesgerichtshofs vom 7. Ja­nuar 1956, die den Ge­gen­stand des Sym­po­si­ums bil­de­ten.

Aus dem Vorwort:

„Eine späte Entschuldigung in symbo­li­scher Weise wie auch ganz expli­zit zum Aus­druck zu brin­gen, war der tra­gen­de Ge­dan­ke des Symposiums, das am 17. Februar 2016 in den Räu­men des Bundesgerichtshofs statt­ge­fun­den hat. Die Ent­schul­di­gung gilt den Sinti und Roma, de­nen durch die Ent­schä­di­gungs­recht­sprechung des Bun­des­ge­richts­hofs in den 50er Jahren wei­teres Unrecht wider­fah­ren war. Durch eine Rechtsprechung, die die ras­sis­ti­sche Moti­va­tion der Verfolgung der Sin­ti und Ro­ma durch die National­sozia­lis­ten ne­gier­te, die be­trof­fe­ne Be­völ­ke­rungs­gruppe er­neut pau­schal dis­kri­mi­nier­te und den recht­su­chen­den Opfern Entschädigung ver­sagte. Read the rest of this entry »

Aus dem Rassismus-Report 2016 (2)

März 23rd, 2017  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

PolizeiZara-Report, S. 40f.:
Beschimpfung als „Scheiß-Z*“

Im März wird Frau D. von einem Roma-Verein wegen eines ras­sis­ti­schen Vor­falls zur Bera­tung an ZARA ver­wiesen: Frau D., die Romni ist, lebt im Burgenland. Auf­grund einer An­zeige gegen ihren Lebens­gefährt­en fahren mehrere Polizei­wagen vor dem Ein­gang des Geschäfts vor, in dem Frau D. und ihr Lebensgefährte ge­rade Ein­käufe er­ledigt ha­ben. Die Poli­zis­ten/.in­nen for­dern den Lebens­gefähr­ten auf, sich neben seinen Wagen zu stel­len, legen ihm Hand­schellen an und neh­men ihn fest. Frau D. ist Zeugin der Fest­nahme und sehr erschrocken über diese Polizei­aktion. Sie beteuert mehr­mals, dass es keinen Grund gibt, ihren Lebens­gefährten fest­zu­nehmen und ver­sucht, mit den Beam­ten/-in­nen zu reden. Einer der Polizisten drängt Frau D. darauf­hin zur Seite und be­schimpft sie dabei mit „Scheiß-Z*! Halt die Goschn, was wüllst jetzt!“.

Frau D. ist zu­tiefst be­stürzt, von einem Exekutiv­beamten im Zuge einer Amts­handlung auf diese ver­letzen­de und rassis­ti­sche Wei­se beschimpft zu wer­den. Mit Unter­stützung von ZARA bringt Frau D. wegen der Be­schimpfung eine Richt­linien­beschwerde bei der zu­stän­di­gen Dienst­stelle ein. Weiters er­stat­tet sie bei der Staats­anwalt­schaft Anzeige wegen quali­fi­zier­ter Beleidigung auf­grund der ethnischen Herkunft. Nach Prüfung der Beschwerde stellt die Polizei­behörde einen Ver­stoß gegen die Richt­linien­ver­ord­nung fest und ent­schuldigt sich in ihrem Ant­wort­schrei­ben bei Frau D. Im Herbst findet wegen der Belei­di­gung ein Strafverfahren gegen den Po­lizisten statt. Die Belei­di­gung wird von zwei wei­teren Per­sonen, darunter befin­det sich einer der bei der Amts­handlung an­wesen­den Polizisten, bestätigt, das Urteil endet al­ler­dings mit einem Freispruch. Frau D. erfährt, dass die zustän­dige Staats­anwalt­schaft ein Rechts­mittel gegen das Urteil erho­ben hat. Das Urteil ist zu Redak­tions­schluss daher noch nicht rechts­kräftig.

(Aus: Zara: Rassismus-Report 2016, S. 40f.)

