Mai 30th, 2018 |
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Rassismus & Menschenrechte

Pressemitteilung des Förderverein Roma e.V.:
Räumung der Brache auf dem Ferro-Gelände in der Frankfurter Gutleutstraße
Die Firma Ferro hat am Montag nach ergebnislosen Bemühungen, für die auf der Firmen-Brache lebenden Roma über das Frankfurter Sozialamt eine Unterkunft zu finden, das Gelände räumen lassen. Von den ca. 30 dort lebenden Personen waren etwa 15 anwesend. Sie sind mit einem enormen Polizeiaufgebot und in Kooperation mit dem Sozialamt vom Platz verwiesen worden. Ihnen droht zudem ein Strafverfahren wegen der Besetzung des unbenutzten Geländes. Bewohner der Brache ohne Arbeit haben eine einmalige Leistung in Höhe von 50 Euro und ein Rückreiseticket – das nur eine Romni in Anspruch nehmen möchte – erhalten. Für maximal eine Woche stellt die Behörde die Sammelunterkunft im Ostpark bereit. Die Prüfung auf Leistungsanspruch wird für die überwiegende Mehrheit negativ beschieden. Das heißt, nach acht Tagen sind sie wieder auf der Straße.
Das Sozialdezernat bleibt sich in der Ignoranz des Elends der Roma treu. Perspektivlosigkeit, Migration und Flucht aus Armut, Ausgrenzung, Rassismus, Pogrome und jegliche historische Verantwortung gegenüber ein Gruppe von Menschen, die seit Jahrhunderten diskriminiert und verfolgt wird, sind vollständig ausgebleudet. Die Strategie, ständig zu räumen (wir berichteten: hier und hier), Hilfe zu verweigern, anstatt eine soziale Perspektive aufzubauen, zeigt mehr denn je die Dominanz der Ordnungsmaxime, dass nicht sein kann, was nicht sein darf – eine Vorgehensweise, die wissentlich im Widerspruch zur Verfassung, zum Grundgesetz und zur UN-Menschenrechtskonvention steht.
Wiederholte Vertreibungen der Roma zielen auch auf ihre Bemühungen, sich jenseits öffentlicher Hilfe eine Existenz aufzubauen. Es geht letztlich nicht nur um das Signal, schnellstens aus Frankfurt zu verschwinden, sondern auch darum, selbst die minimalste Eigenversorgung restlos zu zerstören. Die Abwesenheit von Sozialpolitik, insbesondere gegenüber mittellosen Roma aus Osteuropa, treibt deren Verarmung auf die Spitze. Read the rest of this entry »
Mai 29th, 2018 |
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Rassismus & Menschenrechte, Sport
Rassistische Parolen während der Feier des FC Energie Cottbus
Der FC Energie Cottbus feierte am Sonntag im Anschluss an ein Spiel den Aufstieg in die 3. Liga im heimischen „Stadion der Freundschaft“. Während der Aufstiegsfeier stimmte die Mannschaft die romafeindliche Parole „Trainer, du Zigeuner“ an. Das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA) veröffentlichte auf seiner Website eine Videoaufnahme des Vorfalls. Der Cottbuser Cheftrainer Claus-Dieter Wollitz rief in der Pressekonferenz seinerseits „Spieler, ihr Zigeuner“. Außerdem sollen im Stadion Tätowierungen mit NS-Symbolen offen gezeigt worden sein. Berichten zufolge haben Cottbus-Fans später auf dem Cottbuser Altmarkt mit Kapuzen im Stil des rassistischen Ku-Klux-Klan posiert. Der Staatsschutz der Polizei Brandenburg ermittelt.
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Mai 22nd, 2018 |
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Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Feindseligkeit gegenüber Minderheiten kann anstecken: Wenn im eigenen Umfeld andere ethnische Gruppen angefeindet werden, finden sich leicht Nachahmer
Max-Planck-Gesellschaft: Ethnische Konflikte eskalieren oft überraschend schnell. Welchen Einfluss das Umfeld darauf hat, dass sich Menschen plötzlich feindselig verhalten, haben Forscher kürzlich mithilfe von Experimenten untersucht. Dabei stellten sie fest, dass Anfeindungen gegenüber anderen ethnischen Gruppen deutlich mehr Nachahmer finden als Anfeindungen gegen Mitglieder der eigenen sozialen Gruppe.
