Sido, der Sinto
November 27th, 2013 | Published in Interview, Musik
Der Berliner Sido meldet sich mit seinem fünften Studioalbum zurück. Die Wut ist weg, Sido (32) rappt jetzt als zufriedener Familienvater. Im Interview der Nachrichtenagentur dpa zu seinem neuen Album „30-11-80“ spricht der Berliner über seine Kindheit als Sohn einer Sintiza und bohrende Fragen seines eigenen Nachwuchses. Das Interview führte Florian Lütticke. Das Interview finden Sie hier; im Folgenden bringen wir einen kurzen Auszug:
(…) Frage: Sie thematisieren im Song „Enrico“ das Leben eines Sinto. Was war da die Intention?
Ich bin ja selber auch Sinto. Dieser Enrico ist wie ich aus einer Hochhausgegend und kann gut Gitarre spielen. Er weiß, das wird ihn irgendwann aus der Scheiße herausholen. Ein bisschen ist das auch meine Geschichte, aber auch Sozialkritik. Ich will den Leuten sagen: Guckt, so etwas gibt es, wir dürfen diese Leute nicht vergessen. Wenn wir wollen, dass sie sich integrieren, müssen wir ihnen auch entgegenkommen und die Türen aufmachen.Frage: Ihre Mutter ist Sintiza, wie hat Sie das geprägt?
Im Osten war es sehr hart. Meine Mutter hat so viele Sprüche bekommen, als ich klein war. Es war komplett offener Rassismus, meine Mutter wurde als „Negerschwein“ bezeichnet. Da wurde mir klar: Okay, wir sind anders. Als man älter wurde, gab es diese Klausprüche, man wurde in eine Schublade gesteckt. Im Westen sind wir in eine Gegend mit hohem Ausländeranteil gezogen, wo es nicht mehr so auffiel. Wir sind auch eine andere Kultur und haben uns, so gut es ging, angepasst. In Deutsch hatte ich zum Beispiel immer meine beste Note. Da habe ich aber gemerkt, dass man verlangt, dass man etwas tut, aber es kommt einem niemand entgegen.(…) Frage: Sie haben mal gesagt, dass bei Sinti der Mann das klare Oberhaupt der Familie ist. Wie äußert sich das heute?
Bei uns ist es schon ziemlich geteilt, aber ich übernehme schon die Männersachen, die Beschützerrolle. Es ist nicht so, dass ich nicht auch in der Küche stehe. Früher haben die Männer bei uns in der Familie nur auf der Couch gesessen, da ist unsere Familie heute schon emanzipierter. (…)
Lesen Sie bitte das hier nur auszugsweise wiedergegebene Interview in volle Länge auf volksgruppen.orf.at.