Rassismus & Menschenrechte

Wieder Räumung in Frankfurt a. M.

Mai 30th, 2018  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Deutschland: Vorwürfe nach Lager-Abriss im Frankfurter Gutleutviertel (Foto: Hessenschau)

Pressemitteilung des Förderverein Roma e.V.:

Räumung der Brache auf dem Ferro-Gelände in der Frankfurter Gutleutstraße

Die Firma Ferro hat am Montag nach ergeb­nis­losen Be­mühun­gen, für die auf der Firmen-Bra­che le­ben­den Roma über das Frank­fur­ter Sozialamt eine Unter­kunft zu fin­den, das Gelän­de räumen las­sen. Von den ca. 30 dort lebenden Per­so­nen waren etwa 15 an­we­send. Sie sind mit einem enor­men Polizei­auf­gebot und in Ko­opera­tion mit dem Sozialamt vom Platz ver­wie­sen wor­den. Ihnen droht zudem ein Straf­ver­fah­ren wegen der Be­setzung des un­benutz­ten Ge­län­des. Be­wohner der Brache ohne Arbeit haben eine ein­mali­ge Leis­tung in Höhe von 50 Euro und ein Rück­reise­ticket – das nur eine Romni in An­spruch neh­men möch­te – er­halten. Für ma­xi­mal eine Woche stellt die Be­hörde die Sam­mel­unter­kunft im Ostpark be­reit. Die Prüfung auf Leis­tungs­an­spruch wird für die über­wie­gende Mehr­heit nega­tiv beschie­den. Das heißt, nach acht Ta­gen sind sie wieder auf der Straße.

Das Sozialdezernat bleibt sich in der Ig­no­ranz des Elends der Roma treu. Per­spek­tiv­losig­keit, Migration und Flucht aus Armut, Aus­gren­zung, Rassismus, Pogro­me und jeg­li­che histori­sche Ver­ant­wor­tung gegen­über ein Gruppe von Men­schen, die seit Jahr­hun­der­ten dis­krimi­niert und ver­folgt wird, sind voll­stän­dig aus­ge­bleu­det. Die Strategie, ständig zu räumen (wir berichteten: hier und hier), Hilfe zu ver­wei­gern, an­statt eine soziale Per­spek­tive auf­zu­bauen, zeigt mehr denn je die Domi­nanz der Ordnungs­maxime, dass nicht sein kann, was nicht sein darf – eine Vor­gehens­weise, die wis­sent­lich im Wider­spruch zur Ver­fas­sung, zum Grund­gesetz und zur UN-Men­schen­rechts­kon­ven­tion steht.

Wiederholte Vertreibungen der Roma zielen auch auf ihre Be­mü­hun­gen, sich jen­seits öffent­li­cher Hilfe eine Exis­tenz auf­zu­bauen. Es geht letzt­lich nicht nur um das Signal, schnells­tens aus Frankfurt zu ver­schwin­den, son­dern auch darum, selbst die mini­mals­te Eigen­ver­sor­gung rest­los zu zer­stören. Die Abwesenheit von Sozialpolitik, ins­beson­dere gegen­über mittel­lo­sen Roma aus Osteuropa, treibt de­ren Ver­armung auf die Spitze. Read the rest of this entry »

Deutschland: Romafeindlichkeit im Fußball

Mai 29th, 2018  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Sport

Antiziganismus im Fußballstadion: Cottbus-Fans 2018 (Foto: Screenshot, Jüdisches Forum)Rassistische Parolen während der Feier des FC Ener­gie Cottbus

Der FC Energie Cottbus feierte am Sonntag im An­schluss an ein Spiel den Auf­stieg in die 3. Liga im heimi­schen „Stadion der Freund­schaft“. Wäh­rend der Auf­stiegs­feier stimmte die Mannschaft die roma­feind­li­che Parole „Trainer, du Zigeuner“ an. Das Jüdische Forum für Demo­kratie und gegen Anti­semitis­mus (JFDA) ver­öf­fent­lich­te auf seiner Website eine Video­auf­nahme des Vor­falls. Der Cott­buser Chef­trai­ner Claus-Dieter Wollitz rief in der Presse­kon­fe­renz seiner­seits „Spieler, ihr Zigeuner“. Außer­dem sol­len im Stadion Tätowierungen mit NS-Sym­bo­len offen ge­zeigt wor­den sein. Berich­ten zu­folge haben Cottbus-Fans später auf dem Cottbuser Altmarkt mit Kapuzen im Stil des ras­sis­ti­schen Ku-Klux-Klan po­siert. Der Staatsschutz der Polizei Brandenburg ermittelt.

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Experi­ment: Feindseligkeit ist ansteckend

Mai 22nd, 2018  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Max-Planck-GesellschaftFeindseligkeit gegenüber Minderheiten kann anstecken: Wenn im eigenen Umfeld andere ethnische Gruppen angefeindet werden, finden sich leicht Nachahmer

Max-Planck-GesellschaftEthnische Konflikte eskalieren oft überras­chend schnell. Wel­chen Ein­fluss das Umfeld darauf hat, dass sich Men­schen plötz­lich feind­selig ver­halten, haben Forscher kürz­lich mit­hilfe von Experi­men­ten unter­sucht. Dabei stellten sie fest, dass An­feindun­gen ge­gen­über ande­ren ethni­schen Grup­pen deut­lich mehr Nach­ah­mer finden als Anfeindungen ge­gen Mit­glie­der der eige­nen sozia­len Gruppe.