Aus dem Rassismus-Report 2016 (1)

März 22nd, 2017  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Februar 2016: Nach dem Brandanschlag in Linz (Foto: privat, via www.oesterreich.at)Aus dem Bericht, S. 15:
Brandanschläge auf Roma-Zeltlager

Das Romano Centro informiert ZARA Anfang des Jahres über meh­rere Brand­an­schlä­ge auf Zeltlager von Roma-Fa­milien in Linz. Der erste An­schlag (wir berich­te­ten) wird im Februar auf Zelte von Roma/Rom­nija ver­übt, als diese auf un­genutz­tem Ge­lände im Linzer Industrie­gebiet cam­pie­ren. Die Zelte und alle darin befind­li­chen Gegen­stände werden durch das Feuer ver­nich­tet. Nur wenige Tage später wird ein wei­te­rer Brand­anschlag auf ein sich in un­mittel­ba­rer Nähe befind­li­ches Roma-Zeltlager ver­übt. Glück­licher­weise halten sich die Be­woh­ner/innen der Zelte zum Zeit­punkt der Brände nicht dort auf und es wird niemand ver­letzt. Die Polizei leitet ge­mein­sam mit dem Landes­amt für Ver­fassungs­schutz Ermitt­lun­gen ein. Auch auf poli­ti­scher Ebene führen diese Anschläge zu großer Be­sorg­nis und Betrof­fen­heit und werden aufs Schärfste ver­urteilt. Nur weni­ge Wo­chen später wird in Linz er­neut ein Brand in einem Roma-Zelt­lager ge­legt, von dem 15 Men­schen, unter ihnen auch Kinder, be­trof­fen sind (mehr hier). Die Zelte mit­samt ihrem Inhalt ver­brennen fast voll­stän­dig. In der Folge werden die Betrof­fe­nen in einer Flücht­lings­unter­kunft unter­ge­bracht. Auch in diesem Fall er­mit­teln Polizei und das Landes­amt für Verfassungsschutz ge­mein­sam. Es wird be­kannt­ge­ge­ben, dass fest­steht, dass es sich um Brandstiftung han­del­te, zu mög­li­chen Täter/in­nen kön­ne man aber nichts sagen. Ein Zu­sam­men­hang zu den ersten beiden Brand­anschlä­gen wird ver­mutet.

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ZARA veröffentlicht Rassismus-Report

März 21st, 2017  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte

ZARA: Tabelle zum neuen Rassismus-Bericht 2016 (März 2017)ZARA – Zivilcourage und Anti-Ras­sis­mus-Ar­beit (Hg.): Ras­sis­mus-Re­port 2016. Einzel­fall-Be­richt über ras­sis­ti­sche Über­grif­fe und Struk­tu­ren in Österreich, Wien 2017 (>>zum Down­load)

Die Zahl der von ZARA dokumentier­ten Online-Hass- und Hetz­bot­schaf­ten hat 2016 einen neuen Spitzen­wert er­reicht: Mit einem wei­te­ren Anstieg um mehr als ein Drittel im Ver­gleich zum Vorjahr ma­chen die Internet-Fälle 31% der ins­ge­samt 1.107 rassisti­schen Vor­fälle, die ZARA im Vor­jahr ver­zeichnet hat, aus. Dabei wurden die meis­ten rassisti­schen In­halte im Netz über Online-Com­mu­ni­ties und Inter­net-Por­tale ver­breitet. Inhaltlich haben diese Hass- und Hetzbotschaf­ten insbesondere zur weite­ren Feind­bild­konstruktion von Geflüchteten bei­getra­gen, die sich – an­gefacht von geziel­ten Hetz- und Falsch­meldun­gen – in all­gemei­nes Miss­trauen und Ab­lehnung ver­wan­delt haben. (…)

(Text: ZARA, 21.3.2017)

Siehe auch: Antiziganismus in Österreich – Fall­do­ku­men­ta­tion 2013–2015: 2. Anti­zi­ga­nis­mus-Be­richt des Ro­ma­no Centro, Wien (Nov. 2015)

„Antiziganistische Angriffe geschehen überall“ – Amaro Foro stell­te Berli­ner Anti­zi­ga­nis­mus-Be­richt 2015 vor

Facts & Figures (160)

März 19th, 2017  |  Published in Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte

Vor 25 Jah­ren: Am 19.3.1992 „ou­tet“ sich der Ob­dach­lo­se Ingo Fin­nern in Flens­burg vor ei­nem Skin­head als Sin­to. Er wird ins Ha­fen­be­cken ge­sto­ßen und er­trinkt.

