A Hole in the Head (Diera v hlave)

März 19th, 2017  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken

Dokumentarfilm von Robert Kirchhoff
SK, CZ 2016, 92 Min. (Website)

Eine kleine Kunstgalerie irgendwo in Serbien, in der aus­schließ­lich Werke von Roma aus­ge­stellt wer­den. Ist Clinton nicht auch ein Rom? Da ist sich die Galeris­tin nicht so sicher. Aber Antonio Banderas sei Rom, auch Yul Brynner. Sie wag­ten es nur nicht, sich öffent­lich dazu zu be­kennen. Diese rühren­de Szene kultu­rel­ler Selbst­vergewisserung ist Teil einer Er­zäh­lung über den Holocaust an den Roma, der weit­ge­hend aus dem euro­päi­schen Gedächtnis g­etilgt ist und des­sen Spuren der Regis­seur akri­bisch nach­geht. Ein Film ge­gen das Vergessen.

Wir lernen Menschen aus Frankreich, Serbien, Deutschland, Tschechien und Polen kennen, die als Kinder in die Fän­ge der Mordmaschine der Nazis ge­rieten. Rita war keine drei Wo­chen alt, als SS-Ärzte in einem Würzburger Krankenhaus grau­en­hafte Experi­mente an ihr vor­nah­men. Ihre Zwillings­schwester starb, sie über­lebte mit einem „Loch im Kopf“. Raymond, ein 90-jäh­riger, extrem wacher Rom, er­innert daran, dass es die französische Gen­dar­merie war, die sie da­mals zu­sam­men­trieb, nicht die Deutschen. Heute dringt die glei­che Polizei ohne Durch­suchungs­be­schluss in seinen Wohn­wagen ein und ver­haftet drei seiner Söhne, weil sie ihm zu Hilfe ka­men (mehr hier). Was hat sich also geändert? Eine Frage, die sich an jeder Station dieser Reise des Gedenkens neu stellt und uns zwingt, Stellung zu beziehen und ideologischen Müll zu entsorgen.

(Text: Matthias Heeder / DOK Leipzig)

Everyone knows about the Roma Holocaust, but no one talks about it. The pro­cess of eli­mi­na­ting memo­ries of it began more or less at the end of the Second World War, when many mass graves in work and deten­tion camps re­mained intact. Even for the win­ners, the Roma were “second class” victims. In a number of Euro­pean countries (France, Czech Re­public, Slovakia, Poland, Germany, Croatia, Serbia), the direc­tor con­fronts a for­get­ful present with memo­ries of the last sur­viving witnesses of these hor­rific events. They survived, yet they each have their memory and scars as proof. In a world where fascism is once again pre­valent, they are one of the last living wit­nes­ses to the Holocaust. They exist with a hole in their head, an im­print from the past. The partially scrip­ted and staged docu­mentary is an elegy to the victims of a monstrous regime and human in­dif­fe­rence.

(Text: www.kino-lumiere.sk)

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