Aus dem Rassismus-Report 2016 (1)

März 22nd, 2017  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Februar 2016: Nach dem Brandanschlag in Linz (Foto: privat, via www.oesterreich.at)Aus dem Bericht, S. 15:
Brandanschläge auf Roma-Zeltlager

Das Romano Centro informiert ZARA Anfang des Jahres über meh­rere Brand­an­schlä­ge auf Zeltlager von Roma-Fa­milien in Linz. Der erste An­schlag (wir berich­te­ten) wird im Februar auf Zelte von Roma/Rom­nija ver­übt, als diese auf un­genutz­tem Ge­lände im Linzer Industrie­gebiet cam­pie­ren. Die Zelte und alle darin befind­li­chen Gegen­stände werden durch das Feuer ver­nich­tet. Nur wenige Tage später wird ein wei­te­rer Brand­anschlag auf ein sich in un­mittel­ba­rer Nähe befind­li­ches Roma-Zeltlager ver­übt. Glück­licher­weise halten sich die Be­woh­ner/innen der Zelte zum Zeit­punkt der Brände nicht dort auf und es wird niemand ver­letzt. Die Polizei leitet ge­mein­sam mit dem Landes­amt für Ver­fassungs­schutz Ermitt­lun­gen ein. Auch auf poli­ti­scher Ebene führen diese Anschläge zu großer Be­sorg­nis und Betrof­fen­heit und werden aufs Schärfste ver­urteilt. Nur weni­ge Wo­chen später wird in Linz er­neut ein Brand in einem Roma-Zelt­lager ge­legt, von dem 15 Men­schen, unter ihnen auch Kinder, be­trof­fen sind (mehr hier). Die Zelte mit­samt ihrem Inhalt ver­brennen fast voll­stän­dig. In der Folge werden die Betrof­fe­nen in einer Flücht­lings­unter­kunft unter­ge­bracht. Auch in diesem Fall er­mit­teln Polizei und das Landes­amt für Verfassungsschutz ge­mein­sam. Es wird be­kannt­ge­ge­ben, dass fest­steht, dass es sich um Brandstiftung han­del­te, zu mög­li­chen Täter/in­nen kön­ne man aber nichts sagen. Ein Zu­sam­men­hang zu den ersten beiden Brand­anschlä­gen wird ver­mutet.

In zeitlicher Nähe zu den Brandanschlägen veröffentlicht ein User auf einem von der Stadt Linz be­trie­be­nen Internet-Por­tal eine Be­schwer­de über Roma/Rom­nija und Sinti/Sintize in Linz. Unter dem Titel „Z*plage wohin man sieht“ meint er unter an­de­rem, dass Z* „horden­weise die Straßen­bahn stürmen und die Fahrgäste be­läs­ti­gen“ würden, worauf­hin diese „an­gewi­dert die Straßenbahn ver­ließen“. Und: „Es müsste mitt­ler­weile bis in die letz­ten Amtstuben vor­gedrun­gen sein das dieser Zustand von der Be­völ­ke­rung nicht mehr lange toleriert wer­den wird. Bitte end­lich wirk­same Mass­nahmen gegen diese Landplage setzen.“ Das Ro­mano Centro bringt in der Folge eine Anzeige wegen Verhetzung ein.

Die Sachverhaltsdarstellung richtet sich sowohl gegen den Poster selbst als auch gegen die für die Internet­seite Ver­ant­wort­li­chen. Diese nahmen den bedenk­li­chen Beitrag zwar zur Kennt­nis und kom­men­tier­ten ihn mit dem Hinweis, man habe die Meldung an Polizei und Ordnungs­dienst weiter­gelei­tet, ließen den Text aber online und führten die ge­bo­tene Lö­schung erst später durch. Zu Re­dak­tions­schluss ist der Aus­gang des Ver­fahrens nicht be­kannt.

(Aus: Zara: Rassismus-Report 2016, S. 15)

Siehe auch:
Brandanschläge auf Roma-Zelte in Linz, 19.2.2016
Neuerlicher Brandanschlag in Linz, 2.3.2016
Brandanschläge: Brief an Linzer Bürgermeister, 4.3.2016
Linz: Mann verprügelt Bettler, 3.4.2016
Der Dieb und der „Abschaum”: Verhetzungsprozess in  Wien, 6.12.2016

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