Ob in Bosnien, Liberia oder Ruanda – immer wieder brechen plötz­lich gewalt­tätige Konflikte zwi­schen Volks­gruppen aus, die lange fried­lich zusam­men­gelebt ha­ben. Bisher gibt es keine be­friedi­gende wis­senschaft­li­che Erklärung, warum Aggres­sio­nen eine sol­che Dynamik ent­fal­ten kön­nen. Jana Cahlíková vom Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffent­li­che Finan­zen hat nun gemein­sam mit Kol­le­gen aus Tschechien und der Slowakei ein neu­arti­ges Experi­ment ent­wickelt, um zu tes­ten, wie das sozia­le Umfeld feind­seli­ges Ver­halten ge­genü­ber einer ande­ren ethni­schen Grup­pe be­ein­flusst. Die Ergeb­nisse der Studie wur­den im April 2018 im Fach­jour­nal Procee­dings of the National Academy of Sciences (PNAS) pub­li­ziert.

Untersucht wurden Jugendliche aus Schulen in der östli­chen Slowakei und ihr Ver­halten gegen­über An­gehö­ri­gen der Roma – eine Minderheit, gegen die es latente Vorurteile gibt und in den letz­ten Jahren auch zu­neh­mend Aggres­sio­nen. Das Beson­dere an dem Test war, dass die Teil­neh­mer in­ner­halb ihres sozialen Um­felds agie­ren konnten.

Mitspieler dürfen Boshaftigkeit ausleben

Um diskriminierendes Verhalten zu untersuchen, lie­ßen die Forscher die Jugend­lichen ein so ge­nann­tes „Joy of Destruc­tion game“ spie­len: ein Spiel, in dem die Tei­lnehmer – wenn sie wollen – ihre Bos­haftig­keit aus­leben kön­nen. Zwei Spieler er­halten je­weils zwei Euro und sollen gleich­zeitig ent­schei­den, ob sie 20 Cent aus­geben, um den Betrag des je­weils ande­ren um einen Euro zu ver­rin­gern, oder das Geld ein­fach nur be­halten möch­ten. Die Spieler bleiben dabei anonym, und spie­len je­weils nur ein­mal gegen­einan­der.

Anhand einer Liste mit typi­schen Namen informier­ten die Forscher die Teil­nehmer darüber, ob das Gegen­über ein An­gehö­ri­ger der slowaki­schen Mehr­heits­bevöl­ke­rung oder der Roma-Min­der­heit war. Read the rest of this entry »

RomaRespekt #24: Ulli Gladik & Natasha

Mai 18th, 2018  |  Published in Film & Theater, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radio RomarespektRadio RomaRespekt #24: Ulli Gladik und ihr Film „Natasha

Sendung vom April 2018: In Dresden beschloss der Stadt­rat kürz­lich ein Bettel­verbot für Kinder. Die voran­gegan­gene De­bat­te war mas­siv geprägt von anti­romais­ti­schen Stereo­typen. Gegen die­ses Verbot in Dresden hat die Dresd­ner Bettellobby (wir berichteten) ge­kämpft, die sich nach dem Vor­bild der Bettellobby in Wien ge­grün­det hat. Und die Filme­ma­che­rin Ulli Gladik hat wie­derum die Wiener Bettellobby mit­begrün­det. Sie wur­de nach Dresden ein­ge­laden, um ihren Film zu zei­gen und um über ihr Engage­ment zu spre­chen.

Ihr hört ein Interview mit Ulli Gladik, Filme­mache­rin und Aktivis­tin aus Wien. Es geht um die Wiener Bettel­lobby und um die Ent­ste­hungs­um­stände des Films „Natasha“.

(Sendung & Text: Weiterdenken: RadioRespekt, CC BY-NC-ND 3.0)

Polizeiaktionen gegen Bettler in Wien

Mai 17th, 2018  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Schlagzeile auf ORF.at (Screenshot via Bettellobby Wien)Wöchentliche Polizei-Groß­ein­sät­ze ge­gen bet­teln­de Men­schen in Wien

Bettellobby Wien: Seit Kurzem gibt es wö­chent­lich Groß­ein­sätze gegen Bett­lerIn­nen in Wien. Diese Ein­sätze rich­ten sich gegen alle Be­dürf­ti­gen, die auf der Straße ver­suchen, ein paar Euro zu ver­die­nen. Die Be­zeich­nung „Bettler­banden“ dient dazu, diese grund­recht­lich sehr frag­wür­di­ge Vor­gehens­weise zu recht­fer­ti­­gen. Die Einsatzteams der Polizei beste­hen aus zwei sog. Schnell­rich­terIn­nen und zwei Polizei­beam­tIn­nen. In der Re­gel spricht nie­mand die Sprache der Bett­lerIn­nen. Es ist daher nicht mög­lich, die Be­trof­fe­nen zu be­fra­gen.

Die meisten Strafen werden wegen gewerbs­mäßi­ger Bettelei ver­hängt: Nie­mand weiß genau, was das eigent­lich hei­ßen soll. Der­zeit wer­den nach dem Tat­be­stand jene be­straft, de­nen die Polizei unter­stellt, dass sie nicht ar­bei­ten wol­len. Dies ent­spricht je­doch nicht der Rea­li­tät: Bet­telnde Men­schen wür­den sehr gerne Arbeit an­neh­men an­statt zu betteln, vie­le tun dies auch.