Ob in Bosnien, Liberia oder Ruanda – immer wieder brechen plötzlich gewalttätige Konflikte zwischen Volksgruppen aus, die lange friedlich zusammengelebt haben. Bisher gibt es keine befriedigende wissenschaftliche Erklärung, warum Aggressionen eine solche Dynamik entfalten können. Jana Cahlíková vom Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen hat nun gemeinsam mit Kollegen aus Tschechien und der Slowakei ein neuartiges Experiment entwickelt, um zu testen, wie das soziale Umfeld feindseliges Verhalten gegenüber einer anderen ethnischen Gruppe beeinflusst. Die Ergebnisse der Studie wurden im April 2018 im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) publiziert.
Untersucht wurden Jugendliche aus Schulen in der östlichen Slowakei und ihr Verhalten gegenüber Angehörigen der Roma – eine Minderheit, gegen die es latente Vorurteile gibt und in den letzten Jahren auch zunehmend Aggressionen. Das Besondere an dem Test war, dass die Teilnehmer innerhalb ihres sozialen Umfelds agieren konnten.
Mitspieler dürfen Boshaftigkeit ausleben
Um diskriminierendes Verhalten zu untersuchen, ließen die Forscher die Jugendlichen ein so genanntes „Joy of Destruction game“ spielen: ein Spiel, in dem die Teilnehmer – wenn sie wollen – ihre Boshaftigkeit ausleben können. Zwei Spieler erhalten jeweils zwei Euro und sollen gleichzeitig entscheiden, ob sie 20 Cent ausgeben, um den Betrag des jeweils anderen um einen Euro zu verringern, oder das Geld einfach nur behalten möchten. Die Spieler bleiben dabei anonym, und spielen jeweils nur einmal gegeneinander.
Anhand einer Liste mit typischen Namen informierten die Forscher die Teilnehmer darüber, ob das Gegenüber ein Angehöriger der slowakischen Mehrheitsbevölkerung oder der Roma-Minderheit war. Read the rest of this entry »
Mai 18th, 2018 |
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Film & Theater, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Radio RomaRespekt #24: Ulli Gladik und ihr Film „Natasha“
Sendung vom April 2018: In Dresden beschloss der Stadtrat kürzlich ein Bettelverbot für Kinder. Die vorangegangene Debatte war massiv geprägt von antiromaistischen Stereotypen. Gegen dieses Verbot in Dresden hat die Dresdner Bettellobby (wir berichteten) gekämpft, die sich nach dem Vorbild der Bettellobby in Wien gegründet hat. Und die Filmemacherin Ulli Gladik hat wiederum die Wiener Bettellobby mitbegründet. Sie wurde nach Dresden eingeladen, um ihren Film zu zeigen und um über ihr Engagement zu sprechen.
Ihr hört ein Interview mit Ulli Gladik, Filmemacherin und Aktivistin aus Wien. Es geht um die Wiener Bettellobby und um die Entstehungsumstände des Films „Natasha“.
(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)
Mai 17th, 2018 |
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Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Wöchentliche Polizei-Großeinsätze gegen bettelnde Menschen in Wien
Bettellobby Wien: Seit Kurzem gibt es wöchentlich Großeinsätze gegen BettlerInnen in Wien. Diese Einsätze richten sich gegen alle Bedürftigen, die auf der Straße versuchen, ein paar Euro zu verdienen. Die Bezeichnung „Bettlerbanden“ dient dazu, diese grundrechtlich sehr fragwürdige Vorgehensweise zu rechtfertigen. Die Einsatzteams der Polizei bestehen aus zwei sog. SchnellrichterInnen und zwei PolizeibeamtInnen. In der Regel spricht niemand die Sprache der BettlerInnen. Es ist daher nicht möglich, die Betroffenen zu befragen.
Die meisten Strafen werden wegen gewerbsmäßiger Bettelei verhängt: Niemand weiß genau, was das eigentlich heißen soll. Derzeit werden nach dem Tatbestand jene bestraft, denen die Polizei unterstellt, dass sie nicht arbeiten wollen. Dies entspricht jedoch nicht der Realität: Bettelnde Menschen würden sehr gerne Arbeit annehmen anstatt zu betteln, viele tun dies auch.
