RomaReact: Holocaust-Überlebender misshandelt

September 27th, 2014  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Raymond GuremeFrankreich: Roma-Holo­caust-Über­le­ben­der (89) soll von Poli­zei ge­schla­gen wor­den sein

Der französische Buchautor und ehemalige Widerstands­kämpfer Raymond Gurême wurde nach einem Bericht von RomaReact Opfer von Polizei­gewalt. Der Vor­fall ereig­nete sich am 23. Sep­tember in seiner Hei­mat­stadt Arpajon in der Nähe von Paris. Aus nicht be­kannten Gründen ver­schaffte sich die Polizei gewalt­sam Zutritt zu Gurêmes Haus, um es zu durchsuchen. Laut Zeugen­aus­sagen habe die Polizei trotz Auf­forderung keine rich­ter­liche Geneh­migung vor­ge­wiesen. Gurême wider­setzte sich und der 89-jährige Über­lebende des Roma-Ho­lo­causts soll da­rauf­hin von einem jungen Polizei­beamten geschla­gen und miss­handelt wor­den sein. Zwei Söhne Gurême kamen ihrem Vater zu Hilfe und wur­den wegen Wider­stands gegen die Staats­gewalt fest­ge­nommen. Ein ärztliches Attest (Foto) doku­men­tiert die an seinen Armen und Beinen deut­lich sicht­ba­ren Spuren der Gewalt. Raymond Gurême wird An­zeige er­stat­ten. Laut Anga­ben der Familie ver­weigert die Polizei ihr bis heute die Aus­kunft über den Grund der Durch­suchung.

Spuren der Gewalt (Foto: RomaReact)Raymond Gurême stammt aus einer traditio­­nell leben­den Roma-Fa­mi­lie (Manouches). Während der NS-Be­sat­zung wur­den er und sei­ne Fa­mi­lie in „Zigeuner­lagern“ inter­niert. Diese auf Betrei­ben der National­sozialisten ein­ge­rich­te­ten Lager stan­den unter der Ver­ant­wor­tung der fran­zö­si­schen Polizei. Gurême gelang mehr­mals die Flucht aus den Internierungslagern, wur­de dann aber 1943 zur Zwangsarbeit nach Deutsch­land depor­tiert. Dort glückte ihm aber­mals die Flucht und er ge­lang­te, versteckt im Kohlekasten einer Loko­mo­tive, nach Frank­reich, wo er sich der Résistance an­schloss.

Vor drei Jahren ver­öffent­lich­te der ehe­ma­lige Wider­stands­kämp­fer seine Lebens­geschichte unter dem Titel „Interdit aux Nomades“ (Calmann-Lévy, 2011); das Buch ist inzwi­schen auch auf Italienisch er­schie­nen. Erst kürz­lich wurde Ray­mond Gurême vom fran­zö­si­schen Kultur­mi­nister dafür zum Ritter des Ordens der Künste und der Litera­tur er­nannt (hier die Laudatio des Ministers).

(R.U./dROMa)

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