Rechtshilfetreffen der BettelLobby Wien:
Aktuelle Termine: 21.5 2018 und 18.6.2018

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Ukraine: Erneuter Angriff auf Roma

Mai 16th, 2018  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Pogrom in Lemberg (Foto: liveuamap .com)In der Nacht vom 9. auf den 10. Mai 2018 brannten etwa 30 maskierte Männer die Häuser einer Roma-Siedlung in Lwiw (Lemberg), Ukraine, nieder.

Nach den pogromartigen Übergriffen gegen Roma, die am 21. April nahe Kiew von ukraini­schen Extre­mis­ten ver­übt wur­den (wir berich­teten), kam es nun erneut zu gewalt­tätigen Aus­schrei­tun­gen ge­gen Roma-Fa­milien in der Nähe von Lem­berg. Am 9. Mai zün­deten ver­mummte Männer das Hab und Gut einer Siedlung von etwa 30 Roma an und ver­prügelten die Be­woh­ner (mehr hier). Die Polizei er­mit­telt le­dig­lich wegen »gro­ben Unfugs«, ohne die Frem­den­feind­lich­keit der Tat zu be­rück­sich­ti­gen. »Zurzeit ist niemand mehr in der Siedlung. Die meisten sind nach dem Pogrom mitten in der Nacht ge­flo­hen, an­dere wurden ins Kran­ken­haus ge­bracht«, sagt Michael Kenio, Spre­cher der lokalen Ver­tre­tung der Men­schen­rechts­orga­ni­sa­tion Kharkiv Human Rights Protection Group (KHRPG).

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Presseaussendung zu Pogrom in Ukraine

Mai 9th, 2018  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Kiew: Pogrom gegen Roma (Videostill: censor.net.ua)Die Stiftung Denkmal für die ermor­de­ten Juden Eu­ro­pas und der Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma ver­urtei­len den anti­ziganis­ti­schen Pogrom in der Ukraine und for­dern Si­cher­heit für die dor­tige Roma-Min­der­heit

Die Stiftung Denkmal für die ermorde­ten Juden Europas und der Zentral­rat Deutscher Sinti und Roma for­dern die ukrainische Regie­rung auf, um­ge­hend die rassisti­schen, gewalt­samen Über­griffe auf Roma mit al­len Mitteln des Rechts­staates auf­zu­klären und zu ahn­den sowie die Sicher­heit der ukrai­ni­schen Roma-Min­der­heit zu ge­währ­leis­ten.

Am 21. April 2018 verübten Neonazis nahe der ukraini­schen Haupt­stadt gewalt­sa­me, pogrom­artige Übergriffe ge­gen Roma, die seit Jahr­hun­der­ten Bürger die­ses Staates sind (wir berichteten). Die Neonazis ver­trie­ben 15 Fa­mi­lien mit ihren Kindern und be­war­fen sie mit Steinen. Der Be­sitz der Men­schen wurde ver­brannt (Video). Die Leitung der lokalen Polizei stritt den Vor­fall zu­nächst ab, ob­wohl die in der Ukraine be­kann­te rechts­extreme Grup­pe »S14« im Internet mit ihrer men­schen­ver­achten­den Tat prahl­te. Dass die Polizei sich jetzt doch ent­schloss, den An­griff gegen die Min­der­heit zu unter­suchen, un­ter­streicht den Ernst der Lage.

Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, er­in­nert in diesem Zu­sam­men­hang: »In der Ukraine wur­den zehn­tau­sende Roma wäh­rend der national­sozia­lis­ti­schen Be­satzung der Sow­jet­union im Holocaust er­mor­det. Read the rest of this entry »

Antiziganismus in Berlin: Jahresbericht 2017

Mai 7th, 2018  |  Published in Dokumente & Berichte, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte

Amaro Foro Deutschland

„Roma werden in Berlin massiv diskriminiert“

Amaro Foro e.V. prä­sen­tiert Doku­men­ta­tion anti­ziganis­tisch moti­vier­ter Vor­fälle 2017

Das Dokumentationsprojekt von Amaro Foro hat 2017 252 anti­ziganis­ti­sche und dis­krimi­nie­ren­de Vorfälle in Berlin er­fasst. Darun­ter sind 167 gemel­de­te Vorfälle und 51 dis­krimi­nie­ren­de Medien­berichte, außer­dem 34 Bei­träge aus sozia­len Medien. Die Facebook-Auf­tritte sämt­li­cher Berliner AfD- und NPD-Ver­bände wur­den erst­mals syste­ma­tisch und um­fas­send aus­ge­wer­tet. Darüber hinaus wur­den über 1000 Äußerun­gen in Kom­men­tar­spalten unter Medien­berich­ten aus­gewertet, von de­nen etwa 80 Pro­zent als ras­sis­tisch und sozial­chau­vinis­tisch ein­zu­stufen sind. Bei den ge­melde­ten Vor­fäl­len er­gibt sich im Ver­gleich zum Vor­jahr (146) ein An­stieg von etwa 14 Pro­zent.

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FRA-Bericht zu Antiziganismus erschienen

April 30th, 2018  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte

FRA Studie 2018EU-Grundrechteagentur FRA stellt ersten Bericht zu Antiziganismus vor

European Union Agency for Fundamental Rights (FRA): A persisting concern: anti-Gypsyism as a barrier to Roma inclusion, Pub­li­ca­tions Of­fice of the Euro­pean Union: Lu­xem­bourg 2018

➜Download (pdf)

Schlechte sanitäre Bedingungen, Hunger, Ju­gend­arbeits­losig­keit – nach neu­es­tem Bericht der Agentur der Euro­päi­schen Union für Grund­rechte müs­sen sich Roma in der EU je­den Tag diesen grund­lie­gen­den Heraus­for­de­run­gen stellen. Der Bericht zeigt auf, dass die Un­gleich­hei­ten fort­be­ste­hen, unter de­nen Roma in Europa – einer der reichs­ten Re­gio­nen der Welt – in vielen Län­dern nach wie vor zu lei­den haben.