(Quelle)

(Hinweis via @OpferNaziGewalt)

A Hole in the Head (Diera v hlave)

März 19th, 2017  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken

Dokumentarfilm von Robert Kirchhoff
SK, CZ 2016, 92 Min. (Website)

Eine kleine Kunstgalerie irgendwo in Serbien, in der aus­schließ­lich Werke von Roma aus­ge­stellt wer­den. Ist Clinton nicht auch ein Rom? Da ist sich die Galeris­tin nicht so sicher. Aber Antonio Banderas sei Rom, auch Yul Brynner. Sie wag­ten es nur nicht, sich öffent­lich dazu zu be­kennen. Diese rühren­de Szene kultu­rel­ler Selbst­vergewisserung ist Teil einer Er­zäh­lung über den Holocaust an den Roma, der weit­ge­hend aus dem euro­päi­schen Gedächtnis g­etilgt ist und des­sen Spuren der Regis­seur akri­bisch nach­geht. Ein Film ge­gen das Vergessen.

Wir lernen Menschen aus Frankreich, Serbien, Deutschland, Tschechien und Polen kennen, die als Kinder in die Fän­ge der Mordmaschine der Nazis ge­rieten. Rita war keine drei Wo­chen alt, als SS-Ärzte in einem Würzburger Krankenhaus grau­en­hafte Experi­mente an ihr vor­nah­men. Ihre Zwillings­schwester starb, sie über­lebte mit einem „Loch im Kopf“. Raymond, ein 90-jäh­riger, extrem wacher Rom, er­innert daran, dass es die französische Gen­dar­merie war, die sie da­mals zu­sam­men­trieb, nicht die Deutschen. Heute dringt die glei­che Polizei ohne Durch­suchungs­be­schluss in seinen Wohn­wagen ein und ver­haftet drei seiner Söhne, weil sie ihm zu Hilfe ka­men (mehr hier). Was hat sich also geändert? Read the rest of this entry »

Facts & Figures (159)

März 16th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Facts & Figures

Heute vor 20 Jah­ren, am 16. März 1997, wur­de in Hei­del­berg das Do­ku­men­ta­tions­zen­trum deut­scher Sin­ti und Ro­ma er­öff­net.

(Quelle)

The Gipsy Marionettist

März 15th, 2017  |  Published in Film & Theater

„The Gipsy Marionettist“ Rasid Nicolic lebt als Straßen­künst­ler in Turin. Seine Her­kunft als bos­nisch-ser­bi­scher Rom, der mit seiner Fa­milie vor dem Bosnien­krieg flüch­ten muss­te, war Gegenstand einer preis­­gekrönt­en italie­ni­schen TV-Reise­reporta­ge. Dem­nächst ist Rasid als einer der Pro­tago­nis­ten eines über Crowd­funding fi­nan­zier­ten Roma-Do­ku­­men­­tar­­films („Opre Roma!“ von Paolo Bonfanti) zu se­hen.

(dROMa)

Link: www.thegipsymarionettist.com

„Nordstadtkinder: Stefan“

März 13th, 2017  |  Published in Film & Theater, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV

Nordstadtkinder - Stefan (Foto: WDR)WDR – Hier und Heute (2015): ein Beitrag von Bettina Braun; Redaktion: Maik Bialk, Dorothee Pilz

>>Beitrag ansehen (29 Min.)

Drogen, Armut und Prostitution sind in der Dort­mun­der Nord­stadt an der Ta­ges­ord­nung. Ein schwie­ri­ges Milieu für Kinder, die ei­gent­lich nur Kind sein wol­len. Wir stellen in un­se­rer Reihe „Nord­stadt­kin­der“ heute Stefan vor. Ste­fan ist zehn Jahre alt und lebt mit seiner Mutter und vier Ge­schwis­tern in einer Ein­zimmer-Woh­nung in der Dortmunder Nordstadt. Sie sind Roma aus Rumänien. Ste­fan muss sich täg­lich gro­ßen Heraus­for­de­run­gen stel­len: Die Enge der Woh­nung, der stän­di­ge Geld­man­gel, das Gefühl, als äl­tes­ter Sohn den Vater er­setzen zu müs­sen, der seit drei Jahren im Ge­fäng­nis sitzt.

