Linz: Mann verprügelt Bettler
April 3rd, 2016 | Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte
Am Taubenmarkt in der Linzer Innenstadt spielten sich Pressemeldungen zufolge am Nachmittag des 23. März wüste Szenen ab. Augenzeugen berichten, dass ein junger Mann einen Bettler verprügelte und beschimpfte, nachdem ihn dieser angesprochen und um Geld gebeten hatte. Passanten, die den plötzlichen Gewaltausbruch beobachteten, riefen die Polizei. Der junge Mann wurde daraufhin vor zahlreichen Schaulustigen festgenommen. Der verletzte Bettler wurde von den Rettungskräften versorgt und dann ins Krankenhaus verbracht.
Nach Gewaltserie: „Aktion scharf“ und „Schulterschluss“
In Linz wurden in den letzten Wochen drei Brandanschläge auf Zelte von Roma-Familien, die in der Innenstadt betteln, verübt (wir berichteten: Brandanschläge auf Roma-Zelte in Linz und Neuerlicher Brandanschlag in Linz). „Die Grenzen der Zumutbarkeit sind überschritten“, ließ SPÖ-Bürgemeister Klaus Luger daraufhin verlauten. Und er meinte nicht die Gewaltserie. Die Linzer Stadtregierung reagierte auf die Anschläge, indem sie eine „Aktion scharf“ ausrief – allerdings nicht gegen die Attentäter, sondern gegen deren Opfer. Auch ÖVP-Vizebürgermeister Bernhard Baier will nach den Ereignissen endlich einen „Schulterschluss gegen kriminelle Banden“. Und auch er hat dabei nicht ein energisches Vorgehen gegen die Urheber der Brandanschläge im Sinn. Er fordert vielmehr das, worauf auch die Gewalttäter aus sind: die raschestmögliche Vertreibung der Bettler. Nicht anders viele Medien: Die „Die Presse“ beispielsweise erblickt angesichts der jüngsten Angriffe auf Bettler in Linz, Salzburg und Vorarlberg nicht Rassismus und Gewalt, sondern das Betteln als das „Problem, das eskaliert“.
Letzten Dienstag ließ die Stadt Linz das Zeltlager in der Waldeggstraße polizeilich räumen (interessanterweise verschweigt der verlinkte Artikel, dass es sich um jenes Camp handelt, das am 2. März teilweise niedergebrannt worden war). Ein sektorales Bettelverbot soll noch im April (mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP und FPÖ) verabschiedet werden.
(dROMa)