Rechtshilfetreffen der BettelLobby Wien:
Aktuelle Termine: 21.5 2018 und 18.6.2018
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Mai 16th, 2018 |
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Rassismus & Menschenrechte
In der Nacht vom 9. auf den 10. Mai 2018 brannten etwa 30 maskierte Männer die Häuser einer Roma-Siedlung in Lwiw (Lemberg), Ukraine, nieder.
Nach den pogromartigen Übergriffen gegen Roma, die am 21. April nahe Kiew von ukrainischen Extremisten verübt wurden (wir berichteten), kam es nun erneut zu gewalttätigen Ausschreitungen gegen Roma-Familien in der Nähe von Lemberg. Am 9. Mai zündeten vermummte Männer das Hab und Gut einer Siedlung von etwa 30 Roma an und verprügelten die Bewohner (mehr hier). Die Polizei ermittelt lediglich wegen »groben Unfugs«, ohne die Fremdenfeindlichkeit der Tat zu berücksichtigen. »Zurzeit ist niemand mehr in der Siedlung. Die meisten sind nach dem Pogrom mitten in der Nacht geflohen, andere wurden ins Krankenhaus gebracht«, sagt Michael Kenio, Sprecher der lokalen Vertretung der Menschenrechtsorganisation Kharkiv Human Rights Protection Group (KHRPG).
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Mai 9th, 2018 |
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Rassismus & Menschenrechte
Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma verurteilen den antiziganistischen Pogrom in der Ukraine und fordern Sicherheit für die dortige Roma-Minderheit
Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma fordern die ukrainische Regierung auf, umgehend die rassistischen, gewaltsamen Übergriffe auf Roma mit allen Mitteln des Rechtsstaates aufzuklären und zu ahnden sowie die Sicherheit der ukrainischen Roma-Minderheit zu gewährleisten.
Am 21. April 2018 verübten Neonazis nahe der ukrainischen Hauptstadt gewaltsame, pogromartige Übergriffe gegen Roma, die seit Jahrhunderten Bürger dieses Staates sind (wir berichteten). Die Neonazis vertrieben 15 Familien mit ihren Kindern und bewarfen sie mit Steinen. Der Besitz der Menschen wurde verbrannt (Video). Die Leitung der lokalen Polizei stritt den Vorfall zunächst ab, obwohl die in der Ukraine bekannte rechtsextreme Gruppe »S14« im Internet mit ihrer menschenverachtenden Tat prahlte. Dass die Polizei sich jetzt doch entschloss, den Angriff gegen die Minderheit zu untersuchen, unterstreicht den Ernst der Lage.
Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, erinnert in diesem Zusammenhang: »In der Ukraine wurden zehntausende Roma während der nationalsozialistischen Besatzung der Sowjetunion im Holocaust ermordet. Read the rest of this entry »
Mai 7th, 2018 |
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Dokumente & Berichte, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte

„Roma werden in Berlin massiv diskriminiert“
Amaro Foro e.V. präsentiert Dokumentation antiziganistisch motivierter Vorfälle 2017
Das Dokumentationsprojekt von Amaro Foro hat 2017 252 antiziganistische und diskriminierende Vorfälle in Berlin erfasst. Darunter sind 167 gemeldete Vorfälle und 51 diskriminierende Medienberichte, außerdem 34 Beiträge aus sozialen Medien. Die Facebook-Auftritte sämtlicher Berliner AfD- und NPD-Verbände wurden erstmals systematisch und umfassend ausgewertet. Darüber hinaus wurden über 1000 Äußerungen in Kommentarspalten unter Medienberichten ausgewertet, von denen etwa 80 Prozent als rassistisch und sozialchauvinistisch einzustufen sind. Bei den gemeldeten Vorfällen ergibt sich im Vergleich zum Vorjahr (146) ein Anstieg von etwa 14 Prozent.