Nominiert für den Grimmepreis 2016, Katego­rie In­for­ma­tion & Kul­tur. Aus­ge­zeich­net mit dem Me­dien­preis der Kin­der­not­hilfe 2016.

(Text: WDR)

Siehe auch:
Grimmepreis für „Nordstadtkinder: Lutwi“

Grimmepreis für „Nordstadtkinder: Lutwi“

März 11th, 2017  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Film & Theater, Jugend & Bildung, Radio, Podcast & TV

Nordstadt-Reportage Lutwi (Foto: WDR)Grimmepreis 2017 für den Beitrag von Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier (Re­dak­tion: Emanuela Penev) aus der WDR-Rei­he „Hier und Heute“

>>Beitrag ansehen (29 Min.)

„Ich bin immer auf der Straße. Egal, auch wenn es reg­net oder schneit.“ Für Lutwi ist es das Größte, wenn er mit seinen Freun­den zu­sam­men ist. Straßen­fußball, Was­ser­schlach­ten oder Hütten bauen: Seit vier Jahren nun ist die Dortmunder Nordstadt Lut­wis Zu­hause. Aber wie lange noch? Der Zwölf­jährige kommt bald auf die Gesamt­schule – und er will auch Abitur ma­chen. Seine Eltern, Roma aus dem Kosovo, sind rich­tig stolz auf ihn. Lutwi ist ein auf­ge­weck­ter Junge, den das Leben aber mit gro­ßer Wucht trifft: Ihm und seiner Familie droht die Abschiebung zu­rück in den Kosovo. Lut­wi ist es, der beim Rechts­anwalt über­setzen muss, er er­klärt seinen Eltern, was in den Brie­fen der Ausländer­behörde steht. Viel Ver­ant­wor­tung für einen Zwölf­jährigen. Der Film er­zählt kon­se­quent aus Lutwis Per­spek­tive. Was jedem Er­wach­se­nen den Boden unter den Füßen weg­ziehen würde, ver­sucht Lutwi auf seine Art und Weise zu meis­tern. Es ist die Ge­schichte eines Jungen, der hin- und her­geris­sen ist zwi­schen über­bor­den­dem Spiel und er­drücken­der Un­sicherheit.

Gewinner des Grimme-Preises 2017 in der Kategorie Kinder & Jugend. Die Ver­lei­hung des Prei­ses fin­det am 31. März 2017 in Essen statt und wird von 3sat ab 19:00 Uhr im Live­stream über­tra­gen sowie zeit­ver­setzt ab 22:35 Uhr auf 3sat aus­ge­strahlt.

(Text: WDR)

Zeitzeugin: Auch in Podgoria lebten Roma

März 10th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Interview, dROMa TV

Cajtakeri ceugin Kautz pedar o Roma ande Podgoria

Podgoria (Ober- und Unterpodgoria) ist ein Ort der süd­bur­gen­län­di­schen Ge­mein­de Weiden bei Rechnitz (Bez. Oberwart). Nach den bis­he­ri­gen An­nah­men leb­ten in Pod­goria keine Roma. Doch Angela Kautz, eine kroa­ti­sche Zeit­zeugin, ge­bo­ren in Podgoria, er­zählt von den Roma­familien in ihrem Ort. Sie ka­men, wie ihr Mann, aus Slowenien, ha­ben sich in Pod­go­ria nieder­ge­las­sen, sagt sie im Interview mit Em­me­rich Gärtner-Horvath. Um sich über Was­ser hal­ten zu kön­nen, wa­ren eini­ge we­nige Roma­familien als Hilfs­kräfte in der Land­wirt­schaft tätig, bis zur De­por­tation.

Podgoria, Ober- vaj Unterpodgoria, jek bur­genlandi­tiko gav andi gemajn­di Weiden bei Rechnitz hi. Dschi­dokle niko na dschan­lahi, hot ande Podgoria Roma dschiv­nahi. Ham i Angela Kautz, jek hor­vacki cajta­keri ceu­gin, upro them ali ande Pod­goria, phu­kal pedar Roma fami­liji andar lakero gav. Read the rest of this entry »

Facts & Figures (158)

März 9th, 2017  |  Published in Facts & Figures

Der österr. NS-Arzt Wilhelm Beiglböck führ­te im KZ Dachau ab 1944 me­diz. Zwangs­ver­su­che an Sin­ti und Ro­ma durch. Be­reits 1952 ar­bei­te­te er wie­der als Chef­arzt.