„Romafeindlichkeit von Diskriminierung bis zu Hasskriminalität sind der Treib­stoff für den Teu­fels­kreis der Aus­gren­zung der Roma. Sie blei­ben gesell­schaft­lich aus­ge­grenzt und wer­den auf eine in­akzep­table stereo­type Weise be­han­delt,” er­klärt FRA-Di­rek­tor Michael O’Flaherty: „Wir müs­sen diesen Teufels­kreis auf­bre­chen. Warum tun wir also nicht das Nahe­lie­gendste und stel­len sicher, dass jeder und jede Roma die­sel­ben Rechte wie die ande­ren EU-Bür­ge­rin­nen und -Bürger wahr­neh­men kön­nen?“

Der FRA-Bericht „A persisting concern: anti-Gypsyism as a barrier to Roma inclusion“ unter­sucht die an­dauern­de Sorge, dass Roma­feind­lich­keit die Barriere für Roma­integra­tion ist. Er macht deut­lich, wie die Mit­glied­staaten trotz bis­heri­ger Be­mühun­gen ihre In­tegra­tions­ziele nicht er­reichen. Read the rest of this entry »

„Heimat Fremde Heimat“ am 29. April

April 29th, 2018  |  Published in Film & Theater, Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Heimat Fremde HeimatStefan Lenglinger präsentiert im ORF-Magazin „Hei­mat Frem­de Heimat“ in ORF 2 (online ansehen) u.a. fol­gen­de Beiträge:

Roma und Europa – Die unendliche Geschichte der Dis­kri­mi­nie­rung

Es ist die Zeit der Utopien, auch für die europäi­schen Roma: Die jenische Schrift­stel­le­rin Simone Schönett the­ma­ti­siert in ihrem Roman die Idee eines ei­ge­nen eu­ro­pä­i­schen Roma-Staates, je­doch ohne Land. Das Berli­ner Maxim-Gor­ki-The­ater pro­vo­ziert die­ser Tage mit dem Stück „Roma-Armee“, das nach einer Idee der be­iden Wiener Rom­ni­ja Sandra und Simonida Selimović ent­stan­den ist. Nicht mit Waffen, aber mit Kunst wol­le man gegen die nicht enden wol­len­de Diskri­mi­nie­rung an­kämpfen, so die Haupt­dar­stel­le­rin Sandra Seli­mo­vić. Die öster­rei­chi­schen Volks­grup­pen­ver­tre­ter for­dern einen euro­päi­schen gesetz­li­chen Rahmen, der Anti­ziganis­mus unter Strafe stellt und einen euro­päi­schen Kom­mis­sar, der sich für die Be­lange der größ­ten euro­päi­schen Volks­gruppe ein­setzt. Sabina Zwitter be­rich­tet.

Roma-Literatur – Was ist das eigentlich?

Immer wieder werden Roma als ungebildetes, nicht litera­ri­sches Volk stig­ma­ti­siert. Viel­mehr wur­den aber die Weis­heiten, Erin­ne­run­gen und Er­zählun­gen bei den Roma münd­lich über­liefert. Dabei diente ihnen ihre Sprache in Zei­ten der Ver­fol­gung als Schutz, den sie logi­scher­weise nicht auf­geben woll­ten. Mit der Kodi­fi­zie­rung des Romani in Österreich setz­te die öster­rei­chi­sche Volks­gruppe ein Signal der Öff­nung, aber auch litera­ri­sche Zeichen. „Was ist Roma-Li­te­ra­tur? Ist es Literatur, die in Ro­ma­ni ge­schrie­ben wur­de, oder Litera­tur, die von Roma ge­schrie­ben wurde? Oder viel­leicht Litera­tur, die sich mit Roma-Themen aus­einan­der­setzt? Diese Fragen be­ant­worten die Schrift­steller und Brü­der Samuel und Károly Mágó sowie die Lite­ra­tur­wis­sen­schafte­rin Katharina Janoska. Ein Beitrag von Sabina Zwitter.

(Text: ORF, Programmankündigung)

Jagd auf Roma in Kiew

April 27th, 2018  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Geduldeter Pogrom: Am Hitler-Geburtstag schlug die ukrainische Organi­sa­tion C14 zu. Auch Jour­na­lis­ten ge­hö­ren zu den Opfern die­ser faschis­ti­schen Or­ga­ni­sa­tion

Ulrich Heyden: Wie ukrainische Medien berichten, überfielen Mit­glie­der der faschis­ti­schen Orga­ni­sa­tion C14 in der Nacht vom 20. auf den 21. April eine zeit­wei­se Roma-Siedlung mit 15 Zelten im Park Lysaja Gora in Kiew. Meh­re­re Zelte wurden ab­ge­brannt. In einem Video, wel­ches jetzt im ukrai­ni­schen Internet auf­tauch­te, ist zu sehen, wie mas­kier­te junge Männer die Roma – unter ihnen viele Kinder – mit Steinen und Reizgas jagen und die Ver­folg­ten nach der Polizei rufen.