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April 30th, 2018 |
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Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte
EU-Grundrechteagentur FRA stellt ersten Bericht zu Antiziganismus vor
European Union Agency for Fundamental Rights (FRA): A persisting concern: anti-Gypsyism as a barrier to Roma inclusion, Publications Office of the European Union: Luxembourg 2018
➜Download (pdf)
Schlechte sanitäre Bedingungen, Hunger, Jugendarbeitslosigkeit – nach neuestem Bericht der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte müssen sich Roma in der EU jeden Tag diesen grundliegenden Herausforderungen stellen. Der Bericht zeigt auf, dass die Ungleichheiten fortbestehen, unter denen Roma in Europa – einer der reichsten Regionen der Welt – in vielen Ländern nach wie vor zu leiden haben.
„Romafeindlichkeit von Diskriminierung bis zu Hasskriminalität sind der Treibstoff für den Teufelskreis der Ausgrenzung der Roma. Sie bleiben gesellschaftlich ausgegrenzt und werden auf eine inakzeptable stereotype Weise behandelt,” erklärt FRA-Direktor Michael O’Flaherty: „Wir müssen diesen Teufelskreis aufbrechen. Warum tun wir also nicht das Naheliegendste und stellen sicher, dass jeder und jede Roma dieselben Rechte wie die anderen EU-Bürgerinnen und -Bürger wahrnehmen können?“
Der FRA-Bericht „A persisting concern: anti-Gypsyism as a barrier to Roma inclusion“ untersucht die andauernde Sorge, dass Romafeindlichkeit die Barriere für Romaintegration ist. Er macht deutlich, wie die Mitgliedstaaten trotz bisheriger Bemühungen ihre Integrationsziele nicht erreichen. Read the rest of this entry »
April 29th, 2018 |
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Film & Theater, Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Stefan Lenglinger präsentiert im ORF-Magazin „Heimat Fremde Heimat“ in ORF 2 (online ansehen) u.a. folgende Beiträge:
Roma und Europa – Die unendliche Geschichte der Diskriminierung
Es ist die Zeit der Utopien, auch für die europäischen Roma: Die jenische Schriftstellerin Simone Schönett thematisiert in ihrem Roman die Idee eines eigenen europäischen Roma-Staates, jedoch ohne Land. Das Berliner Maxim-Gorki-Theater provoziert dieser Tage mit dem Stück „Roma-Armee“, das nach einer Idee der beiden Wiener Romnija Sandra und Simonida Selimović entstanden ist. Nicht mit Waffen, aber mit Kunst wolle man gegen die nicht enden wollende Diskriminierung ankämpfen, so die Hauptdarstellerin Sandra Selimović. Die österreichischen Volksgruppenvertreter fordern einen europäischen gesetzlichen Rahmen, der Antiziganismus unter Strafe stellt und einen europäischen Kommissar, der sich für die Belange der größten europäischen Volksgruppe einsetzt. Sabina Zwitter berichtet.
Roma-Literatur – Was ist das eigentlich?
Immer wieder werden Roma als ungebildetes, nicht literarisches Volk stigmatisiert. Vielmehr wurden aber die Weisheiten, Erinnerungen und Erzählungen bei den Roma mündlich überliefert. Dabei diente ihnen ihre Sprache in Zeiten der Verfolgung als Schutz, den sie logischerweise nicht aufgeben wollten. Mit der Kodifizierung des Romani in Österreich setzte die österreichische Volksgruppe ein Signal der Öffnung, aber auch literarische Zeichen. „Was ist Roma-Literatur? Ist es Literatur, die in Romani geschrieben wurde, oder Literatur, die von Roma geschrieben wurde? Oder vielleicht Literatur, die sich mit Roma-Themen auseinandersetzt? Diese Fragen beantworten die Schriftsteller und Brüder Samuel und Károly Mágó sowie die Literaturwissenschafterin Katharina Janoska. Ein Beitrag von Sabina Zwitter.
(Text: ORF, Programmankündigung)
April 27th, 2018 |
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Rassismus & Menschenrechte
Geduldeter Pogrom: Am Hitler-Geburtstag schlug die ukrainische Organisation C14 zu. Auch Journalisten gehören zu den Opfern dieser faschistischen Organisation
Ulrich Heyden: Wie ukrainische Medien berichten, überfielen Mitglieder der faschistischen Organisation C14 in der Nacht vom 20. auf den 21. April eine zeitweise Roma-Siedlung mit 15 Zelten im Park Lysaja Gora in Kiew. Mehrere Zelte wurden abgebrannt. In einem Video, welches jetzt im ukrainischen Internet auftauchte, ist zu sehen, wie maskierte junge Männer die Roma – unter ihnen viele Kinder – mit Steinen und Reizgas jagen und die Verfolgten nach der Polizei rufen.