(Quelle)

Servus Del tuha (feberi 2017)

März 7th, 2017  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV

ORF 2 Burgenland - Volksgruppenmagazin Servus Del tuhaServus | Szia | Zdravo | Del tuha
ORF 2 Burgenland | >>On Demand

O aktujeli ardipe la sendungatar terdschol an­do cajchn le gon­do­li­pes­tar. O pha­ri­pes­kero punkto ke­rel o film la Marika Schmiedtatar, savi pe le holo­caus­tiha, le ge­na­rea­ci­jen­ca le austri­tike Romen­dar taj Sinti­jen­dar don­de be­scharel.

Gondolipeskeri tablina ande Mörbisch — An­de Mör­bisch am See an­do ar le je­ne­ris­tar le opfe­ren­ge le naci­jonal­socija­lis­mu­sistar gon­do­lim ulo. Le pra­di­peske ada gon­do­lipe andi forma jeka gon­doli­pes­kera tab­li­na­tar kerdo ulo. Palo gon­do­li­pes­kero tel utscha­ripe khe­tan molim ulo, pa­loda meg harne pal­gon­doli­pes­kere va­ke­rip­tscha dija pe­dar i bibsta­li his­tori­ja le Ro­mendar.

Gondolipeskero mulatintschago Erbate — Angle 22. ber­scha an­do 5. febe­ri schtar ter­ne Roma duach jek bom­ba­ke­ro aten­tat mur­dar­de ule. Upro than le aten­ta­tistar Erbate i Roma-Pastoral la diö­cese Tik­ne Mar­to­natar but dsche­ne le ake­ri­pes­ke pa­lal ale le opfe­renge te gon­doliel.

„Warum die Wunde offen bleibt“ I kinstler­ki­ja Marika Schmiedt, 1966 an­do Traun up­ro them ali taj söbst Romni hi, oj al an­dar jek fa­mi­lija, kaj but nipo andar lakeri fami­lija le naci­jendar mur­dar­de ule. O na va­ke­ri­pe pedar i histo­rija andi NS-cajt muj­sintscha la söbst o for­schi­nipe la ajge­ni fa­mil­ja­kera his­to­ri­jatar upre te lel. I Mari­ka Schmiedt ro­del pal o me­di­jum pal soste oj te phu­kal kamla. Taj afka uso film lakla. Lakeri nevi doku­men­ta­cija „Warum die Wunde offen bleibt“ har­non erscht si­kado ulo. I film­ja­keri ke­rasch­ki­ja palal dikla le trau­ma­ti­schi usch­ti­di­pes­tar le holocaustis­tar le austri­tike Romenge taj Sintijenge.
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Frankfurt: Förderverein wiederholt Vorwürfe

März 5th, 2017  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Deutschland: Vorwürfe nach Lager-Abriss im Frankfurter Gutleutviertel (Foto: Hessenschau)Pressemitteilung des Fördervereins Roma e.V.:

Räumung der Brache und menschenunwürdige Zustände (2.3.2017)

Die vor zehn Tagen geräumten Roma leben in men­schen­un­wür­di­gen Ver­hält­nis­sen. Ihre eige­nen Ver­sor­gungs­struk­turen wur­den zerstört, die Lebens­mittel weg­genom­men, das Weni­ge an Besitz ein­gelagert. In drei en­gen Zim­mern ein­ge­pfercht, steht ihnen eine ab­geschlos­sene Dusche zur Ver­fü­gung. Essen und Trinken, eine Privat­sphäre gibt es nicht. Koch­mög­lich­keiten sind eben­falls nicht vor­handen. Die Infra­struk­tur der Flücht­lings­unter­kunft im glei­chen Haus darf nicht ge­nutzt wer­den. Nach mas­si­ven Pro­tes­ten und nach Prü­fung auf Leis­tungs­ansprü­che am 2.3.2017 be­fin­den sich immer noch ca. 20 Per­so­nen in der Be­hau­sung. Etli­che hat die Mit­tel­losig­keit ge­zwun­gen, zu­rück nach Rumänien zu fah­ren; eine Fa­mi­lie wurde in der Not­unter­kunft Ostpark un­ter­gebracht.