Der Führer der Organisation C14, Sergej Masur, erklärte gegen­über Jour­nalis­ten, dass die Roma den Park Lysaja Gora nach „über­zeu­gen­den gesetz­li­chen Ar­gumen­ten“ ver­lassen hät­ten. Der Leiter der Kiewer Polizei, Andrej Krischenko, er­klärte, dass im Bezirk Lysaja Gora bei Rei­ni­gungs­arbei­ten Müll ver­brannt wor­den sei. Eine Roma-Sied­lung sei nicht an­ge­steckt worden. Amnesty Inter­natio­nal fordert die Auf­klä­rung des Verbrechens.

C14-Mitglieder werden auch an dem Mord an dem regierungs­kriti­schen Jour­nalis­ten Oles Busina am 16. April 2015 ver­däch­tigt. Am 1. Juli 2017 griffen Mit­glieder von C14 den regierungs­kriti­schen Journalis­ten Ruslan Kotsaba an. Bisher wurde kein ein­zi­ger Überfall der C 14-Faschisten von den ukraini­schen Behör­den auf­ge­klärt und die Ver­ant­wort­li­chen vor Gericht ge­stellt. Read the rest of this entry »

#GegenHassimNetz stellt sich vor

April 20th, 2018  |  Published in Einrichtungen, Internet & Blogothek, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

#GegenHassimNetzAm 25. April 2018 präsentiert das Romano Centro in Wien die neue Be­ra­tungs­stelle #GegenHassimNetz: 18:00 Uhr, Hof­manns­thal­gasse 2/2, 1030 Wien

Die Beratungsstelle #GegenHassimNetz des Vereins „ZARA – Zivil­cou­rage und An­ti-Rassismus-Ar­beit“ hat im Sep­tem­ber 2017 ihre opera­tive Arbeit auf­ge­nom­men. Seit diesem Zeit­punkt wur­den über 700 Fäl­le von Hass im Netz doku­men­tiert und be­arbei­tet. Die juris­tisch und psycho­sozial ge­schul­ten Mit­arbei­ter/in­nen ge­ben eine recht­liche Erst­aus­kunft und bespre­chen mit Klien­ten/in­nen wei­te­re Hand­lungs­optio­nen. Maß­nah­men in­klu­dieren die Ent­fernung von In­halten, Ver­suche außer­gericht­li­cher Eini­gun­gen, Anzeigen­erhe­bung von straf­rechtlich re­le­van­ten In­hal­ten etc.

An die­sem Abend wer­den die Bera­tungs­stelle #Gegen­Hass­im­Netz, ihr spezi­fi­scher Tätig­keits­bereich so­wie Er­fah­rungen aus dem ers­ten hal­ben Jahr vor­gestellt.

(Romano Centro)

Radio: Herbert Heuß im Gespräch

April 19th, 2018  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte

Radiointerview: Herbert Heuß, wissenschaftlicher Leiter des Zentralrats in Deutschland (Foto: minderheitensekretariat.de)Sendung von Radio LORA München
Gestaltung: Andrasch Neunert, 15:36 min, 11 MB

➜Anhören (mp3)

Am 8. April wurde der Internationale Roma-Tag be­gan­gen. Nun zähl­ten die Sinti und Roma mit den Schwu­len zu den letz­ten ehe­maligen Häft­lingen, die nach dem Krieg ent­schä­digt wur­den, ihre Qual blieb lange Zeit ein Tabu. Radio LORA München frag­te Herbert Heuß, den wis­sen­schaft­li­chen Lei­ter beim Zentral­rat Deut­scher Sinti und Roma, nach dem, was Sinti und Roma an die­sem Tag durch den Kopf geht … sicher nicht nur, aber doch auch die Opfer ihrer Vor­fah­ren in den Nazi-KZs. Her­bert Heuß über die Not­wen­dig­keit, ebenso wie Homo­phobie und Anti­semitis­mus auch den Anti­ziganismus kon­se­quent zu be­kämpfen.

(Sendung und Text: Radio LORA/Freie-Radios.net)

VAB: Sensibilisierung gegen Vorurteile

April 14th, 2018  |  Published in Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Verwaltungsakademie des Bundes in Schloss Laudon (Foto: CC Haeferl/Wikipedia)Sensibilisierung gegen antiziganistische Vorurteile

Eintägige Veranstaltung der Ver­wal­tungs­aka­de­mie des Bun­des (VAB) am 7. Mai 2018 in Schloss Laudon (Se­mi­nar­nr: BS 207)

Inhalt und Ziele: Oft werden Vorurteile und Klischees von der Mehr­heits­gesell­schaft kritik­los über­nom­men und an Minder­heiten aus­ge­lebt. Am Bei­spiel des Anti­ziganis­mus er­fah­ren Sie, wie Stereotype wir­ken und in wel­cher Weise sie de­konstru­iert wer­den kön­nen. Sie kön­nen nach­voll­ziehen, dass die Diskrimi­nie­rung einer Volksgruppe deren Lebens­qua­li­tät er­heb­lich be­ein­träch­tigt und dass ein Um­den­ken der Zivil­gesell­schaft auch von den öf­fent­lich Bediens­te­ten mit­zu­gestal­ten ist.

  • Relevante Begrifflichkeiten (z. B. Eigen- und Fremdbezeichnungen)
  • Geschichte und Verfolgung der Roma und Sinti
  • Fragen zur gegenwärtigen Diskriminierungssituation von Sinti und Roma un­ter Be­rück­sich­ti­gung des Anti­ziga­nismus­be­rich­tes – Stand der For­schung
  • Individuelle und kollektive Selbstbehauptungspraktiken
  • Österreichische Beispiele für Best Practice: Präsen­ta­tion von Pro­jek­ten aus dem öf­fent­li­chen Sek­tor, die zu einer bes­se­ren In­klu­sion von Roma und Sinti bei­tragen.