Der Führer der Organisation C14, Sergej Masur, erklärte gegenüber Journalisten, dass die Roma den Park Lysaja Gora nach „überzeugenden gesetzlichen Argumenten“ verlassen hätten. Der Leiter der Kiewer Polizei, Andrej Krischenko, erklärte, dass im Bezirk Lysaja Gora bei Reinigungsarbeiten Müll verbrannt worden sei. Eine Roma-Siedlung sei nicht angesteckt worden. Amnesty International fordert die Aufklärung des Verbrechens.
C14-Mitglieder werden auch an dem Mord an dem regierungskritischen Journalisten Oles Busina am 16. April 2015 verdächtigt. Am 1. Juli 2017 griffen Mitglieder von C14 den regierungskritischen Journalisten Ruslan Kotsaba an. Bisher wurde kein einziger Überfall der C 14-Faschisten von den ukrainischen Behörden aufgeklärt und die Verantwortlichen vor Gericht gestellt. Read the rest of this entry »
April 20th, 2018 |
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Einrichtungen, Internet & Blogothek, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Am 25. April 2018 präsentiert das Romano Centro in Wien die neue Beratungsstelle #GegenHassimNetz: 18:00 Uhr, Hofmannsthalgasse 2/2, 1030 Wien
Die Beratungsstelle #GegenHassimNetz des Vereins „ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit“ hat im September 2017 ihre operative Arbeit aufgenommen. Seit diesem Zeitpunkt wurden über 700 Fälle von Hass im Netz dokumentiert und bearbeitet. Die juristisch und psychosozial geschulten Mitarbeiter/innen geben eine rechtliche Erstauskunft und besprechen mit Klienten/innen weitere Handlungsoptionen. Maßnahmen inkludieren die Entfernung von Inhalten, Versuche außergerichtlicher Einigungen, Anzeigenerhebung von strafrechtlich relevanten Inhalten etc.
An diesem Abend werden die Beratungsstelle #GegenHassimNetz, ihr spezifischer Tätigkeitsbereich sowie Erfahrungen aus dem ersten halben Jahr vorgestellt.
(Romano Centro)
April 19th, 2018 |
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Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Sendung von Radio LORA München
Gestaltung: Andrasch Neunert, 15:36 min, 11 MB
➜Anhören (mp3)
Am 8. April wurde der Internationale Roma-Tag begangen. Nun zählten die Sinti und Roma mit den Schwulen zu den letzten ehemaligen Häftlingen, die nach dem Krieg entschädigt wurden, ihre Qual blieb lange Zeit ein Tabu. Radio LORA München fragte Herbert Heuß, den wissenschaftlichen Leiter beim Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, nach dem, was Sinti und Roma an diesem Tag durch den Kopf geht … sicher nicht nur, aber doch auch die Opfer ihrer Vorfahren in den Nazi-KZs. Herbert Heuß über die Notwendigkeit, ebenso wie Homophobie und Antisemitismus auch den Antiziganismus konsequent zu bekämpfen.
(Sendung und Text: Radio LORA/Freie-Radios.net)
April 14th, 2018 |
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Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Sensibilisierung gegen antiziganistische Vorurteile
Eintägige Veranstaltung der Verwaltungsakademie des Bundes (VAB) am 7. Mai 2018 in Schloss Laudon (Seminarnr: BS 207)
Inhalt und Ziele: Oft werden Vorurteile und Klischees von der Mehrheitsgesellschaft kritiklos übernommen und an Minderheiten ausgelebt. Am Beispiel des Antiziganismus erfahren Sie, wie Stereotype wirken und in welcher Weise sie dekonstruiert werden können. Sie können nachvollziehen, dass die Diskriminierung einer Volksgruppe deren Lebensqualität erheblich beeinträchtigt und dass ein Umdenken der Zivilgesellschaft auch von den öffentlich Bediensteten mitzugestalten ist.