Die Menschen wissen nicht, wie sie ihr Hab und Gut zurück­be­kom­men, sind schlicht­weg wäh­rend der Räumung ent­eignet wor­den. Der Gene­ra­tor, die Koch­platte, das Fahr­rad, der Trödel, mit dem ge­han­delt wird, die Klei­dung, die Hei­zung fehlen. Unterstützer/-innen haben keinen Zugang und wer­den – wie ein Mit­glied der Linken – von der CDU be­zich­tigt, sie „hät­ten ger­ne gehabt, dass dort Men­schen ver­bren­nen“. Zy­nisch ist dies nicht mehr, son­dern eben­so men­schen­ver­ach­tend wie die Räumung, mit der das Ordnungs­amt an­geb­lich die Be­trof­fe­nen vor einem Brand schüt­zen wollte.

Die Räumung hatte nicht alleine die Zielsetzung, die Roma von dem Platz zu ent­fer­nen, son­dern viel­mehr die Inten­tion, sie durch Aus­hungern ins völ­li­ge Elend zu ver­brin­gen und so da­für zu sor­gen, dass sie schnellst­mög­lich Frankfurt ver­las­sen. Die ak­tuel­le Recht­spre­chung, wel­che alle EU-Migran­ten/-innen vor­erst, jen­seits er­heb­li­cher ver­fas­sungs- und men­schen­recht­li­cher Brüche, ohne öf­fent­li­che Hilfe stellt, er­mög­licht zu­dem im Rah­men der Über­prüfung auf Leis­tun­gen den Ent­zug der Frei­zügig­keit und die Aus­weisung der Antrag­steller.

Vor Weihnachten flüchteten Roma, deren Schlafstätte unter der Rosa-Lu­xem­burg-Straße an­ge­zün­det wurde, auf die Brache. Sie waren dort sicher. Im Som­mer letzten Jah­res wurde ein Haus in Fechenheim, das von Roma be­wohnt war, an­ge­zün­det. Read the rest of this entry »

Beirat: ÖVP-Volksgruppensprecher gratuliert

März 4th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Politik

Berlakovich gratuliert Gärtner-Horvath zum Vor­sitz im Roma-Volks­grup­pen­beirat

ÖVP-Volksgruppensprecher würdigt Leistung des im Vor­jahr ver­stor­be­nen Ru­dolf Sar­kö­zy und freut sich auf Zu­sam­men­ar­beit mit neu ge­wähl­tem Ob­mann

ÖVP ParlamentsklubWien (OTS) – ÖVP-Volksgruppensprecher Abg. DI Nikolaus Berlakovich gra­tu­liert Em­me­rich Gärtner-Hor­vath zu des­sen Wahl zum neuen Vorsitzenden des Volks­grup­pen­beirats der Ro­ma. „Gärt­ner-Hor­vath hat die Arbeit nach dem Tod seines Vor­gän­gers Ru­dolf Sar­közy schon pro­vi­so­risch ge­führt und dabei viel Engage­ment ge­zeigt und Er­fah­rung an den Tag ge­legt. Sein nun­mehr auch durch Wahl be­stä­tig­ter Vor­sitz im Beirat lässt daher Kon­tinui­tät und soli­de Fort­füh­rung der Volks­gruppen­arbeit der Roma er­war­ten“, so Ber­la­ko­vich.

„Rudi Sarközy hat im Bil­dungs­bereich und ganz ge­ne­rell viel Ver­ständ­nis für die Volks­gruppe der Roma er­reicht. Damit hat er den Weg für mehr Tole­ranz gegen­über den Volks­gruppen und mehr Koope­ra­tion mit ihnen ge­eb­net“, er­klärt Ber­la­ko­vich. Er sei über­zeugt, dass Emmerich Gärtner-Horvath diese wich­tige Ar­beit zum Schutz der Volksgruppe ge­mein­sam mit sei­nem eben­falls ges­tern ge­wähl­ten Stell­ver­tre­ter Andreas Sar­közy naht­los fort­setzen werde. „Ich wün­sche dem neuen Füh­rungs­team viel Erfolg bei der Be­wäl­ti­gung ihrer eben­so wich­ti­gen wie heraus­for­dern­den Funk­tion und setze wei­ter­hin auf gute Zu­sam­men­arbeit aller Volks­grup­pen in Österreich“, so Ber­la­ko­vich ab­schließend.