Lernmethode: Erfahrungsorientiertes und interaktives Lernen, Übungen, Theorie-In­put, Diskussion, Be­ar­bei­tung konkre­ter Bei­spie­le aus der Praxis

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Phuro na butschol nisaj hango te ol!

April 11th, 2018  |  Published in Einrichtungen, Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Rassismus & Menschenrechte

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba
Medienworkshop von Roma-Service & Karika
Ein Beitrag von Jennifer Papai (Redaktion). Schnitt: Marcel Horvath

Alt sein heißt nicht stumm sein! Omas gegen Rechts

Babi gejng „Rechts“: O babi i lek hipsti grupn ando pro­testa­kero mici­nipe hi. Fesch­time gutsch­menca o babi gejng „Rechts“ upro posch­tito dschan, pe le manu­schen­gere tscha­tschi­penge ande te bescha­rel. Angle trin kurke i seletoskeri forma „Omas gegen Rechts Süd­bur­gen­land“ kerdi uli. Suboton, ando 17to feberi 2018 Erbate ando foros­kero park i erschti de­monstra­cija gejng o telis­pi­dipe naschi­geja­schen­dar sina.

Die Omas sind wohl die hippste Gruppe in der Protest­bewe­gung. Mit knal­li­gen Strick­mützen gehen die „Omas gegen Rechts“ auf die Straße, um sich für die Men­schen­rechte ein­zu­setzen. Vor ein­igen Wo­chen wurde die Platt­form „Omas gegen Rechts Süd­burgenland“ ge­gründet. Read the rest of this entry »

Neues Webportal zum Roma-Holocaust

April 4th, 2018  |  Published in Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen

Deutschland: Neues Webportal zum Völkermord an den Sinti und RomaNeues Onlineportal informiert über den Holocaust an den Sinti und Roma

Das Dokumentations- und Kul­tur­zentrum Deu­tscher Sinti und Roma hat am Diens­tag das Web­portal „‘Ras­sen­diagno­se: Zigeuner‘. Der Völ­ker­mord an den Sinti und Roma und der lan­ge Kampf um An­erken­nung“ ge­launcht (Pro­jekt­lei­tung: Frank Reuter, Mit­ar­beit: Verena Meier). Unter www.sintiundroma.org wird an­hand zahl­rei­cher Videos, Inter­views, Fotos und Do­ku­mente der Holocaust an der Min­der­heit the­ma­ti­siert. Außer­dem doku­men­tiert die In­ter­net­seite die Geschichte der Über­leben­den im Nach­kriegs­deutschland, die Er­fol­ge der Bür­ger­rechts­bewe­gung so­wie die Men­schen­rechts­situa­tion in Europa nach 1989.

Ab März 1943 wurden annähernd 23.000 Sinti und Roma auf­grund des De­por­ta­tions­be­fehls Heinrich Himmlers nach Auschwitz-Bir­kenau de­por­tiert, der größ­te Teil stamm­te aus dem Reichs­ge­biet. Zahl­reiche Gedenk­ver­anstal­tun­gen er­in­nern die­ser Tage deutsch­land­weit an dieses un­vor­stell­bare Ver­bre­chen. Der natio­nal­sozialis­ti­sche Völkermord an den Sinti und Roma ist in der jahr­hun­der­te­lan­gen ge­mein­sa­men Ge­schich­te von Min­der­heit und Mehr­heit ohne Bei­spiel. Den­noch war er nicht voraus­set­zungs­los: Eine von Vor­urteilen und Feind­se­lig­keit ge­präg­te Hal­tung gegen­über Sinti und Roma ist tief in der euro­päi­schen Ge­schich­te ver­an­kert. Das Doku­men­ta­tions- und Kultur­zentrum Deut­scher Sinti und Roma möch­te mit seinem neuen Webportal www.sintiundroma.org ei­ner­seits diese Vor­ur­tei­le und Feind­selig­kei­ten wi­der­le­gen, an­derer­seits den Völker­mord an den Sinti und Roma do­ku­men­ti­eren: von der Aus­gren­zung und Ent­rech­tung der Min­der­heit im Deutschen Reich bis zu ihrer sys­te­ma­ti­schen Vernichtung im be­set­zten Europa.

Der menschenverachtenden Perspektive der Täter wer­den Zeug­nis­se der Opfer gegen­über­ge­stellt. His­to­ri­sche Fa­mi­lien­fotos von Sinti und Roma geben Ein­blicke in die Lebens­wirk­lich­keit der Men­schen und las­sen sie als Indi­vi­duen her­vor­tre­ten. Read the rest of this entry »

Strafantrag nach Räumung in Düsseldorf

April 2nd, 2018  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Räumung in Düsseldorf: vier der ehemaligen Bewohner, alle Fiftyfifty-Verkäufer, am Platz, wo ihre Unterkünfte standen (Foto: Helene Pawlitzki/RP)Bei der Räumung von Be­helfs­unter­künf­ten in Düs­sel­dorf-Oberbilk (wir berich­te­ten) durch die Deut­sche Bahn AG wur­de auch das Eigen­tum der Be­woh­ner ver­nich­tet. Julia von Lindern, Sozial­pä­da­go­gin bei „fifty­fif­ty“, berich­tet im Ge­spräch mit der jW (31.3.2018) von der Lage der ver­trie­be­­nen Roma, die von den städti­schen Not­unter­künf­ten aus­ge­sperrt wer­den, und recht­li­chen Kon­se­quen­zen.