- Relevante Begrifflichkeiten (z. B. Eigen- und Fremdbezeichnungen)
- Geschichte und Verfolgung der Roma und Sinti
- Fragen zur gegenwärtigen Diskriminierungssituation von Sinti und Roma unter Berücksichtigung des Antiziganismusberichtes – Stand der Forschung
- Individuelle und kollektive Selbstbehauptungspraktiken
- Österreichische Beispiele für Best Practice: Präsentation von Projekten aus dem öffentlichen Sektor, die zu einer besseren Inklusion von Roma und Sinti beitragen.
Lernmethode: Erfahrungsorientiertes und interaktives Lernen, Übungen, Theorie-Input, Diskussion, Bearbeitung konkreter Beispiele aus der Praxis
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April 11th, 2018 |
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Einrichtungen, Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Rassismus & Menschenrechte
Radijo Erba & TV Erba
Medienworkshop von Roma-Service & Karika
Ein Beitrag von Jennifer Papai (Redaktion). Schnitt: Marcel Horvath
Alt sein heißt nicht stumm sein! Omas gegen Rechts
Babi gejng „Rechts“: O babi i lek hipsti grupn ando protestakero micinipe hi. Feschtime gutschmenca o babi gejng „Rechts“ upro poschtito dschan, pe le manuschengere tschatschipenge ande te bescharel. Angle trin kurke i seletoskeri forma „Omas gegen Rechts Südburgenland“ kerdi uli. Suboton, ando 17to feberi 2018 Erbate ando foroskero park i erschti demonstracija gejng o telispidipe naschigejaschendar sina.
Die Omas sind wohl die hippste Gruppe in der Protestbewegung. Mit knalligen Strickmützen gehen die „Omas gegen Rechts“ auf die Straße, um sich für die Menschenrechte einzusetzen. Vor einigen Wochen wurde die Plattform „Omas gegen Rechts Südburgenland“ gegründet. Read the rest of this entry »
April 4th, 2018 |
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Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Neues Onlineportal informiert über den Holocaust an den Sinti und Roma
Das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma hat am Dienstag das Webportal „‘Rassendiagnose: Zigeuner‘. Der Völkermord an den Sinti und Roma und der lange Kampf um Anerkennung“ gelauncht (Projektleitung: Frank Reuter, Mitarbeit: Verena Meier). Unter www.sintiundroma.org wird anhand zahlreicher Videos, Interviews, Fotos und Dokumente der Holocaust an der Minderheit thematisiert. Außerdem dokumentiert die Internetseite die Geschichte der Überlebenden im Nachkriegsdeutschland, die Erfolge der Bürgerrechtsbewegung sowie die Menschenrechtssituation in Europa nach 1989.
Ab März 1943 wurden annähernd 23.000 Sinti und Roma aufgrund des Deportationsbefehls Heinrich Himmlers nach Auschwitz-Birkenau deportiert, der größte Teil stammte aus dem Reichsgebiet. Zahlreiche Gedenkveranstaltungen erinnern dieser Tage deutschlandweit an dieses unvorstellbare Verbrechen. Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma ist in der jahrhundertelangen gemeinsamen Geschichte von Minderheit und Mehrheit ohne Beispiel. Dennoch war er nicht voraussetzungslos: Eine von Vorurteilen und Feindseligkeit geprägte Haltung gegenüber Sinti und Roma ist tief in der europäischen Geschichte verankert. Das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma möchte mit seinem neuen Webportal www.sintiundroma.org einerseits diese Vorurteile und Feindseligkeiten widerlegen, andererseits den Völkermord an den Sinti und Roma dokumentieren: von der Ausgrenzung und Entrechtung der Minderheit im Deutschen Reich bis zu ihrer systematischen Vernichtung im besetzten Europa.
Der menschenverachtenden Perspektive der Täter werden Zeugnisse der Opfer gegenübergestellt. Historische Familienfotos von Sinti und Roma geben Einblicke in die Lebenswirklichkeit der Menschen und lassen sie als Individuen hervortreten. Read the rest of this entry »
April 2nd, 2018 |
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Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Bei der Räumung von Behelfsunterkünften in Düsseldorf-Oberbilk (wir berichteten) durch die Deutsche Bahn AG wurde auch das Eigentum der Bewohner vernichtet. Julia von Lindern, Sozialpädagogin bei „fiftyfifty“, berichtet im Gespräch mit der jW (31.3.2018) von der Lage der vertriebenen Roma, die von den städtischen Notunterkünften ausgesperrt werden, und rechtlichen Konsequenzen.