(Pressemitteilung des ÖVP Parlamentsklubs)

Gärtner-Horvath neuer Beiratsvorsitzender

März 4th, 2017  |  Published in Einrichtungen, Politik

Emmerich Gärtner-Horvath (Foto: volksgruppen.orf.at) Staatssekretärin Duzdar gratuliert Gärtner-Horvath zum Vorsitz im Roma-Volksgruppenbeirat

Zuständige Staatssekretärin freut sich auf weiterhin gute Zusammenarbeit

Bundeskanzleramt

Wien (OTS) - Staatssekretärin Muna Duzdar gratuliert Emmerich Gärtner-Horvath (Ob­mann des Vereins Roma-Service) zur Wahl des Vor­sitzes im Roma-Volks­grup­pen­bei­rat. „Gärt­ner-Hor­vath hat bereits im ver­gan­ge­nen Jahr, seit er die Agen­den des ver­stor­be­nen Vor­gän­gers Rudolf Sarközi über­nom­men hat, be­wie­sen, mit wie viel Engage­ment er für die An­lie­gen der Roma ein­tritt. Ich gehe davon aus, dass er die­sen Ein­satz auch als Vor­sitzen­der wei­ter­führen wird und freue mich bereits auf die wei­te­re Zu­sam­men­arbeit“, so Duz­dar. In Zu­sam­men­arbeit mit dem Volks­grup­pen­beirat der Roma sind in den ver­gan­ge­nen Jahren auch im Bun­des­kanz­ler­amt viele wich­ti­ge Pro­jekte auf den Weg ge­bracht wor­den. Mit der kürz­lich er­folg­ten Be­fra­gung zur Roma-Stra­te­gie in Form einer On­line-Kon­sul­ta­tion konn­te sich die Roma-Volks­gruppe selbst in die Wei­chen­stel­lun­gen für die kom­men­den Jahre ein­brin­gen. „Die chan­cen­gleiche Teil­habe al­ler in Österreich le­ben­den Men­schen ist der Grund­pfei­ler eines po­si­ti­ven Zu­sam­men­lebens. Selbst­ver­ständ­lich sol­len und müs­sen sich die be­trof­fe­nen Grup­pen in den Pro­zess ein­brin­gen und ge­hört wer­den. Ich bin davon über­zeugt, dass die Roma-Volks­gruppe mit Em­me­rich Gärt­ner-Hor­vath auch wei­ter­hin einen Ver­tre­ter hat, der genau dies voran­treibt und die wich­tige Arbeit von Ru­dolf Sar­közi fort­setzt“, so Duzdar.

(Pressemitteilung des Bundespressediensts)

Augsburger Sinti gründen Regionalverband

März 3rd, 2017  |  Published in Einrichtungen

Marcella Reinhardt, die Vorsitzende des Regionalverbandes der Sinti und Roma in Augsburg, am 17.2.2017 im Rathaus von Augsburg (Foto: Christian Menkel)Regionalverband der Sinti und Roma in Augsburg feierlich eröffnet

Aussendung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma:

Am Freitag, den 17. Februar 2017, stellte sich unser neuer Regio­nal­ver­band in Augsburg im Rah­men einer feier­li­chen Er­öff­nungs­ver­an­stal­tung der Öffent­li­ch­keit vor. 250 Gäste waren der Ein­la­dung in den Fest­saal des Augs­bur­ger Rat­hauses ge­folgt, Ober­bürger­meister Kurt Gribl er­öff­nete die Ver­anstal­tung. Der Regio­nal­ver­band in Aug­sburg wurde bereits 2016 von neun Augs­bur­ger Sinti gegrün­det und hat der­zeit rund 50 ehren­amt­li­che Mit­glieder, die sich für die Be­lange der Sinti und Roma in Augs­burg ein­setzen. Der Regional­ver­band ko­ope­riert dabei eng mit unse­rem bay­rischen Landes­ver­band in Nürnberg und dem Zentral­rat als seinem Dach­verband.