Als Argument mussten Beschwerden von Anwohnern her­hal­ten – das Camp be­fand sich je­doch an den Bahn­glei­sen im In­dustrie­gebiet, war von außen nicht ein­seh­bar, und man muss­te schon wis­sen, wo es ist, da­mit man es fin­det. (…) Alles ist in Containern vermüllt worden. Ein Bewohner kam am Mor­gen der Räu­mung ins Camp, weil er sein Fahr­rad holen wollte. Er be­merkte die Räu­mung und woll­te zu­min­dest einen Teil seiner Sachen retten. Das wurde ihm je­doch ver­bo­ten. Am schlimmsten fan­den es die Be­wohner, dass die neu ein­gekauf­ten Lebens­mittel im Wert von 50 Euro sowie die Gas­kocher ver­schrot­tet wurden. Ihnen wurde damit die Über­lebens­grund­lage ge­nom­men. Au­ßer­dem hat­ten sie aus dem Erlös des Fifty­fifty-Ver­kaufs Oster­geschenke für ihre Kinder in Rumänien er­stan­den, die sie ver­schicken wollten. Die Kinder war­ten jetzt ver­geb­lich auf ihr Oster­päckchen.

Die Bewohner werden einen Strafantrag gegen die DB wegen Sach­beschädigung stellen. Nur weil jemand arm ist, ist er nicht recht­los. Unser An­walt Jasper Prigge wird uns dabei juris­tisch zur Seite ste­hen. Weiterhin überlegen wir, gemeinsam mit den Bewohnern den Zu­gang zu den Not­schlaf­stel­len zu erstreiten. Denn ab April ist die »Winter­regelung« aus­gesetzt, das heißt, alle EU-Woh­nungs­losen gelten als Touristen und kön­nen die Not­schlaf­stellen nicht nutzen. Diese Ab­weisung ist jedoch rechts­widrig, jeder Wohnungs­lose, un­ab­hän­gig von seinem Pass, hat ein Recht auf Zu­wei­sung in eine Not­unter­kunft. Die der­zeitige Praxis der Stadt Düsseldorf, aber auch die fast aller an­de­ren Städte deutschland­weit, ist rechts­widrig – und zu­min­dest in Düsseldorf gibt die Ver­waltung das auch zu. Read the rest of this entry »

Deutschland: DB schleift Roma-Camp

März 31st, 2018  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Dem Erdboden gleich gemacht: An diesem Platz auf dem Gelände der Deutschen Bahn AG standen bis Dienstag die Behelfsunterkünfte der Roma (Foto: fiftyfifty)Das Düsseldorfer Wohncamp an den Bahngleisen wurde ohne Vor­an­kün­di­gung ge­räumt, auch Kleidung und Lebensmittel der Be­woh­ner wurden zer­stört.

Aussendung des Düsseldorfer Straßen­ma­ga­zins „fifty­fifty“, das die acht Be­woh­ner/in­nen be­treut:

Das Camp befand sich auf einem Grundstück, welches sich im Besitz der Deutschen Bahn AG be­fin­det. Es wur­den sämt­li­che Hütten dem Erd­boden gleich ge­macht und alle Hab­selig­kei­ten der Bewoh­ner/in­nen mit einem Rad­lader auf einen Kipp­laster ge­laden. Auf die Bitte eines Camp-Be­woh­ners we­nigs­tens Kleidung und Lebens­mittel ret­ten zu dür­fen, wurde laut seiner Aus­sage nicht re­agiert und ihm der Zu­gang zum Ge­lände ver­wehrt. Die DB Immobilien si­cherte noch im Herbst letz­ten Jahres zu, dass sie das Straßen­maga­zin „fiftyfifty“ in­for­mie­ren wür­den, so­bald die Räumung be­vor­stehen wür­de. Doch nun kam die Räu­mung un­erwar­tet und trifft die Be­woh­ner/innen, die nun im Dauer­regen vor dem Nichts stehen, be­son­ders hart. Selbst die Lebensmittel feh­len, da diese wie be­schrie­ben eben­so ent­sorgt wur­den. Wei­ter­hin wurden auch sämt­li­che Geschenke, die die Be­woh­ner/in­nen für ihre Kinder für das Oster­fest ge­kauft hatten mit den ande­ren Sa­chen als Müll ent­sorgt. Proble­ma­tisch an dieser Situa­tion ist unter an­de­rem, dass die Roma als EU-Bür­ger/in­nen noch nicht ein­mal Obdach in einer der städti­schen Not­unter­künfte fin­den, da ihnen der Zugang im Som­mer (seit dem 26. März) zu diesen auf kom­mu­na­ler Ebene ver­wehrt wird. Somit blieb den Be­woh­ner/in­nen nichts ande­res übrig, als die erste Nacht nach der Räu­mung am Düssel­dor­fer Haupt­bahn­hof zu ver­brin­gen. Read the rest of this entry »

Antiziganismus am Westlichen Balkan

März 28th, 2018  |  Published in Dokumente & Berichte, Politik, Rassismus & Menschenrechte

Wall of Anti-GypsyismThe Wall of Anti-Gypsyism – Roma in Western Balkans

Antiziganismus am Westlichen Balkan – Pub­li­ka­tion der Menschen­rechts­orga­ni­sa­tion „Civil Rights De­fen­ders“

Die Menschenrechtsorganisation „Civil Rights De­fen­ders“ hat kürz­lich meh­re­re Berichte zur Si­tua­tion der Roma in den Staaten des West­li­chen Bal­kan (Al­ba­ni­en, Bosnien und Herze­go­wina, Ko­so­vo, Maze­donien, Mon­te­negro und Ser­bien) vor­ge­legt: einen Über­blicks­bericht so­wie Länder­berichte zu den ein­zel­nen Ländern.