Als Argument mussten Beschwerden von Anwohnern herhalten – das Camp befand sich jedoch an den Bahngleisen im Industriegebiet, war von außen nicht einsehbar, und man musste schon wissen, wo es ist, damit man es findet. (…) Alles ist in Containern vermüllt worden. Ein Bewohner kam am Morgen der Räumung ins Camp, weil er sein Fahrrad holen wollte. Er bemerkte die Räumung und wollte zumindest einen Teil seiner Sachen retten. Das wurde ihm jedoch verboten. Am schlimmsten fanden es die Bewohner, dass die neu eingekauften Lebensmittel im Wert von 50 Euro sowie die Gaskocher verschrottet wurden. Ihnen wurde damit die Überlebensgrundlage genommen. Außerdem hatten sie aus dem Erlös des Fiftyfifty-Verkaufs Ostergeschenke für ihre Kinder in Rumänien erstanden, die sie verschicken wollten. Die Kinder warten jetzt vergeblich auf ihr Osterpäckchen.
Die Bewohner werden einen Strafantrag gegen die DB wegen Sachbeschädigung stellen. Nur weil jemand arm ist, ist er nicht rechtlos. Unser Anwalt Jasper Prigge wird uns dabei juristisch zur Seite stehen. Weiterhin überlegen wir, gemeinsam mit den Bewohnern den Zugang zu den Notschlafstellen zu erstreiten. Denn ab April ist die »Winterregelung« ausgesetzt, das heißt, alle EU-Wohnungslosen gelten als Touristen und können die Notschlafstellen nicht nutzen. Diese Abweisung ist jedoch rechtswidrig, jeder Wohnungslose, unabhängig von seinem Pass, hat ein Recht auf Zuweisung in eine Notunterkunft. Die derzeitige Praxis der Stadt Düsseldorf, aber auch die fast aller anderen Städte deutschlandweit, ist rechtswidrig – und zumindest in Düsseldorf gibt die Verwaltung das auch zu. Read the rest of this entry »
März 31st, 2018 |
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Rassismus & Menschenrechte
Das Düsseldorfer Wohncamp an den Bahngleisen wurde ohne Vorankündigung geräumt, auch Kleidung und Lebensmittel der Bewohner wurden zerstört.
Aussendung des Düsseldorfer Straßenmagazins „fiftyfifty“, das die acht Bewohner/innen betreut:
Das Camp befand sich auf einem Grundstück, welches sich im Besitz der Deutschen Bahn AG befindet. Es wurden sämtliche Hütten dem Erdboden gleich gemacht und alle Habseligkeiten der Bewohner/innen mit einem Radlader auf einen Kipplaster geladen. Auf die Bitte eines Camp-Bewohners wenigstens Kleidung und Lebensmittel retten zu dürfen, wurde laut seiner Aussage nicht reagiert und ihm der Zugang zum Gelände verwehrt. Die DB Immobilien sicherte noch im Herbst letzten Jahres zu, dass sie das Straßenmagazin „fiftyfifty“ informieren würden, sobald die Räumung bevorstehen würde. Doch nun kam die Räumung unerwartet und trifft die Bewohner/innen, die nun im Dauerregen vor dem Nichts stehen, besonders hart. Selbst die Lebensmittel fehlen, da diese wie beschrieben ebenso entsorgt wurden. Weiterhin wurden auch sämtliche Geschenke, die die Bewohner/innen für ihre Kinder für das Osterfest gekauft hatten mit den anderen Sachen als Müll entsorgt. Problematisch an dieser Situation ist unter anderem, dass die Roma als EU-Bürger/innen noch nicht einmal Obdach in einer der städtischen Notunterkünfte finden, da ihnen der Zugang im Sommer (seit dem 26. März) zu diesen auf kommunaler Ebene verwehrt wird. Somit blieb den Bewohner/innen nichts anderes übrig, als die erste Nacht nach der Räumung am Düsseldorfer Hauptbahnhof zu verbringen. Read the rest of this entry »
März 28th, 2018 |
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Dokumente & Berichte, Politik, Rassismus & Menschenrechte
The Wall of Anti-Gypsyism – Roma in Western Balkans
Antiziganismus am Westlichen Balkan – Publikation der Menschenrechtsorganisation „Civil Rights Defenders“
Die Menschenrechtsorganisation „Civil Rights Defenders“ hat kürzlich mehrere Berichte zur Situation der Roma in den Staaten des Westlichen Balkan (Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien) vorgelegt: einen Überblicksbericht sowie Länderberichte zu den einzelnen Ländern.