Marcella Reinhardt, die Vorsitzende des Regional­ver­bands, setzt sich schon seit 2003 – zu­nächst ehren­amt­lich beim Landes­ver­band Nürn­berg – für die Be­lange der Sinti und Roma ein. Mit ihrem neu ge­grün­de­ten Ver­band will sie eine An­lauf­stelle für die An­ge­hö­ri­gen der Minder­heit in Augsburg schaf­fen. Der Ver­band will in Augs­burg zu­dem eine akti­ve Er­in­nerungs­kultur an die Ver­fol­gung von Sinti und Roma im Natio­nal­sozia­lis­mus etablie­ren. In der Halle 116 im Sheridan-Park, die als Zwangs­arbei­ter­baracke, als Außen­lager des Kon­zentra­tions­lagers Dachau ge­nutzt wurde, soll dazu ge­mein­sam mit der Stadt Augsburg ein Do­ku­men­ta­tions- und Bil­dungs­haus er­öff­net und ein Erin­ne­rungs­ort ge­schaf­fen wer­den.

Gleichzeitig will der Verband Aufklärungsarbeit leisten, ins­be­son­dere über die auch nach Ende des NS fort­ge­setzte Dis­kri­mi­nie­rung und Aus­gren­zung von Sinti und Roma in der Bundes­republik. Read the rest of this entry »

Kritik nach Räumung in Frankfurt a.M.

März 2nd, 2017  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Nun geht auch Deutschland Frankreichs Weg: Abriss und Vertreibung (Foto: D.Majic/FR)Vergangene Woche wurde die Barackensied­lung im Gutleutviertel in Frankfurt a. M. poli­zei­lich ge­räumt. Jetzt regt sich Kritik.

Ein ehemaliges Industrie­areal im Frankfurter Gutleutviertel wur­de seit über drei Jah­ren von Ob­dach­lo­sen als Not­quar­tier ge­nutzt. Schon 2014 waren die dort unter­ge­kom­me­nen Per­so­nen gezwun­gen wor­den, das Gelände zu ver­las­sen, das Camp ent­stand aber bald wieder neu. Letz­ten Som­­mer leb­ten in der Behelfs­sied­lung bis zu 70 Per­so­nen, vor­wie­gend Roma aus Rumänien. Ver­gan­gene Woche wurde das Elends­quartier nun ge­räumt. 45 Stadtpolizisten rückten früh­mor­gens mit schwe­rem Gerät an, um das Camp auf­zu­lö­sen. Die Stadt be­grün­dete diese Maß­nahme mit einem Brand­vor­fall, der sich nur eini­ge Tage zu­vor im Lager er­eig­net hatte. Die zu­sam­men­ge­zim­mer­ten Be­hau­sun­gen wur­den ab­ge­ris­sen, den Be­woh­nern wurde ihr Besitz ab­ge­nom­men. Jetzt wird aber Kri­tik am Vor­gehen laut. Denn nach der Räumung sind in der pro­vi­so­ri­schen Ersatz­unter­kunft in einem Heim der Ar­bei­ter­wohl­fahrt der­zeit 39 Men­schen in nur drei Zim­mern unter­ge­bracht. Am Mo­ntag kriti­sierte der Landes­ver­band der Deut­schen Sinti und Roma die Zu­stände im Hen­riette-Fürth-Haus als „men­schen­un­wür­dig“. Nach einer neuen gesetz­li­chen Rege­lung ist die Stadt ver­pflich­tet, den Ge­räum­ten bis zu vier Wochen lang Über­brückungs­hil­fen zu leis­ten. „Die Leute sind völ­lig auf sich al­leine ge­stellt“, be­rich­tet hin­ge­gen Joachim Brenner, Ge­schäfts­führer des För­der­vereins Roma, „es gibt kei­ner­lei Ver­sor­gung. Keine mi­ni­ma­le existen­ziel­le Un­ter­stüt­zung.“ Den Roma sei durch die Ab­nah­me ihres Besitzes die Mög­lich­keit zur Selbst­ver­sor­gung ge­nom­men wor­den. „Die meis­ten von ihnen hat­ten sich über Flaschen­sam­meln sowie den Handel mit Alt­metall und Floh­markt­ware fi­nan­ziert. Neben ihren Lebens­mit­tel­vor­räten sei aber auch diese Ware sicher­ge­stellt wor­den“, heißt es in der Frank­furter Rund­schau.

(dROMa)

Stellungnahme des Fördervereins Roma e.V.:
Ord­nungs­amt räumt die Be­woh­ner der Bra­che ins Elend

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