„Natasha“ von Ulli Gladik

April 5th, 2009  |  Published in Film & Theater  |  1 Comment

NatashaNatasha

Dokumentarfilm (Österr./ 2008)
Regie, Drehbuch, Produktion: Ulli Gladik
(84 Min. / OmU
)

Zu sehen ab 1. Mai 2009 im Rahmen der Programmreihe VISIONary im Stadtkino Wien und anschließend auf Bundesländertour in ganz Österreich.

Der Balkan-Hype spült scharenweise echte und falsche „Zigeuner“ auf die Konzertbühnen Europas, und es dürfte derzeit nicht allzu viele Filmfestivals geben, bei denen nicht auch Romathemen behandelt werden. Meist hat die Sehnsucht nach dem „Authentischen“ ihren Anteil daran, dass es die Filmteams neuerdings so oft in die Romasiedlungen zieht. Im Fall des österreichischen Dokumentarfilms „Natasha“ von Ulli Gladik ist es aber nicht das Authentizitätsversprechen des Elends, das ihn antreibt, sondern das aufrichtige Interesse an den Menschen, die die wirtschaftliche Not über die Grenzen und als Bettler in die Einkaufsstraßen unserer Städte treibt. „Natasha“ setzt dabei ganz auf Personalisierung, um der Anonymität des Bettelns ein konkretes Gesicht zu verleihen: Fast zwei Jahre lang begleitet die Filmemacherin (die derzeit übrigens auch bei der Initiative Bettellobby Wien mit Hand anlegt) die Romni Natasha bei ihren Bettelfahrten nach Graz und reist mit ihr in ihre bulgarische Heimatstadt Bredik. Die ungeschliffenen Videobilder der Handkamera zeigen Familie, Alltag und Nöte der jungen Frau, und kommen ihr behutsam näher, ohne ihr je zu nahe zu kommen. Denn Gladik versteht es zu beobachten, statt zu illustrieren, und lässt erzählen, statt zu kommentieren; nur sehr selten lenken ihre Fragen das Gespräch. Die stereotypen Zerrbilder, die wir uns von den „Zigeunern“ des ehemaligen Ostblocks machen, beginnen so Stück für Stück abzubröckeln. Und auch das Betteln zeigt der Film ganz unaufgeregt als das, was es ist: ein knochenharter Broterwerb, dem man nicht etwa nachgeht, weil er seit Alters her zur Kultur der Roma gehörte, sondern weil einem die wirtschaftliche Lage seit der Schließung der örtlichen Fabriken keine andere Wahl lässt, als ganz pragmatisch nach neuen Einkommen zu suchen. Es dauert zwar einige Tage, erzählt Natasha, aber dann hat man gelernt mit der Erniedrigung zu leben – und man hört auf, beim Betteln auf den Boden zu starren.   (Roman Urbaner)

1.5.2009 19 Uhr 30 Stadtkino, Wienpremiere!
4.5.2009 18 Uhr Stadtkino, Wien
7.5.2009 19 Uhr 30 Stadtkino, Wien
19.6.-24.6.2009 Moviemento, Linz
6.7.-9.7.2009 Filmzentrum Rechbauerkino, Graz
Weitere Termine auf
natasha-der-film.at

Responses

  1. dROMa-Blog | Weblog zu Romathemen Natasha (Trailer) :: says:

    April 29th, 2009 at 13:42 (#)

    [...] (hier unsere Besprechung) wird am 1. Mai 2009 um 19.30 Uhr im Rahmen der Programmreihe VISIONary im Stadtkino Wien gezeigt. [...]