Civil Rights Defenders stellte fest, dass es zwar zu Verbesserungen in einigen Bereichen gekommen ist, ein systemischer Wandel ist aber bis jetzt weder erreicht worden, noch ist ein solcher Wandel in Sicht. Diskriminierung und andere Ausdrucksformen von Antiziganismus bestimmen weiterhin das Leben der Roma. Für einen beträchtlichen Teil der Roma blieb Migration der einzige Ausweg, der Diskriminierung zu entkommen und die einzige Aussicht auf ein besseres Leben. Nach Schätzungen haben zwischen 2008 und 2016 über 200.000 Roma aus den Ländern des Westlichen Balkans Asyl in einem der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union beantragt. Dies entspricht 20 Prozent der gesamten Roma-Bevölkerung im Westlichen Balkan.
Eine Verbesserung der Situation der Roma könnte nur dann erreicht werden, wenn der Antiziganismus als tatsächlicher Grund für die Lage der Roma anerkannt und entsprechend bekämpft würde. Dazu können sich aber weder die Regierungen im Westlichen Balkan noch die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union – mit der Ausnahme des Europaparlaments, das im November auch Stellung zum Antiziganismus im Westlichen Balkan genommen hat – entschließen. Die Anerkennung und Bekämpfung des Antiziganismus stellt aber die Grundvoraussetzung dar, um die Lage der Roma im Westlichen Balkan zu verbessern.
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März 27th, 2018 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, Veranstaltungen & Ausstellungen
Racial Profiling und erweiterte DNA-Analysen in kriminalpolizeilichen Ermittlungen: Gemeinsame Fachveranstaltung von Zentralrat und Amadeu Antonio Stiftung
27.03.2018, 11:00 bis 16:30 Uhr
DokuZ Sinti und Roma Berlin
Prinzenstraße 84.2 – 10969 Berlin
Seit November 2016 haben Ermittler, Politiker und Journalisten die Forderung erhoben, die Anwendung erweiterter forensischer DNA-Analysen in Deutschland gesetzlich zuzulassen. Es geht dabei insbesondere um die Bestimmung der Haut-, Haar- und Augenfarbe (was unter dem Begriff DNA-phenotyping zusammengefasst wird) sowie der sogenannten „biogeografischen Herkunft“.
Aus Sicht von Wissenschaftler und Minderheiten-Vertretern sind erweiterte DNA-Analysen in der Forensik äußerst problematisch, da sich ein solches Verfahren vor allen Dingen gegen Minderheiten richtet. Schon 2016 formierte sich ein breites akademisches Bündnis und übte Kritik an der bevorstehenden Gesetzgebung, da zahlreiche Fragen zu den wissenschaftlichen Grundlagen, der Praxisanwendung oder den weitreichenden gesellschaftlichen Folgen nach wie vor ungeklärt waren und sind. Dennoch wurden diese Technologien in vielen Medien, in der Politik und von Seiten der Ermittlungsbehörden einseitig als positiv dargestellt.
Bislang kam es in Deutschland offiziell nur in einem Fall zu einer erweiterten biogeographischen Herkunftsanalyse mittels DNA, und zwar im Fall der von dem sogenannten „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) ermordeten Polizistin Michelle Kiesewetter. Diese erste Anwendung einer biogeographischen Herkunftsanalyse richtete sich ausschließlich gegen Angehörige der Minderheit der Sinti und Roma. Der Fall wurde als das „Heilbronn-Phantom“ (mehr hier/pdf) bekannt und ein über Amtshilfe in Österreich erstelltes Gutachten führte dazu, dass Sinti und Roma massiv in den Fokus der Polizei gerieten. Die Ermittlungsakten dokumentieren eindeutig den antiziganistischen Charakter der polizeilichen Ermittlungen, der sich dann in der Medienberichterstattung widerspiegelte.
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