Angriff in Ungarn: „Ihr werdet sterben!“

August 25th, 2026  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

RAN: Rechtsextreme überfallen Roma-Fa­milie in Ungarn. Kei­­­ne Er­­mitt­­lun­­­gen we­gen Mord­ver­­­suchs.

Roma Antidiscrimination Network/RAN: In dem ungarischen Ort Cegléd (Anm.: Ko­mitat Pest) wurde Ende April eine Roma-Familie von Rechts­extre­men überfallen. Die ver­mumm­ten An­greifer schlu­gen das Fenster der Haustür ein und warfen einen Molotow-Cock­tail in das Haus der Familie, in dem meh­rere kleine Kinder und ein Säugling schliefen. Während sie ins Haus eindrangen, riefen die Täter: „Jetzt werdet ihr sterben!“ Sie be­gannen sofort, auf den Vater der Familie ein­zu­schlagen und verletzten ihn dabei mit einer Machete. Der Vater verlor ein Stück seines Fingers. Ihm gelang es dennoch, das ent­stan­dene Feuer zu löschen. Obwohl sie maskiert waren, er­kannte die Familie die An­greifer sofort. Sie leben in der Nach­bar­schaft. Die Mutter der Familie sagte gegen­über Medien, sie kenne den Angreifer seit 20 Jahren. Sie war über­zeugt: Die Männer würden sie alle töten.

Die Polizei fand in der Wohnung der Angreifer diverse Waffen: Pistolen, Gewehre, ein Maschi­nen­gewehr, fast 150 Schuss Munition und meh­rere Dutzend Waffen­teile sowie einen Schlag­ring, in den ein Hakenkreuz geritzt ist. Bei den An­greifern soll es sich um einen 59-jäh­rigen Mann und seinen 16-jäh­rigen Sohn ge­handelt haben. Die mutmaßlichen Täter sollen einer rechts­extremen Gruppie­rung namens „Friedens­wächter“ an­ge­hören. Ansche­nend sind sie nach wie vor auf freiem Fuß. Ein Medien­portal schreibt lediglich, es würden voraus­sicht­lich Kontakt- bzw. An­nähe­rungs­verbote gegen die Täter verhängt. Die an­ge­grif­fene Familie lebt seither in Angst und traut sich kaum noch aus dem Haus.

Es war nicht der erste Angriff auf die Familie. Bereits tags­über hatte der 59-Jährige die Mutter an­gegrif­fen: Er hatte sie aus ihrem Haus gezerrt. Als jedoch ihr Partner nach Hause ge­kommen ist, war es ihm ge­lungen, den Angreifer zu ver­treiben.

Hintergrund für den versuchten Mord an einer gesam­ten Familie, ein­schließ­lich meh­rerer Kinder, war laut Medien­berichten, dass die Kinder zuvor kleine Bäume aus dem Wald des mut­maß­lichen Täters ge­fällt hätten, um ein Fußball­tor zu bauen.

Rechtsextreme Angriffe auf Roma sind in Ungarn keine Seltenheit. Zudem besteht ein gra­vierendes Problem mit para­militä­rischen Grup­pierungen, die regel­mäßig Roma terro­risieren (mehr hier)

(Text: Roma Antidiscrimination Network/RAN)

Anm. der dROMa-Red.:
Der Vorfall ereignete sich in der Nacht des 19. April 2026. Medien­berichte sprechen von einer Familie mit acht Kindern. Die unga­rische Polizei gab am 4. Mai 2026 be­kannt, dass die Täter iden­tifiziert und fest­genom­men wurden. Neben den beiden mut­maß­lichen Haupt­tätern wurden auch zwei jugend­liche Helfer (ein 16-Jäh­riger aus Nyírbéltek und ein 15-Jäh­riger aus Hajdúszová) fest­ge­nommen. Die Polizei leitete Er­mitt­lungen wegen be­waffneten Haus­friedens­bruchs und schwerer Körper­verletzung mit blei­benden Schäden ein – nicht jedoch wegen ver­suchten Mordes, was öffen­tlich kriti­siert wurde,
etwa hier und hier. Zur Frage, ob sich Vater und Sohn tat­sächlich auf freiem Fuß be­finden (oder ob sie in Unter­suchungs­haft ge­nommen wurden und das An­näherungs­verbot nur für die beiden minder­jährigen mut­maßlichen Beihilfs­täter [hier und hier]  zur Anwendung kam), liegen wider­sprüch­liche An­gaben vor. Das Medium Romaplay hat die Gemeinde besucht und zeichnet ein komple­xeres Bild des Vorfalls, der sich durch die lokale und persön­liche Vor­geschichte von anderen rechts­extremen Terror­angriffen auf Roma unter­scheide.



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