FRA-Bericht zu Antiziganismus erschienen

April 30th, 2018  |  Published in Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte  |  1 Comment

FRA Studie 2018EU-Grundrechteagentur FRA stellt ersten Bericht zu Antiziganismus vor

European Union Agency for Fundamental Rights (FRA): A persisting concern: anti-Gypsyism as a barrier to Roma inclusion, Pub­li­ca­tions Of­fice of the Euro­pean Union: Lu­xem­bourg 2018

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Schlechte sanitäre Bedingungen, Hunger, Ju­gend­arbeits­losig­keit – nach neu­es­tem Bericht der Agentur der Euro­päi­schen Union für Grund­rechte müs­sen sich Roma in der EU je­den Tag diesen grund­lie­gen­den Heraus­for­de­run­gen stellen. Der Bericht zeigt auf, dass die Un­gleich­hei­ten fort­be­ste­hen, unter de­nen Roma in Europa – einer der reichs­ten Re­gio­nen der Welt – in vielen Län­dern nach wie vor zu lei­den haben.

„Romafeindlichkeit von Diskriminierung bis zu Hasskriminalität sind der Treib­stoff für den Teu­fels­kreis der Aus­gren­zung der Roma. Sie blei­ben gesell­schaft­lich aus­ge­grenzt und wer­den auf eine in­akzep­table stereo­type Weise be­han­delt,” er­klärt FRA-Di­rek­tor Michael O’Flaherty: „Wir müs­sen diesen Teufels­kreis auf­bre­chen. Warum tun wir also nicht das Nahe­lie­gendste und stel­len sicher, dass jeder und jede Roma die­sel­ben Rechte wie die ande­ren EU-Bür­ge­rin­nen und -Bürger wahr­neh­men kön­nen?“

Der FRA-Bericht „A persisting concern: anti-Gypsyism as a barrier to Roma inclusion“ unter­sucht die an­dauern­de Sorge, dass Roma­feind­lich­keit die Barriere für Roma­integra­tion ist. Er macht deut­lich, wie die Mit­glied­staaten trotz bis­heri­ger Be­mühun­gen ihre In­tegra­tions­ziele nicht er­reichen. Dies ist ein Schlüs­sel­ele­ment des EU-Rahmens für natio­nale Stra­te­gien zur Integra­tion der Roma von 2011. Zu den beson­de­ren Problem­berei­chen ge­hören:

  • Die Romafeindlichkeit ist nach wie vor hoch – eine/ei­ner von drei Roma ist Opfer von Beläs­ti­gun­gen ge­wor­den. Die Mit­glied­staa­ten müs­sen Roma­feind­lich­keit er­ken­nen und über­wachen und wirk­same Maß­nah­men zur Be­kämp­fung sol­cher Hass­krimi­na­li­tät und Hetze er­grei­fen.
  • Die Lebensbedingungen haben sich für Roma zwi­schen 2011 und 2016 nicht ver­än­dert: 80 % der Roma sind armuts­ge­fähr­det; der EU-Durch­schnitt liegt bei 17%. 30% leben in Haus­hal­ten ohne flie­ßen­des Wasser. Ihr Zu­gang zu saube­rem Wasser ist oft ver­gleich­bar mit dem von Men­schen in Ghana oder Nepal. Sol­che Be­din­gun­gen unter­gra­ben Fort­schrit­te bei Bildung, Ge­sund­heit und Beschäf­ti­gung. Es müs­sen mehr An­stren­gun­gen unter­nom­men werden, um die Armut zu ver­rin­gern – et­wa indem das segre­gier­te Wohnen be­sei­tigt wird und der Zugang zu öf­fent­li­cher Ver­sor­gung mit Elektri­zi­tät und Wasser so­wie zu Sozial­wohnun­gen sich be­ssert.
  • Bei der Bildung hat sich die Lage in einigen Mitglied­staaten ver­bessert, aber es gibt weiter­hin Lücken. Über 50 % der jungen Roma-Kinder neh­­men an früh­kindli­cher Bildung teil. Das ist oft sehr viel weni­ger als bei Kindern im glei­chen Alter, die keine Roma sind. Die Vor­schul­bildungs­quote von Roma in der EU liegt ähn­lich wie die von Men­schen in Puerto Rico. Die Mit­glied­staaten soll­ten Zugang zu hoch­wer­ti­ger Bildung, Lern­unter­stützung zum Aus­gleich für die schlech­ten Lebens­bedin­gun­gen vieler Roma­schülerin­nen und -schü­ler sowie ge­zielte Unter­stützung für jede ihrer Bildungs­phasen er­mög­lichen.
  • Jugendarbeitslosigkeit: Der Anteil junger Roma zwischen 16-24, ins­beson­dere der Frauen, die kei­ner Be­schäf­ti­gung, Aus- oder Weiter­bildung nach­gehen, ist immer noch hoch im Ver­gleich zur all­gemei­nen Öf­fent­lich­keit. Die Mit­glied­staaten müs­sen die Be­schäf­ti­gung fördern, ins­beson­dere für junge Roma, z. B. durch Weiter­bildung am Arbeits­platz, Praktika und Aus­bildungs­plätze. Ro­ma soll­ten auch ge­ziel­ten Zugang zu Mög­lich­keiten er­hal­ten, ein eigenes Unter­nehmen zu gründen.

Dieser Bericht dient als Grundlage für die Debatte über die künfti­ge Integration der Roma, da der exis­tie­ren­de EU-Rahmen 2020 aus­läuft. Der Bericht wer­tet die Aus­wirkun­gen der be­stehen­den Maß­nahmen über die Jahre aus. Außer­dem wer­den in dem Bericht die Ent­behrun­gen der Roma global mit ande­ren Ländern ver­glichen. Auf dieser Grund­lage kön­nen die EU und ihre Mit­glied­staaten ihre Ver­pflich­tung im Rahmen der UN-Nach­haltig­keits­ziele über­prüfen.

(fra.europa.eu)

Responses

  1. dROMa-Blog | Weblog zu Roma-Themen | Facts & Figures (188) says:

    Mai 2nd, 2018 at 11:03 (#)

    [...] (Quelle) [...]

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