Augsburger Sinti gründen Regionalverband

März 3rd, 2017  |  Published in Einrichtungen

Marcella Reinhardt, die Vorsitzende des Regionalverbandes der Sinti und Roma in Augsburg, am 17.2.2017 im Rathaus von Augsburg (Foto: Christian Menkel)Regionalverband der Sinti und Roma in Augsburg feierlich eröffnet

Aussendung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma:

Am Freitag, den 17. Februar 2017, stellte sich unser neuer Regio­nal­ver­band in Augsburg im Rah­men einer feier­li­chen Er­öff­nungs­ver­an­stal­tung der Öffent­li­ch­keit vor. 250 Gäste waren der Ein­la­dung in den Fest­saal des Augs­bur­ger Rat­hauses ge­folgt, Ober­bürger­meister Kurt Gribl er­öff­nete die Ver­anstal­tung. Der Regio­nal­ver­band in Aug­sburg wurde bereits 2016 von neun Augs­bur­ger Sinti gegrün­det und hat der­zeit rund 50 ehren­amt­li­che Mit­glieder, die sich für die Be­lange der Sinti und Roma in Augs­burg ein­setzen. Der Regional­ver­band ko­ope­riert dabei eng mit unse­rem bay­rischen Landes­ver­band in Nürnberg und dem Zentral­rat als seinem Dach­verband.

Marcella Reinhardt, die Vorsitzende des Regional­ver­bands, setzt sich schon seit 2003 – zu­nächst ehren­amt­lich beim Landes­ver­band Nürn­berg – für die Be­lange der Sinti und Roma ein. Mit ihrem neu ge­grün­de­ten Ver­band will sie eine An­lauf­stelle für die An­ge­hö­ri­gen der Minder­heit in Augsburg schaf­fen. Der Ver­band will in Augs­burg zu­dem eine akti­ve Er­in­nerungs­kultur an die Ver­fol­gung von Sinti und Roma im Natio­nal­sozia­lis­mus etablie­ren. In der Halle 116 im Sheridan-Park, die als Zwangs­arbei­ter­baracke, als Außen­lager des Kon­zentra­tions­lagers Dachau ge­nutzt wurde, soll dazu ge­mein­sam mit der Stadt Augsburg ein Do­ku­men­ta­tions- und Bil­dungs­haus er­öff­net und ein Erin­ne­rungs­ort ge­schaf­fen wer­den.

Gleichzeitig will der Verband Aufklärungsarbeit leisten, ins­be­son­dere über die auch nach Ende des NS fort­ge­setzte Dis­kri­mi­nie­rung und Aus­gren­zung von Sinti und Roma in der Bundes­republik. Der Vor­sitzen­de des Zentral­rats, Romani Rose, er­klär­te den Gästen der Er­öff­nungs­ver­anstal­tung das Be­son­dere der Nach­kriegs-Si­tua­tion für die Sinti und Roma: „Wir wuch­sen im Schat­ten der Kon­zentra­tions­lager auf. Aber an­ders als bei den jüdi­schen Opfern und ihren Nach­fah­ren gab es für uns keine An­er­ken­nung, keine Auf­arbei­tung. Wir leb­ten auch nach dem Krieg am Rand der Gesell­schaft.“ Der Ver­band wird sich auch im Rah­men der politi­schen Bildungs­arbeit en­ga­gieren und ge­zielt Anti­diskri­mi­nie­rungs­arbeit leisten.

(Text: Aussendung des Zentralrats)

Siehe auch:
Augsburger Allgemeine, 19.02.2017
„Augsburger Sinti und Roma wollen das Schweigen bre­chen. – Sieben Jahr­zehnte hat es ge­dauert, bis sich die Augs­burger Sinti und Roma zu or­gani­sie­ren wag­ten. Sie wol­len auf­klären und er­innern.“

a3kultur.de 18.2.2017:
„Das ist mein Land, den Anspruch gebe ich nicht auf! – Kulturelle High­lights und viele emo­tio­nale Mo­men­te bei der Grün­dungs­feier des Augs­bur­ger Regio­nal­verban­des der Sinti und Roma.“

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