Civil Rights Defenders stellte fest, dass es zwar zu Ver­bes­se­run­gen in eini­gen Be­rei­chen ge­kom­men ist, ein systemi­scher Wandel ist aber bis jetzt weder er­reicht worden, noch ist ein sol­cher Wandel in Sicht. Dis­kri­mi­nie­rung und andere Aus­drucks­for­men von Anti­ziganis­mus be­stim­men weiter­hin das Leben der Roma. Für einen beträcht­li­chen Teil der Roma blieb Migration der ein­zige Aus­weg, der Dis­kri­minie­rung zu ent­kom­men und die ein­zige Aus­sicht auf ein bes­se­res Leben. Nach Schätzun­gen haben zwi­schen 2008 und 2016 über 200.000 Roma aus den Län­dern des West­li­chen Balkans Asyl in einem der Mit­glieds­staaten der Euro­päi­schen Union be­an­tragt. Dies ent­spricht 20 Pro­zent der ge­sam­ten Roma-Be­völ­ke­rung im West­li­chen Balkan.

Eine Verbesserung der Situation der Roma könnte nur dann er­reicht wer­den, wenn der Anti­ziganis­mus als tat­säch­li­cher Grund für die Lage der Roma an­erkannt und ent­spre­chend be­kämpft wür­de. Dazu kön­nen sich aber weder die Regie­run­gen im West­li­chen Balkan noch die Mit­glieds­staaten der Euro­päi­schen Union – mit der Aus­nah­me des Europa­parla­ments, das im No­vem­ber auch Stel­lung zum Anti­ziganis­mus im West­li­chen Balkan ge­nom­men hat – ent­schlie­ßen. Die An­er­ken­nung und Be­kämpfung des Anti­ziga­nis­mus stellt aber die Grund­voraus­setzung dar, um die Lage der Roma im West­li­chen Balkan zu ver­bessern.

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Racial Profiling & erweiterte DNA-Analysen

März 27th, 2018  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, Veranstaltungen & Ausstellungen

Minderheiten unter Verdacht: Radial Profiling und erweiterte DNA-Analysen (Foto CC, Pixabay via Wikimedia)Racial Profiling und erweiterte DNA-Analysen in kriminalpolizei­li­chen Ermitt­lun­gen: Gemein­same Fach­ver­anstal­tung von Zentral­rat und Amadeu Antonio Stiftung

27.03.2018, 11:00 bis 16:30 Uhr
DokuZ Sinti und Roma Berlin
Prinzenstraße 84.2 – 10969 Berlin

Seit November 2016 haben Ermittler, Politiker und Journalisten die For­de­rung er­ho­ben, die An­wen­dung erwei­ter­ter forensi­scher DNA-Analy­sen in Deutschland ge­setz­lich zu­zu­lassen. Es geht dabei ins­beson­dere um die Bestim­mung der Haut-, Haar- und Augen­farbe (was unter dem Be­griff DNA-phe­no­typing zu­sam­men­gefasst wird) sowie der so­genann­ten „bio­geo­gra­fi­schen Her­kunft“.

Aus Sicht von Wissenschaftler und Minderheiten-Ver­tre­tern sind er­wei­ter­te DNA-Analy­sen in der Forensik äu­ßerst proble­ma­tisch, da sich ein sol­ches Ver­fah­ren vor allen Din­gen gegen Min­der­heiten rich­tet. Schon 2016 for­mierte sich ein brei­tes aka­de­mi­sches Bünd­nis und übte Kritik an der bevor­ste­hen­den Gesetz­gebung, da zahl­reiche Fragen zu den wis­sen­schaft­li­chen Grund­lagen, der Praxis­anwen­dung oder den weit­rei­chen­den gesell­schaft­li­chen Folgen nach wie vor un­geklärt wa­ren und sind. Den­noch wur­den diese Tech­no­lo­gien in vielen Medien, in der Politik und von Sei­ten der Er­mitt­lungs­behör­den ein­sei­tig als positiv dar­ge­stellt.

Bislang kam es in Deutschland offiziell nur in einem Fall zu einer er­wei­ter­ten bio­geo­graphi­schen Her­kunfts­analyse mit­tels DNA, und zwar im Fall der von dem so­genann­ten „Natio­nal­sozia­lis­ti­schen Unter­grund“ (NSU) er­mor­de­ten Polizis­tin Michelle Kiesewetter. Die­se erste An­wen­dung einer bio­geogra­phi­schen Her­kunfts­analy­se rich­tete sich aus­schließ­lich ge­gen An­ge­hö­rige der Min­der­heit der Sinti und Roma. Der Fall wur­de als das „Heilbronn-Phan­tom“ (mehr hier/pdf) be­kannt und ein über Amts­hilfe in Österreich er­stell­tes Gut­achten führ­te dazu, dass Sinti und Roma mas­siv in den Fokus der Polizei ge­rie­ten. Die Er­mittlungs­akten dokumentieren eindeutig den antiziganistischen Charakter der polizeilichen Ermitt­lungen, der sich dann in der Medien­be­richt­er­stat­tung wider­spie­gelte.

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